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Dortmunder Nordstadt: Elternpflegschaft fordert Schließung des Straßenstrichs

Grundschule Kleine Kielstraße

Die Grundschule Kleine Kielstraße wurde 2006 als beste Grundschule Deutschlands ausgezeichnet. Kinder aus 20 Nationen besuchen sie. In einem offenen Brief fordert die Elternpflegschaft nun von der Dortmunder Politik die Schließung des Straßenstrichs. Wir dokumentieren vorab das Schreiben , das morgen offiziell zugestellt wird.

Offener Brief der Elternpflegschaft der Grundschule Kleine Kielstraße an den Rat der Stadt Dortmund zur Schließung des Straßenstrichs

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Ratsfrauen und Ratsherren

anlässlich der Sitzung des Rates am 31.03.2011 in der auch über die Schließung des Straßenstrichs diskutiert werden soll, wenden wir uns an Sie mit dem dringlichen Aufruf die komplette und ersatzlose Schließung zu beschließen.

In der Elternschaft unserer Schule gibt es eine überwältigende Mehrheit für die Schließung. Wir begrüßen alle Maßnahmen ausdrücklich, die dazu führen den Straßenstrich und Straßenprostitution in Dortmund zukünftig zu verbieten.

Es verwundert uns sehr, dass in der Diskussion über den Straßenstrich die Interessen und Meinungen der Bewohner der Nordstadt häufig komplett ignoriert werden. Es ist kein Naturgesetz, das in der Nordstadt Straßenprostitution notwendig ist. Es besteht kein Anspruch, dass unsere Stadt eine Infrastruktur zur Straßenprostitution für angrenzende Städte und das Sauerland bereitstellt. Auch verbitten wir uns die Vorstellung, dass die Nordstadt der ideale Ort für den Straßenstrich ist. Die Unterscheidung in bürgerliche und nicht bürgerliche Stadtviertel verhöhnt unsere Rechte als Bürger und Bürgerinnen. Wir fühlen uns in Geiselhaft genommen von einer Entwicklung welche die Nordstadt schleichend zerstört.

Der Straßenstrich ist Ankerpunkt einer lawinenartigen Armuts- und Elendsmigration. Die Erwerbsgrundlage dieser Entwicklung ist die Straßenprostitution.

Dies hat katastrophale Auswirkungen auf unser Stadtviertel. Wir erleben diese Auswirkungen jeden Tag in unserer Nachbarschaft, auf den Wegen und Spielplätzen unserer Kinder. Besonders frustriert es uns zu erleben, dass Polizei und Ordnungskräfte, bei allem Einsatz, zunehmend schlicht überfordert sind von der Menge an Brennpunkten und Einsätzen.

Wir sind eine Schule mit Kindern vieler Nationen. Wir wissen wie Integration funktioniert, wir leisten sie jeden Tag. Von uns verstärkte Anstrengungen zur Integration zu fordern, beleidigt unsere erfolgreiche Arbeit und ignoriert die Probleme. Durch das lawinenartige Ansteigen der mit der Straßenprostitution verbunden Elendsmigration sind alle Strukturen erschöpft und überfordert. Wir sehen mit Entsetzen wie die harte Arbeit von Jahren zerstört wird. Bedauerlicherweise schweigen die Befürworter des Straßenstrichs immer dann, wenn sie uns erklären sollen, wie denn die zusätzlich notwendigen Stellen für Erzieher, Betreuer und Lehrer bereitgestellt und finanziert werden sollen.

Es macht uns wütend, dass die Interessen der Straßenprostitution überhaupt abgewogen werden, gegen unsere Interessen und die Sicherheit unserer Kinder. Die Nordstadt ist der bevölkerungsreichste Stadtteil Dortmunds. In ihr wachsen die meisten Kinder Dortmunds auf. Sie haben das Recht in einer friedlich, gewaltfreien Umgebung beschützt aufzuwachsen. Dieses Recht ist nicht nachrangig gegenüber der Straßenprostitution.
In mehreren Sternmärschen mit unseren Kindern haben die Grundschulen der Nordstadt den Rat der Stadt zum handeln aufgefordert. Wir hoffen, dass dies nun endlich geschieht. Sollte es nicht dazu kommen, werden wir nicht nachlassen in unseren Bemühungen den Widerstand gegen den Straßenstrich zu organisieren. Bei unseren Unterschriftensammlungen erleben wir eine derartige Unterstützung, dass ein Bürgerbegehren in Reichweite liegt. Wir werden, wenn nötig, diesen Weg gehen.

Wir wissen, die Schließung des Straßenstriches ist nicht die Lösung aller Probleme ist. Aber sie löst viele unserer schlimmsten Probleme.

Deshalb bitten wir Sie eindringlich, schließen Sie den Straßenstrich, verbieten Sie Straßenprostitution in Dortmund und geben Sie uns und unseren Kindern die Chance auf eine friedlichere und lebenswertere Nordstadt zurück.

Die Elternpflegschaft der Grundschule Kleine Kielstrasse
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25 Kommentare zu “Dortmunder Nordstadt: Elternpflegschaft fordert Schließung des Straßenstrichs

  • #1
    Jan

    Es dürfte hinreichend bekannt sein, dass auswärtige Kennzeichen an einem Straßenstrich nicht dann auftauchen, wenn er sich zu einem besonderen überregionalen Magnet entwickelt hat, sondern automatisch, weil die Freier in der Regel nicht den Strich ihrer Heimatstadt verwenden, sondern die Anonymität der nächsten oder übernächsten Stadt zu schätzen wissen.
    Trotzdem ist es natürlich ein Problem, wenn die Lasten der in Deutschland ja legalen Prostitution aus der gesamten Stadt in nur einem Stadtteil konzentriert werden. Es ist aber auch nicht im Umkehrschluss praktikabel, per „Strich“-Liste, die Zahl der Verrichtungen gleichmäßig auf die Stadtbezirke zu verteilen.
    Allerdings gab es zum Beispiel in Essen mal sehr abgegrenzte Szenen: den Drogenstrich, den Ostblockstrich und den Hausfrauenstrich mit seinen Wohnwagen – verteilt auf verschiedene Straßen. Wenn eine Stadt bereit ist, die Hilfsangebote zielgruppenspezifisch zu differenzieren, lässt sich so etwas entzerren! Dann trifft nicht mehr die volle Wucht der Straßenprostitution einen einzigen Stadtteil. In Essen ist man einen anderen Weg gegangen und hat das Hurendreieck nicht zerschlagen, sondern an einem zentralen Platz zusammengelegt. Bisher hat sich das aber nicht zum Problem entwickelt.

    Allerdings sollte die Stadt darauf achten, dass nicht die Autoverrichtungen in Wohnstraßen überhand nehmen.

  • #2
    Dennis

    „Es macht uns wütend, dass die Interessen und die Sicherheit der Straßenprostituierten überhaupt abgewogen werden, gegen unsere Interessen und die Sicherheit unserer Kinder.“

    So liest sich das doch gleich wahrheitsgemäßer.

    Die gegenwärtige Tendenz des Mainstreams, in der Wahrnehmung eigener Interessen keinerlei Rücksicht auf andere Menschen mehr zu nehmen, wird zunehmend im Ruhrgebiet deutlicher.
    Die Kinder sind wirklich nur zu bedauern.

  • #3
    Torti

    @ Dennis
    Die welche Anforderungen auf Rücksichtnahme durch die Prostituierten siehst du denn von diesen erfüllt ?

  • #4
    Kirsten

    Die Nordstadt IST SPERRBEZIRK!
    „Besonders frustriert es uns zu erleben, dass Polizei und Ordnungskräfte, bei allem Einsatz, zunehmend schlicht überfordert sind von der Menge an Brennpunkten und Einsätzen.“
    …und das wird besser, wenn allen Dortmunder Straßenprostituierten der sichere Arbeitsplatz genommen wird?

    „Bedauerlicherweise schweigen die Befürworter des Straßenstrichs immer dann, wenn sie uns erklären sollen, wie denn die zusätzlich notwendigen Stellen für Erzieher, Betreuer und Lehrer bereitgestellt und finanziert werden sollen.“

    Ein regulierter Straßenstrich wäre geeignet, diese Migration – also, die in die LEGALE Prostitution als Erwerbsquelle, zu bremsen, ohne all diese hart arbeitende Frauen gewaltbereiten Kunden, Zuhältern und Schutzgelderpressern auszuliefern.

    Ein bestehender Krankenversicherungsschutz als Voraussetzung für die Benutzung dieser Sicherheitsanlage könnte für mehr Gesundheit und Vorsorge unter diesen Frauen sorgen.

    Gleichzeitig könnten aus den zur Verfügung stehenden EU-Geldern für Intergration von Roma Sprach- und Alphabetisierungskurse, Gesundheitsaufklärung und nicht zuletzt Aufklärung über Rechte und Pflichten in Deutschland diese Frauen stärken, um sie vor dem Übergriff von Schutzgelderpressern etc zu schützen. Ein regulierter Straßenstrich könnte den Besuch solcher Kurse zur Voraussetzung für die Benutzung der Sicherheitsanlage machen.

    Die Anzahl der Frauen auf dieser zu schaffenden Sicherheitsanlage kann zum Beipiel ähnlich wie in Nijmwegen reguliert werden. Zugang für Frauen aus Dortmund, die die Voraussetzungen (s.o.) erfüllen. Ist die Kapazitätsgrenze erreicht (z.B. 60 Frauen auf der Straße), kommt eben keine mehr rein und muss es am nächsten Tag wieder versuchen.

    Auch die PKW`s werden reguliert, Zum Beispiel dürfen keine PKW`s mit mehreren Personen auf das Gelände und wer auffällig wird, bekommt sofort einen Platzverweis.

    Es braucht klare Öffnungszeiten und außerhalb dieser Zeiten ist das Gelände abgeschlossen. Kunden zahlen für die Benutzung der Sicherheitsanlage eine Gebühr (1 oder 2 €) und refinanzieren so zumindest teilweise die Anlage.

    Wenn die Ordnungskräfte in der Lage sind, Prostitution im Sperrbezirk zu verhindern, dann soll sie das tun. Seit Vorgestern! Dazu muss der Straßenstrich nicht erst geschlossen werden.

    Wer gegen Gewalt an Frauen, gegen Menschenhandel, gegen Schutzgelderpressung und gegen organisierte Kriminalität ist, ist FÜR einen regulierten, sicheren Straßenstrich.

  • #5
    Torti

    @Kirsten
    Zum Glück ist der Spuk bald vorbei. Deine Argumente sind naiv und weltfremd. Die Lage ist längst ausser Kontrolle. Es leben breits 700 gemeldete Huren aus Bulgarien und Rumänien in Dortmund. Du gehst mit keinen Wort auf die Rechte der Anwohner ein, ohne Strassenstrich und die daraus resultierenden Belastungen, die von Dir beharrlich ignoriert werden, zu leben.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Torti: Das Problem sind doch nicht die Bulgarinnen sondern wohl die Bulgaren. Kann man denn nicht eine Lösung finden, die kriminellen Typen loszuwerden ohne die nicht-kriminellen Frauen abzustrafen?

  • #7
  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Torti: Das glaube ich nicht. Die Clan-Strukturen kann man über das Steuerrecht bekommen (Da müsste Bulgarien mitspielen – mitspielen oder keine EU-Kohle mehr). Hier geht es dann auch über Steuern (Woher hat der Herr den sein Einkommen, wenn er nicht arbeitet? Dann schätzen wir doch einmal… ), über die Kontrolle der Vermieter, das Durchsetzen der Schulpflicht, Kontrollen etc.. DAS muss möglich sein.

  • #9
    Bürokratenfeind

    # 6 Laurin.
    Sicher gibt es einfache Lösungen. Wir sind ja in einer kreativen Metropole. Z. B könnte man dort ein Projekt der Ruhr 2010 neu auflegen und die Straße mit Henzes Musik beschallen. Wahlweise kann man statt Henze aber auch Freejazz einsetzen. Die Mädels und die Freier würden es vielleicht noch ertragen. Die Luden sicher nicht. Abstrakte Musik macht ihnen Angst und hassen sie mehr als die Polizei, denn die kennen sie ja. Bin mir aber nicht sicher, ob die Polizei da mitmacht.

  • #10
    Helmut Junge

    @Torti (7),
    Kirsten hat doch ein paar Kompromißvorschläge gemacht, wie zum Beispiel die Begrenzung der Zahl der Frauen auf 60, klare Öffnungszeiten, Begrenzung der Zahl der PKW-Insassen.
    Ich persönlich kenne weder die Gegend, noch den Geschäftszweig, kann also sein, daß ich naiv bin, aber ich kann lesen.
    Du wirfst Kirsten zwar vor, daß sie die Belastungen der Anwohner ignoriert, aber dann solltest Du selber wenigstens vorbildhaft auf die von ihr gemachten Kompromißvorschläge eingehen.
    Hast Du aber auch nicht gemacht.
    Man redet aneinander vorbei. Mehr will ich aber zu dem Thema nicht sagen, denn ich bin eben kein Anwohner und die sind allein gefragt.

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Torti@Kirsten: Es gibt wunderbare Menschen, die sich eine Lösung für die Nordstadt jenseits des in Dortmund mittlerweile üblichen Bashings wünschen. Ich weiß, dass das alles nicht einfach ist und das es sehr unwahrscheinlich ist, das so etwas gelingt. Aber gerade weil es kompliziert ist, weil es schwierig ist, sollte man, sollten wir uns jede Mühe geben, einen solchen Weg zu finden.

  • #12
    Torti

    @Stefan
    Tut mir leid, nein, das ist blanke Theorie. Dieser Ansatz funktioniert nicht. Einfach, weil dafür viel zu viele Instanzen mitmachen müssen. Der Kardinalfehler ist die Aufnahme Bulgariens und Rumäniens in die EU. Das ist aber nicht mehr korrigierbar. Die betroffenen Kommunen, den das Problem gibt es nicht nur in Dortmund, werden jämmerlich allein gelassen.

    Alle Strukturen in der Nordstadt sind mit dieser Lawine überfordert. In den Kommunen wird das ausgebadet und ausser heisser Luft und Gutmenschen-Statements kommt da gar nichts. Man müsste hätte sollte-vorbei, der Zeitpunkt ist einfach verpasst und Geld gibt es dafür leider auch nicht.

  • #13
    Bert

    Man sollte sich auch mal den Strich in Essen anschauen, das wäre doch auch eine gute Lösung für Dortmund ?

  • Pingback: Links anne Ruhr (29.03.2011) » Pottblog

  • #15
    Rudi Gems

    Geht es auch noch ein wenig primitiver?

    Man fasst es nicht. Jetzt werden also Kinder instrumentalisiert, um den Urängsten der Eltern Nachdruck zu verleihen? Ja, es ist bekannt, das Menschen eine Urangst gegen Sex bekommen haben. Ja, es ist bekannt, das Menschen den „Phänomen Sex“, völlig hilfslos gegenüberstehen, und am liebsten alles verbieten würden. Natürlich, kann man mit Verboten, scheinbar Lösungen erzeugen. Nur, diese Lösungen, stellen sich langfristig immer als Bärendienste heraus. Stellt euch nur mal vor, man wollte das Problem mit den Straßenverkehrstoten und den Unfällen, dadurch lösen, das man den Straßenverkehr verbieten wollte?

    In erster Linie, geht es auf die Religionen zurück, das Menschen gegen den Sex, solche Aversionen, Aggressionen und Verhaltensstörungen entwickelt haben. Mitlererweile, werden alle Arten von Problemen, auf die Sexualität projiziert. Nachvollziehbar ist das nicht. Es ist eher ein bedenkliches Zeichen für Dummheit.

    Gerade Schulen, sollten doch heute, andere Sorgen haben, als Kinder zu instrumentalisieren, Straßenstriche zu bekämpfen? Als ob es etwas Neues wäre, das Menschen versuchen, sich Drücke und Belastungen dadurch zu entziehen, indem sie einen Nebenkriegsschauplatz eröffnen. Darf ich mal daran erinnern, das es die ureigene Aufgabe der Schule ist, Kindern Bildung beizubringen und aus Kindern Menschen zu machen, die als Erwachsene ihr Leben meistern können?

    Haben solche Schulen, eigentlich schonmal im Unterricht, über das Thema „Straßenstrich“ gesprochen? Haben sie eigentlich schonmal mit den Kindern darüber gesprochen, was Menschen bewegt, wenn sie sich auf dem Starßenstrich treffen? Haben solche Lehrer eigentlich schonmal mit den Kindern darüber gesprochen, wie das Sexualleben der meisten Menschen aussieht? Haben sie darüber gesprochen, das es für die meisten Frauen, ein finanzielles Interesse ist, Sex zu machen, und das es für die meisten Männer üblich ist, Sex als Ware zu sehen, die man kaufen kann?

    Nein, garantiert nicht. Erstens, wären die meisten Lehrer, damit völlig überfordert, weil sie es weder wissen, noch artikulieren könnten, insbesondere weil es ihnen peinlich ist. Und zweitens, müssten sie die Aversionen der Eltern fürchten, denen das bestimmt nicht Recht wäre. Da beteiligen sie sich lieber, in Stammtischmanier, an unausgegorenen Hetzereien, Verteufelungen und moralistischen Schamhaftigkeiten. Durchdacht, ist die Sache in keiner Weise. Schon seit Jahrtausenden hat die Historie bewiesen, das Sex sich nicht verbieten lässt. Er wird nur verlagert. Lösungen, werden leider nicht gesucht.

    Warum sieht man die Sache auf Lehrer und Elternseite, denn nicht mal positiv? Warum, versucht man nicht wenigstens mal ein wenig Verständnis aufzubringen, für Menschen, die Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeiten haben? Warum bekämpft man nicht Seite an Seite, die brutalen Begleiterscheinungen, die dadurch entstehen, das sich Menschen finden wollen, die Liebe suchen? Warum ist man nur zu der Schwarz-Weiß-Malerei fähig, in der Gleichung, „Sex ist Dreck, Sünde, Kriminalität, Gewalt und Gestank“? Warum erschrecken solche Menschen nicht vor ihrer eigenen Einfältigkeit und Dummheit?

    Man kann sicher einiges, gegen den Straßenstrich aufführen. Man kann einige Begleitumstände, die mit dem Straßenstrich in Verbindung gebracht werden müssen, verurteilen. Ob es aber sinnvoll ist, die Lösung darin zu suchen, den Straßenstrich gleich ganz abzuschaffen? wage ich doch ernsthaft zu bezweifeln.

    Grüße, Rudi Gems

  • #16
    Kirsten

    Hallöchen 🙂

    gerne gehe ich mal auf die zwei Gegenargumente, die hier genannt wurden, ein:

    „Dieser Ansatz funktioniert nicht. Einfach, weil dafür viel zu viele Instanzen mitmachen müssen.“

    Welche „Instanzen“ würden denn nicht mit an diesem Strang ziehen? Vielleicht könnten die Nordstadteltern ja anfangen?

    „….und Geld gibt es dafür leider auch nicht.“

    Ich habe es noch nicht überprüft, aber in den letzten Tagen mehrfach gehört und gelesen, dass es EU-Mittel für die Integration von Roma und Sinti gibt, die allerdings nicht abgerufen werden. Ich werde das in den nächsten Tagen überprüfen. Vielleicht weiß ja auch hier jemand mehr darüber?

    Ich behaupte nicht, eine einfache Lösung für alle Norstadtprobleme zu haben. Das wäre ja oberflächlich, dumm und populistisch. Ich denke alleredings, dass ein regulierter Straßenstrich die Arbeit der Ordnungsbehörden ein wenig erleichtern würde und Gewalt, Ausbeutung, Gesundheitsgefahren und Kriminalität ein wenig eingedämmt werden könnten.

    Diejenigen Frauen, die die Voraussetzung für die Benutzung eines regulierten Straßenstriches nicht erfüllen, bleiben dennoch auf der Strecke. Das finde ich furchtbar, schrecklich, unmenschlich und unchristlich. Ich mache diesen Vorschlag ausschließlich aus der Not heraus, weil gegen die populistische Stimmungsmache gegen Prostituierte und Zigeuner im Moment nur ein Kompromissvorschlag halbwegs Chancen hat, angehört zu werden. Bauchschmerzen habe ich dabei. Aber ich gehe einen Schritt, einen großen Schritt auf die Forderungen der „Gegenseite“ zu damit.
    Dennoch: Sollte der Vorschlag eines regulierten Strichs sich durchsetzen, habe ich ganz persönlich Angst vor der ersten Meldung steigender Schutzgelderpressungen, Menschenhandel, Gewaltübergriffen, Vergewaltigungen oder Morden im illegalen Prostitutionsbereich, der sich trotzdem, wenn auch kleiner, entwickeln wird.

    Es ist also nicht so, dass ich hier keine Bereitschaft zeige, Konzepte anzupassen um auf die Befürchtungen der Nordstatdbürger – begründet oder unbegründet- einzugehen.

  • #17
    Eva

    @ Rudi Gems: Ihre Vorstellung, Prostitution habe etwas mit Liebe und Zärtlichkeit zu tun, finde ich erschreckend naiv. Für die Frauen, die als Prostituierte arbeiten, ist es einfach nur ein knallharter Job. Sie müssen zum Teil widerwärtige Typen ertragen. Die Herausforderung dieses Berufes besteht vor allem darin, eine gute Schauspielerin zu sein und den Männern eine Illusion zu verkaufen. Die meisten Prostituierten sind als Kinder sexuell missbraucht worden und leiden auch als Erwachsene noch unter psychischen Folgeproblemen, die durch die Prostitution ganz bestimmt nicht besser werden. Mit erfüllter Sexualität hat das alles überhaupt nichts zu tun; ganz im Gegenteil handelt es sich hier um ein abscheuliches Zerrbild der Sexualität. Wenn Eltern ihre Kinder davor bewahren wollen, dies ansehen zu müssen, dann kann ich ihnen nur Recht geben.

  • #18
    Rudi Gems

    @ Eva

    Warum sollen Huren, nicht auch ganz normale Menschen sein? Warum sollte es für eine Hure, nicht auch wichtig sein, wie ein Mann ihr gegenübertritt? Warum sollte eine Hure, nicht auch ganz spontan in der Lage sein, Symphatien und Antiphatien zu entwickeln?

    Natürlich bedarf es für die meisten Huren, am Anfang, eine unmenschliche Kraft, sich zu überwinden, eine solche Arbeit zu machen. Natürlich, wird jede Hure, als erstes, das Geld im Auge haben, was sie verdienen kann. Aber, könnte es nicht sein, das gerade Frauen, die eine Vielzahl von groben Begegnungen, erleben, besonders zugänglich für echte Zärtlichkeiten sind?

    Natürlich muss man hier unterscheiden. Männer sehen sowas natürlich ganz anders als Frauen. Aber, das ein Mann, zu einer Hure geht, weil er sich endlich nochmal, wenigsten für eine Stunde, verlieben will, dürfte so außergewöhnlich nicht sein.

    Illusionen verkaufen? Ja! Aber, wo bitte werden keine Illusionen verkauft? Glaubst Du, die Bäckereiverkäuferin, verkauft morgens die Brötchen, wie es im Innern bei ihr aussieht? Fast jeder Verkauf, lebt von der „peinlichen Servilität“.

    „Die meisten Prostituierten sind als Kinder sexuell missbraucht worden.“ Das ist ein billiges Klischee. Darüber zu diskutieren, würde den Rahmen des Themas sprengen. Da es aber die Huren selber waren, die für ihren Arbeitsplatz gekämpft haben, können wir dieses Problem außen vorlassen. Warum kann man den Beteiligten es nicht selbst überlassen, wie sie ihre Kontakte sehen? Warum müssen Dritte, von einem „abscheulichen Zerrbild der Sexualität“ reden?

    Wo müssen Eltern ihre Kinder davor bewahren, sich ein Zerrblid des Sex anzusehen? Soweit ich informiert bin, ist man in Dortmund, durchaus in der Lage, die eigentlichen Vorgänge vor Kindern fernzuhalten? Und bitte, wer fühlt sich gezwungen, Kindern über Dinge zu erzählen, die er zwar nicht genau weis, aber trotzdem mit dem Brustton der Überzeugung kundtun muss?

    Grüße, Rudi Gems

  • #19
    Eva

    @ Rudi Gems: Natürlich haben auch Prostituierte so wie die meisten Menschen ein Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit. Dieses leben sie aber sicherlich nicht in ihrem Beruf aus, sondern im Privatleben. Dass sie fast alle als Kinder sexuell missbraucht wurden, ist keinesfalls ein Klischee, sondern das Ergebnis seriös durchgeführter Studien. Es deckt sich im übrigen mit dem, was mir Prostituierte während meiner zweijährigen Tätigkeit in einer Frauenberatungsstelle erzählt haben.
    Wachen Sie auf, Rudi. Prostitution hat nichts, aber auch gar nichts, mit Liebe und Romantik zu tun. Es ist einfach nur eine Ausbeutung von Frauen, die sexuell traumatisiert sind und kaum andere Möglichkeiten des Gelderwerbs haben. Auch die Männer bekommen dort keine Liebe und Zuneigung, sondern allenfalls ein Trugbild desselben.
    Und selbstverständlich ist es nicht tragbar, wenn Kinder, die so etwas überhaupt nicht einordnen können, sich dies täglich auf dem Schulweg ansehen müssen.

  • #20
    Jan

    @ Rudi Gems
    Das ist doch schon eine geschmacklose Glorifizierung – mit Verlieben, wenn auch nur für eine Stunde, hat Prostitution absolut nichts zu tun. Das beschreibt höchstens ein paar arme Irre, die dann ab dem Moment jeden Cent zum Objekt der Begierde tragen – und sich genauso wie ein Spielsüchtiger ruinieren …

    Nein, Prostitution ist vor allem ein Geschäft, aus dem dringend ein paar Akteure, die selber keine Leistungen erbringen, entfernt gehören. Aber das Geschäft selbst ist legal – und deshalb muss es auch in einem gewissen Rahmen von den Kommunen gestattet werden: ein Sperrbezirk von Stadtgrenze zu Stadtgrenze ist nicht möglich!

    In Essen hat man übrigens keine wirklich negativen Erfahrungen mit dem Straßenstrich Kirmesplatz gemacht – lediglich zu Beginn waren wohl die Wohnwagenplätze ein wenig knapp. Jetzt sollte man nur noch hin und wieder mal eine größere Aktion gegen Auswärtsverrichtungen starten und dann bleibt die Lösung auch dauerhaft gut.
    Die Frage ist nur, inwieweit das auf Dortmund übertragbar ist. Dafür braucht man eine abgelegene, ebenerdige, großflächige Investitionsruine. Denn für 400.000 Euro war die Essener Lösung nur zu haben, weil es bereits die brachliegende Infrastruktur eines gescheiterten Retortenkirmesplatzes (für 4 Mio.) gab …

  • #21
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jan: Sehe ich genau wie Du: „…ein Geschäft, aus dem dringend ein paar Akteure, die selber keine Leistungen erbringen, entfernt gehören.“ In diese Richtung muss die Lösung gesucht werden.

  • #22
    Rudi Gems

    Bei der Diskussion, wird sich doch wieder vor der Wahrheit gedrückt. Hier wird Kindern suggeriert, das etwas ganz „Schlimmes“ in ihrer Nähe ist und passiert. Zu sehen gibt es natürlich Nichts. Das Hauptgeschäft, findet statt, wenn die Kinder schlafen. An den Straßen stehen „leichtbekleidete Frauen“, die auf Kunden warten. Und ab und zu, fährt ein Auto vor, wo Frauen den Kopf ins Fenster hereinhängen, und eventuell, geht die Tür auf und die Frau steigt in das Auto. Was ist daran so gefährlich für Kinder?

    Einzig der Umstand, das man weis, was nach dem Einsteigen abläuft, könnte zu Recht bedenklich sein. Dafür muss man aber mindestens 14 sein, sonst darf man es gar nicht wissen. Es sind also die Informationen, die Eltern oder Sexualmündige den Kindern geben, wo sich anschließend drüber aufgeregt wird, das Kinder es wissen könnten. Verlogen! würde ich sagen.

    Vor was, wollen denn jetzt Schule, Lehrer, Eltern und Elternrat, die Kinder schützen? Das sie leicht bekleidete Menschen sehen könnten? Das könnten sie im Schwimmbad, oder gar in der Familiensauna, besser haben. Das sie wissen könnten, was Menschen machen, wenn sie in dieser Form, auf dem Straßenstrich, Kontakt aufnehmen? Nun ja, wenn einige Eltern, ihnen erzählen würden, was bei ihnen im Ehebett abläuft, könnten sie u.U. heftigeres Wissen haben. Auch hier, außer Verlogenheit, kaum etwas zu konstatieren.

    Wenn einige Kommentatoren, ein wenig an Phantasielosigkeit leiden, sollten sie es vielleicht verbergen? Ich würde mir jedenfalls durchaus zutrauen, auf eine Hure zuzugehen, mich nett mit ihr zu unterhalten, ihr das Gefühl zu geben, das ich sie als „Mensch“ voll akzeptieren würde, und sogar eine gewisse Bewunderung für sie hätte. Sie müsste schon ein Herz aus Stein haben, wenn sie sich dadurch nicht ein wenig bestätigt fühlte. Und das mit dem „Verlieben in eine Hure“, war ein Ergebnis eines Experiments. Man hat Menschen an Apparate angeschlossen, und gemessen, was sie beim Sex fühlen. Bei Frauen, gab es Unterschiede, ob sie Partnerin waren, oder Hure. Bei Männern, gab es keine Unterschiede.

    Grüße, Rudi Gems

  • #23
    Jan

    @ Rudi Gems
    Genau, die lieben Kleinen wissen gar nichts, aber lernen vor allem, dass man ruhig zu Fremden ins Auto steigen kann – das machen die Frauen ja schließlich auch!
    Auf welchem Planeten leben Sie, dass Sie immer noch glauben, Eltern könnten ihren Kindern bis zum 14. Lebensjahr einfach nichts sagen und dann blieben die auch unaufgeklärt?
    Als ich in der siebten Klasse (da wurden wir alle nach und nach 13) eine neue Biolehrerin bekam, hat sie auf ihren Vorgänger geflucht, weil der sich vor genau dem Thema gedrückt hat. Und nachdem ihre einführende Frage („What is reproduction about?“ – Bio hatte ich ab der 7 auf Englisch) nur mit einem zwanzigfachen verlegenen Kichern beantwortet wurde, brach Ihr Urschrei („MAKING BABIES“) das Eis. Da ging es dann aber auch nur noch um die Klärung der korrekten Anatomie, alles andere hatten die frühaufgeklärten Mitschüler bereits weiterverbreitet. Das Internet war damals noch nicht so wichtig, aber die Bravo leistete doch ihren Beitrag!
    Und schon damals saßen zur Abendbrotzeit in einem RTL-Magazin verpixelte horizontale Damen auf der Bettkante!

    Die von Ihnen erwähnte Prostitutionsblindheit von unter 14-jährigen existiert in dieser Form nicht! Aber auch für andere Altersgruppen ist es nicht angenehm, wenn im gesamten Stadtteil eine immer präsente Zuhälterszene das Bild beherrscht.

    Übrigens neigen Frauen oft dazu, dass emotionale Vorgänge auch körperlich messbar sind. Männer sind da einfach abgestumpfter. Welche einheitlichen Messergebnisse hatten denn die Männer? Waren die eher mit den Huren vergleichbar oder mit den Partnerinnen?

  • #24
    Rudi Gems

    @ Jan

    Es dürfte sich doch auch schon bei Jan rumgesprochen haben, das nicht Autos, die größten Gefahren für sexuellen Missbrauch sind, sondern das unmittelbare Umfeld des Kindes. In der BRD, werden jährlich ca. 3 Kinder mit dem Auto entführt, und anschließend sexuell missbraucht und vergewaltigt. Oft kann man dann, solche Vorfälle wochenlang in der BILD lesen.

    Gerechtfertigt ist es in keiner Weise, deshalb, alle Autofahrer zu verdächtigen. Vor allen Dingen, alle Nachbarn vorsorglich zu verdächtigen, das sie nur noch eins im Kopf hätten, nämlich das Kind ins Auto zu zerren, und zu missbrauchen. Das ist ein Affront gegen die Nachbarn und Autofahrer, und in keiner Weise eine Hilfe für die Kinder. Wesentlich sinnvoller wäre es, die Kinder zu ermutigen, die Nachbarn ganz gezielt aufzusuchen, um sie kennen zu lernen.

    Natürlich lebe ich nicht auf dem falschen Planeten. Natürlich weis auch ich, das Kinder heute frühzeitig aufgeklärt werden. Das heißt aber noch lange nicht, das sie darüber aufgeklärt werden müssen, was auf einem Straßenstrich abläuft.

    Grüße, Rudi Gems

  • #25
    Jan

    @24
    Worüber Kinder in einem gewissen Alter „aufgeklärt werden müssen“ und worüber sie in diesem Alter tatsächlich mehr oder weniger Bescheid wissen, sind vollkommen unterschiedliche Dinge!
    Und spätestens wenn Nicht-Prostituierte angesprochen werden, was sie denn für eine Nummer nehmen, hört der Spaß auf. Und sowas kann nach 20h für eine Minderjährige auf dem Nachhauseweg ganz schon verstörend sein.

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