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Ecstasy oder Endzeit-Sekte? Die linke Szene streitet über Extinction Rebellion

Ein Slogan, den man sonst nur von der NPD kennt: "Klimaschutz ist Heimatschutz". Foto: Ideologiekritische Aktion

Ein Slogan, den man sonst nur von der NPD kennt: „Klimaschutz ist Heimatschutz“. Foto: Ideologiekritische Aktion

Die taz titelte neulich: „Extinction Rebellion ist Ecstasy“, Jutta Ditfurth hingegen sprach im Interview mit der FAZ von einer „Endzeit-Sekte“ – diese beiden Beispiele verdeutlichen ganz gut, wie stark Extinction Rebellion zurzeit polarisiert.

Für viel Aufruhr hatte die Gruppe in den letzten Tagen und Wochen gesorgt: Einerseits durch die mediale Inszenierung der „Berlin-Blockade“, andererseits durch verschiedene Aktionen und Äußerungen, die auch in der linken Szene Kritik hervorriefen. Allen voran Jutta Ditfurth machte den „Klima-Rebellen“ viele Vorwürfe, was von der Gegenseite wiederum damit gekontert wurde, dass Ditfurth ihre Kritik nicht mit Quellen belegt habe.

Mehrere Texte, in denen Extinction Rebellion verteidigt wird, sind daraufhin veröffentlicht und in sozialen Medien verbreitet worden. Man muss allerdings feststellen, dass diese die Kritik inhaltlich nicht ansatzweise entkräften konnten. Stattdessen versteifte man sich darauf, dass die Kritiker doch nur neidisch auf die vermeintlichen Erfolge der noch jungen Gruppe seien. Zu lesen war dieses Argument u.a. auf der Facebook-Seite „Love Techno – Hate Germany“ (dabei handelt es sich um eine Partyreihe im Berliner Club „about blank“). Kritische Kommentare wurden gelöscht, der Autor dieser Zeilen sogar auf der Seite gesperrt.

Mal abgesehen davon, dass es eine zweifelhafte Art ist, mit Kritik umzugehen, Kritikern Neid vorzuwerfen und Kommentare zu löschen, stellt sich die Frage: Auf welche Erfolge sollte man überhaupt neidisch sein? Extinction Rebellion weiß, wie man sich vermarktet, denn im Prinzip hat die Gruppe noch nichts erreicht und ist auch zahlenmäßig nicht besonders groß. Die Berlin-Blockade zum Beispiel hat das Hauptstadtleben nicht lahmgelegt. Auch die vermeintliche „Besetzung“ der Zentrale der Linkspartei entpuppte sich als peinlicher Pseudo-Aktivismus.

Die selbsternannten Rebellen sollen lediglich gefragt haben, ob sie ihr Transparent aus dem Fenster hängen dürfen, wogegen die Linke nichts einzuwenden hatte. Davon abgesehen hätte es sicherlich mehr Sinn ergeben, die Parteizentralen von CDU, AfD, FDP oder SPD zu besetzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass zu wenig für den Klimaschutz getan wird.

Ein weiterer Kritikpunkt an Extinction Rebellion ist die enge Zusammenarbeit mit der Polizei, die selbst die gruppeninterne Kommunikation mitlesen darf. Es wurden sogar Polizisten in XR-Deeskalationsgruppen aufgenommen, zumal online sensible Daten von Personen, die an Aktionen der Gruppe teilnehmen wollen, erhoben wurden. Die Polizei soll bei diesen Aktionen auch nicht beleidigt oder kritisiert, sondern vielmehr mit Liebe überschüttet werden, da auch Polizeibeamte von den Folgen des Klimawandels betroffen seien.

Wie viel Naivität hinter dieser Haltung steckt, zeigten XR-Aktivisten, als sie in Berlin die Polizei baten, ihre körperliche Unversehrtheit zu respektieren. Gewalt lehnt Extinction Rebellion zwar grundsätzlich ab, doch es ist Teil ihrer Strategie, möglichst viele Aktivisten ins Gefängnis zu bringen. Ein Gefängnisaufenthalt könne eine spirituelle Erfahrung sein, sagte XR-Gründer Roger Hallam, der in einer Rede bei Amnesty International sogar davon sprach, dass Menschen bei dem Prozess sterben könnten, eine für den Zweck des Klimaschutzes tauglichere Demokratie zu erschaffen.

Hallam war es auch, der kürzlich verkünden ließ, dass Extinction Rebellion offen für Personen sei, die „ein bisschen rassistisch oder sexistisch denken“. Robin Boardman, ein anderer Anführer der Gruppe, verteidigte die britische Labour Party gegen Antisemitismus-Vorwürfe, da diese nur Teil einer Schmutzkampagne seien.

Auch der deutsche Ableger von Extinction Rebellion fällt immer wieder negativ auf: In einem an Innenminister Horst Seehofer gerichteten Plakat wurde doch tatsächlich der NPD-Slogan „Klimaschutz ist Heimatschutz“ verwendet.

Ein weiterer Vorwurf lautet, dass es sich bei Extinction Rebellion um eine sektenähnliche Gruppierung handelt. Dieser Vorwurf ist nicht aus der Luft gegriffen, wenn man hört, dass XR-Aktivisten sagen, ihr Einführungsvortrag habe ihnen den Boden unter den Füßen weg gezogen. Die Gruppe um Hallam & Co. arbeitet gezielt mit Angst und Panikmache. Dazu passt auch ihre Symbolik, so wird z.B. Kunstblut verschüttet, um auf das angeblich schon in wenigen Jahren drohende Aussterben der menschlichen Spezies aufmerksam zu machen. Für derartige Weltuntergangsszenarien gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege.

Auf die Wissenschaft scheint Extinction Rebellion, entgegen anderslautender Behauptungen, ohnehin keinen großen Wert zu legen. Weder gibt es eine theoretische Grundlage, auf die man sich bezieht, noch werden Lösungsansätze für die Klima-Krise angeboten. Stattdessen setzt man lieber auf gemeinsame Meditation und das esoterische Konzept der Tiefenökologie, wonach ein Mensch nicht mehr wert ist als ein Tier oder eine Pflanze.

Besonders progressiv ist das nicht, und so langsam scheinen auch andere Klimaschützer hinter die rebellische Fassade zu blicken: Selbst die Aktivisten von Hambi bleibt oder Fridays for Future äußern mittlerweile Kritik an Extinction Rebellion. Es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Ausmaß sich das auf deren Zusammenarbeit auswirkt.

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5 Kommentare zu “Ecstasy oder Endzeit-Sekte? Die linke Szene streitet über Extinction Rebellion

  • #1
    Tim

    Schade, dass du XR nicht im Ansatz verstanden hast und wohl auch kein Interesse hattest, dir vor Veröffentlichung des Artikels grundlegende Informationen über die Bewegung anzueignen.

  • #2
    F. SÖLLNER

    Der Autor scheint eher ein persönliches Problrm mit XR zu haben. Echte Argumente sucht man im Artikel vergebens, stattdessen werden nur Beleidigungen und Kritik anderer zitiert. Zum Plakat "Umweltschutz ist Heimatschutz": Dieses Plakat war explizit an die Politik. Rechte gerichtet und daher wurde der Spruch ironischerweise verwendet…muss man halt kapieren..willen…

  • #3
    Michael

    Guter Artikel Herr Stracke.

    Frau Ditfurth hat selbstverständlich recht, wenn sie schreibt, dass es sich bei der Extinction Rebellion, um eine "Endzeit-Sekte" handelt.

  • #4
    Thomas Boomgarden

    …. Tiefenökologie, wonach ein Mensch nicht mehr wert ist als ein Tier oder eine Pflanze..?
    Dann ist es logisch und vertretbar, für den Klimaschutz zu sterben oder…
    Dann brauche ich mich nicht zu engagieren gegen Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Lieber Aktivisten, lest umgehend Friedrich Engels "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" und glaubt und lernt Wissen, worin das Wesen des Kapitalismus besteht. Kinderarbeit in den Minen des Kongo für unsere Elektromobiliität, Systematische Massenvergewaltigungen als Kriegswaffen an Frauen, Mädchen und Babys mit schwersten Verletzungen und Morden, wobei es in den Kongo Kriegen um Einflußnahme auf die Bodenschätze ging. Verbindet immer Menschenrechte mit dem Klimaschutz. Das heißt, zu allererst verantwortlich sind die großen Konzerne und nicht die Menschen, wenn sie nicht aus Armut über die ökonomischen Vorgaben verfügen, Klimaschutz zu betreiben. Ich bin jetzt in Belarus, 1500 Kilometer von Deutschland entfernt. Hier auf den Dörfern gibt es keine Mülltrennung und die Leute verbrennen viel. Ich muß nicht erst nach Afrika reisen, um das auf dem ganzen Kontinent zu sehen. Ich in Deutschland werde mir niemals in meinem Leben ein Elektroauto leisten können. Ich entsorge Batterien und bringe Altglas weg. Aber was viel wichtiger ist, engagiert euch gegen die Profitmaximierung der großen Konzerne, die niemals ihre Gewinne an die Arbeitenden verteilen. Banken, Versicherungen enteignen! Kapitalismus bekämpfen, aber mit wissenschaftlichen Methoden! Es ist alles genauso wie damals. Lest Marx, Engels und Lenin. Schafft die Produktionsbedingungen der Kapitalisten ab und dann redet über Klimaschutz, weil ihr einen Hebel habt. Solange ihr den nicht habt, wird die Politik immer nur die Armen besteuern und wenn durch höhere Benzinpreise

  • #5
    Ben

    Ich Teile die Einschätzung vom Artikelschreiber.
    Diese "Organisation" die eher als Sekte bezeichnet werden muss, ist gerade für junge Menschen brandgefährlich. Mark Hallam vor allem der eine Strategie von Angst getrieben ausnutzt um einen politischen umsturz zu erwirken und selbst tote in Kauf zu nehmen. Schaut euch auf yt dem seine rede bei amnesty intern. an. Da merkt man das die Leute echt n knall weg haben.

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