DAZN-Moderatorin Laura Wontorra: ‚Ich bin nur Gesichtsvermieter!‘

Foto: Robin Patzwaldt

Das Eröffnungsspiel der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga bot am Freitag schier unzählige Geschichten. Das sportliche Statement des FC Bayern München, der bei Eintracht Frankfurt unerwartet hoch mit 6:1 gewann, war da nur ein Aspekt. Zu kommentieren gibt es nach dem Spiel heute auch noch das gellende Pfeifkonzert, das die Nationalhymne vor den Anpfiff begleitete und auch einen Platzsturm von Chaoten in der Halbzeit.

Etwas unter zu gehen droht in Anbetracht der immensen Themenfülle rund um das Spiel eine Bemerkung, mit der die DAZN-Reporterin Laura Wontorra aufwartete und durch welche sie allen Frauen und denen im Sportjournalismus im Speziellen einen echten Bärendienst erwies.

Seit Jahren schon sehen sich Sportjournalistinnen (vor allem auch im Fußball) mit besonders kritischen Augen betrachtet. Viele klagten deshalb seit langem über Sexismus und fehlende Chancengleichheit in einer von Männern dominierten Szene.

Häufig sahen sich Frauen völlig zu Unrecht als ahnungslos beschrieben und sexistisch auf die Rolle des ‚optisch netten Beiwerks‘ während einer Übertragung reduziert, die allerdings nicht viel ahnung von der Materie hätten. Logisch, dass die Betroffenen darüber dann sauer waren und immer wieder betonten, dass sie natürlich mehr seien als optische Reizpunkte für das von Männern dominierte Publikum.

Diese aufgeheizten Diskussionen machten es dann auch schwer tatsächlich sachliche Kritik an den Darbietungen der Journalistinnen zu üben. So gerieten auch hier im Blog Debatten über die Leistungen von ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann regelmäßig auf Abwege, drohten der Sache im Kern nicht gerecht zu werden, obwohl es an Frau Neumanns Art zu kommentieren tatsächlich viel zu kritisieren gibt. Versucht  man dies, wird man jedoch schnell regelrecht als Frauenfeind und Sexist abgestempelt. Das habe ich selber schon erlebt.

Umso erstaunter war ich, als ich gestern die Antwort von Reporterin Laura Wontorra auf DAZN hörte, als diese in der Halbzeitpause des Spiels der Eintracht gegen die Bayern, beim Stande von 0:5, von Experte Sandro Wagner, der hauptberuflich selber als Trainer im Fußball tätig ist, gefragt wurde, mit welcher Taktik sie denn die Eintracht in die zweite Hälfte des Spiels schicken würde. Würde sie einen eher defensiveren Ansatz wählen, oder aber ihr Team das Ergebnis mit offensivem Mut das Ergebnis zu verkürzen lassen versuchen? Eine durchaus naheliegende und berechtigte Frage, die Wagner da seiner Interviewpartnerin stellte.

Diese reagierte jedoch offenkundig überrascht und ziemlich mutlos. Sie versuchte sich zwar zunächst in einer kurzen Antwort, bemühte sich dann aber direkt darum sich für diese aus der Verantwortung zu stehlen, indem sie Sandro Wagner tatsächlich entgegnete ‚Ich bin hier nur Gesichtsvermieter‘.

Von dieser unerwarteten Aussage war ich auf der Couch sitzend und zu diesem Zeitpunkt zeitgleich beiläufig im Internet surfend tatsächlich so überrascht, dass ich direkt innerlich zusammenzuckte. Ich fragte mich, ob Wontorra das gerade wirklich so vor laufender Kamera gesagt hatte. Eigentlich war dies ja nicht zu glauben. Doch sie hatte es so gesagt! Ich habe es kurz darauf extra noch einmal überprüft.  Nicht nur, dass sich die seit Jahren stetig  auf der Karriereleiter aufsteigende Journalistin damit selber öffentlich in die Pfanne haute, sie erwies dadurch zugleich auch allen in diesen Berufen um mehr fachliche Anerkennung ringenden Kolleginnen einen echten Bärendienst.

Sicher, man kann sich jetzt natürlich auf den Standpunkt stellen, dass sie das doch sicher eher scherzhaft gemeint habe, dass Wontorra sich durch diese Antwort sympathisch bescheiden gegeben habe, sich nicht auf eine Stufe mit dem extrem selbstbewusst auftretenden Wagner stellen wollte, der ja von DAZN extra als Experte verpflichtet wurde und dessen Aufgabe es ja auch eigentlich gewesen wäre, die Taktik der Eintracht für die zweite Halbzeit einzuschätzen und die Gedanken eines Trainers in dieser Spielsituation zu erläutern.

Aber wäre es für die sportlich so erfahrene Wontorra auf der anderen Seite nicht ein leichtes gewesen, ihm die simple Frage kurz und fachlich zu beantworten? Viele Kolleginnen der Interviewerin, die sich nicht als reine ‚Gesichtsvermieter‘ sehen, dürften sich über diese Selbstverzwergung der DAZN-Mitarbeiterin nicht gefreut haben, denn es gibt ja zweifelsohne etliche Expertinnen unter den Fußballreporterinnen und Journalistinnen.

Eine Britta Hofmann von Sky, oder aber eine Kristina Inhof (inzwischen ORF) und eine Esther Sedlaczek (ARD) zum Beispiel, um hier nur ein paar Namen zu nennen. Ihnen allen wäre es sicherlich leicht gefallen Wagners Frage sehr selbstbewusst zu beantworten. Sich mit dem Nachsatz herauszuwinden zu versuchen, dass man ja nur ‚Gesichtsvermieter‘ wäre, war mit Sicherheit eine der schlechtesten möglichen Antworten, die Laura Wontorra in dieser Situation wählen konnte. Sie hat sich und ihren vielen ambitionierten sowie fachkompetenten Kolleginnen, die seit Jahren um mehr Respekt und Anerkennung kämpfen, dadurch einen echten Bärendienst erwiesen.

 

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5 Kommentare

  1. #1 | thomas weigle sagt am 6. August 2022 um 17:05 Uhr

    Bis grade eben dachte ich, dass stets die InterviewerInnen Fragen zu Strategie und Taktik stellen und nicht die „Experten“. So kann man sich täuschen.Nehmen wir mal an,dass Herr Wagner seine Frage scherzhaft gemeint hat,wieso kann man da nicht in Erwägung ziehen,dass die Antwort ebenso gemeint war. Ich würde das als erstes denken.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 6. August 2022 um 17:07 Uhr

    @Thomas: Sandro Wagner ist eben ein ungewöhnlicher Experte. Bei ihm muss man immer auf alles gefasst sein. Das war schon als Spieler so. 😉

  3. #3 | Frank sagt am 7. August 2022 um 09:55 Uhr

    Robin, glaubst Du dass das Profis wie Stephanie Baczyk, Julia Metzner oder Katrin Müller-Hohenstein verunsichern könnte? Oder eine Sabine Töpperwien gekratzt hätte?
    Ich glaube das ist nur ein Aufreger für „sendungsbewusste“ Quotenfrauen wie Jessy Wellmer oder die rüber gewechselte Modejournalistin Esther Sedlaczek. Irgendwie glauben wir da immer, mit Solidarität nachhelfen zu müssen.

    Für mich ist es ein großer Unterschied ob Moderatoren und Reporter wirklich vom Fach sind oder sich mit ablenkenden Ironisierungen, Pseudoaufregern und Kaffeeklatschmimik über Wasser halten. Laura Wontirra hat übrigens einen Bachelor in PR..

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 7. August 2022 um 10:36 Uhr

    @Frank: Wen das im Einzelfall wie sehr verunsichert oder beeinflusst, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Sache der Frauen in diesem Bereich dürfte es jedenfalls nicht zuträglich sein, wenn sich eine Kollegin öffentlich als ‚Gesichtsvermieter‘ bezeichnet….

  5. #5 | thomas weigle sagt am 7. August 2022 um 20:59 Uhr

    @Robin Was Wagner angeht ja. Was Frau Wontarra angeht, so glaube ich immer mehr,dass sie cool reagiert hat, um Wagner durch die Blume zu verstehengab,das er derjenige welcher ist….
    Wagner hatte in den Stadien öfterve rbal was auf die Schnauze bekommen. Ich habe mal die Hoffenheimer im Frankfurter Stadtwald gesehen,da wurde fast 90 Minuten lang-mit kurze Unterbrechungen“Wagner,du Hurensohn“ gebrüllt. Da wäre es doch die Aufgabe des Stadionssprecher gewesen zu intervenieren.Aber nix da,sehr uncool…

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