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Bahn feilt am Image

Die Bahn hat ein perfektes Timing beim Wettlauf um den Posten des bösen Buben. Wenn immer es eine Gelegenheit zur Demontage des eigenen Images gibt, die Truppe um Konzernchef Rüdiger Grube hebt die Hand. Heute tat sie dies in NRW.

Es ist wie beim Roulette, wo der Croupier beim Lauf der Kugel sagt, nichts geht mehr. Diese Erfahrung machten heute etliche Reisende zwischen Aachen, Bonn und Dortmund. Alleine in Düsseldorf warteten im Hauptbahnhof rund 3000 Reisende auf ihren Zug. Einige berichteten, dass sie schon seit 11.30 Uhr auf ihren Anschluss warteten. Doch bis 15.50 Uhr tut sich nichts. Zwar soll der Verkehr nun wieder anrollen, doch bis das Chaos behoben ist, wird es Stunden dauern.

Was war passiert? Die Bahn spricht von massiven Unwettern, die den Verkehr in NRW fast vollständig zum Erliegen gebracht haben. Blitze schlugen ein, Bäume versperren Gleise. Da kann die Bahn nun wirklich nichts für, Unwetter kommen halt jeden Sommer. Wie auch die Sonner und im Winter der Frost.

Was bei der Bahn aber mal wieder so richtig daneben ging, war die Kommunikation. Im Internet waren die Züge als verspätet oder sogar als pünktlich ausgewiesen. Viele Reisende, wie auch ich, dachten daher, dass der Verkehr zwar stottert, aber läuft. Erst am Bahnhof wurde klar, dass die Gleise für Stunden eine verkehrsberuhigte Zone sind. Nur der Form halber, füge ich mal hinzu, dass die Bahnmitarbeiter am Bahnhof frei von Wissen waren. Die konnten nur sagen, dass sie nicht wüssten, wann es weitergeht.

Ich will den Leuten am Gleis und am Informationsschalter keine Vorwürfe machen, die Kritik richtet sich an die Ebene darüber. Die muss die Informationen zusammentragen und die Mannschaft Vorort ins Bild setzen.

Aber dass dies nicht funktioniert, zeigte sich schon an den jüngsten Pannen bei der ICE-Flotte. Am Wochenende waren in drei Zügen die Klimaanlagen ausgefallen, mehrere Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Bahn versucht die Ausfälle als Einzelfälle abzutun. Aber das nun mal wirklich Unsinn. Als häufiger Bahnfahrer habe ich schon oft erlebt, dass die Klimaanlage ausfiel.

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12 Kommentare zu “Bahn feilt am Image

  • #1
    Dieter Carstensen

    Lieber Paul Havers, danke für Ihren Beitrag!

    Seit vielen Jahren ist bekannt, daß die Firma Siemens der Bahn puren Schrott verkauft hat!

    Neigewinkel ICE’s waren verkehrsgefährlich, die Technik nicht ausgereift, die Züge mussten aus dem Verkehr gezogen werden. Regionalbahnen wurden mit kaputten Wirbelstrombremsen ausgeliefert, die können teilweise bis heute noch höchstens 70 km/h statt der versprochenen 110 km/h fahren.

    Die „angeblich“ modernen ICE geistern bei der Hitze mit kaputten Klimaanlagen durch das Land und im Winter versagen die Stromabnehmer! Kaputte elektronische Türen etc. sind da nur noch am Rande zu erwähnen.

    Unsere französischen Nachbarn der Eisenbahngesellschaft SNCF mit ihren seit Jahren bewährten, pannenfreien TGV Hochgeschwindigkeitszügen lachen sich über die Deutsche Bahn nur noch kaputt!

    Wenn bei der Bundesbahn im Management auch nur irgendjemand bei Vernunft gewesen wäre, hätten wir die bewährte Technik der Franzosen gekauft. Aber nein, die Deutschen mussten bei Siemens kaufen, einem Konzern, der nicht mal Handys zusammenbasteln kann!

    Deutsche kaufen bei Deutschen! Hatten wir schon mal, so von 33 bis 45 …

    Die Beschäftigten der Bahn können nichts für die Katastrophe, daß auf unseren Schienen Schrott runfährt, wohl aber das Bahnmanagement und die in den Aufsichtsräten hockenden, untätigen und inkompetenten Politiker!

    Ausbaden müssen den Irrsinn wieder die „Kleinen“, die zahlenden Bahnkunden!

  • #2
    Kiri

    Ich versteh sowieso nicht, warum man bei der Bahn Züge eingeführt hat, deren Fenster man nicht öffnen kann. Im ÖPNV das gleiche. Die Dinger sind die reinsten Hochöfen und man hofft bei jedem Halt, dass die Tür aufgeht und ein kleiner Wind reinkommt.

    Das Image ist schon lange im A…ffen. Und das wird sich so schnell auch nichtmehr ändern. Wofür? Für ein paar Kröten mehr in der Bilanz.

  • #3
    MartinM

    Das Problem bei der Bahn / Siemens ist nicht „Deutsche kaufen bei Deutschen“, und auch Siemens baut nicht nur Schrott (mangelhafte Technik können andere DB-Zulieferer auch ganz gut – wenn sie für die DB liefern).
    Das Problem sind IMO die Gebrüder Klüngel, Filz und Korruption. Wenn zu geringe Qualitätsanforderungen an den Hersteller gestellt werden, und wenn nicht oder zu wenig kontrolliert wird, dann wird eben mangelhafte Qualität geliefert.

    Wobei ja Pannen auch beim besten Zug vorkommen können. Habe mal einen Klimaanlagenausfall im TGV erlebt- der Unterschied: in Frankreich wurde außerfahrplanmäßig am nächsten Bahnhof angehalten, nachdem die Anlange ausgefallen war. In Deutschland war schon in Hannover klar, dass die Klimaanlage defekt ist – der Zug fuhr aber einfach voll besetzt weiter.

    „Ich versteh sowieso nicht, warum man bei der Bahn Züge eingeführt hat, deren Fenster man nicht öffnen kann.“
    Bei Hochgeschwindigkeitszügen hat man keine andere Wahl, als die Zug „druckdicht“ zu bauen: ein offenes Fenster wäre bei Zugbegegnung bei 300 km/h u. U. lebensgefährlich. Früher hat die Bahn in IC, die auch schon gut 200 km/h schafften, manchmal noch Wagen eingesetzt, deren Fenster sich öffnen ließen. Saß man in so einem Wagen und der Zug fuhr in einen Tunnel ein, gab es Druckschwankungen, bei denen nicht nur mir die Ohren schmerzten.

    Bei Nahverkehrszügen ist es die Klimaanlage, wegen der die Fenster sich nicht öffnen lassen – damit keine warme Außenluft ins Wageninnere gelangen kann.

  • #4
    Martin Böttger

    Das Klimaanlagenchaos hat schon lange, und nicht erst seit diesem Wochenende ein größeres Ausmass als nur „drei Züge“. Weitere Beispiele sind z.B. hier
    http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,705992,00.html
    nachlesbar.
    Bei Klimaanlagen ist es erforderlich, dass die Fenster verschlossen bleiben. Das heisst jedoch nicht, dass sie auch unöffenbar sein müssen. In den guten alten D-Zügen hatten die Schaffner, ja so hiessen die damals noch, schlichte Vierkantschlüssel, mit denen Fenster und Türen ver- und entriegelt werden konnten. Einfache, billige Mechanik, aber hat funktioniert.
    Generell macht mich die Technikgeschichte immer wieder staunen. Wieso können in Düsseldorf z.B. immer noch DüWag-Straßenbahnen aus den 60er Jahren fahren, während „moderne“ Fahrzeug-Technik immer schon direkt ab Werk kaputt geht?

  • #5
    Peggy

    Sie sprechen mir aus der Seele!!!

    Ich habe heute auf der Strecke Düsseldorf – Duisburg knapp 3 Stunden gebraucht (13 Uhr bis 16 Uhr). Die Wartereiwar ein Inklusivparket aus: Keine Informationen an der S-Bahn-Haltestelle, Fußmarsch zum Hbf, das nicht auffinden irgendeines Bahnmitarbeiters mit Ahnung und den verzweifelten versuch eine U-Bahn der Linie U79 zu finden, die bis Duisburg Hbf fährt.

    Es hat geklapp, nach 3 Stunden und das letzte Stück musste ein Taxi herhalten, da auch die Duisburger Verkehrsbetriebe wieder einmal Chaos hatten!

    Top Tag! 🙁

    Danke für den Beitrag, da fühlt man sich nicht so alleine! 😉

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  • #7
    crusius

    Die Liste unerfreulicher Vorfälle bei der Bahn ließe sich beliebig verlängern (man denke nur an die im letzten Jahr häufiger ausgesetzten Minderjährigen ohne gültigen Fahrausweis). Und auch die kollabierenden Fahrgäste in den ICEs des Wochenendes sollen manch spitzen Spruch von Bahnmitarbeitern gehört haben. Viele Einzelfälle ergeben das Gesamtbild einer Unternehmens(un)kultur, die anscheinend quer durch alle Unternehmensteile Kontrolle und Repression als einzig legitime Formen der Mitarbeiterführung etabliert hat und sich dabei, so muß man vermuten, von der Politik gedeckt sieht: Gehören tut die Bahn immer noch dem Bund. Und 500 Mio Dividende wollen erst mal verdient sein. Auf den Punkt gebracht hat dies niemand anders als unser Bundesverkehrsminister höchstpersönlich. Im TV ließ er verlauten, daß man doch bitte die Vorkommnisse des Wochenendes nicht zur „nationalen Tragödie… hochstilisieren“solle, denn schließlich sei niemand „nachhaltig“ zu Schaden gekommen. Was ist schon ein Kreislaufkollaps unter Freunden…

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  • #10
    Arnold Voss

    Es gibt einen Hauptschuldigen für diese Entwicklung: Mehdorn. Er hat die Bahn mit Duldung der Politik verkommen lassen, um kurzfristig an die Börse zu gelangen. Wäre das geschehen, hätte das neue Geld dann soeben ausgereicht um die angerichteten Schäden zu beheben und den enormen Nachholbedarf an Qualitätssicherung wieder aufzuholen.Seit geraumer Zeit brechen stattdessen die technischen Dämme an allen Ecken und Enden unter der Belastung eines sehr kalten Winters und eines sehr heißer Sommers.

    Was macht eigentlich Mehdorn jetzt? Hat ihn schon jemanend in der letzten Zeit in „seiner“ Bahn gesehen?

  • #11
    Abnick Grabotki

    Airbus verkauft auch Schrott, nämlich Flugzeuge deren Fenster sich auch nicht öffnen lassen. Die Klimatechnik dürfte die Gleiche sein wie im ICE.

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