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Dortmund: Ist Marco Reus beim BVB nur ein Schönwetterkapitän?

Marco Reus. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Sicherlich, ein Unentschieden beim großen Rivalen in einem Derby ist kein schlechtes Ergebnis. In der Fußball-Bundesliga auswärts einen Punkt zu holen ist grundsätzlich in Ordnung. Und doch hat das gestrige 0:0 gegen den FC Schalke 04 die Fragezeichen rund um den BVB eher noch vergrößert.

Weder gab es in dem Spiel eine eindeutige Antwort auf die seit Wochen vor sich hin köchelnde Trainerfrage, noch erklärte es die Offensivschwäche, mit der sich die Dortmunder seit Wochen herumärgern.

Vier Unentschieden aus den vergangenen fünf Ligaspielen sind für einen selbsternannten Titelanwärter einfach zu wenig. Hinzu kommt für den BVB noch der schwache Auftritt gegen Inter Mailand in der Champions League (0:2) am vergangenen Mittwoch, der das Weiterkommen in der Königsklasse in Gefahr brachte.

In Zeiten wie diesen braucht es eigentlich eine starke sportliche Führung. Doch die ist bei den Schwarzgelben seit Monaten nicht zu erkennen.

Aki Watzke und Michael Zorc wirken aktuell wenig energisch. Trainer Lucien Favre scheint mit der vom Verein vor Saisonbeginn offensiv ausgerufenen Rolle des Meisterschaftsanwärters grundsätzlich unglücklich zu sein, wirkt häufig mit zu wenig schon zufrieden, kann auch aufgrund seiner in diesen Situationen eher wenig hilfreichen Persönlichkeitsstruktur nicht überzeugen.

Das wäre jetzt eine Situation, in der ein großer Mannschaftskapitän das Heft des Handelns an sich reißen müsste. Doch auch das ist in Dortmund nicht der Fall. Marco Reus wirkt in Stellungnahmen häufig entweder extrem unsouverän (Mentalitätsdebatte), oder aber er gibt nicht als Phrasen von sich.

Auch nach dem Unentschieden vom Samstag auf Schalke wirkten die Spielführer der Dortmunder wenig vorbildlich. Reus beantwortete die Fragen der TV-Reporter nach Spielschluss sichtlich genervt, gab dabei nicht den entschlossenen Anführer, sondern eher den übellaunigen Phrasendrescher. Der Auftritt des Kapitäns nach dem Derby war sogar so enttäuschend, dass Lothar Matthäus in seiner Rolle als TV-Experte bei Sky ausgiebig dazu Stellung nahm, die Analysen der Dortmunder Spieler heftig kritisierte.

Nun muss man die Worte von Matthäus natürlich auch nicht immer allzu ernst nehmen, wie Fußballfans in diesem Lande seit Jahren wissen, im konkreten Falle waren sie jedoch nicht unbegründet.

Große Mannschaften der Fußballgeschichte hatten in der Vergangenheit fast ausnahmslos auch große Teamkapitäne. Egal ob Oliver Kahn, Stefan Effenberg oder auch Matthäus selber, der FC Bayern feierte seine großen Titel immer auch mit großen Persönlichkeiten auf dem Feld. Um diese Rolle auszufüllen bedarf es nicht einmal der offiziellen Kapitänsbinde, wie einst Mathias Sammer im BVB-Dress bewiesen hat.

Sammer organisierte vieles innerhalb der Mannschaft selbst, wenn es einmal nicht so lief. Unvergessen noch immer seine ordnenden Eingriffe in das Spielgeschehen in den 1990er-Jahren, als der ‚Feuerkopf‘ immer wieder Andi Möller in den ‚Hintern trat‘, wenn dieser wieder einmal nicht so richtig mit nach hinten arbeiten wollte.

Ein solcher Spieler fehlt dem BVB in diesen Tagen. Marco Reus ist offensichtlich nicht in der Lage eine ähnlich herausragende Rolle im Team einzunehmen. Es wirkt so, als sei Reus nur eine Art ‚Schönwetterkapitän‘ in Dortmund. Denn als es in der vergangenen Runde sportlich gut lief bei den Schwarzgelben, da wurde Reus häufig für seine Auftritte als Kapitän gelobt. Aktuell liegt da doch einiges im Argen beim BVB. Eine Baustelle mehr, die ein Titelkandidat eigentlich so nicht haben darf.

Beim BVB qualmt es aktuell mächtig. Foto: Franz-Christian Müller

 

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