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Annette Schavan: Der Rücktritt, die Promotion und die Buntstifte

Annette Schavan Foto: AndreasSchepers Lizenz: CC

Annette Schavan Foto: AndreasSchepers Lizenz: CC

Annette Schavans Rücktritt folgt leider der politischen Logik. letzte Nacht habe ich mir mal die Geschichte der Uni Düsseldorf angeguckt und verstehe jetzt einiges anders. Das war ursprünglich ein Prutschladen, der erst kurz vor Schavans Promotion richtige Uni geworden war. Sie wurde mit der Eingliederung der alten PH Neuss quasi mit übernommen.

Nun kenne ich ihre Arbeit nicht. Ich kenne aus dieser Zeit aber Abschlussarbeiten anderer Pädagogik-FHs. Da konntest du mit Buntstiften schreiben, selbst gemalte Bilder einkleben, Wollfäden zu Bildern formen, auf Literatur vollkommen verzichten und über Dein eigenes Bastelprojekt in der Vorstadt schreiben. Der Dipl. Soz. päd. mit Auszeichnung war Dir sicher.

Was ich sagen will: Ihr Lehrstuhl war damals hochgradig interessiert, Abschlüsse rauszuhauen. Die aufnehmende Uni war ebenso hochgradig daran interessiert, durch Abschlüsse als ernsthafter Wissenschaftsbetrieb zu gelten. Institutionelle Erfahrung mit Doktorarbeiten hatten beide nicht. Schavan hat wohl das geliefert, was man von ihr erwartete. Eine anständige Betreuung seitens des „Doktorvaters“, Motto: „Mädchen, da musst du noch mal drangehen“, hätte die späte Katastrophe früh verhindert.

Wenn der Fakultätsrat heute, seine Unabhängigkeit wahrnehmend, den Titel entzieht, entzieht er sich vor allem auch der Geschichte seiner Universität. Er will die armen Verhältnisse, aus denen sie stammt, verschleiern, indem er sich dem heutigen Rankinggeschäft hingibt.

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14 Kommentare zu “Annette Schavan: Der Rücktritt, die Promotion und die Buntstifte

  • #1
    Christian

    Eine Pädagogik-Abschlussarbeit an einer Fachhochschule ist im Hinblick auf die formalen Anforderungen nicht mit einer Dissertation an einem Pädagogik-Lehrstuhl gleichzusetzen – so gesehen erschließt sich mir der Sinn dieses Beitrags nicht ganz…

  • #2
    Dennis

    Die Erziehungswissenschaft ist ein anspruchsvolles Studium an einer Universität. Die Promotionen in diesem Fach sind ebenfalls äußerst anspruchsvoll. Schavans Texte in der Pädagogik (Vorausgesetzt sie hat sie selbstgeschrieben) sind alles andere als immer leichte Kost. Der Sinn des Beitrags erschließt sich mir ebensowenig wie meinem Vorkommentator. Er kann ja mal ausprobieren, wie weit er mit Buntstiften und Bildkollagen im Fach EW an der Ruhr Uni Bochum kommt 🙂

  • #3
    Walter Stach

    1.
    Versuche , zu erklären.
    Bemühungen, zu entschuldigen.

    R e c h t- fertigen kann man dadurch das Tun/Unterlassen von Frau Schavan bei Anfertigung ihrer „Doktor-„arbeit nicht.
    2.
    Abschließende Entscheidung in einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren?

    Meine Kenntnisse und Erfahrungen sprechen gegen ein für Schavan positiven Ausgang.

    Es bedarf des Nachweises gravierender Verfahrensmängel bzw. des Nachweises gravierend ermessensfehlerhaften Handelns der Organes/der Behörde der Uni, damit……..!
    Es ist davon auszugehen,daß seitens der Organe/Behörden der Uni, wohlwissend, daß ihre Entscheidung gerichtlich angefochten werden wird, mit außerordentlicher Sorgfalt auf die Einhaltung aller Vefahrensregeln geachtet wurde und in der Sache im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens bzw.eines sehr großen Beurteilungsspielraumes eine hinreichend begründete Entscheidung getroffe wurde.
    Und kein (Verw.-) Gericht hat zu prüfen, ob möglicherweise auch eine andere Ermessensentscheidung möglich gewesen wäre oder darf versuchen, seine Beurteilung an die Stelle der Beurteilung d.d.Organe/Behörden der Uni setzen

    3.
    War der Rücktritt geboten,war er notwendig?
    Darüber läßt sich p o l i t i s c h trefflich streiten.

    Merkel und Schavan haben das getan, was nach ihrer Meinung p o l i t i s c h
    zweckmäßig ist.
    Das mag man kommentieren, dem mag man zustimmen,das mag man kritisieren,man mag spekulieren, ob der Rücktritt letztlich für die Kanzlerin,für die CDU im Bundestagswahlkampf positive oder negative Auswirkungen -oder gar keine-haben kann.
    Da damit Politologen und Journalisten ihr Geld verdienen -ich nicht-, bleibtl dieses Feld den Politologen und Journalisten überlassen.

    3.
    Ich bewerte (als Sozialdemokrat),zugegeben aufgrund nur sehr oberflächliche Kenntnisse, die Arbeit von Frau Schavan als Ministerien sehr positiv, auch -nicht nur-im Vergleich zu ihren Vorgängern in diesem Ministeramt, aber auch im Vergleich zur Arbeit einiger ihrer -bisherigen-Ministerkollegen.
    Solche Bewertungen sind jedoch für das Entscheidungsorgan einer Uni in einem entsprechenden Verfahren uninteressant;und das „ist gut so“.

  • #4
    Helmut Junge

    Wenn Martin Kaysh sagen will, dass die anderen Dissertationen dieser Zeit auch nicht besser waren, und die Uni Düsseldorf Frau Schavan deshalb nicht so hart hätte behandeln dürfen, entspringt das einer Logik, der ich mich nur ungern entziehen möchte. In den Bereichen außerhalb der Ingenieur-und Naturwissenschaften dürfte es nämlich schwer sein, einen Gedanken zu haben, der nicht schon tausendmal gedacht wurde.
    Aber was wäre gewesen, wenn diese Uni gesagt hätte, dass diese Abschreiberei damals bei ihnen Standard gewesen wäre? Das wäre dann der wissenschaftliche Gau, nicht für Frau Schavan, sondern für die betreffende Uni.

  • #5
    TuxDerPinguin

    ich verstehe nicht, wie man damals promovieren konnte ohne vorherigen Abschluss.
    Doktoranden arbeiten heute so 5 Jahre im Schnitt nach ihrem Abschluss an ihrer Doktorarbeit. Schavan hatte 6 Jahre studiert und mit der Promotion abgeschlossen.
    Rein von den Zahlen her wirkt das sehr merkwürdig. Mitunter war die Promotion die erste längere wissenschaftliche Arbeit und die junge Schavan dann überfordert…

    ich fänds aber ganz gut mal, den Titel aus Ausweisen rauszunehmen etc. Die meisten promovieren ohne die Absicht zu haben, wissenschaftliche Karriere zu machen. Liest sich gut, wenn man in die Wirtschaft gehen will und Unternehmen geben gerne an, wenn ihre Angestellten ja nen Doktortitel haben…

    Die Dunkelziffer an unsauberen Promotionen ist sicher sehr sehr hoch. Und ich behaupte einfach mal, dass Täuschungen meist von Promovierenden begannen werden, die ihre Zukunft nicht in der Wissenschaft sehen.

    (wobei ich ehrlich gesagt die Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeiten an manchen Stellen als zu „streng“ wahrnehme)

  • #6
    Politikerbeobachter

    Plagiat heißt Diebstahl geistigen Eigentums.
    Diese Diebin Schavan zeigt keinerlei Reue und ist
    in gewohnter CDU-Manier obendrein noch dreist und
    unverschämt! Sie will dafür klagen, dass sie ihre
    Sore behalten kann! Unglaublich unverfroren!

  • #7
    Sebastian

    Ich finde es schade das Frau Schavan zurückgetreten ist. Ich fand sie immer sehr sympathisch. Bis vor kurzem wusste ich garnicht das sie überhaupt einen Doktortitel hat (war mir damals beim Guttenberg auch neu). Und Politikerbeobachter, Frau Schavan als Diebin zu bezeichnen? Du bist dann bestimmt auch so einer der am liebsten die Todesstrafe für „Raubkopierer“ einführen will. Sie hat niemanden geschadet, außer am Ende sich selbst.

  • #8
    Stefan Wehmeier

    „Von der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments ausgehend […], entwickelt die Kirche das Dogma der unsterblichen Seele des Menschen; eine unüberbrückbare Kluft trennt diese unsterbliche […] [S. 276] Seele von der sterblichen, unter reinem Naturzwang stehenden des Tieres.“

    Schavan: „Der Mensch hat hierdurch eine unsterbliche Seele, während das unter Naturzwang stehende Tier eine sterbliche Seele hat. Die damit entstehende Kluft zwischen unsterblichem Menschen und sterblichem Tier ist unüberbrückbar.“

    http://schavanplag.wordpress.com/2012/06/05/seite-23/

    Wer einen solchen Unsinn studiert, muss zwangsläufig irre werden! In der Genesis geht es nicht um eine „Schöpfung von Natur“, sondern – eigentlich selbstverständlich – um die Schöpfung von Kultur bzw. Zivilisation. Grundvoraussetzung des Denkens – sofern es das menschliche Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft – ist die „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“:

    Die Rückkehr ins Paradies

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  • #10
    Klaus Lohmann

    @#4 | Helmut Junge: Kann mich nur anschließen; zur damaligen Zeit gab es auch nicht die heutigen Möglichkeiten, per Netzrecherche in Datenbanken und kleinen Algorithmen Wort-/Satz-Ähnlichkeiten in dem Umfang festzustellen, der heute Anlass für solche „Standes-Gerichte“ ist.

    Die Hochschulen schießen sich trotzdem selbst ins Knie, wenn die Qualität von Promotionen/Habilitationen aufgrund solcher „Säuberungsaktionen“ nun mittels „Ähnlichkeitsvermeidungs-Algorithmen“ der Ghostwriter – die schon damals tüchtig ob solcher Verdachtsmomente schwitzten – derbe am eigentlichen, noch verständlichen Inhalt verlieren.

    #5 | TuxDerPinguin: Damals (und teilweise auch heute noch) war dieses Überspringen von Qualifikationen in den reinen Geisteswissenschaften durchaus möglich und üblich, allerdings stark von der jeweiligen Uni abhängig. Also wie z.B. in Düsseldorf abhängig vom unbändigen Wunsch, möglichst viele Titel zu generieren;-))

  • #11
    der, der auszog

    @Stefan Wehmeier

    Interessant wie schnell man für dich „zwangsläufig irre“ wird. Der Glanz des Webauftritts eurer Werbeagentur, die du in diesem Zusammenhang wie beiläufig gleich mitverlinkst, scheint in diesem Zusammenhang der ultimative Ausweg aus diesem Dilemma zu sein.

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  • #13
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