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Episoden eines Schreckensendes: Nazideutschland empfängt von allen Seiten Todesstöße

Konstanty Rokossowski Foto: Mil.ru Lizenz: CC-BY 4.0

Die Alliierten teilen Deutschland. Von unserem Gastautor Waldemar Alexander Pabst.

25. April 1945

Es war guter Tag für die Menschheit, es war ein Tag, an dem Nazideutschland von allen Seiten sichtbare Todesstöße empfing. Ein Tag, an dem Hitler deutlich werden musste, dass sein Bunkerintermezzo nicht von langer Dauer sein würde. Die russische Luftwaffe machte die Musik dazu, sie führte einen Großangriff mit Tieffliegern gegen die zusammengewürfelten Haufen, die nach dem Zusammenbruch der Oderfront das Leben des Diktators mit ihrem Blut verlängern sollten. General Weidling bemühte sich, eine Verteidigung zu organisieren, die Sinnlosigkeit dieses Vorgangs war ihm nur allzu bewusst. Die Rote Armee drang durch die äußeren Stadtbezirke zu den inneren vor. Stalin hatte inzwischen Schukow den Vorzug gegeben und Konew angewiesen, sich im Süden gegen Schörners Heeresgruppe zu wenden und im Norden seines Kampfgebietes in Richtung Potsdam Schukows Eroberung der deutschen Hauptstadt abzusichern.

Damit wurde er zum entscheidenden Kommandeur dieses Tages. Zum einen schnitt er die 9. Armee des Generals Busse, die einst an der Oder Berlin verteidigen sollte, in ihrer Masse bei dem Städtchen Halbe und seiner Umgebung ab. Nach dem sowjetischen Durchbruch bei den Seelower Höhen war sie nach Südwesten gedrückt worden, nun machte Konew den Sack zu. Nur wenigen ihrer Einheiten war ein Rückzug nach Berlin gelungen, um dort zu fallen.

Iljuschin Il-2 Schturmowik“ Foto: RIA Novosti archive, image #225 / F. Levshin Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Für Hitler waren Busses Soldaten nur Gegenstand der Fantasie. Hatte er am 20. April noch dem SS-General Steiner befohlen, mit einem angeschlagenen Panzerkorps aus dem Norden Berlins zu Busse vorzustoßen, um Schukows Heeresgruppe kurzerhand einzuschließen und zu vernichten, was zu dem Ausbruch am 22. führte, als Steiner diesen schon pathologischen Irrsinn ohne jede Antwort verweigerte, so war es nun der Gedanke, dass die neuaufgestellte 12. Armee, gerade einmal 60.000 Mann, zur 9. Armee vorstoßen sollte, um gemeinsam Berlin zu entsetzen. Die 12. Armee war vorgesehen, Berlin gegen die Westalliierten zu verteidigen, hatte gerade Leipzig aufgegeben. Nun, da offenkundig war, dass Eisenhowers Soldaten Süddeutschland und nicht Berlin erobern wollten, sollte sie umdrehen und die Reichshauptstadt retten, Ein nicht minder realitätsferner Gedanke als der „Angriff Steiner“, aber er wird den General Wenck, der die 12. Armee befehligte, auf die Idee bringen, nur scheinbar den Befehl auszuführen, dabei eingeschlossene Wehrmachtseinheiten zu befreien und in amerikanische Gefangenschaft zu verbringen. Der Begriff Armee Wenck aber wird als Bezeichnung für ein Hirngespinst, das nur in der verzweifelten Fantasie Rettung bringt, ein geflügeltes Wort werden.

Das andere Ereignis unter Konews Kommando an diesem Tag wird in die Geschichte eingehen. Am Vormittag, bei einem Ort namens Strehla in Sachsen an der Elbe, traf eine amerikanische Patrouille bei einer zerstörten deutschen Brücke auf sowjetische Soldaten. Das Reich war damit zerschnitten, sichtbarer konnte das bevorstehende Ende nicht beleuchtet werden. Beide Seiten schlossen Freundschaft, betranken sich und machten Fotos. Letztere wurden in ihrer Wirkung durch die Leichen einer deutschen Flüchtlingskolonne samt Pferden geschmälert, die buchstäblich herum lagen. Verschiedene Quellen sprechen entweder von Opfern der ohne Rücksicht auf die noch herüberwollenden Verzweifelten vorgenommene Brückensprengung oder des sowjetischen Artilleriebeschusses. So blieb dieses erste Zusammentreffen vom Eingang ins Historische ausgeschlossen. Am frühen Nachmittag fand die zweite Begegnung bei Torgau an der Elbe statt. Auch diese verlief anfangs nicht ungetrübt. Die Amerikaner hatten zwar an ihrer Position eine US Flagge gehisst, die Russen aber hielten das für eine deutsche Falle und beschossen die Stellung, bis die Amerikaner ihre Identität wohl deutlich gemacht hatten, den Fluss überquerten, wonach eine große Feier begann, in denen sich beiden Seiten Frieden und Freundschaft schworen. Um die Fotos diesmal professionell zu machen, wurden sie am Folgetag gestellt.

Von nun an war das Reich in einen Nord- und Südteil aufgespalten mit dem Berliner Kessel dazwischen. Die Heeresgruppe Schörners saß in Tschechien fest, der Feldmarschall gab markige Endkampfparolen aus und ließ jeden hängen, der sich verdächtig machte, das anders zu sehen. Nicht einmal Dönitz würde später darauf kommen, dass Schlächter Schörner selber versuchen würde, sich in letzter Stunde abzusetzen

Der nächste Schlag, den das Reich ereilte, traf zwischen Berlin und der Ostsee. Nach vier Tagen erbitterter Kämpfe gelang der 2. Weißrussischen Front, der sich nördlich an Schukow anschließenden sowjetischen Heeresgruppe, der Durchbruch durch die Front der 3 Panzerarmee des Generals von Manteuffel bei Stettin; die Stadt würde am nächsten Tag fallen. Generaloberst Heinrici, dem jene deutsche Heeresgruppe unterstand, die Berlin, Brandenburg, Vorpommern und Mecklenburg verteidigen sollte, dessen 9 Armee jetzt ebenso eingeschlossen war wie Berlin, gab den Rückzugsbefehl. Seine Einheiten in Brandenburg und Vorpommern begannen zurück zu fluten, ihre innere Einheit zu zerfallen. Nur fünf Tage würde Rokossowski, der Mann, der die Heeresgruppe Mitte im Vorjahr zerschlagen hatte, noch bis Rostock brauchen. Eine einheitliche Ostfront gab es nun nicht mehr.

In Italien hatten die Westalliierten den Po überschritten, stießen in die Lombardei vor, nach Venedig und Triest. Auch hier war der deutsche Zusammenbruch nur noch eine Frage von Tagen. Die italienischen Partisanen sahen ihre Chance gekommen, den eigenen Anteil in den Vordergrund zu spielen und riefen den Tag der Befreiung Italiens aus, der vom allgemeinen Aufstand begleitet werden sollte. Weiteres Blut wird fließen.

Es war eher die Furcht vor einer Alpenfestung, als ein symbolischer Akt, doch er passte zu diesem Tag. Lancaster griffen den Berghof an, 1300 to. Bomben warfen sie über dem gesamten Areal ab, das nicht mehr eingenebelt wurde, des Führers Sommersitz fiel in Trümmer, das gewaltige Bunkersystem darunter blieb unbeschadet. Aber dort befanden sich nur das Personal, die SS Bewacher und der gefangene Göring.

Das Erscheinen des Völkischen Beobachters wurde eingestellt.

 

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2 Kommentare zu “Episoden eines Schreckensendes: Nazideutschland empfängt von allen Seiten Todesstöße

  • #1
    Petra

    Für die deutsche Geschichte ab 45 wäre es von Vorteil gewesen, wenn die Amerikaner zumindest die Oder vor der Roten Armee erreicht hätten. Die DDR hätte es nie gegeben.

  • #2

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