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Dortmund goes Ryanair

Boeing 737-800 von Ryanair in Hahn Foto: Schummchen Lizenz: Gemeinfrei

Die Welle der Billigflüge schwappt nun auch über Dortmund und bringt Flüge nach Spanien, Sardinien und Portugal mit sich. Ab März 2013 können Passagiere den Pott nun für ein paar Euro den Rücken kehren und Urlaub auf der Sonnenseite machen. Mit 14 Flügen pro Woche und 200.000 Passagieren im Jahr will Ryanair nach eigenen Angaben rund 200 Arbeitsplätze am Flughafen Dortmund sichern. Von unserer Gastautorin Jana-Lena Wendt.

Immer tiefer wird unsere Gesellschaft mit Billigangeboten, Supersparpreisen und nirgendwo-sonst-ist-es-billiger-Aktionen in den Sog der Konsumwelt gezogen. Und wer würde einen Urlaub zum Sparpreis schon ablehnen?

Doch wie günstig ist ein Flug mit Ryanair letztendlich wirklich ist, zeigt die lange Liste an zusätzlichen Gebühren, die auf ihrer Internetseite zu finden ist. Eine Freundin von mir wollte letztes Jahr mit ihrem Freund eine Städtereise nach Barcelona machen. Günstig geschossen hatten sie ihre Flugtickets und waren stolz wie Bolle. Gut gelaunt und mit dem Sonnenhut schon auf dem Kopf gaben sie am Flughafen ihr Gepäck auf und da durften dann schon das erste Mal Administrationsgebühren gezahlt werden, damit sich überhaupt erst mal jemand mit ihnen beschäftigt. Dann ging alles zack zack, Sitzplatzreservierung, Gepäckstücke, natürlich wird hier fein säuberlich zwischen Haupt- und Nebensaison getrennt, Zuschlag für Übergewicht. So läpperte sich ein Euro zum nächsten und letztendlich kostete die Beiden ihr Supersparflug mit Ryanair genauso viel wie ein „normaler“ Flug mit einer anderen Fluggesellschaft.

Aber trotzdem wächst die vermeintliche „Billigbranche“.  Auch bei der Eröffnung am Dortmunder Flughafen lockt die irische Fluglinie mit verheißungsvollen Angeboten. Die Fluggesellschaft vergibt 100.000 Flugtickets ab 12 Euro. Und machen wir uns nichts vor, diese Angebote sind erfolgreich. Sonst würden sie keine neuen Standorte eröffnen. Trotzdem ist es doch grade für den Ruhrpott ein super Nebeneffekt, dass dadurch 200 Arbeitsplätze gesichert werden sollen. Denn auch der Dortmunder Flughafen hat schon bessere Zeiten erlebt, bevor sich EasyJet und AirBerlin zurückgezogen haben. Da kommt das Engagement mit der Billig-Fluglinie doch ganz recht, denn einen stärkeren Verlust an Passagieren kann sich kaum ein Flughafen leisten. Ryanair vielleicht als Retter in der Not, zumindest ab 2013.

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12 Kommentare zu “Dortmund goes Ryanair

  • #1
    kiesel

    Jeder Passagier wird dort mit 15 EUR bezuschusst (Stand 2009) (Quelle: http://www.der-steuerzahler.eu/Text-FlughafenDortmund-Millionengrab.pdf ). Da werden sich die Stadtwerke aber freuen, wenn sie die zusätzlichen Verluste finanzieren müssen. Aber so lange die RWE-Dividende nicht wegbricht, werden sie das können. Was könnte man mit dem vielen Geld nicht alles Sinnvolles finanzieren?

  • #2
    der, der auszog

    Ryanair ist wie Butterfahrt nur im Flugzeug. Die wahren Kosten für den Kunden fallen erst während der mehrstündigen Dauerwerbeveranstaltung in luftigen Höhen an.

    Und wenn die Dortmunder Pech haben, sind sie ruckzuck Düsseldorfer. Weeze ist laut Ryanair ja auch Düsseldorf und das immer noch, trotz richterlicher Entscheidung, welches diese Form der Täuschung als Werbemittel bereits vor 10 Jahren verurteilte.

  • #3
    Stefan Laurin

    @Der, Der Auszog: Wenn Ryanair Humor hat, benennen sie den Flughafen in Gelsenkirchen-Airport um 🙂

  • #4
    teekay

    Wow, 2012 ist auf der Zielgeraden und es gibt immer noch Platz fuer einen ‚Billigflieger sind gar nicht so billig‘ Beitrag den man schon grob geschaetzte 27.875 woanders gelesen hat. Irgendwie ist die Diskussion doch schon weiter, denn es geht doch nicht nur um die reinen Kosten, sondern um den Service, der bei ’normalen‘ Fluglinien natuerlich kaum, bei ‚Billigfliegern‘ aber eben ueberhaupt nicht vorhanden ist. Und Ryanair liebt Subventionen, wie Kiesel richtig anmerkt.

  • #5
    der, der auszog

    @Stefan

    Nach Charles-des-Gaulles-Flughafen Paris und Franz-Josef-Strauss-Flughafen München demnächst einen Ernst-Kuzorra-Flughafen in Dortmund für das Metropölchen Ruhr. Das wär´s noch. Bürgerinitiativen und empörte Dortmunder können dann gegen eine Verlängerung der Startbahn Herne West protestieren… Errare humanum est – Iren sind menschlich… oder so ähnlich 😎

  • #6
  • #7
    Helmut Junge

    Gelsenkirchen ist schon lustig.
    Aber, nachdem Ryanair den Humor der Einwohner des süditalienischen Bari negativ gestestet hat, Mafiastadt kam gar nicht gut an dort, könnten sie doch den Humor der Dortmunder mit der Benennung in „Schalke04-Airport“ testen.
    Dieser Name ist weltweit bekannt und jeder auf dem Planeten wüßte, wo es hingeht.

  • #8
    Thorsten

    Zusatzgebühren:
    Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Alle anfallenden Kosten werden während der Buchung genannt. Wer z. B. mehr Gewicht in den Koffer packt als angegeben, zahlt eben drauf. Das mag ärgerlich sein, aber es war bekannt und demnach: selbst schuld. Wem das nicht gefällt, bucht eben Air Berlin oder so. Dafür bezahlt man aber möglicherweise dann auch Leistungen, die im Paket mit drin sind, die man aber vielleicht weder nutzt noch braucht. Also: Jeder wie er mag. Aber nicht erst günstig buchen und dann beschweren.

  • #9
    Dortmunder

    @3:
    Da haben Sie etwas nicht mitbekommen, Herr Laurin.
    Wenn schon ein Flughafen Gelsenkirchen, dann diese kleine Klitsche hier:

    http://www.fmo.de/index.php?page=31

    Tssss, „Parken für Schalker“.

  • #10
    Arnold Voss

    U-Tower Airport wäre noch viel passender. Beim U-Turm ist die Subvention pro Nutzer nämlich noch viel viel höher. 😉

  • Pingback: Pottblog

  • #12
    widukind

    Ich denke, Ryanair ist schon billiger, darüber sollte man nicht streiten.

    Manche meinen, dass Ryanair-Konzept passt ganz ausgezeichnet zum Ruhrgebiet, die Menschen dort neigten eh dazu, nicht viel Wert auf „übermäßigen Luxus“ (Service) beim Fliegen zu legen, Menschen aus dem Pott sind einfach und geradeaus, wie Ryanair (siehe hier)

    In Wirklichkeit sind es natürlich eher schlechte Löhne, unsichere Arbeitsverhältnisse etc. pp., die die Billigflieger so populär machen. Viele können sich normalpreisige Flüge schlicht nicht mehr leisten. Andere, die es aktuell noch können, sind ängstlich, legen lieber Geld auf die Seite.

    Ryanair steht selbst für schlecht bezahlte, mit unsicheren Arbeitsverträgen ausgestattete, eingeschüchterte „Mitarbeiter“. Insofern ist Ryanairs Konzept in sich stimmig. Billiglöhne und Billigangebote (bzw. -flüge) sind die zwei Backen des einen neoliberalen Hinterns. Sowohl innerbetrieblich als auch gesamtgesellschaftlich.

    Ist aber natürlich immer noch besser als Billiglöhne ohne Billigangebote. Denn viele Menschen haben berechtigte Angst vor einem „Sog“, der sie aus der Teilhabe an der „Konsumwelt“ herauszuziehen droht.

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