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Das Opel-Aus und keine Alternativen

Düstere Aussichten für das Ruhrgebiet: Wahrscheinlich wird heute in Bochum das endgültige Aus für das Opel-Werk verkündet. 3.000 Jobs fallen allein in den Opel-Werken in Bochum weg. Neue Arbeitsplätze werden die Betroffenen im Ruhrgebiet kaum finden.

Glaubt man dem Stern begann vor 30 Jahren begann der Niedergang der Marke Opel – damals stand die Marke für Qualität und Erfolg im Motorsport. Damals entließ Opel den Ralleyweltmeister Walter Röhrl, in den frühen 80ern in Deutschland fast so beliebt wie später Michael Schumacher. Der Ralley-Sport, damals  in Europa sehr populär, interessierte in den USA niemanden. So wurde das Image der Marke beschädigt und eine Niedergang setzte ein, der heute wahrscheinlich für das Werk in Bochum das Aus bedeuten wird.   Opels Niedergang ist das Ergebnis von jahrzehntelangem Missmanagement und Versagen der Opel- und GM-Spitze.

3.000 Jobs werden bei Opel in Bochum wegfallen. Mehr noch: Das Opel Aus bedeutet das Ende der erfolgreichsten Neuansiedlung in der Geschichte des Ruhrgebiets seit Beginn der Bergbaukrise in den 60er Jahren. Zeitweilig arbeiteten bis zu 20.000 Menschen bei Opel. 

Neue Jobs in der Industrie werden die wenigsten der Betroffenen finden. In Süddeutschland, in Bayern und Baden Würtemberg haben sie noch Chancen, in NRW nicht. Industriepolitik in NRW, das war jahrzehntelang vor allem das Betteln um Bergbausubventionen. Später dann, unter Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) , setzte das Land dann auf neu Jobs im Dienstleistungs- und Medienbereich. Es entstanden vor allem schlecht bezahlte Stellen in Call Centern.

Das Opel am Ende ist, ist eine logisch Entwicklung. Vom Unternehmen selbst verschuldet. Dass es in Deutschland, vor allem in NRW, schwierig für die Arbeiter wird, neue Industriejobs zu finden, ist auch das  Ergebnis einer falschen Wirtschaftspolitik. In den USA hat eine Reindustrialisierung begonnen – befeuert von billigen Energiepreisen, die möglich wurden, durch die Förderung von heimische Gas. Fracking, das Verfahren mit dem das Gas gefördert wird, will NRW verbieten lassen, obwohl unkonventionelle Gasvorräte auch hier im Land in großen Mengen vorhanden ist. Deutschland möchte der Musterschüler der Energiewende sein. Schon heute haben wir die zweithöchsten Energiepreise in der Europäischen Union. Das kostet vor allem die  Verbraucher viel Geld, wird bald noch stärker die Wirtschaft treffen und unterstützt die chinesische Solarindustrie. Für den Standort Deutschland ist diese Politik Gift. Dieses Land riskiert die Zukunft der Industrie auf dem Altar grüner Träumereien  und alle Parteien, nicht  nur die Grünen, machen mit. Keine Industrieansiedlung mehr ohne Proteste, keine Bereitschaft mehr, die Belastungen zu ertragen, die Produktion mit sich bringt – eine Vorruhestandsgesellschaft macht es sich gemütlich. Dass Wohlstand erarbeitet werden muss, gerät zunehmend in Vergessenheit. In China, Indien und den USA liegen sie wahrscheinlich gerade lachend vor ihren Schreibtischen. 3.000 Opelanern wird das Lachen heute vergehen.

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67 Kommentare zu “Das Opel-Aus und keine Alternativen

  • #1
    Robin Patzwaldt

    „…Keine Industrieansiedlung mehr ohne Proteste, keine Bereitschaft mehr, die Belastungen zu ertragen, die Produktion mit sich bringt – eine Vorruhestandsgesellschaft macht es sich gemütlich….“

    Da hast Du natürlich nicht ganz Unrecht. Trotzdem muss man das Ganze, aus meiner Sicht, differenzieren. Protest ist nicht gleich Protest und die Bedenken gegen diverse Projekte kann man auch nicht alle in einen Topf werfen. Es gibt durchaus gute Gründe sich von der ‚Industrie‘ nicht alles ‚gefallen zu lassen‘. Ein gesunder Mittelweg wäre, wie eigentlich fast immer, der richtige Weg für ein ‚gesundes‘ Miteinander von Bevölkerung und Industrie. Das es Länder gibt wo die Industrie macht was sie will (China o.ä.), das muss uns ja nicht zum Vorbild gereichen, auch wenn das unserer Wettbewerbsfähigkeit dann schadet.

  • #2
    Mimi Müller

    „Dass Wohlstand erarbeitet werden muss, gerät zunehmend in Vergessenheit.“

    Werter Herr Laurin, dieser „Artikel“ zieht mir nun wirklich die Schlappen aus.
    Das ist einfach nur noch platt und hahnebüchend, am allerwenigsten hat es aber mit den Opelanern zu tun, die Sie hier so scheinheilig zu bedauern scheinen, um dann Ihre neoliberale Sicht der Dinge um so nachdrücklicher zu verbreiten.

    Sie sind es, der etwas völlig vergessen zu haben scheint:

    Wessen Wohlstand wird denn auf wessen Kosten erarbeitet?

    Wer bezahlt denn mit Gesundheit und Leben für die von Ihnen gepriesene „Reindustrialisierung“?

    Ich habe tatsächlich keinerlei Bereitschaft mehr, die von Ihnen angeführten „Belastungen“ zu „ertragen“, die diese Art von „Produktion“ mit sich bringt – und ich möchte keinesfalls zu denen gehören, die in China, Indien und USA lachend unter dem Schreibtisch liegen.

    Sie vergaßen übrigens noch Pakistan und Bangladesh anzuführen – die haben ja auch die allerbesten Produktionsbedingungen.
    Da liegt man nicht nur lachend unterm Tisch, sondern auch verbrannt in den Produktionsstätten.

    Halten Sie doch einfach die Opelaner raus, wenn Sie mal wieder „so“ drauf sind.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mimi Müller: Glauben Sie, dass es in den Menschen in Pakistan und Bangladesh besser geht, wenn alle Fabriken dort schließen? Die Lage dort muss verbessert werden, aber durch Schließungen wird alles schlimmer.Und wenn Sie nicht bereit sind ein gewisses Maß an Belastung durch Industrie zu ertragen sind sie sicher gerne bereit, massive Wohlstandsverluste zu ertragen. Denn genau das ist die Alternative… Ich seh lieber einen rauchenden Schornstein als dampfende Kessel in der Suppenküche.

  • #4
    Walter Stach

    Stefan,

    1.
    Die Schließung von OPEL beweist ein weiteres Mal -sh.zuletzt Nokia-, daß es bei uns in Deutschland, also nicht nur im Ruhrgebiet, erhebliche Probleme gibt mit arbeitsintensiven Großunternehmen -mit deren Bestandssicherung, erst recht mit deren Neuansiedlung. Und das hat eben nicht, wie immer wieder beauptet, mit fehlenden Industrie- bzw. Gewerbeflächen zu tun, auch nicht mit mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung, sondern mit dem weltweiten Wettbewerb um den an der Höhe staatlicher Subventionen und an der Höhe der sog.Lohnstückkosten. Und da können wir nicht mithalten -traurig, aber wahr!

    2.
    Wenn jetzt im Ruhrgebiet eine weitere große Industriefläche freiwirbt, hoffe ich, daß das Land NRW sich zielgerichtet und prioritär um neue Gewerbe- bzw. neue Industrieunternehmen -trotz der o.a.Probleme- für diese Fläche bemüht;notfalls Projekte auf dieser Fläche -oder deren Neuerschließung- auch mit Landesbürgschaften absichert und folglich nicht -nciht mehr- einen freie Fläche -landwirtschaftlich genutzt-, abgesichert mit einer Landesbürgschaft für eine industrielle Nutzung fördert -sh.New-Park in den Rieselfeldern Datteln-Waltrop.

  • #5
    Mimi Müller

    Da gibt es also für Sie Nichts zwischen Fracking für Wohlstand und Suppenküche für Arme?
    Wohlstand ist immer und ausschließlich von Industrie abhängig?
    Wo haben Sie denn dieses Dogma her?

    Die Frage ist ja nicht einmal, wie der von Ihnen propagierte Wohlstand aussieht-
    und das Leben in ihm. Das wissen wir ja. Das kann man sich überall betrachten. In Amerika, bei dem von Ihnen ebenfalls propagierten Fracking sogar besonders schön, wenn man den Wasserhahn aufdreht und das Gas rausströmt.

    Was die Belastungen durch Schwerindustrie angeht, bin ich vom ersten Atemzug an informiert: meine Wiege stand im Kaff der Guten Hoffnung zwischen Kokerei, Hochöfen und Zeche Concordia.

    Und was Ihren „massiven Wohlstandsverlust“ angeht: „Massiv“ haben die meisten Menschen gar nichts zu verlieren – massiv haben sie nämlich nie was besessen.

    Die Wohlstandsverluste, die ich persönlich zu verbuchen habe, gehen übrigens auf mein Konto und das nennt sich „Selbstbeschränkung“.
    Es ist Ausfluss eines Erkenntnisprozesses.

  • #6
    Helmut Junge

    @Mimi Müller,
    Ihre Fragen :“Wessen Wohlstand wird denn auf wessen Kosten erarbeitet?
    Wer bezahlt denn mit Gesundheit und Leben für die von Ihnen gepriesene “Reindustrialisierung”? “ kann ich aus meiner Sicht in etwa so beantworten,
    dass völlig unabhängig vom politischem Standpunkt einzelner Kommentatoren, in unseren Fabriken der Wohlstand produziert wird, von dem nicht nur die Betriebsangehörigen, sondern auch diejenigen profitieren, die nicht in den Fabriken arbeiten, mehr oder weniger gut leben können.
    Zu diesem Kreis gehören alle, gehören Sie, ich, Laurin, kurz gesagt. die übergroße Mehrheit. Wir alle leben von dem, was in unseren Fabriken produziert wird. Und bedauerlicherweise stehen wir trotz internationaler Handelsverknüpfungen immer noch in Konkurrenz zu anderen Volkswirtschaften. Das hat sich durch die Globalisierung nicht verändert. Sie merken es nicht unmittelbar, aber nicht nur die Arbeiter, sondern die gesamte Volkswirtschaft verliert mit der Schließung eines größeren Werkes wie Opel. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf mich, auf Sie, auf alle aus, die industriefern ihren Lebensunterhalt verdienen. In Ländern wie Pakistan leben übrigens etliche Reiche, denen es sehr gut geht, obwohl die Arbeitsbedingungen dort miserabel sind. Dadurch, dass Sie Frau Müller, bereit sind, Opel in Deutschland aufzugeben, damit die Fabriken in Pakistan mehr produzieren köönen, hat der arme pakistanische Arbeiter erst mal gar nichts. Das ändert an der sozialen Ungleichheit dort nichts. Zunächst fließen derartige Mehreinnahmen in die Konten der reichen Fabrikbesitzer dort.
    Ich bin nun wirklich nicht „Neoliberal“, aber auch die Sozialisten können nicht ohne Fabriken innerhalb unseres Territoriums von einer besseren Verteilung träumen, wenn dadurch weniger produziert wird. Für alle gilt, dass erst mal was da sein muß um es zu verteilen. Die Logik vieler Grüner, nicht aller, die heißt: „produkt ja, Produktion nein“, funktioniert nicht in der Realität.

  • #7
    Ulf

    Wahrscheinlich ist jede Suppenküchensuppe sorgfältiger zubereitet als dieser Artikel, in dem von Walter Röhrl über „grünen Träumereien“ und einem Schuss Moralpredigt so ziemlich alles in einen Topf geworfen wurde, was in der laurinschen Küche gerade greifbar war. Und jetzt bitte Maggi-Werbung …

  • #8
    Walter Stach

    Sprachliche Korrektur zu -4- (erster Absatz, zweiter Satz,zweiter Halbsatz):
    „……..sondern mit dem weltweiten Wettbewerb der kostengünstigsten Standorte, vor allem gemessen an der Höhe der staatlichen Subventionen und an der Höhe der Lohnstückkosten.“

  • #9
    Torti

    @Laurin
    Die Kündigung von Walter Röhrl war nicht der Start des Niederganges. Wenn hier ein Name fallen muss dann doch wohl LOPEZ.

    Mein Vater fuhr immer Opel von Olympia, Kadett, Rekord stand alles in unserer Garage. Als sein Omega ( das erste Lopezauto und sein letzter Opel) praktisch ausseinanderfiel da wurde er VW Fahrer. Das kenne ich genauso aus vielen Erfahrungen in Bekanntenkreis.

    Erst ungläubges Staunen, dann Wut und Enttäuschung, dann Schulterzucken.

    Mein Vater sagte zu der Nachricht zur Schliessung nur : „Weiste noch wie bei unserem Omega einfach die Spiegel abgefallen sind ? „

  • #10
    Walter Stach

    Stefan, Torti:
    Ich denke, wir sind uns einig:

    Wenn eine industrielle Produktion in Deutschland, z.B. der Autobau, im internationalen Wettbewerb überlebt trotz hoher Lohnstückkosten im Vergleich mit den Wettbewerbern, trotz teilweise wettbewerbschädigender staatlicher Subventionen in anderen Ländern, trotz strengerer Umweltauflagen bei uns als anderswo, dann doch nur, wenn die Qualität „unseres“ Produktes eine überragend gute ist. Und daran scheint es, sh. auch Eure Beiträge, entscheidend bei OPEL in Bochum im Gegensatz zu Mercedes,BMW,Audi,VW aufgrund gravierender Managmentfehler zu mangeln.
    (Ich kann nicht mitreden,wenn es gilt, die Manager zu benennen, die die entscheidenden Fehler gemacht haben.)

  • #11
    jiri

    Die sogenannte „grüne“ Träumerei ist nun mal Zeichen einer fortgeschrittenen Modernisierung unserer Gesellschaft.

    Dass Energie möglichst ressourcenschonend gewonnen werden muss, ist angesichts des Klimawandels unerlässlich.

    Ich frage mich aber, warum an der Ruhruni schon seit Jahren eine Freifläche für einen Medizintechnikpark erstellt worden ist, aber sich keine Firmen ansiedeln

  • #12
    Arnold Voß

    Weder die Mitarbeiter noch die Stadt Bochum noch die Landesregierung NRW hatten je eine Chance das Aus zu verhindern. Das ist die eiskalte Wahrheit einer konzernorientierten Globalisierung.

  • #13
    68er

    @ Lauri + Torti

    Ich weiß noch wie mein ehemaliger Opel-Händler, mir die Geschichte von irgend einer Plastikwelle im Vectra erzählte, die, ein paar Pfennige billiger eingekauft, dazu führte, dass reihenweise Autos mit Motorschaden liegenblieben, und dadurch viele Aussendienstflotten von Opel zu VW bzw. Audi wechselten.

    Das war der sog. Lopez-Effekt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Opel#1980_bis_2008_.E2.80.93_Sinkende_Abs.C3.A4tze_und_Qualit.C3.A4tsprobleme

    Man sollte auch nicht vergessen, dass GM durch seine merkantile Produktpolitik es Opel unmöglich macht, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Wenn die in der BRD entwickelte Technik bei GM nicht zur Verfügung stände, wären die längst pleite und wenn Opel in die ganze Welt liefern dürfte, hätten die Bochumer Opelaner wohl auch eher eine Chance.

  • #14
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Torti: Der Name Lopez fällt ja auch in dem von mir verlinkten Stern-Artikel – an zweiter Stelle, nach dem Röhrl-Rauswurf. Warum der wichtig ist? Mit Röhrl Ralle-Siegen und dem Audi-Quatro gelang Audi der Imagewechsel: Weg vom Auto für den Mann mit Hut hin zu einer sportlichen Premium-Marke. Das hätte Opel auch schaffen können…
    @Arnold: Natürlich trifft die weder die Stadt noch das Land die Schuld am Opel-Aus. An einer zunehmend industriekritischen Stimmung und einer zunehmenden Belastung der Industrie in Deutschland durch immer höhere Energiepreise und Umweltauflagen trifft die Politik allerdings die Schuld. Das hat nichts mit dem Opel-Aus zu tun, ist aber ein Grund warum es nicht genig Industriejobs für die Opelaner geben wird.

  • #15
    Mimi Müller

    @Junge

    „Dadurch, dass Sie Frau Müller, bereit sind, Opel in Deutschland aufzugeben, damit die Fabriken in Pakistan mehr produzieren köönen, hat der arme pakistanische Arbeiter erst mal gar nichts.“

    Wo steht denn, dass ich Opel aufgäbe? Wo steht denn, daß ich dann in Pakistan produzieren ließe? Wo steht überhaupt etwas von dem, mit dem Sie sich da auseinandersetzen?

    Dass Sie mich – grundsätzlich – nicht verstehen wollen, haben Sie in den vergangenen Jahren mehr als einmal deutlich gemacht. Dann hören Sie aber doch endlich mal damit auf, mich mistzuinterpretieren, insbesondere, wenn es gar nichts zu interpretieren gibt.

  • #16
    Tati

    Bei Opel haben zu viele Chefköche den Brei verdorben und zu wenig auf die Marke geachtet, wofür Opel inhaltlich steht. Von Beginn der 1970er Jahre bis heute waren vierzehn Vorstandsvorsitzende bei Opel tätig, davon drei Deutsche (Beickler, Herke, Forster). Die durchschnittliche Verweildauer lag damit unter 2,5 Jahren. Zum Vergleich: die Volkswagen AG (bis 1960 GmbH) hatte in sechzig Jahren ab 1948 acht Geschäftsführer/Vorstandsvorsitzende; die Lufthansa von 1954 bis heute (2012) nur ein halbes Dutzend: sechs Stück.

  • #17
    Arnold Voß

    @ Stefan # 14

    Wirklich schwierig wird es ja nur für die Opelaner, die nicht genügend hohe Abfindungen rausschinden können bzw. nicht sowieso in Rente gehen. Das ist halt der Vorteil, wenn man in einem großen Weltkonzern innerhalb Europas mit starker gewerkschaftlicher Organisation ausreichend lang beschäftigt war: Man kann zwar genauso wenig an einer Werksschließung ändern wie die Mitarbeiter in den andern Ländern, aber man wird beim Rauswurf wesentlich besser behandelt als z.B. die Mitarbeiter außerhalb Europas.

  • #18
    theo

    Fracking als Allheilmittel. Meine Güte. Vielleicht doch mal raus aus der Raucherkneipe und an die frische Luft, werter Stefan Laurin.

  • #19
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @theo: Hab ich was von Allheilmittel geschrieben? Zumindest reindustrialisieren sich die USA mit dem billigen Gas. Ach so : Wie geht es eigentlich der tollen Solarindustrie in Deutschland? Klappt ja super mit dem „Green New Deal“ 🙂

  • #20
    theo

    Alter Schwede, Stefan, in deinem Blogbeitrag ist wirklich so viel schief, da kann man sich doch nur um die wichtigsten Dinge kümmern. 😉

    Also: die „Re-Industralisierung“ gibt es nicht nur in den USA, weltweit wird gerade Deutschland dafür gewürdigt. Und das ohne Fracking. VW hat auch ohne Fracking Rekordzahlen vorgelegt. Also hat Opel damit nüscht zu tun. Warum schreibe ich das – weil Du den Bogen geschlagen hast.

    Die Solarindustrie ist so ne Sache. Richtig ist, dass sie hierzulande sehr üppig und vermutlich zu stark gefördert worden ist. Richtig ist nun aber auch, dass gerade China noch mehr subventioniert. Kannst du sogar in „deiner“ Welt nachlesen:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article109036761/EU-Kommission-knoepft-sich-Chinas-Solarindustrie-vor.html

    Dass die hohen Energiepreise nur zum Teil auf die Energiewende zurückzuführen ist, das ist in den vergangenen Tagen hinreichend öffentlich erörtert worden. Kann eigentlich kaum an dir vorbeigegangen sein.

    Die „grünen Träumereien“ sind inzwischen reale Notwendigkeiten im Automobilbau. Weniger Spritverbrauch, Hybridantriebe sind A und O.

    Die Rahmenbedingungen, die Du als notwendig für eine erfolgreiche Industriepolitik erachtest, sind von gestern. Um zum Thema Opel zurückzukommen: Energiewende und Fracking haben damit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Opel ist am Management gescheitert.

  • #21
    Helmut Junge

    @Mimi Müller,
    ehrlich Frau Müller, ich habe nicht die Absicht Sie „mistzuverstehen“, wie Sie sich ausdrückten. Kann aber sein, dass ich Sie trotzdem falsch verstanden habe. Ich habe vielleicht heute nicht den besten Tag erwischt. Ich vertstehe Sie (2) immer noch so. Da verlasse ich mich mal auf andere Kommentatoren, vielleicht versteht Sie ja einer in Ihrem Sinne, und klärt mich auf. Es gibt nämlich genügend intelligente Leute in diesem Thread. Ich laß mich gern belehren.
    Nur, wenn Sie denken, dass ich Sie gezielt seit Jahren grundsätzlich falsch verstehe, fühle ich mich falsch behandelt. Schließlich habe ich Sie sogar schon einmal gelobt.

  • #22
    Mimi Müller

    @Laurin

    Meinzeit, Herr Laurin, gehen Sie doch bitte einmal auf einen Einwand ein ! Äußern Sie sich doch zum Fracking und den Folgen. Äußern Sie sich doch einmal dazu, daß Menschen gute Gründe haben, auf den ein oder anderen vermeintlichen Fortschritt beizeiten zu verzichten, ohne sie herabzusetzen.
    Was hier fortwährend – ich wiederhole es noch einmal ausdrücklich: propagiert ! wird, ist Wohlstand um jeden Preis, den obendrein immer andere zu zahlen haben. Immer wenn Diskussionen an einen bestimmten Punkt geraten, dann werden Sie ( und nicht nur Sie) arrogant bis ruppig und beantworten Nachfragen mit Ausfallschritten Marke „Gegenangriff“.

    Jetzt wird hier schon recht lange darüber dikutiert, dass und welche Managementfehler gemacht wurden. Ein Umstand, den Sie in Ihrem „Kommentar“ im Übrigen von vorneherein einräumen.
    Was ich aber zunächst kritisierte, ist eine „Stilfrage“. Sie benutzten erkennbar die Nöte der Opelaner um zu Ihrem eigentlichen Daueranliegen zu kommen: einmal mehr treten Sie für „Reindustrialisierung“ ein, befassen sich aber nicht mit dem Preis, der für daraus erwachsenden Wohlstand zu zahlen ist – und wer ihn zu zahlen hätte.
    Sie benutzten das Schicksal der Opelmitarbeiter um recht polemisch Kritik an vermeintlichen „Industriefeinden“ zu üben, die Sie herablassend „Vorruhestandsgesellschaft“ nennen. Dies habe ich kritisiert.
    Im weiteren bin ich dann auf Ihre Antwort eingegangen, die Sie geflissentlich übergingen.

    Und nun hauen Sie wiederum beim Thema Fracking Ihre Meinung heraus, ohne sie in irgendeiner Weise zu begründen. Nein, Sie haben nicht gesagt „Fracking“ sei ein Allheilmittel. Sie „verweisen „natürlich “ „nur“ darauf, dass die USA sich mit „billigem“ Gas reindustrialisieren. Ob die hemmungslose Ausbeute von Mensch und Natur am Ende auch einen Preis haben könnte, uns mehr als nur „massive Wohlstandsverluste“ einträgt – auf diese Frage bleiben Sie – und nicht nur Sie- selbst den Versuch einer Antwort weiterhin schuldig.

  • #23
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mimi: Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung hält Fracking für machbar und rät sich vorsichtig dem Thema zu nähern. Das klingt für mich vernünftig. Die Risiken? Die gibt es immer. Glauben Sie, wir würden mit der heutigen Ängstlichkeit noch einmal das Auto, den Computer oder die Chemie einführen? http://www.welt.de/wirtschaft/article106226577/Fracking-Gasabbau-laesst-Wasser-brennen.html

  • #24
    stranger

    Soso, die Opel-Fabrik in Bochum wird also geschlossen, weil niemand mehr Industrie in seiner Nachbarschaft haben will. Ich weiß ja nicht, was in Bochum so los war, aber ich glaube kaum, dass wegen den Proteststürmen in der Bevölkerung das Werk geschlossen wird… Oder geht es in dem Artikel doch letztlich nur darum, noch jeden Anlass dafür auszuschlachten, um seine Ideologie unter das Volk zu bringen? Vielleicht hat ja auch die Produktivität in dem Werk darunter gelitten, dass am Arbeitsplatz nicht geraucht werden darf. Der Aspekt fehlt eigentlich noch in dem Artikel 🙂

    Wie gelingt es eigentlich VW in diesem industriefeindlichen Land so gut zu bestehen? Oder den ganzen anderen „Exportweltmeistern“? Tut mir leid, aber die Schließung des Opel-Werks hat nur einen einzigen banalen Grund: Missmanagement in übersteigerter Form. Der Markt regelt das dann halt am Ende so. Schade für Bochum, aber daran hätte auch kein Fracking und keine geringen Immissionsbeschränkungen oder sonst etwas geändert. Einfach schlecht gewirtschaftet hat die Opel-Führung und dann kommt so etwas bei raus. Da kann auch Industriepolitik nichts daran ändern.

  • #25
    Bochumer

    Wir haben Krise, da erwischt es die Schwachen. Ist wie im Winter, da sterben auch die kranken Vögel. VW ist übrigens zum Weltmarktführer aufgestiegen und das industrielle Kernland in Europa liegt in der Ecke BaWü, Bay, Schweiz und Elsaß. Also eben auch im ach so schlimmen Deutschland. Die Chinesen stellen übrigens Windräder auf wie blöde, um aus der Abhängigkeit vom Öl raus zu kommen.

  • #26
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Stranger: „Soso, die Opel-Fabrik in Bochum wird also geschlossen, weil niemand mehr Industrie in seiner Nachbarschaft haben will.“ Wo bitte steht das?

  • #27
    Mimi Müller

    @Laurin

    Helmholtz- Zentrum ..
    Sagen Sie mal, sind das nicht die, die das „Forschungszentrum“ Asse betrieben?
    Die, die sich „vorsichtig“ den „Unregelmäßigkeiten“ annäherten?

    Mann, Sie sind ja goldig. Gegen „Religionen“ aus „allen Rohren der Vernunft“ ballern, was das Zeug hält, – und dann am Ende selbst gläubig?
    Sie überraschen mich immer wieder…

  • #28
    Mimi Müller

    Übrigens:
    Glauben Sie, die Japaner würden mit dem heutigen Wissen Fukushima noch einmal in ein Erdbebengebiet ans Meer bauen?

  • #29
    Helmut Junge

    @Stefan,
    was da beim Fracking schiefgehen kann, nämlich dass das Wasser, wenn es aus der Wasserleitung kommt, brennt, man es also anzünden kann, ist ganz bestimmt hochproblematisch. Vielleicht ist das Problem trotzdem technisch beherrschbar.
    Dennoch ist es das bisher noch nicht, obwohl das Phänomen natürlich vorkommt, und seit mindestens 100Jahren bekannt ist.
    Winnetou heißt auf Deutsch, genau brennendes Wasser.
    Das Wasser ist mit Erdgas angereichert und brennt, wenn man es anzündet. Wenn es einmal billige technologien gibt, das zu verhindern, was von Prozeß der Förderung unter hohem Druck her ziemlich aussichtlos ist, oder aus dem Wasser zu entfernen, dann könnte man anfangen darüber zu diskutieren, ob man Energie aus solch einem Prozeß gewinnen möchte. Das sehe ich noch längst nicht.

    Wenn in USA ein solch angereichertes Wasser zum Trinken zugelassen wurde, wirft das kein gutes Licht auf die Gesetzgebung der USA. In Deutschland wird das wegen der Trinkwassergestze nie der Fall sein.

  • #30
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mimi Müller: Zu einem ähnliche Ergebnis kamen die Geologen des Landes NRW auf einer Anhörung in Münster.

  • #31
  • #32
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Helmuth: Es gibt ein Verfahren ohne Chemikalien aber – oh Wunder – auch dagegen Proteste. Wie übrigens auch gegen Windräder, Pumpspeicher. Stromtrassen… German Angst…

  • #33
    Arnold Voß

    Ich finde, dass hier am Thema vorbei diskutiert wird. Die zentrale regionale und lokale Frage, die sich nach dem Aus von von Opel stellt, lautet doch: Wie kann ich mich in einer globalisierten Welt der Großkonzerne von den (Fehl-)Entscheidungen weit ab gelegener Vorstandsetagen unabhängiger machen?

    Die Antwort könnte lauten:

    1) In dem man sich politisch und wirtschaftlich mehr um das kümmert, das man regional und lokal noch beeinflussen kann und nicht Dingen und Leuten hinterher läuft, die es einen feuchten Kehricht interessiert, was im Ruhrgebiet geschieht, wenn sie (wieder) gehen.

    2) In dem man bei Neuansiedlungen stärker darauf achtet, dass die betreffenden Unternehmen eine stärkere regionale Bindung eingehen, bzw. schon haben.

    3) In dem man seine eigene Wirtschaftsstruktur so breit aufzustellen versucht, dass die Region einzelne Werksschließungen wenn schon nicht verhindern, dann zumindest aber verkraften kann.

    4) In dem man Betriebs- und Wirtschaftsformen fördert, die von vorneherein nicht der ausschließlichen Profitmaximierung ausgeliefert sind. Wie z.B. die Genossenschaften.

    Nichts von alledem geschieht im Ruhrgebiet.

  • #34
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Arnold: Wer Arbeitsplätze will, muss attraktiv für Investoren sein: Gut qualifizierte Mitarbeiter, gute Infrastruktur, maß volle Auflagen, Rechtssicherheit.

  • #35
    Mimi Müller

    @laurin

    Und? Was machen wir jetzt? Wie gehen wir jetzt weiter vor?
    Stell ich jetzt hier eines von vielen „Gegengutachten“ rein? Ist das die Ebene, auf der die vielgepriesenen „innovativen“ Lösungen gefunden werden?
    Ich sehe keinerlei Sinn darin, Links mit Ihnen auszutauschen. Ich sehe auch keinerlei Sinn darin, stets auf Andere zu verweisen, wenn es maßgeblich um die Suche nach der Antwort jedes einzelnen geht.
    Sie drücken sich immer um die persönliche Antwort – wie auch Politiker sich immer um die persönliche VerAntwortung drücken. Ein Ausschuss und dann zwei, drei, ein Gutachten, dann zwanzig, dreißig, jedweder Blödsinn kann mit jedwedem Gutachten begründet, jede Lebenserfahrung, jede Weisheit, mit einem Gegengutachten vermeintlich als Scharlatanerie abgetan werden. Ständig muss man nachschlagen, welcher Gutachter, welches Institut am Ende welchen Kapitalflusses hängt. Und weiss doch nichts…

    Also: Wie wollen wir diskutieren, Herr Laurin ?

  • #36
    68er

    @ #26 Stefan Laurin

    Unter der Überschrift:

    „Das Opel-Aus und keine Alternativen“

    Schreiben Sie im letzten Absatz:

    „Das Opel am Ende ist, ist eine logisch Entwicklung. Vom Unternehmen selbst verschuldet. Dass es in Deutschland, vor allem in NRW, schwierig für die Arbeiter wird, neue Industriejobs zu finden, ist auch das Ergebnis einer falschen Wirtschaftspolitik… …Dieses Land riskiert die Zukunft der Industrie auf dem Altar grüner Träumereien und alle Parteien, nicht nur die Grünen, machen mit. Keine Industrieansiedlung mehr ohne Proteste, keine Bereitschaft mehr, die Belastungen zu ertragen, die Produktion mit sich bringt – eine Vorruhestandsgesellschaft macht es sich gemütlich. Dass Wohlstand erarbeitet werden muss, gerät zunehmend in Vergessenheit. In China, Indien und den USA liegen sie wahrscheinlich gerade lachend vor ihren Schreibtischen. 3.000 Opelanern wird das Lachen heute vergehen.“

    Also, auch ich habe das so wie Stranger verstanden.

    Was mich aber mehr nervt als Ihr Artikel, ist die Tatsache, dass die Politik in Bochum und NRW gerade dabei ist, die Karre im Revier ganz an die Wand zu fahren. Wie Sie in Ihren regelmäßigen Gorny-Diss-Artikeln richtig schreiben, ist der Versuch, das Ruhrgebiet als wirtschaftlich relevanten Kulturstandort aufzubauen, kläglich gescheitert. Andere zukunftsweisende Projekte, die in nennenswerten Umfang Arbeitsplätze schaffen, sind mir nicht bekannt. Ein gemeinsames Entwicklungskonzept Ruhr? Fehlanzeige? Der Bau von Shopping-Centern bringt vielleicht kurzfristig ein paar Leute in Lohn und Brot, aber wer soll in denen Einkaufen? Dank einer miserablen Bildungs- und Familienpolitik, einer auf den Hund gekommenen kommunalen Politikkultur ist es für junge Familien absolut unattraktiv nach Bochum zu ziehen. Von den zwei Familien, die ich kenne, die in den letzen Jahren von Berlin nach Bochum gezogen sind, war die eine wegen eines akut gewordenen Hauskredits gekommen, weil sie hier als Akademiker billig wohnen konnten und so in kurzer Zeit aus den Miesen kamen. Mittlerweile sind sie wohl wieder in Berlin.

    Stellen Sie sich vor, VW, Audi, Siemens, Microsoft, Bertelsmann oder wer auch immer würde planen, ein Werk oder ein Entwicklungszentrum in Bochum aufzumachen. Dem Verhandlungsführer müssten neben den Due-Dilligence-Prüfern sicherlich noch eine Handvoll Aufpasser aus der Anti-Korruptionsabteilung an die Seite gestellt werden, bei dem Ruf, den Sich Bochum mit der Stadtwerke-Affäre erworben hat. So etwas ist absolut tötlich.

  • #37
    Arnold Voss

    Stefan Laurin # 34

    Stefan, das ist mir zu pauschal. Welche Arbeitsplätze? Welche Investoren? Welche Betriebsformen? Wer nimmt was gerade kommt, der kann keine Strukturprobleme lösen sondern er verschiebt und verschleiert sie nur.

  • #38
    Mimi Müller

    Aufschlag Herr Voss.

    Dann ist die geistig-dominante Männerriege ja wieder vollständig versammelt – da weiß man, was kommt.
    Ein guter Zeitpunkt, sich artig zu verabschieden und „brav“ zu Bett zu gehen.
    Sie kommen wunderbar alleine zu Recht, meine Herren, dessen bin ich gewiss.

    Und wenn ich auch mal loben darf, Herr Voss:
    Sie haben vollkommen Recht. Sie haben das Thema verfehlt.

  • #39
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mimi Müller: ich trink noch eine Flasche Böll. Böll – das einzige Bier, das betroffen macht 🙂

  • #40
    Arnold Voss

    Sorry Mimi, aber sie haben hier doch klasse aufgespielt. Warum also jetzt schon ab ins Bettchen?

    ..und noch ne Verständnisfrage: ich habe vollkommen Recht und trotzdem das Thema verfehlt?

  • #41
    Mimi Müller

    Na denn: Prost. Trinken Sie ruhig eines mehr, halten Sie sich nicht zurück, ein bißchen Betroffenheit tut Ihnen bestimmt gut. Ich hole mir einstweilen an der Tanke ein Fläschlein Bölkstoff.

  • #42
    Franz Przechowski

    Armer Stefan!
    Bin mir sicher, daß Du den Artikel sehenden Auges hinein in den zu erwartenden Shitstorm geschrieben hast. Nun hängen Dir die Scharen der ewigen Besserwisser, sozialistischen Ideologen, Ruhrpott-Heulsusen, überzeugter Fortschrittsverweigerer, naiver Weltverbesserer, penetranter Gutmenschen und vielleicht auch noch der liebe Gott zerrend und keifend an den Hosenbeinen. Du tust mir leid, aber der Überbringer von schlechten Nachrichten war in der Geschichte noch nie besonders beliebt. Halte Du durch – ich halte zu Dir.

  • #43
    Mimi Müller

    Sie sind ja richtig pfiffig, Herr Voss! (Frau Müller lacht)!

    Bevor Sie auch noch charmant werden: ich geh gezz anne Tanke. Oder ich mach Eierpunsch. Vielleicht aber auch Eiernudeln, weil: die Suppe (Hochdeutsch:Conzommäh), die hab ich schon. Feddich. Auf keinen Fall aber, Herr Voss, werde ich hier jetzt noch verweilen. Ich möchte den guten Eindruck, den ich wenigstens einmal bei Ihnen hinterlassen konnte,(Heuchler 😉 ) in keinster Weise trüben. Lieber betrink ich mich.
    Nacht.

  • #44
    Mimi Müller

    Hömma, Przechkowski, sach nich nomma Ruhrpott-Heulsusen, wennze mich meinz.
    Dann gippt nemmich Ärger.

  • #45
    Helmut Junge

    Die Moderatorin geht?
    Ich hoffe nicht.
    Eine beinah-Ex-Nachbarin aus dem nahen Lirich.
    Frau Müller, vielleicht waren Sie auch, wie ich als Kind, zwischen Westmarkstraße und Gasometer im Kanal schwimmen. So etwas schweißt zusammen.
    Sehen Sie, mittlerweile teile ich Ihre Position wegen der Gefahren des Frackings sogar.
    Ich muß jetzt allerdings erst mal die Methode suchen, von der @Stefan Laurin (32) sagt, dass es sie gäbe. Wenn die mir unverdächtig erscheint, kann es sein, dass ich auf die andere Seite springe.

  • #46
    Hans Meier

    @ 34, Natürlich sehen Sie die Fakten klar und logisch.

    Lassen Sie sich von dem „Gesülze“ so einiger Standart-Kommentatoren nicht daran hindern, Ihre Ansicht zu vertreten.
    Es ist ja gerade der Vorteil eines unabhängigen Blogs, auch im „Revier“ einen „Hauch der Vernunft“ (statt Hanf) wehen zu lassen, frei von politischem „Dunstverhalten“.
    Auch wenn ich die Begeisterung für die Marke Opel oder etwa anderer Fahrzeughersteller gelassener sehe, es sind die Arbeitsplätze einer entwickelten Industrie, die in NRW bedroht sind und damit den privaten und öffentlichen Wohlstand an Einkommen und Steuereinnahmen verringern.
    Es sind die strukturellen Bedingungen eines internationalen Wettbewerbs in der Wirtschaftspolitik die Unternehmen mit ihren Beschäftigten als auf der gleichen Seite eines gemeinsamen Interesse sehen können, wenn`s klug läuft.
    Nur ist diese Sichtweise manchen nicht möglich und manche führen Konflikte auf, deren Folgen eben zu strukturellen Problemen beitragen.
    Zum Beispiel kostet völlig überteuerter elektrischer Strom die Bevölkerung Kaufkraft, die Unternehmen das überleben am Standort und die Politik das Vertrauen zufriedener Verbraucher.
    Zum Fracking, bzw. den Versuchen von diversen US-Aktivisten mit gefälschten Darstellungen vor Gericht Schaden-Summen in enormer Höhe gegen Gaskonzerne zu gewinnen, hilft vielleicht der Link und die eingehendere Betrachtung.

    http://www.eike-klima-energie.eu/energie-anzeige/schwierigkeiten-eines-anti-fracking-spielfilms-in-hollywood/

    Das erwähnte „Video, brennendes Wasser“ wurde zwar im deutschen Fernsehen gezeigt, aber die Pleite der „Filme-Macher“ vor Gericht, als vorsätzlichen Fälschung entlarvt geworden zu sein, verschwiegen.

  • #47
    Unwissender

    Wenn man den täglichen Berichten über den Fachkräftemangel in Deutschland Glauben schenkt, dürften sich die Opelaner doch garkeine Sorgen machen.

  • #48
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Unwissender: Sie haben in Bayern und Baden Würtemberg sicher gute Chancen.

  • #49
    Franz Przechowski

    Hömma Mimi Müller, du bizz doch sia die Olle Ulonska aus GE-Ärle und posaunst dat watte bei dä sozialistischen Frauenbund 1981 auffe Kegelbahn bei Thereses „Westfalenstube“ gehört hass.
    Falls Sie, liebe Mimi Müller, nicht Genossin Ulonska aus GE-Erle seien sollten, bitte ich meine durchaus lieb gemeinten, aber möglicher Weise missverständlichen Ausführungen zu entschuldigen.

  • #50
    Puck

    Billige Energie ist sicherlich nicht schädlich – aber auch mit billiger Energie kann Deutschland nicht mithalten mit Billiglohnländern, jedenfalls nicht, wenn es um 08/15-Produkte geht.
    Was fehlt ist weniger die billige Energie – und im übrigen auch nicht niedrigere Löhne – sondern Innovation.
    Ich kenne eine Firma für Maschinenbau, die trotz Krise gut dasteht, weltweit exportiert – und ausschließlich in Deutschland fertigen läßt (soviel zum Thema die Lohnkosten in D sind zu hoch!) – aber sie liefert ausschließlich Spitzenprodukte! „Made in Germany“ hat noch immer einen ausgezeichneten Ruf – aber ich befürchte, daß man den woanders langsam verspielt.
    Ich arbeite im Stahlhandel. Mit normalem Wald-und-Wiesen-Stahl-St37-St52 kann man kein Geschäft mehr machen.
    Mit Spezialstahl aber schon.
    Die Arbeiter des Stahlwerkes in Rheinhausen hatten zwar meine Sympathie, und ich kann Juppi-Kruppi-Cromme bis heute nicht die Ihr-kleinen-Scheißerchen-geht-mir-am-Arsch-vorbei-Miene verzeihen, mit der er sich von der protestierenden Masse abwandte (ein PR-Faux-pas, den er sich heute nicht mehr leisten würde) – aber es ließ sich nicht verleugnen, daß es auf dem Stahlmarkt Überkapazitäten gab.

    Was nun speziell die Autoindustrie betrifft, hat man in D so manches verpennt. Während in den Chefetagen noch immer am Glauben fest gehalten wird, daß große teure Autos gewünscht werden, hat sich statt dessen heraus gestellt, daß vom Käufer viel mehr kleine, sparsame Wagen bevorzugt werden.
    Seit Jahren gibt es von Peugeot Rußfilter für Diesel, Stichwort: Feinstaub. Aber natürlich werden diese Filter nicht in deutsche Dieselmotoren eingebaut – man kündigte statt dessen an, eigene Filter zu entwickeln. Bei der Ankündigung ist es dann geblieben.
    Seit Jahren führen japanische Wagen die Statistik an, wenn es um die wenigsten Pannen und Mängel angeht (trotz der zwischenezeitlichen Probleme bei Toyota).
    Früher mußte man einen Mercedes vorbestellen – und BMW konnte sich erlauben, alles was über die Ausstattung eines „Käfer Standard“ hinaus ging, mit Aufpreis zu verkaufen. Heute werden Benz und BMW in der Radiowerbung zwischen den mit ausgesuchter Redundenz angepriesenen Samstagsangeboten bei LIDL und dem ähnlich penetrant beworbenen „Framstag“ bei Penny angeboten – nicht ohne zu versäumen, auch Gebraucht- und Tageswagen anzupreisen, mit (angeblichen) 0%-Zinsen-Krediten.

    Und was für alle anderen deutschen Automarken gilt, gilt besonders für Opel. Seien wir doch ehrlich: Opel gilt seit 20 Jahren als piefiges „Fahrer-mit-Hut-Auto“. Das mag in diesem speziellen Fall an Entscheidungen liegen, die in Detroit getroffen werden, ändert aber nix an der Tatsache.

    Die Arbeiter bei Opel machen seit Jahren eine Achterbahnfahrt durch, die ich meinem schlimmsten Feind nicht gönnen würde. Alle zwei Jahre wurde mit der Schließung des Werkes gedroht – was die Belegschaft üblicherweise aus der Zeitung oder dem Radio erfuhr, weil die Manager nicht den Arsch in der Hose haben, das der Belegschaft wenigstens persönlich zu verkünden (insofern muß Juppi-Kruppi-Cromme heute wohl noch als Vorbild gelten…). Jedesmal wurde dann die Schließung abgewendet duch die Entlassung von ein paar hundert Leuten und Lohnverzicht bei denen, die bleiben durften.
    Und ein Jahr später ging alles wieder von vorne los.

    Jetzt ist es also heraus.
    Ein für alle Mal.

    Bleibt die Frage der Zulieferfirmen, deren Arbeitsplätze jetzt ebenfalls perdu sind.
    Allerdings: Denen ging es schon seit Jahren schlecht. Für Opel oder VW zu arbeiten, machte sich immer gut in der Referenzliste – aber ein Vergnügen war das noch nie. Für die Autoindustrie zu arbeiten gab dem Wort „Knebelvertrag“ eine ganz neue Dimension. Die haben sich immer von einem Jahr zum nächsten gehangelt, immer am Rande der Insolvenz.
    Und auch das ist ein Symptom dessen, was schief läuft. Man hält daran fest, weils ja früher gut gegangen ist, anstatt sich anders zu orientieren.

    Dafür fällt mir ein anderes Beispiel ein: Eine Dosenfabrik in GE. Stellte ausschließlich 0,33l-Dosen her. Vor allem für Coca-Cola. Und als das Dosenpfand-Gesetz drohte, hoffte man auf eine „Lex-Coca-Cola“ oder sowas.
    Und als das Dosenpfand dann tatsächlich kam, drohte das Aus. Der Bürgermeister – das war damals noch Wuttke – hielt eine flammende Rede gegen das „Dosenpfand von Trittin“ – was nicht stimmte, es war das Dosenpfand von Herrn Töpfer, Trittin mußte es nur durchsezten. Und was Wuttke außerdem vergessen hatte: In er ersten Stunde des BWL-Unterrichtes wird einem beigebracht, daß man einen Betrieb nicht mit nur einem Prudukt führen kann.
    Ein klassischer Mangement-Fehler also.
    Hat 700 Arbeitsplätze gekostet.
    Der Betrieb besteht weiter und fertigt jetzt andere Dosen. Ging auf einmal doch – nur eben mit 700 Leuten weniger.

    Denkfaulheit, das ist das Problem.
    Auch wenns um die Akzeptanz von neuen Technologien und damit verbundene Inkommoditäten für die Anlieger geht, der Punkt geht an Sie, Herr Laurin, aber das ist nicht die ganze Geschichte.

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  • #52
    S. Sauimend

    Ohweh,
    jetzt werden die Opelaner für das verschrobene Wirtschaftsdenken von Herren Laurin vorgeschoben.. echt peinlich sowas! 🙁

  • #53
    Unwissender

    @Stefan Laurin: laut Arbeitsminister Schneider gibt es auch in NRW einen Fachkräftemangel oder stimmt das etwa garnicht ?

    http://www.arbeit.nrw.de/arbeit/fachkraefte_sichern/index.php

  • #54
    68er

    Was ist das hier für ein Jammerladen? Konkrete Vorschläge, wie man einen neuen Strukturwandel auf den Weg bringen könnte, haben wir ja bisher nicht gefunden. Bevor Stefan Laurin die Ansiedlung zukunftsträchtiger Militärindustrie vorschlägt, sollten die Fracking- und Militärgegner, zu denen ich mich auch zähle, überlegen, wie man es schafft, das Ruhrgebiet so auf „Vordermann“ zu bringen, dass es ein Anziehungspunkt für die „Völker der Welt“ wird.

    Wie wäre es damit, bei EU und Bund Geld für die Planung eines zukunftsträchtiges klimaneutrales ÖPNV-Systems für das Ruhrgebiet locker zu machen? Die Uni Duisburg-Essen ist doch für ihre Verkehrsforschung bekannt, könnte man das nicht ausbauen?

    Wie wäre es damit, bei Neubausiedlungen Blockheizkraftwerke oder Geothermie zur Pflicht zu machen? Bei der Geothermie ist Bochum in der Forschung vorne dabei. Wenn man zugleich noch die RAG (oder wer auch immer derzeit die Montanrechte besitzt) dazu bewegen könnte, die heißen Grubenwässer nutzbar zu machen, wäre das vielleicht auch ein Beitrag Fracking auf eine Zeit zu verschieben, wo man das Gas vielleicht dringender braucht, als heute.

    Wie wäre es damit, in die Logistikbranche zu investieren? Macht es Sinn, dass täglich x-mal Postdienstleister verschiedener Firmen mit ihren Dieselfahrzeugen durch unsere Wohnquartiere fahren? Kann man das anders regeln? Wie wäre es mit vollautomatischen oberirdischen oder besser noch unterirdischen Containersystemen? Einkauf per Smartphone oder Tablet-PC und 20 Minuten später schiebt der Roboter den gekühlten Einkaufscontainer in die Wohnung. Wie könnte man solche Systeme an den Schienenverkehr koppeln?

    Wie wäre es damit, die von den Kirchen immer mehr vernachlässigten sozialen Strukturen (Kindergärten, Familienzentren, Krankenhäuser, Jugend- und Erwachsenenbildungsstätten) in die politische Gemeinde zurück zu holen und damit den inneren Zusammenhang zwischen der Menschen zu stärken? Früher gab es hier im Ruhrgebiet Arbeitervereine, den Zusammenhalt der einzelnen Betriebsangehörigen, es gab kirchliche Vereine und Gemeinden, in denen die Menschen sich trafen und austauschen. Mt dem Sterben der Zechen und großen Industriebetriebe und der Säkularisierung und religiösen Zersplitterung der Gesellschaft fallen diese Bindungen ersatzlos weg. Das Resultat ist eine apathische Gesellschaft, in der der Einzelne zwar genau merkt, wie es bergab geht, er aber mangels sozialen Austauschs, fortschreitender medialer Vermüllung und drohender Prekarisierung davon abgehalten wird, sich dagegen zu wehren. Über den Zustand unserer politischen Parteien und Gewerkschaften muss ich hier ja nichts weiter ausführen.

  • #55
    Mimi Müller

    Moinmoin.

    Ach, Herr Junge,
    wir haben viel mehr Gemeinsamkeiten, als Sie bislang annahmen. Aus irgendeinem Grund bin ich aber ein so rotes Tuch für Sie (gewesen?), daß Ihr Zorn Sie zuweilen von meinem Inhalt ablenkt. Kenn ich, passiert mir auch gelegentlich,ich brems mich aber sehr zügig wieder ein.
    Schön jedenfalls, dass wir uns hier annähern konnten…
    Ich vermute mal, ich bin Ihnen irgendwann (ich glaube sogar zu erinnern, daß wir uns auch damals schon einfach nur missverstanden) zu ruppig gekommen.
    Ich bin überhaupt oft ruppig, glauben Sie mir: Blond unter lauter Geistesgrößen – das ist auch ein Schicksal. Da wird man so, wenn man nicht unentwegt bis zum Erbrechen charmant sein will, um Gehör zu finden. Will ich nicht. Ich kann auch ruppig…

    Herr Meier #46

    Alles Fälschung.
    Die hier, in dem folgenden Beitrag vom ZDF und nicht aus Hollywood:
    auch gefälscht ? Alles gefälscht?

  • #56
    Arnold Voß

    Ein Teil der Leute wird mit Sicherheit neue Arbeitsplätze bekommen. Selbst innerhalb des Ruhrgebietes. Aber bei den älteren Arbeitnehmer wird es schwierig. Hinzu kommte, dass Zulieferer wohlmöglich den gesamten Standort verlagern, und das wird zusammen mit dem Verlust von Opel selbst zu erheblichen und dauerhaften Steuereinahmeverlusten führen.

    Insgesamt wird also die hochverschuldete Stadt Bochum und die hochverschuldete Region unter weiteren finanziellen Druck geraten und das Land NRW immer weniger in der Lage sein, zu helfen. Da hilft nur, dem Konzern selbst noch mehr Geld abzupressen, oder wie man offiziell sagt ihn „in die Pflicht zu nehmen“.

    Das ist zwar mehr als fair, aber wenn man keine eigenen Ideen hat (siehe Pucks und 68gers ausführliche Hinweise und Anregungen 50 + 54) dann hilft das letztlich wenig, bzw. ist dann auch das Geld schnell wieder verpulvert, ohne das die Strukturprobleme der Region gelöst werden. Es geht dabei im Kern um die Rückgewinnung bzw. Stärkung der regionalen Selbststeuerung im Rahmen des internationalen Wettbewerbs.

    Das geht aber nur, wenn man einerseits die eigene Wettbewerbsfähigkeit steigert und andererseits dabei die Betriebe besonders unterstützt bzw. zu Innovation bringt, die in der Region zu bleiben gewillt sind. Dazu gehören vor allem die mittelständische Unternehmen und die Konzerne die hier ihren Hauptsitz haben und diesen auch auf längere Sicht nicht aufgeben wollen bzw. müssen.

  • #57
    Volker Steude

    Ich denke auch, jetzt ist die Zeit zu überlegen, was kann nach Opel kommen. An der bestehenden Misere lässt sich nichts mehr ändern. Wenn aber direkt auf die Schließung der Werkstore die ersten Schritte in Richtung Zukunft erfolgen, werden die Friktionen für Bochum erträglich bleiben.

    Die hoch automatisierte Automobilproduktion bei Opel steht für Technologie und Wissen, die Standorte der drei Werke stehen auf den Geländen früherer Zechen, seit Jahrzehnten werden diese Bochumer Orte also geprägt durch Technik und Technologie. Es bietet sich daher an, diese Tradition an dieser Stelle fortzuführen. Die Ansiedlung von privaten Einrichtungen von Wissenschaft und Bildung könnte daher ein Ziel sein. Doch dazu wäre es förderlich, wenn die Stadt und das Ruhrgebiet ein deutliches Signal setzen, dass sie diese Entwicklung anstrebt und unterstützt.

    Das Zeichen könnte die Einrichtung eines Science-Center sein, einer permanenten multimedialen technischen und naturwissenschaftlichen Ausstellung sein. Ein solches Science-Center oder Exploratorium verfolgt das Ziel, den Besuchern durch eigenständiges und spielerisches Experimentieren technische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge und Phänomene aus den Bereichen der Naturwissenschaften und/oder Technik nahe zu bringen. Sinnvoll ergänzt werden solche Ausstellung regelmäßig durch Exponate, die die historische Entwicklung der Technik dokumentieren oder zukünftige technische Entwicklungen und Visionen visualisieren.

    Weitere Gedanken zu von mir zu dieser Idee:

    http://baeh-buerger.buergerbegehren-musikzentrum.de/2012/12/11/was-folgt-auf-opel-ein-science-center/

  • #58
    Walter Stach

    -33-
    Arnold, d a s sind Ideen, die in der Runde von Wirtschaftsfördern aus Politik und Verwatung des Ruhrgebietes diskutiert werden müßten. Daraus lassen sich konkrete strategische Ziele entwickeln und unterhalb dieser Ziele könnnten Handlungsfelder und danach konkrete Maßnahmen beschlossen werden.

    Ich sehe allerdings weit und breit niemanden aus dieser Runde, der bereit sein könnte, solche und ergänzende Ideen dazu überhaupt aufzugreifen, um Gewerbe- und Industriepolitik im Revier „neu zu denken“.

    Zumindest könnte der eine oder der andere Wirtschaftsförderer in seiner Stadt sich ‚mal Zeit nehmen, über Deine Ideen nachzudenken und für sich überlegen, ob und wie er in seiner Kommune darauf gestützt „etwas bewegen kann“. Aber auch diesbezüglich scheint „die Lage hoffnungslos“.

    Deine Ideen hätten beispielsweise dem sog. „New!“-Park gut zu Gesicht gestanden. Aber das Gegenteil ist der Fall. „Man“ plant auch hier einen Industriepark mit einigen marginalen Neuerungen, der aber in seiner Substanz als klassischer Industriepark angelegt ist, in dem man vor allem „international agierenden Unternehmen“ ansiedeln möchte -Größenwahn-.

    (Erfreulicherweise scheint es jetzt so zu sein, daß die Landesregierung mehr und mehr von diesem Phantom-Projekt New-Park abrückt, was dadurch befördert wird, daß ca.160 ha Opel-Gelände demnächst fix und fertig erschlossen für Nachfolge-Ansiedlungen industriell-gewerblicher Art verfügbar sind.Die Nutzung Opels-Areales für industriell-gewerbliche Neuansiedlungen hätte nicht nur den Vorteil, daß Millionen Steuergelder für den Kauf des New-Park-Geländes und für dessen innere und äußere Erschließung erspart würden, sondern zudem eine Freifläche, die derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, nicht „zu betoniert“ würde.)

    Auf Grund vieler vorangegangener Beiträge stelle ich für mich fest:

    1.
    Wir haben im Revier genügend Flächen für gewerblich-industrielle Neuansiedlungen.Es bedarf nicht der weiteren Zerstörung des Freiraumes.

    2.
    Wir haben im Revier noch ein quantitativ und qualitativ befriedigendes Angebot an Arbeitskräften.
    (Hier besteht allerdings Anlaß, über die Lösung der sich abzeichnenden Probleme -sh.Demogr.Wandel-ruhrgebietspezifisch nachzudenken, und zwar gründlicher als bisher.
    (In Waltrop hat sich vor einigen Wochen ein mittelständisches Unternehmen angesiedelt mit der Begründung, daß es hier im nördlichen Ruhrgebiet noch beste Möglichkeiten erkennt, seine Nachfrage nach Arbeitsplätzen befriedigen zu können.)

    3.
    Wir haben trotz aller Kritik und trotz aller Verbesserungsmöglichkeiten im Ruhrgebiet eine Infrastruktur -Straßen,Schienen,Wasserwege/Universitäten,Schulen,Kindergärten/,Krankenhäuser/Kultur- und Sporteinrichtungen/ u.a.mehr-,
    die sich im Wettbewerb mit anderen Standorten durchaus -noch?-sehen lassen kann.

    Was wir haben, aber was wir n i c h t n u t z e n , sind die Ressourcen „Wissen und Verstand“ in der Bürgergesellschaft des Ruhrgebietes , und zwar in allen gesellschaftlich und staatlich/kommunalen Themenfeldern, eben auch in der komm.Wirtschaftsförderung.
    Alleine das Potential, das dazu an den Universitäten, den Hochschulen, den Instituten des Reviers vorhanden ist, bietet dem Revier doch beste Chancen, anders als bisher, kreativer und innovativer als bisher, aber auch weniger von den Interessen derjenigen in Politik/Wirtschaft/Gewerkschaft (en)dominiert, die aus ihren alten Denkstrukturen nicht herauskommen, über die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Ruhrgebiet nachzudenken.

  • #59
    Mimi Müller

    Und, Herr Meier, bevor ich es vergesse:

    Die Web-Side, auf die Sie da verweisen, ist vom „Europäischen Institut für Klima und Energie“. Das klingt ja ganz wunderbar, aber wir leben in Zeiten des Internets und da ist das, was man sonst noch darüber wissen sollte, immer nur einen Klick weiter weg. Hier zum Beispiel:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_Institut_f%C3%BCr_Klima_und_Energie

    Und dann wissen wir viel besser, was wir davon zu halten haben.
    Und das lassen wir natürlich mit einfliessen, in die Bewertung dessen, was Sie uns ansonsten weisszumachen wünschen.

    Und dann nehmen wir auch einmal die Studie des Europäischen Parlaments, Generaldirektion Interne Politikbereiche, Fachabteilung A, Wirtschafts- und Wissenschaftspolitik, mit dem Titel “Auswirkungen der Gewinnung von Schiefergas und Schieferöl auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit”, aus dem Jahre 2011 zu Hand, die man auf dieser Seite
    http://politropolis.wordpress.com/2012/06/19/eu-studie-zu-fracking-riskant-gefahrlich-mogliche-fordermengen-zu-klein/
    unten downloaden kann.

  • #60
    Helmut Junge

    @Mimi Müller (55),
    Frau Müller, dass Sie mir damals, nach Ihrer Erinnerung, wegen eines Mißverständnisses „ruppig“ gekommen sind, ist 2 Jahre, 3 Monate, 25 Tage, 8 Stunden und 59 Minuten her.
    Das habe ich längst vergessen.

    (Die Zeiten habe ich jetzt gerade aus dem Netz gesucht und aus Scherz nachgerechnet. Nicht, dass Sie denken, ich wäre nachtragend. Ich doch nicht!)
    Aber psychologische Prozesse laufen ja nicht bewußt, sondern unterschwellig ab.
    Ich werde in Zukunft darauf achten, dass ich Sie inhaltlich verstehe.
    Schließen wir also Frieden, wo es zumindest an der Oberfläche gar keinen Krieg gab. Davon abgesehen kann ein inhaltlich orientierter Diskurs gelegentlich auch ganz schön heftig werden. Mit mir übrigens weniger als mit anderen, denn seit mir vor langer Zeit @Höddeldipöpp „Konzilianz“ bescheinigt hat, reiße ich mich sowieso schon zusammen, auch wenn einige Kommentatoren jetzt lachen mögen.

  • #61
    Mimi Müller

    @Helmut Junge

    ja, drehen wir den Spieß mal um und spielen unseren Unterbewußtsein mal einen gehörigen Streich. Schließen wir Frieden, auch ohne Krieg. Frieden. Das ist immer eine schöne Sache.
    Und lassen Sie die anderen „Kommentatoren ( ich hätte jetzt wieder völlig unkonziliant „Blitzbirnen“ geschrieben, schon um die zu ärgern),
    also: lassen Sie sie lachen.
    Und: Lassen Sie sich von Süßholzrasplern, die sich zudem noch „Höppeldipöpp“ nennen, am Besten gaggaa gar nix bescheinigen…
    Auf zweifelhafte Komplimente können Sie wie ich gut und gern verzichten. Da erlauben wir uns doch besser hin und wieder ein paar Ruppigkeiten 😉

    So. Und wo is gezz diesen dämlichen gefällt-mich-batten von Sie?

    (Frau Müller lacht , schwenkt nomma dä Hut und geht ab na Bett…)

  • #62
    Hans Meier

    @ 59 Sie haben eine Meinung die Sie mit Ihren ausgewählten Darstellungen und Bewertungen erheben, das ist Ihr gutes Recht.
    Genauso wie es mir möglich ist meine eigene Meinung zu vertreten, gestützt auf meine Informationen – und was nun?
    Wollen Sie mich weiter „bekehren“ Ihrer Angst-Meinung beizutreten?
    Soll ich von meiner nüchternen rationalen Sichtweise, das jede Technik zwar ein mögliches Gefahrenpotenzial hat, zu den Sicherheits-Esoterikern konvertieren?

    Es ist zwar eine Tatsache, das Atom-U-Boote, Flugzeugträger und Eisbrecher seit vielen Jahrzehnten unterwegs sind und die Besatzungen nicht mehr verstrahlt als Flugpersonal von Bord gehen, nur wer will das lesen oder glauben, das die „dicksten Batterien“ halt funktionieren. Die Franzosen erzeugen dreiviertel ihrer elektrischen Energie mit Kernkraft, die sind doch nicht hysterisch.
    Hätte ich keine Zuversicht in das was Ingenieure „auf den Markt bringen“, wäre ich in einer Zeit die voll von Alltagstechnik ist, die mir das Leben erleichtert ein armer alter Wicht.
    Umzingelt von teuflischen Gefahren, bedroht von permanenten Katastrophen in ständiger Sorge, meine „Restlaufzeit“ zu verlieren.

    Im Übrigen, 1967 war mein erstes Auto ein Opel Kadett B mit dem ich grenzwertig fuhr. Später Käfer, mit verändertem Fahrwerk, um im Regen die viel stärkeren BMW´s in den Kurven zu kassieren, sehr lange her.
    Aber auch zu der Zeit gab`s komische Aktivisten, die sich mit ihrem „Föhn“ vom Weltuntergang oder sozialistischen Visionen aufgockelten.
    Nichts für Ungut, vermutlich sind Sie noch sehr sehr jung, haben eventuell noch die Chance in Handwerk, in Maschinenbau und den Hochschulerweiterungen sich weiter und rationaler zu entwickeln.

  • #63
    Puck

    @Volker Steude

    Zitat: „Ich denke auch, jetzt ist die Zeit zu überlegen, was kann nach Opel kommen. An der bestehenden Misere lässt sich nichts mehr ändern. (…) Zitat Ende

    Das sehe ich genauso, außer daß man sich besser schon vor Jahren Gedanken gemacht hätte, was nach Opel kommt.
    Seit Jahren geht das Gewürge, wird das Werk geschlossen, oder kann man es noch retten, und wenn ja, wieviele hundert Leute werden dann entlassen und wie hoch ist der Lohnverzicht bei denen, die bleiben dürfen.
    Das macht nur mürbe. Das ist wie Strampeln im Hamsterrad.

    Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, war das Opel-Werk bei seiner Errichtung 1960 äußerst umstritten – weil man befürchtete, daß dadurch dem Bergbau Arbeitskräfte entzogen würden.
    Weil, der Bergbau, das war doch das Ruhrgebiet, das war eine sichere Bank, Ruhrgebiet ohne Bergbau, das gibts doch gar nicht.
    Nur wenige Jahre später gabs die erste Bergbaukrise…
    Und dann gabs Subventionen für den Bergbau, bis alle Zechen doch noch einen durch Subventionen verlängerten Tod starben.
    Und das ist leider die Blaupause für die Wirtschaftspolitik im Ruhrgebiet (oder in D überhaupt?)
    Man verläßt sich einfach auf das, was doch schon die letzten 150 Jahre ganz gut gegangen ist. Und wenns dann nicht mehr so gut geht, versucht mans trotzdem noch ein bißchen weiter, pulvert noch ein bißchen mehr Geld rein, und noch ein bißchen mehr, und beklagt dann, daß man nicht so einfach was aufgeben kann, in das man schon so viel investiert hat!
    Es kommt mir so vor, als wäre der Bergbau ein Menetekel für das, was jetzt bei Opel abläuft.
    Wenn alles schief läuft, wird demnächst nicht nur das „Steigerleid“ bei jeder Festivität abgesungen, sondern auch eine Opel-Hymne.

    Nicht, daß mich hier jemand mißversteht: Der Bergbau ist zweifellos ein substantieller Bestandteil der Identität des Ruhrgebeites. Der hat die Menschen hier geprägt, kein Vertun.
    Doch, das hat schon einen ganz besonderen Menschenschlag hervor gebracht.
    Und das war nicht vorbei, als die letzte Zeche schloß.
    Nur stößt mir zunehmend die zuckersüße Nostalgie auf, mit der man die harte Realität verkleistert.
    Ich kenne noch die alten Männer mit „Staublunge“, wenn die gehustet haben, hörte sich das an, als wenn Würfel im Becher geschüttelt wurden, und die husteten praktisch dauernd, bis sie so mit 70 ausgehustet hatten, wenn sie das Glück hatten, so lange zu husten…

    Und das schlimmste ist: Nostalgie verkleistert nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft.
    Was Nostalgie von Tradition unterscheidet.

    Man sollte nie vergessen, wo man her kommt.
    Wo man hin will, kann aber auch ganz interessant sein.

  • #64
    Mimi Müller

    „Meier“

    Ihre durchaus eloquenten, aber weder humor- noch geistvollen Herabsetzungen sollten Sie sich unbedingt für die Zukunft sparen! Da liegen Sie dann auch mal vorne…

    Vermutlich aber sind Sie schon steinalt und schaffen es gar nicht, sich mit komplizierten Sachverhalten in einer immer komplexer werdenden Welt hinreichend auseinanderzusetzen.

    Macht nix: wenn`s für die Seniorenuni nicht mehr reicht, steht Ihnen ja immer noch der Weg zur Volkshochschule offen. Da gibt es auch Schrauberkurse.

    Aber lassen Sie sich von meinem „Gesülze“ und dem „so einiger Standart-Kommentatoren“ bloß nicht daran hindern, Ihre Ansicht zu vertreten!

    Übrigens:

    Als Sie dem armen Käfer ihr verändertes Fahrwerk verpassten, um BMW`s (!) bei Regen in Kurven abziehen zu können (!), da wußte ich schon, wie man die Ventile richtig einstellt, wieviele Säcke Sand ich wo unter die Haube zu legen hatte, wo es die richtigen Regenreifen zu kaufen gibt – und: wie man sie aufzieht.

    Sie gehörten zu den „Käferfahrern“, über die ich damals schon nur lachen konnte…

  • #65
    Walter Stach

    63-Puck:
    Nostalgie in den Köpfen vieler Menschen im Revier? Nostallgie in den Köpfen vieler Politiker in den Kommunen des Reviers? Ja, und ich teile Ihre Meinung, daß die Industriegeschichtes des Reviers einen besonderen Menschenschlag hervorgebracht hat, der, jedenfalls zum Teil, besonders ausgeprägt nostalgische Gefühle zu haben scheint, die sein Denken und Handeln bestimmen.

    Es gibt aber im Ruhrgebiet zudem Menschen, die trotz nostalgischer Gefühle, die trotz ihrer Prägung durch die Industriegeschichte des Reviers überdurchschnittliche kreative, innovative Fähigkeiten besitzen und die insgesamt über ein riesiges Potential an Wissen und Verstand verfügen -sh.mein Beitrag
    -58-,abschließend-.

    Es gelingt uns nicht, diese Fähigkeiten zu nutzen, dieses Potential auszuschöpfen, wenn es darum geht, strategische Ziele für das Revier zu entwickeln ,diesen dann in allen gesellschaftlichen Themenfeldern Rechnung zu tragen und letztlich konkrete Projekte, konkrete Maßnahmen anzupacken, die kompatibel sein müssen mit den strateg.Zielen.

    Wir haben uns hier bei den Ruhrbaronen schon mehrfach gefragt, warum das nicht,
    zumindest nicht hinreichend zu gelingen scheint. Eine überzeugende Antwort, die dann zu überzeugenden Problemlösungen führen könnte, haben wir bis heute nicht gefunden.

    PS
    Nach dem Lesen des einen oder des anderen vorangegangen Beitrags frage ich mich, ob wir hier über Ursachen und Folgen der Opel-Werkschließung für Bochum und das gesamte Ruhrgebiet diskutieren oder über? Ja über was denn ?

    Und wenn „man“ meint, dem Anderen mit Spott begegnen zu müssen, dann habe ich das zu akzeptieren. Ich bin ja auch nicht frei von gelegentlich spöttischen Bemerkungen. Mir fällt dazu allerdings dann immer das Folgende ein -ich zitiere sinngemäß-:
    „Der Spötter meint, reich an Geist zu sein, er ist aber nur arm an Takt“.

    Ich erinnere mich nicht daran, von wem das stammt.

    Ich gehe zudem davon aus, daß der Begriff „Takt“ für einige nicht dem Zeitgeist entspricht;macht aber nichts.

  • #66
    der, der auszog

    „J u p p, k o m m n a c h B a y e r n!“

    … wenn es schon zum Opel-Aus keine Alternative gibt, dann aber zumindest für den Opel Mitarbeiter. Es wirkt vielleicht ein wenig antiquiert, in diesem zusammenhang einen Werbeslogan des Freistaates und seiner Automobilindustrie aus den 70ern aus der Tasche zu ziehen, aber den besten Tipp, den man derzeit einem Opel Mitarbeiter geben kann, ist, die Koffer zu packen, sich Kind und Kegel zu schnappen und nach Bayern, Baden-Würthemberg und sonstwohin zu ziehen, wo man zuverlässige Facharbeiter benötigt. Es ist ja nicht so, als hätten wir davon in Deutschland zuviele. Natürlich ist ein Umzug in eine andere Ecke der Republik mit sehr vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Aber das Ruhrgebiet zeichnet sich ja leider nicht nur durch seine hohe Arbeitslosigkeit aus, sondern auch durch seine Perspektivlosigkeit.

    Die Krise dieser Region, die durch Opel wieder einmal gnadenlos sichtbar wird, ist kein Produkt der jüngsten Vergangenheit. Sie wurde bereits Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts erkannt. Opel war der erste und wahrscheinlich größte Versuch, der Krise in der Montanindustrie wirtschaftlich etwas entgegen zu setzen. Ein anderer Lösungsansatz, das Ruhrgebiet zu retten, hiess Subvention, ein Sterben auf Raten, wie Puck ja bereits erleuterte. Das Ruhrgebiet hat über 50 Jahre Zeit gehabt, sich aus der Krise zu befreien. Wirklich etwas unternommen hat man allerdings nicht. Die Zauberwörter hiessen bis zum Schluss Kohle, Stahl und Großindustrie. Das, was andere Industrie- und Metropolregionen in Deutschland (und Europa) vom Metropölchen Ruhr unterscheidet, ist ein manigfaltiger Mix aus verschiedenen Industriebranchen. Und wenn wir über den Bergmann und über Traditionen reden, dann scheitert eine positive Zukunftsprognose für das Ruhrgebiet daran, dass man es hier immer schon zu verhindern wusste, dass sich Traditionen in Industriezweigen entwickeln, die nichts mit Bergbau, Stahl und der chemischen Industrie zu tun haben. Jetzt fehlen die Alternativen. Das Ruhrgebiet hängt den Industrieregionen, mit denen es konkuriert, um mehr als 50 Jahre hinterher. Diesen Vorsprung wird es nicht mehr aufholen können.

    Kommen wir von Opel zum zweiten Sorgenkind der Region, nämlich Thyssen-Krupp. Was wurde dieser Laden gefeiert, als er 2010 seinen Hauptverwaltungssitz von Düsseldorf nach Essen ins Ruhrgebiet verlegte. Man wollte als größtes Unternehmen, das im Revier produziert, ein Zeichen setzen, Vorbild sein für andere Industrieunternehmen, in der Hoffnung sie würden eventuell nachziehen. Zum Kulturhauptstadtjahr gab es obendrein noch einen Museumsneubau als Geschenk. Heute, gut zwei Jahre später, macht Thyssen-Krupp mit Milliardenverlusten Schlagzeilen, Missmanagement, Lustreisen, Korruption, Vetternwirtschaft, das volle Programm. Was ein Vorbild für die Region!

    Es sind aber nicht nur die Verantwortlichen bei Thyssen-Krupp, die derzeit das Ansehen des Ruhrgebietes einen erheblichen Schaden zufügen. Es sind auch die Politiker der größten Ruhrgemeinden, die das Image übermäßig in den Dreck ziehen. Ob ein Adolf Sauerland im Zusammenhang mit der Loveparade, oder ein Langemeyer mit seiner Haushaltslüge, ob die gegenwertigen Korruptionsfälle in der Duisburger Stadtverwaltung, oder ganz aktuell Ottilie Scholz mit ihren Hampelmännern Wilmert und Hellen. Für Menschen außerhalb des Reviers sind das keine Skandälchen in Duisburg, Dortmund oder Bochum. Sie nehmen diese Ereignisse wesentlich globaler wahr, nämlich als den Filz im Ruhrgebiet.

    Ich glaube, dass ein Großteil der Unternehmerschaft anders tickt, als das Management von Thyssen-Krupp oder GM im fernen Detroit. Ich glaube auch, dass ein Großteil der Kommunalpolitiker in anderen Wirtschaftsregionen anders tickt, als die Oberbürgermeister im Revier und ihre rechten, aber meist linken Hände. Klar gibt es Korruption auch woanders, siehe Siemens etc, aber sie wirkt nirgendwo in Deutschland so konzentriert, wie im Ruhrgebiet. Auch deshalb gebe ich dieser Region keine positive Zukunftsprognose. Unternehmer lesen auch Zeitung und sie sehen fern. Wenn sie sich enschliessen zu investieren, dann werden sie zusehen, dass das Risiko, welches damit verbunden ist, so klein wie möglich bleibt. Die politischen Risiken scheinen im Ruhrgebiet größer zu sein, als anderswo. Vielleicht nicht real, aber zumindest in der Wahrnehmung.

    Dem Metropölchen Ruhr wird nichts anderes übrig bleiben, als sich gesund zu schrumpfen, wobei gesund ein relativer Begriff ist. Die Menschen zumindest ziehen in der Regel dahin, wo es Arbeit gibt und nicht umgekehrt, auch wenn es da in Waltrop vielleicht die ein oder andere Ausnahme gibt. Einem Opelmitarbeiter kann man eigentlich keinen besseren Ratschlag geben, als hier abzuhauen.

  • #67
    Walter Stach

    Der,Der—66-:

    Beruf, Arbeitsplatz, Wohnort :
    Flexibilität der Arbeitnehmer, hier der Arbeitnehmer von OPEL, bietet ökonomisch für diese eine Problemlösung, die aber nicht ohne erhebliche Belastungen für den Arbeitnehmer (und seine Familie) zu haben und deshalb dem Einzelnen nicht “ s o o h n e W e i t e r e s “ abverlangt werden kann.

    Beruf,Arbeitsplatz,Wohnort:
    Flexibilität der Arbeitnehmer im Revier, wenn es um den Wechsel des Arbeitsortes und des Wohnortes über die Grenzen des Ruhrgebietes hinaus geht, war m.E. in der Vergangenheit nie zwingend geboten, zumindest sehr selten, und ist deshalb m.E. für die Arbeitnehmer im Revier keine Selbstverständlichkeit und deshalb besonders zu bedenken, wenn…… -sh.Jupp komm nach Bayern-.

    (Wir haben Anfang der 195o er Jahre erlebt, daß viele Bayern ins Ruhrgebiet gekommen sind, allerdings, soweit ich mich erinnere, nicht immer freiwillig, sondern weil die Westallierten verlangt haben, daß im Ruhrbergbau um beinahe jeden Preis die Kohleförderung durch den Einsatz aller in Deutschland „frei verfügbaren Arbeitnehmer“ erhöht werden mußte. „Gott sei Dank“ denken wir über eine Zwangsumsiedlung in umgekehrte Richtung heutzutage nicht einmal nach.)
    Aber….Der,Der………: Möglicherweise hat der Jupp ja schon „die Koffer gepackt“ und ich ordne ihn fälschlicherweise noch einer längst überholten Vergangheit zu.

    Im übrigen:
    Ich bin ja -sh.theoretischer Pessimist,praktischer Optimist-immer noch der Auffassung, daß der unaufhaltsame und unbestrittene demogr.Wandel (wir werden im Revier deutlich Weniger,wir werden noch “ Bunter“, wir werden eine wesentlich ältere Bevölkerung haben) sowie weitere gravierende Änderungen der Industriestruktur uns vielfältige Chancen, also nicht nur Risiken bieten, dafur zu sorgen,daß sich die Menschen im Revier auch zukünftig wohlfühlen können, egal,was immer zukünftig „Wohl-fühlen“ sein wird.

    W i r sind gefordert, nicht die jeweils A n d e r e n, dazu beizutragen, und zwar jeder nach seinen Fähigkeiten und jeder nach seinen Möglichkeiten.

    Idealistisch? Ja! Aber deshalb kein Unsinn, meine ich-.

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