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Ein Pferd wartet fast ganz alleine

Foto: (c) Christoph Baumgarten

Foto: (c) Christoph Baumgarten

Serbiens bekanntestes Pferd vereinsamt. Es ist Opfer des Umbaus des Trg Republike in der Hauptstadt Belgrad geworden. Warum der Platz überhaupt neu gestaltet werden soll, erschließt sich den meisten Einwohnern der Stadt auch nicht recht.

Diesmal ist es das Pferd, das auf seine Belgrader wartet.

Die paar Bauarbeiter, die gerade Mittagspause machen, sind ein schwacher Ersatz.

Fürst Mihailo Obrenović zählt nicht. Auch wenn er seit 140 Jahren im Sattel sitzt.

Kod Konja heißt der Ort am Trg Republike, seitdem die Statue 1882 aufgestellt wurde. „Beim Pferd“.

Foto: (c) Christoph Baumgarten

Es ist der Treffpunkt im Zentrum der serbischen Hauptstadt schlechthin.

Nur wird der Platz, der Trg Republike, gerade umgestaltet.

Warum, erschließt sich den meisten Belgraderinnen und Belgradern nicht völlig.

Der Platz war in einem guten Zustand. Vor allem, wenn man ihn mit einigen anderen Orten im Stadtzentrum vergleicht, die erst vor wenigen Jahren renoviert wurden.

Was passiert mit den Öffi-Haltestellen?

Erschwerend kommt dazu, dass der Trg Republike ein zentraler Verkehrsknotenpunkt ist.

Hier laufen zahlreiche Straßenbahn-, O-Bus- und Buslinien zusammen.

Während der Umbauarbeiten wurden die meisten Haltestellen verlegt. Das schafft Chaos.

Es ist nicht klar, wohin die Haltestellen nach der Renovierung wandern.

Projektfotos, wie sie die Zeitung Blic zeigt, legen nahe, dass es keine Öffi-Haltestellen am neuen Trg Republike geben soll.

Auch ein anderer Planungsfehler wird deutlich.

Mit Ausnahme einiger Bäume am Ende des Platzes ist der Trg Republike als durchgehende Steinfläche geplant.

Das ist schlimmer als bisher und wäre auch ohne Klimawindel eine Zumutung.

Ein weiteres Beispiel schlechter Stadtplanung

Nach allen bisherigen Informationen scheint sich die Renovierung einzureihen in eine Serie schlecht durchdachter Neugestaltungen von Plätzen in der serbischen Hauptstadt.

Die Bauarbeiten blockieren auch den Haupteingang des Nationalmuseums. Es wurde nach 20 Jahren erst vor knapp einem Jahr wiedereröffnet. Foto: (c) Christoph Baumgarten

Paradebeispiel ist der Trg Slavija. Heute ist er ein mehrspuriger Kreisverkehr mit riesigem Springbrunnen in der Mitte.

Tag für Tag müssen Polizisten den Verkehr dort per Hand regeln.

Dazu kommen die Seltsamkeiten und Planungsfehler rund um die Belgrade Waterfront.

Der bisherige Hauptbahnhof ist stillgelegt.

Der Zugverkehr wurde auf mehrere Bahnhöfe aufgeteilt. Sie sind teils nicht fertig gestellt, teils zu klein für das Verkehrsaufkommen und liegen durchwegs weitab vom Stadtzentrum und haben eine schlechte Öffi-Anbindung.

Auch der Busbahnhof fällt dem Projekt zum Opfer. Die Ankunftshaltestelle wurden mittlerweile abgebaut. Teile des Geländes wurden abgerissen.

Einen Ersatz gibt es bis heute nicht.

Diesen Zumutungen für Belgrader und Besucher hat die Stadtverwaltung die unnötige Neugestaltung des Trg Republike hinzugefügt.

Vielleicht ist es ein Trost, dass sich nicht alle Hauptstädter den Platz nehmen lassen.

Foto: (c) Christoph Baumgarten

Umbauarbeiten und Absperrgitter hin oder her.

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Ein Kommentar zu “Ein Pferd wartet fast ganz alleine

  • #1
    Jürgen

    Vielleicht trägt dieser Artikel etwas zur Aufklärung bei: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/stadtumbau-belgrad-verlegt-seine-bahnhoefe-an-den-stadtrand/23354496.html

    Immerhin hat man es wohl geschafft, das Nationalmuseum nach wohl mehr als 10 Jahren Renovierung/Umbau zu öffnen. Weshalb man den Platz umgestalten möchte und dann, wie der Artikel suggeriert, den ÖPNV von den Rändern verdrängt, erschließt sich mir auch nicht. Aber was weiß ich als Auswärtiger schon von den Gegebenheiten in Belgrad.

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