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Der Papst auf Lampedusa: Über das Küssen von Kinderköpfen

Foto: Presidência da Republica/Roberto Stuckert Filho, Creative Commons Attribution 3.0 Brazil

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Alle Welt lobt gerade den „Papst“ für das „wichtige Zeichen“ dass dieser bei seinem Besuch auf Lampedusa gesetzt habe. Dabei hat der kaum weniger als nichts gemacht. Betrachten wir mal die Fakten.

Ein alter Mann, Vorsteher einer Endzeitsekte namens „Römisch-Katholische Kirche“, trägt auf Staatskosten einen lustigen Hut spazieren. Er vertritt ein fiktives Wesen das im Himmel sitzt und darauf achtet, dass wir uns benehmen. In seinem eigenen kleinen Staat ist er absoluter Monarch. Und wie das mit absoluten Monarchen so ist, pfeifen sie auf Gewaltenteilung. Daher hat der Papst die gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt inne. Früher haben die Päpste ihre Schäfchen gegen andere Endzeitsekten aufgehetzt und in den Krieg geschickt. Vielen Leuten wurde dabei sehr weh getan.

Heute machen diese Päpste das nicht mehr. Das kommt nämlich gar nicht mehr so gut an, „Frieden“ verkauft sich viel besser. Und da diese „Römisch-Katholische Kirche“ momentan ein Image-Problem hat, weil in ihrer Obhut viele kleine Kinder missbraucht werden, kann sie eine positive PR gut brauchen.

Das Leben in der Seifenblase

Auf der italienischen Insel Lampedusa sitzen nun also viele afrikanische Flüchtlinge, die einen strapaziösen und gefährlichen Weg über das Meer hinter sich haben. Sie wollen ihr Stück vom Kuchen, das ihnen schon sehr lange verwehrt wird. Den Leuten bei uns ist das entweder egal, oder sie ärgern sich ganz doll darüber. Den Kuchen wollen sie nämlich ganz alleine essen.

In einem dramatischen Appell rief er zu mehr Solidarität mit den verzweifelt Hilfesuchenden auf. Unsere Wohlstandskultur führe dazu, „dass wir nur an uns selbst denken, sie macht uns gefühllos dem Aufschrei der anderen gegenüber, lässt uns in schönen Seifenblasen leben“, sagte der Papst in einer Messe auf dem Sportplatz der Insel.

meldet der Spiegel nun also. Und alle Leute, vor allem Linke, freuen sich ganz doll darüber. Franziskus, so nennt sich dieser Papst, halte der westlichen Gesellschaft den Spiegel vor. Denn wir leben ja „in einer schönen Seifenblase“ und nicht wie er in einem totalitären Klerikalregime, das für Gott die Welt verwaltet. Der Spiegel schreibt weiter:

Der Tod von Migranten bei einer Überfahrt stecke wie ein schmerzender „Dorn im Herzen“, sagte Franziskus. Der Mensch sei orientierungslos geworden, er kümmere sich nicht mehr um den anderen. (…) wenn diese Orientierungslosigkeit weltweite Ausmaße annimmt, dann kommt es zu solchen Tragödien“, so der Papst. Zur Grausamkeit in der Welt trügen dabei auch jene bei, die soziale und wirtschaftliche Weichen stellten, die den Weg zu dramatischen Schiffbrüchen ebneten.

Der Papst hat ganz viel Geld, und da er einen eigenen Staat hat, und überdies noch direkt mit Gott verbunden ist, könnte er ja vielleicht etwas dagegen tun. Zum Beispiel in seinem eigenen Staat dafür sorgen, dass es keine Ungleichheit mehr zwischen den Menschen gibt. Aber das geht ja nicht, dann müsste er ja seinen schönen Hirtenstab und obendrein die absolute Macht abgeben. Und das kann es ja auch nicht sein. Was also tun?

Problem: Mangelnde Gottesfurcht

Gott müsse um Vergebung für diese Gleichgültigkeit gebeten werden. Er werde die Menschen auch danach beurteilten, wie sie die Armseligsten behandelten, schrieb Franziskus nach der Messe über Twitter.

Genau. Wenn man jemanden, der nicht existiert, um Vergebung bittet für etwas, für das man nichts kann, lösen sich alle Probleme wie von selbst auf. Das Problem heißt nämlich nicht (Achtung, Pfui-Wort) „Kapitalismus“, sondern mangelnde Gottesfurcht. Soll aber keiner glauben, der Papst könne nicht auch selbst anpacken:

Zuvor hatte Franziskus für die vielen Menschen gebetet, die bei Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer umgekommen sind. Bei einer Fahrt durch die Menschenmenge küsste er Kinderhäupter und schüttelte Dutzende Hände.

Na also! Problem gelöst. Wenn nur genügend Leute ganz feste Kinderköpfe küssen, Hände schütteln und beten, füllen sich deren Bäuche mit den leckersten Sachen. Schuhe wachsen ihnen an den Füßen, und plötzlich gibt es ein funktionierendes Abwassersystem. Theoretisch. Das freut natürlich vor allem diejenigen, die eine Welt anstreben, in der alle Verhältnisse, in denen der Mensch ein geknechtetes und verlassenes Wesen ist, abgeschafft worden sind. Denn wenn ein totalitärer Sektenführer Kinderköpfe küsst, zeigt das, „dass wir in Europa eine humanere und liberalere Flüchtlingspolitik brauchen.“

So zumindest sieht es die Chefin des Vereins, dessen Agenda es ist, alle Verhältnisse abzuschaffen, in der der Mensch ein geknechtetes und verlassenes Wesen ist. Dass es vielleicht aber gerade Sekten wie die „Römisch-Katholische Kirche“ sind, die Unmündigkeit und Irrationalität in alle Welt exportieren, und so dafür sorgen, dass sich eben nichts ändert, das kommt Frau Kipping, so heißt sie, nicht in den Sinn. Aber bald sind ja Bundestagswahlen. Da möchte man die Leute nicht mit unbequemen Wahrheiten erschrecken. Und die Flüchtlinge auf Lampedusa freuen sich schon auf den nächsten Besuch ihres Papstes. Kinderköpfe küssen sich schließlich nicht von alleine.

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32 Kommentare zu “Der Papst auf Lampedusa: Über das Küssen von Kinderköpfen

  • #1
    discipulussenecae

    Ich wundere mich schon lange nicht mehr, welche Verachtung und bisweilen blanker Haß gerade der Römisch Katholischen Kirche entgegenschlagen. Wer aber eine religiöse Gemeinschaft, der sich ca. 1,2 Milliarden Anhänger zugehörig fühlen, und die seit ca. 2.000 Jahren besteht, als „Endzeitsekte“ bezeichnet, der hat einige zentrale Grundbegriffe der Religionssoziologie nicht verstanden.

  • #2
    Klonoa

    Da hast du natürlich recht. Armut schafft man nämlich ab, indem man in seiner Wohnung einer Industriestaatengroßstadt am Rechner sitzt und herablassende Blogbeiträge über diejenigen schreibt, die zumindest Trost spenden.

    @Discipulussenecae: Seit knapp 2000 Jahren tun Christen im Prinzip nichts anderes als auf die Rückkehr des Messias oder das Jüngste Gericht zu warten. In diesem Sinne: Endzeitsekte. Man hat nicht automatisch Recht, wenn man mit schwierigen Begriffen wie Religionssoziologie rumwerfen kann.

  • #3
  • #4
    Thorsten Stumm

    Schöne Polemik, allerdings fragt sich warum eigentlich islamische Religionsführer nie satirische Schärfe erfahren müssen…

  • #5
    Robert

    Dabei war neulich so eine gute Gelegenheit. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre ein „echter Religionskritiker“ und an meiner Uni gäbe es da so einen Vorfall wie in Essen. Da würde ich doch mal zeigen, was ich als echter Religionskritiker so drauf habe. Hatte ich auch fest mit gerechnet, wurde aber leider enttäuscht.

  • #6
    discipulussenecae

    Der Begriff ‚Endzeitsekte‘ ist ziemlich genau definiert: so z. B., daß nur eine bestimmte Anzahl von Menschen, die natürlich der Sekte angehören werden, erlöst werden kann; zudem steht nach deren Ansicht das Weltende nicht nur unmittelbar bevor, es kann auch durch eigene Visionen oder bestimmte Interpretationen biblischer Stellen kalendarisch ziemlich genau vorhergesagt werden. Das ist meines Wissens beides im Katholizismus nicht derr Fall.

    Und so kompliziert finde ich das Wort ‚Religionssoziologie‘ nun auch wieder nicht.

  • #7
    Christine

    Die katholische Kirche ist doch ein willkommenes Opfer für derlei oberflächliche, beinahe naive Kritik. Daher hat es Herr Niewendick auch lieber bei im Sendung-mit-Maus-Stil formulierten Argumenten belassen, andernfalls hätte man ihm deutlicher nahelegen können, dass sein Geschreibsel völliger Bullshit ist. „Der Papst hat ganz viel Geld, und da er einen eigenen Staat hat,…“ Gruselig!
    Herr Niewendick, Hand an den Sack und im gleich Stil hier öffentlich den Islam anprangern, dann werden Sie evtl. auch ein wenig ernstgenommen.
    Nur Mut, sogar Sie schaffen das!

  • #8
  • #9
    Michael Kolb

    Warum, in drei Teufels Namen, sollten wir hier etwas satirisch, ironisch, kritisches über den Islam als Religion schreiben? Das ist grundsätzlich nicht unser Job, sondern schlicht und ergreifend die Aufgabe von Muslimen, die haben meist mehr Ahnung und auch mehr Gefühl von und für ihre Religion um sich angemessen darüber lustig zu machen. Rabbiner erzählen meist die besten jüdischen Witze, Kebekus ist zuständig für das Christentum etc… Das wir auf gute muslimische Satire und Witz noch werden warten müssen, das ist hingegen ein anderes Thema.

  • #10
    TuxDerPinguin

    in Großbritanien will die Kirche 1 Mrd Pfund an die bedürftige Royal Bank of Scotland an Almosen geben…
    immerhin ein Anfang. Mit 1 Mrd Pfund könnt man aber auch noch sinnvolleres anstellen.

    Aber warum sollte man von einer Sekte einfordern die Verfehlungen der Politik auszugleichen. Und Politik sind in einer Demokratie auch jeder einzelne von uns. Wir sind ja genau so unglaubwürdig in unserer Empörung, wenn wir nicht mit gutem Beispiels voran gehen und kräftig spenden und sowohl aktiv wie auch passiv die Politik dementsprechend verändern, dass Menschen nicht mehr gezwungen sind solche selbstmörderische teuren Aktionen zu unternehmen.

    Aber jeder hat halt seine eigenen Probleme, die wichtiger erscheinen. So baut die EU halt weiter ihren Zaun aus, bezahlt Diktatoren für Lager, um Flüchtlinge fernzuhalten und bezahlt lieber Werbekampagnen, die Afrikanern zeigen sollen, dass Europa ja im Elend lebt und es sich nicht lohnt herzukommen.

    Ich bin immer bereit, wenns gegen die Sekte geht. Aber bei dem Thema könnte man so gut wie jeden halt an der Stelle des Papstes nennen. Auch mich.

  • #11
    der, der auszog

    @Michael Kolb

    Wenn ich Martin Niewendick richtig einschätze, dann erweckt er nicht gerade den Eindruck, als sei er gläubiger Christ. Ich würde ihn eher als Atheisten einschätzen, weshalb ich Deine Erklärung, das Muslime über Muslime und Juden über Juden witzeln sollen, ein wenig weit hergeholt und irgendwie auch nicht überzeugend finde. Das würde in letzter Konsequenz bedeuten, dass man das Witzeln über Katholiken gefälligst auch den Katholiken überlassen sollte…

    Beim Thema Lapeduza fällt mir als erstes die europäische Asylpolitik ein, die dafür sorgt, dass die zigtausend Flüchtlinge aus Nordafrika, die jedes Jahr die lebensgefährliche Bootsfahrt nach Europa überleben, in völlig überfüllten Lagern interniert und anschließend wieder nach Nordafrika abgeschoben werden. Bei Lampedza fällt mir ein, dass es sich Deutschland mit der Drittstaatenlösung in Bezug auf das europäische Asylrecht relativ einfach gemacht hat und vermutlich würden wir diese Insel gar nicht kennen, würden nicht regelmässig Berichte über abgesoffene und völlig überfüllte Fischerboote und die Zustände in den Auffanglagern unsere vollgefressenes Wohlstandsgewissen beunruhigen.

    Mit Verlaub: Die x-te Auflage vom Hut des Papstes und der ganze Endzeitsektenquatsch ist doch pubertierendes Gelaber, wie man es in jeder billigen Diskussion über die katholische Kirche erlebt. Wie wäre es aber, wenn wir über das europäische Asylrecht und Lampeduza reden? Oder ist es Sache der Italiener sich damit zu beschäftigen, schließlich sind wir ja Deutsche und Lampeduza eine italinische Angelegenheit, ähnlich wie Muslime besser geeignet sind sich über den Islam zu äußern und Rabis die besten Witze über Juden machen?

  • #12
  • #13
    Hanno

    „Ihr“ seid die KommentatorInnen, die stets fordern, auch mal den Islam aufs Korn zu nehmen, obwohl es eigentlich gerade um was völlig anderes geht. Dieses „ihr“ hat da schon eine Berechtigung, denn „euch“ findet man leider in allen (deutschen?) Kommentarspalten, in denen Religion und Christentum diskutiert werden, und darüber hinaus. „Ihr“ seid stets der Meinung, dass man sich Satire auf den Islam nicht traue.
    Dies hier ist ein eher fragwürdiger Artikel über den Papst auf Lampedusa. Wer den liest und dann als erstes Kritik am Islam fordert, dem geht es offenbar nicht um die Sache, sondern nur darum, seine Abneigung gegenüber dem Islam kundzutun.

  • #14
  • #15
    David Schraven

    Hallo Martin, für mich liest sich das, als ahlst Du Dich in Deinem Mainstream. Nur keinen Schritt raus aus den vorgedachten, vorgelebten Vorurteilen Deiner Peer-Group. Als würdest Du den üblichen Beifall der üblichen Beifallspender für Dein Ego brauchen. Mir reicht das nicht. Ich finde das schlapp.

    Weil Deine Vorurteile Dich blind machen, siehst Du nicht was wirklich passiert.

    Ich weiß nicht mal, ob es sich lohnt, mit Dir zu diskutieren. Weil Du doch nur Deine Vorurteile verteidigen wirst.

    Die Kirche bewegt sich derzeit radikal. Es sind nicht vertuschende Gesten. Der Papst sendet Signale des Wandels. Und er wandelt tatsächlich. Er riskiert nach Jahren des Stillstandes den Konflikt intern – mit dem Umbau der Vatikanbank in eine Art GLS-Bank, mit der Infragestellung des Prunk und der Selbstgewissheit.

    Sein Beispiel gibt Mahnung an alle Katholiken, an ihrem Platz etwas für die Gerechtigkeit zu tun.

    Er mahnt und bewegt eine Milliarde Menschen durch seinen Besuch und seine Worte.

    Wer das nicht versteht, wird auch nie verstehen, was ein Papst dazu beigetragen hat, den Kommunismus in Osteuropa zu besiegen.

    Als ein Stein aus der Peterskirche das Fundament einer Kathedrale in Polen wurde.

  • #16
    Freidenker

    „Der Glaube macht, dass Menschen Horoskope lesen, sich in die Luft sprengen oder bei Vollmond Ochsen melken. Religion ist in den seltensten Fällen Trost und in den meisten Fällen eher eine Aufstachelung zu Hass und Gewalt. Gläubige Menschen gehen oft unzivilisiert miteinander um, weil sie ja der Meinung sind, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein – ohne sie begründen zu müssen. Das ist was ganz Schlimmes.“ (D. Nuhr)
    Wer irgend einer Art von Religion zur Stütze seiner Sittlichkeit bedarf, dessen Moralität ist nicht rein, denn diese muss ihrer Natur nach in sich selbst bestehen. (Karoline von Günderrode)

  • #17
    Nansy

    Wenn ich richtig gegoogelt habe, dann wird die Bezeichnung „Endzeitsekte“ besonders häufig von der Strömung des sogn. aggressiven Atheismus benutzt.
    Interessant: obwohl oder weil die Säkularisierung sich auf dem Rückzug befindet, ist das Ergebnis ein missionarischer Atheismus. Der Verdacht drängt sich auf, dass dieser Atheismus ein Spiegelbild des abgelehnten Glaubens ist.

    Mir fehlt das Verständnis für diese Art der Gegen-Missionierung. Jede gesellschaftliche Strömung hat ihre eigenen Zielgruppen, für die sie Toleranz einfordert – und ihre eigenen Feindbilder, für die Toleranz nicht angebracht zu sein scheint. Merkwürdig…..

  • #18
    Robert

    Hanno, da war doch letztens dieser Vorfall mit dem Plakat an der Essener Uni. Niewendick hat sich daraufhin über den antiislamischen Stammtischpopulismus beklagt und gesagt, man sollte den Diskurs den echten Religionskritikern aus dem intellektuellen Lager überlassen. Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass Witzchen über das zugegebenermassen alberne Outfit des Papstes Teil eines intellektuellen Diskurses sind. Daher meine Enttäuschung.

  • #19
    Martin Böttger

    @15 David
    Ich würde nicht so weit gehen wie David. Aber auch ich, als alter ex-katholischer Kirchenhasser, der aber auch die Phase des missionarischen Atheismus weit hinter sich hat und nun als überzeugter Gesinnungsrheinländer lebt („Jede Jeck is anders“), bin positiv erstaunt über die Lampedusa-Aktion des Papstes. Wenn ich es richtig verfolgt habe, wollte er dabei weder auf Kardinäle noch auf Politiker treffen. Er lenkte das Auge der Weltöffentlichkeit auf einen der langjährig größten humanitären Skandale, den die EU unter maßgeblicher Führung und Anleitung der deutschen Bundesregierung sehenden Auges und fortgesetzt verursacht. Das kann ich als Ungläubiger nicht schlecht finden.

  • #20
    Der Heilige Hein

    Och, abgesehen von einigen Überspitzungen ist der Kern des Artikels zutreffend.
    Das jetzt mal wieder die humorlosen Christen sich getroffen fühlen und Atheismus schreie, na klar.
    Aber warum räumen sie in ihrem Laden nicht mal auf? Stattdessen zeigen sie auf die angebliche Humorlosigkeit anderer Religionen und ärgern sich heimlich, dass es bei uns keine Steinigungen für solche Artikel gibt, sondern lediglich Geldstrafen für Filmchengucken.

  • #21
    Nansy

    @ #20 Der heilige Hein:

    Och, da haben Sie aber etwas durcheinander gebracht – „Atheismus“ ist eine allgemein anerkannte Bezeichnung, keine Beschuldigung oder Anklage 😉

  • #22
    Arnold Voss

    Papstworte haben auf dieser Welt noch nie etwas wirklich zum Guten verändert. Sonst gäbe es sowas wie Lampedusa nämlich gar nicht.

    Was aber wäre der Papst ohne Lampedusa, bzw. ohne all die fürchterlichen Orte auf dieser Welt, an denen er unter dem Beifall der Welt Trost spenden möchte?

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  • #24
    Helmut Junge

    Richtig, Arnold (22). Barmherzigkeit ist ohne das Elend (anderer) überhaupt nicht möglich. In Martins Beispiel geht es zudem noch um die Barmherzigkeit der Anderen. Die kostet nämlich gar nichts, obwohl der Vatikan eigentlich sonst ein Staat ist, der viele Menschen sehr gut ernährt. Der Chef dieses Staates wäre für mich glaubwürdig, wenn er direkt einige hundert dieser Migranten mitnehmen würde. So, ohne diese Geste, aber werden ihm lediglich viele Politiker folgen um dort zu fordern, daß andere Staaten mehr Migranten aufnehmen sollten.
    Ach, das geht schon lange so? Aber bisher nicht auf Lampedusa. Das ist neu.

  • #25
    Nansy

    Jetzt bin ich verwirrt – gerade die Kritiker der Kirche echauffieren sich über die Bemühungen des Papstes um die Flüchtlinge auf Lampedusa – eigentlich eine Hauptaufgabe der Kirche. Gleichzeitig kommt aus der gleichen Richtung die politische Forderung nach Aufnahme von Armutsflüchtlingen und Kritik an der europäischen Asylpolitik. Hat man nun Angst, dass die Kirche hier ein Thema aufnimmt, für das man sich eigentlich selber zuständig fühlt?

    Ich spiel jetzt mal den Advocatus Diaboli – mir fehlt jetzt noch eine nachvollziehbare Begründung, warum wir für die Armutsflüchtliche aus aller Welt zuständig sein sollten, und was (wenn es so wäre) sich damit ändern würde?

  • #26
  • #27
    Nansy

    @ 26 Thomas Wessel, „wir“ ist z.B.: Europa, Deutschland, die Wohlhabenden, oder vielleicht die „Sich-Schämenden“? To all whom it may concern…

  • #28
    Thomas Wessel

    @ 27 | Ja, ist nachvollziehbar. Es bedeutet, dass „Wir“ steht auf der einen Seite und alle anderen, Armutsflüchtlinge und „Kinderköpfe“, stehen uns gegenüber.

    Diese Unterscheidung allerdings trifft Franziskus gerade nicht: Die anderen sind keine anderen, sondern zählen zur Kirche dazu. Und zwar nicht, weil sie womöglich katholisch sind, sondern weil sie als Kinder Gottes angesehen werden.

    Das ist die Organisationstheorie der Kirchen. Man muss sie nicht teilen, sollte sie aber zur Kenntnis genommen haben, wenn man – wie der Autor des Beitrags oben – eben diese Organisation kritisieren will. Herr Niewendick hat stattdessen sein eigenes Weltbild ins Fenster gehängt, eines, das man eurozentrisch nennen könnte oder einfach provinziell.

    Wollte er wirklich begreifen, wie Kirchen ticken, sollte er versuchen zu verstehen, dass es sich um Organisationen handelt, die meta-national sind und in denen Europa nicht unbedingt die erste Geige spielt. Offenbar muss, wer sich wie Niewendick als links versteht, erst wieder lernen, was Internationalismus ist.

    Ihre Frage also, „warum wir für die Armutsflüchtlinge aus aller Welt zuständig sein sollten“? Weil wir solidarisch wären mit uns selbst.

  • #29
    Helmut Junge

    Aber, aber Herr Wessel,
    „Wollte er wirklich begreifen, wie Kirchen ticken, sollte er versuchen zu verstehen, dass es sich um Organisationen handelt, die meta-national sind und in denen Europa nicht unbedingt die erste Geige spielt.“
    Dazu habe ich die Frage, ob diese Menschen bei den beiden großen Arbeitgebern Evangelische Kirche, bzw. Katholische Kirche einen Arbeitsplatz bekommen könnten, oder ob es da nicht zumindest auf die Religionsangehörigkeit ankommt.
    Gefragt, warum Herr Franziskus in seinem Staat keine Asylanten aufnimmt, hatte ich bereits.

  • #30
    der, der auszog

    @Helmut

    der Vatikanstaat liegt auf einem kleinen Hügel und ist keinen halben Quadratkilometer groß. Auf dieser Fläche stehen ein paar Kirchen rum, ein paar Paläste und Verwaltungsgebäude, ein Kloster, eine Schule, eine Akademie und ein Bahnhof. Der Rest sind Mauern, Plätze und Gärten, so dass da alles in allem keine 1000 Menschen leben. Der größte Teil (ca. 3000) der im Vatikanstaat Arbeitenden wohnt zudem außerhalb dieses Zwergstaates. Wo willst Du da noch ein Asylantenheim bauen und Flüchtlinge unterbringen?

    Darüberhinaus möchte ich an das sogenannte „Kirchenasyl“ erinnern, das auf eine lange Tradition zurückgeht und seinen Ursprung vermutlich in der griechischen Antike hatte, Stichwort „Hikesie“: Bedrohte Menschen, ob nun wirtschaftlich, politisch oder religiös, haben die Möglichkeit sich in Kirchen zu flüchten. Das neutestamentliche Verständnis von Gastfreundschaft sieht vor, dass Christen in solchen Fällen für Schutzsuchenden Sorgen zu tragen haben.

    Hin und wieder machen Kirchengemeinden in Deutschland Schlagzeilen, weil sie in ihrer Kirche von der Abschienung bedrohte Menschen aufnehmen. Rechtlich gesehen sind solche Aktionen sehr umstritten, aber in 70% der Fälle von Erfolg gekrönt. Seit 2005 gibt es in Deutschland sogenannte Härtefallkommissionen, die nicht selten Abschiebungen durch Ausländerbehörden verhindern. In diesem Kommissionen sind die Kirchen recht stark vertreten.

  • #31
    Helmut Junge

    @der,der,
    gut, die im Vatikan zur Verfügung stehende Fläche ist klein. Habe ich nicht bedacht.
    Für einige hundert Migranten wäre das etwas eng. Müßten deshalb deutlich weniger sein, sind aber Null!
    Verschiedene Aktionen zum Kirchenasyl sind mir bekannt, deshalb habe ich nicht danach gefragt. Außerdem bin ich überzeugt, dass der von mir angesprochene @Thomas Wessel in seiner Kirche in Bochum so etwas schon mal gemacht hat, oder jederzeit zu einer solchen Aktion fähig wäre.
    Ich habe ihn stattdessen danach befragt, ob einer der vom Papst besuchten Migranten bei seiner Kirche, oder der Kirche des Papstes einen Arbeitsplatz bekommen könnte. Darauf hast Du nicht geantwortet, er aber auch nicht.
    Da ich schon einige sehr gute Diskussionen mit Thomas Wessel geführt habe, und ihn als sehr intelligenten Gesprächs-und Diskurspartner schätze, gehe ich davon aus, dass ich mit meiner Fragestellung den Nerv getroffen habe.
    Denn soweit ich informiert bin, scheint auch die evangelische Kirche bei ihren Jobvergaben nicht so zu „ticken“ wie Pfarrer Wessel im Kommentar 28 betont.
    Darum habe ich mir erlaubt, diesen Punkt abzufragen.

  • #32
    Arnold Voss

    Helmut, die Kirche hat eine Menge Platz, denn sie ist einer der größten Grundeigentümer dieser Welt. Besonders in Italien. Sie ist auch einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Von den kirchlichen Arbeitsplätzen in andere Ländern ganz zu schweigen. Auch in Italien. Wenn der neue Papst wirklich helfen wollte, er könnte es im Falle der Flüchtlinge auf Lampedusa sofort tun.

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