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Die dümmste Stadt Deutschlands? Essen empfiehlt „Homöopathische Reiseapotheke“

Essens Rathaus Foto: Tuxyso Lizenz: GNU/CC
Essen - Dumm wie eine leere Zeche

Essen – Dumm wie eine leere Zeche

Krupp, Kanonen, Stahl – dieses Image möchte Essen offensichtlich los werden. Künftig sollen Menschen mit der Stadt vor allem Dummheit verbinden. Nur so erklärt sich, warum die Stadt Essen die „Top 10 Homöopathische Reiseapotheke“ empfiehlt und in einer Pressemitteilung schreibt:

Urlaubszeit ist immer auch Reisezeit – und viele sind jetzt gerade dabei, ihre Koffer zu packen. Neben Badeanzug, Sonnencreme und Strandlektüre sollte die homöopathische Reiseapotheke nicht fehlen. Denn das richtige Mittel kann im Krankheitsfall gute Dienste erweisen. Die Zusammenstellung einer solchen Reiseapotheke für die typischen Reiseerkrankungen oder Verletzungen will gut geplant und frühzeitig vorbereitet sein. Nachfolgend eine kleine Auswahl der wichtigsten Mittel.

Dann kommt eine Auflistung von  homöopathischen Mitteln, die alle eins gemeinsam haben: Keine messbaren Inhaltsstoffe und somit auch keine Wirkung.

Jeder, der etwas mehr Ahnung von Medizin hat als die Pressestelle Stadt Essen und Barbara Steffens (Grüne), die esoterikgläubige Gesundheitsministerin in NRW, weiß: Bei Krankheit Hände weg von homöopathischen Mitteln – zumindest wenn man etwas gegen eine Krankheit unternehmen möchte. Wer Spaß daran hat, Geld für Mittel auszugeben, die nicht wirken und ein paar Quacksalber reich machen, darf natürlich auch zu homöopathischen Mitteln greifen. Geld zu verbrennen und nackig um das Feuer zu hüpfen dient allerdings der Gesundheit mehr: Allein die Bewegung tut gut.

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28 Kommentare zu “Die dümmste Stadt Deutschlands? Essen empfiehlt „Homöopathische Reiseapotheke“

  • #1
    Anonym

    Aha, und das sagt wer, dass die nicht Wirken? Komisch, das die Traditionelle Medizin in Asien hoch angesehen ist und auch da einiges Kurioses bei ist.
    Und die Lieben Leute dort Stein alt werden…

    Komisch das Babys, Kleinkinder und Tiere drauf ansprechen. Für mich gibt es dort keinen Placebo Effekt.
    Dann nehme ich lieber "nicht wirkendes" als mich mit Medizin voll zu pumpen, die die Pharmaindustrie reich macht 😉 Lieber weiter mit wirklicher Chemie vollpumpen, als mal auf anderes zurück zu greifen. (Und so teuer ist das gar nicht 😛 Da ist alleine Fiebersaft teurer und ist für deutlich weniger Anwendungen)

  • #2
    Walter Stach

    Stefan,
    "wer Sorgen hat , hat auch Likör" ;und wer sich "Sorgen macht" hat die Pressestelle der Stadt Essen.
    Um Bürger noch mehr als es schon ohnehin der Fall ist, an ihrer Stadt verzweifeln zu lassen, bedarf es dieser und ähnlicher Aktivitäten. Das gilt nicht nur für Essen.

    Stefan,
    muß Du -unbedingt- zur Verbreitung dieser Sch….."beitragen?
    (Das ist nur eine rhetorische Frage.)

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Anonym: Machen Sie was sie für richtig halten – die Evolution kennt nun einmal nicht nur Gewinner 🙂
    BTW: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/homoeopathie-in-jeder-hinsicht-ueberholt-14257172.html

  • #4
    Susanne Aust

    Ich würde jetzt nicht die ganze Stadt als "dumm" bezeichnen wollen, habe aber das Gefühl, dass hier einzelne Personen ihre Stellung im Presseamt für eigene Interessen nutzen. Es wäre auf jeden Fall sinnvoll, den Oberbürgermeister um eine offizielle Stellungnahme zu bitten.

  • #5
    Bene

    Ich hatte erst auf einen Fake gehofft oder darauf, dass vielleicht irgendwo am Rand homöopathische Mittel erwähnt werden. Leider ist das nicht der Fall. Ich kann nur hoffen, dass sich möglichst wenige Menschen an diese Empfehlungen halten.

    Ich habe bisher einmal die "Wirkung" von Globuli miterleben dürfen. Das alles im beruflichen Umfeld mit psychisch kranken Menschen. Und nein, es hat keine Wirkung. Oder zumindest keine messbare Wirkung. Es mag sein, dass es dem einen oder anderen besser geht. Ob dies auf gute Pflege und Fürsorge oder auf Globuli zurückzuführen ist, das ist eine Glaubenssache

  • #6
    Walter Stach

    Susanne Aust,
    falls ich gemeint sein sollte:
    Ich ich würde nie "eine ganze Stadt" als dumm bezeichnen, auch nicht eine Stadtverwaltung, auch nicht die in Essen.
    Nur erwarte ich von allen (!) Mitarbeitern einer Stadtverwaltung, eben auch und insbesndere von den Mitarbeitern im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, daß sie bei allem was sie tun bzw. unterlassen, sich stets fragen, ob und wie sie damit den Sorgen, den Bedürfnissen, den Anliegen ihrer Bürgern gerecht werden; alles Andere hat nicht zu interessieren.

    Susanne Aust,
    selbstverständlich ist für mich, daß auch in einer Stadtverwaltung, in der jeder Mitarbeiter von der Kultur getragen wird, "Diener der Bürgerschaft" zu sein und sich verpflichtet fühlt, realen Sorgen der Bürger aufzugreifen und auf diese einzugehen, dann und wann Mitarbeitern einschlägige Fehler unterlaufen, die man dann – auch öffentlich- benennen und kritisieren kann; aber dabei hat es dann es dann auch zu bleiben. Ich meine, daß das auch im vorliegenden Fall so sein sollte.

  • #7
    Björn Wilmsmann

    @Anonym: Traditionelle Medizin in Asien ist seit Jahrtausenden erprobt und ihre Wirksamkeit in einigen Fällen nachgewiesen.

    Homöopathie ist hingegen moderner Hokuspokus, den sich westliche Geschäftemacher ausgedacht haben und erfolgreich als ‚Alternative‘ zur bösen ‚Schulmedizin‘ (dem medizinischen Äquivalent zur ‚Lügenpresse‘) vermarkten. Im Wilden Westen nannte man sowas snake oil.

    Und dass das Zeug bei Kindern und Tieren wirkt ist ebenfalls eine nicht nachgewiesene, aber gerne wiederholte Legende. Auch höher entwickelte Tiere haben wie der Mensch Empathie. Wenn ich mich um ein krankes Tier kümmere, fühlt es sich besser und gesundet evtl. schneller. Das hat aber nichts mit evtl. ebenfalls verabreichten homöopathischen Zaubermitteln zu tun.

  • #8
    Enzo

    "Traditionelle Medizin in Asien" – ist zwar auch nicht unkritisch zu sehen, da viele selten Tiere in den Mitteln Verwendung finden, aber sie hat absolut nichts mit Homöopathie zu tuen (wäre in dem Fall für Tiger und Nashörner aber besser).

  • #9
    Axelpanda Maxhoaster

    Mal ernsthaft: Die gesellschaftliche Relevanz dieses Artikels ist verglichen mit anderen Problemen lachhaft.

  • #10
    Klaus Lohmann

    Der "missing link" für diese lancierte Pressemeldung ist wohl eine Frau Dr. Anne Paul (http://www.carstens-stiftung.de/artikel/dr-anna-paul.html), Vorsitzende v. "NATUR UND MEDIZIN e.V." und großes Tier an Uni DUE, an der RUB und dem Klinikum Essen-Mitte, außerdem vom Bundesbildungsministerium in mehreren Projekten gefördert, etc. pp. usw. und so fort….Klüngel vom Feinsten.

  • #11
    Susanne Aust

    Walter Stach, da bin ich ganz Ihrer Meinung. Mittlerweile hat die Stadt Essen den Tweet vom Netz genommen und sich dafür entschuldigt (dafür, dass er da nicht hingehörte). Auf der offiziellen Seite der Stadt steht die Werbung leider nach wie vor…

  • #12
    Franz Kass

    Ist ja wohl grausig. Es gibt garantiert Medikamente, die man auf Reisen mitnehmen sollte – NIX-DRIN-Süßigkeiten gehören nicht dazu. Lieber ne Tüte gemischte Fruchtbonbons…
    Kein Wort von WIRKSAMEN Mitteln gegen Durchfall, Insektenstiche, leichte Schmerzen…
    Auf welchem Weg mag wohl diese seltsame Empfehlung ihren Weg in die Pressemitteilungen gefunden haben?

  • #13
    Marek H.

    @Anonym: Placebo-Effekte treten schon bei Zuwendung und Fürsorge auf – und dafür sind sowohl Babies als auch Tiere durchaus empfänglich. Ich bin auch weit entfernt davon, der Pharmaindustrie Philanthropie und Humanismus als Triebfeder zu unterstellen, aber zumindest unterliegt sie Kontrollen, die die Wirksamkeit der Präparate untersuchen. Und das ist bei Homoeopathika, Anthroposophika und dergleichen nicht der Fall.
    Und zum Thema der vermeintlichen Diskrepanz von böser Chemie und guter Natur: Halten Sie den Verzehr eines Fliegenpilzes oder einen Tigerbiss per se für gesund? Nur weil Sie dadurch Wirkungen ausgesetzt sind, die natürlich, ohne designerischen Beitrag des Menschen zustandegekommensind? Kann ich ich mir nicht vorstellen. Die Natur ist aus Selbsterhaltungs- und Selbstschutzgruenden in vielfacher Weise nachvollziehbar feindselig. Der Gedanke "Naturprodukt = verträglicher, gesünder" ist attraktiv, ist romantisch – aberleider ein Fehlschluss. Mal abgesehen davon, dass das Zustandekommen der sogenannten Potenzierung von homöopathischen auch nicht sonderlich viel Natürliches hat und es durchaus Globuli gibt, deren Ursprungswirkstoffe angeblich Dunkle Materie, schwarze Löcher oder Licht sind. Kein Witz.

    @Stefan Laurin:
    Es sind ja leider nicht nur "ein paar Quacksalber". Es sind Branchen.
    Ansonsten: Was ist Ihre Agenda? Aufklärung? Oder darf ich Ihnen ein Taschentuch reichen und beim Reißverschluss-Schliessen assistieren?
    😉

  • #14
    Franz Kass

    @Anonym:
    Ihrem Text entnehme ich, dass Sie noch nie mit kranken Kleinkindern oder Tieren zu tun hatten. Außerdem wissen Sie nicht, was "Chemie" eigentlich ist, und dass die Hersteller von Homöopathika ebenfalls zur Pharmaindustrie gehören. Gucken Sie mal die Mitgliederlisten der einschlägigen Verbände an!
    Machen Sie sich aber nix draus – Sie sind kein Einzelfall, sondern ein typischer Vertreter ihrer Fangruppe.

  • #15
    Micha

    Netterweise steht ja am Ende des Artikelchens, auf wessen Expertise dieser beruht:
    Herausgeber:

    Carstens-Stiftung : Natur und Medizin
    Am Deimelsberg 36
    45276 Essen
    Telefon: 0201 / 56305-61
    Fax: 0201 / 56303-60
    E-Mail: presse@naturundmedizin.de
    URL: www.naturundmedizin.de

    Hier haben sich also Verantwortliche der Stadt Essen vor den Werbekarren einer Lobbygruppe spannen lassen. Das ist unschön und hätte im Falle anderer Lobbygruppen (Pharma, Bier: die beliebtesten Sommerbiere, Softdrinks: Süße Durstlöscher für die Urlaubsreise) wohl für mehr Empörung gesorgt.

  • #16
    JR

    Ich schlage der Stadt Essen vor, den Inhalt der Seite zu potenzieren (D12), also durch einen einzelnen Pixel zu ersetzen.

  • #17
    Hans Peter Leymann-Kurtz

    Oha Stefan, du glaubst an Nix, ich glaube auch an nix, außer an die Homöopathie.
    Zwei Kinder und mich selbst damit lebendig gehalten. Ist doch schon was, oder?
    Und seit wann ist messbar brauchbar?

  • #18
    kE

    Irgendwie passt das doch zum Ruhrgebiet:

    Es zählt das Prinzip Hoffnung.

    Bisher habe ich immer verwundert reagiert, wenn in den Dokusendern über Prepper berichtet wird. Meine Einstellung hat sich geändert.
    Ich möchte nicht wissen, wie Stadt, Land etc. beim Katastrophenschutz vorgehen.
    Jeder bekommt einen Schluck Ruhrwasser?

  • #19
    Martin Kaysh

    Apis mellifica D12 (Honigbiene) aus der Empfehlungsliste finde ich sehr bedenklich! Ich bin Vegetarier und verurteile das sinnlose Bienentöten aus medizinsichen Gründen. Habt Ihr denn aus den Tierversuchen gar nichts gelernt? Und komme mir jetzt keiner mit: "Aber die Biene wird doch ganz doll verdünnt!" Dabei geht es ums Prinzip.

  • #20
    Arnold Voss

    @ Hans Peter Leymann-Kurtz # 17

    Ich halte mich lebendig in dem ich täglich esse und trinke. 🙂

    Apropos Messbarkeit und Brauchbarkeit: Schon mal was von einer Überdosis gehört? 🙂

  • #21
    Helmut Junge

    Wenn in der Schweiz eine Honigbiene in einen Bach fällt, löst sich ihr Körper auf und seine Bestandteile schwimmen mit dem Rhein in die Nordsee. Einiges Wasser versickert und bildet unser Trinkwasser. Darum ist in unserem Trinkwasser alles enthalten, was die Homöopathie benötigt. in Hochpotenzen, wie D12 sowieso, und zwar mehr als D12. Wenn jemand glaubt jetzt noch zusätzlich
    Apis mellifica D12 einnehmen zu müssen, wird er seinen Bedarf unweigerlich gefährlich überdosieren, denn im Trinkwasser ist doch bereits alles drin. Gerade die Hochpotenzen.

  • #22
  • #23
    Franz Pfleghaar

    Die "Medikamente"- bzw- "Arznei"-Empfehlung schliesst mit diesem Hinweis:

    "Grundsätzlich sollten homöopathische Arzneien nur über einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden und, je nach Krankheitsschwere oder Krankheitsintensität, innerhalb von zwei bis 48 Stunden zu einer deutlichen Besserung führen.

    Tritt die Besserung nicht ein, sollte ein Therapeut aufgesucht werden."

    Als einfach strukturierter Mensch frage ich mich nun:
    Ja, wirkt das Zeug denn nun oder nicht?
    Und was bitte ist mit "Therapeut" gemeint?
    Wollte man "Arzt" nicht hinschreiben oder nicht empfehlen?

    Aber ich hab da was übersehen.
    Bei Bellandonna heisst es zwar, es sei "eine der wichtigsten Arzneien bei akuten Entzündungen und Infektionen." Trotz seiner Wichtigkeit gilt aber: ""Meist muss ein Arzt aufgesucht werden."

    Die wissen vielleicht nicht, was sie tun.
    Aber wie man es ausdrückt, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen, wenn man die "Medikamente"-Empfehlungen in allzu ernsten Fällen allzu ernst nimmt:
    Das wissen die schon.

  • Pingback: NRW: Wie steht die Landesregierung zu Essens Homöopathie-Empfehlungen? | Ruhrbarone

  • #25
    Davbub

    @1.Und die Lieben Leute dort Stein alt werden…
    Selektive Wahrnehmung; vielleicht sollten Sie einmal all die zählen, die elendig verrecken, weil sie statt eines wirksamen Produktes der chemischen Industrie gemahlene Tierexkremente mit Staub und anderen esoterischen Zutaten vermischt zu sich nahmen.

  • #26
    Stefan

    Herr Laurin, Herr Laurin, welche (Lebens)Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen? Wie kommt der Ruhrbarone "Journalist" überhaupt dazu mit so unjournalistischen Worten sich diesem Thema bzw. Pressemeldung/ Tweet anzunehmen? Das Niveau der Artikel der hier schreibenden Journalistenzunft steigt damit nicht, ganz im Gegenteil. Aber zum Schmunzeln schaut mal immer doch wieder auf die Website. 🙂 Klasse unbrauchbarer Artikel. In einer Zeit in der die Welt so schlimme wichtige andere Themen bewegt, muss man einfach auch über den Tellerrand schauen und die Lesern die wahren Probleme aufzeigen. Genial… gelungen 😀

  • Pingback: Stadt Essen wirf die homöopathische Reiseapotheke in den Müll @ gwup | die skeptiker

  • #28

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