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Absztrakkt macht jetzt Nazi-Rap

Absztrakkt in einem älteren Video. Foto: YouTube Screenshot

Absztrakkt, hier in einem älteren Video. Foto: YouTube Screenshot

Der Rapper Absztrakkt ist bereits seit Längerem für seinen Hang zu Verschwörungstheorien bekannt. Nun ist er mit dem Track „für Daniel aus Chemnitz“ auf einem Nazi-Sampler vertreten, zu dem außer ihm u.a. Kategorie C und Chris Ares Lieder über Chemnitz beigesteuert haben. Ob er tatsächlich eingewilligt hat, dass sein Track auf diesem Sampler verwendet wird, ist zwar unklar. Doch es ist kein Zufall, dass er in diesem Umfeld auf Zustimmung trifft.

Angesichts der jüngeren Geschichte des gebürtigen Österreichers, der nach eigener Aussage weder rechts noch links ist, sondern über den Dingen schwebt, sollte das eigentlich niemanden mehr verwundern. Dennoch ist dieses Lied der Höhepunkt seines persönlichen Rechtsrucks. Klar, schon die vermeintlich intelligente Gesellschaftskritik aus früheren Tagen entpuppt sich bei näherem Hinhören als Geschwurbel. Dass sein Name mal neben einschlägigen Nazi-Bands wie Kategorie C stehen würde, hätten jedoch wahrscheinlich nicht mal seine Kritiker für möglich gehalten.

Doch seitdem ist viel passiert. Absztrakkt hat im Zuge der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten dazu aufgerufen, den FPÖ-Kandidaten Hofer zu wählen. In dem Track „Walther“ sprach er davon, dass dieses Land nun endlich Männer kriege, die sich wehren. Wogegen man sich seiner Ansicht nach wehren muss, ist auch klar: Natürlich „gegen die geplante Unterdrückung und die Gesinnungspolizei“.

Wenn man sich dann noch Absztrakkts Beitrag zum rechten Chemnitz-Sampler zur Gemüte führt, bleibt einem die Spucke weg. Wie schon der Titel sagt, geht es dabei um den in Chemnitz getöteten Daniel H. – der allerdings war Zeit seines Lebens ein bekennender Nazi-Gegner, wie ein Blick auf sein Facebook-Profil nahelegt und Aussagen aus seinem Freundeskreis untermauern. Dennoch haben Nazis und Hooligans die Tat zum Anlass genommen, Journalisten und Menschen mit Migrationshintergrund durch die Stadt zu jagen – schließlich handelt es sich bei den beiden mutmaßlichen Tatverdächtigen um einen Syrer und einen Iraker.

In den Augen der Nazis ist Daniel H. daher ein Opfer von Merkels Einwanderungspolitik. Diese Auffassung teilt offenbar auch Absztrakkt. Sein Song wurde auf YouTube mit einem Bild von einem Stolperstein, auf dem der Name und das Alter des Verstorbenen stehen, unterlegt und es handelt sich nicht etwa um ein Fanvideo, sondern um den offiziellen Kanal seines Labels „Einige der Wenigen“. Dabei gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Daniel H. Opfer eines Hassverbrechens wurde wie die ermordeten Juden, für die solche Stolpersteine verlegt werden. Über die Hintergründe der Tat herrscht weiterhin Unklarheit.

Für Absztrakkt hingegen scheint die Sache klar zu sein. Schon die ersten Zeilen des besagten Tracks sind aufschlussreich:

Hey Daniel
Ich hab dich zwar nicht gekannt
Doch es berührt mich, was dir passiert ist und auch, was abgeht im Land
Ich bin zwar selbst nicht mehr da
Doch hab lange in Deutschland gelebt
und mitbekommen, wie die Medien dort alles verdrehen
Ich wünsch‘ mir, dass gegen die Aufrichtigen die Hetze stoppt
Alle, die deinen Tod nicht gutheißen, gehören zum rechten Mob

Fassen wir zusammen: Absztrakkt gibt selbst zu, dass er den Ermordeten nicht gekannt hat, was ihn aber nicht davon abhält, einen Song zu schreiben, in dem er ihn direkt anspricht. Er gibt selbst zu, dass er nicht mehr in Deutschland lebt, und dennoch veröffentlicht er diesen Track, nachdem es in Chemnitz bereits zu gewalttätigen Ausschreitungen durch Rechtsextreme gekommen ist. Man kann also nicht behaupten, dass Absztrakkt nicht gewusst hätte, was er da tut oder dass er persönlich überhaupt von den vermeintlichen Problemen in diesem Land betroffen wäre. Wie er darauf kommt, dass alle, die den Mord an Daniel H. nicht gutheißen, als rechts abgestempelt würden, ist ein Rätsel. Schließlich hat kein Politiker, Künstler oder Aktivist, der sich in den letzten Tagen gegen rechtes Gedankengut ausgesprochen hat, jemals diese Tat gutgeheißen.

Der Rest des Songs ist nicht weiter erwähnenswert, da Absztrakkt schlichtweg typische rechtsextreme Denkmuster bedient: Es ginge um „den Schutz unserer Kinder, den Schutz unserer Frauen“ – der geneigte Leser dürfte diese Argumentation bereits kennen. Rechtspopulistische Politiker geben auch häufig vor, die Schwachen und Wehrlosen schützen zu wollen, solange diese der eigenen Volksgemeinschaft angehören.

Solches Gedankengut sollte einem spirituellen Buddhisten wie Absztrakkt eigentlich eher fremd sein. Wie so oft, waren im Falle des Rappers vermutlich Verschwörungstheorien die Einstiegsdroge in rechtsextremes Gedankengut. Wie er selbst in einem Songtext betont, warnte er schon 2009 vor der „neuen Weltordnung“ – ein Begriff, der von Verschwörungstheoretikern verschiedener Couleur genutzt wird. Auch nationalistische Tendenzen waren bereits in alten Texten erkennbar.

Ich bin Kartoffel, ohne Hitlerkomplex
Als wären wir das einzige Volk, das Millionen auf dem Gewissen hätt‘
(Absztrakkt – Blüten & Dornen, 2009)

Unter dem Pseudonym Bodi Balboa äußerte sich Absztrakkt zudem homophob gegen Volker Beck, ohne diesen namentlich zu erwähnen: „Doch wenn ich hier jetzt laut sage, Frauen fühlen sich alleine auf der Straße nicht mehr wohl, dann ist das was Schlimmeres, als wenn ich sag, im Bundestag sprechen kinderfickende Schwuchteln auf Crystal Meth. Blickste des?“

Man könnte jetzt denken, die Wandlung von Absztrakkt zum Nazi-Rapper sei ein Sonderfall. Das wäre nicht einmal falsch, doch dieser Fall zeigt, wie anschlussfähig die in der HipHop-Szene weit verbreiteten Verschwörungstheorien an die Ideologie der extremen Rechten sind. Denn da befindet sich der Rapper aus Lüdenscheid in bester Gesellschaft: Haftbefehl spricht häufig von der „Rothschild-Theorie“, Mr. Schnabel bezeichnet 9/11 als „schlechte Staatslüge“ und Kollegah versprach jedem Journalisten, der über Pizzagate berichtet, die Zahlung von 25.000 Euro. Der Kollege Bartoschek wartet übrigens immer noch auf sein Geld.

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8 Kommentare zu “Absztrakkt macht jetzt Nazi-Rap

  • #1
    Kai

    Rechts und links ist ein Gedankenkonstrukt der Obrigkeit. Ihr solltet die Scheuklappen abnehmen! Ach und die Nazis sind schon lange tod. 🙂

  • #2
    Durchblick

    @Kai
    Recht haste!
    Der Artikel lässt auf die Beschränktheit des Verfassers Rückschlüsse ziehen.
    Alle die meinen, Absztrakkt wäre auf einmal Nazi und alle seine vorigen Werke wären für ihn oder seine Hörer bedeutungslos geworden, hängen in weltfremden Ideologien fest, die letzten Endes der Aufrechterhaltung des menschenfeindlichen Systems dienlich sind.

  • #3
    thomas weigle

    Wieso wird dieser #1 und#2 Unfug freigeschaltet? Meinungsfreiheit kann doch nicht heißen, jedem Schwachsinn ein Forum zu bieten!!!!

  • #4
    Malik

    Der Begriff "Nazi" verliert vollkommen an Bedeutung, wenn man jeden, der auf dem eigenem politischen Spektrum nicht richtig einzuordnen ist, als solchen betitelt. Scheint nur leider weder dem Autor noch dem Rest der Medienwelt aufzufallen. Außerdem habe ich keinen Nazisampler im Netz finden können, also weiß ich nichtmal ob diese Information der Wahrheit entspricht. Absz hat ein paar fragwürdige Lines, aber ihn deshalb so in die rechte Ecke zu stellen, ist schon ein bisschen schäbig. Bevor du so einen diffamierenden Artikel schreibst, frag Absztrakkt doch erstmal ob er dir ein Interview gebe würde, um diese Missverständnisse endlich mal aus der Welt zu schaffen.

  • #5
    ......

    ekelhaft wie leichtfertig die Leute heutzutage Dritte mit größenwahnsinnigen Psychopathen & Massenmördern in einen Topf werfen. Das grenzt an Hetze.

  • #6
    Jonas

    " Du solltest dich schämen. Das hat hier nichts zu suchen.
    Und wenn ich für dich nur ein Nazi bin, bist du für mich nur ein Jude.
    Merk dir das! Merkst du was? Wie dieses Scheiß-Verhalten
    nur dazu führt, dass wir uns noch weiter spalten.
    Alles bleibt beim Alten
    in diesem brodelnden Kessel
    der dich festhält und fesselt
    zwischen verschiedenen Ideologien
    Religionen und anderen Idiotien
    – In dieser Westwelt. "

    Das Zitat geht noch weiter und man könnte unzählige weitere anführen und kontrovers diskutieren einfach weil der Typ halt schon wahnsinnig viel gedroppt hat uns sich auch meist schon zwei lines weiter widerspricht. Was sich bei dem alten wie dem neuen zeug durchzieht ist sicher seine Religions- und auch explizit seine Islam-Feindlichkeit. (z.B. "An Minaretten in unseren Städten hab ich nicht das geringste Interesse! ") Ich hoffe inständig, dass sich der Mann nicht noch weiter in ideologische Grabenkämpfe ziehen lässt, die er m.M.n. nicht nötig hat, würde ihm aber auch noch aufmerksam und kritisch zu hören, wenn er fremdenfeindliche Hassparolen schwingen würde, denn kritisches Denken und aufmerksames Zuhören ist etwas, das er mir (wenn ich ihn richtig verstanden habe) immer vermitteln wollte.
    Ein treuer Fan

  • #7
    voodoo

    Also so eine gequirlte Sch**** hab ich ja schon lange nicht mehr gelesen!! Wenn ihr euch mal die Mühe machen würdet und nicht nur 1-2 Tracks von ihm völlig neben dem Ton zu zerstückeln würde es euch vielleicht auch auffallen. Zum Glück gibt es noch Menschen die Dinge fühlen und „mitfühlen“ . Ganz egal ob man jemanden gekannt hat oder nicht.. Wie ihr daraus einen rechten Strick dreht ist wirklich unter aller Kanone. Ist das Journalismus oder was?! Ihr seid diejenigen die hier Hetze betreiben so st niemand!! Ich wünsche euch von Herzen das ihr es schafft mit dem selben zu sehen! Peace out

  • #8
    Thomas Weigle

    Was mich bei diesen Nazis immer wieder wundert, ist dieser Hass auf Schwule. Ist das Selbsthass? Man weiß doch nun spätestens seit Röhm , dass man sich in diesen Kreisen gerne an die Hose geht.Ist den deutschen Volksgenossen ja damals regierungsamtlich mitgeteilt worden.

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