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„Christen, kauft nicht bei Juden!“

Die „Solidarische Kirche im Rheinland“  hat zum Boykott israelischer Waren aufgerufen und sich damit einer Aktion von Pax Christi angeschlossen, die wiederum katholisch sind. Wenn es um Antisemitismus geht, scheint es mit der Ökumene also gut zu klappen.  

Die Begründung für den Boykott der israelischen Waren, diesmal nicht durch Braunhemden sondern durch Lilatüchner: Obst und Gemüse  aus Israel könnte aus israelischen Siedlungen stammen.  Die Botschaft Israels hat heute auf die Aktion reagiert:

Stellungnahme der Botschaft zum „Kaufverzicht“

Zur Entscheidung der „Solidarischen Kirche im Rheinland“, zu einem Boykott israelischer Waren aufzurufen, erklärt die Botschaft des Staates Israel in Deutschland:

„Der Staat Israel wird nicht die andere Wange hinhalten, wenn jemand, der mit zweierlei Maß misst, das Land zum Sündenbock machen will. Wir hätten erwartet, dass eine Organisation, die im Namen der Moral auftritt, die Augen aufmacht und für den Frieden eintritt und nicht für Diskriminierung und Spaltung.“

Womit alles Notwendige gesagt wäre.

 

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63 Kommentare zu “„Christen, kauft nicht bei Juden!“

  • #1
    Peter M.

    „Kaufen Sie nur Produkte, von denen Sie sicher wissen, dass sie aus Israel stammen.“
    https://www.paxchristi.de/nahost.infos.2/nahost.infos.2.2.3/index.html

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Peter M: „Verzichten Sie – bis die Kennzeichnungspflicht erfüllt ist – auf Lebensmittel, die die unklare Ursprungsangabe „Israel“ tragen“

  • #3
  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PM: Hier ist der Link:
    http://www.paxchristi.de/nahost.infos.2/nahost.infos.2.2.3/index.html

  • #5
    Rambow

    Das klingt doch bei PAX CHRISTI alles total vernünftig. Von „Juden“ ist überhaupt nicht die Rede, sondern ausschließlich von Produkten, die aus besetzten Gebieten stammen. Antisemitismus ist hier wirklich nicht zu entdecken.

  • #6
    Peter M.

    @SL:
    Den Link hatte ich bereits besucht, gelesen und verstanden.

    Daher auch das Zitat “Kaufen Sie nur Produkte, von denen Sie sicher wissen, dass sie aus Israel stammen.”

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Rambow: Genau. Und weil Pax Christi und die Evangelen auch nicht zweierlei Maß anlegen, rufen sie auch nur zum Boykott israelischer Waren auf, und natürlich nicht zum Boykott von Produkten aus Musterländern wie China, Russland oder dem Iran.

  • #8
    Peter M.

    Doll, strike mit strong verwechselt. Vielleicht hat ja der Admin ein Einsehen. Tschuldigung!

  • #9
    Rambow

    In dubio pro reo: Deshalb gehe ich einfach mal davon aus, dass der Verzicht auf Produkte aus Diktaturen von Pax Christi und Konsorten als selbstverständlich angenommen wird. Israel als demokratischer Staat ist dann EIGENTLICH ok, aber eben nicht, wenn die Produkte aus den besetzten Gebieten stammen. Und noch einmal: Der reflexhafte Antisemitismusvorwurf verfängt in diesem Fall überhaupt nicht.

  • #10
    Werner Jurga

    Kürzlich habe ich sogar mal irgendwo gelesen, dass diese Juden, sorry: Israelis sogar den Namensgründer dieser um Frieden bemühten Organisation auf dem Gewissen haben sollen. Der Typ soll auch in den besetzten Gebieten gewohnt haben; kein Wunder, dass die da jetzt besonders kritisch sind!

  • #11
    snoff

    Was ein Schwachsinn! Wenn jemand sagt, „kauft keine israelischen Waren“ ist es ein Boykott gegen die Politik von Israel. Wenn jemand sagt „kauft keine jüdischen Waren“ ist es ein Boykott gegen das Judentum. Und da es um ersteres geht, halte ich die Überschrift für völlig falsch.

  • #12
    Arnold Voss

    Ich habe mir die Mühe gemacht dem Link zu folgen (siehe #4) und dort das folgende Dokument komplett durchzulesen:

    „Kairos-Dokument: „Kreativer Widerstand“ für ein Ende der Besatzung
    Palästinensische Christen rufen zu wirtschaftlichen Sanktionen
    und Boykottmaßnahmen auf“

    In dem ganzen Text kein einziges Wort zur Hamas, kein Wort über die Vernichtungsdrohung dieser Organisation gegenüber Israel, keine Wort zum Raketenbeschuss, keine Wort zu den Terrorattentaten, kein Wort zur religiösen Unterdrückung der Christen. (Ein Wort zur Unterdrückung der Ungläubigen habe ich sowieso nicht erwartet)

    In dem Text ist eindeutig nur Israel der Täter und Schuldige. Was für eine Verdrängungsleistung!

  • #13
    Martin Niewendick

    @Rambow, „Von ‚Juden‘ ist überhaupt nicht die Rede“

    Ja, guter Trick, nicht wahr? Bei dir hat er gewirkt 🙂

  • #14
    Arnold Voss

    @ Rambow # 9 @ Snoff #11 und an alle anderen Boykottbefürworter die sich hier noch melden werden:

    Wie wäre es denn mit einem Warenboykott für alle Produkte die aus all den Gegenden kommen in denen die Hamas das Sagen hat. Sie ist auch nach internationalen Beschlüssen eine Terrororganisation, hat mehrfach gegen das Völkerrecht verstoßen, neigt nicht gerade zu demokratischen Gepflogenheiten und droht nach wie vor und ganz offiziell mit der Vernichtung Israels, also mit Völkermord.

  • #15
    Torti

    @Laurin
    Irgendwie ist den Organisationen eine EU-Richtlinie nicht bekannt. Das EU-Recht verlangt, dass Produkte aus Israel und jene aus den besetzten Gebieten klar voneinander unterschieden werden müssen. Wegen unterschiedlicher Zollbestimmungen. Kunden können allerdings nicht feststellen, ob Obst, Gemüse und Kräuter aus israelischen oder palästinensischen Betrieben stammen. Beide tragen die Aufschrift: „Produkt aus dem Westjordanland“.

    Damit werden dann aber auch die vermeinliche „guten“ Palästineser getroffen. Nun gehört es aber auch zum ganzen Teil der Wahrheit, dass es solche Aufrufe zum Boykott von Waren aus den besezten Gebieten auch von israelischen Fiedensinitiativen gibt. Das hat allerdings die aktuelle Regierung von Israel unter Strafe gestellt. So ganz demokratisch.

  • #16
    Rambow

    @ Martin Niewendick. Was für ein Trick? Ist Israel = Juden? Oder immer nur dann, wenn es dem Antisemitismus-Jäger gerade in den Kram passt? Entschuldigung: Wer den Unterschied zwischen „Kauft nicht bei Juden“ und „Verzichtet auf Waren aus den von Israel besetzten Gebieten“ nicht sieht, ist entweder sprachlich minderbemittelt oder total verblendet.

  • #17
    Martin Niewendick

    @Rambow, Israel ist natürlich nicht gleich juden. das behaupten nur antisemiten, und darum MEINEN sie „juden“ wenn sie „israel“ sagen. so kann man ungestört abledern.

  • #18
    juppdidupp

    Ich finde es auch merkwürdig, wenn Leute in der Kommentarspalte schreiben, es wäre ok, israelische Produkte zu boykottieren, da es dabei um eine Kritik an der Poltitk Israels geht und nicht um Antisemitismus. In was für einer Position befinden wir uns eigentlich über israelische Politik mehr richtenzu dürfen als über andere? Die Politik Chinas, Bangladeshs oder Kambodschas scheint hier ja auch niemandem boykottwürdig zu sein. Sonst guckt doch mal auf die Schilder eurer H&M-Klamotten. Und danach in den Nachrichten was dort so abgeht.

  • #19
    Arnold Voss

    @ Torti

    Dieser christliche Boykott-Aufruf ist weder christlich noch politische sinnvoll. Er zielt einzig und allein auf die einseitige Schuldzuweisung an die Israelis. Wer für die besetzten Gebiete was tun will, der muss nicht deren Bewohner, egal ob Palästinender oder Israelis, unter Druck setzen, sondern deren jeweilige Regierungen. Vor allem aber muss er sich erst mal klar machen, wie es zu diesen Besetzungen gekommen ist.

  • #20
    Rambow

    @ Martin Niewendick: Ich hoffe, dass sie selbst wissen, dass das natürlich eine äußerst böswillige Unterstellung ist und eine solche Grundannahme jegliche sinnvolle Diskussion unmöglich macht. Im Zweifelsfall nimmt der Antisemitismus-Jäger immer an, dass sein Gegenüber Antisemit ist und mit „Israel“ „Juden“ meint. Genau genommen ist so eine Grundannahme schlichtweg ein Vorurteil (im engsten Sinne des Wortes), hochgradig undemokratisch und nah an der Grenze zum Faschistoiden.

    Wie schon öfters, ärgere ich mich wieder, dass ich mich überhaupt hier auf Ruhrbarone auf eine Diskussion zum Thema Antisemitismus eingelassen habe. Genauso wie Rassismusdiskussionen hier, werden diese Diskussionen dominiert von einer Fraktion Ultraaufrechter, die sowohl den Antisemitismus- wie der Rassismus-Begriff dadurch entwerten, dass sie ihn überall vermuten. Genau wie Sie, Herr Niewendick, der in jedem, der „Israel“ sagt gleich den Antisemiten findet, der eigentlich „Juden“ meint. In diesem Fall darf einfach gar nicht mehr über Israel und Juden, über Schwarze und Türken gesprochen werden. Weil ja auch jeder, der „Schwarzer“ sagt, eigentlich „Neger“ meint, weil er ja wahrscheinlich Rassist ist.

  • #21
    Nansy

    Das ewige deutsche Gebrechen – was bei jedem anderen Staat in der Welt in Ordnung ginge (mal abgesehen vom Sinn oder Unsinn eines solchen Waren-Boykotts), führt im Zusammenhang mit Israel zu Täter und Opfer Diskussion – hätten nicht auch andere Länder boykottiert werden müssen? Soweit so normal.
    „Normal“ muss man leider wohl auch die Stellungnahme der israelischen Botschaft nennen, denn leichter als in Deutschland mit seiner Vergangenheit kann man solche Aktionen nicht diskreditieren…

  • #22
    Seraquael

    Tut mir leid, unabhängig von den politischen Hintergründen sehe ich dies auch eher auf der selben Stufe wie den Boykott von Tankstellenmarken einzelner Mineralölkonzerne oder Billig-T-Shirts bestimmter Handelsketten.

    Seit dem Tod des wirklich großen Staatsmannes Itzak Rabins versucht der Staat Israel jede Kritik am staatlichen und militärischen Handeln Israels seitens Deutschlands als Antisemitismus abzustempeln und der Zentralrat der Juden stößt ins selbe Horn auch hier beginnend mit dem Tod von Ignaz Bubis, dem letzten Vorsitzenden der wirklich um Integration und Ausgleich bemüht war.

    Ich bin ein Mensch der sich gewiss weder durch Antisemitismus oder sonstige rassisitische Tendenzen auszeichnet außerdem sind die Menschen die dieses wirklich dunkele Kapitel unserer Geschichte zu verantworten haben Tod oder kurz davor, deshalb muss ich auch als Deutscher Kritik daran üben dürfen wenn sich der STAAT Israel mit der Internierung einer ganzen Bevölkerungsschicht und der Bombadierung unschuldiger Zivilisten fast genauso schlimm verhält wie das Nazi-Regime 1933-45.

    Gruß Sera

  • #23
    Helmut Junge

    Ich habe den Link verfolgt und verstehe die Sache so:
    An der Abstimmung zu diesem merkwürdigen Boykottaufruf haben sich etwa 30 Personen beteiligt. Davon hat sich „die überwiegende Mehrheit“ für eine Beteiligung am Boykottaufruf entschieden.
    Es mußte zu dem Artikel sogar im Nachtrag festgehalten werden, daß zumindest eine Person sich entschieden gegen diesen Aufruf ausgesprochen hat.
    Viele Boykotteure sind es also nicht, wenn man bedenkt, daß sie in ihrer Statistik angeben, über 1284 Pfarrstellen zu verfügen, und auf jede Pfarrstelle 2271 Gemeindemitglieder kommen.

  • #24
    Walter Stach

    Der Anlaß für den o.a.Streit ist für mich relativ bedeutunslos.

    Wirkungslos ist das, was von sog.christlichen Organisationen gefordert wird, ohnehin;
    die jetzige Diskussion hier bei den Ruhrbaronen eingeschlossen.

    Die jetzige Diskussion ist in ihrem Inhalt-losgelöst vom Anlaß- ein Beitrag, ein kleiner, zu den vielen einschlägigen Streitgesprächen , zuzuordnen nach ihren Inhalten den vielen Bemühungen nationaler und internationaler Politik, aus diversen Anlässen bi- und multilateral Konfliktursachen zu suchen und zu bestimmen, Lösungen zu bedenken,um diese dann zu artikulieren.

    Die jetzige Diskussion ist zudem -im kleinen-ein Spiegelbild all dessen, was auch seitens der unmittelbar Betroffenen und Beteiligten aus der Region Israel/Palästiner -nebst Syrien,Libanon,Iran u.a immer wieder zu den Konfliktursachen und gelegentlich zu Problemlösungen zu hören ist.

    Folglich werden auch in der jetzigen Diskussion hier bei den Ruhrbaronen wie stets und übrall immer wieder die gleichen Argumente vorgetragen, allesamt von Vorurteilen, von Sympathien, von Antipathien, aus welchen Gründen auch immer, geprägt.

    Und was soll das Alles?
    Wie so oft habe ich auch jetzt den Eindruck, daß die Protagonisten nur darauf warten, ja darauf hoffen, daß Betroffene/Beteiligt oder eben Dritte, wie jetzt geschehen, ihnen immer wieder Anlaß bieten, das jeweilige Stereotyp zu wiederholen.

    Ich kann jedenfalls nicht erkennen, auch jetzt und hier nciht, daß es bei den Beteiligten den Willen zum Gespräch gibt.

    „Gespräch“, das ist nur dann, wenn der andere Recht haben kann“,

    ( so oder so ähnlich ein deutscher Philosoph-leider fällt mir im Moment sein Name nciht ein.)

    Und ein Gespräch findet, wenn es um Israel/Palästina geht, nicht statt;auch nicht bei den Ruhrbaronen.

    Ich bin nicht im geringsten in der Lage, mir eine realistische Dauer- Lösung des Problemes Israel/Palästina vorstellen zu können, weder eine friedliche noch eine mittels Krieg.

  • #25
    Arnold Voß

    @ Seraquael #22

    Schon mal irgendwas von der Anzahl der Toten gelesen, die das Naziregime von 1933-45 zu verantworten hatte? Sie mögen kein Antsemit sein, aber sie sind strunzdumm in ihren Vergleichen. Oder verlogen bis in die Haarspitzen.

  • #26
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Seraquael; Sie deuten an, das Israel an den Palästinensern einen Genozid begeht so wie die Nazis an den Juden? Mal von allem anderen abgesehen, auf das ich keine Lust habe einzugehen: Wenn sie Recht hätten und Israel hat es als Ziel, alle Palästinenser zu ermorden, scheint Israel das ziemlich dumm anzugehen, denn bei einem Bevölkerungswachstum von 3,7 Prozent im Jahr und 4,9 Geburten/Frau wächst die Zahl der Menschen dort recht flott. Aber vielleicht ist das Hamas-Fernsehen auch zu langweilig…
    http://www.filastin.at/geo.shtml

  • #27
    Hutze

    Mal abgesehen davon, dass mir Boykottaufrufe von irgendwelchen Katholenvereinigungen ziemlich egal sind: Es ist ja geradezu schon ein Stück antisemitisch, die illegalen israelischen Siedlungen außerhalb des israelischen Staatsgebietes pauschal dem Judentum an sich zuzuschreiben und somit jede (vollkommen berechtigte) Kritik an diesem mit Militärgewalt unterstütztem Landraub als antisemitisch zu verurteilen.
    Die Siedlungen machen jede Bemühung um Frieden von beiden Seiten zunichte, und so scheint mir eine wirtschaftliche Unterstützung der Siedler tatsächlich unangebracht – unabhängig von in den palästinensischen Gebieten ansässigen terroristischen Vereinigungen und übrigens auch unabhängig von der Situation der Näherinnen, die für H&M zu beschissenen Löhnen arbeiten müssen.

    Eine eindeutige Kennzeichnung von Produkten aus illegalen Siedlungen kann ich daher nur begrüßen – und das ganz ohne Antisemitismus und auch ohne dass ich das Existenzrecht des Staates Israel anzweifeln würde.

  • #28
    Rocknrolldirk

    Ein Boykott israelischer Waren aus den besetzten Gebieten erscheint erstmal, zumindest wenn man einer gewissen (legitimen) Denkrichtung angehört richtig und schlüssig. Betrachtet man aber die Welt auf der wir leben, die Waren welcher Länder kann man denn guten Gewissens kaufen? Waren aus den USA, einem Staat der gerne wehrlose, meist rohstoffreiche Länder überfällt und da in den letzten Jahrzehnten Millionen (!!) von Toten produziert hat?

    Nach dieser Logik ist es wohl mindestens so verwerflich ein I-Phone zu kaufen ist wie einen Blumenkohl aus den besetzten Gebieten!!

    Interessant ist es zu betrachten, wer hier der Initiator ist, das erklärt auch warum dieser Boykottaufruf nicht den USA, sondern Israel gilt. Die Kirche ist traditionell die Quelle des Judenhasses auf dieser Welt. Ihre eindeutige Rolle im Mittelalter bei der Judenverfolgung, ihre Rolle im dritten Reich (dieser Auswuchs war nur durch die jahrhundertelange Vorbereitung durch die Kirche möglich) und die Judenmission, die von der evangelischen Kirche bis heute betrieben wird sprechen eine eindeutige Sprache! Es geht hier schlichtweg um Judenhass, wohin dieser führt wissen wir doch eigentlich?!

    Kirchenaustritt sofort!

  • #29
    Helmut Junge

    @Hutze,
    Das scheint mir genau der Trick zu sein, mit dem der Eine oder Andere bei der Abstimmung über den Tisch gezogen wurde. Denn wohlwissend, dass es schon rein technisch nie möglich sein wird, ein Herkunftsbezeichnung präziser, als auf ein Erzeugerland zu definieren, ging es bei der Abstimmung um Waren aus „illegalen Siedlungen“, die boykottiert werden sollen. Da diese aber niemals als solche ausgewiesen werden, läuft es auf einen Boykott Israels hinaus.
    Und das scheint mir das urprünglich geplante Ziel der Antragsteller zu sein.
    Also, die Antragsteller wußten, dass sie mit einem Israelboykott nicht die Mehrheit kriegen würden und haben den Boykott auf die „illegalen Siedlungen“ begrenzt, obwohl sie sicher sein können, dass das technisch nicht machbar sein wird.
    Sie haben sich damit eine Mehrheit erschlichen.

  • #30
    paule t.

    Ich meine, als ich den Artikel zum ersten Mal las, hätte in der ersten Teile noch “Evangelische Kirche im Rheinland” und nicht “Solidarische Kirche im Rheinland” gestanden, was einen Unterschied zwischen einer Landeskirche mit ein paar Millionen und einem Verein (in deren Umfeld) mit – schätze ich mal – ein paar Dutzend Mitgliedern macht.

    Der Kommentar nur #23 ergibt ja auch nur so Sinn.

    Wäre es nicht gute journalistische Gepflogenheit, die Korrektur solcher garvierenden Fehler auch zu dokumentieren?

  • #31
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Paule: Ja, wurde geändert. Aber die Evanglische Kirche ist nicht raus aus der Nummer: Das Treffen fand in Kirchenräumen statt und der Boykottaufruf liegt auf dem Kirchenserver. Die Evangelische Kirche gibt dem also in jeder Hinsicht Raum…

  • #32
    paule t.

    Einen solchen Boykottaufruf lehne ich auch ab.
    Aber die Art, wie hier der „Solidarischen Kirche“ und Pax Christi unterstellt wird, sie schrieben es so, meinten es aber ganz anders, nämlich per se antisemitisch, finde ich andererseits auch schon arg verschwörungstheoretisch.

    Wenn sie Waren, deren Herkunft aus Israel selbst bekannt ist, vom Boykottaufruf ausdrücklich ausnehmen, dann ist es eben kein Aufruf zum Boykott Israels selbst (und schon gar nicht – wie in der Überschrift behauptet – zum Boykott von Juden an sich). Sicher, es gibt Antisemitismus, der sich hinter Israelkritik versteckt (ob so etwas hier eine Rolle spielt, vermag ich nicht zu entscheiden), aber das sollte doch besser belegt werden als durch reine Verdachtsrhetorik.

    Übrigens könnte die israelische Regierung es sehr leicht verhindern, dass von solchen Boykottaufrufen israelische Waren betroffen sind: Indem sie Waren aus Israel, aus israelischen Siedlungen und aus dem restlichen Westjordanland unterschiedich kennzeichnen.

  • #33
    paule t.

    @31: Dass die Kirche dem „Raum gibt“ und nicht intern zensiert, stimmt sicher und mag sachlich kritisiert werden. Dennoch ist es eben die Meinung einer Gruppe in der Kirche und nicht der Kirche selbst.
    Durch den heutigen Nachtrag bei der Meldung ist außerdem erkennbar, dass es die Gegenposition in der EKiR auch gibt, und zwar – in Gestalt des Landespfarrers für für christlich-jüdischen Dialog der Evangelischen Kirche im Rheinland – von einem offiziellen Amtsträger und nicht einem nahe stehenden Verein.

  • #34
    Helmut Junge

    @Paule T.,
    Ich (23), habe den Link aus dem Textwort „Boykott“ zweite Zeile genommen.
    Das ist die Adresse

    http://www.ekir.de/www/service/kaufverzicht-15861.php

  • #35
    Achim

    Das Problem sind nicht die paar israelischen Siedler, die dort mit einer
    wesentlich stärkeren Legitimation siedlen als anatolische Siedler im türkisch besetzten Teil der Republik Zypern.
    Vor dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches in den (ersten)
    Weltkrieg waren sämtliche Gebiete von
    der ägyptisch-osmanischen Grenze bis
    zur Schwarzmeerküste legitime Gebiete des
    Osmanischen Reiches und Juden durften dort
    wohnen. Dazu gehörten auch
    europäisch-zionistische Einwanderer.
    Durch die militärische Niederlage der
    Mittelmächte wurden diese Gebiete
    teilweise zu Mandatsgebieten.

    In den nächsten Jahrzehnten wurden
    viele Juden aus den heutigen Mitgliedstaaten
    der Arabischen Liga vertrieben. Eine
    Rückkehr dieser jüdischen Flüchtlinge ist
    ausgeschlossen.

    Da müssen die Palästinenser ihre Ansprüche
    halt an die arabischen Staaten richten.

    Im übrigen haben sie selbstverständlich
    das Recht auf einen
    eigenen Staat „Palästina“ bzw. auf ihre
    Staaten „Westbank“ und „Gaza“.
    Dass sie sich aufgrund von
    Gebietsforderungen an den Staat
    Israel und der Nichterfüllung ihrer
    Selbstmordforderung bzw.
    Auswanderungsforderung einer
    Staatsgründung verweigern ist
    ihr persönliches Pech.
    Eine Rückkehr palästinensischer
    Flüchtlinge und deren Nachkommen
    würde den Staat Israel zerstören
    und die Israelis müssten wieder
    flüchten. Im Gegensatz zu den britischen
    Soldaten damals gäbe es kein „Wunder
    von Dünnkirchen“ für sie…

    Ohne einen dauerhaften Frieden, der für
    die israelische Seite vertretbar ist, kann
    es keinen Frieden geben.

    Die Friedensbedingungen wären ganz einfach:

    Kein „Rückkehrrecht“ für Palästinenser nach
    Israel. Also keine Selbstmordverpflichtung.

    Eine grundlegende Entmilitarisierung der
    palästinensischen Staaten.

    Im übrigen ist Rom die Hauptstadt Italiens
    und der Vatikanstaat in Rom ändert daran
    nichts. Ein paar zum Westbankstaat oder
    zum palästinensischen Staat gehörende
    Stadtviertel ändern daran nichts.

    Die Israelis werden halt nicht so blöd sein,
    sich eine „Hudna“ (maximal 10-jähriger
    Waffenstillstand nach islamischen Recht)
    als richtigen Frieden andrehen zu lassen.

    Achim

  • #36
    Seraquael

    @Arnold Voss #25 & Stefan Laurin #26: Ich bin weder strunzdumm noch verlogen ich sehe nur, dass sich hier eine Entwicklung zuspitzt die das selbe grausame Potential wie damals hat und gewisse traurige Parallelen aufweist, es gibt nur zwei Unterschiede. Das Tempo ist so langsam, das niemand eine unmittelbare Gefahr sieht bis es zu spät ist, wie der Molch im langsam wärmer werdenden Kochtopf, und der Staat in dem dies geschieht wird von der westlichen Welt als gemäßigter Verbündeter angesehen. In Wahrheit versinken diese gemäßigten Kräfte in der israelischen Politik seit dem Tod Rabins und der Entmachtung Peres, vor allem in der Awoda in der Bedeutungslosigkeit. Ob sie so wie von außen gesehen in der Likud jemals vorhanden waren wage ich zu bezweifeln.

    Und schauen wir doch mal genauer hin – Wir haben hier einen Staat der nach seiner Gründung sytematisch einen großen Teil seiner Bevölkerung in bestimmte Gebiete vertrieben hat sie dort die meiste Zeit einsperrt, praktisch unter curatel stellt und Handel und sogar Hilfsmassnahmen aus dem Westen unterbindet (dabei sogar ein Schiff mit deutschen Parlamentariern an Bord angreift und Besatzungsmitglieder tötet), sie mit waffengewalt unterdrückt und jede Abwehraktion zum Vorwand neuer Gewalt nimmt, ein riesiges Ghetto Gazastreifen mit einer befestigten Grenze schafft, mittlerweile eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Erde und den Platz dort durch immer neue Siedlungen noch weiter einschränkt. Einen Staat der von seinem Geheimdienst gezielt Tötungen vornehmen läßt, ohne Gerichtsverfahren oder Verurteilung, nicht mal die CIA tut so etwas noch. Einen Staat der sein Millitär gezielt auf ausländische wie innländische Rettungskräfte und Journalisten schießen läßt weil sie die militärische Erstürmung eines Flüchtlingslagers dokumentieren. Einen Staat der durch militärische Operationen und die von ihm verursachte Verelendung der palästinensischen Bevölkerung direkt und indirekt mehr als 100.000 Tote auf dem Gewissen hat. Einen Staat dessen Regierung mit jedem der letzten drei Wahlgänge zunehmend aggressiver und kompromissloser wurde und der jetzt von einer nationalistischen und teilweise offen palestinenserfeindlichen Koalition unter Führung von Likud und Jisra’el Beitenu regiert wird in einer Knesset in der die liberale Partei Kadima praktisch nichts mehr zu sagen hat obwohl sie die stärkste Fraktion stellt aber bei der Regierungsbildung vollkommen ausgehebelt wurde und die eigentlich gemäßigte Awoda soagar den Verteidigungsminister stellt. Persönlichkeiten wie Golda Meir oder Itzak Rabin wären ein Gegengewicht zu dieser Politik, aber solche Persönlichkeiten bringt dieser Staat nicht mehr hervor.

    Wären die von mir beschriebenen Ereignisse inheralb von fünf Jahren oder in einem anderen Staat geschehen oder würden sich die Palästinenser anders als die Juden damals in Deutschland als weniger wehrhaft erweisen würden überall auf der Welt schon die Alarmglocken läuten und die sog. Friedensanstrengungen wären mehr als eine Farce. Aber so klopft Israel auch niemand mal richtig auf die Finger und die Entwicklung spitzt sich, zwar langsam aber stetig, immer weiter zu. Und auch wenn ich mich jetzt noch unbeliebter mache: Es mag zwar keine offizielle israelische Politik sein, aber es gibt in der Knesset garaniert Strömungen die daran Denken sich des Problems mit den Palästinensern auf die eine oder andere Art entgültig zu entledigen und die Gegenwehr im Likud-Block und der Awoda scheint nicht besonders hoch zu sein. Sollte es in den palästinensischen Gebieten aufgrund von Überbevölkerung und Elend in nächster Zeit einen größeren Aufstand geben könnten diese Strömungen das als die völkerrechtliche Rechtfertigung ansehen massive Militäreinsätze voranzutreiben die viele, sehr viele Palästinenser das Leben Kosten würden.

  • #37
    Hutze

    @ Helmut Junge
    Die Kennzeichnung von Waren aus israelischen Siedlungen in den Palästinensischen Gebieten ist „technisch“ in Deutschland ohne weiteres möglich, da die Ware, anders als Produkte aus dem Staatsgebiet von Israel, bei der Einfuhr in die EU verzollt werden muss. Eine entsprechende Deklarierungspflicht in D würde die Entscheidung zur wirtschaftlichen Unterstützung der illegalen Siedlungen dem Verbraucher überlassen und dabei helfen, fragwürdigen Boykottaufrufen die Argumentation zu entziehen. Fänd ich gut…

  • #38
    Himynameis

    Wie hier einige ein „Kauft nicht bei Juden, die in Israel leben“ oder – in der Light-Version – „Kauft nicht bei Juden, die im Westjordanland leben“ als etwas anderes als antisemitisch deuten können, ist faszinierend. Es sind dabei _immer_ die jüdische Präsenz und um die jüdischen Bewohner, die boykottiert werden sollen, nicht die Araber und nicht die Drusen. Das könnt ihr euch so drehen, wir ihr wollt.

  • #39
    Müller

    @ Rocknrolldirk

    Die Zahl der Millionen Opfer „produziert“ durch die USA möchte ich gern mal belegt haben.

    Zum weit verbreiteten Israel- und Judenhass in gewissen Kreisen sogenannter progressiver Menschen, muß man gar nichts mehr sagen.

  • #40
    Elisabeth R.

    Es ist schier unbegreiflich und außerordentlich beschämend, dass sich ausgerechnet die Kirche in Deutschland, deren Grundlagen (scheinbar vergessen) auf den Juden Jesus zurückgeführt werden muss, gegen das einzige demokratische Land im Nahen Osten richtet, das in seiner Regierung Vertreter aller Volksgruppen hat und das einzige Land weltweit ist, mit dessen Vernichtung viele Köpfe in der arabischen Welt drohen. Es muss schon viel Dummheit vorliegen, wenn man den Stammbaum, von dem man abstammt, absägt. Ich bin getrost, dass mein Vater im Himmel die Antwort für die Initiatoren dieser Idee hat. Dazu gibt es klare Aussagen in Seinem Wort.

  • #41
    Puck

    @Nansy #21
    (…)denn leichter als in Deutschland mit seiner Vergangenheit kann man solche Aktionen nicht diskreditieren…(…)

    Da ist sie wieder, die beleidigte Kindergartenschnute, alle anderen dürfen, nur die kleinen Deutschen nicht, nur weil sie sich mal ein bißchen daneben benommen haben.

    Das nötigt einem aus zweierlei Gründen große Beherrschung ab, um sich nicht im Strahl zu übergeben:

    Erstens geht es nicht darum, daß der kleine Michel vom Dreimeterbrett in den Pool gepinkelt hat, anstatt das dezent im Wasser zu machen wie alle anderen.

    Und zweitens wüßte ich so auf Anhieb nicht, in welchen anderen Ländern eine Idee wie der Boykott israelischer Waren noch mit so viel Sympathie aufgegriffen wird wie in Deutschland – außer Iran und Gaza vielleicht. Die Klage: Alle anderen dürfen, trifft also den Nagel neben den Kopf. Die anderen dürfen vielleicht.
    Die wollen aber gar nicht!
    Was die Frage aufwirft: Warum will man eigentlich so vehement in Deutschland?

  • #42
    Wolfgang Wendland

    Die Diskussion in Israel selbst

    Friedensaktivisten und Intellektuelle in Israel unterstützen die Kennzeichnung. Die israelische Organisation „Frauen für Frieden“ betreibt die Website „Who Profits“, auf der nachzulesen ist, welche israelischen und internationalen Firmen von der Besatzung wirtschaftlich profitieren. Der Ex-Präsident der Knesset und Vorsitzende der World Zionist Organisation, Avraham Burg, kauft keine Produkte aus den Siedlungen und sieht eine Kennzeichnung dieser Produkte in Europa weder als anti-israelisch noch anti-semitisch an.

    Aus:

    http://www.tagesspiegel.de/politik/israel-made-in-israel-oder-in-der-westbank/7057104.html

  • #43
    Puck

    @Seraquael

    Danke für Ihren sehr aufschlußreichen Beitrag.
    Daß Sie kein Antisemit sind, überrascht nicht weiter. In Deutschland ist ja niemand Antisemit.
    Nach 1945 hat sich sogar ganz plötzlich heraus gestellt, daß es nie welche gegeben hat!

    Da gibt es allerdings ein paar Kleinigkeiten, die dann doch irritieren:

    Zitat:(…)und der Zentralrat der Juden stößt ins selbe Horn auch hier beginnend mit dem Tod von Ignaz Bubis, dem letzten Vorsitzenden der wirklich um Integration und Ausgleich bemüht war.(…) Zitat Ende.

    Wer muß sich denn da Ihrer Meinung nach ganz genau wo integrieren?
    Und wem obliegt es denn wohl, sich um „Ausgleich“ zu „bemühen“?

    Zitat: (…)wenn sich der STAAT Israel mit der Internierung einer ganzen Bevölkerungsschicht und der Bombadierung unschuldiger Zivilisten fast genauso schlimm verhält wie das Nazi-Regime 1933-45. Zitat Ende.

    Abgesehen von den jetzt mal als bekannt voraus gesetzten eklatant abweichenden Opferzahlen: Ihre „fast“ Gleichsetzung von Nazis damals=Israelis heute impliziert, daß die Bedrohung durch die Hamas für Israel heute (Israel von der Landkarte zu fegen, die Juden ins Meer zu treiben etc.) einer irgendwie gearteten Bedrohung Deutschlands durch die Juden entspräche.
    Und das ist – tut mir leid, das sagen zu müssen – ein geradezu klassischer Topos des Antisemitismus.

  • #44
    Puck

    #18 juppdidupp

    Sehe ich genau so.
    Überhaupt sollte man nicht nur bei H&M aufs Etikett kucken. Heute stand auch wieder ein schöner Artikel auf SpiegelOnline über die Bedingungen, unter denen die Super-Sonder-Angebote von Kik so zustande kommen.
    Ein Boykott dieser Produkte birgt allerdings das Risiko, z. B. für ein T-Shirt etwas mehr mehr zu bezahlen.
    Was bedeutet, daß man beim Kauf von ca. 50 T-Shirts auf einen Last-Minute-Urlaub verzichten muß.

    Das ist bei einem Boykott israelischer Waren natürlich nicht so riskant. Avocados und Orangen bekommt man vielleicht sogar aus anderen Ländern für ein paar Cent weniger…

  • #45
  • #46
    Hans

    Man sollte nicht jede Aktion die gegen Israel gerichtet ist gleich und nur auf Antisemitismus reduzieren. Im Bericht wird ganz klar zum Boykott gegen israelische Waren, nicht gegen jüdische Waren oder gegen Juden in irgendeiner Form aufgerufen. Begründet wird dies zudem mit dem potentiellen Ursprung aus besetzten Gebieten. Im Abschluss also ein Aufruf an den Staat Israel seine Siedlungspolitik zu überdenken, nicht mehr und nicht weniger.

  • #47
  • #48
    Leo

    Die „Solidarische Kirche im Rheinland“ steht in der Tradition der „Deutschen Christen“, die das Hakenkreuz gleichberechtigt neben das Kreuz stellten: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen Und antisemitische Strömungen in der katholischen Kirche sind nun wirklich nichts neues. Kurzum: Antisemitismus kommt aus der Mitte der deutschen Gesellschaft.

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  • #50
    Seraquael

    @Puck #43: Ihre Bezüge und Zitate zeigen, dass mein zweiter Kommentar (#36) noch nicht freigeschaltet war als Sie den Ihren schrieben, ich bitte Sie dies zu tun dann dürfte sich schon das Ein oder Andere klären. Was meine Bemerkung über den Zentralrat der Juden betrifft beziehe ich mich nicht hauptsächlich auf die Integration von Juden in Deutschland sondern auf das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel. Hier hatte sich Herr Bubis neben seinen Aufgaben als Vertreter und Koordinator seiner Glaubensrichtung, nämlich sehr dafür engagiert das sich die zwischenstaatlichen Beziehungen normalisieren und Israel in die bilaterale (EU-)Politik integriert wird. Wohingegen sein direkter Nachfolger Paul Spiegel den allergrößten Teil seiner Amtszeit damit verbracht hat israelkritische Politiker und Journalisten mit zumeist völlig aus der Luft gegriffenen Antisemitismusvorwürfen zu diffamieren, was in Deutschland ja auch immer noch hervorragend funktioniert, während die wirklichen Aufgaben eines Zentralrats, egal ob von Christen, Moslems oder Sinti und Roma auf der Strecke blieben. Denn Gleichzeitig gab es immense Probleme mit einer großen Anzahl von aus Osteuropa eingewanderterten, zum Teil vor Verfolgung geflüchteter Juden um die sich von Seiten des Zentralrats kaum gekümmert wurde. Es gab nich genügend Seelsorger, Rabbinerinnen und Rabbiner in manchen Tempeln und Gebetsräumen nicht mal genügend Platz, aber Spiegel war ja damit beschäftigt RTL-Korrespondenten fertig zu machen die Kriegsverbrechen der israelischen Armee aufgedeckt hatten. Von einem Überlebenden der Shoa war das mehr als scheinheilig. Meine Vergleiche der aktuellen Situation in Israel mit der Zeit unter dem Nazi-Regime 33-45 zielt, wie in meinem Kommentar #36 ausgeführt, darauf ab das die Entwicklung auf besorgniserregende Weise in die selbe Richtung geht. Was das leidige Thema Hamas angeht stellt sie für sich alleine genommen nicht die geringste Gefahr für den Staat Israel als Ganzes da, egal was sich der radikale Flüge auf die Fahnen geschrieben hat. Wir sprechen hier von ein paar Tausend aktiven Kämpfern unter Millionen Palästinensern die weder die militärischen noch die terroritischen Mittel haben Israel ernsthaft zu bedrohen. Die vielen Sympatisanten dieser Radikalen sind meiner Meinung nach eine natürliche Reaktion auf jahrzentelange Unterdrückung und Gewalt oder würde es Ihnen Gefallen wenn bei der Jagd nach Anführern des Widerstandes ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt werden oder eine willkürlche Grenze monatelang geschlossen wird die verhindert das Sie Ihren Arbeitsplatz erreichen oder Ihre Waren verkaufen können. Das wäre so als ob die Bundeswehr zu RAF-Zeiten die vermutetete Wohnungen der zwei Dutzend aktiven Terroristen mit dem umliegenden Straßenzug zusammengeschossen hätte um anschließend die Stadtteile abzuriegeln in denen Grüne und DKP gewählt wurden. Und Sie können sich sicher sein, hätten die Nazis die Juden vor Beginn der Deportationen und anschließenden Ermordung erst jahre- und jahrzehntelang in die Ghettos gesperrt hätte sich auch dort ein bewaffneter Widerstand etabliert, was nichts Negatives sondern einfach nur natürlich ist. Außerdem haben Sie vergessen zu erwähnen das es unter den Palästinenserorganisationen auch noch die gemäßigte Fatah gibt, die sich ernsthaft um Aussöhnung bemüht sich schon lange von ihren bewaffneten Flügeln getrennt hat und den Artikel 12 und damit den Antizionismus aus ihrem Parteiprogramm und der geplanten Verfassung des souveränen Palästinas gestrichen hat. Auch sie hat unter den Zivilisten hunderttausende Anhänger die unterdrückt werden, versucht die Infrarstruktur in den besetzten Gebieten aufrecht zu erhalten und muss doch erleben das immer wieder Verwaltungsgebäude und Polizeistationen als Vergeltungsmassnahmen für Aktionen der Hamas oder sogar ausländischer Terroristen bombadiert werden. Was uns zum letzten Punkt bringt. Die eigentliche Bedrohung des Staates Israel geht nicht von den Palästinensern sondern den umliegenden Staaten aus die zum Teil versuchen die Hamas als Mittel zum Zweck einzusetzten. Dafür können aber die Palästinenser nichts und man täte gut daran den gerechtfertigten Widerstand der Palästinenser nicht mit den Aktionen der arabischen Feindstaaten Israels zu Verwechseln. Abschließend bleibt noch zu schreiben das es eine Schande und auch eine Folge hervorragender israelischer Publicity ist, das man sich in Deutschland nicht israelkritisch äußern bzw. die Lage der Paletinänser objektiv und ohne Bonus für Israel analysieren kann ohne sich gleich den Vorwurf des Antsemitismus, sonstiger Intoleranz oder Dummheit einzufangen und besonders Sie Puck sollten sich mal ernstaft Fragen ob dieser persönliche und sarkastische Angriff auf mich wirklich einer toleranten Denkweise entspringt.

  • #51
    Helmut Junge

    @Seraquael (50),
    in Ihrem langen Beitrag vergesen Sie glatt, dass es mal einen Vertrag von Oslo gab, in dem den Palästinensern unter bestimmten Bedingungen eine Selbstverwaltung zugesichert wurde.
    Es gab noch andere Verträge mit hnlicher Zielsetzung.
    Wären diese Verträge umgesetzt, und nicht von radikalen Kräften im Pälastinenserlager torpediert worden, selbst einer wie Arafat konnte sich damals denen gegenüber nicht durchsetzen, hätten Sie @Seraquael keinen Aufhänger “ den gerechtfertigten Widerstand der Palästinenser“ zu erwähnen. Die Grundlage für diesen, von Ihnen benutzten Begriff haben die Palestinenser durch die Sabotierung der Verhandlungen ihres eigenen Anführers geschaffen. Wer damals Interesse hatte die Lage zu verschärfen hat sich danach auch durchgesetzt.
    Es folgte die Intifada, die zwar viele tote Israelis zur Folge hatte, die in Ihrer Analyse aber fehlen. Sie stehen ja dazu, dass von den Palästinensern keine Gefahr für Israel ausgeht. Die getöteten Israelis während der beiden Intifadas spielen in Ihrem Denken keine Rolle.
    Merkwürdig erscheint mir daher Ihr Vorwurf an @Puck schon.

  • #52
    Arnold Voß

    @ Seraquaell (#52)

    „Was das leidige Thema Hamas angeht stellt sie für sich alleine genommen nicht die geringste Gefahr für den Staat Israel als Ganzes da, egal was sich der radikale Flüge auf die Fahnen geschrieben hat. Wir sprechen hier von ein paar Tausend aktiven Kämpfern unter Millionen Palästinensern die weder die militärischen noch die terroritischen Mittel haben Israel ernsthaft zu bedrohen.“

    Das ist ein der dümmsten Sätze die ich seit langem zum israelisch-palästinensischen Konflikt gelesen habe. Und er ist gelogen.

    Die Hamas ist keine leidiges Thema sondern der wesentliche Grund dafür, dass es immer noch keine friedliche Zweistaatenlösung gibt. Sie ist auch der Grund für die Radikalisierung und Militarisierung der israelischen Politik bzw. der letzten israelischen Regierungen, denn genau das passt der Hamas bestens ins Konzept.

  • #53
    Walter Stach

    Ich habe unter -24-meine Meinung vorgetragen.

    Und nun nach 27 weiteren Beiträgen?

    Leider,leider,leider fühle ich mich in alldem, was ich grunsätzlich zum Streit Israel/Palästina angemerkt habe, mehr denn je bestätigt.

    Gespräch(e)………………?

    Das gelingt zu diesem Thema nicht ‚mal hier bei den Ruhrbaronen.
    Und wenn das hier nicht gelingt, wie können wir erwarten, daß das Gespräch vor Ort zwischen den Betroffenen möglich ist?

    Auch den Inhalt meines letzten Satzes unter -24- habe ich nach alldem nicht zu korriegen, im Gegenteil.

  • #54
    theo

    Danke für die Info, Stefan Laurin. Ich habe gerade eine Protestmail an die Landeskirche geschickt und möchte andere bitten, ebenfalls aktiv zu werden. Es gibt gewisse Kreise in der Kirche, die auf Kosten aller Kirchensteuerzahler gerne ihr eigenes politisches Süppchen kochen – sie profitieren davon, dass sich nur so wenige Menschen in der Kirche organisieren (sonst hätte man sie längst gestoppt).

  • #55
    Nansy

    Ich bezweifel auch, dass ein Warenboykott sinnvoll oder hilfreich ist. Zum Alltag voller Einschüchterungen in den besetzten Gebieten gibt es aber auch kritische israelische Stimmen, wie man diesem Beitrag aus Telepolis entnehmen kann:
    http://www.heise.de/tp/artikel/37/37846/1.html

  • #56
    Helmut Junge

    @Theo (54),
    wenn auch unter anderem Vorzeichen, erinnert mich diese „solidarische Kirche“ an die füheren wirren Aktivitäten des Duisburger Pfarrers Reuter, den die evangelische Kirche jahrelang hat machen lassen, bis die öffentliche Aufmerksamkeit ihr dann doch unangenehm wurde.
    Wenn diese evangelische Kirche überlebensfähig sein will, sollte sie auch in dieser Boykottangelegenheit Profil zeigen. Ihr eigenes Profil gewissermaßen.
    Die Öffentlichkeit ist zwar noch nicht so groß, wie damals, aber sie wird wachsam wachsen.

  • #57
  • #58
    Puck

    @Hans #46 Zitat: „(…)Im Bericht wird ganz klar zum Boykott gegen israelische Waren, nicht gegen jüdische Waren oder gegen Juden in irgendeiner Form aufgerufen.(…) Zitat Ende. Aha. Also nur wenn man gegen „jüdische Waren“ zum Boykott aufruft, wäre das antisemitisch. Darf man mal erfahren, was Sie sich unter „jüdischen Waren“ vorstellen? CDs mit Klezmer Musik? Filme von Steven Spielberg? Oder eher Gefillte Fisch im Glas? Ich bin ratlos.

  • #59
    Puck

    @Seraquael #50

    Ich habe Ihren Beitrag #36 gelesen. Da steht aber auch nix neues drin, Sie haben das Ganze nur ein wenig ausgewalzt.

    Die Hamas ist nicht irgendso ein Ärgernis, über das man den Kopf schüttelt und dann zur Tagesordnung übergeht. Die Hamas verhindert seit ihrer Existenz jeden auch noch so zaghaften Versuch eines Friedensplanes, indem sie jedesmal, wenn jemand das Wort „Friedensverhandlungen“ in den Mund nimmt, zum Anschlag ausholt, vermutlich, weil der Konflikt ihre einzige Daseinsberechtigung darstellt.

    Wie Sie auf die Idee kommen, daß die Mehrheit der Palästinenser anders denkt, ist einigermaßen rätselhaft, weil sie im Gaza-Streifen von der Mehrheit gewählt wurde. Eine Reaktion auf die Siedlungspolitik der Israelis kann das nicht sein, weil im Gaza-STreifen keine israelischen Siedlungen (mehr) sind – was übrigens auch in anderer Hinsicht interessant ist: Diese Siedlungen werden ständig dafür verantwortlich gemacht, daß es den armen Palästinensern so übel geht. Komischerweise gehts den Palästinensern aber gerade im Gaza-Streifen besonders übel.
    Dann muß das wohl an etwas anderem liegen.
    Der Korruption innerhalb der eigenen Führugnsclique eventuell?

    Daß Sie allen Ernstes behaupten, die Israelis wären auf dem gleichen Weg wie Deutschland während der Weimarer Republik ist eine geradezu groteske Verdrehung der Tatsachen – und die Annahme, daß alle anderen, außer Ihnen, nur zu blöd sind, das zu bemerkten, mit Verlaub ein wenig selbstgefällig.

  • #60
    Hutze

    In dem ganzen Aufruf wird kein einziges Mal zum Boykott jüdischer Waren aufgerufen, das ist echt Blödsinn. Es geht um den Boykott von Waren aus jüdischen Siedlungen im Westjordanland, nicht um Waren aus dem jüdischen Kernland. Es geht um das Problem, dass in vielen Ländern diese Waren aus den Siedlungen nicht explizit gekennzeichnet werden (obwohl es möglich ist und in etlichen Ländern gemacht wird), und es wird dazu aufgerufen, auch Waren zu boykottieren, bei denen man sich nicht sicher ist. So weit, so einfach und bei vielen israelischen Bürgern auch selbstverständlich, weil auch dort die Siedlungen zum Teil sehr kritisch gesehen werden, nicht zuletzt aufgrund der Auswüchse, die das so mit sich bringt (u. a. die Hügeljugend und die Anhäufung und Fundamentalisten). Es geht sicherlich an der Diskussion vorbei, wenn man hier so tut, als sei Kritik an den illegalen jüdischen Siedlungen per se antisemitisch. Die Gleichsetzung von Antisemitismus und Antizionismus hilft weder hier noch dort.

  • #61
    Wolfram Obermanns

    Klassischer Fall von Eigentor.

    Auf dem Server der Evangelischen Kirche im Rheinland findet sich ein Beitrag zu einer Veranstaltung der Solidarischen Kirche i. R. auf der der Beschluß gefaßt wird, sich der Pax Christ Aktion „Besatzung schmeckt bitter“ anzuschließen. Eine Aktion bei der gefordert wird: „Kaufen Sie nur Produkte, von denen Sie sicher wissen, dass sie aus Israel stammen.“ Der Landespfarrer für christlich-jüdischen Dialog wird namentlich mit seiner Ablehnung zum mehrheitlichen Beschluß der versammelten 30 Personen genannt.

    Da wird dann hier erstmal die evangelische Kirche raus, was man inzwischen klammheimlich korrigiert hat, und eine ökumenisches Projekt zum Antisemitismus. Und weil das alles so schrecklich ist, soll darüber natürlich erstmal nichts auf einer kirchlichen Seite geschrieben und dann sogar noch ins Archiv gestellt werden.
    Man scheint hier gerade eine den Regeln der Zunft widersprechende Auffassung von Journalismus zu pflegen.

    Ich fände es wirklich sehr schade, wenn dieser Blog in die Netzgeschwätzecke abdriften und seine Reputation durch derart schlampige Schnellschüsse verpielen würde.

  • #62
    theo

    Wolfram Obermanns:

    Die Veranstaltung der Solidarischen Kirche ist von der Evangelischen Kirche gesponsort worden. Und überdies nun so zu tun, als habe die EKiR „nur mal eben so“ eine Mitteilung anderer veröffentlicht und sei selbst völlig unbeleckt, ist – wenn man das in diesem Kontext mal so formulieren darf – nicht ganz koscher.

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