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Deliveroo-Lieferbote verliert Job wegen Brexit-Äußerung

Der ehemalige Deliveroo-Bote Andres Georgi mit seinem Fahrrad

Der ehemalige Deliveroo-Bote Andres Georgi mit seinem Fahrrad

Nicht länger als eine Minute dauerte das Gespräch, das Andres Georgi, Lieferbote und Vater von drei Kindern, den Job bei Deliveroo kostete, wie Georgi sagt.

Am Abend des 28.10., einem Sonntag, brachte der Lieferbote der beim Fastfoodlieferservice „Deliveroo“ arbeitete, eine Essenslieferung bei einem Kunden vorbei. Da der Kunde Englisch sprach und eine EU-Flagge im Flur hängen hatte, fragte Georgi ihn, ob er aus Großbritannien sei und erwähnte dass er den Brexit ja ganz gut fände, da Deutschland ohnehin zu viel Einfluss in Europa hätte, so Georgi. Georgis Angaben zufolge sagte der Kunde, er sähe das nicht so, worauf Georgi ihm sagte, dass er da sicherlich mehr Expertise habe als er, ihm einen schönen Abend wünschte und sich auf zur nächsten Lieferung machte. So weit Georgis Erinnerung der Ereignisse. „Es war ganz normaler Smalltalk“, sagt Georgi.

Nicht viel später erlebte er jedoch eine unangenehme Überraschung, so Georgi. Der Fastfood-Lieferservice „Deliveroo“ sperrte seinen Lieferanten-Account und schrieb ihm eine E-Mail, in der aufgefordert wurde zu „Rassismusvorwürfen“ gegen ihn Stellung zu nehmen. Ein britischer Kunde hätte sich bei „Deliveroo“ beschwert, dessen Partner Aktivist sei und die Geschichte nun auf Twitter mit seiner weltweit vernetzten Anhängerschaft teile. Nachdem Georgi auf diese Mail geantwortet und den Vorfall aus seiner Sicht geschildert hatte, beendete „Deliveroo“ die Kooperation mit ihm und sperrte seinen Lieferanten-Account dauerhaft.

Britischer Autor beschwert sich auf Twitter

Deliveroo

Barretts Tweet

Bei dem Partner des Kunden handelt es sich um Redfern Jon Barrett, einen britischen Autor der sich zudem selbst als Aktivist für Polyamorie bezeichnet. Der selbsterklärte Unterstützer des britischen Labour-Chefs Jeremy Corbyn hatte kurz nach dem Vorfall auf Twitter in mehreren Tweets öffentlich gepostet in denen er behauptet, dass er und sein Partner von einem aggressiv-nationalistischen Lieferboten bedroht worden seien und dass „Deliveroo“ ihnen keine Nazis vorbeischicken solle. Er und sein Partner seien homosexuelle Migranten und hätten die Situation als gefährlich empfunden.

Andres Georgi reagiert darauf mit Unverständnis, denn außer dem Kunden und ihm sei überhaupt niemand da gewesen, teilte er den Ruhrbaronen auf Anfrage mit. Durch die Bezeichnung als „Nazi“ fühle er sich verletzt. Der Lieferbote ist bekennender Antifaschist, der nebenher beliebte antifaschistische T-Shirts für Fahrradkuriere und Lieferboten mit dem von ihm entworfenen „This bike kills fascists“-Motiv vertrieb. Auch Mitarbeiter bei „Deliveroo“ hätten bereits Shirts mit dem antifaschistischen Motiv von ihm getragen, so Georgi.

Barrett deaktiviert Twitterprofil

Redfern Jon Barrett hat unterdessen sein Twitterprofil verborgen und steht für Presseanfragen nicht zur Verfügung. Er hatte für seine Tweets viel Kritik erhalten, wurde jedoch auch homophob beleidigt.

Kurioserweise reichte Barrett bereits drei Monate vor dem Vorfall eine Kurzgeschichte namens „Delivery“ bei einem Literaturmagazin ein, die er selbst damals als „eine klebrige, schlüpfrige Geschichte über Fast Food und Rache“ bezeichnete. In dieser Kurzgeschichte geht es um einen Fastfood-Lieferboten, der aus Eifersucht ein homosexuelles Paar beschimpft, das er gerade beliefert. Vier Tage nach dem realen Vorfall mit Georgi wurde die Kurzgeschichte vom Magazin veröffentlicht.

Georgi wiederum weiß noch nicht, wie es für ihn weitergeht. Der Vater dreier Kinder steht durch den Verlust seines Jobs nun vor den Trümmern seiner Existenz. Er hat eine Spendenkampagne ins Leben gerufen, um wenigstens die nötigsten Bedürfnisse abdecken zu können

Presseanfragen von Ruhrbarone an Redfern Jon Barrett und „Deliveroo“ blieben bis dato unbeantwortet.

RuhrBarone-Logo

6 Kommentare zu “Deliveroo-Lieferbote verliert Job wegen Brexit-Äußerung

  • #1
    Bernd Hamburger

    Mal unabhängig davon, wessen Aussage hier vielleicht näher an der Wahrheit ist – als Dienstleister beim Kunden einfach mal anlasslos politische Diskussionen über hart umstrittene Themen anzuzetteln ist ja auch nur so semi-schlau.

  • #2
    W. Golmeran

    Wenn Georgi nur für Deliveroo gearbeitet hat, könnte er sich gegen den Rauswurf eigentlich rechtlich wehren, da es sich dann wohl um eine Scheinselbständigkeit gehandelt haben dürfte. Wenn dem nicht so ist, hätte er einfach nur einen seiner Auftraggeber verloren, was misslich ist aber irgendwie auch der kapitalistische Lauf der Dinge, arbeitsrechtlich würde man das wohl Betriebsrisiko nennen.

    Es kann aber auch sein, dass der Artikel nur dazu dienen soll, den Namen Jeremy Corbyn in einem negativen Kontext nennen zu können. Das wäre damit ja geschafft.

  • #3
  • #4
    nussknacker56

    "Es kann aber auch sein, dass der Artikel nur dazu dienen soll, den Namen Jeremy Corbyn in einem negativen Kontext nennen zu können. Das wäre damit ja geschafft."

    Machen Sie sich mal keine Sorgen, W.Golmeran, der sozialdemokratische Labourführer, Antisemit und Faschistenfreund (Hamas+Hisbollah) Jeremy Corbyn schafft das von ganz alleine.

  • #5
    Thomas Weigle

    #2 Wer mag nur hinter diesem Kompott gegen den immer wieder zu Unrecht als Antisemiten verdächtigten Lebervorsitzenden J.C.(!!!) stecken?

  • #6
    Bochumer

    Er ernährt als Pizzabote drei Kinder? Diesen Teil halte ich nicht für gut recherchiert.
    Ansonsten ist es eine traurige Geschichte darüber, wie kleinkarierte PC mittlerweile große Wirkung haben kann. Besser man hält die Klappe.

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