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Ein Ökotopia ist keine Option, wenn es uns arm macht

VTC Mercedes-Benz in Stuttgart-Untertürkheim Foto: Enslin – Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Kernindustrien Deutschlands stehen unter Verruf. Vor allem die Autoindustrie. Der öffentliche Angriff auf sie ist suizidal. Ein Zwischenruf aus besorgniserregendem Anlass. Von Nils Heisterhagen und Stefan Laurin

In Deutschland greift eine Ökotopie um sich. Alles soll grüner werden. Aber wie? Darüber wird kaum gesprochen. Bilder gehen um die Welt und werden für Symbolpolitik ausgeschlachtet. Alles soll grüner werden. Konsumenten sollen sich bitte umstellen, anders konsumieren, weniger konsumieren, wir auf Wachstum verzichten, böse Kraftwerke sofort abgeschaltet werden, böse Industrien werden bestreikt. Es wird „Druck“ gemacht. Aber wohin? Mittlerweile hat nicht nur ein Kulturkampf gegen das Auto die mediale Öffentlichkeit erfasst, nein, die mediale Stimmung geht sogar dahin, dass produzierendes Gewerbe doch irgendwie von gestern ist. Macht man nicht heute Geld mit Plattformökonomie? Also mit MacBook und Chai Latte daneben?

Davon abgesehen, dass Deutschland heillos bedeutungslos in genau dieser Plattformökonomie ist (was nicht gut ist, aber nun mal so ist), wirkt der grüne Sturm gegen die Grundlagen unseres Wohlstandes reichlich verblendet. Er geht von einer Jugend aus, meist aus wohlhabenden Familien, wie viele Friday-For-Future-Aktivisten, die nur Wohlstand kennen und nicht wissen, dass er nicht vom Himmel fällt. Die Grünen, die akademischste Partei und die Partei eines postindustriellen Bürgertums, befeuern unterschwellig und offen eine Transformation unserer Gesellschaft. Aber wohin bitte? In einen neuen Postindustrialismus? Davor müssen wir uns fürchten. Warum? Ein paar Zahlen:

7,4 Millionen Menschen arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 2017 in Deutschland in der Industrie und im Baugewerbe noch 2,3 Millionen Menschen. Die Industrie-Unternehmen erwirtschafteten 2018 ein Viertel des Bruttosozialprodukts, das Baugewerbe weitere fünf Prozent. Die Industrie exportierte 2018 Waren im Wert von 1 295 Milliarden Euro. Die Dienstleistungsbranche hingegen nur im Wert von 290,7 Milliarden Euro. Das sind gewaltige Unterschiede. Mit jedem Industriearbeitsplatz fällt auch ein Job weg, in dem deutlich besser als im Dienstleistungsbereich bezahlt wird: Das Jahresdurchschnittseinkommen in der Industrie lag 2018 bei 56 143 Euro brutto. In boomenden Dienstleistungsbereichen wie Verkehr und Lagerei, zu denen auch Amazon und DHL gehören, waren es gerade einmal 39 475 Euro.

Die wichtigsten deutschen Handelswaren 2019 waren Kraftwagen und Kraftwagenteile (224 Milliarden Euro) und Maschinen (196 Milliarden Euro). Die Autoindustrie und der Maschinenbau sind Deutschlands Wohlstandsquelle. Erst lange danach kommt die Chemieindustrie und Elektroindustrie als dritter und vierter Wohlstandsfaktor. Mit Dienstleistungen hingegen verdienen wir eher wenig: Peanuts – um es mal auf dem Punkt zu bringen.

Man kann die Abhängigkeit von Auto und Maschinenbau für fatal halten. Aber an der Realität der Abhängigkeit kann man von heute auf morgen nichts ändern. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung konzentrieren sich so auch zentral auf die Autoindustrie. Fast die Hälfte der Ausgaben von Forschung und Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes entfiel 2018 auf die Autoindustrie. Sie stand 2018 mit 27.076 Millionen Euro für fast die Hälfte des Forschungsetats der Industrie von 61.574 Millionen Euro. Hochwertige Dienstleistungen wie Information und Kommunikation (3.603 Millionen Euro), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (236 Millionen Euro) oder die „Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen“ (5.575 Millionen Euro) waren im Vergleich weit abgeschlagen. Postindustrialismus wie in Großbritannien ist für Deutschland keine Option. Insbesondere ein Deutschland ohne Autoindustrie ist, rein volkswirtschaftlich gesehen, keine Option. Daher ist es reichlich suizidal, einen Kulturkampf gegen diese Industrie zu führen. Innerhalb der wirtschaftspolitischen Dominanz der Industrie für Deutschland ist die Autoindustrie schlicht und einfach die Basis für alles andere.

Und von dem frommen Wunsch abgesehen, eine Welt ohne Autos zu haben, stimmt das mittlerweile weit verbreitete Narrativ überhaupt, dass wir eine völlig neue Mobilität in der Zukunft haben werden? Also ohnehin weniger Autos – ob wir wollen oder nicht? Es kommt sowieso so? Stimmt dieser Autofatalismus? Oder ist er nur eine wilde Behauptung, um zu suggerieren, dass alles ohnehin so kommt, wie man es gerne hätte?

Wir haben eine Gegenthese: Das autonome Auto wird den ÖPNV platt machen. Eine kühne These? Selber Wunschdenken?

Nein: Wir werden eher weniger Regional-Züge haben und mehr kleine autonome Autos in Großstädten. Entweder mit Sharing-Modellen oder als Individualverkehr. Wer fährt zu einem Bahnhof, wenn das digitale Taxi einen von der Haustür abholt? Oder in der Garage steht? Menschen, die in Kleinstädten und Dörfern wohnen, werden ohnehin am Auto festhalten. Ob autonom oder nicht. Das Auto wird gegen die Kulturkämpfer triumphieren. Den Kulturkämpfern bleibt nur das Verbot des Autos um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Wenn die Marktwirtschaft aber gilt, dann wird das Auto gewinnen. Der Kulturkampf gegen das Auto sollte daher aufhören. Es geht eher darum, wie Deutschland Weltmarktführer und Innovationsführer in Autobereich bleibt. E-Fuels, Wasserstoffverbrenner, Elektrobatterie, Hybride, Brennstoffzelle. Bei allen alternativen Antriebskonzepten muss Deutschland Spitze werden. Das muss Regierungspolitik werden. Aber ganz oben muss der Kampf um das beste autonome Auto stehen. Und dafür müssen wir im Bereich IT aufholen.

Unsere IT-Infrastruktur ist weit abgehängt. Laut OECD belegt Deutschland beim Glasfaseranteil an Breitbandanschlüssen mit 3,6 Prozent Platz 32. Bei Spitzenreiter Südkorea sind es 81,7 Prozent. Laut der ICILS-Studie 2018 nutzen nur vier Prozent der deutschen Achtklässler jeden Tag digitale Medien im Unterricht. In Dänemark sind es 91 Prozent. Nur 26 Prozent der deutschen Schulen verfügen über einen WLAN-Zugang. In Dänemark 100 Prozent.

Bis zum jüngsten Konjunkturpaket wollte die Forschungsministerin lediglich drei Milliarden Euro bis 2025 für die deutsche KI-Strategie bereitstellen. Nun wurde es etwas erhöht. Aber bis 2030 sollen in China 150 Milliarden Dollar in Künstliche Intelligenz investiert werden. Eine einzelne chinesische Stadt wie Shanghai will bis zum Jahr 2021 dreizehn Milliarden Euro bereitstellen. Deutschland spielt hier bislang in der Kreisliga. Auch bei IT-Spezialisten, die für eine erfolgreiche Digitalindustrie notwendig sind, besteht mittlerweile eine Rekordlücke. Auch das hat Gründe. Laut einer internationalen Bildungs-Vergleichsstudie zeigen in Mathematik nur fünf Prozent aller Grundschulkinder in Deutschland ein Leistungsniveau, das der höchsten Kompetenzstufe zuzuordnen ist. In den asiatischen Teilnehmerstaaten der Studie verfügen 30 bis 50 Prozent aller Kinder über ein entsprechendes Leistungsniveau.

Wer soll hierzulande also die Algorithmen und Codes schreiben, die wir für das autonome Auto brauchen? Die westlichen Informatik-Stars sitzen im Silicon Valley. Tesla und Google haben so mehr Chancen, das autonome Auto schnell auf die Straße zu bringen. Und in Asien gibt es wachsende Autoriesen, die aus einem Reservoir von immer neuen Talenten schöpfen können. Nach der DAAD-Bildungssystemanalyse für China waren dort 2017 knapp über 44 Millionen Studenten eingeschrieben. Im selben Jahr gab es rund 6,6 Millionen Absolventen und 56 000 fertige Doktoren. Und der Aufstieg durch Bildung zeigt bereits viele Erfolge in China. Insgesamt listet World Intellectual Property Indicators knapp 1,4 Millionen Patente in China allein für das Jahr 2017. Das seien fast 44 Prozent aller Patente weltweit. Das einzige deutsche Unternehmen, das bei Patenten und Innovationen noch mithalten kann, ist Bosch. Ein Unternehmen der Autobranche.

Das neue Ökotopia fühlt sich für viele sicher gut an, weil sie das Gefühl haben, bei etwas Großem dabei zu sein. Aber wenn unsere Betriebe in unserer Volkswirtschaft das nicht monetarisieren können, dann werden wir als Volkswirtschaft nur ärmer, während der Klimawandel trotzdem weiter geht. Wir als Deutschland, mit lediglich 2 Prozent der weltweiten Emissionen, können nur als grüne Industrienation ein Vorbild sein. Und nur so als Volk wohlhabend bleiben. Die Klimakids, die jetzt Plakate malen und Klima-AGs an Gymnasien besuchen, denen muss endlich einer sagen: „Studiert Maschinenbau und IT. Baut neue grüne Technik. Bringt das emissionsfreie, autonom fahrende Auto auf die Straße.“ Damit tun sie mehr für das Klima als mit Demos und Plakaten. Als Verbotsaktivisten im Freizeitaktivismus und als grüne Regulatoren im Parlament werden sie nichts retten. Außer ihr Gewissen.

Auch die Einstellung der Deutschen zu Technik muss sich ändern. Nichts von Naturwissenschaften und Technik zu verstehen, darf nicht weiter als schick gelten, die Verweigerung gegen jeden technischen Fortschritt nicht als wohlüberlegte verantwortliche Haltung. Und die deutsche Angst vor Neuem muss sich auch ändern. Ob Gentechnik, Digitalisierung, Mobilfunk oder Kernkraft: Fast alle neuen Technologien zogen in Deutschland mehr Proteste als Erfinder an. Wir motzen uns seit langem die Zukunft madig. Auch darum gibt es heute die gefährliche Abhängigkeit von der Automobilindustrie und diese Abhängigkeit hat ihren Grund in einer seit den 1980er Jahren grassierenden Technologiefeindlichkeit.

Sollen wir also mit den härtesten Datenschutzregeln oder gleich mit Verboten das autonome Auto hierzulande verunmöglichen? Mit der Konsequenz, dass es trotzdem kommt, wir es aber nicht mehr bauen? Denken Sie einmal drüber nach, wie viel Mut Sie für die Zukunft haben wollen. Und ob ihnen der Wohlstand genauso wichtig ist, wie die Vorstellung eines grünen Deutschlands?

Zu den Autoren: Nils Heisterhagen ist Sozialdemokrat und Publizist. Zuletzt erschien „Verantwortung“ im Dietz-Verlag. Stefan Laurin ist Journalist. Zuletzt erschien „Beten Sie für uns. Der Untergang der SPD“ bei Henselowsky Boschmann.

 

Der Artikel wurde in einer ähnlichen Version bereits in der Welt veröffentlicht

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31 Kommentare zu “Ein Ökotopia ist keine Option, wenn es uns arm macht

  • #1
    Psychologe

    Der Widerstand gegen das Auto speziell ist ein Widerstand gegen das Prinzip des Individualverkehrs im Allgemeinen. Oder noch allgemeiner: Es ist ein Widerstand gegen den Individualismus an sich.
    Daher weht der Wind: Individualismus ist nicht nur irgendein Dorn im Auge, sondern repräsentiert in der Wahrnehmung linker Kreise den Grund allen Übels. Er hält linken Utopien den Spiegel vor und zeigt: Die Mehrheit der Menschen träumt nicht im Fahrrad, Fair Trade und Home-Office, sondern von individueller Beweglichkeit und Entscheidungsfreiheit. Weil dies schmerzt, muss es weg, muss das Gegenteil propagiert werden. Der Wunsch, den neuen Menschen doch noch zu schaffen, der sich über den Egoismus erhebt und als rationales Wesen nur noch dem Allgemeinwohl dient, liegt diesen Gedanken zu Grunde. Warum gebraucht man Kampfbegriffe wie den des "Auto-Fetisch"? Warum Fetisch? Um polarisieren zu können: Hier das dumme, triebgesteuerte Wesen, dort das Durchgeistigte, das sich nur für die Einebnung der eigenen Privilegien und das Wohl der "Community" interessiert. Gemeineigentum, Kommune und Queer-Patchwork-Familie für alle.
    Immer, wenn Linke denken, in einer aktuellen Stimmung Oberwasser zu haben, lassen sie daher ihre liberalen Masken fallen und steigern sich wahnhaft in autoritäre Gedankenabenteuer hinein.
    Man schaue sich mal die Beiträge in taz, Süddeutscher und Zeit an. Dort lässt sich, wenn eine aktuelle Situation erfolgreich getreu (vorzugsweise postmodern-postmaterialistisch) linker Theorie gelabelt werden kann, eine jede Entgleisung finden: "Cancel Culture" dient dem "Empowerment", Corona ist ein Resultat kapitalistischer Ausbeutung der Natur und terroristische Anschläge sind auf Unterdrückungsverhältnisse zurückzuführen.

  • #2
    Jens

    Auf neoromantische Vorstellungen einer präindustriellen Idylle kann man nur kommen, wenn man wie die Grünwähler mehrheitlich sicher im ÖD beschäftgt ist. Oder hauptberuflich Tochter/Sohn.

  • #3
    Philipp

    Was mich bei dieser Debatte immer wieder überrascht: Dieser Litmustest "Wie hältst du’s mit der Industrie?" Dabei ist Industrie ja erstmal weder gut noch schlecht, sondern bedeutet nur maschinengestützte serielle Fertigung (anstatt vormoderner Handarbeit).

    Veganer Brotaufstrich, Windräder, Wasserstoff und Holzhochhäuser, das kann man alles industriell herstellen ohne die Umwelt zu zerstören und Wohlstand zu vernichten. Das man gerade im Ruhrgebiet Industrie fast immer mit Schwerindustrie gleichgesetzt hat war ein schwerer Fehler und die Fokussierung auf vermeintlich "moderne" Dienstleistungen hat dazu geführt, dass die postindustrielle Gegenwart in Städten wie Oberhausen mit Callcentern, Logistik und "Gesundheitswirtschaft" so düster aussieht. Hochschulstädte und die Haupstadt Berlin können die postindustrielle Karte ausspielen, das Ruhrgebiet kann das nicht.

    Technikbegeisterung für grüne Industrie schafft man bei Kindern+Jugendlichen auch eher über Lego Technik im Dötzgenalter und Baustellenbesuchen bei Elon Musk in Grünheide (oder die an anderer Stelle vom Autorenduo empfohlenen Jugendtechnikschulen), als dann man ihnen ins Gesicht schreit "Studier jetzt mal X um die industrielle Basis des Mutterlandes zu retten" – was hätte wohl ein junger Stefan Laurin geantwortet, wenn man ihm das gesagt hätte 😉

    Industrie bleibt, wandelt sich, wird gebraucht – Desinfektionsmittel, Plexiglasscheiben, Corona-Apps, niemand würde diese Dinge ernstlich derzeit missen wollen.

    Was mich zum Schluss noch interessieren würde ist wie der Autor das Verhältnis von Urbanität und Automoblität sieht. Großstädt lebt auch immer vom Draußensitzen, vom Bier trinken, von wilden Ausschweifungen auf dem Borsigplatz, im Bermudadreieck, oder vorm Schauspielhaus. Orten, wo man auch mal politische Demonstrationen durchführen kann.

    Sollen da dann auch SUVs parken und durchfahren können?

  • #4
    paule t.

    Genau, dass die Autoindustrie nicht so besonders grün ist und eher nicht so kleine E-Autos verkauft, dass große Teile der Industrie auch nicht so wirklich zukunftsfest ist, dass sind de FFF-Kids schuld. Klar.
    Und die Autoren wissen natürlich auch ganz genau Bescheid, dass eben diese Kids allesamt keinen Bock auf Technik haben. Soso.

  • #5
    kzdtz

    @Psychologe:

    Leider kenne ich eine "Queer-Patchwork-Familie für alle" aus eigener Erfahrung nicht. Ich weiß nur soviel: wenn man das Badezimmer abzieht, dann ist meine Wohnung kleiner als die Gefängniszelle des chinesischen Dissedenten Ai Weiwei.

    Gerne würde ich als ein Mensch, der bald das fünfzigste Lebensjahr erreicht, einmal im Leben einen Gast beherbergen und ihn am Sonntag fragen können, ob das Frühstücksei lieber hart oder weich sei. Aber aus welchen Gründen auch immer. Ich bin nicht zu dem gekommen, was für andere, nämlich heteronormative Menschen, in diesem Land eine Selbstverständlichkeit ist.

    Warum der deutsche Staat bereit ist, für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge 60.000 EUR p.a. zu zahlen, aber für den ersten berufsqualifizierenden Abschluss in meinem Leben praktisch nichts, werde ich wohl nie verstehen.

    Man hat mir neulich erneut vorgeschlagen, dieses Land zu verlassen.

    War da nicht mal was mit Leihautos mit Wasserstofftechnologie?

  • #6
    Philip, anderer

    @ paule t.

    das ist wieder einer der typischen Laurin-Artikel. Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass endlich mal "sponsored by INSM" drunter steht

  • #7
  • #8
    Philip, anderer

    @ Stefan Laurin

    wenn das "einfach Ihre Überzeugung" ist, fragen Sie doch mal bei der INSM nach, ob sie nicht "Cents fließen" lässt: bei Ihrer 100%igen Übereinstimmung mit der der wirtschaftsliberalen Agenda der INSM, wäre das doch eine Win-win-Situation

  • #9
  • #10
    Philipp

    @Philip, anderer

    Sie können jetzt auch ruhig mal zugeben, dass sie das neue Förderstipendium der Nachdenkseiten, finanziert durch Dieter Dehms Tantiemen, die er für "1000 und 1 Nacht (Zoom!)" erhalten hat, bekommen und beauftragt wurden hier auf den Ruhrbaronen inhaltsleere Zwei- u. Dreizeiler in den Kommentaren hinzurotzen anstatt in den inhaltlichen Widerstreit zu treten.

    P.S.: Sie können mir auch gerne einen Teil des Stipendiums überweisen (Kontodaten sind bei den Ruhrbaronen hinterlegt), denn hier scheint gerade die Sonne und ich würde mir gerne einen Schoko-Walnussbecher kaufen.

    Gruß (Philipp, der Ursprüngliche)

  • #11
    ccarlton

    #4: E-Autos werden nicht gekauft, weil sie nicht marktreif sind. Die Reichweite ist zu gering, der Preis zu hoch und die Infrastruktur zum Laden ist nicht vorhanden.

    Außerdem sind sie unsozial, weil Rohstoffe zur Herstellung der Batterien mit Kinderarbeit gewonnen werden und umweltschädlich sind sie auch, weil sie erst ab 200.000km eine bessere Ökobilanz als moderne Verbrenner haben.

  • #12
    Psychologe

    @ ccarlton: E-Autos sind schon Marktreif. Die Reichweite ist inzwischen auch völlkig OK. Sie sind halt nur teuer und vor allem haben wir keine taugliche Lade-Infrastruktur. Wer nicht zuhause oder am Arbeitsplatz laden kann, ist halt aufgeschmissen. Der Trend beim Preis sehe ich übrigens trotzdem günstig. In 5 Jahren werden die Wagen mit Sicherheit nicht mehr so viel kosten wie heute.

    Was die anderen Argumente betrifft, staune ich aber immer wieder. Ich kann mich nicht entsinnen, dass solche sozialen Überlegungen je bei Benzinern oder Dieselautos eine Rolle gespielt hätten. Wenn man sich die Modellentwicklungen ansieht, wird schnell klar, worauf die Kunden seit Jahren geachtet haben: Die Kiste muss immer breiter werden, mehr PS und mehr Ausstattung haben. Wenn man sich mal einschlägige Auto-Foren durchliest, wird man niemanden finden, der bei einer Kaufempfehlung danach fragt. Beim E-Auto ist das dann plötzlich ein Riesenthema.

  • #13
    Hans Meier

    „Wenn die Marktwirtschaft aber gilt, dann wird das Auto gewinnen. Der Kulturkampf gegen das Auto sollte daher aufhören. Es geht eher darum, wie Deutschland Weltmarktführer und Innovationsführer in Autobereich bleibt. E-Fuels, Wasserstoffverbrenner, Elektrobatterie, Hybride, Brennstoffzelle.“
    Meine Herren, wir haben längst keine Marktwirtschaft mehr, die Politik Merkels verhindert nicht nur Wettbewerb und intelligente wirtschaftliche Entwicklungen. Ob Energie- oder Verkehrs-Wende, es geht ihr darum völlige Abhängigkeiten zu organisieren.
    Es ist grotesk, mit welch verbittertem Trotz politische Berufsfunktionäre die Wirtschaft und Bevölkerung in Deutschland schrotten, in dem sie die DDR-Fehler quasi restaurieren, mit einer peinlichen Kultfigur auf der Merkel-Machtpyramide, getragen von scheinheiligen Opportunisten.
    Ich sehe auch das gewaltige Potential an Ingenieuren, die in China jährlich ins Berufsleben gehen und das Wirtschaftswachstum dort dynamisch vorantreiben werden.
    Besonders der Unterschied im enormen Drogenkonsum hierzulande, der sich in China nicht etablieren kann, zeigen konsequent angewandte politische Intelligenz einer chinesischen Kaderpolitik, statt bescheuerter Klima-Kult-Karrieren deutschen Formats.
    Die Unzahl der Süchtigen, die als Aktivisten vor den Mainstream-Reportern ihr peinlich krankes Theater aufspielen, beherrschen die linken Bühnen der Hysterie und der völligen Abhängigkeit.
    Freiheit und intelligente Individualität ermöglichen geniale Entwicklungen, und nichts hassen neidische Menschen mehr, die strafend nach Macht streben, sie sind darum so abgrundtief destruktiv.

  • #14
    Helmut Junge

    in unserer Nabelschau sind wir aber "Weltmeister". Fast alle denken so. Unglaublich, daß dieses Denken sogar die Linke und die Rechte verbindet.
    Fakt ist aber, daß wir technologisch einem Land wie China nicht mehr das Wasser reichen können.
    In unserem Hochmut sehen wir uns trotzdem immer ganz oben.
    Da aber die Kinder der Besserverdienenden, die auch die besseren Schulen besucht haben, fast nie Fächer aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich studieren, sondern lieber was "nach Neigung", beginnt unsere Schieflage schon beim Studium, bzw. beim Schulunterricht. Das läßt sich nicht so einfach aufholen. zumal ja sogar das Bewußtsein dafür, daß wir abgesunken sind im Ranking gar nicht vorhanden ist. Aber der Weltmarkt ist Brutalkapitalismus ohne soziale Komponente. Wir werden es also noch spüren, was wir versäument haben.
    Soviel, wie wir dann weniger produzieren werden, weil andere es besser anbieten, können sich selbst die Grünen in ihren Einsparsvorstellungen gar nicht ausdenken.

  • #15
    Berthold Grabe

    Das Problem lösen wir mit dieser Kritik nicht, denn wir haben nun mal ein Heer "doofer" Aktivisten geschaffen, die nichts anderes können als agitieren oder brotlose Künste studiert haben und sich damit um viel zu wenige Jobs bewerben, denen "Denken können" ohne brauchbares Fachwissen genügt.
    In der Bildungspolitik wird viel über die Leistungsarmut der Schüler diskutiert, aber nicht darüber wie man das ändert. Weil dann liebgewordenen Vorstellungen darüber was bitteschön Schülern oder Studenten wohl zumutbar ist, nicht mehr funktionieren.
    Die Asiaten schaffen das vor allem mit strengster Disziplin, die hier ebenso streng abgelehnt wird.
    sicher es geht auch anders, aber das bedeutet eben auch höheren Aufwand zu motivieren und leider sind unsere Bildungssystem dafür nicht nur nicht gerüstet, sondern leiden auch an mangelndem know how, Geld und konsequenter Strategie. Stattdessen betreiben vor allem die Unis ein gnadenloses Filtersystem dem viel zu häufig das Schulwissen nicht gewachsen ist aber auch immer wieder durch professorale eitle Willkür untergraben wird.

  • #16
    ccarlton

    #12: Wenn E-Autos schon marktreif sind, warum werden sie dann nicht viel mehr gebaut und gekauft?

    Weil viele Autobesitzer keine Garage haben bzw keine mit (Stark)Stromanschluß. Und selbst wenn alle das hätten, wo soll der zusätzliche Strom herkommen? Scheint dann die Sonne länger? Dann doch lieber einen Verbrenner, für die müssen auch keine kleinen Kinder im Kongo seltene Erden schürfen.

  • #17
    Psychologe

    @16: Kommen Sie doch nicht mit diesem seltene-Erden-Argument. Denken Sie, dass sich Käufer eines AMG, eines BMW oder irgendeines VW-Verbrennungsmotors in einer nennenswerten Anzahl jemals um Kinder im Kongo (oder sonstwo) gekümmert haben? Was denken Sie, in wieviel Prozent der Verkaufsgespräche in deutschen Autohäusern werden der ökologische Fußabdruck, soziale und ethische Prinzipien und Verhaltensweisen, Lieferketten und Produktionsbedingungen, etc. durch Kunden abgefragt? In 10%? 5%? 1%? Weniger? Vermutlich sehr viel weniger. Es dürfte sich irgendwo im Nachkommastellen-Bereich ausdrücken. Wenn überhaupt. Wenn Kunden mit leuchtenden Augen vor ihrem Traumauto stehen oder sich nachts im Bett wälzen, weil sie darüber grübeln, ob sie nicht doch noch irgendein Ausstattungspaket dazu bestellen sollen, werden all diese Fragen keine Rolle spielen. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass die typische Dauerfeuer-Lichthupe des Audi-SUV auf der linken Spur der Autobahn-Baustelle von ethischen Bedenkenträgern betätigt wird. Beim Elektro-Fahrzeug spielen die Gewissensbisse dann aber plötzlich die ganz große Rolle. Come on! Dasselbe gilt für die Energieversorgung. Wer interessiert sich an der Tankstelle schon, woher die Grütze im Tank kommt? Wie es um die Lagerstätten bestellt ist? Wussten Sie, dass Saudi Aramco jeden Tag 8 millionen Barrel Meerwasser in Ghawar (das größte Erdölfeld der Welt) hineinpumpt, um den Förderdruck mit Mühe und Not aufrecht zu erhalten? Und was sagen Sie zu der Menschenrechtssituation in anderen Erdölparadiesen wie Venezuela oder Katar? Haben Sie da auch irgendwelche Bedenken, oder liegen Ihnen die Kinder im Kongo einfach ganz besonders am Herzen?
    Also machen Sie mir doch bitte kein X für ein U vor. Sie können E-Autos gerne scheiße finden, aber dann sagen sie es doch einfach so und tischen nicht diese an den Haaren herbeigezogenen Argumente auf.

  • #18
    abraxasrgb

    Range Rover E-Woke 😂
    Für die moralisch hybriden Autofahrer mit schizophrenem Mobilitätskonzept 😉

  • #19
    Berthold Grabe

    @Psychologe
    Sie verkennen die Lage, es geht um den Anspruch mit dem E Autos propagiert werden .
    Die Autoindustrie wird gerade wegen ihrer vermeintlichen Skrupelosigkeit bei Verbrennermotoren angegriffen, was die seltenen Erden angeht wird hier dieser Anspruch zu Recht als pure Heuchelei entlarvt.
    Ich gehe davon aus, dass die Grünen mit ihrer Fortschrittsfeindlichkeit eine beschleunigte Entwicklung alternativer Antriebe sogar ausgebremst haben.
    Es gibt einen Zusammenhang zwischen grüner Politik und ihrer gesellschafltichen Wirkung und der Tatsache das sämtliche Entwicklungen zur Marktreife aus dem Ausland kommen, hinter denen wir nun herlaufen müssen.
    Statt Entwicklungen zu befördern Ingenieure zu suchen und die technischen Probleme zu lösen, haben sie das stets von anderen verlangt die nicht an einer Lösung glaubten. Oder nur blockiert.
    Ansprüche zu formulieren bringt keinen Fortschritt sondern bremst ihn. Und ihre Kontrollitis verhindert zusätzlich, dass diejenigen die gestalten können und wollen behindert wurden durch Leute, die nur Angst vor Risiken hatten.
    Weshalb sie vom Kernvorwurf nur ablenken,denn niemand hat das Verhalten von manchen "BMW Fahrern in Abrede gestellt, es tut schlicht nichts zur Sache, weil die sich nicht aufs hohe Ross gesetzt haben.

  • #20
    Psychologe

    @ Berthold Grabe:

    Es geht hier zunächst mal um die Technik als solche und nicht um irgendwelche propagierte Vorteile. Das Auto, so wie es da steht, hat diese und jene Vor- und Nachteile.
    Mir ist es herzlich egal, was die Grünen dazu denken oder verhindert haben. Das war an keiner Stelle meines Beitrages von Interesse. Schauen Sie zudem auch mal meinen ersten Beitrag hier an, danach dürfte einiges klarer sein.
    Was aber von ccarlton eingebracht wurde, empfinde ich als unaufrichtig, da plötzlich eine Argumentation gebraucht wird, die vorher nie eine Rolle gespielt hat. Und nein, ich denke nicht, dass das Klima, das der Auto-Industrie entgegenschlägt, primär von den Auto-Kunden geprägt wird. Dazu brauche ich mir nur irgendwelche Auto-Foren anzuschauen, um zu sehen, worum es wirklich geht. Die Kaufentscheidungen, die tatsächlich getroffen werden, sprechen eine klare Sprache: Es soll mehr Ausstattung sein, mehr PS, breiter, größer. Kann man ja auch alles vertreten. Ich will niemanden belehren. Aber dann sind die obigen Gegenargumente gegen E-Fahrzeuge (und ccarlton – ich möchte ihn gar nicht individuell angreifen – steht hier lediglich stellvertretend für eine häufig gebrachte Argumentation) häufig wohlfeil. Es gab mal den 3-Liter-Lupo. Wo isser hin? Die Kunden wollten ihn wohl nicht mehr. Ich habe vor einiger Zeit eine Renault-Anzeige aus den späten Siebzigern in einer alten Zeitschrift gefunden. Da wird mit einem Benzinverbrauch von 5 Litern geworben. Seitdem hat sich faktisch nichts verändert, eher zum Gegenteil. Nicht, weil die Motoren gleich geblieben wären, sondern weil die Kisten immer schwerer wurden. Der Golf 1 wog leer zwischen 790 und 930 kg und hatte einen 50-PS-Motor. Das aktuelle Modell kommt auf 1255-1624 kg bei einer Motorisierung ab 90 PS. So sehen die tatsächlichen Schwerpunktsetzungen des Marktes aus.

  • #21
    Helmut Junge

    @Psychologe, "Es soll mehr Ausstattung sein, mehr PS, breiter, größer."
    Das ist auch meine Beobachtung. Aber woher kommt das? Ich weiß es nicht, habe aber die Vermutung, daß das irgendwie so sein muß, weil es als Statussymbol gelten soll. Diesen Eindruck hatte ich aber schon vor 50 Jahren. Die Monteure meiner Firma hatte alle solche Schlitten, und haben dafür richtig gekrückt. ich fuhr dagegen einen R4 und wurde von ihnen ausgelacht. Verstanden habe ich das bis heute nicht. Man könnte jetzt sagen, daß die Menschen eben so sind. Aber ich würde gerne wissen, ob das unveränderbar ist, oder ob man das ändern kann. Es müßte Interesse an anderen Statussymbolen geweckt werden.

  • #22
    Berthold Grabe

    @Psychologe
    Danke für die Klarstellung, dem kann ich folgen.

    Es hat viel mit Komfort zu tun, Zusätzlich wirkt die Angstmache diverser Unfallhysteriker die dazu führt, das die Leute glauben einen Panzer zu brauchen mit einer Reihe von Sicherheitstechnik, was aber eher die Überforderung nur verschärft.
    Außerdem ist es ein Wachstumsproblem der Industrie. Gesättigte Märkte treffen auf Unternehmen die nicht mehr nur von Ersatzbeschaffung leben können also muss ein Mehrwert verkauft werden der sich in Gewicht und Schnickschnack mit Gewicht ausdrückt.
    Wenn ich heute einen gut erhaltenen Kleinwagen der 30 Jahre alt ist fahre habe ich immer das Gefühl das das bessere Technik ist als heutige Fahrzeuge. Und er braucht auch nur 5 l.
    Und fährt auch 150 km/h mit überraschend hoher Beschleunigung.
    Aber er setzt mehr Selbständigkeit voraus, Bequemlichkeit macht eben auch blöde.

  • #23
    thomas weigle

    "Fortschrittsfeindlichkeit." Wenn man in der Großstadt lebt scheint man die Schäden durch den Klimawandel erst wahrzunehmen, wenn dann auf einmal im nächsten oder übernächsten Sommer das Wasser zw. nur noch tröpfchenweise aus dem Hahn kommt. Durch die Zerstörung und Zersiedelung der Landschaft kommen der Menschheit auch Tiere immer näher, die für unschöne Pandemien sorgen können. Jedenfalls warnen vor dieser Gefahr immer mehr Wissenschaftler. Es wird nicht um ein "Ökotopia" gehen. Das haben viele offenbar immer noch nicht begriffen. Es geht ums Überleben. Nicht unbedingt für mich 70jährigen,aber für die, die deutlich jünger sind. BTW: Klimaforscher rechnen bis 2050 mit bis zu 60 Millionen Klimaflüchtlingen in und aus Afrika. Wo werden die wohl in erster Linie hin flüchten?

  • #24
    Psychologe

    @ Helmut Junge:

    Woher das kommt? Wir Menschen, gerade Männer, sind by Design kompetitive Wesen. Man könnte jetzt tief in die Evolutionspsychologie einsteigen, um die Zusammenhänge zu skizzieren. Nur so viel: Äußerlichkeiten werden als Kommunikationsmedium genutzt, um die biologische Fitness zu präsentieren (Logik in a nutshell: Ich kann mir den dicksten Wagen leisten, weil ich durch meinen überlegenen Intellekt viele Ressourcen und eine hohe soziale Stellung erlangen konnte. Kommt liebe Damen und lasst mich Euch meine guten, weil erfolgreichen und durchsetzungsstarken Gene weitergeben).
    Das Resultat jedoch sehen wir in allen Millieus in der jeweiligen Ausformung. Ab dem Mittelstand ist es der dicke Wagen, im alternativen Millieu hat man die schönsten Dreadlocks und kann am besten vor den Damen Longboard fahren und wieder andere koksen um die Wette. Mein Haus, mein Auto, mein Boot.

  • #25
    DAVBUB

    @24: Meine subjektive Wahrnehmung: In den SUVs, die ich vor 7 Uhr morgens sehe, sitzen zumeist Männer, die sich ihr tägliches Kurzstreckenrennen zur Arbeit mit ähnlich gepolten liefern. Tagsüber sehe ich wesentlich mehr Frauen in SUVs. Gefühlt hält sich das die Waage. Den SUV als rein männliches Protzmittel zu sehen greift m.M. nach zu kurz. Die Frauen haben da aufgeholt, können das sprachlich aber besser verkaufen, vor allem mit der Sicherheit für (ihre!) Kinder.

  • #26
    Johannes

    Der Artikel klingt so, als würden die Ökos und jungen Leute die Fortschrittsverweigerer sein. Also das deckt sich ja mal so gar nicht mit meiner Erfahrung. Witzig wie unterschiedlich da die Wahrnehmungen sein können.

    Der Autor wirbt hier für Offenheit was Technik und Fortschritt angeht, sieht aber eine Ökotopie als irreführend?! Häh? Selbstfahrende Fahrzeuge (ob Auto, Zug oder Bike), E-Antrieb und co. ist genau das wofür die Jungend heute steht und die jungen Leute wissen in der Regel vermutlich deutlich mehr darüber wie so mancher Autoindustriefunktionär. Es ist fatal wie schwierig es nach wie vor ist wichtige Entscheider von der Sicherheit von autonomen Systemen zu überzeugen. Das ewig gestrige ist leider omnipräsent. Und daran ist jawohl absolut nicht die Ökowelle schuld – im Gegenteil. Der typische Öko den ich kenne, kennt sich mit Solarzelle, Windrat, Wechselrichter, Energiespeicher und IOT in seinem Camper oder auf seinem Bauernhof deutlich besser aus als der Vorzeigekunde der klassischen deutschen Industrie.

    Kein Mensch hat per se etwas gegen Maschinenbau oder Individualverkehr, aber halt gegen die dummen Varianten davon. Gegen die protzigen, unnötig verschwenderischen und nicht nachhaltig durchdachten Abarten davon – die nun leider mal in unserem Zeitalter vorherrschen. Und nur mal so zur Info: Auch das hier so verhöhnte CityVerwöhnterSohn-Fahrrad zählt zum Individualverkehr. Irgendwer verwechselt hier Ökotopie mit Kommunismus oder so habe ich das Gefühl (weil sie meinen die Ökos wollen, dass alle im gleichen Zug/Boot sitzen müssten – wäre zwar ein Gedanken wehrt und könnte sehr fair sein, aber: Oh Gott!). Und übrigens: Auch für nicht-Individualverkehr brauchen wir dir deutsche Industrie! Man denke an Siemens und deren Zulieferer, wenn es um die Bahn geht.

    Was ist das immer für eine Unart in diesem Zusammenhang mit Arbeitsplätzen und Armut zu argumentieren und sogar zu titeln? Solche Titel verhelfen sicherlich nicht zu einer neuen technologieoffenen Denkweise sondern bestätigen nur die ewig gestrigen in ihrer Logik "Fortschritt der nicht in Richtung der traditionellen (nicht-akademischen) Stärken Deutschlands geht" macht uns arm. Sehr schade, dass dieser Titel und Ton gewählt wurde für den sonst anständigen Artikel und den darin vorgetragenen Aufruf. Wirklich arm macht es uns, wenn wir NICHT gemeinsam an einer nachhaltigen Überlebensstrategie und einem grundsätzlichen Wandel arbeiten! Ich spreche hier von Armut im eigentlichen Sinne – Essen finden, Wasser finden, sich vor Umwelteinflüssen schützen müssen. Nicht von "ich kann mir nur eine kleine Wohnung und ein Billigschnitzel am Tag leisten, weil die gemeinen Grünlinksversifften Aktivisten dafür gesorgt haben, dass der Industriebetrieb in dem ich mein Leben lang geschuftet habe obsolet geworden/pleite gegangen ist". Und ob wir jetzt im Bereich von Nachhaltigkeit oder im Bereich der Digitalisierung und AI voranschreiten wollen: Der Gegenwind von den a) Boomern (wie man es wohl nennt) und b) selbsternannten hochgebildeten und hochinformierten "Realisten" (die ja schließlich die ganzen Strukturen und Folgen unseres kapitalistischem und globalisierten Systems sehen können und ein Herz für den einfachen Arbeiter haben) wird nie stoppen und sich beidem in den Weg stellen. Beides macht ganze Industriezweige nichtig (während es andere eröffnet). Soetwas hat in Deutschland keinen guten Stand. Was ich aber wirklich nicht verstehe ist, warum hier unterschieden wird zwischen Individualverkehr und Bahn. Ist doch scheiß egal, es muss an beidem geforscht und entwickelt werden und für die jeweiligen Umstände das richtige Produkt gefunden werden – und zwar gefälligst nachhaltig!

    Das einzige was arm macht ist, wenn wir nicht nachhaltig handeln. Das ist ein ökonomisches Grundprinzip und hat sich schon so oft bewährt und gezeigt. Und sollte auch für den Realisten einfach nur logisch sein. Das soll bitte erstmal jemand widerlegen (dann kann man gleich versuchen die Effektivität der Evolution zu widerlegen, viel Spaß). Also bitte nicht auf den FFF Kids rumhacken sondern auf den Akteuren die so ein einfaches Prinzip nicht umsetzen wollen.

    Was ich auch nicht verstehe ist, warum immer auf den Mittelstandskids, reichen Ökokids und Akademikern rumgehackt wird (die ja die Realität nicht kennen – das merkt man übrigens auch daran, wie ich schreibe)?! Und das, obwohl diese Gruppen vermutlich mit die letzten sein werden, die die Folgen der Umweltzerstörung am eigenen Leib zu spüren bekommen. Im Gegenteil: Diese Gruppen setzen sich mit ihren Freitagsdemos mehr für die "Kinder des armen Fabrikarbeiters" ein als für sich selbst. Und das meine ich ernst.

  • #27
    thomas weigle

    3-Liter-Auto oder tonnenschwere SUVs. Wir wissen, wie sich die Automobilindustrie entschieden hat. Für ein Auto, dass wohl schon bei der Entwicklung am Reißbrett technisch überholt war. Dennoch werden die, die das kritisieren, hier als Fortschrittsfeinde gebasht. Dabei sind die wahren Fortschrittsfeinde doch die, die gerne im tonnenschweren SUV über die Autobahn brettern bzw. diese "Freiheit" verteidigen, auch wenn sie keinen SUV fahren. Natürlich macht es Laune so`n Ding zu fahren. Wir haben uns mehrfach vor einigen Jahren solche für unsere Urlaubsreisen gemietet, seit wir nur noch einen Kleinwagen fahren.

  • #28
    Stefan Laurin

    @thomas weigle: Die Kunden wollen SUVs – übrigens stehen vor allem die Chinesen auf sehr große Autos. Und die Industrie baut, was die Kunden wollen.

  • #29
    Fabian

    @ Stefan Laurin

    und wenn irgendwer einen Panzer mit Strassenverkehrszulassung will? Regelt es dann auch die "Nachfrage"? Bräsiger geht "Marktwirtschaft" ja wohl kaum noch, als von Herrn Laurin hier vorgestellt.

  • #30
    thomas weigle

    @ Stefan Laurin Jaja,die Kunden wollen das. Was ändert das daran, dass der SUV technisch gesehen ein Dino ist, egal welchen sonstigen Schnickschnack er bietet? Wie sagte doch ein nicht unbekannter Altkanzler einst: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt." Witzig ist doch auch, dass diese Panzer auch noch als umweltfreundlich angepriesen werden, weil sie im Verhältnis zum Gewicht weniger Schadstoffe ausstoßen als mancher Kleinwagen im Verhältnis zu dessen Gewicht.

  • #31
    Stefan Laurin

    @thomas weigle: SUVs sind keine Dinos – Die Chinesen bauen übrigens sehr erfolgreiche E-SUVs. Und sie werden sich davon sicher nmicht von ein paar paranoiden Bürgerkindern abhalten lassen, die von alten, grünen Männern in Medien und Politik gehypt werden. SUVs sind schlicht die Kombis einer älter werdenden Gesellschaft. Sie sind bequem.

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