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Was wirklich im „sexistischen“ Google-Manifest steht

Photo by Crew on Unsplash
Programmieren, statt das Google-Manifest zu lesen.

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Wie verschieden sind Frauen und Männer? Wie verschieden werden sie gemacht? Die Geister scheiden sich an dieser Frage. So auch im viel diskutierten Thesenpapier eines Google-Mitarbeiters zur Gleichstellung beim Suchmaschinen-Konzern. Die einen sagen, es können der Beginn einer respektvollen intellektuellen Auseinandersetzung über wichtige gesellschaftliche Fragen sein. Die anderen finden, es sei schlimmster Sexismus und rundweg abzulehnen  Das Google-Manifest ist jedenfalls einen Blick wert. Unser Gastautor Tim (aka @keinetheorie) hat es übersetzt und mit Anmerkungen versehen.


Gerade überschlagen sich die Medien wegen eines Mitarbeiters vom Google-Campus in Mountain View verfassten „Manifests“, das sich kritisch mit den konzern-internen Anti-Diskriminierungsmaßnahmen befasst. Der Hintergrund ist, dass Google gerade mit Vorwürfen kämpft, Frauen schlechter zu bezahlen als Männer. Diese Vorwürfe kommen nicht von Netzfeministinnen, sondern von der US-Regierung, die deswegen schon eine offizielle Untersuchung eingeleitet hat.

In den Berichten darüber liest man sehr wenig über die Inhalte des Dokuments, dafür umso mehr Empörung. Der Standard nennt das Dokument „sexistisch“, während er keinen einzigen Inhalt des Dokuments zitiert, nur Einschätzungen Dritter. Die Süddeutsche fasst in einem Artikel völlig falsch und grotesk verzerrt die Inhalte so zusammen, dass der Autor als absolutes Monster dasteht. Bei t3n titelt man „Diversität — nein Danke“. Wenig überraschend stellt VICE’s Motherboard die Stimmen in den Vordergrund, die sich über den Sexismus des Autors aufregten und Tweets mit ihrer Interpretation des Dokuments und sehr vielen wütenden Emoji schrieben. Auch die deutsche Twittersphäre synchronisiert sich mit dem Medientenor.

Ein weiterer Bericht von Motherboard zu den Reaktionen von anderen Mitarbeitern bei Google zeigt: längst nicht alle Mitarbeiter haben sich zu einer ideologisch gleichförmigen Masse vereinigt. Manche fordern, dass der Verfasser gefeuert wird. Manche sind beeindruckt von seinem Mut. Andere fragen sich, warum niemand auf seine Argumente eingeht und wieder andere meinen, man solle ihn öffentlich unterstützen. Das Dokument, da ist sich Motherboard wiederum ganz sicher, stelle nur „die persönliche Meinung eines einzelnen Mitarbeiters“ dar. Wenn aber ein zehnseitiges Textdokument mit einer persönlichen Meinung so hohe Wellen schlägt, erklärte Feministinnen in helle Aufregung versetzt und an einem Sonntag selbst in österreichischen Zeitungen eine Meldung wert ist, dann könnte es sich lohnen, sich das Dokument mal genauer anzusehen. Zu diesem Zweck habe ich es übersetzt.

Die offizielle Reaktion von Google, verfasst von der neuen Diversity-Präsidentin, scheint zwischen den empörten Stimmen und den Menschen mit abweichender Meinung vermitteln zu wollen. Die Mitarbeiter sollen sich „sicher fühlen, wenn sie andere Ansichten haben, aber diese müssen im Einklang mit bestehenden Richtlinien und Gesetzen laufen. Außerdem seien die Ansichten des Mitarbeiters falsch und entsprächen nicht Googles offizieller Position zu dem Thema. Ari Balogh, ebenfalls Vizepräsident, nennt das Dokument „verstörend“ und schädlich. Oh, und als ob das noch nicht reicht, hat der Autor mittlerweile seinen Job verloren. Kommen wir aber zum Inhalt.

Das Dokument

Es folgt der Inhalt des englischen Originals, abgerufen von Gizmodo am 6.7.2017. Ich habe ab und zu Anmerkungen in Klammern dazu geschrieben. Die eckigen Klammern weisen auf Fußnoten hin, die am Ende des Dokuments stehen. Hyperlinks und Bilder habe ich aus dem Original übernommen.

Antwort auf die öffentliche Reaktion und Fehlinterpretation

Ich schätze Vielfalt und Inklusion und streite nicht ab, dass es Sexismus gibt und befürworte nicht die Verwendung von Vorurteilen. Wenn wir uns mit einer Lücke in der Repräsentation in der Bevölkerung befassen, müssen wir uns Unterschiede zwischen Verteilungen auf Bevölkerungsebene ansehen. Wenn wir dazu keine ehrliche Diskussion führen können, dann können wir das Problem nie wirklich lösen. Psychische Sicherheit baut auf gegenseitigem Respekt und Akzeptanz, aber unglücklicherweise ist unsere Kultur des Schams und der Fehlrepräsentation nicht respektvoll und akzeptiert niemanden außerhalb seiner Echokammer. Trotz der scheinbaren öffentlichen Reaktion bekam ich viele Nachrichten von anderen Googlern, die mir ihre Dankbarkeit dafür ausdrückten, dass ich diese wichtigen Probleme anspreche, mit denen sie überein stimmen, die sie aber wegen unserer Kultur des Schams oder aus Angst gefeuert zu werden selbst nie ansprechen oder verteidigen würden. Das muss sich ändern.

TL;DR (das bedeutet: Kurzzusammenfassung)

– Googles politische Einseitigkeit setzt die Freiheit von Angriffen mit psychischer Sicherheit gleich, aber andere bloßzustellen um sie ruhig zu halten ist das Gegenteil psychischer Sicherheit.

– Dieses Ruhigstellen hat eine ideologische Echokammer erzeugt, in der manche Ideen zu heilig sind, um ehrlich diskutiert zu werden.

– Der Mangel an Diskussion begünstigt die extremsten und autoritärsten Elemente dieser Ideologie.

– Extrem: alle Unterschiede in der Repräsentation gehen auf Unterdrückung zurück.

– Autoritär: wir sollten diskriminieren, um diese Unterdrückung zu korrigieren.

– Unterschiede in der Verteilung von Eigenschaften zwischen Männern und Frauen können teilweise erklären, warum Frauen nicht zu 50% in technologischen- und Führungsberufen vertreten sind. Diskriminierung, um diese Gleichverteilung zu erreichen, ist unfair, spaltend und schlecht fürs Geschäft.

Hintergrund[1]

Menschen haben allgemein gute Absichten, aber wir alle haben für uns unsichtbare Vorurteile. Glücklicherweise kann die offene und ehrliche Diskussion mit denen, die anderer Meinung sind, unsere blinden Flecke beleuchten und uns helfen zu wachsen, weswegen ich dieses Dokument geschrieben habe.[2] Google hab viele Vorurteile und ehrliche Diskussionen über diese wird von der vorherrschenden Ideologie zum Schweigen gebracht. Was folgt, ist keinesfalls die komplette Geschichte, aber eine Perspektive, die bei Google unbedingt erzählt werden muss.

Googles Vorurteile

Bei Google reden wir so viel über unbewusste Vorurteile im Bezug auf Rasse und Geschlecht, aber wir diskutieren selten über moralische Vorurteile. Die politische Orientierung ist tatsächlich ein Ergebnis tiefliegender moralischer Einstellungen und daher einseitig. Wenn man in Betracht zieht, dass die überwältigende Mehrheit der Sozialwissenschaften, Medien und Google eher links steht, sollten wir diese Vorurteile kritisch untersuchen.

Linke Vorurteile

– Mitgefühl mit den Schwachen

– Unterschiede gibt es wegen Ungerechtigkeiten

– Menschen sind von Natur aus kooperativ

– Wandel ist gut (unstabil)

– Offen

– Idealistisch

Rechte Vorurteile

– Respekt für die Starken und Autoritäten

– Ungleichheiten sind natürlich und gerecht

– Menschen sind von Natur aus kompetitiv

– Wandel ist gefährlich (stabil)

– Pragmatisch

Keine der Seiten ist zu 100% richtig und beide Seiten sind für eine funktionierende Gesellschaft, oder in diesem Fall eine Firma, wichtig. Eine Firma, die zu weit rechts steht, könnte langsam reagieren, zu stark hierarchisch werden oder Außenstehenden nicht vertrauen. Eine Firma, die zu weit links steht, wird sich ständig verändern (beliebte Dienstleistungen veralten lassen), die eigenen Interessen zu stark auffächern (das Kerngeschäft vernachlässigen oder sich deswegen schämen) und seinen Angestellten und Mitbewerbern zu stark vertrauen.

Nur Fakten und Vernunft können Licht auf diese Vorurteile werfen, aber wenn es um Vielfalt (diversity, anm. d. Übers.) geht, hat Googles linke Einseitigkeit eine politisch korrekte Monokultur geschaffen, die sich dadurch am Leben erhält, dass sie Abweichler durch Scham zum Schweigen bringt. Dieses Schweigen verunmöglicht jeden Mechanismus gegen übergreifende extremistische und autoritäre Politiken. Für den Rest des Dokuments konzentriere ich mich auf die extreme Haltung, dass alle Unterschiede beim Ergebnis auf unterschiedliche Behandlung zurück gehen und auf das autoritäre Element, das nötig ist, um zu diskriminieren, um für gleiche Ergebnisse zu sorgen.

Mögliche Ursachen für den gender gap in Technologieberufen [3]

Bei Google erzählt man uns regelmäßig, dass implizite (unbewusste) und explizite Vorurteile Frauen in Technologie- und Führungsberufen zurück halten. Natürlich erleben Männer und Frauen Diskriminierung, Technologie und den Arbeitsplatz unterschiedlich und wir sollten uns dessen bewusst sein, aber das ist nicht alles.

Männer und Frauen sind insgesamt auf viele Arten unterschiedlich. Diese Unterschiede sind nicht sozial konstruiert, weil:

– sie in allen menschlichen Kulturen vorkommen,

– sie oft klare biologische Ursachen haben und auf den Einfluss von Testosteron vor der Geburt zurück gehen,

– biologische Männer, die kastriert und als Frauen aufgezogen werden, sich immer noch als Mann sehen und so verhalten,

– die zugrunde liegenden Eigenschaften hoch erblich sind,

– sie genau den Vorhersagen der Evolutionspsychologie entsprechen.

Ich sage nicht, dass alle Männer sich von allen Frauen unterscheiden oder dass diese Unterschiede „gerecht“ sind. Ich sage nur, dass die Verteilung von Vorlieben und Fähigkeiten von Männern und Frauen teilweise durch biologische Ursachen entstehen und dass diese Unterschiede erklären, warum Männer und Frauen in Technologie- und Führungsberufen unterrepräsentiert sind. Viele dieser Unterschiede sidn klein und es gibt starke Überschneidungen zwischen Männern und Frauen, also lässt sich über ein Individuum nichts sagen, nur weil es diese Unterschiede auf der Gruppenebene gibt

 

Originalbild aus dem Google-Dokument, Text übersetzt von mir

 

Persönlichkeitsunterschiede

Frauen haben durchschnittlich mehr:

– Offenheit eher gegenüber Gefühlen und Ästhetik als gegenüber Ideen. Frauen haben im Vergleich zu Männern allgemein mehr Interesse an Menschen als an Ideen (wird auch als Empathie vs. Systematisieren interpretiert)

Das stimmt. In großen Studien mit Persönlichkeitstests stimmen Frauen häufiger und stärker Aussagen zu, die Interesse an Kunst und Ästhetik bekunden und auch Aussagen, die einen stärkeren Einfluss von Gefühlen auf das eigene Verhalten und Denken zugeben (Emotionalität). Ich habe mit Hilfe eines sehr großen öffentlichen Datensatzes mal selbst nachgerechnet. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig gewählte Frau emotionaler antwortet als ein zufällig gewählter Mann, ist 63,4% und dass sie sich mehr für Kunst und Ästhetik interessiert 64% (für die, die es interessiert: das sind Cohen’s d- oder Pearson’s r-Effektstärken, die ich zur leichteren Interpretation in binominale Effektstärken umgerechnet habe. Es hat sich gezeigt, dass das für Laien anschaulicher ist). Auch was das Interesse an Dingen und Menschen angeht bestehen Unterschiede. Hier ist — bei Menschen mit hoher Bildung — die Frau zu 65,7% empathischer als der Mann — sie gibt also an, es im zwischenmenschliche Kontakt leichter zu haben, gerne für andere zu sorgen und während der Mann zu 73,8% systematischer, interessieren sich also zum Beispiel eher für Technik, Strategie und strukturierte Systeme. Diese Wahrscheinlichkeiten sind zwar überzufällig, lassen aber noch genug Spielraum für sehr viele Ausnahmen (siehe Grafik oben!), weswegen sich daraus keine generelle Ungleichbehandlung von Männern und Frauen ableiten lässt. Rein rechnerisch müssten trotz dieser Unterschiede noch deutlich mehr Frauen in technischen Berufen arbeiten.

– Diese zwei Unterschiede erklären teilweise, warum Frauen eher Berufe im sozialen und künstlerischen Bereich bevorzugen. Manche Männer programmieren gerne, weil es systematisches denken erfordert und selbst unter Programmierern arbeiten vergleichsweise mehr Frauen am Front-End, was mehr Bezug zu anderen Menschen und zu Ästhetik hat.

– Extraversion, ausgedrückt als Geselligkeit und weniger als Durchsetzungsstärke. Auch höhere Verträglichkeit.

Hier sind die Unterschiede schon kleiner. Eine Frau ist mit der Wahrscheinlichkeit von 54,3% geselliger, was ein ziemlich kleiner Effekt ist. Bei Durchsetzungsstärke konnte ich gar keinen Unterschied finden. Dafür dass die Frau verträglicher (also mitfühlender, kooperativer und zwischenmenschlich wärmer) ist, ist sie bei 61,4%. Auch hier erklärt das vielleicht teilweise die wenigen Frauen in Führungspositionen, aber nicht komplett.

– Das führt dazu, dass Frauen generell mehr Schwierigkeiten haben, Gehälter und Gehaltserhöhungen auszuhandeln, das Wort zu ergreifen und zu führen. Das sind nur Durchschnittswerte und es gibt Überschneidungen zwischen Männern und Frauen, aber das wird nur als Frauenproblem betrachtet. Das führt zu ausschließenden Programmen wie Stretch (internes Google-Frauenförderungsprogramm)und dazu, dass Männer keine Unterstützung kriegen.

Richtig. Es war richtig, dass gesellschaftlich auf die Schwierigkeiten von Frauen reagiert wurde, die sie durch die Persönlichkeitsunterschiede eben häufiger haben. Trotzdem gibt es, wenn auch etwas seltener, Männer, die aufgrund ihrer Persönlichkeit ähnliche Schwierigkeiten haben. Für die gibt es keine Förderprogramme.

– Neurotizismus (mehr Angst, weniger Stresstoleranz). Das trägt zu mehr Angst bei, die Frauen bei Googlegeist (jährliche Umfrage unter Google-Mitarbeitern) angeben und zu weniger Frauen in Berufen mit viel Stress.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mehr Angst und weniger Stresstoleranz angibt als ein Mann, liegt bei 60%.

Im Gegensatz dazu, wie ein Sozialkonstruktivist argumentieren würde zeigt die Forschung, dass „eine stärkere Geschlechtergleichheit auf Länderebene zu psychologischer Ungleichheit zwischen den Eigenschaften von Männern und Frauen führt“. Weil während „die Gesellschaft wohlhabender und egalitärer wird haben dispositionelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen mehr Raum sich zu entwickeln und die Lücke zwischen den Persönlichkeiten von Männern und Frauen wird größer“. Wir müssen damit aufhören anzunehmen, dass Geschlechterunterschiede Sexismus bedeuten.

Hier bezieht sich der Autor auf eine multinationale Studie von Persönlichkeitsunterschieden in 55 Ländern. Tatsächlich gibt es in Ländern mit traditionellerer, patriarchalerer Kultur geringere Unterschiede zwischen den Geschlechtern, während wohlhabende, säkulare Länder größere Unterschiede aufwiesen. Wenn starke Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf der Persönlichkeitsebene etwas über die Gesellschaft aussagen, dann, dass sie weniger sexistisch ist. Das konnte ich in meinen Daten aus den Jahren 2000 bis 2011 auch so bestätigen.

Der höhere Antrieb von Männern, Status zu erlangen

Wir fragen uns immer, warum wir keine Frauen in Führungspositionen sehen, aber wir fragen nie, warum wir so viele Männer in Führungspositionen sehen. Diese Positionen haben oft lange, stressige Arbeitszeiten, die es nicht wert sind, wenn man ein ausgeglichenes, erfüllendes Leben will.

Der Status ist das primäre Maß dafür, wie Männer beurteilt werden[4], was viele Männer in hoch bezahlte, weniger befriedigende Jobs drängt, weil diese einen Status mit sich bringen. Man beachte, dass die gleichen Kräfte Männer in unbeliebte und gefährliche Jobs wie Kohlebergbau, Müllsammeln und Feuerbekämpfung bringt und dazu, dass 93% der Todesfälle am Arbeitsplatz Männer betreffen.

Diskriminierungsfreie Möglichkeiten, den gender gap zu reduzieren

Weiter unten gehe ich auf einige Unterschiede zwischen Männern und Frauen ein, die ich eben schon beschrieben habe und schlage vor, wie man auf diese eingeht, sodass Frauen in Technologieberufen stärker repräsentiert sind ohne zu diskriminieren. Google tut schon viel auf vielen Gebieten, aber es ist trotzdem lehrreich, sie aufzulisten:

– Frauen interessieren sich eher für Menschen als für Dinge

– Wir können Softwareprogrammierung menschenorientiert machen, wenn wir Paarprogrammierung und mehr Zusammenarbeit einführen. Unglücklicherweise gibt es bei manchen Rollen Grenzen dafür und wir sollten uns und den Studenten nicht vormachen, dass das nicht der Fall ist (manche unserer Programme um Studentinnen zum programmieren zu bringen tun das aber vielleicht).

– Frauen sind durchschnittlich kooperativer

– Erlauben wir, dass kooperatives Verhalten sich entfalten kann. Neuere Updates für Perf (Google Performance Management) setzen das teilweise um, aber wir können mehr tun.

– Das bedeutet nicht, dass wir alle Elemente von Konkurrenz aus Google entfernen sollten. Konkurrenz und Eigenständigkeit können wertvolle Eigenschaften sein und wir sollten nicht die diskriminieren, die sie haben, wie wir es im Bildungssystem schon tun.

– Frauen sind durchschnittlich anfälliger für Angst. Machen wir Technologie und Führungsberufe weniger stressig. Google macht das teilweise schon mit seinen Stressbewältigungskursen und anderen Vorteilen.

Frauen suchen durchschnittlich mehr Work-Life-Balance während Männer mehr nach Status suchen.

– Solange Tech- und Führungsjobs einen hohen Status haben und lukrative Karrieren bieten werden Männer unverhältnismäßig stark dort repräsentiert sein. Teilzeitarbeit erlauben und wirklich befürworten (als Teil der Kultur) könnte mehr Frauen in die Tech-Berufe holen.

– Die männliche Geschlechterrolle ist gerade unflexibel

– Der Feminismus hat große Fortschritte dabei gemacht, Frauen aus ihrer Geschlechterrolle zu befreien, aber Männer sind immer noch an ihre Rolle gebunden. Wenn wir als Gesellschaft Männern erlauben, „femininer“ zu sein, wird der gender gap wohl schrumpfen, aber viele Männer werden die Technologie- und Führungsberufe verlassen und traditionell weibliche Rollen annehmen.

Philosophisch gesehen finde ich nicht, dass wir willkürlich soziale Umstrukturierungen von Technologieberufen vornehmen sollten, nur damit Männer und Frauen gleichermaßen vertreten sind. Für jede dieser Veränderungen brauchen wir Prinzipien und Gründe dafür, warum sie Google helfen, die wir also für Google optimieren — wofür Googles Vielfalt eine Komponente sein könnte. Zum Beispiel würden die, die viele Überstunden machen und zusätzlichen Stress auf sich nehmen, schneller voran kommen und wenn wir das ändern, kann das schlimme Folgen haben. Wenn wir Kosten und Nutzen bedenken sollten wir auch im Kopf behalten, dass Googles Ressourcen begrenzt sind und deren Aufteilung näher an einem Nullsummenspiel ist, als allgemein angenommen.

Der Schaden, den Googles Einseitigkeit anrichtet

Ich glaube stark an Geschlechts- und ethnische Vielfalt und ich denke wir sollten mehr dafür tun. Allerdings hat Google einige diskriminierende Praktiken eingeführt, um eine gleiche Verteilung von Geschlechtern und Ethnien zu erreichen:

– Programme, Mentoring und Kurse nur für Leute mit einem bestimmten Geschlecht oder Ethnizität [5]

– Hohe Priorität für Sonderbehandlungen von „diversen“ Kandidaten

Einstellungspraktiken, die die Messlatte für „diverse“ Kandidaten senken, indem sie die Rate falsch-negativer Entscheidungen senken

– Die Einstellung einer Menge Leute, die nicht „divers“ genug sind überdenken, aber umgekehrt nicht so genau prüfen (klarer confirmation bias)

– Organisationsweite OKRs (Objectives and Key Results) für verstärkte Gleichverteilung setzen, was Anreize für illegale Diskriminierung schaffen kann [6]

– Diese Praktiken basieren auf falschen Annahmen, die unsere Einseitigkeit verursacht und sie können tatsächlich zu verstärkter Spannung in Sachen Ethnie und Geschlecht führen. Die obere Führungsebene sagt uns, dass das moralisch und ökonomisch richtig ist, aber ohne Evidenz, die nicht nur bloße verschleierte linke Ideologie ist[7| die Google irreparabel beschädigen kann.

Warum wir blind sind

Wir alle haben Vorurteile und sind motiviert, Ideen, die unseren inneren Überzeugungen widersprechen, zu übergehen. Genau wie die Rechten wissenschaftliche Ergebnisse verleugnen, die gegen ihre „Gott > Mensch > Umwelt“-Hierarchie verstoßen (z.B. Evolution und Klimawandel) neigen die Linken dazu, die Forschung zu leugnen, die biologische Unterschiede zwischen Menschen betrifft (z.B. IQ[8] und Geschlechtsunterschiede). Zum Glück sind Klimaforscher und Evolutionsbiologen selten rechts. Unglücklicherweise sind aber die meisten Geistes- und Sozialwissenschaftler links (um die 95%), was einen enormen Bestätigungsfehler erzeugt, beeinflusst was untersucht wird und Mythen aufrecht erhält, wie den sozialen Konstruktivismus und den gender wage gap[9]. Googles linke Schlagseite macht uns für Vorurteile blind und unkritisch gegenüber den Ergebnissen, was wir dazu verwenden, hochpolitisierte Programme zu rechtfertigen.

Zusätzlich zur linken Affinität für die, die die Linke als schwach betrachtet sind Menschen generell einseitig beschützend gegenüber Frauen. Wie bereits erwähnt ist das wahrscheinlich evolutionär bedingt, weil Männer biologisch entbehrlich sind und Frauen kooperativer und verträglicher als Männer. Wir haben ausgedehnte Programme von der Regierung und von Google, Studienfächer, rechtliche und soziale Normen um Frauen zu schützen, aber wenn ein Mann sich über ein Gender-Problem beschwert, das Männer betrifft, wird er als Frauenhasser und Jammerlappen bezeichnet[10]. Fast jeder Unterschied zwischen Männern und Frauen wird als Form der Unterdrückung von Frauen interpretiert. Wie viele Dinge im Leben sind aber Geschlechtsunterschiede ein Fall von „das Gras ist grüner auf der anderen Seite“; unglücklicherweise wird viel Geld vom Steuerzahler und von Google dafür ausgegeben, das Gras auf der anderen Seite zu bewässern.

Das gleiche Mitgefühl für die vermeintlich Schwachen erzeugt politische Korrektheit[11], die den Diskurs beschränkt und ist den autoritären Vertretern der politischen Korrektheit gefällig, die Gewalt und Scham nutzen, um ihre Sache voran zu bringen. Obwohl Google die gewalttätigen linken Proteste, wie wir sie von den Universitäten kennen, bisher nicht kannte, hat das ständige Beschämen bei TGIF-Meetings (Meetings, bei denen Google-Mitarbeiter die Führungsebene befragen dürfen)und in unserer Kultur das gleiche Schweigen und die gleiche psychologisch unsichere Umgebung geschaffen.

Vorschläge

Ich hoffe, es ist klar, dass ich nicht sage, dass Vielfalt schlecht ist, dass Google oder die Gesellschaft zu 100% fair ist, dass wir nicht versuchen sollten, unsere Vorurteile zu korrigieren, oder dass Minderheiten die gleichen Erfahrungen haben wie Mehrheiten. Mein größerer Punkt ist, dass wir eine Intoleranz für Ideen und Evidenz haben, die nicht in eine bestimmte Ideologie passen. Ich sage auch nicht, dass wir Leute auf bestimmte Geschlechterrollen beschränken sollten, sondern das Gegenteil: behandelt die Leute als Individuen, nicht als Mitglied ihrer Gruppe (Tribalismus).

Meine konkreten Vorschläge sind:

Diversität entmoralisieren

Sobald wir ein Problem moralisieren, hören wir auf, darüber im Sinne von Kosten und Nutzen nachzudenken, lehnen jeden, der nicht zustimmt, als unmoralisch ab und bestrafen diese „Schurken“ hart, um die „Opfer“ zu beschützen.

Aufhören, Konservative zu entfremden

– Diversität von Ansichten ist die wohl wichtigste Art von Diversität und die politische Einstellung ist eine der grundlegendsten und bedeutsamsten Arten, auf die Leute die Dinge unterschiedlich sehen können.

– In hoch progressiven Umgebungen sind Konservative eine Minderheit, die sich verstecken muss, um offene Feindseligkeit zu vermeiden. Wir sollten die mit anderen Ideologien teilhaben lassen, sodass sie sich ausdrücken können.

– Konservative befremden ist sowohl nicht inklusiv als auch schlecht fürs Geschäft, weil Konservative gewissenhafter sind, was in einem gereiften Unternehmen für die vielen Wartungs- und Drecksarbeiten eine Voraussetzung ist.

Tatsächlich steht Gewissenhaftigkeit, also die charakterliche Neigung, Sauberkeit und Ordnung zu bevorzugen, sowie zuverlässig und unbeirrt Aufgaben zu erfüllen, in Verbindung damit, konservativere Parteien zu wählen. Linke und rechte Gesinnung ist zu einem guten Teil Persönlichkeitssache (mehr dazu in diesem Beitrag von mir).

Googles Vorurteile konfrontieren

– Ich habe mich meist darauf konzentriert, wie unsere Vorurteile unser Denken über Diversität und Inklusion benebeln, aber unsere moralischen Vorurteile sind tiefgreifender.

– Ich würde Googlegeist-Bewertungen nach politischer Orientierung und Persönlichkeit auswerten, um ein besseres Gesamtbild davon zu bekommen, wie unsere Vorurteile unsere Kultur beeinflussen.

Programme und Kurse nicht mehr auf bestimmte Geschlechter und Ethnien beschränken.

– Diese diskriminierenden Praktiken sind unfair und spaltend. Stattdessen sollte man sich auf die nicht-diskriminierenden Praktiken konzentrieren, die ich genannt habe.

Eine offene und ehrliche Diskussion über Diversitätsprogramme führen.

– Diskriminierung, nur um die Repräsentation von Frauen in Technologieberufen zu erhöhen, ist fehlgeleitet und einseitig, weil man dann auch dafür sein müsste, dass es mehr Frauen unter den Obdachlosen, unter Todesfällen am Arbeitsplatz, in Gefängnissen und unter Schulabbrechern  gibt.

– Es gibt momentan wenig Transparenz dazu, wie weit unsere Diversitätsprogramme gehen, was sie gegen Kritik von außerhalb der ideologischen Echokammer immunisiert.

– Diese Programme sind hochpolitisch, was nicht-progressive Mitarbeiter entfremdet.

Mir ist klar, dass manche Programme Vorkehrungen gegen Anschuldigungen von der Regierung sind, aber sie können auch nach hinten losgehen, weil sie illegale Diskriminierung noch belohnen.

Auf psychische Sicherheit konzentrieren, nicht nur auf Diversität– Wir sollten uns auf die psychische Sicherheit konzentrieren, was nachweislich positive Effekte hat und (hoffentlich) nicht zu unfairer Diskriminierung führt

– Wir brauchen psychische Sicherheit und geteilte Werte, um die Vorteile von Diversität zu bekommen

– Repräsentative Ansichten zu unseren Produkten zu bekommen ist wichtig für die, die unsere Produkte entwickeln und testen, aber die Vorteile sind weniger klar für die, die wenig mit UX (user experience) zu tun haben.

Empathie weniger betonen

– Ich habe viele Rufe nach mehr Empathie bei Diversitätsproblemen gehört. Obwohl ich stark dafür bin, dass man versucht zu verstehen, wie und warum Leute so denken wie sie denken, führt der Fokus auf affektive Empathie — den Schmerz des anderen fühlen — dazu, dass wir uns auf Anekdoten konzentrieren, Personen die uns ähnlich sind bevorzugen und andere irrationale und gefährliche Vorurteile hegen. Emotionale Ungebundenheit hilft uns, besser über Fakten nachzudenken.

Intentionen priorisieren

– Unser Fokus auf Mikroaggressionen und andere unabsichtliche Grenzverletzungen erhöht unsere Sensibilität, was nicht nur positiv ist: Sensibilität verstärkt unsere Tendenz, sich angegriffen zu fühlen und auch unsere Selbstzensur, was zu autoritären Maßnahmen fährt. Das Wort zu ergreifen ohne befürchten zu müssen, dass man starken Bewertungen ausgesetzt ist, ist zentral für psychische Sicherheit, aber diese Praktiken können diese Sicherheit einschränken, weil unbeabsichtigte Grenzüberschreitungen stärker bewertet werden.

– Mikroaggressionstraining setzt fälschlicher- und gefährlicherweise Rede mit Gewalt gleich und ist nicht evidenzbasiert

Offen gegenüber der Wissenschaft der menschlichen Natur sein

– Wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass nicht alle Unterschiede sozial konstruiert oder durch Diskriminierung erzeugt sind, öffnen wir unsere Augen für eine genauere Betrachtung des Menschseins, was nötig ist, wenn wir wirklich Probleme lösen wollen.

Überdenken, ob Trainings zu unbewussten Vorurteilen für promo-committees (Gremium, das sich bei Google um Beförderungen kümmert) verpflichtend sein sollten.

– Wir konnten keinen Effekt für dieses Training messen und es hat das Potenzial, überstarke Korrektheit und Backlash zu fördern, besonders wenn es verpflichtend ist.

– Manche Methoden des aktuellen Trainings (V2.3) sind wahrscheinlich nützlich, aber die politische Einseitigkeit der Darbietungen ist in den gezeigten Beispielen offensichtlich.

– Mehr Zeit in die vielen anderen Vorurteile investieren, die es neben Stereotypen noch gibt. Stereotype sind viel genauer und reagieren viel besser auf neue Informationen, als das Training vorgibt (ich bin nicht dafür, Stereotype zu befürworten, ich zeige nur die faktische Ungenauigkeit von dem auf, was im Training gesagt wird)


[1]Dieses Dokument ist aus der Perspektive von Googles Campus in Mountain View geschrieben, ich kann zu anderen Büros oder Ländern nichts sagen.

[2] Natürlich kann auch ich einseitig sein und nur Belege für meinen Standpunkt sehen. In Sachen politische Vorurteile halte ich mich für einen klassischen Liberalen und schätze Individualismus und Vernunft. Ich diskutiere gerne die Inhalte des Dokuments und bringe auch gerne mehr Belege.

[3] Für den Rest des Dokuments meine ich mit „Tech“ Softwareprogrammierung.

[4] In heterosexuellen romantischen Beziehungen werden Männer stark nach Status bewertet und Frauen nach Schönheit. Das hat biologische Ursachen und ist kulturell universell.

[5] Stretch, BOLD, CSSI, Engineering Practicum (zu einem gewissen Grad) und viele andere interne und externe Programme von Google sind für Menschen mit einer bestimmten Ethnie oder Geschlecht.

[6] Stattdessen Googlegeist OKRs setzen, vor allem für bestimmte Demographien. Wir können Repräsentation auf der Organisationsebene für bestimmte Gruppen erhöhen (was sich in Umfragewerten zeigt) oder basierend auf einem Schutzstatus diskriminieren (was illegal ist und ich selbst beobachtet habe). OKRs für erhöhte Repräsentation kann Anreize für letzteres schaffen und Nullsummenspiele zwischen Organisationen schaffen.[7] Der Kommunismus versprach, sowohl moralisch als auch ökonomisch dem Kapitalismus überlegen zu sein, aber jeder Versuch ihn umzusetzen führte zu moralischer Verderbtheit und ökonomischem Zusammenbruch. Als klar wurde, dass die Arbeiter in liberalen Demokratien nicht den Kapitalismus abschaffen würden, befassten sich die marxistischen Intellektuellen nun mit Gender- und Rassenpolitik, statt mit Klassenkampf. Der Kern, die Dynamik von Unterdrücker und Unterdrückten, blieb, aber der Unterdrücker ist jetzt das „weisse, hetero, cisgender-Patriarchat“.

[8] Ironischerweise waren Linke früher ein Verfechter von IQ-Tests, weil sie das meritokratische Prinzip gegen die Aristokratie durchsetzten.

[9] Ja, auf nationaler Ebene haben Frauen aus unterschiedlichen Gründen niedrigere Löhne als Männer. Für die gleiche Arbeit werden Frauen aber genauso viel wie Männer. Wenn man in Betracht zieht, dass Frauen mehr Geld als Männer ausgeben und dass das Gehalt ausdrückt, wie viel ein Mitarbeiter opfert (z.B. Überstunden, Stress und Gefahr), dann müssen wir unsere Stereotypen im Bezug auf Macht überdenken.

[10] „Das traditionalistische Geschlechtersystem kommt nicht gut mit der Idee zurecht, dass Männer Unterstützung brauchen. Von Männern wird erwartet, dass sie stark sind, sich nicht beklagen und mit ihren Problemen allein zurecht kommen. Die Probleme von Männern werden eher als persönliches Versagen gewertet und weniger als Opferrolle, weil ihnen Handlungsfähigkeit zugeschrieben wird. Das entmutigt Männer, Aufmerksamkeit für ihre Probleme zu erzeugen (egal ob individuelle oder gruppenweite Probleme), aus Angst, als Jammerlappen, Nörgler oder als schwach betrachtet zu werden.

[11] Politische Korrektheit wird definiert als „die Vermeidung von Formen des Ausdrucks oder der Handlung, die als ausschließend, marginalisierend oder beleidigend gegenüber Gruppen wahrgenommen wird, die sozial benachteiligt oder diskriminiert werden“, weswegen klar sein sollte, warum es ein linkes Phänomen und ein Werkzeug von Autoritären ist.

Was ist zu dem Dokument und den Vorwürfen zu sagen?

Behauptet der Text, dass Frauen „minderwertig“ sind? Nein. Wenn, dann behauptet er, dass Frauen durchschnittlich bei gewissen Eigenschaftenanders sind als Männer und dass diese Unterschiede auf der Bevölkerungsebene dafür sorgt, dass weniger Frauen bestimmte Berufe häufiger ergreifen und bestimmte Berufe weniger häufig. Dass diese Unterschiede weder sagen, dass jede Frau ungeeignet für Technologie- und Führungsberufe ist, noch dass sie die Ungleichverteilung zu 100% erklären, wird ebenfalls betont. Was sind also die Quellen der Empörung?

Man kann das Dokument als frauenfeindlich lesen, wenn man es so lesen will. Das Dokument ist zwar weder sexistisch, noch „anti-diversity“, aber der Autor befasst sich kritisch mit bestimmten, bei Linken beliebten Konzepten, die als „heilige Kühe“ gelten: politische Korrektheit, die Annahme, dass menschliche Unterschiede durch gesellschaftliche Einflüsse zustande kommen, dass Frauen und ethnische Minderheiten bevorzugt behandelt werden müssen, um Diskriminierungen auszugleichen. Auch greift er ein Menschenbild an, das Individuen nur als Mitglieder ihrer Gruppe kennt — weiss, schwarz, männlich, heterosexuell — und von individuellen Unterschieden nichts wissen will. Er betont aber auch mehrfach, dass er weder gegen Diversität ist, noch für Stereotype. Er verbreitet noch nicht einmal Stereotype. Stattdessen zitiert er einige mittlerweile klassische Ergebnisse psychologischer und biologischer Studien, die niemanden besonders überraschen sollten, der die letzten 20 Jahre dieser Forschung auch nur grob kennt. Dass diese Aussagen als „sexistisch“ und teilweise sogar als „rassistisch“ abgestempelt werden und dass man ihn nach dem öffentlichen Pranger auch entlassen hat, bestätigt die Punkte des Autoren zur Scham- und Schweigekultur. Die zentrale Frage bei der Auseinandersetzung mit den Inhalten ist eher, wie viel Bedeutung man den Unterschieden zwischen Männern und Frauen beimisst. Man kann die Forschungsergebnisse entweder, wie die Google-Führung, komplett vom Tisch wischen. Dann erliegt man genau den „linken Vorurteilen“, die der Autor beschreibt. Man kann sie auch überinterpretieren und sich von nun an darauf ausruhen, dass „Frauen nunmal so sind“, wie viele Medien es dem Autoren fälschlicherweise in den Mund legen. Der Autor fordert aber einfach nur, dass all die Gründe für Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die nicht auf Unterdrückung und Ungleichbehandlung zurück gehen können, auch einzubeziehen, weil alles andere unterkomplex wäre.

Man kann das Dokument als frauenfeindlich lesen, wenn man es so lesen will. Das Dokument ist zwar weder sexistisch, noch „anti-diversity“, aber der Autor befasst sich kritisch mit bestimmten, bei Linken beliebten Konzepten, die als „heilige Kühe“ gelten: politische Korrektheit, die Annahme, dass menschliche Unterschiede durch gesellschaftliche Einflüsse zustande kommen, dass Frauen und ethnische Minderheiten bevorzugt behandelt werden müssen, um Diskriminierungen auszugleichen. Auch greift er ein Menschenbild an, das Individuen nur als Mitglieder ihrer Gruppe kennt — weiss, schwarz, männlich, heterosexuell — und von individuellen Unterschieden nichts wissen will. Er betont aber auch mehrfach, dass er weder gegen Diversität ist, noch für Stereotype. Er verbreitet noch nicht einmal Stereotype. Stattdessen zitiert er einige mittlerweile klassische Ergebnisse psychologischer und biologischer Studien, die niemanden besonders überraschen sollten, der die letzten 20 Jahre dieser Forschung auch nur grob kennt. Dass diese Aussagen als „sexistisch“ und teilweise sogar als „rassistisch“ abgestempelt werden und dass man ihn nach dem öffentlichen Pranger auch entlassen hat, bestätigt die Punkte des Autoren zur Scham- und Schweigekultur. Die zentrale Frage bei der Auseinandersetzung mit den Inhalten ist eher, wie viel Bedeutung man den Unterschieden zwischen Männern und Frauen beimisst. Man kann die Forschungsergebnisse entweder, wie die Google-Führung, komplett vom Tisch wischen. Dann erliegt man genau den „linken Vorurteilen“, die der Autor beschreibt. Man kann sie auch überinterpretieren und sich von nun an darauf ausruhen, dass „Frauen nunmal so sind“, wie viele Medien es dem Autoren fälschlicherweise in den Mund legen. Der Autor fordert aber einfach nur, dass all die Gründe für Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die nicht auf Unterdrückung und Ungleichbehandlung zurück gehen können, auch einzubeziehen, weil alles andere unterkomplex wäre.

Nützliche Grafik, erstellt von Dianna Fleischman

 

Zweitens wäre da vermutlich das Problem der mangelnden statistischen und wissenschaftlichen Kenntnisse. Ich habe in meinen Kommentaren versucht, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen als Wahrscheinlichkeit auszudrücken, damit klar wird, dass Aussagen wie „Frauen sind weniger stressresistent“ nicht bedeuten, dass jede Frau stressresistenter ist als jeder Mann, sondern, dass es neben dieser Tendenz jede Menge Vielfalt gibt. Es wird klar, dass viele Leute in einem Zeitalter, in dem der wissenschaftliche Fortschritt so schnell und kleinteilig läuft wie noch nie, einfach sehr wenig darüber wissen, wie diese Ergebnisse zu interpretieren sind.

Mich hat besonders erschreckt, dass Google tatsächlich auf die Konzepte von „Mikroaggressionen“ und „unbewussten Vorurteilen“ eingestiegen ist. Beides sind Konzepte politisierter Wissenschaft und mittlerweile widerlegt. „Unbewusste Vorurteile“ stützen sich auf Forschungsergebnisse mit dem „impliziten Assoziationstest“, einem psychologischen Test, bei dem Versuchspersonen möglichst schnell Fotos von weissen und schwarzen Personen Wörtern wie „großartig“, „Hass“, „froh“ oder „negativ“ zuordnen müssen. Erste Ergebnisse zeigen, dass weisse Probanden schwarze Gesichter häufiger negativen Wörtern zuordnen. Dass sich damit aber tatsächlich rassistische Vorurteile messen lassen und dass die Ergebnisse nicht eher Neuheit, Bekanntheit oder einfach nur Reaktionsgeschwindigkeit messen, gilt als unsicher. Menschen mit einem ungenauen Test, der womöglich nicht einmal das misst, was er messen soll, Vorurteile zu unterstellen, ist eine Praxis, die ich Google nicht zugetraut hätte. Ich hätte erwartet, dass dieses Unternehmen wissenschaftlich bestens ausgebildete Menschen einstellt, damit genau das nicht passiert. Irgendwie beruhigend, dass ein angeblich so mächtiger Konzern auf solchen Unsinn reinfällt, wenn er nur richtig verkauft wird.

Was das „unbewusste Vorurteil“ auf der Gedankenebene ist, sind die „Mikroaggressionen“ auf der Verhaltensebene. Der Psychologe Scott Lilienfeld hat erst vor kurzem einen vernichtenden Aufsatz (den der Autor auch verlinkt hat) über das Konzept der „Mikroaggression“ geschrieben, und kam zu dem Ergebnis, dass das Konzept wissenschaftlich unhaltbar ist und durch die empirische Forschung nicht gestützt wird. Dieser Aufsatz erschien wohlgemerkt nach jahrelangen Versuchen, das Konzept zu etablieren, was man in links-liberalen Kreisen der USA auch geschafft hat. Trotzdem beharrt man bei Google anscheinend weiterhin auf dem Konzept. Sowohl Mikroaggressionen als auch unbewusste Vorurteile stellen praktische Machthebel dar: in einer Kultur, in der sexistische und rassistische Vorurteile als Grund für die absolute Ächtung gelten ist es nämlich sehr nützlich, wenn man erstmal jedem (vor allem weissen, männlichen, heterosexuellen) Menschen Vorurteile unterstellen kann, die sich aber zum Glück durch Training und Sensibilisierung „aberziehen“ lassen. Beide Konzepte sind ähnlich brauchbar wie „safe spaces“ und „Triggerwarnungen“, nämlich gar nicht.

Ebenfalls sehr erschreckend war die komplett einhellige Reaktion der Medien sowohl in den USA als auch in Deutschland, die den Autoren als rechtsradikales Monster darstellen, das Frauen hasst und Gleichstellungspolitik verachtet. Fast niemand hat sich inhaltlich mit dem Dokument befasst oder war auch nur offen für eine andere Interpretation. Das ist einerseits ein Armutszeugnis für die Medienlandschaft und gibt andererseits denen zusätzliche Munition, die ohnehin schon seit Jahren von „Lügenpresse“ reden. Es sind jedenfalls keine Linken, die dem ehemaligen Google-Mitarbeiter gerade ein Jahresgehalt fundraisen.

Insgesamt ist zu hoffen, dass dieses Dokument einige Diskussionen zu Annahmen auslöst, die in westlichen Kulturen mit liberaler Demokratie leider weit verbreitet sind. Die USA durchlaufen gerade eine chaotische Zeit mit extrem polarisierten politischen Lagern, die sich jeweils gerade neu ausrichten. In der Linken wird sich zeigen, ob sich die postmodern-akademische Variante, die seit 20 Jahren vorherrscht, weiter durchsetzen kann und die Rechten müssen sich bald entscheiden, ob sie dem antidemokratischen Politikstil eines Donald Trump weiterhin Raum geben. Dieses Dokument ist ein Auswuchs des Konflikts innerhalb der Linken und allein schon deswegen interessant. Vor allem aber sollte jeder das Dokument selbst gelesen haben und sich bloß nicht auf die Urteile in den Medien verlassen, da diese die Inhalte völlig falsch darstellen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich im Blog des Autors erschienen.

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42 Kommentare zu “Was wirklich im „sexistischen“ Google-Manifest steht

  • #1
    Helmut Junge

    Der zweite intellektuell anspruchsvolle Text nach dem Artikel in der Emma, zu diesem Thema innerhalb einer Woche. Daß die Verfechter der Postmoderne lieber darauf setzen den Urheber von seinem Job zu trennen, zeigt deren Hilflosigkeit in einem offenen Diskurs ihre Positionen zu verteidigen. Sie verweigern sich einer Diskussion, der sie vielleicht infolge jahrzehntelanger Abstinenz gar nicht mehr geistig folgen können. Aber es wird weitere gute Artikel geben, die ihre unhaltbare Position angreifen. Da werden sie dann letztlich aus ihren Wagenburgen herauskriechen müssen, ob sie wollen oder nicht. Sie werden sich stellen müssen, auch auf die Gefahr hin, an einem intellektuellen Schleudertrauma zu kollabieren und unter zu gehen.
    Denn ihre Inqusitionsspielerei geht mit jedem gut geschrieben Artikel dem Ende entgegen. Mir tut nur der Mann leid, der sich getraut hat, seine Gedanken in die Welt zu setzen und dabei seinen Job verlor. Wir sind wieder im Mittelalter, diesmal dem der Postmoderne.

  • #2
    GMS

    Das mittelalter zeichnet sich durch einen breiten Verlust von Wissen und einem Erstarken des Aberglaubens aus. Ohne die Zeit verherrlichen zu wollen, aber das erleben wir gerade eben nicht.
    Vielmehr ist das was insbesondere in den USA und zum Teil auch in GB, aber noch nicht so ausgeprägt in Deutschland, stattfindet und mit "Critical Whiteness", "Safe Space" oder "Micro-Aggressions" um sich wirft. Dabei ist es dasselbe was in der französischen Revolution als "Terreur" erfunden wurde. Später wurde das von Hitler, Stalin, Pol Pot, den Kims und vielen anderen Despoten wieder aufgenommen.
    Auch wenn die Linke es nicht gerne hört, Extremisten arbeiten nach denselben Methoden und der selben Verachtung für Andersdenkende. Dabei wenden sie genauso selbstverständlich Gewalt an wie die Anhänger anderer Ideologien, egal diese sich nunSalafisten, Nationalisten, Kommunisten oder Rassisten nennen. Unter der dünnen Tünche eines Narrative (das die meisten Anhänger eh intellektuell nicht durchdringen) befindet sich ein misanthroper und gewaltgeiler Bildungsallergiker.

  • Pingback: Ruhrbarone: Übersetzung des „Google Memos“ – Flugphase

  • #4
  • #5
    Arnold Voss

    Die Aufklärung ist nicht gescheitert. Sie hat gerade erst richtig angefangen. 🙂

  • #6
    Helmut Junge

    @GMS, ich habe kein Problem mit deinem Hinweis auf Ähnlichkeiten mit dem "Terreur" und den späteren Praktiken brutalster Diktatoren, "Später wurde das von Hitler, Stalin, Pol Pot, den Kims und vielen anderen Despoten wieder aufgenommen."
    Nur möchte ich darauf hinweisen, daß die "heilige Inquisition" im Mittelalter entstanden ist.
    Ich habe es selten erlebt, daß die Anhänger der Postmoderne, speziell die, die mit "Critical Whiteness", "Safe Space" oder "Micro-Aggressions" um sich" werfen, sich der öffentlichen Diskussion stellen.
    Hier wäre einer dieser öffentlichen Plätze und der Diskurs ist bereits im Gange. Aber sie kommen nicht. Sie kommen nicht, um ihre Positionen zu erklärn und wo diese angegriffen werden, zu verteidigen. Und ich glaube, sie kommen nicht, weil sie sich das nicht trauen. Das ist das, was ich beobachte. So stark sie in den Seminaren sind, hier trauen sie sich nicht. Andererseits haben sie in Verwaltungen und Konzernen offenbar soviel Einfluß, daß sie Kritiker um ihren Job bringen können. Auch das geschieht ohne weitere Diskussion um die Inhalte. Das geschieht durch öffentliche Brandmarkung dieser mißliebigen Personen. Alles ohne den eigenen Namen in die Öffentlichkeit einzubringen. Sie bleiben anonym, sie bilden Geheimgesellschaften. Und das erinnert mich mehr an Sekten, oder aber an die Inquisition, als an die oben genannten Machthaber, die man ja kannte und kennt.
    Auch wenn das Thesenpapier des entlassenen Googlemitarbeiters mittlerweile in andere Sprachen übersetzt wird, hat es noch nicht dazu geführt, daß sich diejenigen, die ihn mit ihren heimtückischen Methoden zur Unperson machen wollen, öffentlich äußern. In dieser Hinsicht war ein Artikel von Vojin Saša Vukadinović in der Emma erfolgreicher. Der war offenbar so gut, daß die bekannteste Vertreterin der Queer-Szene und der Gender-Studies, Judith Butler sich persönlich einbringen mußte. Die Diskussion läuft.
    http://www.emma.de/artikel/gender-studies-sargnaegel-des-feminismus-334569
    Auch diese Kritik von Vojin Saša Vukadinović in der Emma wird mit dem Rassismusvorwurf bekämpft. Der Vorgang ist immer gleich. Aber mit einem Universalrundschlag wird einem so umfangreich belegten und intelligent geschriebenen Aufsatz kaum beizukommen sein.
    Ein paar Sätze mehr muß eine Erwiderung schon als Begründung einschieben. Und genau bei denen scheinen sich mir erhebliche Schwächen in der Argumentation zu offenbaren. Und wenn es die Gura (ist das die weibliche Form von Guru?) nicht kann, wer dann ?

  • #7
    Eloman

    Bei dem Wirbel, der um diesen Aufsatz in den Medien gemacht wird, hatte ich eigentlich ein Akif Pirrincci artiges Schmaepamphlet erwartet. Jetzt muss ich feststellen, dass es nicht nur völlig harmlos ist sondern der Autor sich große Mühe gegeben hat alles zu begründen und niemanden anzugreifen oder zu verletzen. Ich kann mir die Reaktion der Medien und der Linken nur so erklären, dass sie panische Angst haben die Meinungshoheit zu verlieren. Ähnliches kennt man ja auch aus Deutschland.

  • #8
    Arnold Voss

    Das Problem des sogenannten "Safe Space"‘ ist, dass es ihn in der Realität gar nicht gibt. 🙂

  • #9
    nouse123

    Vielen Dank. Wirklich vielen Dank.

    Ich muss gestehen, ich (klassisch linksliberal; mein Definition von Linkssein ist demnach eine andere als die der postmodernen Linken) war entsetzt über die Berichterstattung. Wirklich entsetzt.

    Damore hat nichts anderes gesagt, als daß es a) andere Gründe für die Unterrepräsentation bestimmter Gruppen in bestimmten Feldern gibt als pure Diskriminierung, und b) ob es daher nicht sinnvoll wäre, Unternehmenspolitiken eben nicht ausschliesslich auf der Basis dieser einen Hypothese auszurichten.

    Dabei hat Damore gleich zwei heilige Kühe der postmodernen Linken geschändet. i) Unterschiede bei bestimmten Outcome-Parametern (Macht, Wohlstand) entstehen _immer_ durch Unterdrückung. Das ist das Spiel der PC-Linken. Identifiziere in irgendeinem gesellschaftlichen Bereich die Verlierer, und erkläre die Sieger zu Unterdrückern. Die postmodernen Peudolinken werden _niemals_ zugeben können, daß es andere Gründe für ungleiche Verteilungen geben kann. Es ist deren Druckmittel. Ist es weg, ist deren ganze Narrative, die ganze moralische Überlegenheit ist dahin. Daher weigern sich beispielsweise viele Gender-Soziolog*innen beharrlich "biologistischen" Weltsichten auch nur den kleinsten Raum zuzugestehen.
    ii) In der postmodernen Linken darf es keinerlei Beschränkung im hedonistisch-narzisstischen Ausleben der eigenen Individualität geben. Wenn armlose Menschen keinen Handballverein finden können, ist das eben Unterdrückung. Wer anmerkt, daß es armlosen Menschen schwerfallen wird, Handball zu spielen, ist er ein -ist. Hier wohl ein Able-ist.

    Dafür wird Damore behandelt wie ein babymordender Frauenschänder mit SS-Gesichtstätowierung. Man konnte live mitanschauen, wie die gesammelte (deutsche) Medienlandschaft mit Absicht gelogen, misrepräsentiert und verzerrt hat.

    Obwohl wir alle nur einen Mausklick von der Wahrheit entfernt waren (nämlich dem Originaldokument). Wir konnten alle sehen, wie falsch sie berichteten, und es war ihnen völlig egal.

    Wenn das nicht für viele die rote Pille sein muss, dann weiss ich auch nicht. Die regressive Linke ist in ihrer Wahnhaftigkeit mindestens so autoritär, gefährlich und gesellschaftszersetzend wie die Rechte.
    Das ist eine schlimme Erkenntnis, aber diese Erkenntnis muss in der Mitte der Gesellschaft ankommen, damit sich etwas ändert. Ansonsten sehe ich schwarz. Wir haben bei Agent*in erlebt, daß diese Leute absolut keine Hemmungen haben, nett verpackte Proskriptionslisten zu erstellen. Wer da zwischenfunkt, ist ein Feind. Man kann genau jetzt sehen, wie das Aufdecken bestimmter Sachverhalte bei der Heinrich-Böll-Stiftung durch einen Blogger (Reiner Mayer) innerhalb weniger Stunden dazu geführt hat, wie bestimmte Wikipedia-Autoren den Wiki-Eintrag dieses Bloggers mit soviel Scheisse zugekleistert haben, wie sie finden konnten.
    Diese Leute haben Macht, sie sitzen in den Medien, im verfickten google (die kontrollieren unsere Daten, verdammt, und glauben an micro-aggressions und den stereotype threat, das muss man sich echt erst mal vergegenwärtigen), in den Universitäten, bilden unsere Journalist*innen und Soziolog*innen aus, und sie kennen keine Skrupel. Sie haben bisher damit punkten können, vornehmlich gute Ziele verfolgt zu haben, aber letztlich ist es ihnen egal, welche Ziele sie verfolgen, solange sie die Deutungshoheit erlangen und haben.

    Ich habe lange so getan, als wären das alles nur Einzelfälle. Ich war ein linksliberaler Relativierer vor dem Herrn, der das alles als Panikmache durch Breitbart und Konsorten abgetan hat. Aber es ist real, und es hat System.
    Zeit, etwas zu unternehmen.

  • #10
  • #11
    Enno

    Tja, jetzt müsste das alles nur noch so stimmen. Wenn ich behaupte, dass es biologische Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe gibt und deshalb gesellschaftliche Unterschiede gar nicht auf Diskriminierung beruhen, bin ich ein Rassist. Man muss im Text nur Frauen und Männer durch Weiße und Farbige ersetzen, und schon wird klar, was für eine Art Text man vor sich hat. Die Auswahl der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist Cherry-Picking. Tatsächlich ist die Studienlage hier sehr unübersichtlich. Viele Wissenschaftlicher sind sich einig, dass es nicht möglich ist, einem Gehirn anzusehen, ob es männlich oder weiblich sei. Statistisch können Unterschiede gemessen werden, allerdings ist bei diesen Unterschieden nicht klar, woher sie stammen. Sind sie angeboren oder kommen sie schlicht daher, dass Frauen in unserer Gesellschaft anders sozialisiert werden? Für letzteres spricht wissenschaftlich einiges. Hinzu kommen noch diejenigen Aussagen, die schlicht falsch sind, etwa dass Frauen angeblich für die gleiche Arbeit genauso bezahlt würden. Werden nicht, auch wenn der Gap im direkten Vergleich kleiner ist. Oder dass die Unterschiede über alle Kulturen universell seien. Das stimmt schon für den kleinen kulturellen Ausschnitt "Programmierer in den USA" nicht, wo vor einigen Jahrzehnten noch wesentlich mehr Frauen gearbeitet und einen entscheidenen Beitrag zur Entwicklung der Technologie geleistet haben. Warum sollen die Regeln, die oben so wortreich aufgestellt werden, damals nicht gegolten haben. Nur weil das Pamphlet nicht rüde oder unfreundlich formuliert ist, heißt es nicht, dass es nicht trotzdem sexistisch ist.

  • #12
    Klaus Lohmann

    Schön, dass auf diese seltsam verschrobene Weise das gute, alte dotcomtod mit Don Alfons (Rainer (sic!) Meyer) doch noch mal Erwähnung findet;-) Ohne Lanu, Joman/Christian, den Don und Andere gäbe es keine aktive Bloggerszene im Land. Und auch keine lustige Kritik an selbstgebastelten Menstruationsschädeln ala Lobo;-)

  • #13
    Helmut Junge

    @Enno (11), interessante Methodik, die Sie anwenden. "Man muss im Text nur Frauen und Männer durch Weiße und Farbige ersetzen, und schon wird klar, was für eine Art Text man vor sich hat. "
    Sie nehmen also den Ausgangstext und ersetzen die Begriffe "Frauen und Männer" durch "Weiße und Farbige", und setzen diesen neuen Text einer scharfen Sprachkritik aus, die zum Ergebnis führt, daß der Schreiber des Textes ein Rassist ist. Dabei übersehen Sie aber, daß Sie selbst den Text geschrieben, bzw, neu formuliert haben. Demnach müßten Sie mit dem Finger auf sich selber zeigen.
    Abgesehen davon ist diese Methodik unwissenschaftlich, denn sie führt immer zum gewünschten Ergebnis. Wenn ich nämlich "Pflanzen" durch "Fleisch" ersetze und den Text danach analysiere mache ich jeden Veganer zum Fleischesser. Und wenn ich "Sterne" durch "Planeten" ersetze, kreist die Sonne wieder wie früher um die Erde, die dann wieder im Zentrum der Welt steht. Da geht es ins Religiöse und in den Religionen gibt es tausende Beispiele, die Menschen zu Ketzern gemacht haben. Darüber hinaus lenken Sie jede Diskussion in eine Richtung, die von der eigentlichen Fragestellung weit entfernt ist. Wenn Sie das häufiger machen, verlernen Sie als erster infolge mangelnder Übung, die Fähigkeit geschlossenen komplexen Diskursen geistig zu folgen. Das wäre allerdings allein Ihr Problem, wenn es von Ihrer Denkrichtung keinerlei Agressionen gegenüber Andersdenkenden gäbe. Aber das ist ja hier der Grund, warum wir uns überhaupt mit diesem Thema befassen.
    Was Ihre Darstellung zu den Forschungsergebnissen bzgl. Unterschiede der Hirnstrukturen zwischen Männern und Frauen betrifft, fehlen mir die Belege, wie Sie darauf kommen, daß keine Unterschide festgestellt wurden, so daß ich als Leser Ihres Kommentars die Recherchearbeit leisten muß, wenn ich Ihnen widersprechen will. Nur vorweg, daß fast alle hormonellen Aktivitäten vom Kleinhirn gesteuert werden, die Hormonsteuerung aber zwischen Männers und Frauen eklatante Unterschide aufweisen, spricht erst einmal gegen Ihre Behauptung. Es gibt eine ganze medizinische Fachrichtung, nämlich die Gendermedizin, die sich mit den unterschiedlichen Eigenschaften zwischen Männern und Frauen befaßt. Die gibt es! Aber sie sind nicht dadurch entstanden, weil Mädchen rosafarbige Babysachen angezogen kriegen und Jungen blaue.

  • #14
  • #15
    Jochen

    @11
    Ihre Argumentationsweise zeigt nur, dass Sie ein gläubiger Apologist sind, der händeringend nach einem Ausweg sucht. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind keineswegs "cherry picking", auch wenn für Sie die Lage unübersichtlich ist. Für den kanadischen Psychologieprofessor Jordan Peterson, der auf seinem YouTube channel ein Interview mit Damore veröffentlicht hat sieht das offensichtlich anders aus. Ihre Methodik beruht auf unbelegten Behauptungen (i.e. Glaubensinhalten) und ist die übliche Vorgehensweise des Genderlagers mit Kritik umzugehen. Schreiben Sie doch mal ein "Pamphlet" auf ähnlichem intellektuellen Niveau, dann werden wir sehen wer sexistisch ist.

  • #16
    abraxasrgb

    Wie nennt man die Ablehung der beiden biologischen Geschlechter? Die Antwort lautet: Triggernometry 😉

  • #17
    Mabuse

    #11

    "Viele Wissenschaftlicher sind sich einig, dass es nicht möglich ist, einem Gehirn anzusehen, ob es männlich oder weiblich sei."

    Die Kollegen hätte ich hier gerne einmal von Ihnen zitiert. Ich kann Ihnen sagen, dass diese Aussage nicht nur in Bezug auf physiognomische Unterschiede, sondern auch auf elektrische und biochemische Vorgänge im Gehirn (als Reaktion auf exogene Stimuli) unhaltbar ist. Ich sage Ihnen unter Magnetenzephalographie nach 5 Sekunden mit 99%iger Sicherheit, ob es sich um ein männliches oder weibliches Hirn handelt.

    Allerdings hat die sog. "Genderforschung" dazu geführt, dass man solche Befunde auch auf Konferenzen kaum noch sinnvoll diskutieren kann, weil man mit ideologischem Sperrfeuer belegt wird und Kollegen nicht selten schon von den Gender-Fraktionen ihrer Einrichtungen "zurechtgestutzt" wurden und sich in eine innere Eremitage geflüchtet haben. Vorauseilende Selbstzensur. Wir erleben momentan an verschiedenen Stellen, bei verschiedenen Themen eine inquisitionsartige, jedoch kaum faktenbasierte Säuberung des öffentlichen Raums, unserer Sprache und unserer Gedanken mit größtenteils politischer Rückendeckung.

    Dass dieses Pendel zurückschwingt, kann niemanden ernsthaft überraschen, mit Ausnahme einer immer größeren Zahl fanatisierter Gender-Anhänger, die im Diskurs mittlerweile wie Hooligans auftreten, u.a. die Abschaffung rechtsstaatlicher Prinzipien fordern und in ihrer sozioökonomischen Positionierung im Vergleich zur Benchmark auch so positioniert sein dürften. Was natürlich an der bösen Welt mit ihren lästigen Fakten liegt und nicht an ihnen selbst, aber das ist eine andere Geschichte.

  • #18
    Helmut Junge

    @Enno (11) zu den unterschieden im Hirnaufbau männlicher und weiblicher Hirne habe ich jetzt dankenswerterweise durch den Kommentar von @Mabuse (17) Hinweise gefunden. Die Magnetenzephalographie mag ja mittlerweile zu diesem Thema auf Konferenzen tabuisiert sein, aber das Netz vergißt bekanntlich nichts. So ist es leicht unter dem richtigen Suchwörtern Aussagen zum Thema zu finden, wenn man will natürlich. Ich hab spontan etwas gefunden
    https://gendermed.info/K-rpersprache-Geschlechtsspezifische-Strategien.1357.0.2.html
    Danach nutzen Männer und Frauen unterschiedlich Hirareale und Strategien um Körpersprache zu erkennen.
    Ich will nicht darüber spekulieren, was das bedeutet, sondern ich will Ihnen zeigen, daß Sie mit Ihrer Aussage "Viele Wissenschaftlicher sind sich einig, dass es nicht möglich ist, einem Gehirn anzusehen, ob es männlich oder weiblich sei." hier in diesem Diskurs nicht durchkommen, weil es hier Leute gibt, die sich eben nicht vernebeln lassen und selbst nach Quellen suchen. @Enno, ich freue mich auf Ihre Antwort. Echt jetzt.

  • #19
    Arnold Voss

    Wer Hautfarbe und Geschlecht auf die gleiche begriffliche Ebene stellt, weiss offensichtlich nicht, dass sich jede Hautfarbe selbst noch einmal in verschiedenen Geschlechtern realisiert . Ich halte es deswegen für ziemlich sinnlos, mit Enno eine ernsthafte Diskussion zu führen.

  • #20
    abraxasrgb

    # 19 Darum isst ein Veganer auch kein Huhn, es könnte ein Ei drin sein 😉
    Es gibt für soziale Konstruktivisten keine Gruppen, Rassen oder Geschlechter. Äähhh oder nur, wenn diese "unterdrückt" werden ….

  • #21
    Guy F.

    @11
    Was die angebliche Ungewissheit angeht ob unterschiedliches Verhalten angeboren oder anerzogen ist sei auf die Dokumention "Gehirnwäsche" von Harald Eia, und besonders auf die darin erwähnten Forschungen von Simon Baron-Cohen an der Universität Cambridge, verwiesen.

    Zu dem Mythos über den angeblich "entscheidenden" Beitrag von Frauen zur Informatikentwicklung siehe Hadmut Danischs Artikel : http://www.danisch.de/blog/2017/08/09/das-politisch-korrekte-maerchen-von-der-weiblichen-programmierung/ So sehr man über Danisch eventuell geteilter Meinung sein kann, diesem Artikel ist nichts hinzuzufügen.

  • #22
    Helmut Junge

    @Arnold, ich bin immer offen für den Dialog, die Postmodernisten aber scheinbar nicht.
    @Abraxasrgb, diese "Konstruktivisten" haben um einen Mann, ohne auf dessen von ihm vertretene inhaltliche Position einzugehen, einen anonymen medialen Wirbel erzeugt, der diesen Mann brotlos gemacht hat.
    Du kennst mich, und weißt daß ich liebend gerne meine Position im Disput verteidige, aber mich auch gelegentlich besseren Argumenten bereitwillig beuge. Du auch, sonst hätten wir nie eine Übereinstimmung finden können. Aber eine Position zu verteidigen, indem nicht diskutiert wird, sondern den Gegner einfach erwürgt, ist arlamierend, weil daraus die Pol Pots entstehen, wenn wirkliche Macht dazu kommt, was ich in diesen Fällen aber nicht glaube. Aber schön, daß du wieder erfrischt und voller Humor aus den Ferien zurück bist, wie ich aus deinen Kommentaren ablese.

  • #23
    mitm

    @#18 Helmut Junge: "… Unterschieden im Hirnaufbau…"

    Nicht nur die biologischen Unterschiede im Gehirn sind relevant und haben soziale Auswirkungen, sondern viele andere. Wenn Sie ein paar Quellen brauchen, bitte sehr:

    <a href= "http://maninthmiddle.blogspot.de/p/gender.html#literatur_bpgu" >Literatur zu biologischen und psychologischen Geschlechtsunterschieden</a>.

    Alleine Geary (2009) listet hunderte Einzelunterschiede auf.

    MMn unterschätzt werden die Auswirkungen einiger offensichtlicher Differenzen, z.B. die Handgriffstärke und generell Körperkraft und Ausdauer, die bei sehr vielen handwerklichen und körperlich anspruchsvollen Berufen Männen im Schnitt einen großen Vorteil verschafft, der den hohen Männeranteil in großen Arbeitsmarktsektoren sehr einfach erklärt

  • #24
    hans

    Enno / #11, ein kleiner Hinweis zu den Faktoren, die das Verhalten von Menschen maßgeblich beeinflussen: Es gibt Hormone. Sie sind für sehr viele Sachen, die der Mensch so treibt verantwortlich. Die Zusammensetzung ist bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich. Und jetzt komm mir bitte nicht mit dem Hinweis, dass Frauen auch Testosteron produzieren.

  • #25
    Helmut Junge

    @mitm, danke für den Link. Es gibt also eine Fülle von wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema. Aber diese Quellen werden von den Anhängern der Postmoderne nicht angezapft. Im Gegenteil geraten diejenigen unter Beschuß seitens der Anhänger der Postmodernen Theorie, die aus solchen Quellen zitieren. Gibt es für so etwas nicht schon bekannte Filme und Literatur?
    Hab ich 1985 dummerweise geglaubt, daß 1984 glücklich überstanden wäre, ohne daß das Schlimmste geschehen ist? Ja, hatte ich. Aber ich habe mich wohl geirrt.

  • #26
    Aki

    "Männer und Frauen sind insgesamt auf viele Arten unterschiedlich. Diese Unterschiede sind nicht sozial konstruiert, weil:"
    Hier liegt ein schwerwiegender Übersetzungsfehler vor. Die Aussage wäre so auch vollkommener Unsinn, da sie behauptet, es gäbe keinerlei sozialisierte Unterschiede.
    Im Original heißt es: "On average, men and women biologically differ in many ways. These differences aren’t just socially constructed because:"
    Korrekt übersetzt wäre das:
    "DURCHSCHNITTLICH unterscheiden sich Männer und Frauen BIOLOGISCH in vielerlei Hinsicht. Diese Unterschiede sind nicht einfach sozial konstruiert, weil:"

    Danke für die Übersetzungsarbeit, das sollte aber unbedingt korrigiert werden!

  • #27
  • #28
    Tempera

    <b>@#9</b> Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Ich teile deine Aussagen zu 100%.

  • #29
    mitm

    @Helmut Junge: "Aber diese Quellen werden von den Anhängern der Postmoderne nicht angezapft." Das Thema ist ein Musterbeispiel für confirmation bias, also selektive Wahrnehmung von Informationsbrocken, die ins eigene Weltbild passen. Es gibt bei vielen Themen Studien, die – zumindest vordergründig und oft falsch verstanden – feministische Standpunkte stützen, gleichzeitig viel mehr Studien, die das Gegenteil beweisen. Wahrgenommen und zitiert werden dann nur die passenden. Als Masku muß man ziemlich aufpassen, nicht den gleichen Fehler zu machen 😉

    Den Vorwurf kann man übrigens in gewisser Weise auch dem Damore-Text machen: auf den 15 Seiten steht eine lose Sammlung von einzelnen Argumenten, die alle seit langem bekannt sind, das ganze ist eine Art Seminararbeit, ein Prof wollte ihm die Note A- dafür geben. Damit ist der Text aber qualitativ und quantitativ eine Lachnummer gegenüber Büchern wie Steven Pinkers The Blank Slate (2002), Susan Pinkers Das Geschlechterparadox (2008) oder diversen andern 500-Seiten Mongraphien zu dem Thema. Aber wer liest noch Bücher?

    "Gibt es für so etwas nicht schon bekannte Filme und Literatur?"
    Ich kenne kein Beispiel dafür (mein Unwissen), aber es ist durchaus möglich, daß es künstlerische Bearbeitungen des Themas gibt, es ist seit mindestens 20 Jahren aktuell.

  • #30
    Willi

    Ich finde den Text längst nicht so schlimm, wie in den Medien dargestellt. Ich teile die Meinung aber nicht, und finde einige Argumente ziemlich dünn.

    So werden die Aussagen zu Persönlichkeitsunterschieden mit Persönlichkeitstests belegt, die die Teilnehmer aber offenbar selbst ausfüllen. Okay, Frauen geben häufiger an, Stress und Angst bei der Arbeit zu empfinden – aber heißt das, dass sie *wirklich* häufiger diese Emotionen empfinden? Klassische, strikte Geschlechterrollen beeinflussen ja nicht nur Frauen negativ, sondern auch Männer. Männer müssen tendenziell mehr Stärke und weniger Emotionen zeigen. Das könnte sich durchaus auch in Umfragen widerspiegeln. Ich bin deshalb nicht davon überzeugt, dass Frauen tatsächlich ängstlicher oder gestresster am Arbeitsplatz sind. Unterschiede in der Durchsetzungsstärke ließen sich problemlos durch soziale Konstrukte und Erziehung erklären. Denn Durchsetzungsstärke wird bei Frauen oft als negativ interpretiert (Bitch), bei Männern eher als positiv. Und wenn Männer bestimmte Jobs eher verfolgen, weil ihr Wert in der Gesellschaft an ihren Status gekoppelt ist, dann ist das in meinen Augen ebenfalls klarer Sexismus. Tech ist extrem männerdominiert, und das lässt sich *in dem Maße* weder durch biologische noch durch nicht von außen forcierte Persönlichkeitsunterschiede vollständig rechtfertigen. So verstehe ich ehrlich gesagt auch den Autoren dieses Artikels hier auf Ruhrbaron. Ich denke, es würden nur wenige Menschen beanstanden, wenn die Verteilung in der Tech-Industrie 60/40 wäre, aber aktuell sind es wohl eher 80/20 (schätze ich).

    Und nehmen wir mal an, dass diese Persönlichkeitsunterschiede alle 100% so stimmen würden: wenn Frauen tatsächlich empathischer, kooperativer, mehr an den Menschen und mehr an Ästhetik interessiert wären – wären sie dann nicht perfekt für UX Design? Auch das gehört zur Tech-Industrie, und gerade diese Expertise kann Google sehr gut gebrauchen.

    Über seine Aussagen, dass Konservative ja ach so unterdrückt werden, kann ich nur lachen. In dem einen Artikel der NY Post wird ein Professor zitiert, der sich mit einem Homosexuellen in den 1950er Jahren in Mississippi vergleicht. Ach so, muss er auch so um sein Leben fürchten? Und er argumentiert ernsthaft, dass Konservative gewissenhafter seien. Die Studie, auf die er sich bezieht, sagt aber nur folgendes: "The Openness trait has been shown to be the most generalizable predictor of party preference across the examined cultures. Conscientiousness was also a valid predictor, although its effect was less robust and replicable." Es mag sicher eine Korrelation zwischen Gewissenhaftigkeit und Conservatism geben, aber der Pamphletist gewichtet diesen Zusammenhang (wie so viele andere Faktoren) deutlich stärker, als es die Wissenschaftler tun. So viel zum Confirmation Bias. Und ist politische Diversität wirklich die wichtigste Diversität, die es gibt?

    Ich bin auch dafür, mehr politischen Diskurs zuzulassen. Ich bin nicht unbedingt dafür, die Bandbreite an Meinungen zu vergrößern, sondern sie lediglich wieder stärker in die Mitte zu rücken. Es gibt (wie im Artikel erwähnt) einige extrem-linke Ideen, die kaum einer kritischen Analyse standhalten und deshalb nicht derartige Macht besitzen sollten. Gleichzeitig muss man aber auch keine rechten Trump-Ansichten dulden. In dem Pamphlet sind aber durchaus eine Reihe an konstruktiven Vorschlägen, die man zumindest mal diskutieren sollte.

  • #31
    dirk

    Manchmal wird gesagt, sein Memo würde auch für Schwarze und sonstige Minderheiten gelten. Daher sei er "offensichtlich" falsch.

    Zuerstmal gilt sein Memo eben nicht für Schwarze, weil er sich auf Studien zu Mann/Frau bezieht.

    Und zweitens ist dieses "offensichtlich" falsche genau dieselbe Unterdrückung, die man gerne für Genderfragen anwendet. Man kann sich so das Argument ersparen und muss sich statt dessen nur zornig geben. So, als seien ja alle vernünftigen Menschen dieser "offensichtlichen" Meinung.

  • #32
    dirk

    > wenn Frauen tatsächlich empathischer, kooperativer, mehr an den Menschen und mehr an Ästhetik interessiert wären – wären sie dann nicht perfekt für UX Design?

    Willi, das sind genau die Fragen, die wir uns alle stellen sollten! Leider würdest du dich mit dieser Frage überall sozial unmöglich machen. Jedenfalls wäre es bei Google so. Spätestens mit der umgedrehten Frage, wo denn Männer besser sein könnten als Frauen, könntest du nicht mehr punkten.

  • #33
    Willi

    @Dirk: Zum Einen sehe ich seine Argumentation wie gesagt als fehlerhaft an: Persönlichkeitstests, bei denen die Teilnehmer selbst antworten, können nicht auswerten, wie ehrlich ein Teilnehmer antwortet; und erst recht nicht, ob diese Antwort biologisch oder sozial bedingt ist. Der Autor zieht Schlüsse aus Studien, die sich so nicht schließen lassen. Da kann er noch so viele Quellen nennen.

    Mein Hinweis auf UX Design bezieht sich darauf, dass – selbst wenn das alles so stimmen würde – es die niedrige Frauen-Quote in Tech dennoch nicht erklären würde. Zumal er das mit seiner Grafik zu Überschneidungen bei Populationen ja indirekt selbst bestätigt: Die Überlappung sollte groß genug sein. Nichts in seinem Memo erklärt die gigantische Differenz in der Tech-Industrie.

    In der linken Politik sind solche Diskussionen oft gänzlich Tabu, und das ist vielleicht nicht gut. Allerdings ist es schwer, darüber objektiv und sachlich zu diskutieren. Und sorry, ich finde es einfach sehr problematisch, dass er seine Meinung als wissenschaftlich fundiert darstellt, obwohl seine Quellen seine Meinung einfach nicht belegen. Für mich ist das mindestens genauso problematisch wie die Tabuisierung. Ich bin allerdings auch dafür, dass bestimmte Persönlichkeitstypen gefördert werden (zum Beispiel Introvertierte, Ängstlichere, Zurückhaltendere), und nicht nur bestimmte Geschlechter. Da sollte mehr Differenzierung stattfinden.

  • #34
    Daniel

    @33: wenn man fachlich nicht beurteilen kann, wie die validität und reliabilität von Verfahren zur Erfassung der Persönlichkeit sichergestellt wird, sollte man sich imO dazu auch nicht äußern, bzw. seine unterkomplexe Sichtweise nich zur Grundlage einer Kritik machen. Von fachlich kompetenter Seite wurde die Argumentation bereits bestärkt und dies ist anhand der in dieser Diskussion eingebrachten links auch einfach nachzuvollziehen.

  • #35
    Helmut Junge

    @Willi du sagst: "In der linken Politik sind solche Diskussionen oft gänzlich Tabu, und das ist vielleicht nicht gut. Allerdings ist es schwer, darüber objektiv und sachlich zu diskutieren."
    Wenn du solche Tabus bei deiner Partei duldest, solltest du dich m.E. eigentlich nicht wundern, daß diese Diskussionen woanders stattfinden, und zwar anders als du es dir wünscht, und schon gar nicht mit eurer Beteiligung. Ihr gebt das Thema doch ab. Ihr dürft nicht drüber sprechen (Tabu), andere dürfen. Und die richten sich einfach nicht nach euren Regeln. Selber Schuld.

  • #36
    Willi

    @Helmut: Was ist denn meine Partei und wie kommst du darauf, dass "wir" etwas dulden oder nicht dulden? Ich sage lediglich, dass das ein schwieriges Thema ist, und ich sowohl ein Tabu als auch ein Pamphlet nicht für die konstruktivsten Ansätze halte.

  • #37
    Helmut Junge

    @Willi, das ist durchaus ein schwieriges Thema. Da sind wir uns einig. Aber ein Tabu ist überhaupt kein Ansatz, auch kein wenig konstruktiver. Ein Tabu ist aus meiner Sicht Gedankenterror und somit das Schlimmste, was ich mir im Zusammenhang mit einer geistigen Auseinandersetzung vorstellen kann.
    Und ob Thesenpapier ein konstruktiver Ansatz ist, oder ein Pamphlet, kann ja sachlich herausgearbeitet werden, Sachlich heißt aber, daß man bereit ist ist, über alles zu sprechen, ohne Tabu. Und das ist schon schwierig genug, weil wir Menschen die Welt immer nur durch unsere jeweiligen Filter sehen.
    D.h. wir sind immer voller Vorurteile, einige mehr, andere weniger.
    Ich habe mich mit einer Positionierung zu den Aussagen des Thesenpapiers des entlassenen Googlemitarbeiters zurückgehalten, weil mir die Vorgehensweise seiner Feinde, die ihn denunzieren, derart auf die Palme brachte, daß mir deren Verhalten zu kritisieren, dringend notwendig schien. Das ist der Abgrund menschlichen Denkens und Handelns. Wegen dieser und einiger früherer Vorfälle habe ich begonnen, mich in verschiedene Quellen einzulesen, arbeite an meiner Position zum Kernthema und werde demnächst dazu etwas schreiben. Auch auf die Gefahr hin, daß die Vertreter der Postmoderne dann wieder nicht offen darüber diskutieren, sondern stattdessen bei meinem Arbeitgeber Sturm laufen und versuchen mich um meinen Job zu bringen.

  • #38
    ke

    Die technischen Jobs bei den Giganten der Tech Industrie erfordern ein extremes Anforderungsprofil:
    – hartes Auswahlverfahren für Mitarbeiter
    – ständig neue Technologien
    – Arbeit in sich ändernden, globalen Teams mit komplexen Strukturen
    – Zeitdruck
    – Sich ändernde fachliche Anforderungen.

    D.h. hier sind ausgewählte Köpfe vermutlich die größte Zeit der Woche mit ihrem Job verbunden. Das muss man wollen. Für eine Karriere auch über einen langen Zeitraum.

    Es gibt hierbei nach meiner Erfahrung deutlich mehr Männer, die dies anstreben. Es gibt dann aber auch viele, die dies nicht dauerhaft wollen.

    "Neugier genügt" hat einen interessanten Podcast über Start-ups/Rückkehrer aus Afrika gemacht. Es sind Afrikaner, die im "Westen" Karriere gemacht haben und nun die Chancen in Afrika nutzen wollen.

    http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-neugier-genuegt-das-feature/audio-afrikanische-rueckkehrer-bauen-ihr-land-auf-100.html

    BTW: Die hier vorgestellten Zielländer sind auch oft Herkunftsgebiete von aktuellen Flüchtlingen. Ich finden es gut, dass auch mal über die Chancen, die Afrika hat und bietet, berichtet wird.

  • #39
    Willi

    @Helmut: Ich bin auch gegen Tabus – aber wenn es nicht möglich ist, über ein Thema sachlich und menschlich zu diskutieren (eben deshalb, weil es jeder aus seiner subjektiven Sichtweise betrachtet), dann ist es manchmal produktiver, es nicht zu diskutieren, sondern einen anderen Winkel zu suchen.

    Mir wurde hier eine unterkomplexe Sichtweise unterstellt und geschrieben, ich habe mich zu dem Thema nicht zu äußern (oh, die herrliche Ironie). Aber auch der Autor des Artikels hier bestätigt, dass die Persönlichkeitstests nur Unterschiede von bestenfalls 60:40 belegen. Und dabei liefern sie nicht mal eine Antwort darauf, ob die Ergebnisse biologischer oder anerzogener Natur sind. Ich sehe daher nicht, wie uns dieser Winkel weiterbringt.

    Ich bin der Meinung: Wenn der Google-Ingenieur Probleme mit der Google-Politik hat, dann hätte er das sehr viel konstruktiver und erfolgreicher kommunizieren können, indem er den „Vielleicht ist Tech einfach nichts für Frauen“-Kram weggelassen hätte. Wenn Google Vorschriften hat, die auf unwissenschaftlichen oder zumindest fragwürdigen Thesen basieren – wie Microaggressions – dann steht diese Kritik auch auf eigenen Beinen. Wenn Google nur bestimmte Geschlechter, nicht aber bestimmte Persönlichkeitstypen fördert, dann steht auch diese Kritik auf eigenen Beinen. Und hinter der Kritik würde ich 100% stehen.

  • #40
    Tempera

    Zitat @39 Willi: "Ich bin der Meinung: Wenn der Google-Ingenieur Probleme mit der Google-Politik hat, dann hätte er das sehr viel konstruktiver und erfolgreicher kommunizieren können, indem er den „Vielleicht ist Tech einfach nichts für Frauen“-Kram weggelassen hätte."

    Und nochmal. Damore hat diesen Gedanken weder geäußert noch impliziert!

  • #41
    Helmut Junge

    @Willi, wenn jemand alles "wegläßt" was irgendwie anecken könnte, handelt er im vorauseilendem Gehorsam. Solche Leute werden sich nie wagen, sich für eine nichtgefällige Position einzusetzen. Und wenn sie es mal tun, ist kein Verlaß darauf, daß sie dem automatisch folgenden Druck standhalten.
    Die Geschichte der Kinken ist voller Beispiele von Wegduckern, spätestens seit Stalin weltweit. Und wo sind sie geblieben?

  • Pingback: Zur Bewertung des Google-Memos: Danke, Frau Meike! › Digital Diary – Claudia Klinger

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