13

Die Deutschen wollen den Zweiten Weltkrieg moralisch nachträglich gewinnen

In den USA kursieren rund 300 Millionen Pistolen und Gewehre. Die beliebteste Waffe ist das AR-15, ein halbautomatisches Sturmgewehr.

Waffen, Armut und Nazis. So sieht das öffentlich-rechtliche ZDF Info während eines Thementages auf die USA. Foto: ZDF/ Grégory Roudier

Außenminister Heiko Maas hat den Amerikanern einen “Marshallplan für Demokratie” angeboten. Gemeinsam solle man die Spaltung in den Ländern überwinden. Das ist mehr als nur ein Aussetzer eines fehlbesetzten Politdarstellers. Es ist Ausdruck des Wunschs der Deutschen, Moral-Weltmeister und Führer der freien Welt sein zu wollen – und damit eine 75 Jahre alte Schande vergessen zu machen.

Der Mai 1945 war die Stunde Null. Deutschland hatte bedingungslos kapituliert. Bedingungslos wollten die Militärs es lange Zeit nicht machen – auch nicht als der Krieg schon längst verloren war. Doch die Alliierten hatten es früh zur Voraussetzung für ein Ende des Waffengangs gemacht. Das Szenario von 1918/19 sollte sich nicht wiederholen, als die Deutschen sich eingeredet hatten, den Krieg eigentlich nicht verloren zu haben und anfingen, seine Ergebnisse in Frage zu stellen – und zu korrigieren. Im Mai 1945 konnte nicht einmal mehr der oberste Suggerist der Nazis, Joseph Goebbels, die Niederlage schönreden – beging Selbstmord und ließ seine Kinder gleich mit töten.

Doch die Stunde Null ging zu Ende. Und Deutschland begann den Krieg nachträglich zu gewinnen. Wirtschaftlich. Verschiedene Faktoren machten dies möglich: Nach der Katastrophe waren die Deutschen bereit, hart für wenig Geld zu arbeiten. Im Londoner Schuldenabkommen von 1953 wurden Deutschland Schulden erlassen, die unter anderem noch aus der Zeit der Weimarer Republik stammten. Geld, das Deutsche sich aus dem Besitz der ermordeten und vertriebenen Juden ergaunert und im Ausland, vor allem in der Schweiz, gebunkert hatten, floss zurück in die Wirtschaft.

Und dann gab es den Marshallplan. Die Amerikaner investierten in Europa nach dem Krieg rund 13 Milliarden Dollar, was einem heutigen Wert von etwa 140 Milliarden Dollar entspricht. Während der Plan in Frankreich umstritten war, profitierten die Deutschen gerne davon. Das primäre Ziel des Plans, die Wirtschaftskraft zu fördern, ging auf. Ebenso die sekundären Absichten der Amerikaner: Absatzmärkte aufbauen und sichern sowie politischen Einfluss vergrößern.

Den Krieg nachträglich wirtschaftlich gewonnen

Die Deutschen stiegen binnen weniger Jahre zum “Export-Weltmeister” auf. Wirtschaftlich war der Zweite Weltkrieg somit nachträglich gewonnen. Territorial blieb der Krieg verloren. Aber das war verschmerzbar. Denn mit dem Einigungsprozess der Europäischen Union verloren die Staatsgrenzen auf dem Halbkontinent erst langsam an Bedeutung – nach 1989 dann schneller.

Doch eine Wunde ist nicht verheilt. Mit der Shoah lastet den Deutschen ein Verbrechen an, das zu groß ist, um es wirklich begreifen zu können. Ein Verbrechen, das ohne den Krieg nicht zu realisieren gewesen wäre. Und ein Verbrechen von dem Maas – er nennt es Holocaust – sagt, es habe ihn bewogen, in die Politik zu gehen. Warum dann Deutschland in seiner Amtszeit wie besessen in den Vereinten Nationen gegen Israel stimmt, müsste Maas mal beantworten.

Vielleicht liegt die Antwort in Maas’ Lebenslauf. Der Saarländer ist ein Zombie des Politbetriebs. Drei mal hat er sich bei Landtagswahlen dem Wähler gestellt. Drei mal ist er durchgefallen, teilweise unter demütigenden Umständen. An der Niederlage bei der Bundestagswahl von 2017 trägt Maas eine Teilschuld: Knapp ein Jahr vorher deckte Frontal 21 auf, dass Maas und andere SPD-Politiker sich für Gespräche mit Unternehmer vermieten ließen. Vom Wahlverlierer zum Justizminister zum Außenminister beförderte die SPD Maas trotzdem. Sein Status als Apparatschik überwiegen seine Niederlagen – für die Partei.

“Führerin” der freien Welt

Doch mit der Maaschen Unfähigkeit allein lässt sich sein Vergleich mit dem Marshallplan nicht erklären. Denn die Wortwahl des gerne gegen Israel stimmenden Ministers passt in das Bild, in dem sich die Deutschen selbst gerne sehen: das des Landes, das auch moralisch den Krieg  gewonnen hat. Nachträglich.

“Unter Waffen – Amerikas tödliche Leidenschaft”. “Armes Reiches Amerika – Leben im Schatten des Wohlstandes”. Oder: “Amerikas neue Nazis – Täter und Strategien”. So lauten die Titel an einem US-Thementag des öffentlich-rechtlichen ZDF Info. Vor allem der letzte Titel ist perfide. Offensichtlich suggeriert er, dass die Nazis jetzt aus den USA kommen. Unterschwellig schwingt sogar mit, dass es doch eigentlich schon vorher so war.

Nun sind die USA also das moralisch am Boden liegende Land, dem der deutsche Außenminister mit einem Marshallplan die Demokratie bringen will. Meint, bringen zu müssen. Dazu passt der Speichel, der den deutschen Moral-Weltmeistern gelaufen ist, als der scheidende Präsident Barack Obama die deutsche Kanzlerin auf dem Kirchentag aufgefordert hat, sich weltweit gegen Fremdenhass und antidemokratische Ströme einzusetzen.

Merkel sei nun Führerin der freien Welt, hieß es in deutschen Medien. Passend zum neuen Selbstwertgefühl der Deutschen. Als nachträglicher moralischer Sieger des Kriegs. Dass sie Obamas englischen Worte mit “Führerin der freien Welt” übersetzten, birgt natürlich Ironie. Doch Ironie bedeutet Brüche – und für die Wahrnehmung von Brüchen sind Moral-Weltmeister nie zugänglich.


“Unter Waffen – Amerikas tödliche Leidenschaft” läuft am Freitag, 22. Januar 2021, ab 11.30 auf ZDF Info.

#Maas #Marshallplan-Vergleich ist mehr als ein Ausrutscher - sondern Teil des Wunsches der Deutschen, Moral-Weltmeister zu sein:
RuhrBarone-Logo

13 Kommentare zu “Die Deutschen wollen den Zweiten Weltkrieg moralisch nachträglich gewinnen

  • #1
  • #2
    Thomas Baader

    Sagen wir es doch einfach mit den Worten von Heinrich Heine:

    Franzosen und Russen gehört das Land,
    Das Meer gehört den Briten,
    Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
    Die Herrschaft unbestritten.

  • #3
    geheim

    Sorry, aber dein Vergleich ist historisch arg krude und schief. Es ist so als ob du den als Aufregertext aus einem vllt. nicht perfekten Statement heraus geschrieben hast, um Klicks zu generieren. Aber ernsthaft "die Deutschen" wollen, in Form ihres Außenministers, der kollektiv für alle Deutschen, die alle gemeinsam eine Position vertreten, den WW2 nachträglich gewinnen? Was für ein Geschwurbel.

  • #4
    Herbert Frahms Rache

    Deutsche……????

    nein:

    Sozialdemokraten….!!!!

    Heiko Maas erklärt den Amerikanern den Marschallplan, Gerhard Schröder erklärt 2012 den Armeniern den Holocaust, Frank Walter Steinmeier gratuliert 2019 den iranischen Mullahs im Namen seiner Landsleute (Achtung: den …Deutschen !!!) zum Bestehen der islamischen Republik und durch einen Stadtdirektor a.D. erfährt das Ruhrgebiet, 2021 das es den Begriff des politischen islamisten jetzt auch mit einem Teil der amerikanischen Bevölkerung vergleichen kann.
    Nie war sozialdemokratischer Geschichtsunterricht so kreativ wie im 21. Jahrhundert

  • #5
    paule t.

    Möglicherweise interpretiert der Autor da in eine ungeschickt formulierte Initiative (und ja, die Anspielung auf den Marshallplan ist natürlich sehr schräg, wenn man die Vorgeschichte betrachtet) ein bisschen viel hinein. Möglicherweise ist die Folgerung daraus, dass Maas (bzw. gleich "die Deutschen") nachträglich moralisch den Krieg gewinnen wolle, mindestens genauso schräg. Möglicherweise ist der Vorwurf, Maas wolle Deutschland als moralisch überlegen darstellen, auch einfach falsch, wenn man in einen etwas ausführlicheren Artikel* über Maas Aussagen schaut als die verlinkte Kurzmeldung.

    Und möglicherweise haben die USA ja auch tatsächlich ein ernsthaftes Problem mit Feinden der Demokratie (wie andere Länder auch, wie Maas es ja sagt) und wäre gegenüber diesen ähnlichen Problemen eine gemeinsame Initiative tatsächlich nicht falsch.

    *z.B. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/heiko-maas-will-mit-usa-marshallplan-fuer-demokratie-erarbeiten-a-bb1995cf-d3bf-45bc-89c5-92a2bd0887c2

  • #6
    Berthold Grabe

    Ich traue Maas schon das Motiv zu zu beweisen, das wir gute Deutsche sind.
    Ebenso glaube ich, das es eine Missverständnis wäre , das tatsächlich als Motiv zu nutzen.
    Entweder man macht gute Politik oder nicht.
    Dann kann man getrost das Urteil der Welt abwarten.
    Maas Problem ist es ,das er keine gute Politik macht und dazu auch nicht befähigt erscheint.

  • #7
    Helmut Junge

    haha @paule t., möglicherweise ist Maas gar nicht selbst daran schuld, daß ich ihn für profilierungsüchtig, aber unfähig halte, sondern der Herr Thurnes. Ob es Ihnen gelingt, das Image von Herrn Maas, das er bei mir genießt, aufzuwerten? Da müßten Sie aber alle Schoten, die er in der Vergangenheit abgesondert hat, erklären. Sonst glaube ich Herrn Thurnes.

  • #8
    paule t.

    @ #7, Helmut Junge

    Sie schreiben völlig an meinem Kommentar vorbei. Über eine evtl. "Profilierungssucht" oder Unfähigkeit Maas’ habe ich kein Wort verloren.

  • #9
    Helmut Junge

    @paule t. nehmen Sie es mit Humor. Mir gefiel möglicherweise die Verwendung des Wortes "möglicherweise". Ich nehme den Herrn Maas seit diesem Angebot an die Amis auch mit Humor. Früher hatte ich mich oft über ihn geärgert. Das ist jetzt Geschichte.

  • #10
    Olli

    @geheim:

    Geschwurbel? Die Unterhaltung über Amerikaner und Juden mit einem Großteil der Deutschen entspricht eben dem, was in dem Bericht steht. Wenn Herr Pispers auf der Bühne genüssliche jedes "amerikanische Schandtat" auswendig runter betet ( aber natürlich nur die amerikanische ), der deutsche Politik- und Medienbetrieb das amerikanische demokratische Prinzip in Frage stellt, Deutschlands System – Erinnerung, das mussten uns die Amis erst bombeneintrichtern und hinterher mit ihrer Militärpräsenz, zusammen mit den Briten, schütze – als "überlegen" ansehen.
    Und so geht es in Europa bei Staaten, die sich nicht so verhalten, wie Deutschland es will und von denen Deutschland sich nicht abhängig wähnt, während es gewinnversprechenden autoritären Staaten wie Türkei, Iran und China schmeichelt und katzbuckelt.

    Auch ist in der Nahost-Politik nichts gut, woran nicht die Arier – sorry, Deutschen – und Herr Maaß beteiligt waren, konnten Trump und Netanyahu historische Friedensschritte durch Normalisierungsabkommen mit arabischen Staaten einläuten. Nein, Gutes darf nicht gut sein, wenn es von denen kommt, dann lieber den illegitime Despot Mahmud Abbas lobhudeln, der die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte mit Israel neu anschiebt im Oktober als BESTE Nachricht seit langem aus dem Nahen Osten zu adeln.

    Nein, es ist kein Geschwurbel, dass Deutschland ( und ja, nicht ALLEN Deutschen ) derzeit am diese "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen"-Mentalität noch anhängt.

  • #11
    Truppel, Peter

    Aus dem Aufsatz von Marco Thurnes glaube ich zwei Auffassungen herauszulesen.Erstens,er mißbilligt den wirtschaftlichen Aufschwung der BRD nach dem Krieg. Er glaubt, dass die Deutschen hierzu kein Recht hätten und zweitens die Deutschen auch kein Recht haben, israelische Politik der Gegenwart zu kritisieren. Zweifellos haben die Deutschen an den Juden unsagbare Verbrechen verübt. Verbrechen, die nie gesühnt werden können, die die deutsche Geschicte für immer belasten. Ich spreche nicht von einer Verantwortung einer überschaubaren Nazi Truppe, sondern von der Verantwortung für diese Verbrechen des gesamten deutschen Volkes. Wenn die Untaten aus dem KZ nicht Jedem bekannt waren, so hat doch jeder Deutsche hautnah erlebt, wie im deutschen Nazi Reich mit den Juden umgegangen wurde. Und nicht wenige haben nicht nur weg geschaut, sondern haben an der Verfolgung tätig mit gewirkt. Das darf nie vergessen werden. Diese Verbrechen werden immer zwischen Deutschen und Juden stehen. Deshalb kann es eine echte Freundschaft zwischen beiden Völkern nie geben Das Verhältnis ist belastet und verkrampft.
    Das darf natürlich nicht heißen, dass den Deutschen jegliches Recht abgesprochen wird, die aktuelle israelische Politik zu beurteilen und auch zu kritisieren. Es kann nicht sein, daß die Israelis, wenn sie von Deutschen für ihre aggressive Politik im Nahen Osten unter Kritik gestellt werden, lauthals schreien, die Deutschen seien Antlsemiten. Ohne Zweifel gibt es, man muss es mit Sorge zur Kenntnis nehmen, in Deutschland Antisemitismus,den es zu bekämpfen gilt. Aber das kann und darf eine kritische Haltung zu einem Volk, dass sich gegenwärtig als der Aggressor im Nahen Osten in Szene setzt nicht ausschließen. Die gegenwärtige israelische Politik ist von einem immer mehr erstarkenden Nationalismus geprägt. Vor einem solchen Nationalismus hat zum Beispiel Viktor Klemperer immer wieder gewarnt. Klemperer, ein deutscher Jude, Professor an der TU Dresden, hat mit etwas Glück die Vernichtung in Deutschland überlebt, er war mit einer "arischen" Frau, einer bekannten Pianistin, verheiratet und über sein Leben von 1933 bis 1945 Tagebuch geführt. Diese Tagebücher sind ein eindrucksvolles Zeugnis der Judenverfolgung im 3.REICH.Die Schriften von Theodor Hetzl, die eine theoretische Grundlage für die Stastsgründung Israels darstellten, verglich Klemperer mit Hitler "Mein Kampf". Er warnte ausdrücklich vor dieser Stastsgründung, weil sie einen Nationalismus zur Folge haben würde, der nicht mehr beherrschbar sei und zum Untergang führen könne. Nach meiner Auffassung war die Warnung, sieht man sich die heutige Politik Israels an, mehr wie berechtigt. Hoffen wir sehr, dass das israelische Volk früher oder später diesen Irrweg erkennt und es nicht zu spät ist, diesen zu korrigieren.

  • #12
    nussknacker56

    Herr Truppel,

    Ihrem Beitrag #11 entnehme ich, dass Sie sich als Deutscher große Sorgen machen, sie dürften Israel nicht kritisieren. Ich kann Sie beruhigen: Gerade durch die vorbildliche Verarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen haben wir Deutsche hier besondere moralische Kompetenzen erworben. Von daher ist es sogar unsere Pflicht, Israel zu kritisieren.

    Aber ich möchte Sie – aus reiner Neugier – noch was fragen:

    1. Islamischer Staat, iranische Stützpunkte im Irak, Assad in Syrien, Hutis in Yemen und Hisbollah im Libanon lassen wir mal außen vor. Worin besteht für Sie die besondere Aggressivität Israels im Nahen Osten?
    Vielleicht können Sie dabei die Aktivitäten der diversen palästinensischen Terrororganisationen mitberücksichtigen. Eventuell noch, dass im iranischen „Parlament“ neuerdings die Vernichtung Israels zum Gesetz erhoben wurde.

    2. Zuletzt wurde am 20.12.2020 die Israelin Esther Horgen von einem Palästinenser ermordet, was raten Sie israelischen Sicherheitsbehörden, auf welchem Weg dies künftig zu verhindern ist?
    Nehmen Sie bitte auch Stellung dazu, dass den meisten Palästinensern offensichtlich jeder Anlass, sei er noch so nichtig oder konstruiert, recht ist, Israelis zu töten.

    Ihr Versuch, Viktor Klemperer als Kronzeugen gegen Israel aufzufahren, bzw. ihn per Zitat die Schriften von T.Herzl mit denen von A.Hitler gleichzusetzen, ist …

    Naja, lassen wir das. Dazu brauchen Sie keine Stellung nehmen.

  • #13
    nussknacker56

    Kleiner Nachtrag zu #11

    Peter Truppel war lt. eigener Aussage zeitweise ein ehemaliger „Leiter der Kombinatsinspektion im VEB Textilkombinat Cottbus“ und ist heute im Umfeld der „Rotfuchs“-Sekte aktiv, die immer noch der ehemaligen DDR-Diktatur Tränen nachweinen. Die bewährte Masche von Stalinisten, Gegnern u.a. Nähe zum Nationalsozialismus anzudichten um damit die eigene Schreckensherrschaft besser rechtfertigen zu können, hat sich bei den Protagonisten dieser Szene nicht geändert. Ein Glück, dass diese Bagage mitsamt deren Staatsform des „realen Sozialismus“ auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.