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Bochum Total 2012: Nachlese mit Tommy Finke

Ein schöner Button, den ich bei "Techtel und Mechtel" gekauft habe. Eulen sind hip, and so am I.

Als Bochumer kommt man um Bochum Total natürlich nicht herum. Die Innenstadt verwandelt sich in eine durchaus angenehme Mischung aus Musikbegeisterung & Junggesellenabschied mit Pfandsammlern und Schaulustigen all over the place. Auch bei der siebenundzwanzigsten Ausgabe von Bochum Total sieht das nicht anders aus.

In meiner Funktion als Musiker habe ich hier schon gefühlte 10 Mal gespielt (in der Realität waren es wohl eher 3 oder 4 Mal), so oder so fühle ich mich hier zuhause. Der Blick ins Programmheft von Veranstalter Cooltour verrät mir nicht nur die Bands und Spielzeiten, sondern auch, dass diesmal ein konsequentes Glasflaschenverbot herrscht. Ich selbst gehe zwar nie Barfuß zu Bochum Total, aber man hört die wildesten Geschichten von den Sanitätern. Um den Einzelhandel in der Innenstadt, der nun keine Glasflaschen mehr verkaufen darf, braucht man sich aber zum Glück keine Sorgen zu machen. Der hat die Zeichen der Zeit erkannt und verkauft hochprozentiges in Plastikflaschen. Nastrowje, lieber Rewe, nastrowje.

Donnerstag, 05.07.2012: Bochum Total fällt für mich aus. Ich spiele ein Konzert in Essen. Max Prosa hätte ich mir zwar gerne angesehen, aber mit Neuser gemeinsam im Horizont der Weststadthalle war es, glaube ich, auch nicht ganz verkehrt. Ansonsten scheint der Donnerstag bei Bochum Total der Tag der 90er Jahre Crossover Bands zu sein: Mit  4Lyn und Uncle Ho hätte ich nicht mehr auf irgendeiner Bühne gerechnet. Ich bin auch kein großer Crossover Fan, von 4Lyn gibt es nur ein Lied, das ich mag und die aktuelle Single ist es nicht. Die klingt nämlich so:

Freitag, 06.07.2012: Der Freitag beginnt damit, dass ich Artig verpasse. 17 Uhr hätte man schaffen können. Naja. Werde ich also erst demnächst erfahren, wie die Band sich so entwickelt hat in der letzten Zeit. Dafür bin ich pünktlich um 17:45 an der Wortschatzbühne um mir den Auftritt von Ben Redelings anzugucken. Der ist gerade mit seinem neuen Programm „50 Jahre Bundesliga“ unterwegs, und das kommt gut an bei den Zuhörern. Ben holt seinen Sohn auf die Bühne, der einen meiner Songs anstimmt. Verdammt, das Kind hat Talent. Ich überlege, eine Split-Single aufzunehmen.

Am Stand von Techtel und Mechtel treffe ich DJ Bene, den alten Fuchs, und überlege, ob ich als Erwachsener das Produktsortiment gut finden darf. Ich glaube, ich darf:

Ganz kurz besuche ich die Freunde von Get Addicted im Backstage, die schon seit Jahren die unabhängige Berichterstattung während des Festivals machen. Die haben jetzt übrigens einen neuen Ork. Den hat die wundervolle Stefanie Levers entworfen, und so sieht der aus:

Danach schaue ich mir Montreal auf der Pottmob-Bühne an. Mit denen habe ich letztes Jahr in Köln im Sonic Ballroom gespielt, ich mag die Jungs. Auch wenn die manchmal ganz furchtbar gröhlen, aber es ist ja auch immernoch irgendwie Punkrock, und die Band hat heute richtig Bock. Für die Musiknerds unter Euch: Der Gitarrist spielt übrigens zwei gekoppelte Vox AC15  anstatt des beliebten AC30. Da poste ich doch mal folgendes Mem:

Im Anschluss geht’s ab zu den musikalischen Mädels (Achtung: Alliterations-Alarm.) von Tengo Hambre Pero No Tengo Dinero auf der WAZ-Bühne. Ja, die heißen wirklich so UND sind toll. Meine Kamera habe ich leider nicht angeschaltet, aber man kann sich den Auftritt ungefähr so vorstellen:

Das Gute daran ist, dass ich durch meine Anwesenheit bei den instrumenttauschenden Tengos die H-Blockx (1Live Bühne) nicht sehen oder hören kann. Eine Band, die ich schon immer egal fand. Ich glaube ich mag noch nichtmal deren Soundtrack zum fantastischen Film Bang Boom Bang. Andererseits, hätte ich nur die Wahl zwischen den H-Blockx und dem gleichzeitig spielenden Thomas Godoj (Pottmob Bühne) gehabt, ich wäre wohl doch bei den H-Blockx gewesen. Thomas Godoj ist nämlich nicht gut auf mich zu sprechen, nachdem ich bei der der 1Live Krone im Dezember zu ihm die magischen Worte sprach: „Ich kenne dich doch irgendwoher… warte… du spielst doch Gitarre bei Luxuslärm!“ Typische Popmusikerzuordnungsschwierigkeit meinerseits, kann ja mal vorkommen.

Ein DSDS Bändchen, wie Thomas Godoj mal eins hatte. Bei Bochum Total in der Honey Hair Bar umgeschnallt bekommen. Warum? Ich weiß es auch nicht mehr!

Später verpasse ich dann leider sowohl Frau Bode (soll großartig sein) auf der Wortschatzbühne als auch Mambo Kurt (ist bestätigtermaßen großartig) auf der WAZ-Bühne, weil ich bereits an der Goldkante abhänge. Bochum-Ehrenfeld galore. Dann: schlafen. Lange.

Samstag, 07.07.2012: Ich komme nicht so richtig früh an bei Bochum Total und sehe gerade noch das Ende von The Dead Lovers auf der WAZ-Bühne. Find ich gut, schade, dass ich nicht eher da war. Die Frontfrau hat eine sehr eigenständige Stimme, da geht was:

Danach gucke ich mir Mobilée an. Die haben ihr Album in Bochum im Studio in der Kanalstraße  aufgenommen und Klavierspieler Kai Schumacher kenne ich noch von der Folkwang. Das Album kommt soweit ich weiß am 31. August. Die Band braucht lange, um das Bühnenbild aufzubauen, aber das lohnt sich: Eine Klavierattrape wird um das obligatorische Digitalpiano drumherum gebaut und eine Menge alte Teppiche auf der Bühne verteilt. Sieht doch direkt gemütlich nach Proberaum/Kneipe aus. Hier ein kleiner Eindruck, den ich mitgefilmt habe: (Besonders schön: die sichtliche Anfangsnervosität von Sängerin Caroline. Sowas wirkt auf mich immer sehr sympatisch, damit kriegt man mich immer…)

Und weiter zur nächsten Bühne. Auffällig ist übrigens das Angebot an Schnaps- und Biertheken, die von den Läden direkt an die Fußgängerzone gebaut werden. Mal mehr, mal weniger originell, aber zumindest zweckdienlich, so muss man wenigstens nicht reingehen in die dunklen Spielunken:

Auf der Wortschatzbühne nehme ich noch ein Stück von Ape & Feuerstein mit. Ich weiß gar nicht, ob ich es lustig finde, aber ich gebe den beiden auch nicht wirklich eine Chance, weil ich kurz im Backstage nochmal zu den Kumpels von Get Addicted möchte. Ich gehe mal davon aus, dass die beiden eigentlich total super sind,  ich kann jedoch nur meinen eigenen kleinen Ausschnitt bieten:

Auf dem Weg zum Backstage fängt mich ein Promoter einer Charity-Organisation ab. Da habe ich ja normalerweise kein Interesse dran, weil ich die Hintergründe beim Gespräch auf der Straße nicht objektiv präsentiert bekomme. Da ich aber ein guter Kerl, bloß mit wenig Zeit bin, verspreche ich, ein Foto vom Namen seiner Organisation zu machen und das später anzugucken, damit ich mich erinnere:

Gegen das Retten von Kindern hab ich ja generell nichts.

Im Backstage versacke ich leider ein wenig, ist aber auch nicht wirklich schlimm, denn es droht mir ein Interessenkonflikt: Entweder Phrasenmäher (mit denen ich mal in Hamburg aufgetreten bin) um 20:45 auf der 1Live Bühne, oder aber die Newcomer Tonbandgerät um 21:00 Uhr im Tucholsky, die ich von einem gemeinsamen Konzert in Wolfsburg kenne. Ich entscheide mich für Tonbandgerät, denn ich möchte wissen, wie gut die inzwischen sind. War übrigens eine vertreffliche Entscheidung, soviel Spielfreude auf so einer Miniwinzbühne:

Der Abend endet für mich und ein paar Freunde mit den gescheiterten Versuchen, zu Danja Atari (1. Versuch) oder Vierkanttretlager (2. Versuch, erheblich vehementer, dennoch erfolglos) in die hoffnungslos überfüllte Rotunde zu gelangen. Erinnerungen an das Spiegelzelt auf dem Haldern Pop werden wach. Andererseits ist es natürlich sinnig, nicht mehr Leute in eine Gebäude zu lassen, als dem Gebäude guttut. Aber scheiße, warten macht trotzdem blöd im Kopf:

Den jungen Mann im Video kenne ich übrigens nicht, aber er hat zumindest sein Möglichstes getan. Ich versacke in der Honey Hair Bar, die zufällig, egal wo ich in Bochum wohne, immer auf meinem Heimweg von Bochum Total ins Bett liegt. Man serviert mir Getränke, die klebrig schmecken.

Sonntag, 08.07.2012: Ich wache mit dem Restgeschmack von Erdbeer Limes im Mund auf. Verflucht! Es geht mir furchtbar. Elend. Und ich kann niemandem dafür die Schuld zuschieben, nicht einmal der Honey Hair Bar. Eigene Dummheit. Das wird also heute nichts mit Susanne Blech oder Frittenbude. Ganz zu schweigen von der sagenumwobenen Bochum Total Abschlussfete, bei der das Fotografieren verboten ist. Oder den unbekannteren Künstlern, die ich hätte entdecken können. Shame on me? Shame on Erdbeer Limes!

Augenzeugen Berichten zufolge war ALLES am Sonntag TOTAL SUPER und ich habe ORDENTLICH WAS VERPASST. Naja. Nächstes Mal.

RuhrBarone-Logo

3 Kommentare zu “Bochum Total 2012: Nachlese mit Tommy Finke

  • #1
    Marco

    Als kleine Ergänzung: der Nachbericht zum verpassten Danja Atari und Vierkanttretlager-Konzert:

    http://www.coolibri.de/redaktion/musik/so-war-bochum-total-2012-nachberichte-und-bilder-vom-groessten-festival-im-ruhrgebiet/mit-danja-atari-und-vierkanttrettlager-in-der-sauna.html

  • #2
  • Pingback: Links anne Ruhr (11.07.2012) » Pottblog

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