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Duisburg: Sauerland wirbt für sich mit Adenauer-Slogan

Adolf Sauerland

Am 12. Februar stimmen die Duisburger über die Zukunft von Oberbürgermeister Adolf Sauerland ab. Der macht  Wahlkampf für sich – mit einem Zitat aus der Zeit von Konrad Adenauer.

„Keine Experimente! Zukunft gestalten“ – mit diesem Adenauer Slogan wirbt Adolf Sauerland darum, doch noch Oberbürgermeister Duisburg zu bleiben. Unter adolf-sauerland.de entwirft der OB ein Bild von Duisburg und seiner Arbeit, das nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat: Eine dynamische Stadt mit einem dynamischen Oberbürgermeister der von Erfolg zu Erfolg eilt:

Ich bin jedoch davon überzeugt, dass der von mir als Oberbürgermeister eingeschlagene Weg der richtige ist und bleibt. Dass dabei in Zukunft noch viel zu tun ist, wissen wir alle. Ich bin daher fest entschlossen, zusammen mit Ihnen auch die nächsten Jahre  zum Wohle der Stadt weiter zu gestalten!

Zum Wohle der Stadt? Seit der Loveparade ist Duisburg eine gelähmte Stadt mit einer Verwaltung, die sich nichts mehr traut und die kaum noch über das Vertrauen der Bürger verfügt. Einer der Gründe: Sauerland, der sein eigenes Wohlergehen über das der Stadt stellt – auch wenn immer neue Skandale seine Glaubwürdigkeit erschüttern und die Staatsanwaltschaft Wuppertal wegen der Spenden des Immobilienentwickler Kölbl&Kruse  gegen ihn ermittelt.

Sauerland erwähnt auch die Loveparade – Fehler sieht er nicht in der Genehmigung der Veranstaltung sondern in der Kommunikation nach der Katastrophe:

Das Geschehene ist unwiderruflich und fest in unseren Gedanken und Erinnerungen verankert. Sicher habe ich unmittelbar nach der Loveparade Fehler gemacht. Ich frage mich oft, warum ich damals nicht sensibler oder souveräner aufgetreten bin. Die Antwort darauf ist einfach: Weil auch ich zu diesem Zeitpunkt von dem Ausmaß des Unglücks schockiert und in meinen Grundfesten erschüttert war.

Und weil  alles so erfolgreich war, darf es „Keine Experimente“  geben. Eine Geschmacklosigkeit. Adenauer war einer der erfolgreichsten Kanzler der Republik, baute die CDU auf, söhnte Deutschland mit Frankreich aus und verankerte die Bundesrepublik im Westen. Eine beeindruckende Bilanz – die es einem wie Sauerland eigentlich verbietet, Adenauers Slogan für sich zu missbrauchen.

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19 Kommentare zu “Duisburg: Sauerland wirbt für sich mit Adenauer-Slogan

  • #1
    Gerd Herholz

    Dank für den Hinweis, Stefan. Und das Ganze steht unter dem Homepage-Motto „100% DU – Unser schönes Duisburg“.

    Unter dem Steuerbutton „Loveparade“ dann die Worte:
    „Das Unglück auf der Loveparade 2010 hat vieles verändert: Was als eine große Party geplant und angekündigt war, endete in einer nicht für möglich gehaltenen Tragödie. Vieles wurde über die Ursachen geschrieben, noch mehr darüber spekuliert.
    Tatsache ist, dass bis heute keiner sagen kann, was genau zu diesem Unglück geführt hat.“

    Vielleicht will in ‚unserem schönen Duisburg‘ ja auch keiner sagen, was „zu diesem Unglück geführt hat“? Das ist eben“100% DU“

    Der gesamte Homepage Text ist übrigens immens verdruckst und anbiedernd (wer berät den Mann da?): „unser Duisburg“ und immer wieder dieses „wir“, etwa in dem Anfangssatz:
    „… seit nunmehr acht Jahren bin ich Oberbürgermeister unserer Stadt. Wir haben in dieser Zeit viel für Duisburg erreicht.“
    Ist das Pluralis majestatis?
    Siehe Wikipedia: „Der Pluralis Majestatis (auch: Maiestatis) ist die Bezeichnung der eigenen Person im Plural als Ausdruck der Macht. Hintergrund der Wahl der Mehrzahl ist, dass Monarchen oder andere Autoritäten immer für ihre Untertanen beziehungsweise Untergebenen sprechen und gleichzeitig eine Hervorhebung der eigenen Person stattfindet.“

    Ach, Mann, ich hab doch hier schon einmal eine Sauerland-Rede kritisch betrachtet. Der redet so konfus (oder seine Ghost Writer), dass es anstrengend wäre, es im Detail ein zweites Mal zu tun:

    http://www.ruhrbarone.de/mich-mangeln-die-woerter-7-heute-ein-sogenannter-oberbuergermeister-versucht-etwas-zu-sagen-adolf-sauerland-performt-auf-der-expo-real-2011/

  • #2
    lebowski

    Och, „dynamisch“ ist ja vieles. Auch der Untergang des Römischen Reichs dürfte eine dynamische Angelegenheit gewesen sein.

  • #3
    Mao aus Duisburg

    Mir sind Experimente in dieser Situation lieber, als der geistige Stillstand, den die Stadt schon seit Jahren lähmt.

    – Bei der Arbeitslosigkeit ist DU inzwischen Spitze in NRW
    (und es gibt keinen Masterplan, wie mit wem dieser Zustand wann und um wie viel Prozent gesenkt werden soll).

    – Bei der Verschuldung ist DU inzwichen Spitze in NRW
    (und Sauerland hat auch nach Jahren keinen Plan vorgelegt, wie das Ruder rumzureißen ist)

    – Es gibt keinen Plan, wie DU als Uni-, Studenten- und Forschungs-Standort weiterentwickelt wird
    (der aber als Nukleus für eine gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Kehrtwende wichtig wäre)

    – Es gibt keine Ideen und keinen Motor für die stadtplanerische Weiterentwicklung der City (als Einkaufsmeile), der Problemviertel (Hochfeld, Hamborn, Bruckhausen, Marxloh)

    – Es gibt auch zudem keinen Plan, wie junge und einkommensstarke (und das heißt in DU: mit Arbeit – egal welcher Art) Familien in der Stadt gehalten werden können.

    – Es gibt keinen Plan für die Weiterentwicklung des Energiestandortes Duisburg (Stärkung der Stadtwerke).

    Statt dessen wird derzeit die Errichtung eines zweiten gigantischen Möbelhauses (auf dem Loveparade-Gelände) diskutiert und in Hamborn der Bau eines gewaltigen Outlet-Centers – für das alte und eigentliche sehr schöne Hausstrukturen niedergerissen werden sollen. Billige Möbel, billige Klamotten, keine Kulturlandschaft, hohe Arbeitslosigkeit, Rekordverschuldung und ein OB, den keiner mehr ernst nimmt geschweige dann, mit dem ein Unternehmen eine große Vision entwickelt – Was für eine Perspektive für die Stadt, die sich einst „Montanstadt“ nannte und eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Deutschlands hatte.

  • #4
    Thomas

    Laurin hat recht in der Sache: Es ist eine absolute Unverschämtheit, daß sich Ketchup Sauerland mit Adenauer vergleicht.

    Allein die Fallhöhe.

    Mann, mann, mann.

  • #5
    Gerd Herholz

    … wo kommen die nur alle her? Ist das ansteckend?

    Sauerland: „Ich war das nicht, ich habe nichts Unrechtes getan!“
    Zu Guttenberg: „Ich war das nicht, ich habe nichts Unrechtes getan!“
    Wulff: „Ich war das nicht, ich habe nichts Unrechtes getan!“
    Kapitän der Costa Concordia: „Ich war das nicht, ich habe nichts Unrechtes getan!“

    Der eine Kapitän geht zu früh von Bord, der andere zu spät; wieder andere bleiben auf immer hartnäckige Gespenster auf der Brücke von Schiffen, die mit ihnen an Bord zu Geisterschiffen verkommen.

    Macht aber nix: Die Costa-Flotte wirbt auch fleißig weiter, als ob nix gewesen wäre:
    „Alle Schiffe der Costa Kreuzfahrten Flotte sind traditionell im italienischen Stil gebaut. Sie verbinden Schönheit und Eleganz mit abwechslungsreicher Unterhaltung. An Bord genießen die Gäste ein Höchstmaß an Komfort und Service verbunden mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten. (…) Die großzügigen Kabinen, sehr viele davon mit Meerblick und einem Balkon, sorgen für heimischen Komfort auf hoher See.“
    http://www.costakreuzfahrten.de/de/schiffe.html

  • #6
    Thomas

    @5 (Gerd Herholz)

    Und das Beste ist:

    Der CDU-protegierte Leiter der Firma, die Düssbuarchs, vulgo Duisburgs Image verbessern soll, die DMG, Duisburg Marketing, der Uwe Gerste (CDU), der schickt auf Facebook Bildchen rum, angetriggert durch die Schiffskatastrophe, ganz stolz darauf, daß er und seine blonde Angetraute auch mal auf einem Billigheimer der Costa-Reederei gekreuzfahrtet haben.

    http://on.fb.me/zT4KCQ

    Das sind die bildungsfernen Schichtlinge, die die Queen Mary mit dem Costa Cordalis verwechseln.

    (:

  • #7
    Matthes

    Was die Initiative meiner unbescheidenen Meinung nach noch etwas intensiver kommunizieren muss: Bei dieser Wahl gibt es keine Enthaltung. Nicht wählen heißt Sauerland wählen.
    Die Abwahl gelingt nur, wenn genug Ja-Stimmen zusammen kommen. Wer, statt „Ja“ zu wählen, ungültig stimmt, nicht zur Wahl geht oder sich sonstwie enthält, hätte auch gleich sein Kreuz bei „Nein“ machen können. Der Effekt ist der selbe.

  • #8
    Arnold Voss

    @ Gerd Herholz

    Am interessantesten ist dein Hinweis auf den Kapitän der Costa Concordia. Letzterer weißt ja nicht nur jede Schuld an den Toten und Verletzten zurück sondern will eigentlich stattdessen mehr als 2000 Personen gerettet haben.

    So sieht sich offensichtlich auch Adolf Sauerland. Für die Loveparade trägt er nicht nur keine persönliche Verantwortung, er definiert sich stattdessen als Retter der Stadt Duisburg und hält sich in dieser Rolle auch in Zukunft für unersetzbar.

    Die ganze Sache bekommt offensichtlich in beiden Fällen zunehmend eine klinische Dimension.

  • #9
    Thomas

    @ Arnold:

    Kurz zu DU: Die ganze Sache bekäme zunehmend eine klinische Dimension.

    Bekommt? Zunehmend?

    Die ganze Nummer hat sie doch schon längst. Die klinische Dimension. Sauerland etwa agiert krank.

    Das ist echt weird, was da abgeht.

    Datt kannze praktisch nur noch nach ICD-10 einschachteln.

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  • #11
    Helmut Junge

    Liebe Diskutanten, meine Frau hat gesagt, dass unsere Briefwahlzettel morgen in die Post gehen. Ihr sollt euch also nicht in die Hose machen, dass das möglicherweise nicht klappt.

  • #12
    Schokoforschung

    Ich würde ihn auch gerne schnellstens abwählen. Habe aber -als Bochumerin- keine Möglichkeit. Liebe Duisburger, bewegt etwas!! Ihr habt den peinlichsten Oberbürgermeister des Ruhrgebiets, also betrifft es uns irgendwie alle…

    Seit wann eigentlich geben sich Politiker so wenig Mühe zu verhehlen, dass sie nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind? Und diesen Vorwurf müssen sich noch einige mehr (oder gar alle?) gefallen lassen!

  • #13
    Zofe

    Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? – Adenauer
    Und genau das kann man den meisten von SPD/CDU/GRÜNE heute auch vorwerfen! Ok. Adenauer war menschlich ein Schwein, aber das ist ja wieder ein anderes Thema..

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  • #16
    allemachtdendrähten

    Obwohl ich immer noch der Meinung bin der komplette Rat incl. des OB müsste gehen, und sich dann noch als Adolf Sauerland auf Konrad Adenauer zu berufen ist etwas dreist.

  • #17
    Katharina

    CDU macht keinen Wahlkampf.
    Flyer „nur“ für die Fraktion.
    O-Ton Mahlberg und Sauerland im WDR.

    Aber im Flyer steht: Liebe Bürger und Mitbürger.

    Die Mitbürger beschränken sich auf die Fraktion oder wie soll man das verstehen. Oha

    Dümmer geht´s nimmer.

  • #18
    Helmut Junge

    Kurioserweise geht der Abwahlbrief direkt an die Adresse des Oberbürgermeisters.
    So ist er jedenfalls adressiert. Der weiß jetzt, was ich von ihm halte.

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