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Fiets pervers

Ein kurzer Blick auf zwei neue moderne Radstationen in Duisburg und in Bottrop. Von unserem Gastautor Thomas Meiser

Fietsen wir an. Und zwar erst mal in den Duisburg-Hochfelder Rheinpark. Ein postmodernes Architekturgeläuf, das den Rheinstrom erstmals dem
benachbarten Armutsstadtteil nahebringt.

Schöne Sache ist das, es gibt einen Beach voll aus Sand, ein BMXer- und Skater-Geläuf, zu dem die Afficinados selbst aus Düsseldorf anfahren und eine sehr große Wiese, auf der die Drachenfans immer dann wenn nachmittags der Wind vom anderen Ufer, von Rheinhausen aus, steht, mit beräderten Schlitten über das Gras einer großen schrägen Wiese taumeln, vom Drachenwind beheizt.

Seit ein paar Tagen gibt es da auch einen Laden.

Der heißt Ziegenpeter, geöffnet ganzjährig von 0900 bis 2200, betrieben fürs und vom Gemeinwohl, der Laden sieht innen aus wie eine Amsterdamse Kreativgastronomie in Dam-Noord vor einer Dekade, denächst soll sogar public W-LAN kommen, dann geh’ ich da frühstücken.

Wenn nur nicht die Biergartenathmo so steinig steril wäre, man sitzt auf unverückbaren Betonquadern vor einem mit Schrauben interarsiiertem Holztisch in Greifnähe.

Bierkarte, Biergartenkarte is’ nur Flaschen, Null dreier, aber immerhin ist ein Tannenzäpfle der Badener Staatsbrauerei dabei, das rettet schon mal.

Nunja, Duisburg gefällt sich auch im Konzept der fahrradfereundlichen Stadt, was sagt sie außerdem?

Licht und Schatten.

Ich zitier’ mich mal selbst – aus einer anderen Geschichte – wann hat man schonmal gesehen, daß das Duisburger presseamt ohne Not antwortet?

F: Die klasse Reihe Radtouren in Duisburg, mit deren Trinkhallentour selbst ich sogar echte Auswärtige (Touristen!) becircen konnte,
scheint nicht fortgesetzt zu werden.

http://www.duisburg.de/micro2/fahrradportal/radtouren/radroutentipps/bereich3.php

Ist das tatsächlich so?

Sofern nicht: Wann ist die Fortschreibung geplant? Und was was wird in
welchen Veröffentlichungsintervallen an Touren aufscheinen?

A: Leider ist der Kollege, der die Touren zusammengestellt hat, im
Ruhestand. Eine Fortsetzung ist deshalb momentan noch nicht in Sicht.

F: Es scheint zu einem Zuwachs an anschließfähigen Fahrradabstellplätzen
in der Duisburger Innenstadt gekommen zu sein, eg sind zwischen Horten
und dem Schachtbrauereiladen echte Abstellgehege entstanden. Während
die Abschließplätze am Kuhtor nahe Apollo-Optik wohl geschliffen
wurden und da jetzt nur diese Ausleihräder stehen.

Ich würde gern Zahlen hinsichtlich der Fahrrad-Abschließstellplätze wissen:

A: Die Abstellanlage zwischen Kaufhof Galeria und der Stadtbibliothek
hat ca. 70 gesicherte Abstellplätze. Sie wurde im Sommer 2010
eingerichtet und zunächst als bewachte Anlage durch Mitarbeiter der
Radstation betreut. Durch die Mittelkürzungen der ARGE Duisburg musste
die Bewachung Anfang 2011 leider eingestellt werden. Die
Fahrradständer, die ein gesichertes Anschließen des Rades ermöglichen,
stehen weiterhin als “City Fahrradparkplatz” zur Verfügung.

Es wurde keine einzige Abstellanlage für das Leihradsystem
“metropolradruhr” entfernt. Dieses Leihsystem wird zur Zeit nach und
nach installiert und erhält 30 Stationen vorwiegende in
Duisburg-Mitte, Neudorf und Ruhrort.

F: Wie sieht’s denn zwischen der alten Post bzw Möbel Blennemann und der
Stadtinformation bzw Citywache incl der Nebenstraßen eg Forum so damit
aus?

A: Mit der Fertigstellung des Forums wurden in der Claubergstraße,
Tonhallenstraße und Königstraße, vor dem Landgerichtsgebäude, neue
Rhein-Ruhr-Bügel installiert.

F: Welche Zuwächse wurden innert der letzten drei Jahre erreicht?

A: Insgesamt konnten in den letzten 2 – 3 Jahren mehr als 100 neue
Abstellplätze, die ein gesichertes Anschließen des Rahmens
ermöglichen, aufgestellt werden.

F: Werden die Kapazitäten als ausreichend eingeschätzt bzw noch evt wann
gesteigert werden?

Die Situation wird regelmäßig durch die Stadt und die DMG beobachtet.
Zur Zeit sind genügend Abstellplätze vorhanden, die Abstellanlage in
der Düsseldorfer Straße ist in der Regel nie voll ausgelastet.

Anyway.

Happ ich gezz mal den Kappes auf, fahr ich jetzt den Kanal rauf. Den
Rhein-Herne-Kanal. Duisburg-Meiderich, das Wehr, die Schleuse. Ich
passiere am anderen Ufer den Gasometer, die Aquawelt, den saudummen
Yachthafen, es wir stiller. Die Radautobahn bricht ein, mittlerweile
pflegen viele Polen dem Posenangeln.

Ich gelange Und nach Bottrop.

Da gipps jetzt diesen Bernepark – das ist der Vollhammer, nuja sagnwer
eher mit Schlegel und Eisen beseelt.

Bernepark – das war nämlich ne ehemalige Kläranlage, und diese, nennen
wir sie ideenreiche Entwickler, hatten echt die Chuzpe, aus den
ehemaligen Köttelbecken einen Erlebnisraum zu schreinern.

Das ist ganz große Kunst, bzw geniale Dreistigkeit: Man kann da die
Kids bespaßen, die können da Mühlen mit Kacke drehen, des Nachts
versinken die ehemaligen Klärbecken in einer Lichtinzenierung, und
dann ist da auch noch ein auf überbürgerlich getrimmtes,
gemeinswohlbetriebenes Restaurant, in das man ohne Arg seine Eltern
ausführen könnte.

Diese raffinierten Bottttropper, da kriegt der Begriff: Aus Scheiße
Gold machen hier im Revier ja echt die angemessene Bedeutung.

Aber, es kommt noch besser: In diesem Bernepark sind ein paar ziemlich
großkalibrige Röhren übertägig verlegt, die als Absteige dienen.

Zweibett-Röhren als sonne Art Artifarti-Hotel. Wobei der Pfiff ist: Du
kannst Dein romatisches Tete-a-te in der Kanalröhre nur online buchen
und mußt nur bezahlen, was es Dir wert ist.

Links:

Rheinpark-Hochfeld.
http://www.skatemap.de/skatepark_detail.php?id=933

Ziegenpeter.
http://www.lokalkompass.de/duisburg/ratgeber/ziegenpeter-die-neue-attraktion-im-rheinpark-hochfeld-d63254.html

Bernepark.
http://www.bernepark.de/

Das Röhrenhotel. (Pics)

http://www.bernepark.de/parkhotel.html
Wäre geil, wenn Du die Links einsetzt.

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5 Kommentare zu “Fiets pervers

  • #1
    Thomas

    Ich will den Hochfelder Rheinpark jetzt auch mal preisen, schierer Eigennutz, in drei Wochen sollense da WiFi haben, ich wohn’ um die Ecke und will draussen in Ruhe schaffen – und was ist beruhigender als der Rheinstrom.

    Es gibt jedenfalls auch gute Pärchenfrühstücke nach einer durchgemachten Nacht in dem Laden, der wie ein postfordistischer Karton im Kreativgetto von Amsterdam-Noord vor zehn Jahren aussieht.

    Immerhin.

    Und hier ist der Beweis:

    https://picasaweb.google.com/lh/photo/8OcaHcRbmAQzlyNfHBIy3KXxrwR1HxNP7LA82OpZuNQ?feat=directlink

  • #2
  • #3
    Arnold Voss

    Hallo Thomas (Meiser),

    ich bin vor ein paar Tagen von der anderen Seite, d.h. von Bochum Mitte aus, zum besagten Berne Park geradelt. Fand ihn auch gelungen. Kann man nur weiter empfehlen. Allerdings habe ich die Gastronomie nur per gezapftes Bier getestet. War gut gezapft.

    Man kann da übrigens auch was zum Essen und Trinken mitbringen. Da gibt es in Sichtweite zur Restaurant-Terasse auch noch einen kleinen Biergarten, an dessen schlichten Holztischen man dann das Mitgebrachte vertilgen kann. Finde ich eine gute Idee von seiten der Macher dort.

  • #4
    Arnold Voss

    @ beide Thomas (se)

    Am bzw. im Hochfelder Rheinpark war ich noch nie. Wird offensichtlich höchste Zeit, dass ich ihn mir anschaue.

  • #5
    Thomas

    #4 Arnold

    >Am bzw. im Hochfelder Rheinpark war ich noch nie. Wird offensichtlich höchste Zeit, dass ich ihn mir anschaue.

    Genau, mach mal. Das ist landschaftsarchitektonisch, naja, aus meiner Sicht, ziemlich weltsensationell gelöst von den Raumplanern.

    Im Kern gehts darum, Hochfeld an den Rhein zu bringen. Dabei ist ein aeternales Problem, daß alle paar Stunden eine unverzichtbare Bahn mit Koks fürn Kraftwerk dazwischen haut.

    In der Folge haben die Jungs, ich sehe das als Amsterdamer Schule, den wenigen Raum, den den die haben, ziemlich abstrus gebrochen, andere sehen es als fehlgeleitetes Projekt, mit kargen Geografien, Höhen, Hügeln, Brücken, symmetrischen jungen Baumreihen gearbeitet.

    Alles sehr abstrakt, ist auch kein Park, der einlädt. Auch viel Vandalismus in der Aneignung die ersten Jahre.

    Ich seh’s als den modernsten Park, den ich kenne.

    Ein Kratzbürstenpark, der nie romantisch sein kann, praktisch ein Analogon für das Kaff Duisburg.

    Und nicht so: Unter Linden schwören wie etwa in den klassischen Parks, Vondelpark und meinethalben Moerser Schloßpark. Oder Kräuterpark Kloster Kamp.

    Ich würde sagen, daß der Absolutismus hin zum Postfordismus aufgerichtet in der Postmoderne sich heuer dartut im Hochfelder Rheinpark.

    Leider werden aber sehr viele Lampen und Kabel geklaut von dort von den armen Leuten in meinem Kiez nebenan, insoweit kriegt die Zielgruppe von Architekturdiskursen nix zu fressen.

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