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Der Trainerwechsel in Köln kann nur ein Anfang sein

Der gebürtige Kölner Markus Anfang konnte beim FC leider nie so recht Fuß fassen. Foto: YouTube Screenshot

Der gebürtige Kölner Markus Anfang konnte beim FC leider nie so recht Fuß fassen. Foto: YouTube Screenshot

Es ist schon eine besonders tragische Geschichte, die der Fußball da wieder geschrieben hat: Markus Anfang war auf dem besten Weg, den 1. FC Köln wieder in die erste Bundesliga zu führen. Nach sechs Siegen in Folge sah es auch beim MSV Duisburg lange gut aus, ehe die zwischenzeitliche 4:2-Führung gegen die abstiegsbedrohten Zebras noch aus der Hand gegeben wurde.

Beim selben Spiel erlitt Anfangs Vater Dieter im Stadion einen Herzinfarkt. Zwar befindet sich dieser auf dem Weg der Besserung, dennoch darf man annehmen, dass es für seinen Sohn nicht nur aus sportlicher Sicht harte Wochen waren. Der Umgang mit diesem erscheint auch deshalb ein wenig pietätlos, zumal sich die Frage stellt, ob es wirklich sinnvoll ist, den ehemaligen Kieler nicht erst nach Saisonende, sondern mitten im Aufstiegsrennen von seinen Aufgaben zu entbinden.

Man hätte bereits viel früher die Notbremse ziehen müssen, denn es ist nicht die erste Schwächephase in dieser Saison und auch wenn der FC den Aufstieg als Tabellenführer selbst in der Hand hat, kann man mit den dargebotenen Leistungen des teuersten Kaders der Liga nicht zufrieden sein. Die FC-Fans sind nicht etwa unzufrieden, weil sie eine zu hohe Erwartungshaltung an den Tag legen, sondern, weil sie befürchten, in der aktuellen Verfassung der Mannschaft sofort wieder abzusteigen.

Seit dem MSV-Spiel stimmten weder die Ergebnisse noch die Spielweise. Gegen Hamburg hat die Mannschaft in der zweiten Halbzeit förmlich um das Gegentor gebettelt und so einen Sieg gegen den stärksten Konkurrenten verspielt. Danach kam die 0:3-Schlappe in Dresden und nun auch noch die Heimniederlage gegen Darmstadt. Dabei hatten viele FC-Fans bereits fest eingeplant, bei diesem Spiel den Aufstieg im eigenen Stadion zu feiern.

Daraus wurde jedoch nichts, und da auch die spielerische Leistung wieder einmal zu wünschen übrig gelassen hatte, wurden zum wiederholten Male Unmutsbekundungen der Fans geäußert. Nur einen Tag nach dem Spiel musste Anfang seinen Hut nehmen. Dass die Schuldzuweisungen ausgerechnet ihn treffen, ist nur teilweise begründet. Anfang ist mit ziemlicher Sicherheit nicht der richtige Trainer, um eine Mannschaft wie den 1. FC Köln in der Bundesliga zu etablieren. Doch er ist nicht allein für die aktuelle Misere verantwortlich.

Sportdirektor Armin Veh z.B. hat nicht nur Anfang eingestellt, sondern auch den merklich unausgeglichenen Kader zusammengestellt. Während die Stürmer mehr als bundesligatauglich sind, kann man das vor allem von der Defensive leider nicht behaupten. Jorge Meré ist meist der einzige Lichtblick in der Kölner Abwehr, und der junge Spanier war noch von Vehs Vorgänger Jörg Schmadtke verpflichtet worden. Veh hingegen hatte Rafael Czichos und Lasse Sobiech mit Vier-Jahres-Verträgen ausgestattet, und das, obwohl beide bereits auf die 30 zugehen und nur wenig bis gar keine Erstliga-Erfahrung vorweisen können.

Abgesehen davon, dass Veh sich auch in vollkommen unprofessioneller und respektloser Weise über Vertreter des Mitgliederrats geäußert hatte, kann man den Geschäftsführer also auch für seine Transferpolitik durchaus kritisieren. Es ist daher richtig, dass nicht Veh den Trainerposten für die letzten drei Spiele übernimmt, sondern U21-Trainer André Pawlak zusammen mit Stögers ehemaligem Co-Trainer Manfred Schmid, der zurzeit als Chefscout beim FC angestellt ist. Pawlak hat es immerhin geschafft, die U21 auf ihrer Mission Klassenerhalt in eine komfortable Ausgangslage zu bringen, nachdem er sie zu einem Zeitpunkt übernommen hatte, als die FC-Amateure auf einem Abstiegsplatz standen. Es bleibt zu hoffen, dass die Nachwuchskicker jetzt nicht unter Pawlaks vorübergehender Beförderung leiden müssen.

Außerdem stellt sich spätestens nach dem Saisonende, wenn der FC dann hoffentlich den Aufstieg eingetütet haben wird, die Frage, welcher Trainer langfristig übernimmt, denn Pawlak gilt als Übergangslösung, ähnlich wie Ruthenbeck im Jahr zuvor. Angeblich soll Bruno Labbadia das Ruder übernehmen. Trotz seiner jüngsten Erfolge beim VfL Wolfsburg ist eine gewisse Skepsis bezüglich dieser Personalie durchaus angebracht, wenn man sich seine gesamte Trainerkarriere ansieht.

Die Trainerfrage ist jedoch nicht die einzige ungeklärte Personalie beim FC. Noch in diesem Jahr wird ein neuer Vorstand gewählt, und es zeichnet sich eine Kampfkandidatur der verbliebenen Vorstandsmitglieder Toni Schumacher und Markus Ritterbach gegen einen möglichen Kandidaten des Mitgliederrates ab. Während Schumacher und Ritterbach nicht nur, aber insbesondere in der aktiven Fanszene in Ungnade gefallen sind, ist noch unklar, wer bei einer Kandidatur der beiden Präsident werden würde. Angeblich soll es Wolfgang Bosbach machen, dagegen spricht allerdings sein Gesundheitszustand. Auch, welchen Kandidaten der Mitgliederrat vorschlägt, ist noch nicht bekannt. Dennoch wirft die Wahl bereits ihre Schatten voraus.

Ein neuer Präsident hätte jedenfalls eine Menge zu tun. Anfang zu entlassen und darauf zu hoffen, dass ein neuer Trainer aus dem vorhandenen Spielermaterial das Beste rausholt, ist jedoch zu wenig, um in der ersten Liga zu bestehen. Es müssen Verstärkungen auf dem Transfermarkt her und das Budget reicht leider nicht für große Sprünge. Ob Veh der Aufgabe gewachsen ist, unter diesen Voraussetzungen einen erstligareifen Kader zu bilden, darf bezweifelt werden.

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4 Kommentare zu “Der Trainerwechsel in Köln kann nur ein Anfang sein

  • #1
    thomas weigle

    Köln halt!!! Ab damit in die Schublade "Erledigte Fälle." Dabei ist noch nicht mal Karneval und der erste April ist auch schon etwas her.
    In Kiel wird sicher mancher hohnlachen!!

  • #2
    Roland Wengler

    Die Leute die hier jetzt alle nach Stöger rufen sollten sich mal daran erinnern wer den Absturz in die 2. Liga mit zu verantworten hat….. Die meisten haben hier vor 1,5 Jahren noch geschrieben dass er weg muss und vor einem Jahr dass die Trennung zu spät kam.Unter Stöger hat der FC auch den schlechtesten abstieg der Vereinsgeschichte zu verzeichnen. Und ja, wir sind mit ihm in die EL gekommen, aber nicht weil der FC so überragend war, sondern die anderen sehr schlecht waren.
    Zugegeben Stöger hat die Messlatte ziemlich hoch gesetzt aber mir wäre ein Ruthenbeck tausend mal lieber…der hat wenigstens teilweise echt schönen Fussball spielen lassen und wurde nicht belohnt…beim Anfang ist es umgekehrt da wird scheisse gespielt aber die Punkte wurden geholt!!! Aber sein einziges Konzept ist durchschaut!!! Stellt man Terrodde kalt ist der EFFZEH verloren !!! Der beste Kämpfer (Cordoba) hätte es verdient gehabt von Anfang an zu spielen !! Und lässt endlich den sörensen spielen!!

  • #3
  • #4
    thomas weigle

    @ Roland Wengler "Schlechtester Abstieg der Vereinsgeschichte." Darauf muss mal erst mal kommen. Als SGE-Fan bin ich ja auch so einiges gewohnt an Abstiegen, aber diese hübsche Formulierung ist mir bislang noch nicht untergekommen bzw. selber eingefallen. Jetzt bleibt nur noch die Frage nach dem besten Abstieg der Vereinsgeschichte. Sowohl in Köln als auch in FFM. Schmunzel.

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