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Achim Reichel: ‚Ich hab das Paradies gesehen‘ – Etwas verspätete Aufklärung über die Jugendzeit

Ich muss vorwegschicken, dass der Musiker Achim Reichel in meinem Leben eine ganz ähnliche Rolle einnimmt, wie es Hannes Wader tut, dessen Buch ich hier im Blog ja kürzlich auch schon einmal kurz vorgestellt hatte.

Nun, auch der Name Reichel ist für mich nach all den Jahren zuallererst verbunden mit meiner eigenen Kindheit, den stundenlangen Autofahrten quer durch Deutschland auf der Rückbank im PKW meiner Eltern, bei denen ich mich der Musikauswahl meines Vaters als Kind nicht wirklich entziehen konnte. Zugegebenermaßen nicht die allerbeste Voraussetzung um sich eine Biografie anzuschauen. Doch es hat sich gelohnt!

Ähnlich wie im Falle von Wader habe ich auch die Musik von Achim Reichel zunächst wenig geschätzt, um nicht zu sagen regelrecht ‚gehasst‘. In den 1980er-Jahren waren das in erster Linie die Alben ‚Ungeschminkt‘, ‚Blues in Blond‘, ‚Nachtexpress‘ und ‚Was Echtes‘.

Diese hatte mein Vater allesamt als Kaufkassetten (ja, sowas gab es mal ;-)) im Auto herumfliegen und er spielte diese gefühlte tausendmal in meinem Beisein ab. Viele Lieder daraus kann ich heute noch quasi auswendig, obwohl ich sie damals überhaupt nicht hören wollte.

Erst nachdem Reichel in den 1990er Jahren mit seinem heute kaum noch zu ertragenden Megahit ‚Aloha Heja He‘ aus dem Album ‚Melancholie und Sturmflut‘ einen echten nationalen Hit landete, fand ich seine Musik auch häufiger an anderen Orten als im Auto meiner Eltern wieder.

Das weckte damals mein Interesse an dem Musiker, dessen Alben ich zum Teil schon so häufig gehört hatte. Ich erfuhr in seiner im Rückblick populärsten Phase in den 90ern einige Hintergründe über den im Jahre 1944 geborenen und auf St. Pauli in Hamburg aufgewachsen Künstler, der inzwischen seit fast 60 Jahren auf der Bühne steht, von dem man im Alltag in der Regel aber sehr wenig hört und sieht.

Irgendwie logisch also, dass ich in diesem Herbst auf die frisch erschienene Biografie Reichels aufmerksam wurde, die ich heute hier an dieser Stelle einmal kurz vorstellen möchte, da sich ihre Lektüre wirklich lohnt.

In den Sechzigern feiert Reichel als Frontmann der ‚Rattles‘ Erfolge, einer Band, die einst zu den Größen hierzulande zählte. In den Siebzigern wurde er dann zu einem Vorreiter des Krautrocks. Der Hamburger veröffentlichte im Laufe der Karriere sehr unterschiedliche ‚Platten‘, darunter auch ein Album mit Shantys und Seefahrersongs. Reichel vertonte zudem Balladen von Goethe und Fontane. Seine musikalische Version des ‚Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland‘ höre ich noch heute gerne.

Das Buch ‚Ich hab das Paradies‘ gesehen lässt einen auf gut 400 Seiten teilhaben an einem bunten, spannenden Leben mit viel Musik. Man muss beileibe kein Fan von Achim Reichel sein, um daran seinen Spaß zu haben. Etwas Interesse an Biografien und Musik reicht schon.

Vor dem Hintergrund meiner Kindheitserinnerungen habe ich es jedoch mit ganz besonderem Interesse verschlungen und mir danach direkt noch einmal das eine oder andere Album aufgelegt. Ganz freiwillig übrigens. 😉

 

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

ISBN-13: 978-3498001780

Herausgeber: Rowohlt Buchverlag

Preis: 24 Euro

 

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