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Der Lockdown light ist gescheitert

Symbolfoto: Mario Thurnes

Symbolfoto: Mario Thurnes

Sämtliche Zahlen des “Robert Koch Institutes” (RKI) zeigen in die falsche Richtung. Auch nach drei Wochen Lockdown light. Damit steht sein Scheitern fest. Kompromisse sollten seine Akzeptanz erhöhen – doch genau an denen ist der Lockdown light gescheitert.

Wer sich ein klein wenig mit Medienarbeit auskennt, weiß dass nächste Woche der Lockdown Ultra kommen wird. Die Verantwortlichen um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bereiten die Öffentlichkeit mit Testballons bereits drauf vor. Und angesichts der Zahlen des RKI liegt in der Verschärfung eine gewisse Logik. Als Reaktion auf weiter ansteigende Zahlen ganz auf Maßnahmen zu verzichten, ließe sich logisch nicht erklären.

Und genau daran ist der Lockdown gescheitert: an fehlender Logik, die sich als Konsequenz aus den Kompromissen ergibt. Denn gemacht wurde, was sich relativ leicht machen ließ. Damit stand aber nicht die Eindämmung des Virus im Mittelpunkt, sondern die Durchführbarkeit der Maßnahmen.

Aber die Eindämmung des Virus muss im Mittelpunkt stehen. Sonst akzeptieren auch immer weniger Menschen Einschnitte, die im internationalen Vergleich eher milde sind.

Kompromiss steht im Vordergrund

Auch wirkt es sich auf mehr als die Stimmung aus, wenn der Kompromiss im Vordergrund steht und nicht die Eindämmung des Virus. Schaut man auf die Urteile, die es zu den Maßnahmen gab, ergibt sich ein Muster: Klagt jemand gegen die Maßnahmen allgemein, verliert er ziemlich sicher. Argumentiert aber jemand, wenn X erlaubt sei, dürfe Y nicht verboten werden, dann hat er eine gute Chance auf Erfolg vor Gericht.

Im Saarland hat zum Beispiel das Oberverwaltungsgericht entschieden, dass Massagepraxen wieder öffnen dürfen. Wenn Gesundheitsberufe weiter nachgegangen werden darf, ist eine Schließung von Massagepraxen nicht begründbar, heißt es sinngemäß im Urteil. Diese Logik erschließt sich auch Menschen, die weder Virologen noch Rechtsexperten sind.

Und solche Logikfehler hat es im Lockdown light relativ häufig gegeben:

  • Kinder halten in der Schule Abstand, tragen Masken und sitzen in zügigen Räumen, weil die Fenster geöffnet bleiben müssen – um danach im Bus aufeinander gedrängt zu werden wie die Sardinen in der Büchse.
  • In den gleichen Stadtbus haben sich ein Rentner, ein Pendler und eine Hausfrau gequetscht. Abends dürften sie aber mit wesentlich mehr Abstand nicht im Restaurant sitzen.
  • Im Restaurant nicht, aber im Gottesdienst, in dem vermutlich kein Ordnungsamt prüfen wird, ob dort wirklich nicht gesungen wird.
  • 30 Leute dürfen im gleichen Büro zusammensitzen. Aber wenn drei von ihnen abends im Park zusammen stehen, werden sie vielleicht von eben diesem Ordnungsamt angesprochen.
  • Die Zustimmung zu den Maßnahmen ist seit März von rund 90 auf unter 60 Prozent gesunken. Neben der allgemeinen Ermüdung dürften solche Logikfehler ein wesentlicher Grund für den Rückgang sein.

Unterirdische Kommunikation

Doch auch die Kommunikation ist unterirdisch. Im März hat die Kanzlerin die Nation mit einer Fernsehansprache auf die Notwendigkeit der Maßnahmen eingeschworen. Das war der Situation angemessen und hat vielen deutlich gemacht, wie ernst die Situation ist. Doch solche Ansprachen gibt es nicht mehr. Selbst die Pressekonferenzen, die Merkel nach dem Krisenstab mit den Ministerpräsidenten gibt, sind thematisch mittlerweile stärker von den Differenzen untereinander geprägt, als von der Notwendigkeit der Maßnahmen.

Nicht mal die neuen Maßnahmen werden mehr auf diesen Pressekonferenzen richtig verkündet. Sie sind vorher schon der Nachrichtenagentur DPA und der Bild-Zeitung mitgeteilt worden, unter der Bedingung, dass sie die Quelle nicht genau nennen. So ist dann ein Boulevard-Blatt, das die verpfuschte Busen-Operation der Tochter eines abgehalfterten Schlagerstars zum Aufmacher erhebt, plötzlich in der Rolle eines Regierungssprechers.

Wo ist der Präsident?

A propos: Wo ist eigentlich Frank-Walter Steinmeier? Schon als Politiker war er eher der blasse Typ, sein (damals) historisch schlechtestes Ergebnis als Kanzlerkandidat belegte ihm das. Als Bundespräsident hätte er jetzt die Chance, in die Geschichte einzugehen. Doch wo bleibt seine Fernsehansprache, seine große Rede oder generell Worte, die Menschen im Engagement gegen die Ausbreitung des Virus bestärken? Wenn er überhaupt zu Corona spricht, wirkt er sprachlich so originell wie der Vice-Junior-Kommunikations-Manager eines mittelständischen Versicherungsunternehmen.

Biontech-Chef Sahin schätzt, dass eine Durchimpfung erst bis Ende 2021 abgeschlossen sein wird. Auch wenn der Impfstoff im vorgesehenen Fahrplan freigegeben werden kann. Wir werden also als Gesellschaft noch mindestens ein Jahr mit dem Virus umgehen müssen.

Die Kommunikation der Regierung muss wieder besser werden, damit die Unzufriedenheit in dieser Zeit nicht zu sehr wächst. Wenn der Lockdown Ultra kommt., wird es dem Medienteam aber auch einfacher gemacht werden. Denn umso weniger Kompromisse gemacht werden, desto weniger Widersprüche wird es geben.

Der Lockdown light ist gescheitert
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2 Kommentare zu “Der Lockdown light ist gescheitert

  • #1
    ccarlton

    Lassen Sie die Kirche noch etwas im Dorf. Gestern hat es vom RKI geheißen, die Zahlen stabilisieren sich. Wenn auch auf hohen Niveau.

    https://www.tagesschau.de/inland/rki-neuinfektionen-127.html?fbclid=IwAR1kbE3NwlugbpBVw8BhqX0k6-wC75FDuqx7zSaojcx40J_JTd2nu5vstKU

    Der R Wert geht auch seit einiger Zeit nach unten.

  • #2
    Guenter Rense

    Immer wieder lustig, wenn in Krisen wie diesen (sollte mal ein Liedtext werden;) jemand laut "XYZ ist gescheitert!!" bölkt, obwohl dieser Jemand nun so gar keine Kompetenz zum Abbruch von Maßnahmen der Regierung hat. Und witzig ist überdies, dass die Deutschen weiter glauben, solche Maßnahmen wären *immer* nach 2 Wochen so oder so beendet – der sog. Wunschdenken-Witz (wird auch mal ‘n Song;).

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