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Auf die Knie, Leutheusser-Schnarrenberger!

zollitsch2Erzbischof Zollitsch, der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, verlangt von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Entschuldigung. Sie warf der Kirche vor, bei der Verfolgung von Kinderschändern nicht eng genug mit den Strafverfolgungsbehörden zu kooperieren.

Was für eine Frechheit: Da regt sich die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger darüber auf, dass die katholische Kirche jahrzehntelang Pfarrer nicht bei der Polizei angezeigt hat, die Kinder vergewaltigt haben. Das ist natürlich bei einem Offizialdelikt wie Kindesmissbrauch eine Unverschämtheit von Leutheusser-Schnarrenberger. Am Ende käme noch jemand auf die Idee, gegen all die Pfaffen zu ermitteln, die ihre Kumpels nicht sofort bei der Polizei angezeigt haben, nachdem sie wussten, dass sie sich an Kindern vergangen haben. Überhaupt: Wie kommt ein Mitglied der Bundesregierung dazu, seine Stimme gegen die Kirche zu erheben? Das Pack ist doch nur vom Volk gewählt worden, mag sich da der Kirchenfunktionär denken. OK, wir dürfen die Kirche bezahlen, auch die Gehälter der Bischöfe und auch noch die Lehrer, die Religion unterrichten, aber unsere Repräsentanten haben gefälligst den Mund zu halten.

Es bleibt dabei: In jedem Dorf gibt es einen, der Licht bringt – der Lehrer. Und einen, der es wieder löscht – der Pfarrer.

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16 Kommentare zu “Auf die Knie, Leutheusser-Schnarrenberger!

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  • #5
    Arnold Voß

    Der Traum vom Gottesstaat (auf Erden) steckt wohl doch in fast allen Religionen. Offensichtlich auch in denen, die behaupten, damit nichts am Hut zu haben.

  • #6
    Matthias

    http://en.wikipedia.org/wiki/Red_Hot_Catholic_Love

    http://www.southpark.de/

    Season 6 Episode 8 .
    In deutscher Übersetzung: Nur körperliche Liebe im Vatikan?

  • #7
    Eva

    Bevor die Ministerin mit dem Finger auf andere zeigt, sollte sie erst mal im eigenen Hause aufräumen. Die deutsche Justiz befindet sich in einem erbarmungswürdigen Zustand. Gerade bei Missbrauchsprozessen kommt es leider nicht selten vor, dass diese mit einem Freispruch für den Täter enden, weil die Aussage des Opfers als nicht glaubwürdig oder als nicht ausreichend angesehen wird. Vor diesem Hintergrund mutet es sarkastisch an, wenn Frau Leutheuser-Schnarrenberger andere zu besserer Mitarbeit auffordert. Täter anzeigen, damit diese dann vor Gericht bescheinigt bekommen, dass das, was sie getan haben, nicht strafwürdig ist, und auf diese Weise dem Opfer noch eine zusätzliche Ohrfeige verpassen – wenn da einer nicht mitmachen will, kann ich es fast verstehen.

  • #8
    Angelika

    @Eva
    Die Leitlinien (zum Thema Missbrauch) auf die sich die kath. Kirche so gern beruft, sehen meines Wissens vor, dass in erwiesenen Fällen gehandelt wird (Täter wird zur Selbstanzeige aufgefordert, ggf. > ggf.!!! wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet).

    Nun, die Justizministerin hat gut erkannt, wo da die Schwachstellen sind.

    Zollitsch u. die Ministerin gerieten aneinander, es ‚rappelte im Karton‘ und flugs geht es anders. Im tiefen Süden der Republik fliegen die Fetzen. In Ettal tritt der Abt zurück (wegen der Nicht-Weiterleitung von Informationen), die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Und man einer meint, dass Marx (München) seine Weisungen wohl direkt aus Rom erhielt.

  • #9
    Frank

    In der Tat: EIn Ultimatum wie zur Zeit der Hexenprozesse.

    „In den Psychiatrien sitzen Leute für weniger.“
    Hagen Rether

  • #10
    Andreas Lichte

    Bin neulich darüber gestolpert, was das hübsche Logo der Deutschen Bischofskonferenz bedeutet:

    http://www.summorum-pontificum.de/bilder/dbk.jpg

    ein Bischofsstab, auch bekannt als Hirtenstab:

    damit bringt der Hirte seine Schäfchen zu Fall, wenn er eins aus der Herde herausgreifen will. Der echte Hirtenstab ist natürlich innen offen, man greift damit ein Hinterbein des Schafs, und es macht „Bautz!“

  • #11
    Angelika

    Jetzt ist auch (nach dem Abt) der Prior u. Schulleiter von Ettal zurückgetreten. Ein weiterer Fall wurde auch nicht gemeldet (nach diesen kirchl. Leitlinien, innerkirchlich).

  • #12
    Eva

    @ Angelika: Der Stein des Anstoßes ist wohl dieses „ggf.“ in den Leitlinien der Kirche. Bischof Zollitsch zufolge ermutigt die Kirche Täter und Opfer, Anzeige zu stellen, tut dies aber nicht unbedingt selbst. Das ist für meine Begriffe genau die richtige Haltung. Es kann nicht sein, dass die Opfer sexuellen Missbrauchs ohne ihre Einwilligung vor Gericht gezerrt werden. Ein Prozess ist eine Tortur für die Opfer, und manche sind so schwer traumatisiert, dass sie das nicht durchhalten. Der Zwang, das Trauma wiederholt in der Öffentlichkeit zu schildern, kann zur Retraumatisierung führen. Wenn die Opfer darüber hinaus unsicher erscheinen oder aber aus Angst gar nichts sagen (bei Kindern häufig der Fall), dann wird ihnen das noch als mangelnde Glaubwürdigkeit ausgelegt, und die Wahrscheinlichkeit eines Freispruchs für die Täter steigt. Wenn die Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger fordert, dass pauschal alle bekannt gewordenen Fälle von Missbrauch angezeigt werden, dann überschätzt sie 1. die Leistungsfähigkeit ihrer Gerichte und hat 2. ganz bestimmt nicht das Wohl der Opfer im Blick.

  • #13
    Angelika

    @Eva
    Frag dich mal, warum z.Z. in Bayern so (an Staatsanwaltschaft) gehandelt wird, wie man es tut. Wenn du Kontakte zu Kircheninsidern hast, dann hör dich mal um.

  • #14
  • #15
    Arnold Voss

    Das ist bislang nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs und die Verantwortlichen in der Kirche wissen das. Das und nur das ist der Grund für ihr dem Außenstehenden gelinde gesagt befremdlich erscheinenden Verhalten.

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