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Extinction Rebellion: Die Relativierung des Holocaust durch Roger Hallam war keine Provokation

Roger Hallam Foto: Steve Eason Lizenz: CC BY-SA 2.0

Roger Hallam, einer der Gründer der Endzeit-Sekte The Extinction Rebellion sagte in der Zeit „Tatsache ist, dass in unserer Geschichte Millionen von Menschen unter schlimmen Umständen regelmäßig umgebracht worden sind“.  Als Beispiel nannte er er den Völkermord im Kongo: „Die Belgier kamen im späten 19. Jahrhundert in den Kongo und haben ihn dezimiert.“ Genozide, sagte  der Klimaaktivist weiter, habe es häufig gegeben. „Um ehrlich zu sein, könnte man sagen: Das ist ein fast normales Ereignis.“ Auch der Holocaust, schreibt Die Zeit, sei für ihn „just another fuckery in human history„, gewesen – „nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte“.

Geht es nach dem Historiker Jörn Leonhard,  war das Interview nur eine Provokation:

„Ich sehe darin vor allem eine Provokation“, sagt der Historiker Jörn Leonhard, der Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg lehrt dem Deutschlandfunk. „Historische Vergleiche dienen immer dazu, komplizierte Sachverhalte auf den Punkt zu bringen, Suggestivität herzustellen, häufig auch Aufmerksamkeit zu erreichen.“ Man müsse, zitiert der Sender den Historiker,  unterscheiden zwischen dem Inhalt des Arguments und der medialen Strategie – und letztere habe „hier große Bedeutung gehabt“.

Ein Freund von mir schrieb dazu auf Facebook: „Dass man einem Mann, der mit dem drohenden Tod von knapp acht Milliarden Menschen Politik macht, vorwirft, dass er den Holocaust relativiert, ist so bizarr. Und dass das kaum jemand zu merken scheint, ist noch bizarrer. Selbstverständlich muss er den Holocaust und überhaupt ALLES relativieren, denn hinsichtlich seiner Bezugsgröße, der Auslöschung jeden Lebens auf dem Planeten, ist logischerweise ALLES ein „Fliegenschiss“, bzw. „just another fuckery“: der Holocaust, die Demokratie, Deine Mudder – alles. Das ist ja genau das immanent Gefährliche und Zerstörerische an apokalyptischen Bewegungen – nicht nur von Extinction Rebellion, sondern der Klimaschutzbewegung insgesamt, und es ist kein Wunder, wenn diejenigen, die besonders apokalyptisch unterwegs sind, sich nun besonders eifrig von Roger Hallam distanzieren, weil sie ahnen, dass man sie ertappen könnte beim Relativieren der Welt“

Hallams antisemitische Ausfälle, seine Egal-Haltung zu Themen wie Frauenrechten, Demokratie, Rassismus – das alle folgt dieser Logik: Angesichts des drohenden Weltuntergangs ist alles andere egal. Erst recht trifft das auf Jobs, Meinungsfreiheit und Entwicklung zu. Der Apokalyptiker muss nichts bedenken, der imaginierte Weltuntergang rechtfertigt alles. Was Hallam gesagt hat, war miese PR, es war nicht der Aufmerksamkeitsökonomie geschuldet. Hallam zeigte nur, wohin apokalyptisches Denken führt.

Mehr zu dem Thema:

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5 Kommentare zu “Extinction Rebellion: Die Relativierung des Holocaust durch Roger Hallam war keine Provokation

  • #1
    Thomas Weigle

    Der Ullstein.Verlag hat auf Grund dieser mentalen Ausfälle dieses Großdenkers die Auslieferung seines Buches gestoppt. Immerhin!!

  • #2
    Gerd

    "Als Beispiel nannte er er den Völkermord im Kongo."

    Der mit dem an den Juden in keinster Hinsicht vergleichbar ist. Leopold II. wollte Geld und nur Geld. Ob die Kongolesen lebten oder nicht war ihm schnuppe. Den Nationalsozialisten ging es um die Vernichtung der Juden, da war Geld bzw die Kriegswirtschaft egal.

  • #3
    Dagmar Schatz

    Zur Bewertung sollte man allerdings wissen, dass Holocaustrelativierung bzw. -leugnung in GB nicht so negativ sanktioniert ist, wie bei uns
    Damit möchte ich Hallam nicht verteidigen. Die Grand*innen dieser Truppe machen, wie ja in dem ‚Ecstasy"-Artikel beschrieben, auch sonst noch genug Mist. Leider gibt es wahrlich noch genug Leute, die diesen Haufen mit Klauen und Zähnen verteidigen.

  • #4
    Berthold Grabe

    Macht es wirklich einen Unterschied aus welch beschissenem Grund Massenmord begangen wird?Oder reden wir uns den Unterschied nur ein?
    Hinsichtlich des Ergebnisses gibt es nämlich keinen Unterschied, Nur das sich die einen Mörder seriöser fühlen dürfen als Andere.
    Der eine es heimlich tut, der andere öffentlich, beide sind im Grunde Psychopathen, der Meisten sind feige Heuchler, die Nazis bigotte Heuchler.
    Ich kann keinen letztlich zählenden Unterschied entdecken, außer das wir uns einreden, das der Holocaust besonders unerträglich war.
    Doch das ist er nur, weil niemand ihn leugnen und niemand diese Tatsache verdrängen kann.
    Ob Rassismus, Geld- oder Machtgier, was macht das für einen Unterschied?

  • #5
    Arnold Voss

    @ Berthold Grabe # 4

    Es macht einen Unterschied, lieber Berthold. Geld-und Machtgier kann man direkt und sofort mit (noch) mehr Geld und (Gegen)Macht bekämpfen. Rassismus und Antsemitismus nicht. Die Juden wurden und werden getötet weil sie Juden sind. Das ist was ganz anderes, als wenn Jemand getötet wird, weil ein anderer mehr Macht, Geld oder sonst einen materiellen, idellen oder politischen Vorteil davon hat. Mord aus Rassismus oder Antisemitismus kennt aus sich heraus keine Grenzen, geschweige den rationale Argumente, denen man ebenso rational entgegen könnte.

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