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Wie fleischlos wollen die Grünen?


Wieviel Fleisch tolerieren die Grünen?

Wieviel Fleisch tolerieren die Grünen?

Veggie Day.

Er geistert durch die Gazetten, Blogs und Nachrichtenticker.

Wollen die Grünen Fleischfreiheit erzwingen? Eine neuerliche Restriktion im Namen guter Absichten? Man würde es ihnen zutrauen.

Oder ist das ganze eine Kampagne der BILD, wie v.a. Stefan Niggemeier behauptet? Auch das erscheint vorstellbar.

Im Parteiprogramm der Grünen findet sich folgender Satz:

 Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen.
Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein „Veggie Day“
sollen zum Standard werden.

Doch was heisst das genau? Ist mit „Standard“ der Wunsch der Grünen formuliert, der sich aus der inneren Überzeugung der Menschen die Handlung zu einem fleischfreien Tag formt?

Statt sich immer weiter in endlose Internetdebatten zu verstricken, haben die Ruhrbarone nachgefragt bei der Pressestelle der Bundesgrünen. Und sind auf ein Positionspapier der Bundestagsfraktion verwiesen worden.

Das ist zwar auf den ersten Blick ein wenig irritierend, da Parteien und Fraktionen zunächst einmal getrennte paar Schuhe sind, aber wir wollen da jetzt mal nicht zu kleinlich werden.

Zunächst gilt festzuhalten: das Papier datiert auf Februar 2011, insofern ist es wirklich nicht so, dass man von einem besonderen „Neuigkeitsgehalt“ sprechen könnte. In dem Papier werden viele zutreffende Dinge zum Thema „Welternährung“, „Klimaschutz“ und „Vegetarismus“ ausgeführt. Die ersten zwei von zweieinhalb Seiten widmen sich diesem Thema. Sie betonen auch, welche Vorteile ein „Veggie Day“ hätte. Aber darum soll es hier ja nicht gehen. Sondern um die Frage: was genau ist denn nun dieser „Veggie Day“- und soll er verbindlich sein? Leider schweigt sich die Positionierung zur genauen Realisierung aus.

Die konkreteste Passage ist da diese hier:

 Die Einführung eines fleischfreien Tages in der Woche ist ein wichtiger Schritt zu mehr Information und Bewusstsein über „eingefleischte“ Konsumgewohnheiten.
Also wieder bei den Grünen angerufen und nachgehakt. Dort ist man wenig überrascht, dass nochmals nachgefasst wird. Eine Antwort innerhalb von zwei Stunden wird versucht. Die Grünen halten Wort und antworten zeitnah.
Pressesprecher Jens Althoff erklärt:

Wir sind dafür, dass öffentliche Kantinen einen ‚Veggie Day‘ einführen – so wie es in Bremen ja schon gut funktioniert.

Dafür braucht es kein Gesetz, das wäre auch übertrieben.

Wir bauen zunächst darauf, dass sich die Einsicht für einen fleischfreien Tag in der Woche in der Kantine durchsetzt und entsprechend freiwillig eingerichtet wird.
Wo dies nicht geschieht, und die öffentliche Hand durch ihre Trägerschaft einen ‚Veggie Day‘ einführen kann, dort sollte sie das dann auch tun.

Das ist konkret. Und enthält ein staatliches Zwangselement, nämlich dort, wo Kantinen nicht von sich aus „zur Vernunft kommen“.
Allerdings: die Grünen wollen Fleischkonsum nicht verbieten, wie es verschiedentlich durchs Netz rauscht.

Nun könnte man nun noch in epischer Breite diskutieren, inwiefern es sich hier wirklich um Zwang handeln würde, da ja jeder sein Wurstbrot am „Veggie Day“ mitbringen, oder sich in die Pommesbudde um die Ecke begeben könnte. Auch könnten man erläutern, inwiefern die guten Ziele der Volksgesundheit, des Tier- und Klimaschutzes Zwang rechtfertigen.

Dies soll aber hier nicht erfolgen, denn:
Die Ausführungen der Grünen beinhalten die Absicht zu Zwang, gleichgültig, ob dies dann auch wirklich in Zwang endet. Zwang aus ideologischen Gründen aber ist immer zweifelhaft. Alle anderen Nettigkeiten dürfen gerne in den Kommentaren erfolgen!

Gleich wie man die grünen Forderung bewertet: immerhin haben wir nun eine Primärquelle zum Sachverhalt!

RuhrBarone-Logo

37 Kommentare zu “Wie fleischlos wollen die Grünen?

  • #1
    Emscher-Lippizianer

    „…Allerdings: die Grünen wollen Fleischkonsum nicht verbieten, wie es verschiedentlich durchs Netz rauscht….“

    Ach nein?

    „…Wo dies nicht geschieht, und die öffentliche Hand durch ihre Trägerschaft einen ‘Veggie Day’ einführen kann, dort sollte sie das dann auch tun….“

    Was ist denn das anderes als ein Verbot? Der Weg zum grünen Blockwart, der dann brav am Donnerstag in die Töpfe der Privathaushalte guckt, ist dann auch nicht mehr weit. Oder Fleisch gleich nur noch rationiert auf Bezugskarte. Bei der grünen „Wirtschaftspolitik“ wird das ja sowieso kommen.

    Dieser Öko-Faschismus widert mich immer mehr an: Kinderschändung zum Frühstück ist in Ordnung, aber ein Stück Wurst zum Mittag darf nicht. Ich glaub mich holen ´se ab!

  • #2
    Pat Boone

    dann sind wir ja bald wieder bereit für den
    http://de.wikipedia.org/wiki/Eintopfsonntag

  • #3
    Karsten

    Also ich finde diese ganze Diskussion echt lächerlich! Ich versuche mal verschiedene Gründe anzureißen:

    1. In vielen Kantinen wurde über die letzten Jahrzehnte (teilweise noch heute) kein einziges vegetarisches Gericht angeboten, oder gar vegan. Das heißt, dass es faktisch ein Essensverbot für Menschen gab oder teilweise noch gibt, die kein Fleisch essen wollen! Als Veganer*in hat man heute noch sehr große Schwierigkeiten, muss ständig nachfragen, was wo drin ist oder muss einfach hungern. Also von einer Einschränkung von Fleischfresser*innen zu sprechen, wenn es an einem Tag kein Fleisch gibt, ist echt lächerlich!

    2. Alle Menschen essen vegan! Egal, ob Fleischfresser*in oder nicht, alle essen veganes Essen. Es wird nur häufig nicht explizit als solches gekennzeichnet. Der Linseneintopf, der Karotteneintopf, die Pommes, die Kartoffeln, die Bohnen usw. sind fast immer vegan und vegetarisch sowieso. Alle Menschen werden davon satt und können es verzehren. Auch vegane/vegetarische Hamburger, Geschnetzeltes, Currywurst usw. können alle Menschen essen, natürlich muss es niemand. Aber Veggies können oder wollen kein Fleisch essen. Was ist also schlimmer: Mahlzeiten die alle Menschen essen können oder Mahlzeiten, die nur ein Teil der Menschen isst?

    3. Das ethische Argument: Ich weiß zwar, dass es vielen egal ist, aber trotzdem. Viele werden sagen, dass ihnen das massenhafte Tierleid leidlich egal ist, solange man seine Wurst essen kann. Ich finde es zwar schade, aber das ist eben die freie Entscheidung einer jeden. Fleisch entsteht immer durch Qual und Tod von Tieren. Niemand sollte sich was vormachen. Es gibt keine glücklichen Kühe auf der Wiese, egal was die Packung auch verspricht. Wirkliches Bio minimiert zwar die Qual, aber der Tod ist am Ende trotzdem da. Und Bio ist nur ein kleiner Teil. Fast jedes Fleisch, was konsumiert wird, ist aus einer Qualzucht. Männliche Küken werden direkt nach der Geburt geschreddert. Kühe werden ständig geschwängert und ihre Kälber kurze Zeit später geschlachtet, sonst würden sie ja keine Milch geben. Schweine werden in Fabriken zusammengepfercht und unter Angstschreien getötet. Natürlich kann das der einen oder dem anderen egal sein. Aber meist geschieht dies aufgrund von Unwissenheit. Bestimmt kommt jetzt das Gutmenschenargument. Aber ich wollte nur aufklären.
    Vielleicht überzeugt aber ein anderes Argument, das Leid von anderen Menschen! Der Fleischkonsum in den Industriestaaten lässt in Entwicklungsländern hunderttausende von Menschen sterben. Ein Kilo Rindfleisch z.B. verbraucht etwa 15.000 Liter Trinkwasser in der Produktion und im Transport. Auch vegane/vegetarische Produkte verbrauchen Trinkwasser, aber viel weniger. Das Wasser fehlt teilweise Menschen zum Überleben. Statt Getreide für die Ernährung von Menschen werden Weideflächen für Tiere angelegt, die Menschen verhungern dann. Ein Rind z.B. isst viel mehr Grünzeug zur Produktion von Fleisch, als ein Mensch je essen könnte. Darüber hinaus erzeugen Rinder extrem viel Methan, was ein echter Klimakiller ist, zusätzlich werden Regenwälder für Weideflächen abgeholzt, was dazu führt, dass weniger CO2 gebunden werden kann. Mit den altbekannten Folgen: Insbesondere in Entwicklungsländern gibt es mehr Dürren, mehr Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen. Es sterben also jeden Tag Menschen, damit wir Fleisch essen können. Und selbst unsere Bio-Kuh erzeugt Methan!

    Ich sage nicht, dass Fleischfresser*innen Mörder*innen sind. Aber sie müssen wissen, dass durch ihr Verhalten sowohl Tiere, aber auch Menschen leiden und auch sterben. Natürlich ist es utopisch, dass nun alle Veganer*innen werden. Es sind ja gerade einmal 0,1 Prozent in der BRD. Aber es wäre sehr wünschenswert, wenn es mehr vegan und vegetarisch lebende Menschen gäbe, insbesondere in den reichen Industriestaaten. Aber auch weniger Fleisch zu essen oder mehr Bio ist eine Verbesserung zur momentanen Situation. Wir sollten alle versuchen ein wenig zu tun und schon gäbe es weniger Leid in dieser Welt.

  • #4
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    Nur kurz: ich bin seit vielen Jahren Vegetarier, war zwischenzeitlich mehrere Jahre Veganer – und setze mich für Tierrechte ein.
    Für mich ist das hier keine Vegetarismusdebatte, sondern eine Debatte darüber wieviel Freiheit wir Menschen zugestehen, und ab wann wir glauben, sie mit Zwang auf einen Weg bringen zu dürfen.
    Und die Grünen machen mir da wirklich Angst, da für sie nicht die Mittel, solange allein der Zweck entscheidend zu sein scheint.

  • #5
    Stefan Laurin

    @Karsten: Erst einmal möchte ich unsere Leser darauf hinweisen, dass Du von den Grünen bezahlt wirst und darüber hinaus ein Mandat hast.
    Schade dass Du nicht den Wahnsinn mit dem „biosprit“ ansprichst, für den sich auch die Grünen lange Zeit eingesetzt haben. Energiepflanzen benötigen Fläche auf denen Nahrungsmittel gepflanzt werden könnten. Auch die Flächen die in Deutschland für Solaranlagen verschwendet werden, könnte man gut bepflanzen.
    Ansonsten: Gegen Hunger wirken Wirtschaftswachstum und moderne Agrartechnik am besten. Wer global auf Bio-Landwirtschaft setzt, riskiert das Leben von Millionen Menschen. Als Schickeria Essen ist es ok, die Menschheit kann es nicht ernähren.

    Vor Jahrzehnten keine vegetarischen Gerichte – das ist lange her. Heute sind vegetarische Gerichte Standard. An den Unis gab es sie schon vor Jahrzehnten , in den allermeisten Kantinen längst auch.

    Ansonsten: Schön dass Du mal wieder Opfer*in bist 🙂
    PS: Werd doch Frutarier – da kann man sich noch besser in die Opferpose werfen und jammern. Finden vielleicht auch ein paar Leute interessant…

  • #6
    Karsten

    @Stefan: Wo bin ich Opfer? Ich habe nur gesagt, dass es schwierig ist, als Veganer*in immer was zu finden. Das Problem haben Fleischfresser*innen eben nicht so häufig. Aber ich beklage mich ja nicht, sonst hätte ich ja nicht einige Kilos zu viel. Und es ist DAS Opfer also geschlechtslos 😛

    Schön, dass du jedesmal sagen musst, dass ich von den Grünen bezahlt werde. Echt ein tolles Argument. Übrigens warst du ja auch mal bei den Grünen, aber bezahlt wurdest du nie 😉

    Aber Sebastian und du verstehen einfach ein Argument überhaupt nicht. Es ist ja okay (wenn auch bedauerlich), dass euch Tierleid mehr oder weniger egal ist. Aber, wo ist der größere Zwang? Dass es weniger Fleischprodukte gibt oder der Zwang, der durch unser Verhalten anderen Menschen (und eben auch Tieren) aufgedrückt wird. Selbst, wenn die Grünen (oder wir Grüne, wenn du willst) ein Fleischverbot für einen Tag in der Woche fordern würden, dann wäre das ein kleiner Akt der Befreiung für Menschen in Entwicklungsländern von unserer Diktatur.

  • #7
    Karsten

    @Stefan: Aber als Frutarier könnte ich schwerlich meinen Wohlstandsbauch behalten 😉

  • #8
    Stefan Laurin

    @Karsten: Karsten, komm mal runter und mach Dich nicht lächerlich in dem Du alten Antiimperialistenkram nachplapperst. Du magst Zwang und weißt wie Menschen zu leben haben, ich will das Menschen selbst entscheiden können und will sie ihr Leben leben lassen. das ist der kleine, feine aber entscheidende Unterschied.
    PS: Bei den Grünen bin ich 1996 ausgetreten. Das ist nur eine Jugendsünde und auch nur eine von vielen. Aber ehrlich gesagt die mir peinlichste 🙂

  • #9
    Sebastian Bartoschek Beitragsautor

    @Karsten: ich denke du versteht, was wir als Zwang wahrnehmen. Sonst würdest Du dafür ja wohl kaum eine andere Deutung anbieten. Also sei so nett und spar Dir die rhetorischen Spielchen. Das fahrlässige Winken mit dem Elend der Menschen auf der Südhalbkugel überzeugt mich ebenso wenig von Zwang, wie es das „Supergrundrecht Sicherheit“ (Friedrich) tut.

  • #10
    Stefan Laurin

    @Karsten: Du würdest den einzigen Kakaobohnenstrauch Bochums finden und Dich drunterlegen und warten 🙂

  • #11
    Karsten

    @Stefan: Nein, du bist einfach für die Macht des/der Stärkeren, mehr nicht. Das hat nichts mit Freiheit zu tun, sondern mit Barbarei, sorry. Der/die Starke (oder der, der viel Geld hat) soll die/den Schwachen (oder die wenig Geld hat) beherrschen.

    Aber ihr seit mit euren neoliberalen Quark ja auf einer Wellenlänge zu sein.

    @Stefan: Aber, du hast natürlich Recht, das sich das stark nach Antiimperialismus anhört. Das muss ich zugeben. Ich bin zwar kein wirklicher Freund davon, aber, dass wir Entwicklungsländer immer noch ausbeuten, kann wohl niemand bestreiten.

    So und jetzt ziehe ich mich mal aus der Diskussion zurück. Stefan und ich haben schon zu oft über ähnliche Themen gestritten.

  • #12
    mo

    Warum wird immer versucht Fleischersatz fuer Vegetarier zu basteln?
    Vegetarische Hamburger, vegetarisches Geschnetzeltes, vegetarische Currywurst, yadda yadda yadda.

    Fuer mich als Allesfresser ist das einfach nicht ersichtlich.

    Warum erstellt man nicht vegetarische Produkte und macht daraus etwas voellig eigenstaendiges, sondern haengt sich an den Erfolg alt hergebrachter Fleischprodukte mit Gemuesebratlingen oder Tofuirgendwas?

    Mein Beispiel hierzu ist das Blondie’s in Bochum:
    Die Bratling Burger sind wirklich wirklich gut. Aber es sind halt keine Burger. Es ist etwas anderes. Warum verkauft man es nicht so sondern macht daraus einen vegetarischen oder sogar veganen Hamburger?

    Ich glaube wenn man aus diesen „Fleischersatzprodukte“ anstaendige eigenstaendige Gerichte machen wuerde, koennte man nach einiger Zeit eine viel groessere Menge der Allesfresser erreichen als wenn man die Fleischfresser Produkte fuer Vegetarier abaendert.

    Optionen anzubieten ist doch ein viel besserer Weg als Optionen auszuschliessen.

  • #13
    Jan W.

    Der Veggie-Day sollte eigentlich mal fleischfreie Gerichte in den Vordergrund rücken, und die Situation, dass dem Vegetarier auf Nachfrage irgendwie noch ein Salat organisiert wird, an einem Tag der Woche mal umkehren, dass dem Fleischesser am Veggie-Day neben vegetarischer Vielfalt das Einheitsfleischgericht angeboten wird.
    Das Problem ist dann wirklich ein solches Fleischverbot für öffentlich getragene Kantinen. Da wird der Nachfrage einfach das Angebot weggenommen. Und selbst jenen, die in der Kantine mal Fleisch und mal fleischfrei essen, wird das wie Bevormundung vorkommen, wenn man der selbstgewählten Abwechslung nun einen fixen zeitlichen Rahmen diktiert.

  • #14
    el-flojo

    Meine Fresse, noch ein Artikel dazu? Ihr reitet das Thema auch erst tot und nehmt es dann in alle Löcher, solange es noch warm ist, oder?

    Und ich bin bekennender Carnivore und Nichtgrünwähler, der keine Gelegenheit auslässt, seine Veggie-Freunde zu ärgern. Aber das artet hier echt zur Obsession aus.

  • #15
    JulP

    Ich entschuldige mich im Voraus für diesen überheblichen Beitrag. 😉

    Bevor hier Einzelne gleich den Nationalsozialismus (Blockwart Rhetorik) oder Angst vor einer neuen DDR formulieren 😉 erkläre ich euch einmal das demokratische System dieses Landes. Diese Empörung über ein EINFACHES Positionspapier „nervt“ mich nämlich langsam. Als ob dieses Land nicht andere Probleme und wichtigere Themen zu diskutieren hätte… (Hat es!)

    ALLE Parteien haben sogenannte Positionspapiere und formulieren Forderungen. Manche mehr. Manche weniger. Manche öffentlicher. Manche unbekannter. (Die Positionen sind abhängig von der politischen Ausrichtung der Partei. Die Bekanntheit dieser Positionen von der Bedeutung der Partei und ihrer Medienpräsenz.) Der Veggie Day ist nicht die erste Position und Forderung der Grünen. Sebastian hat klar geschrieben, sie haben sie auch nicht erst seit gestern. Andere Parteien haben andere Positionen. Zum Glück. Ich finde nämlich Parteien MIT Position besser als Parteien, die sich lieber GAR NICHT äußern. Das ist das Recht von demokratischen Parteien. Ihre Positionen und Forderungen klar zu formulieren. Punkt Eins. Punkt Zwei: Bevor so ein Positionspapier und die politische Forderung überhaupt erst wichtig wird, muss die Partei einen GESETZESENTWURF formulieren, in Ausschüssen der Parlamenten diskutieren und abstimmen lassen. Erfolg hat sie erst mit der Mehrheit. Selbst, WENN im September Rot/Grün gewinnen sollte – was sie aller Wahrscheinlichkeit nicht wird – sind bestimmt nicht ALLE SPDler damit einverstanden, um die potentiell geringe Mehrheit zu halten. Selbst WENN der Bundestag FÜR einen Veggie Day entscheiden würde, müsste der BundesRAT darüber entscheiden. (Ich lass das Argument gelten, dass bei einer Rot/Grünen Regierung und einer Dominanz dieser Parteien im Bundesrat die Entscheidung einfach sein wird, aber wer geht bei den Umfragewerten wirklich davon aus, dass es Rot/Grün wird? Ich nicht.)

    Das bringt mich zu meinem eigentlichen Punkt. Ihr regt euch über ein simples Positionspapier auf. Kein GESETZESENTWURF! Nein. Ein POSITIONSPAPIER. Warum? Weil die FDP echt nichts Besseres zutun hat, als gegen einen Veggie Day zum Büro der Grünen zu DEMONSTRIEREN? Allein die Tatsache, dass sich das ZDF heute Team dazu genötigt fühlte, diese Mitteilung zu senden, find ich äußerst fragwürdig. Lächerlicher gehts für die FDP wirklich nicht. Fragt euch doch mal lieber, warum sich ausgerechnet die FDP in der heutigen Zeit auf eine Position der Grünen aus dem Jahre 2011 bezieht und ob ihr da nicht den Wahlkampfmethoden dieser kleinen „Splitterpartei“ 😛 auf den Leim geht. Hier wird viel Lärm um Nichts gemacht. (Ich meine die FDP. Nur um Missverständnisse vorzubeugen ;-))

    Erfahrt ihr etwas über einen Gesetzesentwurf und eine potentielle Entscheidung im Parlament bin ich gern gewollt, mich ERNSTHAFT mit dem Thema auseinanderzusetzen. Bis dahin hab ich Besseres zutun und springe bestimmt nicht auf den Wahlkampfzug einer Partei auf, die nur mit großer Wählermobilisierung überhaupt in den Bundestag kommt.

  • #16
    Nansy

    @El-Flojo: zäumst du nicht das Pferd von hinten auf, wenn du den Ruhrbaronen vorwirfst dieses Thema zur Obsession zu machen?
    Wer bitte hat denn mit dem veggie-day angefangen, doch die Grünen, oder?
    Wer möchte denn hier die Menschen missionarisch zum vegetarischen Essen bekehren, doch wohl nicht die Ruhrbarone? Wer solche Vorstellungen im Parteiprogramm stehen hat, darf sich wohl kaum wundern, wenn es in der Bevölkerung Widerstand gibt.
    Die Erfahrung der Menschen sagt ihnen, dass es wohl kaum bei einem veggie-day bleiben wird, wenn man erst mal die Tür aufgestossen hat. Ich sehe Obsessionen leider nur auf einer Seite – und die ist nicht hier!

  • #17
    K. Dietrich

    Genauso wie die Ökofaschisten es beim rauchen gemacht haben werden sie es beim Fleischkonsum durchziehen.

  • #18
    Roger

    Rückfrage an Karsten & Co: Mit welchem Recht wird so gerne behauptet, Vegetarier seien Tierschützer? Meines Erachtens ist das Gegenteil zutreffend, Vegetarier verhindern das Leben von Nutztieren.
    Wären alle Menschen Vegetarier, müssten wir uns massiv Sorgen um die Nutztierrassen machen. Mangels Nachfrage nach den Produkten würden viele Nutztierrassen nicht mehr geboren und aufgezogen werden.
    Bei Veganern wäre der Artenschwund noch krasser, da nicht einmal Eier, Milch und Käse mehr das Futter für die letzten verbliebenen Nutztierarten finanzieren könnten.

    Wer sich (Stichwort Tierschutz) für bessere Bedingungen für Nutztiere einsetzt, sollte sich für den Konsum von Fleisch aus artgerechter Tierhaltung einsetzen, meinetwegen wöchentlich oder auch täglich in Kantinen.

    Also bitte, keine weitere Veggie-Day-Propaganda auf dem Rücken wehrloser Nutztiere!

  • #19
    el-flojo

    @Nansy: Mir geht dieses permanente mimimimi hier auf den Keks. Das ist einfach nur die Meinung einer Partei, Herrgottnochmal. Wenn euch die Partei und ihr Programm auf die Eier gehen, wählt sie einfach nicht. Ganz einfach. Und jetzt hab ich schon wieder viel zu viel Zeit auf diesen Rotz hier verschwendet. Ich verdau jetzt die Currywurst von heute Mittag und die Berner von eben…

  • #20
    mek

    @Karsten:Mit Verlaub, jetzt mag ich dir angesichts deiner Augenwischerei aber auch ma in die vegane Suppe spucken. Du bist durchaus in der Lage, die Transferleistung zu erbringen und zu sehen, dass es bei obiger Kritik gegenständlich mitnichten um diese banale und – ja was eigenlich? opportunistische? publikumsbeschimpfende? selbstdemontierende?- Forderung nach dem fleischlosen Mittwoch in Betriebs- und Krankenhauskantinen geht, sondern – minimalste Abstraktionsfähigkeit vorausgesetzt – wieder mal autoritär, durch volksgesundheitlich- und pädagogische restriktionen einzugreifen in die Konsumwahlfreiheit des Individuums. Echt kein Mensch würde krawallig angesichts der Forderung nach mindestens einem veganen Eintopfgericht täglich in irgendeiner Großküche. Erweitere das Angebot, und alle sind glücklich, verordne aus fadenscheinigen Gründen Einschränkungen und es bringt – dem Weltgeist sei dank- noch einige Mitmenschen auf, vollkommen zurecht und mit den besseren Argumenten auf ihrer Seite. Wieviel Gängelung denn noch fürs vermeintliche „Allgemeinwohl“ in der Gesellschaft, in der man gezwungen ist zu leben? Deine Ausführungen zu „wollen“ und „können“ sind paradoxer Mummpitz. Mir sind Nahrungsmittelunverräglichkeiten, Lebensmittelallergien und chronische Krankheiten bekannt, aber nicht ein Vegetarier oder Veganer, der keinerlei Fleisch (oder Fisch) essen kann. Wer nicht will, soll es lassen, aber aus der Umkehrung „Pommes für alle, und zwar sofort“ wird dennoch kein Schuh. Auch in Sachen Zwang, Unterdrückung und Ausbeutung wird weder durch Wegnivellieren eines anthropozentrischen Weltbilds, noch durch den Rückgriff auf die Drittweltstaaten ein Argument aus deiner (richtigen) Aneinanderreihung von Tatsachen, es gibt da keinen Determinismus und du weisst das. Kein „betroffen aufessen“ hier und kein restriktiver Eingriff in Selbstbestimmungsrechte von Individuen (mögen diese auch als von noch so banaler Natur erscheinen) verhindert automatisch einen Hungertod oder ne Wasserknappheit dort. Wahlkampf langweilt mich, aber wenn diese Idee ernsthaft ( und damit bestenfalls) populistisch gedacht ist, wird das hoffentlich ausgehen wie das „Hornberger Schießen“ (schlechtestenfalls).

  • #21
    KClemens

    Die Ähnlichkeiten rund um die Debatte vor Einführung der Rauchverbote ist frappant.

    Zum Zeitpunkt als die fehlende Nichtrauchergastronomie bemängelt wurde, gab es schon reichlich Angebote für Nichtraucher in der Gastronomie. Das konnten reine NR-Lokale sein, oder solche mit getrennten Bereichen für Raucher und Nichtraucher.

    Das wurde aber genau so negiert, bzw. ignoriert, wie die Tatsache, daß es seit den 1990er Jahren schon in den meisten Kantinen Angebote für Vegetarier war.

    Ob man jede Splittergruppe in Deutschland, die sich geriert, als sei sie die Mehrheit, mit einem für sie passenden Gesetz beglücken muss, ist doch sehr fraglich.

    Ich z.B. habe sehr kleine Füße und immer Probleme, schöne Schuhe in Größe 36 zu finden. Also werde ich fordern, daß es an einem Tag der Woche, dem Samstag nur Schuhe in Größe 36 zu kaufen gibt. Und dann bitte nur solche Schuhe, die nur mir gefallen. Größe 36 reicht da nicht.

    Der Veggie-Day geht übrigens auf eine Initiative der Grünen Jugend (SH oder HH) von vor ein paar Jahren zurück. Und schon steht man im Grunde genommen kurz vor der Gesetzesverabschiedung.

    Vor ein paar Tagen hat die Grüne Jugend (SH) gefordert, die 1. Klasse in der Bahn abzuschaffen. In ein paar Jahren wird das dann auch im Wahlprogramm der Grünen auftauchen und hier diskutiert werden.

    Was den Veggie-Day in Bremen betrifft. Gibt es den noch, oder wurde der nicht mangels Nachfrage eingestellt, weil es an diesen Tagen eine echte Kantinenflucht gab?

  • #22
    toddererste

    Irgendwie habe ich in meinem Kopf das Schlagwort „Diktatur der Minderheiten“.

    Versteht mich nicht falsch: Minderheiten bedürfen des Schutzes der Mehrheit. Natürlich mit ein paar Einschränkungen. So sollen diese sich eben nicht gegen die Gesellschaft stellen in der sie beheimatet sind – und hier darf dann gern global gedacht werden. Allgemein hilft der Kategorische Imperativ ganz gut im Zusammenleben. „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ (nach wikipedia ).
    Natürlich gibt es auch Systeme in denen eben diese Minderheiten im Recht sind, denn „gerade wir als Deutsche“! wissen darum.
    Aber wir leben nun mal nicht in einer solchen Gesellschaft der Unfreiheit. Und das verdanken wir wiederum einer Mehrheit.

    Den Allierten.

    (Und Nein! Die Rote Armee gehörte ebenso dazu! Es ist also kein Proimperialismusargument! s. ArcadiaKonferenz)

    Warum also müssen wir uns in einem freien Land immer wieder den Minderheiten unterwerfen? Selbst das „Raucherschutzgesetz“ ist hier ein solcher Fall. Es gibt eine Minderheit die eben nicht will das in Kneipen geraucht wird – den meisten ist es entweder egal oder sie sind dafür sagen uns die leeren Kneipen.

    So sollen diese Leute eben eine Nichtraucherkneipenorganisationsgruppe gründen mit dem Ziel in jeder Stadt eine Nichtraucherkneipe zu verwalten. Meinetwegen auch Zwangsweise! Konkurenz belebt das Geschäft und die Nachfrage wird eben zeigen wie erfolgreich ein solches Konzept sei. Für den Erfolgsfall werden andere Wirte so schnell auf den Zug aufspringen das einem hören und sehen vergeht und diese Kneipen werden wegen Überfüllung Gäste abweisen müssen. Oder eben nicht. Das ist dann eben auch Freiheit. Dieser Weg wurde nicht gewählt. Ok. Thema ist durch. Alternativlos.

    Was ist mit der Homöopathie? Wieder eine kleine Minderheit die lieber Zucker denn wirksame Medikamente haben wollen. Gut sollen sie. Wer Heil schreit hat recht! War hierzulande auch schon immer Mehrheitsfähig. Man kann sogar fordern eine wissenschaft zu entwickeln die eben die richtigen Ergebnisse in den Studien hervorzaubert.

    Warum aber muss man sich in letzter Zeit immer wieder damit auseinandersetzen was gut für uns ist? Ach so, müssen wir ja gar nicht! Wird uns ja schon vorgesetzt!

    Stress ist ebenso schlecht für uns. Er fördert die Entwicklung von Herz- Kreislauferkrankungen. Tumorbildung. Psychische Erkrankungen. Ständige Repression fördert Stress. Ständiges grübeln darüber was einen umbringt nennt man depression. Oder im Fall so Mancher: Repression. So plakativ, so gut.

    Das Vegetarier in den meisten Kantinen eben nur ein Gericht zur Auswahl haben ist für das Individuum sehr bedauerlich. Aber warum muss hier (wieder unter Zwang) für Ausgleich gesorgt werden? Was ist mit den anderen Minderheiten? Koscheres Essen? Hallal? Fehlanzeige! Ausser dort wo es eben einen Markt gibt für dergleichen. Wir haben nicht genug Tage in der Woche um allen Essensminderheiten einen Platz einzuräumen. Und der Vorstoß de Grünen beinhaltet ausdrücklich nicht: „An einem Tag zwei oder drei vegatarische Gerichte zur Auswahl!“ Es geht nicht um Vernunft. Er greift restriktiv in die Wahlfreiheit ein. Warum also diese Strafe (http://www.duden.de/rechtschreibung/Strafe), dieses Ausgleichen geschehenen Unrechts?

    Wer nun glaubt dies sei neoliberalistisches Gedankengut kann gern den „ollen“ Kant bemühen.

  • #23
    Nansy

    @ KClemens: das würde mich auch interessieren, ob es den Veggie-Day in Bremen noch gibt – es ist jedenfalls recht leise geworden um diese Volkserziehungsmaßnahme.
    Die letzte Pressemitteilung die ich kenne, stammt aus dem Jahr 2011 – „Bürgermeister nennt Veggiday „sensationellen Erfolg“. Damals hieß es, es würden sich 78 Kindertagesstätten, zahlreiche Schulen und auch die Bremer Heimstiftung an 26 Standorten an der Aktion beteiligen. Angeschlossen hätten sich Großküchen und Krankenhäuser, vor allem aber viele kleinere Institutionen und Einrichtungen.
    Dass Krankenhäuser mal wieder (wie beim Rauchverbot) auf dem Plan stehen, wo die Menschen nicht ausweichen können, ist bezeichnend.

    Also ein „sensationeller Erfolg“, wie immer wenn Ideologen einen Erfolg herbeireden wollen. Nach dem gleichen Muster verfährt eine Untersuchung zum „Fleischkonsum in Deutschland“, nach der sich die Zahl der Vegetarier innerhalb von sieben Jahren auf 3,7 Prozent verdoppelt habe. Das klingt doch „sensationell“. Tatsächlich sind das bei 80 Millionen Bundesbürgern aber gerade mal drei Millionen. Es liegt natürlich im Interesse von Vegetarierorganisationen und bestimmten Parteien, die „Erfolge“ als möglichst bedeutend darzustellen. Und die Medien greifen den vermeintlichen Trend zum Vegetarismus gerne auf.

    Inzwischen läßt sich nicht einmal mehr erfahren, wie viele Kantinen bei dem Umerziehungsprojekt überhaupt noch mitmachen – das läßt natürlich Vermutungen zu.

    Muß ich es noch einmal betonen, dass ich nichts gegen Vegetarier und vegetarische Kost habe? Mir geht nur das Sendungsbewußtsein einer (immer noch) Minderheit auf den Geist, die der Mehrheit andere Lebengewohnheiten aufoktroyieren will.

  • #24
    Jan W.

    @KClemens
    Natürlich ist das mit der ersten Klasse in Nahverkehrszügen (!) auch eine politische Entscheidung. Denn die werden nicht von der Bahn eigenwirtschaftlich betrieben, sondern von Ländern und Zweckverbänden. Und wenn die Regionalexpresse im VRR in der zweiten Klasse überquellen, während die erste gerade mal mittelprächtig ausgelastet ist (und das auch nur, weil der VRR Monatskarten inkl. 1. Klasse zum halben Preis an über 60-jährige verramscht), dann muss man mal die Frage stellen, wievielfach höher denn der Subventionsbetrag in der ersten Klasse ist.
    Gerade auf den RE-Hauptachsen wurden Linienäste getauscht, um die Kapazitäten zu erhöhen, während trotzdem die Fahrgastzahlen noch schneller anziehen – und gleichzeitig rollt die unnutzbare Kapazitätsreserve innerhalb des Zugs mit. Etliche Tickets sind gar nicht „upgradebar“, und wer aufgrund der Enge in der 2. Klasse spontan entscheiden will, einen Zuschlag für die 2. nachzulösen, der kann das an Bord nicht.

    Interessant wäre mal folgende Rechnung:
    – was kostet z.B. der RE1 (oder auch der gesamte DB-Verkehrsvertrag) für die Zweckverbände pro Jahr? Wieviele Quadratmeter Zuginnenraum bekommt man dafür? Was sind die Jahreskosten pro Quadratmeter?
    – Was sind die 2.-Klasse-Fahrgeldeinnahmen (bzw. Verbandsumlagen) pro Jahr? Und wieviel Einnahmen pro Quadratmeter (nur die Fläche der 2. Klasse) erzielt man?
    – Was sind die 1.-Klasse-Fahrgeldeinnahmen (2.-Klasse-Einnahmen+Zuschläge), wie hoch sind die pro Quadratmeter in der 1. Klasse?

    Jetzt müsste man nur noch die Quadratmetereinnahmen der jeweiligen Klassen mit den gleichen Quadratmeterkosten für beide Klassen vergleichen und man sieht, welche Klasse stärker vom Land subventioniert werden muss.
    Mir fehlen leider die Zahlen, die für diese Rechnung notwendig sind, aber ich hab den dringenden Verdacht, dass das Land NRW gerade für diese erste Klasse massiv draufzahlt, um unterm Strich die nutzbare Kapazität der Züge abzusenken!
    1.Klasse-Zuschläge machen übrigens lt. VRR-Verbundbericht 12/13, Seite 109 nur 0,2% der verbundweiten Fahrgeldeinnahmen aus.

  • #25
    Martin Böttger

    Habe nur den Text und nicht die vielen Kommentare gelesen und möchte Sebastian für diese Versachlichung der Debatte danken. Es geht also doch besser als bei Bild. Warum nicht gleich so?

  • #26
  • #27
    b

    Ich jedenfalls freu mich schon auf das Spektakel, wenn sich die zukünftig ach so unterdrückte Mehrheit in waschechter Anarchie aus dem Dunkel ihrer Kaninchenfutterversorgungströge erhebt, um mit erhobenem Tofuwurstpieker der Repression des Staates trotzend in flächendeckender Rebellion zu den güldenen Bögen der letzten Bastion einer freien Welt zu pilgern…

  • #28
    KClemens

    #24 | Jan W.

    Schöner Vortrag an sich, aber, kleine Schönheitsfehler in der Beschreibung. Die genannten Gründe waren nicht der Ausschlag der Grünen Jugend zur Abschaffung der ersten Klasse. Ich bezweifle sogar, daß man dort um die Gegebenheiten des Nahverkehrs überhaupt Bescheid weiß.

    Und die Nahverkehre werden nicht von den Ländern betrieben, sondern diese bestellen die Leistung Nahverkehr bei der DB. Die bestellen aber keine 1. und 2. Klasse, sondern nur die Leistung Transport. Die Unterteilung 1. und 2. Klasse ist Sache der Bahn. Die kauft die Züge. Es ist fraglich, ob es überhaupt Nahverkehrszüge ohne diese Klassenunterteilung gibt, denn die werden ja nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern betrieben.

    Und der Sitzplatzanteil in der ersten Klasse dürfte gerade einmal 10% betragen, wenn überhaupt.

    Dafür jetzt ein neues Faß aufzumachen, lohnt nicht. Da gibt es wichtigeres als die Abschaffung der 1. Klasse. Viel wichtiger bei diesem Thema ist, daß die Bahn die bestellte Leistung Nahverkehr pünktlich, sauber und schnell liefert.

    Und nicht, wie jetzt in Mainz, wegen Krankenstand und Urlaub tagelang einen ganzen Bahnhof ab 20 Uhr dicht macht. Zu solchen Themen hört man von den Grünen nie was.

    Die sind im Grunde genommen wie Foodwatch. Die gucken auf die Inhaltsliste von Lebensmitteln und schreien dann Betrug, weil Zucker in der Marmelade ist.

  • #29
    La Pulga

    Der Artikel bringt es auf den Punkt: Es ist „Zwang aus ideologischen Gründen“.
    Als Primärquelle haben mir da auch schon Frau Künasts aktuelle Forderungen in einem Beitrag in einer öffentl.-rechtl. Nachrichtensendung am Wochenende gereicht.
    Insgesamt fehlt mir in der Debatte allerdings die „Weitsicht“. Massentierhaltung, industrialisierte Nahrungsmittelproduktion und der halbwegs freie weltweite Handel sorgen überhaupt erst dafür, dass sich viele Menschen Produkte wie Fleisch und Südfrüchte leisten können. Das ist ein Wohlstandsfortschritt.
    Die Abschaffung bspw. der Massentierhaltung würde viele Lebensmittel wieder zu Luxusgütern machen. Das m.E. unsozial. Man sollte sicher über die Bedingungen der Lebensmittelproduktion diskutieren, aber bitte unter der Prämisse, dass es keinem schlechter gehen soll.
    Und damit meine ich zuvorderst „keinem Mensch“. In der ganzen Debatte wird ständig die Ethik der Menschen aus rein emotionalen, also empathischen bzw. teilw. sogar esotherischen Gründen auf Tiere übertragen. Dabei geben unsere „rationalen“ ethischen Standards das gar nicht her.

  • #30
    Jiri

    Den Aspekt, den La Pulga nennt, finde ich das eigentlich Schlimme, was zur Zeit passiert.

    Es wird mit dem Zeigefinger auf die Leute gezeigt, die beim Discounter einkaufen gehen, obwohl keiner der Bio-, Natur- und Selbstkoch- Fetischisten andere preiswerte, zeitschonende Möglichkeiten darstellen kann, wie ein Mensch, der am Tag 10- 12 Stunden für seine Arbeit unterwegs ist und normal verdient, sich eine so hochwertige Kost zeit- und geldmäßig leisten kann, wie sich diese Fetischisten das vorstellen.

    Ich persönlich muss außerdem sagen, dass ich mit den Fertiggerichten, die ich esse, sehr gut leben kann.

    Und Zuchtfleisch würde ich auch essen, wenn es schmeckt, auch wenn das den Naturfetischisten nicht gefällt.

  • #31
    Jan W.

    @KClemens
    SHZ.de zitiert ein Mitglied des Landesvorstands der Jungen Grünen mit folgenden Worten „Während die 2. Klasse überfüllt ist, ist die 1. Klasse gähnend leer“ – die Kapazitätsfrage gehört dort also auch zur Argumentation. Und den Grünen sind in der Regel diese Bestellerstrukturen sehr wohl bekannt.
    Der Bestellvorgang entlässt doch gerade Land/Zweckverbände nicht aus der Verantwortung, sondern verpflichtet, etwas zu bestellen, was man auch gebrauchen kann!
    Und hier gibt es auch Bestellunterschiede: der ZV VRR (gleiches Gebiet wie der VRR) hat 8-15% Erste Klasse Anteil, der NVR (Gebiete VRS+AVV) dagegen nur 4%. In einigen Großstädten haben die S-Bahnsysteme 0%.
    Natürlich sind auch Zugeigenschaften auch Teil der Ausschreibungen: so hat die DB etwa den neuen Vertrag auf der Strecke E-MS mit einem Zugcafe gewonnen, dass ebenfalls stark ins Bestuhlungslayout eingreift. Zughersteller richten sich bei diesem Layout nach dem Kunden (ein Eisenbahnunternehmen, das Ausschreibungen gewinnen will, Bedingungen für eine Fahrzeugförderung erfüllen will, oder im Falle RRX auch direkt das Land): und gerade bei Zügen, die aus einzelnen Wagen bestehen, kann man nach dem Baukastenprinzip manche Wagentypen ordern und andere nicht.
    Die Klasseneinteilung ist nicht naturgegeben, sie ist menschengemacht – und menschengemacht heißt im SPNV auch: vom Land subventioniert. Und da muss man einfach mal fair rechnen, ob diese Erste Klasse nicht eher ein Kostentreiber ist! Angesichts der VRR-Umsätze mit 1.-Klasse-Zuschlägen und stark verbilligter Bärentickets halte ich es für enorm unwahrscheinlich, dass hier die Subvention pro Quadratmeter gleich oder geringer ist.
    Das Land muss sich hier aber mal ehrlich machen, wenn es die Erste Klasse weiter bestellen will.

    Eine Option wäre auch, in Ausschreibungen nur noch 2.-Klasse-Plätze zu werten, das Eisenbahnunternehmen könnte die 1. Klasse eigenwirtschaftlich betreiben, bei anteiliger Beteiligung an den Trassen- und Haltepunktgebühren.
    Ein Abschaffung der Ersten Klasse im Nahverkehr kann übrigens auch die Tendenz bremsen, dass die Bahn sich mit dem Fernverkehr immer stärker aus der Fläche zurückzieht, um anschließend dieselben Züge von den Ländern als Nahverkehr bestellen zu lassen.

    Natürlich ist Mainz eine ziemliche Posse – und daher auch ein starkes Argument, das Netz vom Betrieb zu trennen, ersteres staatsnäher, letzteres staatsferner zu organisieren. Wenn das, was heute die DB Netz ist, nicht mehr zu einem Konzerngewinn beitragen muss, fließen endlich auch alle Erlöse aus Trassen- und Haltepunktgebühren in den Erhalt und Betrieb des Netzes! Außerdem erfolgt dann auch ein diskriminierungsfreier Zugang zu den Trassenkapazitäten.
    Schließlich hat man es ja auch mal geschafft, den VW-Konzern ohne das Autobahnnetz an die Börse zu bringen.
    Mainz ist aber kein Grund, jeden anderen Handlungsbedarf beiseite zu schieben. Zu den Hintergründen gehört auch, dass es im Raum Mainz Ermittlungen des Eisenbahnbundesamtes wegen eines Beinahe-Zusammenstoßes gibt, und die DB sich hier ein Stück weit rächt.

  • #32
    Oli

    So neu ist die Idee der Grünen mit dem Veggie-Day gar nicht. Siehe hier:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=412676678853985&set=a.335315766590077.1073741825.329131087208545&type=1

  • #33
    KClemens

    #31 | Jan W.

    Also ich nutze auch den Nahverkehr, und zwar in Berlin. Normalerweise fahre ich mit der S-Bahn. Da gibt es nur die 4. Klasse, für alle.

    Da die S-Bahn aber sehr labil ist und häufig ausfällt, fahre ich häufig genug ersatzweise mit Regionalbahnen im Nahverkehr. Gähnend leere Abteile in der 1. Klasse ist mal wieder so eine Behauptung, die keiner nachprüft.

    In etwa so, wie die Golfplätze, die Frau Höhn immer in Gespräch bringt, wenn es um Freistellung von EEG-Zahlungen geht. Was Frau Höhn verschweigt ist, daß die zwar alle andauernd Anträge auf Befreiung stellen, diese aber nicht positiv beschieden werden.

    Aber wie man sieht, Agitprop können schon die Kleinsten bei den Grünen. Ich weiß es nicht, aber ich vermute mal, die wollen 1. Klasse für alle zum Preis der 2. Klasse. Das sagt man aber besser nicht, sonst wäre die Idiotie dieser Idee sofort erkennbar.

  • #34
    Jan W.

    @KClemens
    Natürlich hat die Berliner S-Bahn teilweise schwerwiegende Mängel aber das Fehlen einer Ersten Klasse ist da weder Ursache noch Lösungsweg.

    Ich will nichts anderes als eine faire Rechnung, wieviel Defizit durch Regionalexpresse in der zweiten Klasse pro Quadratmeter und Strecke eingefahren werden und wie hoch das Defizit in der ersten Klasse ist. Und wenn dabei herauskommt, dass die erste Klasse Gewinne einfährt oder kostendeckend unterwegs ist oder geringere Defizite einfährt oder sogar das gleiche, dann sollen Land und Zweckverbände weiterhin eine erste Klasse bestellen. Wenn diese Quadratmeterdefizit aber deutlich höher liegen sollte, dann ist die Erste Klasse dort abzuschaffen (zunächst umdeklarieren, im Rahmen turnusmäßiger Erneuerungsarbeiten umbauen) wo diese Maßnahme dazu beitragen kann, Fahrgastzahlen und Fahrgeldeinnahmen zu erhöhen! Das gilt gerade auf den RE-Hauptstrecken (RE 1 DO-Köln und Parallellinien), auf denen die Kapazitäten einerseits knapp sind, aber andererseits auch attraktive Fernverkehrsverbindungen parallel verlaufen.

  • #35
    KClemens

    #34 | Jan W.

    Mit Verlaub, Sie verschwurbeln das Thema.

    Mir ging es in meinem Ausgangspost darum, aufzuzeigen, daß wenn die Grüne Jugend etwas fordert, das ein paar Jahre später nicht nur im Wahlprogramm auftaucht, sondern auch wie das absolute Rauchverbot in NRW Topthema bei den Koalitionsverhandlungen sein wird.

    Und was wird passieren, bei solchen Koalitionsverhandlungen. Man wird den Grünen ihr Spielzeug geben, damit man seine Ruhe hat, und regieren kann.

    Wer wird denn schon wegen ein paar Rauchern oder Fleischessern seine mögliche Regierungsgewalt aufs Spiel setzen?

    Das haben weder Schröder noch Frau Kraft getan, und Herr Steinbrück wird es auch nicht tun, sollte er in der gleichen Situation sein.

  • #36
    Bernd

    @ Karsten:

    > 1. In vielen Kantinen wurde über die letzten Jahrzehnte (teilweise noch heute) kein einziges vegetarisches Gericht angeboten, oder gar vegan.<

    Was vor 20 Jahren war ist für heute recht uninteressant, oder?

    Und, wo arbeitest Du? 😉

    Ich konnte vor 20 Jahren schon in der Kantine ein vegetarisches Gericht bestellen. Mittlerweile ist es da Standard, evtl. auch weil ja auch Nicht-Vegetarier gerne mal fleischlos essen.

    Ich sag mal so: Da wo es angenommen wird, gibt es auch was vegetarisches.

    Veggie-Essen ist kein Menschenrecht 😉
    Gibt es nur 1 Veggie/Veganer unter 1000 Angestellten, dann muss er sich halt was einfallen lassen. Immerhin ist das eine freiwillige Entscheidung, Menschen mit Allergien können hingegen z.B. nichts dafür und müssen oft auch schauen, wie sie es regeln.

    Das heißt, dass es faktisch ein Essensverbot für Menschen gab oder teilweise noch gibt, die kein Fleisch essen wollen! Als Veganer*in hat man heute noch sehr große Schwierigkeiten, muss ständig nachfragen, was wo drin ist oder muss einfach hungern.Also von einer Einschränkung von Fleischfresser*innen zu sprechen, wenn es an einem Tag kein Fleisch gibt, ist echt lächerlich!Was ist also schlimmer: Mahlzeiten die alle Menschen essen können oder Mahlzeiten, die nur ein Teil der Menschen isst? Ansonsten: Gegen Hunger wirken Wirtschaftswachstum und moderne Agrartechnik am besten. Wer global auf Bio-Landwirtschaft setzt, riskiert das Leben von Millionen Menschen. Als Schickeria Essen ist es ok, die Menschheit kann es nicht ernähren.Selbst, wenn die Grünen (oder wir Grüne, wenn du willst) ein Fleischverbot für einen Tag in der Woche fordern würden, dann wäre das ein kleiner Akt der Befreiung für Menschen in Entwicklungsländern von unserer Diktatur.<

    Geh mir weg mit Deiner veganen Pampe … im Ernst, lass mich mit Deiner gutgemeinten Diktatur in Ruhe. Böse Dinge fangen oft mit guten Vorzeichen an.
    Du hast eh die Demokratie nicht verstanden. Wie gesagt, gib den Gutmenschen Macht und sie sind nicht besser als die anderen.

    @ mo
    < Warum wird immer versucht Fleischersatz fuer Vegetarier zu basteln?
    Vegetarische Hamburger, vegetarisches Geschnetzeltes, vegetarische Currywurst, yadda yadda yadda. Warum erstellt man nicht vegetarische Produkte und macht daraus etwas voellig eigenstaendiges, sondern haengt sich an den Erfolg alt hergebrachter Fleischprodukte mit Gemuesebratlingen oder Tofuirgendwas? Die Bratling Burger sind wirklich wirklich gut. Aber es sind halt keine Burger. Es ist etwas anderes. Warum verkauft man es nicht so sondern macht daraus einen vegetarischen oder sogar veganen Hamburger? Ich glaube wenn man aus diesen “Fleischersatzprodukte” anstaendige eigenstaendige Gerichte machen wuerde, koennte man nach einiger Zeit eine viel groessere Menge der Allesfresser erreichen als wenn man die Fleischfresser Produkte fuer Vegetarier abaendert.Der Veggie-Day sollte eigentlich mal fleischfreie Gerichte in den Vordergrund rücken, und die Situation, dass dem Vegetarier auf Nachfrage irgendwie noch ein Salat organisiert wird, an einem Tag der Woche mal umkehren, dass dem Fleischesser am Veggie-Day neben vegetarischer Vielfalt das Einheitsfleischgericht angeboten wird.Wenn euch die Partei und ihr Programm auf die Eier gehen, wählt sie einfach nicht. Ganz einfach. Und jetzt hab ich schon wieder viel zu viel Zeit auf diesen Rotz hier verschwendet.Ich jedenfalls freu mich schon auf das Spektakel, wenn sich die zukünftig ach so unterdrückte Mehrheit in waschechter Anarchie aus dem Dunkel ihrer Kaninchenfutterversorgungströge erhebt, um mit erhobenem Tofuwurstpieker der Repression des Staates trotzend in flächendeckender Rebellion zu den güldenen Bögen der letzten Bastion einer freien Welt zu pilgern…Der Artikel bringt es auf den Punkt: Es ist “Zwang aus ideologischen Gründen”. Es wird mit dem Zeigefinger auf die Leute gezeigt, die beim Discounter einkaufen gehen, obwohl keiner der Bio-, Natur- und Selbstkoch- Fetischisten andere preiswerte, zeitschonende Möglichkeiten darstellen kann, wie ein Mensch, der am Tag 10- 12 Stunden für seine Arbeit unterwegs ist und normal verdient, sich eine so hochwertige Kost zeit- und geldmäßig leisten kann, wie sich diese Fetischisten das vorstellen.<

    Die Grünen sind eben auch eine Partei der Besserverdienenden.

    Schön die Globuli schlucken, zum HP rennen, Bio-Fleisch essen oder gar sauteure vegane Schokolade. Man kann es sich ja leisten

  • #37
    Nansy

    Die Idee der Zwangsmissionierung scheint sich schnell zu verbreiten – nur sind es diesmal nicht die deutschen „Grünen“, sondern die mit Hilfe der Rechtspopulisten gebildete norwegische Regierung: norwegische Soldaten müssen an einem „Meatless Monday“ in der Woche zukünftig auf Fleisch verzichten: http://www.heise.de/tp/blogs/8/155355

    Ob Grüne und Rechtspopulisten wohl ähnliche Grundlagen haben? 😉

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