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Der politische Gewinner der Corona-Krise in NRW heißt bisher Armin Laschet!

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) grenzt sich von AfD ab (Foto: Roland W. Waniek)

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).  Foto: Roland W. Waniek

Ganz ehrlich, ich habe unseren Ministerpräsidenten Armin Laschet noch nie sonderlich gemocht. Er war mir als Persönlichkeit in vorderster Politikerfront deutlich zu bieder und viel zu farblos. Wie er einst an ‚die Macht‘ gekommen ist, erschien mir stets als ein großes Rätsel.

Eigentlich geht man ja noch immer davon aus, dass sich nur überdurchschnittlich charismatische Politiker parteiintern auf ihrem Weg in die Spitzenämter durchsetzen. Na ja gut. Ich gebe zu, in letzter Zeit ist das mangels charismatischer Politiker in diesem unseren Lande grundsätzlich so eine Sache.  😉 Aber sei es drum. Darum soll es hier auch gar nicht gehen.

Mir geht es um etwas ganz Anderes. Also, wie gesagt, ich mochte Armin Laschet bis vor wenigen Wochen, ja Tagen, nicht besonders.

Das lag einerseits daran, dass er der CDU entspringt, einer Partei, die ich Zeit meines Lebens nie sonderlich geschätzt habe. Ich kam eher vom anderen Ende des politischen Spektrums, habe als Jugendlicher, der Familientradition folgend, zunächst fast immer die SPD gewählt, bin dann eine Zeit lang selber bei den Grünen aktiv gewesen und habe dann über einige Jahre hinweg die LINKE gewählt.  Da fällt es einem als interessierter Beobachter des politischen Geschehens naturgemäß schwer Politiker der ‚anderen politischen Richtung‘ in größerer Anzahl sonderlich toll zu finden.

Worauf ich in diesen Zeilen hinauswill ist, dass sich Armin Laschet, zumindest aus meiner Sicht, in den vergangenen Tagen von einem eher farblosen Ministerpräsidenten zu einem wirklich gut geeignet scheinenden ‚Anführer‘ in Krisenzeiten gewandelt zu haben scheint.

Der mir immer unglaublich blass vorkommende MP glänzt derzeit tagtäglich mit einer wohltuenden Mischung aus Ruhe, Entschlossenheit und Zuversicht. Allerdings nicht, ohne die kritischen Punkte und Erfordernisse regelmäßig in aller Klarheit auch anzusprechen.

Natürlich ist selbst mir klar, dass Laschet nicht die Patentlösung in Fragen der Corona-Pandemie hat. Und das verspricht er ja auch gar nicht. Der Ministerpräsident von NRW arbeitet hart, soweit ich das erkennen kann, strahlt Souveränität und Kraft aus, in einem Rahmen, wie das in diesen Tagen noch möglich ist.

Wer beispielsweise seine Rede im Landtag am heutigen Vormittag gehört hat, in der er einmal mehr alle Probleme klar benannt hat und dabei den Willen gezeigt hat alles parteipolitische Gezänk im Sinne der Sache an den Rand zu schieben um in einem gemeinsamen Ansinnen an den Sachthemen zu arbeiten, der kann sich als Bürger von NRW von diesem Mann in diesen schweren Zeiten eigentlich nur gut vertreten fühlen.

Klar sollte uns allen dabei sein, dass noch schwere Tage und Wochen auf uns alle zukommen werden. Das verschweigt auch Laschet nicht. Ganz im Gegenteil! Er betont das immer wieder. Trotzdem versprüht er das Gefühl, dass Nordrhein-Westfalen in diesem Tagen bei ihm gut aufgehoben ist.

Ich denke, es hätte uns mit einer anderen personellen Besetzung in diesem Amt weitaus schlechter treffen können, als mit ihm. Und alleine das ist eine Aussage, die ich so vermutlich noch vor ein paar Wochen nicht getroffen hätte, ohne dass ich anschließend kräftig darüber hätte lachen müssen, ist aus meinem Munde ehrlich gesagt schon ein Kompliment. 😉

Das Auftreten des Ministerpräsidenten nötigt mir in diesen Tagen wirklich allerhöchsten Respekt ab. Danke für ihre Arbeit und ihr, in Anbetracht der Lage, immer noch angenehm souverän wirkendes Auftreten, Herr Laschet!

Ich wünschte nur, die Gründe dafür, dass sie mich von ihrer Eignung für diesen Job dermaßen überzeugen konnten, wären nicht diese, sondern wesentlich alltäglichere gewesen. Aber manchmal zeigen sich die Qualitäten eines Politikers offenbar erst in den schwersten Stunden eines Landes so wirklich.

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19 Kommentare zu “Der politische Gewinner der Corona-Krise in NRW heißt bisher Armin Laschet!

  • #1
    Angelika

    Sorry, aber ist Ihr Artikel ernst gemeint oder ein Aprilscherz?

    Momentan wird im Landtag über ein geplantes Epidemiegesetz debattiert. Haben Sie sich angesehen, was da vorgeschlagen wird?

  • #2
    Himynameis

    Ich kann die Einschätzung teilweise nachvollziehen, bei mir überwiegt aber insgesamt der Eindruck, dass Laschet in dem Bundesland, das als erstes stark betroffen war, unglaublich zögerlich war. Er hat stets darauf verwiesen, es könne keine Alleingänge einzelner Bundesländer geben und hat damit Verantwortung für Maßnahmen weggeschoben. Das Tempo bei Schulschließungen und anderem hat in der Folge Bayern bestimmt.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Dass man auch mal zögert, finde ich in solchen Situationen normal. Fakt ist, dass sich Laschet in dieserr Phase unbestritten in die vorderste Riege der Politiker der Republik befördert hat. Da habe ich ihn vorher nicht gesehen. Er geht aktuell vorweg, strahlt dabei etwas aus und versucht offenkundig sein Möglichstes zum Wohle der Bürger. Mehr kann man in einer Situation, in der zuvor so noch keiner von uns war, eigentlich nicht erwarten. Dass auch er dabei nicht fehlerfrei ist, gestehe ich ihm gerne zu. Ich fühle mich von ihm aktuell jedenfalls ‚gut regiert‘. Und das war vor ein paar Wochen noch nicht so. 😉

  • #4
    Berthold Grabe

    "Unter den Blinden ist der einäugige König"
    So würde ich das beschreiben.
    Die deutsche Politik hat unglaublich inkompetent spät auf die Coronakrise reagiert.
    Fairerweise muss man einräumen, das sie sich damit in Gesellschaft enorm vieler Staaten befindet, deren Wissenspool eigentlich besser ist.
    Das gibt zu denken, wenn Tatsachen erst mit Monaten Verspätung in der Politik aufgrund der fehlinformierten öffentlichen Meinung ernstlich zur Kenntnis genommen werden.
    Wäre es anders gäbe es gar keine Pandemie! Bzw. nur eine die längst unter Kontrolle wäre.
    Ob dies Politikern im Einzelnen oder im Ganzen vorwerfbar ist, ist eine schwierige Frage, zumindest ist dies ein eklatanter Systemfehler, begünstigt durch die jahrzehntelange Abwesenheit echter Bedrohungen.
    Es zeigt aber wie in erschreckendem Maße Politik nicht von Wissen und Fakten, sondern von Meinungen und Interessen abhängig ist.
    Darüber muss nachgedacht werden, wollen wir verhindern, das die nächste Katastrophe uns auf jeden Fall überrollt.
    Corona zeigt, das unser Wohlstand weit labiler ist, als angenommen und sich jederzeit durch solche Ereignisse in Luft auflösen kann. Selbst durch eine rein zahlenmäßig eher harmlose Epedemie.

  • #5
    Arnold Voss

    Ist Corona auch ein Teil des CDU/CSU-Führungskampfes zwischen Laschet und Söder?

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-das-exit-tabu-a-4f0ff3d8-5688-41c1-bed2-e21fca9f50c6

  • #6
    Gerd

    Wo war Laschet als Corona bereits voll in Italien ausgebrochen war?

    a)Masken und Desinfektionsmittel beschaffen?
    b)Ihre Alternativlosigkeit bearbeiten, dass Einreisende aus Risikogebieten untersucht werden?
    c)Karneval feiern?

    Der ist ein weiterer windschnittiger Apparatschik der jetzt den Krisenmanager vortäuscht.

  • #7
    der, der auszog

    @Arnold

    Genau das ist es. Laschet arbeitet derzeit mit zwei Gesundheitsministern zusammen. Laumann und Spahn, wobei letzterer nichts mit der Landesregierung zu tun hat, aber im Zusammenhang mit der Kanzlerkandidatur Laschet seine volle Unterstützung zugesagt hat. Söder kämpft so gesehen allein auf weiter Flur, macht aber in der öffentlichen Wahrnehmung den souveräneren Eindruck, auch wenn Laschet mit dessen Vorpreschen nicht wirklich klar kommt.

    Kanzler wird aber sicherlich derjenige, der als besserer Krisenmanager aus dem Coronawirrwarr hervorgeht.

  • #8
    thommy

    Laschet geht nicht vorneweg, sondern hinkt hinter Söder hinterher.

    Er geht jetzt ein bischen voran, in dem wr über Lockerungen der Maßnahmen spricht.
    .Ich würde das aber nicht als voran gehen, sondern als Abkommen vom Pfad bezeichnen.

    Ansonsten- wer sich derart peinlich mit zu tief sitzenden Mundschutz präsentiert, kann wahrscheinlich auch nicht Kanzler

  • #9
    Berthold Grabe

    Söder ist für die Meisten Nicht Konservativen ein don´t als Kanzlerkandidat und deshalb unmöglich zu loben.
    Die CSU ist traditionell das reaktionäre Feindbild, dem kann man nicht zustimmen ohne Gesicht zu verlieren. Wo kämen wir hin, wenn eingestanden würde, das manchmal konservativ das Bessere Konzept wäre?

  • #10
    Wolfram Obermanns

    Schade, ich finde den Artikel der NZZ nicht mehr, in dem eine Statistik zum Zeitintervall der Verdopplungsrate der Infizierten je Bundesland veröffentlicht wurde.
    NRW: 9 Tage
    Die Masse der Bundesländer: 6 oder 7 Tage

    Die NRW-Regierung macht auf unprätentiöse Weise viel richtig. Im Gegensatz zu den harschen Regelungen von Berlin (Knackiregeln für den Freigang: nicht stehen bleiben oder setzen. Weitergehen!) oder Bayern werden die Verordnungen akzeptiert und gut umgesetzt. Kerniges Posing und Verordnen kommen in liberalen Gesellschaft nur im Schaufenster gut.

  • #11
    ke

    Ja, Laschet ist einer der wenigen Politiker, die nicht beim Wettbewerb und die krassesten und sinnlosesten Verbote mitgemacht hat.
    Söder wird für seine Entschlossenheit gelobt. Nur warum hat Bayern dann die meisten Corona Fälle und konnte nicht auf die Corona-Massen aus Österreich reagieren.

    Laschet ist nie im Funkloch, er ist da. Natürlich macht er Fehler und kann in der komplexen Lage nicht immer souverän wirken. Dennoch ist er der einzige Politiker, der aktuell an eine Exit-Strategie denkt und darauf hinzuarbeiten scheint.

    Ein Macher und kein Show-Man wie die Politiker aus dem Süden

  • #12
    Berthold Grabe

    @11
    Bayern hat deshalb die meisten Coronafälle, weil sie in München zuerst importiert wurden aus China und wegen der Nähe zu Italien.
    NRW wurde erst wach, als in Heinsberg schon längst alles außer Kontrolle geraten ist.
    In Bayern wurde zuerst die Strategie verfolgt Infizierte isolieren und Ansteckungsketten zu verfolgen. Als das in Bayern scheiterte, weil dies nicht mehr ausreichte, haben andere Bundesländer noch gar nicht auf irgendetwas reagiert. Weshalb in Heinsberg die Lage eskalieren konnte.
    Bund und Länder außerhalb Bayerns schliefen da noch den Schlaf der Ignoranz.

  • #13
    Martin Kaysh

    Laschet war die ersten 14 Tage nichts, nicht mal anwesend. Nach Gangelt sind es von ihm aus mit dem fahrrad knapp anderthalb Stunden. Hat ihn nicht interessiert. Er war im CDU-Wahlkampf, musste sich in Israel kanzlertauglich geben, als daheim die ersten krepierten.

    Zurück, laberte zum Entsetzen der Fachleute davon, dass man einfach die Osterferien vorziehe. Das war sachlich falsch, vollkommen. Homeschooling ist nicht: Ferien machen.

    Als die Supermärkte schon ratzfatz leergekauft waren, orakelte er, es könne jetzt bald zu Hamsterkäufen kommen.

    In der AKS musste er in eienr Schalte live mitansehen, das darußen im Lande das Gegenteil von dem passierte,w as er gerade zusammenfantastiert hatte.

    Er ließ die Kommunen völlig im Stich. Er wusste mehrfach nicht, ob Jens Spahn eine 1000-er oder eine 10000-er Grenze empfohlen hatte. Er wusste in Interviews auch nicht, wie lange die Schulen schon geschlossen waren.

    Er ist nicht nur zu blöd, sich eine Atemmaske richtig aufzusetzen. Nach einer drolligen Selbstkorrektur rennt er am nächsten Tag im Pulk durch irgendwelche Hygiene-Einrichtugen. Da saß man im Parlament schon längst auf Lücke.
    Seine orbanesken Gesetzesideen sind ja bekannt.
    Mag sein, dass es für Waltrop reicht. Oder für den CDU-Vorsitz bis zur nächsten Wahl.

  • #14
    Wolfram Obermanns

    Mit anderen Worten das gleiche noch Mal:
    NRW ist das Bundesland mit der langsamsten Zuwachsrate von Neuinfektionen.

    Nun scheint sich mancher nicht hinreichend vom Landesvater an die Hand genommen zu fühlen. Das liegt daran, daß Laschet weder Bruder Johannes, Landesmutter Kraft noch König Söder ist oder versucht darzustellen. Laschet ist Ministerpräsident. Wer an die Hand genommen werden will, mag sich darum in seinem persönlichen Umfeld bemühen. Das ist emotional gesünder und politisch vernünftiger. In NRW wurden über Dekaden hinweg "Kümmerer" gewählt, und genau danach sieht die hiesige Wirtschaft, Infrastruktur und politische Landschaft auch aus, abgehängt.
    Wer Kümmerer wählt wird Kummer bekommen.

  • #15
    thomas weigle

    @ Wolfram Obermanns#14 Zahlen helfen nur in den seltesten Fällen gegen in Stein gemeiselte Ünerzeugungen. Ich finde auch, dass Laschet einen guten Job macht. Mir geht es da in jeder Hinsicht wie @ Robin.

  • #16
    P.Mehrwald

    Ich stimme dem Artikel (Robin Patzwaldt) voll zu. Meine politische Vita ist ähnlich wie die von Robin und ich würde auch nie CDU wählen, empfinde Laschet trotz einiger Unzulänglichkeiten als guten nachvollziehbaren Krisenmanager.Weiter so!

  • #17
    abraxasrgb

    Luschet hatte, laut Artikel in der Welt, wenigstens genug Chuzpe der Bundesmutti zu widersprechen, als es um die zeitliche Ausdehnung der Kontaktsperren ging.

    Ansonsten gilt für mich derzeit einfach Augen zu und durch, sinnlos über Personen zu diskutieren, wenn sich alle einig sind und der rechtliche Rahmen so eng gezogen ist.
    #alternativlos

  • #18
    Wolfram Obermanns

    Laut Süddeutsche bzw. FAZ (ein Link zum Artikel findet sich im heutigen Ruhrpilot) sehen die Verdopplungsfristen Stand Mittwoch so aus:
    NRW: >13d
    Bayern: >7d
    selbst die Gurkentruppe in im "nicht funktionierenden Teil Deutschlands" ist erfolgreicher
    Berlin: >10d ( bei nun aufgehobenem Sitzverbot in der Öffentlichkeit 🙂 )
    D gemittelt: 10,3d

    Laschet ist weder besonders foto- noch telegen. Rhetorisch ist auch noch Luft nach oben.
    Aber im Zusammenhang mit Corona zeigt sich, die im Land vorhandene Kompetenz findet neuerdings Resonanz, wohingegen wichtigtuerische Knallköppe ausmanövriert werden.
    Letzteres geschah politisch riskant und dadurch medienwirksam umgesetzt mit dem Gelsenkirchener Verwaltungsgericht. Das Ausmanövrieren eines Gerichts kann (sollte) niemanden wirklich gefallen, umgekehrt war es ein klares Signal, die Zeit der Selbstlähmung ist vorbei. Die Botschaft macht langsam die Runde, auch wenn über die Bande des Oberverwaltungsgerichts eine für Gelsenkirchen gesichtswahrende Lösung gefunden wurde.

  • #19
    Helmut Junge

    Laschet bleibt noch 10 Jahre Stellvertreter von Merkel, aber dann dürfte er wohl aufrücken, wenn Merkel Bundespräsidentin wird. Alle werden zufrieden sein.

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