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Dortmund: GEW-Nachwuchs demonstriert gegen DGB-Veranstaltung

Andreas Zumach Foto: Heinrich-Böll-Stiftung Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die junge GEW Dortmund stellt sich gegen jeden Antisemitismus und demonstriert gegen eine Veranstaltung des DGB mit Andreas Zumach.

Es ist ungewöhnlich, as die Gliederung einer Einzelgewerkschaft  gegen eine Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes demonstriert.  Die  Junge-GEW teilt in einer Pressemitteilung mit, warum sie das am 11. Dezember in Dortmund tun wird: 

„Der DGB Dortmund-Hellweg lädt gemeinsam mit Attac, Nachdenktreff und der AG Globalisierung in der Auslandsgesellschaft für den 11.12. 2019 in die Pauluskirche zu einer Veranstaltung mit dem Titel “Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren” mit dem Referenten Andreas Zumach ein. Andreas Zumach bezeichnet sich selbst nicht als Unterstützer des israelfeindlichen Bündnisses BDS (Boykott, Divestment and Sanctions) bestreitet jedoch, dass dieses Bündnis antisemitisch sei. Die DGB Jugend hat schon 2017 auf ihrer Bundesjugendkonferenz einen Beschluss gegen die antisemitische BDS-Kampagne gefasst.“

Die junge GEW Dortmund hatte im Vorfeld der Veranstaltung ohne Erfolg versucht über interne Kontaktaufnahme zu DGB und GEW Stadtverband den DGB zum Rückzug aus dem Veranstalterkreis zu bewegen, jedoch ohne Erfolg: „Betrachtet man die medialen Reaktionen auf Auftritte von Andreas Zumach, wird aus unserer Perspektive ersichtlich, dass dieser Redner keine analytische Perspektive auf die Konfliktlinien wirft, sondern die Fronten befeuert. Er stellt seine Position einseitig da und versucht kritische Nachfragen zu umgehen. Beispielsweise hat er in einer Fragerunde einer kritischen Person vorgeworfen, sie habe den Holocaust nicht verstanden. Um tatsächlich eine „Bildungsveranstaltung“ mit einer „differenzierten Diskussion“ durchzuführen ist dieser Referent wohl die absolut falsche Wahl. Leider war der DGB auch auf Bitten der Jüdischen Gemeinde nicht dazu bereit, das Podium zumindest um eine weitere Position zu erweitern, damit eine kritische Diskussion möglich ist. Wir zeigen uns solidarisch mit der Jüdischen Gemeinde Dortmund, die in einer Stellungnahme bereits ebenfalls klar gegen diese Veranstaltung Position bezogen hat.“
Die  junge GEW Dortmund distanziert sich von der Veranstaltung: „Wir stellen uns gegen jede Form von Antisemitismus und verurteilen insbesondere die moderne Form des als “Israelkritik” getarnten Antisemitismus. Schon in der Veranstaltungsankündigung wird bewusst offengehalten, ob die Kampagne BDS als antisemitisch einzustufen sei.“  Josef Holnburger von der DGB Jugend begründet jedoch noch einmal deutlich warum dies falsch ist: “Die Organisationen fordern einen kulturellen, politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Boykott Israels, stellen dessen Existenzrecht in Frage, kooperieren mit antisemitischen Organisationen und tolerieren antisemitische Aktionen und Positionen in ihren eigenen Reihen.”
Die junge GEW ruft  wir zu einer Kundgebung am 11.12.2019 ab 18.00 Uhr, auf dem Vorplatz der ev. Pauluskirche, Schützenstraße 35 in Dortmund auf.

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6 Kommentare zu “Dortmund: GEW-Nachwuchs demonstriert gegen DGB-Veranstaltung

  • #1
    Gerd

    Wie bitte, die haben nicht nur keinen Gegner von BDS eingeladen, die haben diese aktiv ausgeschlossen! Wer vom DGB das organisiert hat, sollte seinen Hut nehmen bzw ihn in die Hand gedrückt bekommen.

  • #2
    Thomas Weigle

    Es gibt ja doch noch ein paar Vernünftige in der GEW. Nur wo ist die Gesamt-GEW? Gerade als Lehrergewerkschaft hat die GEW in der Frage israel-Israelkritik-Israelfeindschaft bisher weitgehend versagt. Wenn ich daran denke, was da so von Fall zu Fall in der Mitgliederzeitung stand….Wie ich hier schon mal sagte, hat mich das nach 37 Jahren Mitgliedschaft aus der GEW getrieben.

  • #3
    bob hope

    Andreas Zumach kommt ja aus der sehr deutschen Friedensbewegung, die der leider zu früh verstorbene Wolfgang Pohrt treffend als „deutschnationale Erweckungsbewegung“ bezeichnet hat. Die Proteste richteten sich damals ja auch gegen die amerikanischen „Besatzer“, gegen die „Yankee-Kultur“ und gegen die „drohende Auslöschung des deutschen Volks“ durch den „Atombomben-Holocaust“. Der belehrende Hinweis an Israel, also „Die Juden“, doch gefälligst aus der Geschichte zu lernen und mit den Palästinensern nicht so zu verfahren, wie „wir“ damals mit „den Juden“, durfte natürlich nicht fehlen.

    Die Organisatoren der Veranstaltung stehen zum Teil in der Tradition. Als ver.di-Mitglied habe ich es leider regelmäßig mit Leuten zu tun, die sich als irgendwie links und sozial bezeichnen, aber blind alles unterschreiben, was gegen die USA oder Israel geht. Der Protest der GEW-Jugend ist in jedem Fall zu unterstützen, auch wenn er innerhalb des DGB nur eine Minderheit erreichen wird.

  • #4
    Madeleine Nass | Bonn

    Leider haben viele linke Groß-Organisationen ein Problem damit, sich vom Antisemitismus zu distanzieren, viele haben sogar aktive Antisemiten. Auch an der angeblichen Klimakrise ist viel implizit Antisemitisches. Fällt niemandem auf, dass die angeblich klimakritischen Karrikaturen, welche den Kapitalismus geißeln wollen den antijüdischen Karrikaturen ähneln?

  • #5
    Gerd

    Die von der GEW wollen nach der Demo an der Veranstaltung teilnehmen. Es könnte doch was werden mit der differenzierten Diskussion. Es sei denn die DGB kneift.

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