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Erling Haalands Trip nach Katar ist ein Schlag ins Gesicht nicht nur der BVB-Fans!

Zufriedene Gesichter in Dortmund. Foto: BVB

Es gibt Dinge, die machen es einem wirklich schwer die Begeisterung für den modernen Profifußball weiterhin aufrecht zu erhalten. Insbesondere auch in diesen komplizierten Tagen der Corona-Pandemie.

Da wird hierzulande aktuell gerade wieder über neue Höchststände bei den Corona-Infektionen diskutiert, droht dem Land noch vor Weihnachten ein harter Lockdown, der die Menschen teilweise in große Not bringt, und dann liest man auf der anderen Seite zeitgleich das:

„Mit einem kleinen Quiz hat Erling Haaland am Mittwochabend seine Fans unterhalten. Wo er derzeit wohl seine Reha absolviere, fragte der Norweger bei Instagram und stellte dazu ein Foto von sich vor einer urlaubsreifen Kulisse dazu. Die Lösung: Der Stürmer des BVB erholt sich in Katar von seinem Muskelfaserriss im Hüftbeuger – mit ausdrücklicher Genehmigung seines Arbeitgebers“, berichtet aktuell der Kicker.

Und er setzt fort: “Es war sein Wunsch, dort die Reha zu absolvieren”, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag. “Er ist da von Experten umgeben, die in engem Austausch mit unserer medizinischen Abteilung stehen. Deshalb haben wir dem Wunsch zugestimmt.” Haaland könne bereits erste Fortschritte bei der Genesung verzeichnen, entsprechende Bilder lägen der Borussia vor. … “Wir gehen davon aus, dass er sich an die geltenden Hygieneregeln hält und vor Weihnachten wieder hier aufschlägt”, sagte Zorc, der zu Beginn des neuen Jahres mit der Rückkehr Haalands auf den Platz rechnet.“

Ich muss zugeben, beim Lesen dieses Textes ist mir vor Schreck fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen. Das darf doch einfach nicht wahr sein!

Da fährt der verletzte Top-Stürmer der Dortmunder in Zeiten der Pandemie während der laufenden Saison nicht nur völlig unnötig aus Eigeninteresse in der Weltgeschichte herum, macht sich scheinbar während der Zwangspause eine ‘nette Zeit’ im sonnigen Süden. Was ihm persönlich in normalen Zeiten ja durchaus von Herzen zu gönnen wäre, gerät in diesen Tagen zu einem absoluten No-Go!

Haaland tritt durch eine solche Aktion die Gefühle vieler Fans nicht nur massiv mit Füßen, er zeigt der Welt, wie man es nun gerade derzeit eben nicht machen sollte. Und sein Verein, der unterstützt ihn dabei verbal auch noch. Wirklich unglaublich!

Nicht nur, dass es wahrlich wesentlich vernünftiger gewesen wäre in diesen Zeiten einmal schön daheim zu bleiben, auch um ein Vorbild für andere zu sein, Haaland gefährdet durch seine Reiseaktivitäten auch noch sich selbst und seine Mitmenschen.

Der BVB, er ringt seit Jahren darum sein Image als fannaher Verein aufrecht zu erhalten, betont immer wieder dem Trend zur Kommerzialisierung nicht mehr als nötig folgen zu wollen, und dann fällt ein BVB-Profi einmal wieder durch solch eine egoistische Verhaltensweise auf.

Solche Allüren hätte man vielleicht Vertretern von Real Madrid oder dem FC Chelsea zugetraut, wo ‚großkopfertes Verhalten‘ seit Jahren gang und gebe ist, aber doch nicht dem selbsternannten ‚Malocherklub‘ aus Dortmund.

An irrwitzige Flugreisen zu Spielen in Busreiseentfernung hat man sich bei den Schwarzgelben ja leider schon gewöhnen müssen, aber verletzte Spieler, die in Pandemie-Zeiten ihre Reha im arabischen Raum statt daheim absolvieren, dadurch ihre Distanz zu den einfachen Leuten im Lande, denen ein Weihnachten daheim in Isolation nahegelegt wird, das treibt den Keil zwischen Fans und Verein ohne Zweifel tiefer in den entstandenen Spalt.

Total unnötig und wirklich sehr ärgerlich!

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9 Kommentare zu “Erling Haalands Trip nach Katar ist ein Schlag ins Gesicht nicht nur der BVB-Fans!

  • #1
    Tagedieb

    Naja, die hellsten Kerzen auf der Torte scheinen beim BVB ja nicht gerade zu scheinen. Gab doch letztens so eine Meldung von/zu dem jungen Youssoufa Moukoko. Danach besteht sein Tagesablauf im wesentlichen aus Schlafen, Essen und Training. Da fragt man sich: Und wo bleibt die Schule?

  • #2
    ke

    Wenn man bedenkt, dass in den USA 20 Prozent aller Fußballer an Corona erkrankt sein sollen, stellt sich schon die Frage, wann der extreme Reiseverkehr im Fußballbereich endlich eingestellt wird. Die Fälle werden ja auch weiterverbreitet.
    Ebenso bleibt offen, wieso der Corona Test von den Vereinen durchgeführt wird und nicht von Unabhängigen zu zufälligen, um Manipulationen zu minimieren.

    Final muss es der BvB bewerten, wie hoch das Risiko in Katar ist. Wenn eine Blase funktioniert, sehe ich keine Gründe, nicht in den sonnigen Süden zu fliegen, um dort Verletzungen auszukurieren. Das Corona Risiko in Dortmund und Deutschland ist auch extrem.

    https://www.sport1.de/internationaler-fussball/premier-league/2020/12/mls-20-prozent-der-profis-hatten-waehrend-laufender-saison-corona

  • #3
    Gerald Mohn

    Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum Haaland seine Reha nicht in einem Land seiner Wahl absolvieren sollte. Das warme Klima wird seinen Genesungsprozess befördern und der Abstand zu den zahlreichen Miesepetern auch. Gute Besserung Herr Haaland!

  • #4
    hoffmann

    Verehrter Herr Patzwald,
    es gibt nicht den geringsten Grund, dem "modernen Profifußball", also Unternehmen der Sportunterhaltungs- und Werbeindustrie, "Begeisterung" entgegen zu bringen. Und ob den Fans einer Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis durch die Sperenzchen eines überalimentierten Jungspunds, der sich seine hochtrainierte Inselbegabung in diesem Zirkus vergolden lassen will, "ins Gesicht" geschlagen wurden, ist doch sehr fraglich. Die meisten Fußballfreund*innen sind sicher mit mehr Realitätssinn dabei.

  • Pingback: #FavreOut: Der BVB sollte mit diesem Trainer nicht weitermachen! | Ruhrbarone

  • #6
  • #7
    DAVBUB

    @ 4: Auch wenn ich Ihrem Kommentar inhaltlich weitestgehend zustimme:
    "…die Sperenzchen eines überalimentierten Jungspunds, der sich seine hochtrainierte Inselbegabung in diesem Zirkus vergolden lassen will,…"
    Haaland macht keine "Sperenzchen", er nutzt die finanziellen und medizinischen Ressourcen, die mit der Beschäftigung im oberen ausführenden Management eines Fußballunternehmens einhergehen, um sein Humankapital in bestmöglichem Zustand zu versetzen. Wenn er dabei daß Angenehme mit dem Nützlichen verbindet, ist das etwas, was jeder krankgeschrieben Bauarbeiter genauso tun würde.
    Er wird auch nicht "überallimentiert", sondern er hat seinen Vertrag ausgehandelt wie jeder Arbeitnehmer; gemessen an der Wertschöpfung wird er wahrscheinlich unterbezahlt.
    Die Bezeichnung "Jungspund" eines nach deutschem Recht erwachsenem Menschen, der bislang in seiner beruflichen Laufbahn – vor allem im Vergleich zu anderen – außerordentliches geleistet hat, spricht für sich, nicht jedoch für Sie.
    Woher wissen Sie, daß Haaland außer Fußball über keine weiteren Begabungen verfügt? "Inselbegabung" wird i.A. im Zusammenhang mit Autisten verwendet. Ich glaube jedoch nicht, daß noch die größte Begabung, egal auf welchem Gebiet, ohne Ausdauer, Disziplin, Hingabe und Verzicht zu einer Position verhilft, wie der, die Haaland sich erarbeitet hat. Dafür werden in diesem Geschäft z.B. in jeder Saison zu viele "Jahrhunderttalente" hochgejazzt und wieder vergessen.
    Der Mann arbeitet Fußball, erhält den ihm zustehenden Lohn und nutzt seine Möglichkeiten. Was ist daran falsch?

  • #8
    hoffmann

    @ 7 DAVBUB
    Ich bitte um Verzeihung, Sie haben Recht. Der Satz vom "Jungspund" geriet sehr polemisch und in Ihrem Sinne falsch.
    Ich habe tatsächlich nichts dagegen, dass gute Spieler*innen gut bezahlt werden, und schon gar nichts gegen Erling Haaland. Vom weiter unten nochmals beschriebenen Unmut hat er unbeabsichtigt zuviel abbekommen – tut mir leid!
    Es ist sicher richtig, dass er wie andere seine Möglichkeiten nutzt. Dennoch darf man auch dabei etwas nachdenken, Haaland wird ja zu Corona, Klimawandel und dergleichen eine Meinung haben.

    Das schlechte Beispiel gibt hier auch nicht seine persönliche Entscheidung, sondern eine Industrie, deren ganze Geschäftsidee darin besteht, aus Sportler*innen "Stars" zu machen, um diese dann als superkonsumierende Identifikations- und Werbefiguren für eine Flut von meist äußerst verzichtbaren Produkten einzusetzen.
    Bleiben dann diese "Stars" mal nicht "ganz bescheiden" und "auf dem Teppich", droht also der verschwenderische Unsinn des Ganzen erkennbar zu werden, erhebt sich zuverlässig die Empörung über vergoldete Steaks und sicher gut vermeidbare Reha-Trips nach Quatar. Lautstark beschwert man sich über das Verhalten, nicht aber über die Verhältnisse, die es systematisch hervorbringen, und hofft, dass die zahlende Kundschaft nichts merkt und einfach nur "Fan" bleibt, anstatt dem "wird präsentiert von"-Gewerbe den Rücken zu kehren.
    (Hoffen wir, dass der Trip wenigstens was nützt. Die Kommanditgesellschaft kann’s brauchen.)

  • #9

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