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Brief an die Genossen: Wowereit sieht verzerrtes Berlin-Bild durch Flughafen-Skandal

Klaus Wowereit Foto:  Dontworry Lizenz: CC 3.0

Klaus Wowereit Foto: Dontworry Lizenz: CC 3.0

Was macht man, wenn man eines der wichtigsten und größten Projekte seiner Stadt versemmelt hat und sie nicht mehr nur als arm und sex sondern auch als unfähig gilt? Man schreibt einen Brief an die Mitglieder der eigenen Partei. So wie Berlins  Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß es gemacht haben: 

Liebe Genossinnen und Genossen,

die Abgeordneten von SPD und CDU haben heute im Parlament den von der Opposition eingebrachten Misstrauensantrag gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit klar abgelehnt. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben damit gezeigt: Wir tragen auch in schwierigen Zeiten Verantwortung für unsere Stadt und lassen uns nicht auseinander dividieren. Die Koalition steht! Gleiches gilt für die SPD: Senat, Fraktion und Partei haben sich uneingeschränkt hinter Klaus Wowereit gestellt.

Es ist richtig: Die neuerlichen Probleme am künftigen Hauptstadtflughafen Willy Brandt sind ein harter Rückschlag. Wir nehmen das sehr ernst. Wir alle hätten uns eine andere Entwicklung gewünscht, und wir waren nach Aussagen der Experten auch überzeugt davon, dass der Eröffnungstermin Oktober 2013 zu halten wäre. Auf Grund neu gewonnener Erkenntnisse musste dieser Termin nun aber abgesagt werden. Bereits nach der letzten Verschiebung hatte der Aufsichtsrat personelle und organisatorische Konsequenzen gezogen und die Prüf- und Kontrollmechanismen verschärft, umso ärgerlicher ist der erneute Rückschlag. Wir haben die Geschäftsführung, die personell erweitert und neu aufgestellt werden wird, nicht nur zu einer deutlich professionelleren Kommunikation, sondern auch zu einer belastbaren Planung, wie es am BER weiter gehen soll, aufgefordert. Wir wollen den Flughafen so schnell wie möglich an den Start bringen Aber es bringt jetzt auch nichts, schon wieder über einen möglichen neuen Eröffnungstermin zu spekulieren.

In diesen Tagen und Wochen haben unser Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und unsere Partei insgesamt viel Enttäuschung, Wut und Häme erfahren. Viele Berlinerinnen und Berliner sind zu Recht verärgert. Und dafür möchte sich Klaus als Regierender Bürgermeister nochmals bei allen Betroffenen entschuldigen und um weiteres Verständnis bitten. Gleichzeitig haben wir aber auch viel Unterstützung und Solidarität erfahren, von Berlinerinnen und Berlinern, von Partei und Fraktion und von vielen, die ihre eigenen Erfahrungen mit der Umsetzung von Großprojekten gemacht haben. Dafür möchten wir uns bei Euch sehr herzlich bedanken! Wir wissen, dass diese Unterstützung für Euch nicht immer leicht ist.

Man kann aber auch mal fragen, welche Rolle der Bund gespielt hat. Als einer der drei Gesellschafter hält er 26 % der Flughafengesellschaft. Es müsste also auch in seinem Interesse liegen, den Flughafenbau zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Stattdessen ist allzu oft der Eindruck entstanden, dass versucht worden ist, das Projekt im Jahr der bayerischen Landtags- und der Bundestagswahl zur politischen Profilierung zu nutzen. Warum hat Herr Ramsauer eine Sonderkommission zum BER, nicht aber zur neuen BND-Zentrale eingerichtet, obwohl der Kostenanstieg dort viel markanter ist? Und warum hat Herr Ramsauer keine zu Stuttgart 21 eingerichtet? Es scheint, dass Herr Ramsauer damit auch von eigenen Schwierigkeiten ablenken will.

Auch dürfen wir bei aller berechtigter Kritik am BER nicht verkennen, dass die Schwierigkeiten am Hauptstadtflughafen für ein völlig verzerrtes Bild von Berlin gesorgt haben. Denn unsere Stadt ist auf einem guten Weg – auch dank unserer vorausschauenden Politik, die Wachstum und Entwicklung mit sozialem Zusammenhalt verknüpft. Kein Bundesland hatte in den letzten Jahren ein größeres Wirtschaftswachstum, in keiner Region wurden mehr neue Jobs geschaffen, allein 35.000 innerhalb der letzten zwölf Monate. Das bedeutet 35.000 neue individuelle Perspektiven. Der Aufschwung kommt auch bei den Berlinerinnen und Berlinern an: Die Löhne steigen in Berlin deutlicher als im übrigen Bundesgebiet. Mit unserer nachhaltigen Konsolidierungspolitik ist es uns zudem gelungen, im letzten Jahr trotz der Rückstellungen für den Flughafen im Landeshaushalt einen Überschuss zu erwirtschaften und 300 Mio. Euro Schulden zu tilgen. Berlin ist auch überregional keine Lachnummer, wie es die Opposition darstellt. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen kommen in unsere Stadt. 2012 haben wir erstmals mehr als 25 Mio. Übernachtungen erreicht, das ist eine Verdopplung innerhalb der letzten zehn Jahre. Auch zum Leben und Arbeiten zieht es immer mehr Menschen nach Berlin. 2011 haben wir rund 40.000 Einwohner gewonnen, im letzten Jahr werden es ähnlich viele gewesen sein. Und dieser Trend hält an. Wir werden in den nächsten Jahren um einen ganzen Bezirk wachsen.

Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben viel für unsere Stadt erreicht, und darauf können wir trotz aller BER-Probleme stolz sein! Berlin steht deutlich besser da als vor einem Jahr und erst recht als zum Regierungsantritt von Klaus Wowereit!

Dennoch bleibt für uns viel zu tun. Das Bevölkerungswachstum und der demografische Wandel stellen uns in Berlin vor große Herausforderungen: Wir müssen mit einer engagierten Wirtschaftspolitik für mehr gute Arbeit in unserer Stadt sorgen. Wir müssen vor allem unsere Infrastruktur weiter ausbauen und einen funktionierenden Nahverkehr gewährleisten. Wir müssen mit einer guten Mieten- und Wohnungspolitik die soziale Balance in unserer Stadt sichern und auch Menschen mit niedrigen Einkommen ein gutes Wohnen in Berlin ermöglichen. Wir müssen mit einer guten Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Integrationspolitik dafür sorgen, dass noch mehr Menschen in unserer Stadt exzellente Perspektiven erhalten. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind die Partei, die Wachstum und sozialen Zusammenhalt wie keine andere zusammenführen kann.

Diesen Weg wollen wir mit Euch in den nächsten Jahren gemeinsam und erfolgreich weitergehen!

Mit herzlichen und solidarischen Grüßen

Klaus Wowereit, Jan Stöß

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12 Kommentare zu “Brief an die Genossen: Wowereit sieht verzerrtes Berlin-Bild durch Flughafen-Skandal

  • #1
    Achim

    @Klaus Wowereit sonderte eine Vielzahl von Sprechblasen ab.

    Bei einem unverzerrten Blick auf die Realität hätte er sagen müssen:

    Alle drei Gesellschafter des Flughafens waren unfähig eine ausreichende
    Steurung von Planung und Bauausführung zu gewährleisten.
    Die Gelder des Bürgers wurden in schlecht geplante oder gebaute
    komplexe Gebäude investiert. Wir wissen bis jetzt noch
    nicht was davon wirtschaftlich nutzbar ist. Die Probleme sind
    lösbar durch Abriss und Neubau, durch Flicken und einen
    kontrollierten Weiterbau. Es gibt technisch saubere Lösungen,
    doch leider drohen langwierige juristische Auseinandersetzungen.
    Aufgrund der Unterfinanzierung der deutschen Justiz und
    deren langsame Arbeitsweise kann dies Fertigstellung
    der restlichen Bauarbeiten länger dauern, als
    der Bau eines solchen komplexen Bauwerkes
    vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung
    üblicherweise dauern würde. Wir sollten uns
    um abgemessene längerfristige
    Zwischenlösungen im Flughafenbereich bemühen.”

    Hat er aber nicht gesagt.

    In drei Jahren hat der Wähler wieder das Wort.

    Er könnte z.B. sagen:

    “Ja es gibt die SPD und die CDU. Aber es gibt kein
    Gesetz, dass SPD und CDU wenigstens zusammen
    im Abgeordnetenhaus über eine Mehrheit verfügen
    müssen.”

    Achim

    als

  • #2
    Walter Stach

    Stefan,
    Du kannst doch ernsthaft nichts Anderes erwartet haben -weder bei der Abstimmung im Berliner-Abgeordnetenhaus noch mit Blick auf das Ob und das Wie der Erklärung vom Wowereit/Stöß;das entspricht doch exakt den politischen Ritualen/Reflexen landauf, landab, parteiübergreifend in solchen Situationen.

    Daß solche Rituale/Reflexe anschließend öffentlich kritisiert werden, entspricht dann ebenfalls den Ritualen,den Reflexen in den Medien, wenn auch mit Nuancierungen, jenachdem, welcher Partei man das Desaster anrechnen kann bzw. als besonders gravierend zurechen möchte.

    Das alles ändert in der Sache und mit Blick auf die Zukunft nichts.
    Mich interessieren in diesem Zusammenhang und mit Blick auf vergleichbare Fälle u.a. die Beantwortung folgender Fragen:

    1.
    Sollen Aufsichtsräte von Gesellschaften bei öffentlichen Projekten und sollen Aufsichtsräte ganz generell für öffentliihen Unternehmen -einschließlich kommunaler Wirtschaftsunternehmen- personell anders besetzt werden als bisher und ggfls.mit welchen Personen und in welchen Verfahren?
    Eine Antwort darauf läßt sich nicht “aus dem Ärmel” schütten.
    2.
    Lassen sich bei öffentlichen Großprojekten hinsichtlich der Planung, der Ausführung,der tagtäglich notwendigen “Bauaufsicht” -Bauausführung/Kostenrahmen-Mängel feststellen, die man “systemimmanent” nenen kann und die deshalb näher untersucht werden sollten, um sie zukünftig zu vermeiden?

    Ich denke, allein die notwendige kritische Auseinanderdersetzung mit der Frage nach dem Versagen der Aufsichtsräte, nach dem Warum dieses Versagens,reicht nicht aus, um den Problemen “auf den Grund zu gehen”.

  • #3
    Walter Stach

    Ich lese so eben bei “SPIEGEL online” von einer heftigen Kritik des Flughafen-Archtikten gegenüber dem Managment der Flughafengesellschaft, also nciht gegenüber dem Aufsichtsrat.

    Das ist der Beginn von Antworten auf Fragen, die ich vorstehend unter -2- als zu stellen für notwendig erklärt habe.

    Ich denke, wenn sich nunmehr das Managment zu diesen Vorwürfen äußern wird, kann das zu Erkenntnissen führen, die bei zukünftigen (Groß-)Projekten der öffentlichen Hand hilfreich sind;auch wenn das verständlicherweise aus der Sicht der Beteiligten nach dem Motto abläuft, rechtzeitig den sog.Schwarzen Peter dem jeweils Anderen zuzuschieben.

  • #4
    Arnold Voss

    Die Frage ist doch, wieso Leute mit so vielen Funktionen/Aufgaben/Terminen wie der Bürgermeister eine Millionenmetropole mit großen Problemen auch noch den Aufsichtratsvorsitz für solch ein hochkomplexes Ingenieurbauwerk dieser Größenordnung übernehmen. Niemand hat Wowereit dazu gezwungen. Niemand hat ihn auf diesem Platz wirklich gebraucht.

  • #5
    Frank

    @Walter Stach

    Es sind nicht nur die Medien, die sich von dem Trio Infernale (Wowereit, Platzeck und Ramsauer) verhöhnt fühlen, sondern alle steuerzahlenden Bewohner der Hauptstadtregion. Und die SPD Parteibasis fühlt sich ebenfalls verhöhnt, wenn sie hört, man müsse an den Versagern mangels Alternativen festhalten. Wenn es zu Wowereit ernsthaft keine Alternative gibt, spricht das nicht für Wowereit sondern die Parteikultur, die er in den letzten 10 Jahren etabliert hat.

    Wie man es auch dreht und wendet: Ganz oben ist man für alles verantwortlich für das, was auf irgendeiner Ebene passiert. Es gibt kein entlastendes Nichtwissen. Wer sich wie Wowereit juristisch absichert, keinesfalls vor dem 04.01. etwas von einer erneuten Verschiebung gewusst zu haben, dokumentiert damit, dass er nicht nur fachlich sondern auch charakterlich von der Aufgabe überfordert ist.

    Es geht weniger um einen Vergleich öffentliches vs. privates Personal. Dass das nicht das entscheidende Kriterium ist, haben wir ja an Mehdorn gesehen, der zuerst ein öffentliches und danach ein privates Unternehmen abgewirtschaftet hat. Es geht um die Eignung der konkret handelnden Personen.

    Wowereit hat sich schon um die Probleme mit der S-Bahn nicht gekümmert, ihn hat der Niedergang der wirtschaftlichen Basis Berlins nicht interessiert. Ihn hat bis zum Donnerstag, als er sich um seine Mehrheit gegen das Misstrauensvotum kümmern musste, der BER nicht interessiert.

    Ihn hat eigentlich nur das Datum der niedersächsischen Landtagswahl vorerst gerettet. Nach dem 20. Januar werden wir sehen, wie lange er noch im Amt bleibt.

  • #6
    Puck

    Ramsauer lenkt ab? Ja, das tut er. Wowi aber auch…

    Und worauf natürlich keiner mit einem Wort eingeht sind die Zustände auf (Groß)Baustellen in D, die nicht ganz unwesentlich zu den erheblichen Kostensteigerungen, teileweise Verfielfachung der Kosten!, bei Großprojekten (aber nicht nur dort, dort ist es nur so gravierend, daß es in den Medien vorkommt).

    Der Generalunternehmer stellt in der Regel nur den Bauleiter. Alle Arbeiten werden von Nachunternehmern erledigt, die teilweise wiederum die Aufträge an Nachunternehmer vergeben. Das führt dazu, daß 100 verschiedene Firmen auf der Baustelle herummachen, teilweise mit eigenen, teilweise mit Leiharbeitern. Was noch gravierender ist: durch die mehrmalige Weitergabe der Aufträge – jeder will schließlich was dran verdienen – muß am Ende der tatsächlich Ausführende für einen Preis arbeiten, zu dem die Arbeiten schlicht nicht zu machen sind.
    Warum er dann den Auftrag annimmt?
    Z. B. weil er schon pleite ist und die Vorauszahlung braucht, um andere Finanzlöcher zu stopfen. Meistens geht er dann mittendrin Pleite und die Arbeiten müssen anderweitig zuende gebracht werden. Das kostet.
    Andere Möglichkeit: Man pfuscht. Entweder durch illegale Beschäftigung, Verarbeitung minderwertigen Materials oder man rechnet Leistungen ab, die nicht erbracht wurden.
    Natürlich kann man diese “Maßnahmen” auch beliebig kombinieren! Dann wirds noch teurer…

    Das erklärt auch die auf den ersten Blick eigenartige Diskrepanz zwischen den immer teurer werdenden Bauprojekten und den ständig fallenden Löhnen der Malocher vor Ort.

    Das ganze System ist völlig aus den Fugen, es wird Zeit, daß sich mal jemand dafür interessiert, auch wenn die Materie kompliziert ist.

  • #7
    Walter Stach

    -4-Arnold,
    und deshalb ist darüber zu diskutieren, w i e man zukünftig w e n in Aufsichtsräte von Projektgesellschaften für öffentliche Bauprojekte und von komm.-Wirtschaftsunternehmen berufen sollte -sh. mein Beitrag-2-Zifffer 1-oder (und?)wie man das Verfahren in Aufsichtsräten opitimieren muß, damit die Aufsichtsräte besser als bisher ihrer Kontrollaufgabe nachkommen können.

    (Und diese Frage stellt sich nicht nur für Aufsichtsräte, die durch “die öffentliche Hand” besetzt oder zumindest teilbesetzt werden, sondern ebenso für den privatwirtschaftlichen Bereich ,sh.u.a.die derzeitige Diskussion über den Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp.)

    Sh.in diesem Sinen auch Frank-5- im dritten Absatz.

    -5-
    Frank,
    ich habe mit keinen Wort auch nur angedeutet, grundsätzlich in dieser Sache “anders zu denken” als Sie es tun und wie Sie es in Ihrem Beitrag formuliert haben.

    Ich habe lediglich darauf hinweisen wollen, daß hier wieder die üblichen Rituale/Reflexe wie in solchen Fällen üblich wahrzunehmen sind -Rituale/Reflexe seitens der (verantwortlich)Beteiligten und seitens der Medien.

    Und ich meinte, darauf hinweisen zu sollen, daß das , was jetzt eben nach diesen Ritualen und gewohnten Reflexen auch hier wieder abläuft, niemanden überraschen oder gar verwundern kann.
    Möglicherweise werden irgend wann -wieder den Ritualen und herkömmlichen Reflexen gemäß-, (weitere) “Köpfe rollen”, aber nur die von Akteuen aus der “zweiten Reihe”.
    Und das war es dann oder?

    (Ein Beispiel im kleinen: sh.BO: Steinbrück-Honorare-Stadtwerke-Stadt BO, sh.die dazu die zu registrierenden üblichen Rituale,Reflexe, sh.”rollende Köpfe aus der zweiten Reihe”; und dannt ????) .

    Es besteht ja nicht einmal eine “an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit”, daß bei der nächsten Wahl zum Berliner-Abgeordnetenhaus dieses Thema (noch)wahlentscheidend sein wird.
    Besteht diese “an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit” bezogen auf Stadwerke – Honorare usw. bei den nächsten Komm-wahlen in BO -Rat und/oder OB-?
    ( Selbstverständlich hinkt bezogen auf den Flughafenskandal in Berlin mein Vergleich mit BO -Stadtwerke,Honorare pp.-gewaltig, aber gänzlich abwegig erscheint er mir nicht.)

  • #8
    der, der auszog

    Wowereit – wenn ihm denn überhaupt noch zu helfen ist – sollte sich mal die Telefonnummer des Leibarztes von König Kurt geben lassen. In Rheinland nämlich rennt man in einer solchen Situation brav zum Onkel Doktor und lässt sich von dem eine Entschuldigung schreiben. Dem Volk verbietet sich so, einen Zusammenhang zwischen einem Rücktritt und einer Pleite herzustellen, denn auf einen Kranken, der hilflos am Boden liegt, tritt man nicht auch noch ein. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

  • #9
    Hans Meier

    Leider ist die ganze Dimension, in der unsere Politiker sich zwar medial darstellen lassen, um sich als politische Macher zu vermarkten, immer noch nicht der Mehrheit in aller Deutlichkeit bewusst.
    Unsere Politiker geraten im Verlauf ihrer Karrieren stets in neue Premieren, sie hangeln sich ohne Sach- oder Praxiserfahrung aber als parteipolitische „Tagungs-Profis“ weiter in die nächste politische Funktion.
    Eine Rechenschaft gegenüber der bezahlenden Bevölkerung findet ja nicht statt und diejenigen, die ein völliges Missmanagement zahlen müssen, werden außen vor gehalten, eben ganz anders als in der Schweiz, wo Versager den Hut nehmen dürfen.

    Die Pleite des BER-Projektes ist kein Einzelphänomen, weil von vornherein klar ist, das Politiker keine Fachleute sind und nicht in der Lage, sich neutralen Fachverstand zu beschaffen, weil sie immer in politischen Netzwerken strampeln.
    Hätten sie Sachverstand, wären sie wie Steinbrück darlegt, als Sparkassendirektoren besser bezahlt oder in der freien Wirtschaft gesuchte Experten.
    Nur weil ihnen das nicht gelang, suchten sie doch persönlich politische Karrieren zu erreichen.
    Wenn man sich die Vita des Partei-Personals anschaut, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, das eher Visionen als Realismus beworben werden.
    Was in einer „normalen Wirklichkeit“ nicht funktionieren kann, sondern ins Chaos führt, das gelingt auf einer „politischen Ebene“ genauso wenig, nur die Dimension ist größer und „nachhaltiger“.
    Wenn schon Projekte, wie ein Tiefbahnhof, eine Philharmonie und ein Hauptstadtflughafen das klägliche Scheitern der politischen Akteure veranschaulicht, dann ist mit Sicherheit die „Energie-Wende“ oder die „Euro-Rettung“ eine weitere Baustelle, in der sachliche Unfähigkeit die politische Oberhand führt.

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  • #11
    Frank

    @Hans Meier:

    Ihr Zitat “Unsere Politiker geraten im Verlauf ihrer Karrieren stets in neue Premieren,” konnte man gestern Abend durchaus wörtlich nehmen: Als Klaus Wowereit -man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen- noch als Kanzlerkandidat in spe gehandelt wurde, konnte er nicht genug Einladungen zu den Berliner Talkshows wahrnehmen.

    Gestern bei Jauch war ihm das dann aber zu lästig. Er zog den Sektempfang am Kudamm vor, anlässlich der Komödienpremiere der Burda-Gattin.

    @Walter Stach:
    Ich hoffe ebenfalls, dass sich alle Berliner bei der nächsten Wahl noch an dieses Desaster erinnern werden. Aber ein bisschen pessimistisch bin ich da auch. Denn er blieb auch 2011 im Amt, trotz des S-Bahn Debakels.

  • #12
    Walter Stach

    -Frank-:

    Zu meinem Parteigenossen Klaus Wowereit:

    Ich kenne ihn nur aus großer Distanz -persönlich und politisch-.

    Scheint mir menschlich ein angenehmer Zeitgenosse zu sein.

    Qualitäten als Stadtoberhaupt der Millionen-Metropole Berlin? Bewährt im Amt? Das kann ich einigermaßen begründet nicht beurteilen.
    Das Desaster um den neuen Flughafen macht mich als Außenstehenden allerdings diesbezüglich sehr nachdenklich, jedenfalls (noch) mehr als bisher.

    Zu beachten und zu respektieren ist allerdings bei aller Kritik an Wowereit , daß er von einer demokratischen Mehrheit der Berliner als BM legitimiert ist und er im Abgeordnetenhaus -immer noch-eine Mehrheit hinter sich hat.

    Er ist Bürgermeister der Berliner, ihnen verantwortlich, sonst niemanden.
    Und nur die Berliner können ihn foglich zur Verantwortung ziehen, nicht wir, nicht ich.
    Und was die Berliner bei der nächsten Wahl machen werden,falls Wowereit noch einmal “will”? Eine Prognose “mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit” wage ich nicht.

    Wenn ich zudem aus der Distanz eines “Nichtberliners” meine, daß Wowereit sein Amt ehe unkonventionell führt und dazu anmerke, daß das an sich m.E. nichts Schlechtes ist für eine Metropole, im Gegenteil, dann ist das die Meinung eines Außenstehendes, also für die Berliner, denn nur denen ist er verantwortlich , völlig belanglos.
    Auch wenn ich mit einiger Sympathie Wowereit gelegentlich als “Typen” mit dem derzeitigen Londoner Bürgermeister vergleiche, den vielen Briten einen “verrückten Vogel” nenne, ist das ebenfalls die Meinung eines Außenstehenden, unwichtig für die Berliner.

    Soweit kurz und oberflächlich das, was ich ganz allgemein über die Person Wowereit denke und über ihn als den Berliner Bürgermeister sagen möchtel.

    Aber………………
    Als vor nicht solanger Zeit in “meiner” SPD von Parteigenossen aus Berlin und von weiteren Parteigenossen aus dem “linken Spektrum” Klaus Wowereit als Kanzlerkandidat ins Gespräch gebracht wurde und nach meiner Wahrnehmung Kaus Wowereit das nicht nur “für gut so” hielt, sondern offensichtlich sich selbst auch für “bestens geeignet”, habe ich mich gefragt, wieweit meine allgemeine Menschenkenntnis in den letzten Jahren gelitten und mir meine Fähigkeit abhanden gekommen sein könnte, die Führungsqualitäten eines Politikers in etwas einschätzen zu können.

    “Klaus Wowereit als Bundeskanzler”.

    Ich hoffe sehr, daß diejenigen in “meiner” SPD, die das seinerzeit allen Ernstes wollten, sich spätestens jetzt selbstkritisch fragen, wie es um ihr Urteilsvermögen bestellt ist, wenn es darum geht, in der SPD einen geeigneten Kandidaten für das Bundeskanzleramt zu finden.

    Und wenn jetzt jemanden entgegnet, eine vergleichbar selbstkritische Frage müßten sich mittlerweiel alldiejenigen in der SPD stellen, die wie ich weiterhin Steinbrück für einen geeigneten Kanzler-(Kandidaten) halte, dann kann ich dem aufgrund meiner Einschätzung/Bewertung politischen Führungspersonales – bei aller aktuell verständliche Kritiik an Steinbrück- ganz und gar nicht folgen. Wowereit konnte für mich nie ein ernsthaft zu bedenkender, zu erwägender Kandidat der SPD für das Kanzleramt sein.Und das Thema dürfte nun ein für allemal in der SPD “vom Tisch sein”, oder? Man weiß ja nie. Guttenberg und Wulf sind ja augenscheinlich “politisch immer noch oder schon wieder” im Spiel.

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