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Einheitsbrei in Harmoniesoße

"Nicht ist erfolgreicher als der Erfolg“, kommentierte die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung letzte Woche das sensationelle Umfrageergebnis der Grünen bei Forsa. Verdammt! Ich hätte nämlich schwören können, dass der Werbeslogan "Nichts ist erotischer als Erfolg“ hieß.

Foto: REGIERUNGonline

“Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg“, kommentierte die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung letzte Woche das sensationelle Umfrageergebnis der Grünen bei Forsa. Verdammt! Ich hätte nämlich schwören können, dass der Werbeslogan “Nichts ist erotischer als Erfolg“ hieß.

Daran dürfte auch Stefan Laurin gedacht haben, als er  hier kommentierte: „Deutschland verliebt sich in Claudia Roth“.
Das war aber auch ein Ding! Grüne vor SPD – das geht doch nicht. Okay, es war nur bei Forsa, und einen Tag später brachte Infratest Dimap im ARD Deutschlandtrend die Dinge wieder ins Lot. Heute ging nun Emnid sozusagen mit einer Art von Kompromissvorschlag an die Öffentlichkeit: die SPD darf zwar noch vor den Grünen liegen, aber nur um ein Prozentpünktchen.
Der Tagesspiegel hält zwar die Suche nach einem grünen Kanzler für „verfrüht“; doch wie auch immer: die Grünen mischen ganz weit oben mit. „Ist das einer dieser Epochenbrüche, die man, wie 89, erst im nachhinein versteht, oder ein kurzer Flirt?“ fragte Stefan Laurin. Die Frage aller Fragen ist die Sonntagsfrage. Innenpolitik und Außenpolitik, Bildungspolitik und Finanzpolitik, Frauenpolitik und Sozialpolitik – alles piepegal, alles keine Frage, jedenfalls alles ohne Relevanz für die Sonntagsfrage.

Wofür steht die SPD? Man weiß es nicht. Wofür die CDU? Erst recht nicht. Die FDP? Jetzt bitte ich sie aber! Und die Grünen? Bingo: die sind für den Atomausstieg. Ein Super Plus für die Sonntagsfrage. Die anderen sind zwar inzwischen auch alle ausnahmslos dafür. Die Sozialdemokraten aber erst seit 25 Jahren, und die Schwarz-Gelben erst seit neulich: das ist nicht glaubwürdig. Und was könnte beim Verlieben wichtiger sein als Glaubwürdigkeit?!
Richtig: der Erfolg. Denn Sie wissen ja: nichts ist erotischer als Erfolg. Also: echter Erfolg, nicht so ein vorgetäuschter; denn der ist ja – richtig: nicht glaubwürdig. Oder die Sozis: die kommen in Baden-Württemberg mit dem schlechtesten Wahlergebnis aller Zeiten nach Hause, kriegen in Rheinland-Pfalz eine Packung von zehn Prozentpunkten weniger und tönen tagelang rum: „Erfolg! Erfolg! Erfolg!“ Das ist, wie wenn Sie in eine Szenekneipe auf Brautschau gehen und … – ach, ich sage nichts. Es ist jedenfalls nicht glaubwürdig.
Ganz anders die CDU. Die ist sowieso nicht glaubwürdig, hat seit anderthalb Jahren keinen Erfolg mehr zu verzeichnen, ist mindestens so konturlos wie die sozialdemokratische Konkurrenz – redet aber nicht drüber. Das zieht natürlich auch. Das ist magic. Alter Trick aus der Szenekneipe: wenn man schon in Sachen Erfolg und / oder Glaubwürdigkeit nichts zu bieten hat (wie die meisten von uns), dann macht man eben auf geheimnisvoll. Das ist betörend, zum Verlieben – the Magic of CDU. Oder man haut eben auf die Kacke wie Claudia Roth.

Politik, würde ich sagen, ist nicht so angesagt. Immerhin: wir leben mitten im Epochenbruch, da sollten wir uns nicht auch noch über Politik in die Haare kriegen. Und außerdem: im Großen und Ganzen ist doch alles klar. Aus der Atomkraft gehen wir raus, und zwar so schnell wie möglich. Was haben wir eigentlich noch? Ach ja, die Außenpolitik. Westerwelle ist immer noch Außenminister, das geht natürlich nicht. Gut, das wird ja jetzt in Ordnung gebracht, dass wir auch in Libyen mitmachen können. Wie stehen wir denn da?!
Aber daran kann man sehen, dass die Grünen jetzt wirklich erwachsen geworden sind. Die haben von vornherein Power gemacht, dass dieser Gaddafi mal anständig Feuer unterm Arsch kriegt. Und dann dieser Westerwelle! Auch in der Innenpolitik hat der ja nie Frieden gegeben. Immer nur Zank und Streit. Nun gut, da ist er ja jetzt weg; der Rösler ist ja ein sachlicherer Vertreter.
Die Politiker werden überhaupt immer vernünftiger. Auch in der Bildungspolitik, also in der Schulpolitik scheinen sie endlich ihre alten Schützengräben verlassen zu wollen. In der Wirtschaftspolitik kann man sowieso nicht meckern. Die Wirtschaft brummt, dass es nur so eine Freude ist. Und was haben wir noch? Mir fällt langsam nichts mehr ein … ach ja: die Frauen. Ja, die sollen ruhig auch mal ran – in der Wirtschaft und so. Das sagen alle. Und warum auch nicht?!

Epochenbruch – allein schon das Wort, das klingt mir zu dramatisch. So nach Revolution, nach Zank und Streit, nach Affentheater. Schöne, neue Welt sollte man das nennen. Es ist doch gut, wenn das mit diesen Atomkraftwerken endlich mal ein Ende hat. Wenn auch Frauen sagen dürfen, wo es langzugehen hat. Und wenn die Politiker, statt sinnlos aufeinander einzudreschen, nach Lösungen zu unser aller Wohl suchen. Wenn auch die die Leistung bringen, für die sie bezahlt werden. Kurz: wenn die Politiker endlich alle vernünftig werden.
Und die ganze Sache läuft demokratisch bis zum Gehtnichtmehr. Zwei- oder dreimal die Woche gibt es die neuesten Zahlen mit den Antworten auf die Sonntagsfrage. Das ist spannend. Wir löffeln dabei unseren Einheitsbrei in Harmoniesoße und spekulieren darüber, wer wohl beim nächsten Mal in punkto Erfolg und Glaubwürdigkeit ein paar Pünktchen gutmachen oder abgeben könnte. Keine Ideologien mehr und so, nicht so etwas Langweiliges wie links und rechts, ab damit in die Klamottenkiste aus den Zeiten vor dem großen Epochenbruch. Sorry: aus der Zeit, als die Welt noch nicht so schön und so neu war.
Wissen Sie, was komisch ist? – Als die Politiker noch nicht so vernünftig waren, als sie noch ideologisch vergiftet aufeinander eingedroschen hatten wie die Berserker, waren die beim Publikum viel beliebter als heutzutage, wo es gilt, sich aufzuführen, wie vom Volk bestellt. Die seien alle so glatt, heißt es jetzt, so leidenschaftslos, ohne Ecken und Kanten, und irgendwie auch untereinander kaum noch zu unterscheiden. – Na ja, das soll nicht unsere Sorge sein. Da sollen sie mal schön selbst zusehen, wie sie damit fertig werden, die Politiker.

Die Macht haben nämlich jetzt wir, das Volk. Das ist Demokratie. Es lebe die Sonntagsfrage!

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3 Kommentare zu “Einheitsbrei in Harmoniesoße

  • #1
    Dirk Westermann

    Warum mühen sich Journalisten und Kabarettisten eigentlich so an Claudia Roth ab? Gut, die ist schrill, hat rote Haare und eine Warze neben der Nase, aber es gibt doch eine ganze Reihe Unsympathen, die viel zu selten erwähnt werden.

    Wie wäre es zum Bespiel mit unserem neuen Innenminister, der sich ständig als knallharter CSUler profilieren muss?, oder “Gedönsministerin” Schröder, hatte die wirklich ein Kohl Poster in ihrer Teeniebude?. Beinahe hätte ich den Untergang des Abendlandes vergessen Daniela “the Cat” Katzenberger, die übelste Bildschimpest seit, ja seit wann eigentlich? Endzeitstimmung.

  • #2
    Rudi Gems

    Die Grünen waren noch nie ökologisch. Das war vielleicht mal die GAZ, oder die ÖDP, aber Grüne? Da ging es fast immer nur um “links sein”, um Pöstchen, um “dagegen sein”, und um “Feminismus”.

    Wenn heute so getan wird, als wenn Grüne schon immer der Garant, für Wärme, Menschenrechte und Hilfe für die einfachen Menschen, gewesen wären, hat sicher Realitätsprobleme. Grüne und SPD, haben Seite an Seite, mit der CDU, CSU und FDP, Hartz I bis IV und Agenda 2010, durchgesetzt, und an den wirklichen Problemen, vorbeiregiert, weil man sich offensichtlich nicht getraut hat, bzw. keinen vergrätzen wollte.

    Besonders die Weiberpolitik, wo Frauen vor den Männern, in verantwortungsloser Weise, bevorzugt werden, birgt Gefahren in sich, die bisher kaum verstanden worden sind. Wer ist denn bei den Grünen, mit Rang und Namen? Herr Fischer, hat sich schon lange ausgeklingt. Hauptsächlich 2 Quotenfrauen, haben bei den Grünen das sagen. Herr Trittin, hat Tradition, schon als Minister, aus Niedersachsen. Sonst wäre er sicher schon lange den Frauenquoten zum Opfer gefallen. Herr Özdemir, hat Sonderstatus. Er ist vorbelastet, durch die Bonusmeilengeschichte, damals in Berlin, wo auch Herr Gysi, das Nachsehen hatte. Jeder Zeit, angreifbar. Ansonsten bleibt nicht viel. Ansonsten, wird dramatisch in den 2. und 3. Reihen, krampfhaft nach Frauen gesucht, die man als Minister, Staatssekretär oder Sonstiges aufstellen könnte. Männer dürfen nicht, auch wenn sie noch so sehr begabt sind, und begabte Frauen, halten sich vom Fundus her, offensichtlich in Grenzen.

    Die ganze Episode, wird sich voraussichtlich, genauso schnell klären, wie bei der FDP. Wenn der Wähler erstmal merkt, auf was er sich bei den Grünen eingelassen hat, ist es zwar zu spät, aber die nächsten Wahlen, kommen bestimmt. Die Liebe, geht zwar durch den Magen. Aber, die Mägen der Deutschen, sind verwöhnt. Es bleibt also nur abzuwarten, wie lange sich der deutsche Michel, mit Müsli abspeisen lässt? Ich gehe davon aus, das der Spuk, schneller vorbei ist als er angefangen hat. Für Langfristigkeit, sind Grüne z.Zt., m.E.,nicht geeignet.

    Grüße, Rudi Gems

  • #3
    Katharina

    Rudi Gems ist wieder unterwegs.

    Die LINKEN, die GRÜNEN gehen den Bach runter, erfüllen nicht ihr Programm.

    Und, wer ist Schuld daran, die Weiberpolitik, alles die Frauen schuld.

    Warum darf er, wie er will ? Unbelehrbar im Ruhrbaron unterwegs.

    Naja, frage mich seit Gesine Lötsch, warum hier sowenig Frauen vertreten sind?

    Bei Redaktionsbeiträgen, bei Kommentaren und auch bei Lesungen.

    Bei der Lesung treten nur Männer an.

    Ist diese Männerlastigkeit Programm und gewollt?

    Brauche keine Antwort, ist eine rhetorische Frage.
    Habe die Angewohnheit, mir selbst ein Bild zu machen.
    und eine Meinung zu bilden. Dauert halt länger.

    Tschüß, mit einem Gruß an alle Mütter !

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