Documenta: Wer BDS bestellt, bekommt Antisemitismus geliefert

Ruru-Haus der Documenta in Kassel Foto Jonas Dörge

Dass auf der Documenta antisemitische Werke zu sehen sind, ist keine Überraschung: Ein Jude mit SS-Abzeichen auf der Mütze, die Gleichsetzung der israelischen Armee mit der Nazi-Wehrmacht, ein als Schwein dargestellter Jude – sowas bekommt man, wenn BDS-Unterstützer die Kuratoren aussuchen und denen wiederum bei der Auswahl der Künstler offenbar vollkommen egal ist, ob sie Antisemiten sind oder nicht.

Quelle: Thorsten Sommer: https://twitter.com/thorstensommer1/status/1538829181550747649?s=21&t=cVCfRECDON6dQrgabDBJpw&fbclid=IwAR3cCFqn2H3hb60AZaqfz3VcQaVO4-mSz_vd1LSX5Cg46fyiFPZjpC7j3xo

Das Bündnis gegen Antisemitismus in Kassel hatte schon im Januar auf die Nähe der Documenta zur antisemitischen BDS-Kampagne hingewiesen. Dafür mussten sie sich über Monate als Rassisten beschimpfen lassen. Eine ganze Konferenz versuchte Kritik am Antisemitismus als rechts und rassistisch darzustellen, was zum Teil auch verfing:

Noch als am ersten Documenta-Wochenende immer mehr Belege über antisemitisch Werke auftauchte, schauten viele weg, sahen nichts oder wollten nichts sehen – zum Beispiel eine vom des indonesischen Künstlerkollektiv Taring Padi gestaltete Großleinwand auf dem Friedrichsplatz  in der Kasseler Innenstadt:

„Zweifellos aber überschreitet die Karikatur des Juden die Grenzen dessen, was in Deutschland gezeigt werden sollte“, schreibt Elke Buhr heute im Kunstmagazin Monopol und zeigt damit wie schon in ihrer gesamten Documenta-Berichterstattung, dass sie nicht verstanden hat, worum es geht: Ein Bild mit einem Juden mit einer SS-Rune am Hut ist nicht nur in Deutschland antisemitisch und Hetze, sondern wäre es auch in Kanada, Japan oder Indonesien. Vor ein paar Tagen hat sie noch die Documenta-Eröffnungsrede des Bundespräsidenten als Skandal bezeichnet, weil er „die Antisemitismus-Vorwürfe einfach als berechtigt darstellte“ Buhr war schlicht begeistert von der Kasseler-Show: „Nirgendwo auf dieser Ausstellung wird das Existenzrecht Israels in Frage gestellt. Es werden auch keine Juden diffamiert und herabgewürdigt. Im Übrigen hatte auch im Vorfeld keiner der Beteiligten sich irgendwie antisemitisch geäußert, alle hatten Antisemitismus explizit verurteilt.“ Brille? Fiehlmann! mag man da empfehlen.

Doch versagt haben nicht nur Teile der Presse, die sich wie Hauenstein und Buhr in nahezu bedingungsloser Solidarität auf der Seite der Documenta-Macher stellten und sich darin gefielen, deren Kritiker zu denunzieren. Versagt haben auch Staatsministerin Claudia Roth, die hessische Kulturministerin  Angela Dorn und Documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann. „Die Leitung der Documenta“, schreibt der Zentralrat der Juden heute in einer Stellungnahme, „hatte garantiert, dass es keinen Antisemitismus in der Ausstellung geben werde.“ Eine offenbar wertlose Garantie. Schormann diletierte als Documenta-Chefin und Dorn und Roth ließen sie gewähren. Verantwortung haben beide nicht übernommen. Wird sich Schormann halten können oder ist sie am redlich verdienten Ende ihres Berufswegs angekommen? Das wird sich in den kommenden Stunden und Tagen zeigen. Um sie wird es jetzt schnell einsam werden. Für Roth und Dorn wäre sie das ideale Bauernopfer. Doch nach einem halben Jahr Vorlauf sollte man die beiden Kulturpolitikerinnen nicht so billig wegkommen lassen.

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5 Kommentare

  1. #1 | Volker Eichener sagt am 20. Juni 2022 um 18:22 Uhr

    Herzlichen Dank für die Beharrlichkeit Ihrer Berichterstattung zu diesem Thema, die dazu beigetragen hat, sämtliche Beschwichtigungsversuche der Generaldirektion, der Kuratorengruppe, des Artistic Team der Documenta und der Kulturstaatssekretärin in sich zusammenfallen zu lassen. Es ist erschreckend, wie Unwahrheiten geäußert wurden, die Trumpsche Dimensionen aufwiesen:

    Da wurde es als bloßes „Gerücht“ bezeichnet, dass erhebliche Teile des Kuratorenteams und des Artistic Teams der BDS-Bewegung nahestehen.“ Dabei stehen ihre Namen auf den Unterzeichnerlisten entsprechender Erklärungen, die Israel (historisch und begrifflich völlig falsch) der „Apartheid“ bezichtigen. Und es sind nicht nur einzelne Namen, sondern sehr viele.

    Da wurde fein differenziert zwischen Kritik am Staat Israel (nicht an der aktuellen Regierung, sondern ausdrücklich am Staat an sich) und Antisemitismus. Aber wenn die „Dekolonisierung“ (ganz) Palästinas verlangt wird, entspricht das nicht dem alten Schlachtruf „Werft sie ins Meer!“?

    Da wird behauptet, die Benennung des Kulturzentrums in Ramallah nach Khalil al-Sakakini, der Hitler bewunderte, weil er die Juden in ihre Schranken gewiesen hatte, sei irrelavant. Die Stadt Herne erwägt, die Hermann-Löns-Straße wegen der antisemitischen Einstellungen des Dichters umzubenennen. In Berlin wird die Umbenennung der Mohrenstraße gefordert, obwohl niemand weiß, woher der Name stammt. In Essen wird Mörchens Eisdiele als rassistisch beschimpft, obwohl sie nach Rita Mohr, genannt „Möhrchen“, benannt ist. Aber dass ein Kulturzentrum nach einem Hitler-Bewunderer benannt wird, hat nichts zu bedeuten.

    Da wird ein „wissenschaftlicher“ Artikel (von Jens Hanssen) zitiert, der das Hitler-Zitat in Khalil al-Sakakinis Tagebüchern einfach unterschlägt.

    Da wird behauptet, man habe keine israelischen Künstler eingeladen, weil diese ja dem „industrialisierten Norden“ angehören, während die Ausstellung ganz dem globalen Süden gewidmet sei. Elke Buhr hat sogar bezweifelt, dass keine jüdischen Künstlerinnen und Künstler mit Wohnsitz im Staat Israel vertreten seien – sie habe ja die lange Liste noch nicht komplett durchforstet. Ist Ausgewogenheit nicht ein Grundgebot der Fairness?

    Und da wurde bis kurz vor Schluss behauptet, es gäbe ja gar keine antisemitischen Botschaften in den ausgestellten Kunstwerken. Die Dreistigkeit dieser Lüge erinnert an Trump, der behauptet hatte, bei seiner Amtseinführung habe es die größte Zuschauermenge aller Zeiten gegeben, obwohl die Luftaufnahmen das Gegenteil bewiesen. Oder daran, dass Gott den Regen aufhören ließ, als er zu reden begann – obwohl Fotos seine eigene Frau mit aufgespanntem Regenschirm zeigten.

  2. #2 | Volker Eichener sagt am 21. Juni 2022 um 08:59 Uhr

    Christian Geselle , Oberbürgermeister von Kassel, und Aufsichtsratsvorsitzender der Documenta:

    »In den Preview Days, die vergangene Woche von Mittwoch bis Freitag für Fachpublikum und Medien stattgefunden haben, waren keine antisemitischen Kunstwerke vorher feststellbar.«

    Drei Hypothesen dazu:
    a) Christian Geselle ist blind.
    b) Christian Geselle hat weggeschaut.
    c) Bei der Preview hing das Riesenbanner noch nicht. Dann hat sich Christian Geselle austricksen lassen von einer Bande, die als Israelfeinde bekannt waren. Wäre auch eine Art von Wegschauen gewesen.

    In jedem Fall gröbstes Politikversagen mit Vorwarnung und Ansage. Betrifft nicht nur den Oberbürgermeister, sondern auch die hessische Kunstministerin Angela Dorn und die Kulturstaatssekretärin Claudia Roth.

  3. #3 | Aufgehängt, abgehängt: Documenta macht auch den letzten Israeli unsichtbar | Ruhrbarone sagt am 21. Juni 2022 um 13:50 Uhr

    […] Eichener zu Documenta: Wer BDS bestellt, bekommt Antisemitismus geliefert21. Juni […]

  4. #4 | Marianne Markschuster sagt am 21. Juni 2022 um 16:24 Uhr

    Wir leben in Deutschland, also in dem Land, in welchem Juden vor noch nicht einmal 100 Jahren zu Millionen verfolgt und systematisch getötet wurden.
    Als wenn diese Tatsache für eine Frau Roth oder für Herrn Geselle irgendeine Bedeutung hätte. Nein, viele deutsche Damen und Herren interessiert das nicht, weil sie froh darüber sind, dass in Deutschland keine Juden mehr getötet werden. Und die paar kleinen Malversuche auf irgendwelchen Bannern……..
    Das ist Deutschland 2022: Eine Kunstministerin und eine Kulturstaatssekretärin, den Antisemitismus völlig egal ist, weil sie ihn nicht sehen wollen.

  5. #5 | Don Giovanni sagt am 21. Juni 2022 um 19:19 Uhr

    @#4
    Aber natürlich sehen die Kulturministerin und die Kulturstaatssekretärin, wie auch verschiedene andere Institutionen den Antisemitismus in D, aber nur den, den sie sehen wollen, und den sehen sie, wenn sie ihren scheuklappengelenkten Blick stramm nach rechts richten.

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