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Ach, Bochum…

Der Honorar-Skandal hat nicht nur Peer Steinbrück, den Kanzlerkandidaten der SPD, beschädigt, sondern ganz Bochum lächerlich gemacht. Wie konnte es soweit kommen?

Auch ohne Peer Steinbrück wäre die Sache peinlich genug: Bochum, eine Stadt die von Haushaltskrise zu Haushaltskrise wankt, deren öffentliche Gebäude verfallen und die ihre Schulen mangels Kindern schließen muss, gibt über ihr städtischen Töchter hunderttausende im Jahr aus, um Prominente in die Stadt zu locken. Der Zweimal im Jahr stattfindende Atrium-Talk, an dem im Laufe der Jahre Uli Hoeneß, Senta Berger und eben Peer Steinbrück teilnahmen, war ja nur eine von drei Veranstaltungen der Sascha Hellen Medien Projekte GmbH. Höhepunkt von Hellens schaffen ist die alljährliche Verleihung des Steiger Awards, eines Preises von dem niemand weiß für welche Leistungen es ihn genau gibt und den in jedem März die Prominenten bekommen, die gerade in der Gegend sind: Bonnie Tyler, die man wohl in früheren Jahrhunderte eine Rock-Röhre genannt hätte, bekam ihn für ihr Lebenswerk, der afghanische Präsident Hamid Karzai für Toleranz  und Farah Diba Pahlavi, die Witwe des letzten Schahs von Persien in der Kategorie Charity. Lou Reed hätte den Preis in diesem Jahr in der Kategorie Musik bekommen sollen, blieb aber lieber zu Hause in New York – gesundheitsbedingt.

Die dritte Veranstaltungsreihe, die Konferenz Herausforderung Zukunft, fand vor zwei Wochen statt. Mit dabei: Ex-US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter.

125.000 Euro gaben allein die Stadtwerke im Jahr als Sponsor der Hellen Medien Projekte, die Sparkasse nach Informationen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung weitere 62.500 Euro.

Die treibende Kraft dahinter soll nach Informationen nicht nur dieses Blogs, Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) sein. Stolz listete sie in ihrem Grußwort zum Neujahr 2008 die Prominenten auf, die zur Verleihung  in die Jahrhunderthalle kamen und 2011 sagte sie „Er macht beste Werbung für die Metropole Ruhr. Und wir freuen uns über die Aufmerksamkeit.“ Ein wenig wähnt man sich in Bochum an solchen Tagen auf Augenhöhe mit Düsseldorf, München oder Berlin. Das Image der grauen Maus, im Licht der Scheinwerfer scheint es zu verschwinden. Und das ist das Problem: Zu glauben, ein paar Prominente würden irgendwas an den Problemen der Stadt lösen.

In den sechziger und siebziger Jahren war das anders, war Bochum der Taktgeber für das ganze Ruhrgebiet, sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit durch mutige Entscheidungen. 1958, als die Bergbaukrise gerade begonnen hatte, die meisten Städte im Revier noch darauf hofften, dass die Kohle nicht nur ihre Vergangenheit sondern auch ihre Zukunft bestimmen würde, begann Bochum über die Ansiedlung von Opel zu verhandeln. Vier Jahre später war das Werk fertig und über 11.000 neue Jobs geschaffen. Die Stadt setzte sich gegen den Willen der Zechenbetreiber durch. Normal war das damals nicht: Ford oder Henkel scheiterten mit ihren Versuchen sich im Ruhrgebiet anzusiedeln am Widerstand der Politik und der alten Ruhrbarone, die darum fürchteten, ihre Arbeiter würden in die neuen Industrien abwandern. Die Stadt kämpfte mit Erfolg um die Ansiedlung der ersten Universität im Revier. Die Ruhr Universität liegt heute mit über 36.000 Studenten knapp hinter der aus zwei Gesamthochschulen gebildete Universität Duisburg-Essen und ist mit abstand die renommierteste Hochschule der Region.

Mutig war Bochum auch im Kulturbereich: Peter Zadek, einer der wichtigsten Erneuerer des deutschen Theaters der Nachkriegszeit war von 1997 bis 1979 Intendant des Schauspielhauses. Sein Nachfolger wurde Claus Peymann. In dieser Zeit war das Bochumer Schauspielhaus eines der besten Theater des Landes. Und während in den meisten Städten im Ruhrgebiet damals nach Einbruch der Dunkelheit die Bürgersteiger hochgeklappt wurden, entstand ab den spätern 70er Jahren nur ein paar Meter vom Theater entfernt das Bermudadreieck, eines der größten Szene- und Kneipenviertel Deutschlands. Die Zeche Bochum war in den 80er Jahren einer der bekanntesten Musikclubs der Republik, Damals brauchte Bochum keinen Promi-Besuch, um in die Schlagzeilen zu kommen. Die Stadt sorgte  für Aufmerksamkeit, weil sie selbstbewusst ihren eigenen Weg ging. Und damit Erfolg hatte.

Das ist lange her und das zeigt sich nicht nur an den von der Stadt und ihren Unternehmen geppelten Veranstaltungen der Hellen Medien Projekte.

Bochum geht nicht mehr voran, es macht nach: Bochum, Duisburg und Essen haben in den vergangenen Jahren neue Konzerthäuser gebaut – Bochum will jetzt auch eins. In Duisburg, Essen und Dortmund haben große innerstädtische Einkaufszentren – in Bochum soll auch eines errichtet werden.

Bochum sind die Ideen ausgegangen. Im Rathaus sitzen nicht mehr, wie noch in den 60er Jahren, Menschen mit Mut und Visionen, sondern graue Verwalter, die sich darüber freuen, wenn sie mal auf ein Foto mit einem Prominenten kommen.

Für eine Stadt, die zwischen den wesentlich größeren Nachbarn wie Essen und Dortmund eingeklemmt ist, ist das fatal. Solche Städte überleben nur, wenn sie den anderen immer eine Nase voraus sind. Bochum war das zwei Jahrzehnte lang. Es waren die Jahre, in denen sich die Stadt neu erfand. Und Prominente kamen, um sich die Stücke im Schauspielhaus anzuschauen. Oder um an der Universität zu lehren. Heute kommen sie, wenn sie den Steiger Award in der Jahrhunderthalle bekommen – ein Stück Kohle in einer Glaskugel.

Bei den meisten Menschen landet so etwas nicht in einer Vitrine, sondern auf dem Müll.

RuhrBarone-Logo

15 Kommentare zu “Ach, Bochum…

  • #1
    Walter Stach

    -Stefan-:
    Ihr Bochumer habt in Eurer Stadt ein riesiges Potential an Bürgern, indem alle Ressourcen vorhanden sind, damit umfassender als bisher, quantitativ und qualitativ besser organisiert und gemanagt als bisher, zielsätziger als bisher ein Prozess stattfinden kann,
    um
    a.) die Stärken und Schwächen der Stadt zu analysieren
    um danach
    b) die (mittelfristigen/langfristigen)strategischen Ziele der Stadt festzulegen
    und um
    c.) anschließend -d.Rat und Bürgerschaft (sh.sog.Bürgerhaushalt)- die knappen Finanzen im Rahmen der mittelfristige Finanzplanung der Stadt prioritär für das einzusetzen, was dem Erreichen der vorgegebenen strateg.Ziele der Stadt dient.

    (Letzteres eben nicht mehr -jedenfalls nicht primär- nach dem, was aufgrund von Zufälligkeiten, aufgrund kurzfristiger parteipolitischer Interessen, aufgrund von Einzel- und Gruppeninteresse -dank medialer Unterstützung- „In“ ist und deshalb vorrangig haushaltswirtschaftlich Berücksichtigung findet.)

    Und dieser angedeutete Prozeß muß ein bürgerschaftlicher(!!) sein.

    Nicht gegen die Fraktionen im Rat, nicht gegen OB und Stadtverwaltung, sondern mit ihnen, aber nicht von ihnen bestimmt und es muß ein weitgehend vorbehalt- und bedingngslos zu führender Prozess sein.
    Das vorrangig Bürgerschaftliche an einem solchen Prozeß könnte z.B. dadurch nachdrücklich demonstriert werden, daß die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit für den Prozess, auch seine Organisation, seine Steuerung, nicht in Händen der Stadt -oder einer städt.Tochtergesellschaft liegt-, sondern beispielsweise bei einem (An-)Institut der Uni BO.

    Soweit ich das mitbekommen habe, hat es doch im Sinne meiner o.a.Anregung schon einen von der OB initiierten ersten Schritt gegeben, der aber, sh.oben, unbedingt ausgebaut und weiterentwickelt werden sollte. Oder läuft darüberhinaus bereits der Prozess in Bo so, wie ich ihn für Euch Bochumer für wünschenswert halte und ich habe das nicht mitbekommen?

    Also, lieber Stefan, liebe Bochumer, wie in einem anderen Zusammenhang vor einigen Tagen hier im Blog gesagt -mit Verweis auf den „Titel“ des betr.Konzertes am letzten Wochende in Köln-:

    „I h r müßt den Arsch hoch und die Zähne auseinanderkriegen“ -Letzteres findet ja zumindest hier im Blog bereits statt-.

  • #2
    Martin

    Ich mache bei dem allgemeinen Bum-Bochum-Bashing (FAZ, Welt, Barone) nicht mit. Früher war alles besser? Quatsch, Bochum hatte es immer schon schwer, doch wir leben jetzt in einer verschärften Phase der „sozialen Marktwirtschaft“. Bochum ist da noch das geringste Problem. Und solche Laberrunden machen doch alle Kommunen. (Bin auch kein Ottilie-Fan, aber ihr kommt das Verdienst zu, die Loveparade abgelehnt zu haben).

    Also, ein (oder zwei) Pint Fiege auf Bochum!

  • #3
    Wolfgang Wendland

    Stefan, Du hast mit deiner Kritik recht, leider kommt sie midestens 20 Jahre zu spät. Jetzt ist der Patient tot und da ist nichts mehr zu machen.

  • #4
    Martin

    Bochum ist im Vergleich zu Wattenscheid ja wohl wirklich sowas wie eine Weltstadt. Das hätte der Burger mal schreiben sollen.

  • #5
    Wolfgang Wendland

    @Martin Wattenscheid ist ein Bezirk der neuen Stadt Bochum, die aus der Zusammenlegung der Städte Bochum und Watenscheid entstanden ist. Wattenscheid ist der einzige Bezirk der Stadt, der einen Namen hat. Die anderen sind nach der geographischen Lage innerhalb der Stadt benannt. Das Bochum „sowas wie eine Weltstadt“ ist bestreitet ja niemand das ist ja genau das was eine Prvinzstadt ausmacht, dass sie die negativen Seiten eines Dorfs und einer Stadt zusammenführt und sich für eine Weltstadt hält.
    Die mangelde Ausstattung des Bezirks Wattenscheid z. B. mit kulturellen Einrichtungen ist vom Bochumer Rat verursacht. In Wattenscheid selbst hat die SPD schon lange keine Mehrheit mehr.

  • #6
    Martin

    Wär ja auch noch schöner, wenn Separatismus belohnt werden würde.

    Hab 15 Jahre in Bochum gelebt. Es ist definitiv die schönste und warmherzigste Stadt im Pott…

  • #7
    Walter Stach

    -2-Martin:
    Ich als Nichtbochumer meine feststellen zu können, daß die Probleme in der Ruhrgebietsstadt Bochum zwar graduell anders sind als in DO,E,DU,GE, aber nicht strukturell.

    Von daher:
    1.
    Wenn wir hier diskutieren, dann exemplarisch am Beispiel BO, auch deshalb, weil der Istzustand m.E. in Bochum graduell schlechter ist als in DO und weil mir die Perspektiven ebenfalls ungünstiger erscheinen als in DO. Für mich hat die Diskussion nichts mit Bum-Bochum-Bashing zu tun.Es geht doch darum, daß wir im Ruhrgebiet nicht „den Kopf in den Sand stecken“, um den unerfreulichen Istzustand nicht sehen zu müssen, sondern „erhobenen Hauptes“ uns den Herausforderungen stellen.Das hat auch nichts mit „Netzbeschmutzung“ zu tun.

    (Die Situation in der Emscher-Lippe-Region -ich wohne im kleinen Waltrop-stellt sich mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen, die Zahl der Hartz IV Bezieher,den katastrophalen Zustand der komm.Haushalt, den drastischen Einschränkungen komm.Dienstleistungen, den extremen Anhebungen von Steuern und Gebühren mindestens ebenso unerfreulich da wie in BO. Und darüber ist zu reden. Und das setzt m.E.-sh.unsere mehrfach geführte Diskussion-auch andere Prozesse der Willensbildung in den Kommunen voraus, vor allem auch eine wesentlich stärker Einbindung der Bürgeschaft in den Beratungs- und Willensbildungsprozess und eine insgesamt stärkere Bereitschaft der komm.Bürgergesellschaft, „an sich öffentliche Aufgaben“ selbst wahrzunehmen;ich denke u.a. an die z.Zt.besonders interessante Organisation von Bürgern in Genossenschaften.)

    2.
    Ich habe hier bei den Ruhrbaronen bereits mehrfach gesagt, daß ich OB Dr.Ottilie Scholz für eine gute OB in BO halte.

    Eine OB, die nicht kritisiert wird, gibt es nicht -nirgendwo,eben auch nicht in BO.
    Wenn die OB verantwortlich gemacht wird für die Causa Stadtwerke BO -Steinbrück, dann halte ich das für nicht vertretbar,was ich hier im Blog einige Male begründet habe.

    Und -auch das habe ich bezogen auf die OB schon ‚mal gesagt: Es ist ja noch nicht solange her, daß die Bochumer Dr.Scholz mit klarer Mehrheit zur OB
    w i e d e r g e w ä h l t haben.

    Die Probleme in BO haben -wie in den anderen Ruhrgebietskommunen einschließlich der Emscher-Lippe-Region-sehr viel zu tun mit einer politischen Kultur -sh.mein Beitrag -1-, die „vorvorgestern“ eine erfolgeiche Kommpolitik/Regionalpolitik getragen und bestimmt hat, aber weder den inhaltlichen Herausforderungen unser Zeit, speziell im Revier, gerecht wird noch den veränderten Lebensbedingungen, Lebenserwartungen, Lebensgestaltungen durch den Einzelnen, u.a.und sehr entscheidend bestimmt durch Informations- und Kommunikationsprozesse, von denen wir „vorvorgestern“ nicht ‚mal geträumt haben.

    Und darüber diskutieren wir hier bei den Ruhrbaronen.
    Wenn nicht hier, wo und wie denn sonst?
    Kritik, auch heftige, auch eine, die sich gelegentlich „im Ton vergreift“, muß sein, auch deshalb, damit wir…………..sh.letzterSatz meines Beitrages zu -1-.

  • #8
    Volker Steude

    Die grauen Verwalter sind das Problem. Die BO-Politiker sehen ihren Job darin, die ihnen vorgelegten Verwaltungsvorlagen abzunicken. Wenn sich raus stellt das falsch entschieden wurde, schieben sie die Verantwortung zurück auf die Verwaltung: „Wir müssen uns auf das Wissen der Verwaltung verlassen, wir sind ja auch keine Fachleute.“

    Die Politik macht also eigentlich die Verwaltung nicht mehr der Rat.

    Gestaltungswille bei der Politik, Fehlanzeige. Hier nur mal die Internet-Seiten zum Gruseln:

    http://www.spd-bochum.de/ – Bochumer Themen? Igendwelche Ideen für Bochum? Nö. Aber ein Bericht: „Goldhamme jetzt mit Supermarkt“ Das ist das Niveau!

    http://www.cdu-bochum.de/startseite.html – Allgemeines Blabla… Mindestens beschäftigt man sich mit einigen Themen. Eigene Ideen, Ödnis, nicht eine.

    http://www.gruene-bochum.de/ – Einkaufszentrum, Musikzentrum, ein bissschen zu den aktuellen Ratsthemen, eigene Ideen, genau: Null.

    Bei den kleinen Parteien sieht’s nicht besser aus… .

  • #9
    Urmelinchen

    Nicht einmal ein vernünftiges Krisenmanagement können OB & Co.; da lässt man dann ein paar Wirtschaftsprüfer kommen, um dem Bürger Objektivität und das Bemühen um Aufklärung zu suggerieren. GÄHN! Und letztlich wird dann verkündet, dass die Causa „Stadtwerke – Spenden – Hellen“ nicht aufzuklären sei.
    Ne, is‘ klar, ich habe natürlich Verständnis dafür, dass man nur ungern bei seinen Mauscheleien gestört wird. Wie rücksichtslos von der „bösen“ Presse, die man aber gerne mag, wenn’s um Berichterstattung in Sachen Award geht und Bochums oberste Riege sich einmal im Jahr im Blitzlichtgewitter sonnen darf und versucht Weltstadt zu spielen.

    Bevor es nun aber nur wieder in Lamento ausartet, Folgendes:

    Die Bochumer Bürger, die ihren Strom noch über die Stadtwerke beziehen, sollten spätestens jetzt darüber nachdenken, zu einem anderen (vielleicht auch ökologischen) Anbieter zu wechseln. Da bleibt es dann nicht nur beim Lamento, sondern ich entziehe Geld, was in großem Umfang immer eine Reaktion erzwingt. Man erinnere sich nur an den Fall Shell/Brent Spar.

    Wollen doch mal sehen, ob man somit nicht so manchen Leuten, die schon lange die Bodenhaftung verloren haben, nicht die Flausen in punkto Award, Stars und Sternchen etc. austreibt ;-). Mein Compi läuft übrigens schon länger nicht mehr über Strom aus BO :).

  • #10
    Wolfgang Wendland

    @ Volker Steude #8
    Sei doch froh dass „die Politiker“ keine Ideen haben…. sonst würde doch wieder nur so ein Blödsinn wie das Konzerthaus dabei rauskommen.

  • #11
    der, der auszog

    @Walter

    Was ich bei Dir noch nicht ganz verstehe: Wir ordnest Du die Ereignisse in Bochum um den Atriumtalk eigentlich ein?

    Deine Argumente, pro Steinbrück konnte ich noch nachvollziehen. Geld für eine Leistung anzunehmen ist noch nichts verwerfliches, viel Geld anzunehmen ist es auch nicht und wenn Steinbrück damals schon geahnt hätte, dass seine politische Zukunft noch nicht besiegelt ist, sondern in einer Kanzlerkandidatur enden wird, dann hätte er sich vermutlich ganz anders verhalten. Da stimme ich zu.

    Aber Deine Argumente pro Scholz kann ich nicht nachvollziehen.
    Politik hat mit sehr viel Verantwortung zu tun. (Ein Grund für mich, wieso Politiker auch anständig bezahlt werden sollten). Aber im konkreten Fall scheint ja niemand verantwortlich zu sein. Kein Steinbrück, keine Ottilie Scholz, kein Bernd Wilmert, kein Sascha Hellen. Ottilie Scholz hatte seltsamerweise sehr viel Zeit mit dem verbracht, was sie selber als Aufklärung bezeichnete. Aber so richtig aufgeklärt ist die Angelegenheit ja immer noch nicht. Im Gegensatz dazu hatte sie es aber recht eilig, zu verkünden, dass es keine personelle Konsequenzen geben wird. Weder bei ihr selbst, noch bei den Stadtwerken noch beim Eventmanager Hellen. Dieses Bekenntnis legte sie ja bereits Tage vor der Sitzung ab. Da wird doch der zweite Schritt, vor dem ersten gemacht.

    Ist das für denn alles nur heiße Luft, was sich da gerade an Empörung auftut? Diese Provinzposse, wie Du sie in einem anderen Beitrag nennst, ist ja leider nicht mehr nur auf die Provinz, Bochum und Ruhrgebiet beschränkt. Es ist ja die ganze Republik, die sich da mokiert.

    Kann man wirklich nur den Bürger verantwortlich machen, weil der ja als Wähler dieser Frau seine Stimme gegeben hat?

    Du hast das Stichwort Loveparade genannt. Eine Leistung von Ottilie Scholz kann ich in dem Zusammenhang nicht erkennen. Sie hat das getan, was jeder Bürgermeister hätte tun müssen, wenn Experten von einer solchen Veranstaltung abraten: Sie hat sie abgeblasen. In Gelsenkirchen, wo die Loveparade 2011 ausgetragen werden sollte, hätte man sich ähnlich verhalten, denn auch da gab es bereits die ersten Expertengespräche. Aber wenn wir schon mal bei der Loveparade sind: Auch Adolf Sauerland ist übrigens von einer klaren Mehrheit w i e d e r g e w ä h l t worden. Auch Sauerland hat sich nach dem Skandal dadurch ausgezeichnet, dass er keine Verantwortung übernehmen wollte und auch versuchte, den involvierten Verwaltungsapparat zu schützen. Und so schlecht soll Sauerlands Politik in Duisburg auch nicht gewesen sein, bevor die Tragödie ihren Lauf nahm.

    Trotzdem hat er es geschafft alles, was man ihm positiv hätte anrechnen können, zunichte zu machen, weil er es ablehnte, Verantworung zu übernehmen.
    Was ist bei Ottilie Scholz anders als bei Sauerland?

  • #12
    Schinken

    hallo wölfi, schön mal was von dir zu lesen,es lebe wattenscheid!
    zur sache: die misere der ruhrgebietsstädte hat einen einfachen grund, es fehlen schlicht und ergreifend die jungen leute !ich bin als 22jähriger nach essen gezogen und habe es 33 jahre dort ausgehalten. es wurde immer schlimmer:egal ob in der u-bahn,im park, im supermarkt oder im konzert-überall sind die grauhaarigen graugesichtigen in der absoluten mehrheit. vor fünf jahren bin ich ausgewandert, in meiner neuen heimat bilden die unter 25jährigendie mehrheit. glaubt mir, das macht einen riesenunterschied, selbst unfähige politiker können die um welten positivere grundstimmung nicht kaputt machen. leute wie ich können in würde altern und sind nicht, wie es ein freund angesichts des verstädterten altenheims zwischen ruhr und lippe einmal ausdrückte,zur ewigen. nur vorgegaukelten jugendlichkeit verdammt

  • #13
    Volker Steude

    @Wolfgang Wendland. Ich muss mich korrigieren, wie ich recherchiert habe, sind den Bochumer Politikern doch nicht ganz die Ideen ausgegangen :-).

    Sprengung der Propsteikirche für Bochumer Dom
    http://www.lokalkompass.de/bochum/politik/sprengung-der-propsteikirche-fuer-bochumer-dom-d232812.html

  • #14
    Walter Stach

    -11-Der,Der…..

    1.
    I c h habe nicht die Absage der Love-Parade für die Stadt Bochum d.d.OB erwähnt. Das war Martin -sh.2-.
    2.
    Aber die Love-Parade-Absage durch Dr.Scholz in BO könnte auch für diejenigen, die die OB nicht näher kennen, weder ihre berufliche Qualifikation, ihre Erfahrungen in kommunalen Führungspositionen vor der Amtsübernahme als OB in Bochum-völlig anders als bei Sauerland- und die zudem vom gesamten Spektrum ihrer Arbeit in BO nichts wissen, ein Indiz dafür sein, daß die Bochumer OB ihre Entscheidungen stets eigenverantwortlich triftt oder anders:Sie ist sich stets ihrer Verantwortung gegenüber den Pflichten ihres Amtes bewußt. Ich habe bei Sauerland und oft leider auch bei anderen OB den Eindruck, daß die gar nicht zu wissen scheinen, welche Verantwortung sie für ihre Stadt übernehmen, und „auf sich laden“, wenn sie in das OB-Amt gewählt werden.

    Der Duisburger OB Sauerland hat sich letztlich trotz aller seiner Bedenken für die Love-Parade in Duisburg entschieden, weil erheblicher Druck von Außen, z.B.durch die damalige Landesregierung, auf ihn ausgeübt wurde.
    Für mich zeigt sich die Qualität einer Führungspersönlichkeit vor allem dann, wenn sie letztlich zu ihrer Überzeugung steht und danach entscheidet und sich nicht dem beugt, was andere -auch die Medien!!!-fordern.

    Das unterscheidet ganz grundsätzlich Scholz von Sauerland..

    3.
    Wenn Du sagst, niemand übernehme hier Verantwortung, dann hat das damit zu tun, daß niemand, auch nicht die Medien, bereit zu sein scheint , juristisch klar verfaßte Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten festzustellen, den Sachverhalt Punkt für Punkt, Schritt für Schritt aufzuklären und erst dann „zu urteilen“. Aber nach den Berichten in den Medien ist „man“ ja in Bochum dabei, das alles jetzt abschließend zu klären und vor allem darüber lückenlos die Öffentlcihkeit zu informieren.
    (Bitte bei alldem aber auch bedenken:
    „Man“ braucht ein Spektakel und „man“ pflegt den Skandal;wie anders sollte den unsere Mediengesellschaft über Wochen Befriedigung finden? Und das geht bekanntlich am besten, wenn „man“ Personen vorführen kann, ob Steinbrück oder Scholz. Das beklage ich nicht. Das gehört zum Tagesgeschäft in einer Mediengesellschaft. Nur erinnern sollte „man“ sich daran immer wieder.

    Frau Dr.Scholz ist als OB Aufsichtsratsvorsitzende eines Unternehmens und nicht, wie ich schon ‚mal im Blog festgestellt habe, der Vorstandsvorsitzende, in dessen Zuständigkeit und Verantwortlichkeit er selbst oder seine Mitarbeiter Events organisieren, die Gäste auswählen, Honorare festlegen und über Ähnliches im operativen Geschäft des Unternehmens zu befinden haben.

    Ob die Aufsichtsratsvorsitzende Dr.Scholz -mit dem gesamten Aufsichtsrat!!- gegenüber dem Vorstand Aufsichts- und Kontrollfunktionen im konkreten Fall -Steinbrück-Stadtwerke- schuldhaft verletzt haben könnte, vermag ich derzeit nach dem mir bekannten Sachverhalt nicht zu erkennen.

    4.
    Ich halte es zudem nicht für vertretbar, die von mir jetzt einmal unterstellte Verletzungen der Aufsichtspflicht der OB als Vorsitzende des Aufsichtsrates gegenüber dem Vorstand der Stadtwerke BO in ihrer juristischen und politischen Bewertung mit dem eklatanten Fehlversagen des OB Sauerland in Sachen Love-Parade gleichzusetzen.

  • #15
    Volker Steude

    Das Versagen der OB und des gesamten Aufsichtsrates liegt im konkreten Fall darin, dass man nicht bereit ist, die nahe liegenden Konsequenzen zu ziehen.

    Hellen hat in seiner Mail behauptet, dass er Steinbrück darüber informiert hat, dass der Betrag zu spenden sei. Wilmert sagt, Hellen wäre in vielen Gesprächen immer und immer wieder davon unterrichtet worden, dass die Stadtwerke die Zahlung des Betrages an eine Spendenerwartung binden. Steinbrück und alle anderen Talker bestreiten das Hellen ihnen das gesagt hat auch hat er in den Verträge mit den Promis immer Honorare vereinbart, nie Spenden.

    Da er Honorare vereinbart hat, wusste er, dass diese maßlos überzogen waren (25.000 statt 15.000). Damit wiederum hat er die Stadtwerke bewusst geschädigt. Er war wohl an hohen Honoraren interessiert, da Provisionen in diesem Bereich, regelmäßig an die Honorarhöhen oder die Kosten der Veranstaltungen gekoppelt sind.

    In diesem Fall trennt man sich von so einem Medienberater wie Hellen. Das tut der Aufsichtsrat aber gerade nicht. Das ist der OB und allen anderen Beteiligten vorzuwerfen. Auch die Verträge mit Hellen lassen sich auflösen, weil das Vertrauensverhältnis aufgrund des Verhaltens von Hellen zerrüttet ist.

    Da fragt man sich doch schon, warum tut man es trotzdem nicht? Der einzige Grund, der mir einfällt, ist, wenn die Verträge weiter laufen, ist Hellen weiter an die vertragliche Verschwiegenheitspflicht gegenüber Stadtwerken und Aufsichtsrat gebunden. Könnte man daran ein Interesse haben, weil Hellen vielleicht Sachen weiß, die die Öffentlichkeit nicht wissen sollte … ?

    Hier noch mal meine Meinung in lang: http://www.lokalkompass.de/bochum/politik/wer-luegt-hellen-oder-steinbrueck-d233025.html

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