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Dirk große Schlarmann im Ruhrbarone-Interview: „Mein Kopf qualmt, und zwar so richtig.“

Reportereinsatz in ungewöhnlichen Tagen. Foto(s): Dirk große Schlarmann

Die durch das Corona-Virus bedingte Kontaktsperre hat große Auswirkungen. Auch auf die Sportwelt. Fast alle Events wurden verschoben oder sogar abgesagt. Wie es weitergeht, weiß in diesen komplizierten Zeiten noch niemand.

Trotzdem läuft der Alltag auf vielen Ebenen weiter, muss umgeplant und neu organisiert werden. Ruhrbarone-Autor Robin Patzwaldt hat Sky-Reporter Dirk große Schlarmann, der im Normalfall in erster Linie dem Geschehen um den FC Schalke 04 folgt, aber auch über diverse andere Teams und Sportarten berichtet, gefragt, wie sich sein Alltag in diesen Tagen darstellt und was sich für ihn durch die Pandemie konkret verändert hat.

Ruhrbarone: Zuerst natürlich die Frage, die wohl jeder in diesen Tagen zuerst stellt: Wie geht es dir und deinen Lieben in diesen ungewöhnlichen Tagen, Dirk?

Große Schlarmann: Mein Kopf qualmt, und zwar so richtig. Denn mein Sohn (4,5 Jahre) hat herausgefunden, dass der Papa hier und da eine blühende Phantasie hat und irre Geschichten erfinden kann. Jetzt erzähle ich quasi den halben Tag Geschichten über Petrosilius Zwackelmann, die Hexe Medusa, den Bauer Backs und sonstige Kreaturen…ich werde täglich geschichtlich leergesaugt. 😉

Die Familie steht natürlich auch bei mir ganz besonders im Vordergrund. Das Komplett-Entertainment parallel zum Job ist auch für mich neu. Bislang finde ich mich da ganz gut zurecht, aber bisher war die liebe Sonne auch auf meiner Seite. Mir graut ein ganz kleines bisschen vor den vielen Tagen, die noch vor uns liegen und dem Aprilwetter…aber das Wichtigste ist ja: wir sind alle gesund!

Ruhrbarone: Wir alle sind in Sachen Sportgeschehen ja rüde ausgebremst worden. Du als Vollblutreporter bei Sky Sport News HD ja auch ganz besonders. Wie hat sich das in deinem Berufsalltag bisher bemerkbar gemacht?

Große Schlarmann: Ich musste meinen Arbeitsplatz umbauen, ansonsten würde halb Deutschland mein Schlafzimmer sehen. 😉

Skype ist auch für mich Neuland, aber eben in diesen Zeiten die beste Lösung. Es ist irgendwie auch interessant die Interview-Partner einmal in einer völlig anderen Umgebung zu erleben.

Für mich hat sich grundsätzlich nicht sehr viel geändert. Wir senden ja weiter, wir haben ein tolles und echt abwechslungsreiches Programm, und ich habe weiter Termine.

Aber: Interviews müssen natürlich sehr sorgfältig vorab geplant werden, die Mikrofone sind nun an einer Angel und per Einmaltüten geschützt, Drehs finden nur mit Abstand statt.

Für Reporter-Schalten muss jetzt auch mal das heimische Arbeitszimmer herhalten…ich habe keins – mein Schreibtisch steht halt im Schlafzimmer, aber mit zwei, drei kleineren Umbauten gibt es jetzt eine schöne Lampe und eine Schranktür als Hintergrund, statt meinem faulen Hund im Bett. 😉

Ruhrbarone: Du stehst ja stets in besonders engem Kontakt zum FC Schalke 04. Was vernimmst du von dort für Signale? Wie sehr ist der Klub von der Corona-Pandemie betroffen? Man hört und liest da ja teilweise recht besorgniserregende Dinge, was die Zukunft auf Schalke betrifft?

Große Schlarmann: Das sind Dinge, die alle Klubs betreffen. Da geht es den Vereinen nicht anders, als Unternehmen. Peter Peters hat es so formuliert: „wir sind ein Unternehmen, was sein Produkt nicht mehr anbieten kann, obwohl es alle wollen.“

Genau wie bei nahezu jedem Unternehmen geht es in dieser Zeit um Arbeitsplätze und Zukunft, da einkalkulierte Einnahmen definitiv ausbleiben. Klar, Schalke ist ein großer Klub, aber Schalke hat eben auch 600 (!!) Angestellte. Ich wünsche allen, dass sie ihre Arbeit nicht verlieren werden.

Ruhrbarone: Rechnest du persönlich eigentlich noch mit einer Beendigung der Saison 2019/20? Wann könnte der Spielbetrieb, in welcher Form auch immer, deiner Einschätzung nach weitergehen?

Große Schlarmann: Da kann ich nichts zu sagen. Hierfür gibt es Spezialisten.

Ruhrbarone: Du bist ja auch an den anderen Ruhrgebietsklubs nah dran. Wie unterscheidet sich die Lage dort eventuell von der auf Schalke, gibt es da deiner Einschätzung nach auch Parallelen? Nach allem was man so hört, ist ja gerade auch die finanzielle Situation des VfL Bochum recht angespannt… Und selbst der BVB dürfte nicht endlos so weitermachen können, wie aktuell.

Große Schlarmann: Klar ist, dass es kleinere Vereine stärker trifft und treffen wird, als größere Vereine. Vor allem, weil in Liga 2 und 3 viel von der Hand in den Mund geplant ist. Wie knapp das Geld beim VfL ist, wurde ja in den vergangenen Transferperioden deutlich.

Ein wichtiger Baustein für die Zukunft ist für die kleineren Klubs mit Sicherheit das Hilfspaket der Champions League Klubs.

Zu glauben, dass diese Krise an Vereinen, wie Bayern und Dortmund ohne größeren Schaden vorbeigeht, weil das Konto praller gefüllt ist, ist natürlich Quatsch. Kaderkosten, Wegfall von Prämien, Merchandise etc. ist ja hier auch viel größer. Sicherlich haben es diese Vereine aber durchaus etwas leichter.

Ruhrbarone: Die Sportwelt steht ja nahezu komplett still. Das gab es so wohl noch nie. Wie wird das den Profisport in Zukunft verändern? Gibt es eventuell auch positive Aspekte? Ich denke da an den aufkommenden Ruf nach mehr Solidarität unter den Vereinen oder auch an eine Art von Gesundschrumpfung bei den Spielergehältern oder Transfersummen…

Große Schlarmann: Ob sich dadurch wirklich etwas verändert? Ich weiß es nicht. Ich hoffe erst einmal, dass alle Vereine und Sportler diesen Mist da draußen überstehen.

Die Frage muss ja eigentlich sein, ob sich langfristig und generell etwas ändern wird. Dass die Krise, die hoffentlich so schnell es geht vorbei ist, ihre Spuren hinterlassen wird, das ist ja klar. Aber, ob wir diese Veränderungen auch beibehalten, genügsamer, sparsamer, dankbarer und solidarischer werden, wird sich erst nach 1-2 Jahren zeigen, wenn alles wieder „normal“ läuft. Ich könnte mir auch vorstellen, dass manche das alles auch gerne irgendwann einfach vergessen.

Ich glaube, dass Klubs aber ganz grundsätzlich mehr Absicherungen einbauen werden, und das natürlich auch in Verträge von Spielern.

Allein die Transferaktivitäten in den kommenden 2-4 Fenstern werden ja komplett anders aussehen, weil einfach das entsprechende Geld nicht da sein wird.

Ruhrbarone: Was planst du persönlich für die kommenden Tage und Wochen, sei es privat oder auch beruflich? Hast du vielleicht auch einen Tipp für unsere Leser, wie man als Sportfan die Zeit der Quarantäne möglichst angenehm überstehen kann?

Große Schlarmann: Sky gucken! 😉 Wir haben echt ein starkes Programm auf die Beine gestellt. Und das ist wirklich nicht selbstverständlich in dieser Zeit. Wir haben aus allen Sportarten Stimmen, Bilder und Erfahrungen gesammelt. Ob es natürlich die Solidarität in der Bundesliga ist, die Probleme für Basketballer ohne Training, die Absage von Olympia in diesem Jahr, oder die Einschätzungen von Fachärzten. Dazu senden wir alle wichtigen Pressekonferenzen zum Thema Corona abseits des Sports. Was die Kollegen in Unterföhring und meine Reporterkollegen da bislang geleistet haben ist überragend und sehenswert.

Ansonsten hoffe ich für uns alle, dass die Sonne weiter scheint: so können wir mit der Familie weiter raus in den Wald. Wir haben das Glück, dass wir einen Garten haben…ich habe eigentlich zwei linke Hände…es sind sogar eher zwei linke Füße an den Händen, aber ich habe das Baumhaus meines Sohns stückchenweise erweitert. Angefangen haben wir mit einer Matschküche, dann kam eine Sandrutsche hinzu und gestern eine Seilbahn. Mein Endgegner wird wohl die Kanone, die er sich wünscht. 😉 ich finde es schon überraschend, wie viel Spaß mir das macht, auch wenn alles zu Beginn so krumm und schief geworden ist. Je mehr man ausprobiert, desto besser wird es. Einfach machen!

Bleibt zuhause, haltet Abstand und bleibt gesund!

Ruhrbarone: Danke, Dirk! Das wünschen wir dir und deinen Lieben natürlich auch! Bis die Tage!

 

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