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Drug Checking ist ein Schritt in die richtige Richtung

Sammlung von Designer-Drogen Foto: Drugpic Lizenz: Drugpic Lizenz: CC BY-SA 4.0

Sammlung von Designer-Drogen Foto: Drugpic Lizenz:  CC BY-SA 4.0

Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin will Drug Checking erlauben lassen, um Konsumenten zu ermöglichen, Informationen über den Reinheitsgehalt von Ecstasy-Pillen und anderen Drogen zu erhalten. Einen genauen Termin, wann das bundesweit bisher einmalige Projekt an den Start gehen soll, gibt es zwar noch nicht. Ein Gutachten kam jetzt jedoch zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben der Berliner Landesregierung rechtskonform ist. Auch die zu dessen Realisierung benötigten finanziellen Mittel wurden bereits bewilligt.

Nachdem sich kürzlich Polizisten dafür ausgesprochen hatten, den Besitz von kleinen Mengen chemischer Drogen nicht mehr zu verfolgen, ist dies ein weiteres Zeichen für ein Umdenken in der Drogenpolitik. Keine deutsche Stadt ist derart für ihre Techno-Kultur und den damit verbundenen Drogenkonsum bekannt wie Berlin. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Berlin womöglich auch ein Vorreiter sein könnte, was eine Entkriminalisierung und bessere Aufklärung von Konsumenten angeht.

Der CDU-Gesundheitsexperte im Abgeordnetenhaus Tim-Christopher Zeelen hält erwartungsgemäß nichts von dem Plan des Berliner Senats: „Drug-Checking anzubieten, weil man die Kriminalität dahinter nicht unter Kontrolle bekommt, ist ein falscher und gefährlicher Ansatz. Wir bieten ja auch keinen Sicherheits-Check für Fluchtfahrzeuge von Bankräubern an, damit sie sich auf der Flucht nicht wehtun.“

Illegale Drogen zu konsumieren, ist aus Sicht von Zeelen also vergleichbar mit einem Bankraub. Mal abgesehen von diesem offensichtlich unsinnigen Vergleich fragt man sich auch, ob die CDU versucht, die Grünen in Umfragen wieder zu überholen, indem sie ihnen den Status als Verbotspartei streitig machen. Auch der häufig insbesondere von Unionspolitikern erhobene Vorwurf, den Grünen gehe es nicht um Fakten, sondern um Ideologie, lässt sich bei diesem Thema Eins zu Eins auf die CDU übertragen.

Drug Checking führt eben nicht dazu, dass mehr Menschen Drogen konsumieren, sondern, dass weniger Menschen an Drogenkonsum sterben oder gesundheitliche Schäden davontragen. In der Schweiz ist diese Praxis bereits seit 20 Jahren etabliert. Sie kann jedoch nur der erste Schritt sein, denn aus liberaler Perspektive sollte dem mündigen Bürger ein Recht auf Rausch zugestanden werden.

Jedem, der der Meinung ist, dass die aktuelle Drogenpolitik gerechtfertigt ist, kann man nur empfehlen, mal auf einen Rave zu gehen und sich selbst ein Bild davon zu machen, wie sich z.B. MDMA im Vergleich zu Alkohol auf das Sozialverhalten auswirkt. Man wird feststellen, dass es z.B. auf Techno-Parties, wo allerlei psychoaktive Substanzen konsumiert werden, viel seltener zu Gewalt oder sexuellen Belästigungen kommt als auf gesellschaftlich akzeptierten Besäufnissen wie Karneval oder dem Oktoberfest. Dennoch wird Alkohol verharmlost und alles Andere verteufelt.

Es liegt mir fern, die nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen chemischer Drogen zu verharmlosen. Doch gerade aus dem Grund, dass diese nicht ungefährlich sind, sollte man auf Aufklärung statt auf Kriminalisierung von Konsumenten und die gesellschaftliche Tabuisierung von Drogenkonsum setzen. Damit wäre nämlich sowohl denen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Drogen pflegen, als auch den Usern, die ein Suchtproblem haben, mehr geholfen.

Auch die FDP, die sich als liberale Partei eigentlich für Prävention statt Repression stark machen müsste, lehnt das Drug Checking jedoch ab. Ein Sprecher der Partei bezeichnete dieses als „Förderprogramm für kriminelle Clans und deren Dealer“. Was genau Dealer davon haben sollen, dass ihre Drogen auf Reinheit getestet werden und im Fall einer verunreinigten Pille eine Warnung im Netz veröffentlicht wird, ließ er offen. Den Kunden gestreckten Stoff anzudrehen, wird dadurch jedenfalls nicht einfacher.

Dass die Prohibition nicht nur beim Alkohol, sondern auch bei anderen Drogen gescheitert ist, lässt sich kaum abstreiten. Nirgendwo ist das offensichtlicher als in Berlin, wo die verschiedenen Landesregierungen den Kampf gegen den Drogenhandel im Görlitzer Park mit ihren jeweils unterschiedlichen Konzepten von einer Null-Toleranz-Politik bis hin zur Kürzung von Sträuchern und Büschen, die als Drogenverstecke dienen, verloren haben.

Auch der Konsum von Partydrogen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, wie sowohl die Zahl der entdeckten Drogendelikte als auch die Spuren der verschiedenen Substanzen im Abwasser zeigen. Es ist also dringend geboten, neue Wege einzuschlagen, um Verkauf und Konsum von Drogen unter Kontrolle zu bekommen.

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