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Die ‚Beschwerde‘ der Deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft ist schlicht unsachlich

Wer kennt diesen Mann? Foto: Robin Patzwaldt

Sie kämpfen einmal wieder um mehr öffentliche Anerkennung. Die Frauen-Fußball-Nationalmannschaft sorgt mit einem Werbespot ihres Sponsors ‚Commerzbank‘ aktuell für viel Aufsehen.

„Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“, lassen sie darin unter anderem wissen. Das schafft Aufmerksamkeit. Vor allem für die bevorstehende WM, die vom 7. Juni bis 7. Juli 2019 in Frankreich stattfinden wird.

Spielführerin Alexandra Popp, Mittelfeldregisseurin Dzsenifer Marozsán und Kolleginnen versuchen mit Klischees und Stereotypen aufzuräumen. Denn: „Seit es uns gibt, treten wir nicht nur gegen Gegner an, sondern gegen Vorurteile.“ Soweit, so gut.

Doch hier beiläufig auf die Mitleidstour zu setzen, sich leicht schmollend als von der Masse der Leute in diesem Lande ungerecht behandelte Opfer darzustellen, das wirkt nicht nur ziemlich peinlich, das ist schlichtweg falsch.

Wenn in dem Spot Spielerinnen fragen „Weißt du eigentlich, wie ich heiße?“, wird in der Tat kaum jemand der Zuschauer diese Frage richtig beantworten können.

Dann geht es weiter mit: „Dass wir dreimal Europameisterinnen waren, weißt du schon, oder? Nicht? Stimmt, es waren ja auch acht Mal.“

Klar, neben acht EM-Titeln stehen für die Frauennationalmannschaft inzwischen zwei WM-Titel und Olympiagold zu Buche. Freunde des Frauen-Fußballs wissen das. Die Mehrheit im Lande vermutlich nicht.

Dass sie persönlich in Deutschland bisher weitestgehend unbekannt sind, mag sie vor diesem Hintergrund stören, doch die Argumente „Wir sind die mit Schminke im Gesicht, die gerne Stöckelschuhe tragen – und Overknees. Unsere Vorbilder, die sind wir längst selbst“ und schnippische Aussagen wie: „Es ist okay, du musst dir unsere Gesichter nicht merken. Nur, was wir wollen: spielen. Unser Spiel“, die wirken einfach nur bockig und platt.

Wäre aber ja alles völlig OK, wenn sie dieser Meinung sind und konsequent danach handeln würden. Doch das öffentliche Gejammer ist schlicht daneben. Auch wenn es sich nur um einen Werbespot einer Bank handelt.

Natürlich ist es aus der Sicht der Frauennationalmannschaft verständlich, dass sie darüber enttäuscht sind, nicht annähernd so populär zu sein wie andere Sportler. Das jedoch auf die Tatsache zu schieben, dass sie eben Frauen sind, das greift doch deutlich zu kurz.

Schon ein kurzer Blick auf die Zuschauerzahlen bei den Ligaspielen zeigt, warum das letztendlich so ist. Und das hat nichts mit ihrem Geschlecht zu tun. Wenn sich nur ein paar hundert Zuschauer ein Spiel der Frauen-Bundesliga anschauen wollen, die Spiele bei den Männern aber von durchschnittlich 40.000 Fans im Stadion verfolgt werden, dann erklärt alleine das schon viel. Die Zuschauerzahl der Frauen-Bundesliga liegt eben nur auf dem Niveau von unterklassigen Amateurspielen bei den Männern. Und dort sind die Spieler ebenfalls keinem größeren Publikum bekannt.

Auch bei den Männern sind übrigens längst nicht alle Spitzensportler mit beeindruckenden Titelsammlungen so prominent, dass die Mehrheit der Deutschen sie erkennen würde. Oder wer hier von unseren Lesern würde schon einen Basketball-Nationalspieler, einen Eishockey-Nationalspieler, einen Handballprofi oder einen Zweitligafußballprofi im Herrenbereich auf der Straße erkennen? Eben. Ebenso kaum jemand. Und die spielen alle regelmäßig vor deutlich mehr Publikum als die Frauennationalmannschaft des DFB.

Selbst ein Multimillionär wie der in Köln aufgewachsene Eishockey-Profi Leon Draisaitl (Foto oben), der gehaltstechnisch mit den Top-Stars der Männer-Bundesliga im Fußball absolut mithalten kann, dürfte in den allermeisten Städten in Deutschland völlig unerkannt durch die Straßen laufen können.

Es gibt für die DFB-Frauen in diesem Punkt also gar keinen Grund sich öffentlich über ihr Schicksal zu beklagen. Die Spielerinnen sollten sich lieber an das halten was sie in ihrem Spot selber am Rande propagieren: „Wir wollen spielen. Unser Spiel.“

Können sie ja. Und wer mag, der schaut ihnen dabei zu. Spielen sie gut, wird der Bekanntheitsgrad vielleicht irgendwann größer. Ist bei den Männern ja auch so gewesen. Eigentlich alles ganz einfach und überhaupt kein Grund die beleidigte Leberwurst zu spielen.

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16 Kommentare zu “Die ‚Beschwerde‘ der Deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft ist schlicht unsachlich

  • #1
    Nina

    Ich finde den Spot aggressiv und abstoßend. Und er hat das große Manko, das so gut wie alle feministischen Bestrebungen in Deutschland haben-er polarisiert zwischen Männern und Frauen, zwischen "ihr" und "wir". Langfristige Veränderung wird es für Frauen nur mit Männern gemeinsam geben und nur dann, wenn das Feindbild Mann ausgedient hat.

  • #2
    FrankN.Stein

    Genau. Die Mädels werden halt viel zu leicht emotional. Hatten wahrscheinlich gerade ihre Tage. Gut dass männliche Journalisten die Lage von Sportlerinnen so viel besser von außen beurteilen können als die Mädels selber und ihnen mal erklären, wie’s wirklich ist.
    Mann, Mann, Mann, Leute.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @FrankN.Stein: Ist nicht das erste Mal, dass in Texte zu solchen Themen Sachen reininterpretiert werden, die da gar nicht drinstehen. Und irgendwie hatte ich mit sowas auch diesmal wieder gerechnet. Gehört wohl irgendwie dazu… 🙂

  • #4
    Johann

    @ FrankN.Stein

    guter Kommentar! Nur deshalb habe ich überhaupt den Text von Robin Patzwaldt gelesen. Dazu sag ich jetzt nicht mehr, als Sie es schon taten: "Netiquette" …

  • #5
    Ke

    Das Jammern ist zum Fremdschämen.
    Frauenfussball interessiert kaum, da müssen sich die Sportlerinnen besser vermarkten.

    Btw: Wer kennt die dt. Meister im 100m Sprint?

    Das ist für mich die grösste Leistung, denn gerannt wird überall.
    Insbesondere im Frauensport gibt es häufig keine Konkurrenz und oft beginnen Wettbewerbe auf Landesebene. Wie schnell wird man dann dt. Meister.

    Wie schön sind Volksläufe etc in denen Männchen und Weibchen und Diverse gemeinsam laufen und sich einfach der Leistung nach einordnen.

  • #6
    Klaus Lohmann

    @Robin: In Deinem Artikel über die Sunderland-Netflix-Doku zeigst Du Dich sehr begeistert, wie gut die Emotionen des Fußballlebens rüberkommen und ich glaube nicht, dass Netflix so damit begeistern könnte, wenn die eine reine Leistungsshow der Black Cats-Spiele und deren Ergebnisse ins Bild gesetzt hätten.

    "Emotions sell" in allen Marketing-Lebenslagen, nichts anderes macht dieser Spot der Fußballfrauen. Und wenn er mehr Aufmerksamkeit als ein nächster WM-Titel erzeugt, dann ist das heute halt so. Guck Dich in der Werberei um.

  • #7
  • #8
    Ludolf Fuchs

    @Robin: Was ist denn Ihnen über die Leber gelaufen? Ich kenne das Video sehr gut und ich habe keine Anzeichen von "beleidigter Leberwurst" gesehen. Der Spot ist witzig, etwas provokativ, und erreicht seinen Zweck: es wird geredet und diskutiert. Ich freue mich über soviel Mut, und sicher können Sie das auch doch etwas gelassener angehen. Die Frauen kämpfen für ihre Sportart und für sich – das ist doch in Ordnung? Schauen Sie sich mal in Europa um, wie der Frauenfussball im Kommen ist……

  • #9
  • #10
    Nina

    @2 FrankN.Stein: Und wenn eine Frau anstelle des Autors den Beitrag geschrieben hätte, was hätten Sie dann der Autorin vorgeworfen? 😀

  • #11
    Helmut Junge

    Arnold, sehe ich auch so. Klasse! Ich sehe Selbstbewußtsein und Werbung für ihren Sport. Völlig übertrieben zwar, aber das machen Männer noch viel übertriebener. Machomäßig gut. Das ist doch genau das, was Frauen bringen müssen, wenn sie sich durchsetzen wollen. Auch im Berufsleben.

  • #12
    Peter Ansmann

    Mit einer Pflicht zu gemischten Mannschaften (50% Quote) für sämtliche Turniere auf nationaler und internationaler Ebene (Dafür gibt es ja Fußballverbände), gäbe es diese Diskussion überhaupt nicht.

  • #13
    thomas weigle

    Ich find die DFB-Frauen gut. In jeder Hinsicht. Erfolgreicher als die Männer sind sie in diesem Jahrtausend allemal.

  • #14
    Ke

    Warum Quote? Einfach zusammen spielen lassen. Wer es nicht bringt, spielt eine Klasse tiefer.
    Mixed funktioniert in den meisten Sportarten.
    Die Reiter reiten auch zusammen …
    Männer und Frauen sind in der Armee…

    Es fehlen doch in so vielen Vereinen Mitglieder.

  • #15
    thomas weigle

    @ke Steffi Jones erzählte vor vielen Jahren mal, dass sie in den ersten Jahren, so bis 12 glaube ich mich zu erinnern, in einer gemischten Mannschaft mittat. Erst ab einem gewissen Alter war das dann nicht mehr möglich.

  • #16
    Ludolf Fuchs

    @ thomas weigle
    das ist für viele erfolgreiche Damen im Fussball häufiger anzutreffen, als Beispiel Leonie Maier oder Melanie Behringer, die lange in Jungenmannschaften mitgespielt haben. Ganz aktuell wurde jetzt vom 1.FFC Frankfurt die Spielerin Sjoeke Nüsken verpflichtet. Zitat vom DFB dazu: " In der laufenden Saison spielt Nüsken noch mit einer Sondergenehmigung bei den männlichen A-Junioren von Westfalia Rhynern in der U 19-Landesliga".

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