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Der Antisemitismus von Kollegah & Co.

Ein Problem der Palästinenser: Die meisten ihrer Freunde sind Idioten Foto: tedeytan Lizenz: CC BY-SA 2.0

Ein Problem der Palästinenser: Die meisten ihrer Freunde sind Idioten Foto: tedeytan Lizenz: CC BY-SA 2.0


Kürzlich wurde bei WDR eine Dokumentation über Antisemitismus im deutschen Rap veröffentlicht. Einer der Rapper, die dort und auch bei anderen Medien wie RTL und Bild im Zentrum der Kritik stehen, ist Kollegah. Der wehrt sich auf seine Weise – und bestätigt damit nur, wie notwendig eine Debatte über dieses Thema ist.

Wie Daniel Neumann, Direktor des Zentralrats der Juden, in der WDR-Doku betont hat, geht es bei der Kritik an Kollegah nicht darum, ob er ein Antisemit ist oder nicht. Laut seiner Aussage sei entscheidend, dass dieser antisemitische Texte verbreite.

Andererseits sagte die Promoterin Marina Buzunashvilli, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens selbst schon negative Erfahrungen mit Künstlern gemacht hatte, dass es falsch sei, sich an einzelnen Textzeilen abzuarbeiten, und auch Oliver Marquart betonte in seinem Kommentar für rap.de, dass eine geschmacklose Line noch lange keine antisemitische Aussage sei. Beides halte ich für durchaus zutreffend.

Nehmen wir die Beispiele Haftbefehl sowie Celo & Abdi: Beiden wurde eine Line zum Verhängnis, die eigentlich keinerlei Wertung enthält. Bei Haftbefehl war das die Zeile „Ich ticke Kokain an die Juden von der Börse“, die nach seiner Aussage lediglich die Tatsache beschreibt, dass er Kokain an Menschen jüdischen Glaubens verkauft habe. Natürlich reproduziert auch diese Zeile ein antisemitisches Ressentiment und ist keineswegs harmlos. Doch Haftbefehl hat sich dafür entschuldigt und seinen Fehler eingesehen. Man sollte ihm daraus nicht noch Jahre später einen Vorwurf machen.

Ähnlich verhält es sich bei Celo & Abdi, über die in der WELT geschrieben wurde, sie ließen Antisemitismus hochleben. Hintergrund ist die Zeile „Der Rest ist fehl am Ort wie Semiten im Fanblock von Feyenoord“. Wer sich mit Rap auskennt, weiß, dass das lediglich ein Vergleich ist, nicht mehr und nicht weniger. Celo & Abdi haben in dieser Zeile die rechtsextreme Gesinnung einiger Anhänger von Feyenoord Rotterdam weder verurteilt noch „hochleben lassen“. Jedoch hat der Autor des besagten Artikels ihnen genau das vorgeworfen, und da auch im Wikipedia-Eintrag der beiden Frankfurter darauf verwiesen wird, beeinträchtigt das deren Karriere.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Kollegah nun in der Opferrolle sieht. Doch das Problem bei Kollegah sind ja eben nicht ein paar unangebrachte Vergleiche, sondern vielmehr sein Umgang mit der Kritik und die Aussagen, die er (nicht nur) in diesem Zusammenhang getätigt hat.

In seinen Versuchen, sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus zu wehren, hat er nämlich gezeigt, dass dieser Vorwurf keinesfalls unbegründet ist. So hat er ein Video hochgeladen, das eine antisemitische Karikatur beinhaltete, laut der Juden u.a. Hollywood, die Wall Street, die Justiz und das Internet kontrollieren.

Es mag sein, dass Kollegah selbst gar nicht bewusst ist, wie antisemitisch die zahlreichen Verschwörungstheorien sind, die er immer wieder verbreitet. Dabei gilt er ja als intelligent, schließlich hat der Düsseldorfer Rapper Jura studiert. Doch auch intelligente Menschen können anfällig für Verschwörungstheorien sein. Gehen wir also davon aus, dass Kollegah nicht weiß, was er tut. Mit der Verbreitung kruder Theorien z.B. über die Existenz von Chemtrails bestärkt er jedoch seine Hörer darin, den Medien zu misstrauen und an die Existenz von geheimen Mächten zu glauben, die hinter den Kulissen die Strippen ziehen.

Es ist dabei nicht wichtig, ob man diese Mächte benennt, denn wer sich in die Untiefen der sogenannten „Truther-Szene“ im Internet begibt, wird schnell feststellen, dass es meist Juden sind, die dort beschuldigt werden, Teil einer vermeintlichen (Finanz-)Elite zu sein. Es ist auch keineswegs so, dass die Mehrheit von Kollegahs Fans seine Texte kritisch hinterfragt und daher nicht anfällig für so etwas wäre, das zeigt schon ein Blick auf die Kommentare in den sozialen Medien.

Dass er einen Disstrack gegen einen jüdischen Rapper „Hurensohn-Holocaust“ nennt, passt ins Gesamtbild. Zu PA Sports, der diesen Titel damit verteidigt, dass er ja lediglich „die totale Vernichtung der Hurensöhne“ bedeute und auch sonst in der WDR-Doku durch strunzdumme Äußerungen glänzt, muss man an dieser Stelle eigentlich nicht mehr viel sagen, doch seine Behauptung, es gäbe keinen Antisemitismus im Rap, kann man so nicht stehen lassen. Das mag für offenen Antisemitismus gelten, aber Menschen wie PA Sports verstehen nicht, dass der gar nicht das Problem ist – sie sind das Problem, weil sie antisemitische Ressentiments entweder nicht erkennen oder nicht erkennen wollen und, sei es durch Ignoranz oder durch Unwissenheit, in Songs und Interviews ebendiese bedienen.

Doch Antisemitismus ist natürlich kein Phänomen, das nur in der Rap-Szene auftritt, sondern überall in der Gesellschaft. Antisemitische Stereotype sind auch nicht nur unter Muslimen, sondern auch unter Christen und Atheisten, Rechten und Linken verbreitet. Ähnlich verhält es sich mit Sexismus und Homophobie. Es bringt daher nichts, mit dem Finger auf die deutsche Rap-Szene zu zeigen, denn die bildet naturgemäß bloß das ab, was bei der meist jugendlichen Hörerschaft gut ankommt.

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7 Kommentare zu “Der Antisemitismus von Kollegah & Co.

  • #1
    Gerd

    "Antisemitische Stereotype sind auch nicht nur unter Muslimen, sondern auch unter Christen und Atheisten, Rechten und Linken verbreitet."

    Das war ja klar. Ohne Relativierung geht es nicht.

  • #2
    David Senib

    Kollegah ist da noch einer der “Weicheren“ Rapper in Sachen Antisemitismus.
    Es gibt “Härtere“ unter ihnen, nur um einen zu Nennen sollte man sich das letzte Album von Kaisa anhören.
    Die Rapszene bedient halt ihr Klientel und liefert ihm was es hören will oder das wovon man glaubtt bei ihm zu landen. Schließlich hat ein großer Anteil der Fans dieser Musik arabischen oder muslimischen Background.

    Diese Art Rap ist aber nicht nur antisemitisch, sie ist extrem Frauen- und Schwulenfeindlich und Gewalt- bzw. Kriminalitätverherrlichend.

    Da gehört einiges von auf den Index und verbannt.

  • #3
    Michael

    "Doch Haftbefehl hat sich dafür entschuldigt und seinen Fehler eingesehen."

    Sie verharmlosen den sich immer weiter ausbreitenden Antisemitismus. Das solche Leute sich entschuldigen, wenn ihre Pfründe in Gefahr sind ist selbstverständlich.

    *1
    Dass der sich selbst! entschuldigt, statt um Entschuldigung zu bitten, spricht schon Bände.

  • #4
    Klaus Lohmann

    Nochmal, Yannick: Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses "Spiel" mit NoGo-Sprüchen für Rapper keinen Karriereknick bedeutet, sondern in Zeiten von professioneller Karriereplanung und Medienbespaßung, von Dschungelcamp und DSDS eher das Gegenteil.

  • #5
    Arnold Voss

    NoGo ist für Rapper indentitätsstiftend. Niemanden scheisse zu finden ist für die Mehrheit von ihnen einfach nur langweilig. Und für ihre Zuhörer erst recht. Ewige und bei möglichst vielen Zuhörern beliebte Feindbilder passen da bestens ins Selbstkonzept.

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