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Die Masche mit dem Aber

Rübels Friedenshindernis: Der jüdische Staat
Rübels Friedenshindernis: Der jüdische Staat

Rübels Friedenshindernis: Der jüdische Staat

Der Journalist Jan Rübel befindet in einem infamen Blogbeitrags für das Portal Yahoo, Die Bild-Zeitung hat recht, aber… Damit bedient sich Rübel exakt der Stilfigur, die das Ressentiment so offenlegt, wie keine andere.

Ich habe nichts gegen Ausländer, aber… ist zu Recht ein Satz, der seinen Sprecher in zivilisierter Gesellschaft als bornierten Rassisten brandmarkt. Homophobe haben entsprechend nichts gegen Schwule, aber… und Antisemiten nichts gegen Juden, aber…

Bei Rübel, ganz preisgekrönte Edelfeder, kommt dieses aber längst nicht so grobschlächtig, wie in den Online-Kotzkübeln des dumpfen Mobs. Da wird zunächst eingestanden, dass es einfach nur grundgut und notwendig für unser Land sei, wenn der Axel Springer-Verlag und diesen Tagen sein Gewicht gegen den grassierenden Antisemitismus in die Waagschale wirft.

Das Muster des Rübel’schen aber ist sattsam bekannt. Kaum ist das eine eingestanden, folgt das aber und es geht mit Volldampf in die entgegengesetzte Richtung:

Doch gerade weil ich beim Springer-Verlag gearbeitet habe, weiß ich, wie oft der Verlag irrt, wenn es um Israel geht.

Mit der vollzogenen Wende kann Rübel nun ungehemmt abledern. Israel sein ein Goliath, der  systematisch Wohnhäuser, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen zerstört, wer ein dicht besiedeltes Gebiet in Schutt und Asche legt. Es geht gar nicht, räumt Rübel zwischendurch kulant ein, dass die Hamas Raketen schießt. Das hält ihn nicht lang auf. Er ist sogleich wieder beim aber. Er behauptet, Israel wolle keine Lösung für Juden und Palästinenser, keine Versöhnung (seine Hervorhebung). Israel kontrolliert die Grenzen, macht aus Gaza ein Gefängnis (wieder seine Hervorhebung), geht es weiter .

Aber ein wahrer Friedensplan würde an dieser Stelle ansetzen. Er würde voraussetzen, dass Juden Palästinenser auf Augenhöhe anschauen und sie mit Respekt behandeln. Nicht von oben herab. Das tun die meisten leider nicht. Und das sollte mal gesagt werden, unter Freunden.

Die Bild, so lässt sich Jan Rübels Beitrag zusammenfassen, hat recht, aber die Juden sind schuld, wenn es keinen Frieden gibt.

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12 Kommentare zu “Die Masche mit dem Aber

  • #1
    Klaus Lohmann

    Rübel unterschreibt seinen Auswurf auch noch mit dem hochintelligenten, sarrazinesquen „Und das sollte mal gesagt werden, unter Freunden“.

    Ich wäre dann dafür, dass wir das NRW-Rauchverbot in Gaststätten mit der Begründung bekämpfen, solche Alles-Relativierer brauchen die Lufthoheit überm Freunde-Stammtisch als geistige Hygiene, ansonsten brennen sie irgendwann Synagogen runter.

  • #2
    Nansy

    Ich bin ja gegen Zensur, aber…

    Ich bin ja eigentlich gegen Verbote, aber…

    Ich bin ja ein friedliebender Mensch, aber…

    Ich bin ja für freie Meinungsäußerung, aber…

    Ich bin ja für Toleranz, aber…

    Ich bin ja nicht prüde, aber…

    Ich bin ja für Frieden, aber…

    Ich bin ja für Kunstfreiheit, aber…

    Ich bin ja gegen Folter, aber…

    Ich bin ja gegen staatliche Bevormundung, aber…
    —-
    Und ich bin eigentlich gegen Rosinenpickerei, aber in diesem Fall möchte ich doch mal mitmachen… 😉

  • #3
    Frank

    Guter Hinweis. Ein Phänomen, das man auch wieder auf Projektion zurückführen kann, meine ich. Das schlechte Gewissen führt zur freud’schen Fehlleistung.

    Eine andere Variante verdeckten Anstisemitmus hat heute der Tagesspiegel veröffentlicht:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/debatte-um-nahostkonflikt-in-berlin-vernuenftige-ich-kann-uns-nicht-hoeren/10252962.html#commentInput

    Fast wäre ich dem Autor ohamed Amjahid auf den Leim gegangen. Tut er doch so, als übermittle er die Stimmen der Vernunft. Aber woran sollen wir die „Vernunft“ erkennen?

    An einem Araber, der festgestellt hat, dass „Antisemitismus nichts bringt“. Und wenn er „was bringen“ würde, wäre er ok? Rationales Momentum ist in diesem Fall wohl ein Nutzendenken gegenüber Antisemitmus. Und dann wie nebenbei erwähnen, dass seine Oma „Opfer der israelischen Armee“ war. Mit anderen Worten: also allen Grund gehabt hätte…? Der Hinweis auf das „Ungleichgewicht der Macht“ ist ein ebenso dezenter, und populärer Weg, seinen Antisemitimus zu verdecken. Wenn Israel all seinen Aggressoren ringsum nicht überlegen wäre, wäre es schon nicht mehr da.

    Dann ein Israeli, der „gegen Gewalt“ ist. Kein Rassismus gegen Araber, gut. Von wem wird er dafür des „Selbsthasses“ geziehen? Mit „Selbsthass“ adressieren viele die Haltung, letztendlich selbst für die Aggression der Araber verantwortlich zu sein. Täterverständnis sozusagen.

    Und dann noch die israelische Botschaftsmitarbeiterin, die -WER HÄTTE DAS GEDACHT- keine Rassistin gegen Araber ist. Was ist daran überraschend? Israel rettet derzeit mehr Palästinensern Gesundheit und Leben als die Hamas.

    Ein gekonnter, aber dennoch schief gegangener Versuch einer Pseudoneutralität aus der Pose eines Vernünftigen.

  • #4
    Stogumber

    Ich war bisher auch nicht gegen Fallenstein, aber … das halte ich für Quatsch. Im Endeffekt heißt es: Wer beim Reden über Juden irgendeine kritische Einschränkung macht, der ist („in Wirklichkeit“) ein Antisemit.
    Ein Trick, um sich jeder Kritik zu entziehen.
    Die Leute werden also vor die Entscheidung gestellt: Entweder ihr verzichtet auf jede Kritik an uns, oder ihr nehmt das Stigma „Antisemit“ auf euch.
    So was führt doch ganz natürlich dazu, dass ein Streit eskaliert. Wenigstens einige Leute werden sagen: naja, wenn ihr so unkritisierbar seid, dann will ich mit euch wirklich nichts mehr zu tun haben. Wo keine Kritik erlaubt ist, gibt es nämlich auch keine Freundschaft.
    Diese rhetorische Taktik von Fallenstein macht die Auseinandersetzung also bloß schlimmer statt besser.
    Wie gesagt, ich war bisher auch nicht gegen Fallenstein. Nun hab ich was Kritisches über ihn gesagt und bin wahrscheinlich auf ewig als Anti-Fallensteinianer entlarvt. Nicht weil ich das unbedingt will, sondern weil er das unbedingt will…

  • #5
    Erdgeruch

    Ich hoffe, dass ich nicht der einzige bin, der gestern auf 3Sat das „auslandsjournal extra“ gesehen hat – kann man in der ZDF Mediathek sehen.

    Dort wird auf das verwiesen, worauf der Journalist in seinem Blog hinweisen wollte.

    Und so kann man auch die israelische Regierung kritisieren – und das ist eben nicht immer sofort Antisemitismus: Für ihre Politik und Fehler vor dem Konflikt.

  • #6
    paule t.

    Äh. Also, ein Beispiel für die Seriosität des Kommentars:

    Fallenstein schriebt hier über Rübel:
    „Er behauptet, Israel wolle keine Lösung für Juden und Palästinenser, keine Versöhnung (seine Hervorhebung)“.
    U.a. daraus schließt er:
    „Die Bild, so lässt sich Jan Rübels Beitrag zusammenfassen, hat recht, aber die Juden sind schuld, wenn es keinen Frieden gibt.“
    Fallenstein zeiht Rübel also einer einseitigen Schuldzuweisung an „die Juden“ dafür, dass es keinen Frieden gäbe. Das wäre eine eindeutig antisemitische Aussage, einerseits wegen der Adressierung an „die Juden“ statt an die in Israel Verantwortlichen, andererseits wegen der Einseitigkeit der Aussage, die angesichts des Handelns der Hamas absurd wäre.

    Wenn ich mir nun aber den kritisierten Text anschaue, steht dar:
    „Aber die israelische Politik zeigt nur ein Interesse: Genauso wie die Hamas will sie keine Lösung für Juden und Palästinenser, keine Versöhnung.“

    Man sieht:
    a) Die Schuldzuweisung ist bei Rübel also nicht einseitig, sondern die Hamas ebenso als nicht an Frieden interessiert gekennzeichnet; sie sieht nur einseitig aus, weil Fallenstein das hier schlicht weggelassen hat.
    b) Es werden nicht „die Juden“ verantwortlich gemacht, wie Fallenstein in seiner angeblichen Zusammenfassung schreibt, auch nicht „Israel“, wie er das gekürzte Zitat einleitet (wobei der Landesname als Metonymie für die jweilige Regierung ja auch eine übliche Ausdrucksweise wäre), sondern konkret „die israelische Politik“. Die Verallgemeinerung konkreter Verantwortlichkeiten für bestimmte Handlungen auf „die Juden“ stammt also ebenfalls nicht von Rübel, sondern von Fallenstein.
    [An anderer Stellen ist zwar die Rede von „Juden“, aber da geht es um Angehörige der jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Israel, einmal konkrete Peronen, das andere mal durch „die meisten“ eingeschränkt und nicht allgemein ausgesagt.]

    Das, was in Fallensteins „Zusammenfassung“ den Antisemitismus ausmacht, ist bei Rübel also schlicht nicht da.
    M.E. hat Rübels Text die Stoßrichtung, dass es zwar völlig richtig ist, sich Antisemitismus entgegenzustellen, dass das aber (ja, o weh:
    aber!) nicht dazu führen darf, jede Kritik an israelischer Politik zu unterlassen. Auch wenn man über Details sicher streiten kann, ist das m.E. nicht antisemitisch – denn nicht jedes „aber“ ist eine heuchlerisch Masche (womit Fallenstein den Kommentar schon prinzipiell und vor jedem Nachweis diskreiditieren will), sondern manchmal einfach richtig.
    Antisemitismus schiebt Fallenstein m.E. Rübel durch Weglassungen und Verzerrungen lediglich unter.

    [Disclaimer: Ich hoffe, ich habe mit den Hervorhebungen alles richtig gemacht. Wenn nein, sorry.]

  • #7
    Mao aus Duisburg

    Sorry, der Beitrag ist einfach nur bullshit! Ich kenne Jan Rübel seit Jahrzehnten und habe lange Zeit mit ihm zusammen gearbeitet. Ihn in die Nähe von Schwulen-Hasser und Antisemiten zu stellen – und seinen Artikel entsprechend zu instrumentalisieren – ist unterste Schublade und Propaganda.

    Wenn es so weit gekommen ist, das nur noch mit Stigmata gearbeitet wird, vermeintliche oder (absichtliche?!) Kritik mit Totschlagsargumenten begegnet wird, als sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen, wenn Menschen willfährig diffamiert werden, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen um unsere freie Gesellschaft und es verkennt in dieser aufgeheizten Art und Weise die wahren Brandstifter und Gegner einer freien Gesellschaft – und von denen leider täglich mehr und mehr aus ihren braunen Höhlen gekrochen kommen und die freien Gesellschaften spalten wollen. Herr Fallenstein gehört leider dazu, wenn er solche Texte schreibt.

    Die UNO hat nach dem Zweiten Weltkrieg zu Recht den in einem wegweisenden Beschluss den (säkularisierten) Staat Israel aus der Taufe gehoben. Im selben Beschluss (sic!) wird aber auch den Palästinensern ein eigener Staat zuerkannt und die Zwei-Staaten-Regelung verpflichtend anerkannt. Wenn sich Israel so sehr auf diesen Beschluss stützt, dann lasst uns diesen Beschluss doch auch in Gänze umsetzen. Aber vermutlich wird Herr Fallenstein diesen Verweis auch nur wieder als homophop und antisemitisch brandmarken – und genau deshalb ist unsere freie Gesellschaft in Gefahr und deshalb ist der Krieg um Gaza auch ein Brandbeschleuniger für uns hier in Europa. Denkt mal drüber nach!

  • #8
    Frank

    Nachlese Al Quds Tag. Die ZEIT, die mal ein sozialliberales, intellektuelles Blatt war, nennt Khomenei einen „iranischen Geistlichen“. Wer den Israelhassern eine Israelflagge entgegenhält, ist ein Provokateur:

    „Ein proisraelischer Demonstrant provozierte die Gegner, indem er mit einer Israel-Flagge wedelte. Mehrere Al-Quds-Demonstranten versuchten daraufhin, die Polizeiabsperrung zwischen den beiden Kundgebungen zu durchbrechen. Es gab ein kurzes Handgemenge mit den Beamten. Die Polizei nahm den Provokateur in Gewahrsam.“
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-07/alquds-demonstration-berlin-israel

    Duisburg lässt grüßen.

    Justizminister Maas, Klaus Wowereit und Volker Beck gehörten zu den wenigen Rotgrünen, die klar Stellung bezogen. Doch schon zwei Tage später erkennt Volker Beck, dass das zulasten grüner Stimmen gehen kann – und keilt gegen die BILD-Zeitung. Der Rest relativiert, verharmlost, verschweigt.

    „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“ Ignazio Silone

  • #9
    tgtec

    "Ja, aber" ist gleichbedeutend mit NEIN und ist lediglich ein rhetorischer Kniff, nicht offen NEIN zu sagen – so einfach ist das!

  • #10
  • #11
    Anna Susanna

    Dieser Artukel stammt von einem DANIEL FALLENSTEIN. Da kann man keine Objektivität erwarten.

  • #12
    Schubert

    Ich bin froh, das ich nicht der einzige bin, mit einer kritischen Haltung Herrn rübel gegenüber. Besonders bemerkenswert finde ich seine Ableitungen. Ich hab dann oft das Gefühl ich hab was anderes erlebt oder war in einer parallewelt. Eigentlich denke ich bei seinen Kommentaren oft an belibigkeitsschwätzerei mit dem bewährten sowohl als auch, aber irgendwie nicht……es sei denn.

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