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Essen: Freiraum-Initiative fühlt sich nicht ausgeschlossen

Mit einer Erklärung widerspricht  die Freiraum-Initiative, die 2010 das DGB-Haus an der Schützenstrasse in Essen besetzt hat,  Medienberichte der vergangenen Tage:

Wir fühlen uns aus der RTL-Immobilie (bitte nicht zu verwechseln mit dem DGB-Haus) weder ausgeschlossen, noch spielt „verletzte Eitelkeit“ eine Rolle bei unserer Entscheidung, diese Räume als Freiraum nicht zu beziehen. Im Vordergrund standen zunächst mal Finanzierungsprobleme, da auch bei einer Quadratmetermiete von nur 2,50€ bei etwa 1000qm, im Monat 2500€ plus Nebenkosten und Investitionskosten aufgebracht werden müssen. Ohne die Möglichkeit der Durchführung regelmäßiger Abend- und Musikveranstaltungen (die seitens der Vermieterin, aufgrund des Schutzes der im Gebäude wohnenden Mieter, ausdrücklich nicht erwünscht sind) und entsprechenden Einnahmen aus Spenden, Eintrittsgeldern oder Getränkeverkauf, fällt es uns sehr schwer diese Immobilie zu einem für uns bezahlbaren Raum zu machen.

Die beispielsweise 25 bildenden Künstler, die jeweils 100€ im Monat für die Nutzung von reinen Atelier- bzw. Studioräumen aufbringen können und wollen, finden sich leider nicht in unseren Reihen. Unser künstlerisches Spektrum erstreckt sich von Musik über Theater- und Performance bis hin zur bildenden Kunst. Unser Interesse besteht in erster Linie darin, unsere Stadt mit dieser künstlerischen Bandbreite zu beleben und nicht darin, einzelne Künstler in Räumen unterzubringen.

Aus diesen rationalen Abwägungen (die uns auch einige Zeit gekostet haben, weil wir uns ernsthaft und bis ins Detail mit diesem Angebot beschäftigt haben) heraus, mussten wir leider in unserem Plenum zu dem Schluss gelangen, dass diese spezielle Immobilie für uns als Gruppe weder bezahlbar noch geeignet ist. Das heißt jedoch nicht, dass wir dem Projekt feindlich gegenüberstehen, oder einzelne Künstler auch aus unserem Umfeld davon abhalten möchten, das Angebot für sich individuell zu prüfen und auch wahrzunehmen. Wir freuen uns über jeden Künstler, der in Essen einen geeigneten Arbeitsraum findet, ob in der Nordstadt oder sonstwo, und sind als Netzwerk offen für Zusammenarbeit.

Davon unberührt bleibt unsere Einstellung, dass die künstlerische und kulturelle Vielfalt und Attraktivität der Stadt Essen eher mit Projekten im soziokulturellen Bereich und in Zusammenarbeit mit den Akteuren an der Basis gefördert werden kann, als mit kreativwirtschaftlichen Konzepten in Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft. Für Diskussionen und Konzeptentwicklungen in dieser Hinsicht sind wir jederzeit gerne bereit, da wir hier einen Kernpunkt unserer Arbeit sehen.

Zuletzt noch eine Klarstellung zum Verein Port e.V.: Die Mehrzahl der Aktiven der Freiraum-Gruppe sind nicht im Port e.V. organisiert. Der gemeinnützige Verein für Kunstförderung sieht es aber als eine Hauptaufgabe an, junge Kunst auch abseits der akademischen und vermarktbaren Sphären zu fördern und bietet sich deshalb mit seinen Strukturen unter anderem für Projekte wie den Freiraum an. Beispielsweise als juristische Person in (Miet-)Verträgen, bei der Akquise und Abrechnung von Fördermitteln oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Mit zunehmender vertrauensvoller Zusammenarbeit, kommt es dabei selbstverständlich auch zu zunehmenden personellen Überschneidungen der zusammenwirkenden Strukturen.

Nils Andersch im Namen des Freiraum2010 und des Port e.V.

 

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