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Ernst Kratzsch – Der unterbeschäftigte Dezernent

Ernst Kratzsch Foto: Stadt Bochum

Ernst Kratzsch Foto: Stadt Bochum

Ernst Kratzsch ist Bochums Baudezernent. Und offenbar beruflich nicht ausgelastet.

Baudezernenten umgeben sich heute gerne mit der Aura der Kreativen, ganz so, als seien sie durch ihr Amt dazu berufen, Metaarchitekten zu sein, die nicht nur ein Haus planen sondern gleich eine ganze Stadt. Und wie jede Berufsgruppe, haben auch die Kreativen ihre Insignien und  klar,  Kratzsch hat jetzt eine Nerdbrille. Sie passt nicht zu dem Mann, der mit einem AOK-Kassengestell gut bedient wäre.

Seit 2006 ist Kratzsch Baurat in Bochum. Viel gelungen ist ihm nicht. Klar, auch er redet über den Klimawandel, dass die Gesellschaft bunter, weniger und älter wird und hat auch all die anderen Versatzstücke im Repertoire die selbst das kleinste Licht ein wenig heller Strahlen lassen und die bei keiner Intellektuellensimulation fehlen dürfen. Aber ansonsten, in dem Bereich, für den er bezahlt wird, ist seine Leistungsbilanz eher mau: Bochums schönste Baulücken sorgen dafür, dass in der Stadt noch immer ein wenig Nachkriegsatmosphäre herrscht. Auch die Pläne von ECE, dem Einzelhandel mit dem Bau eines Einkaufszentrums den Garaus zu machen, stellt sich Kratzsch nicht entgegen. Dafür dürfen immer mal wieder Altbauten abgerissen werden, von denen Bochum ohnehin kaum welche hat, weil schon Kratzsch-Vorgänger nach dem Motto „Ornament ist Verbrechen“ handelten und fast jedes Haus das nicht nach einem vergammelten Schuhkarton aussah abreissen ließen. Kratzsch scheint in seinem engeren Arbeitsfeld unterbeschäftigt zu sein. Umso mehr engagiert er sich auf anderen Feldern. Sio beschwert sich Kratzsch nach einem Bericht der Zeitung des Personalrats der Stadt Bochum über vor dem Rathaus rumlungernde Mitarbeiter der Stadt, die dort, rauchend, ihre Sucht präsentieren würden. Der Personalrat weist diese Sicht der Dinge zurück: „Richtig so, wird jetzt so mancher mit  einstimmen, denn es ist schließlich erklärter politischer Wille, die Raucherinnen und  Raucher aus öffentlichen Gebäuden zu verbannen.  Ob man sich dieser Entscheidung positiv anschließt, sei natürlich jedem selbst  überlassen. Eine Konsequenz daraus ist  allerdings, dass Raucher vor statt in Gebäuden rauchen müssen.“

Kratzsch scheint viel Zeit zu haben, wenn er sich um so etwas kümmern kann.  Ein Blick aus seinem Dienstfenster müsste ihm eigentlich sagen, dass er noch eine Menge Aufgaben hat, die er in seinem Job und für das Geld dass er von den Steuerzahlern bekommt, zu erledigen hat. Anstatt seine Mitarbeiter zu mobben könnte er einfach seinen Job machen.

 

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6 Kommentare zu “Ernst Kratzsch – Der unterbeschäftigte Dezernent

  • #1
    discipulussenecae

    Eigentlich schätze ich Ihre Beiträge fast immer. Aber eben nicht immer. So finde ich es ziemlich billig, das Objekt der Kritik ausgerechnet wegen seiner neuen Brille anzugreifen. Seine verfehlte städtebauliche Politik im einzelnen darzulegen, wäre sicherlich interessanter und treffender. Denn was wird Herr Dr. Kratzsch nach der Lektüre des Artikels fühlen? Zunächst wird er sich wahrscheinlich über Ihre Polemik ärgern. Dann wird er mächtig stolz darauf sein, bei den Ruhrbaronen einen eigenen personenbezogenen Artikel bekommen zu haben. Und dann wird er sich denken: Na gut, wenn denen keine anderen Argumente als meine Brille einfallen …

    Aber in Bezug auf sein Rauchermobbing gebe ich Ihnen natürlich Recht!

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Im Text steht ja auch beschrieben das Kratzsch kaum etwas hinbekommen hat – trotz flotter Brille.

  • #3
    Demokrit

    😉 gut und pointiert…trotz Brille, Laurin. Ein Rationalpragmatiker ist der Ernst nicht. Etliche Baudezernenten leiden unter demselben, nicht heilbaren Permanentinfekt: Schmerzunempfindlichkeit.

  • Pingback: Pottblog

  • #5
    JR

    Die Diskussion ist schon ein halbes Jahr her und seither hat sich nichts getan. Wie auch? Die rauchenden Mitarbeiter sind während des Herumlungerns nicht im Dienst und rauchen als normale Bürger im öffentlichen Raum. Wenn man keine Kollegin vom Ordnungsamt danebenstellt, die jede abgeworfene Kippe ahndet, kann man die Mitarbeiter also nicht gängeln.

    Lustiger ist doch, dass die Stadt Bochum mit viel Tamtam eine „Charta der Vielfalt“ (http://www.charta-der-vielfalt.de/charta-der-vielfalt/die-charta-im-wortlaut.html) unterzeichnet hat, die viel über „Unternehmenskultur“ schwafelt. Raucher haben darin natürlich nichts verloren.

    Dr. Kratzsch dürfte übrigens bald in Pension gehen. Aber in Bochum könnte man ruhig Frank Gehry zum Baudezernenten machen; die Planungssünden der Nachkriegszeit, die den Zuschnitt der Stadt stark festlegen in Verbindung mit dem von Rot/Grün immer noch verfolgten Plan der autofreien Innenstadt führen im Ergebnis eben zu dem provinziellen Erscheinungsbild einer kreisangehörigen Gemeinde.

  • #6
    Volker Steude

    Da hätte man jetzt anhand der verschiedensten konkreten Beispiele viel darüber schreiben können, was Kratzsch in Bochum geleistet hat oder auch nicht. Man hätte (vergeblich?) nach einer Handschrift in seinem Handeln suchen können. Man hätte hinterfragen können, ob er immer nach eigener Überzeugung handelt oder ob er mehr Erfüllungsgehilfe einiger Parteifreunde ist. Man hätte fragen können, was aus den Bürgerbeteiligungsprojekten seines Vorgängers geworden ist. Man hätte seine Arbeit mit der seines Vorgängers zur Nedden vergleichen können. …

    Dass hätte ich wirklich spannend gefunden. Leider wurde diese Chance nicht genutzt. Kratzsch Verhalten ggü. rauchenden Mitarbeitern ist für sich m.E. keinen Beitrag wert.

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