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Frühling 2013: Küssen ist das neue Rauchen

Er ist da – der Frühling 2013. Und wir alle sollten unseren Beitrag dazu leisten, dass er als „Frühling der Rücksicht“ in die Geschichte eingeht. Und deshalb sollten sich alle beim Küssen zurückhalten. Zumindest in der Öffentlichkeit- den Schluss sollte man ziehen, wenn man sich die Problematik des öffentlichen Küssens vor Augen führt, die uns allen von  einer Autorin des Blogs Mädchenmannschaft in einem wegweisenden Beitrag, näher gebracht wird:

Selbst, wenn in der konkreten Situation vielleicht keine konkrete Gefährdung, aktive Ausgrenzung oder exotisiertende Kommentierung befürchtet wird – aber Diskriminierung ist mehr als verbale oder physische Gewalt. Mit meiner Hetero- und Paarperformance nehme ich anderen Ausdrucksformen und Beziehungsweisen den Raum. Auch wenn ich das gar nicht will. Auch, wenn ich “alternative” Beziehungsformen gut finde oder gar lebe, ich mich selbst gar nicht als hetero verorte, Paarsein mir doch gar nicht so wichtig ist und_oder ich mich  gegen Homophobie und Heterosexismus engagiere. Und auch, wenn ich das nicht hören will.

Also – denkt immer an den Dreiklang des Frühlings der Rücksicht 2013:  Nicht nur keine Kippen und keine Kotlettes – auch keine Küsse!!!

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52 Kommentare zu “Frühling 2013: Küssen ist das neue Rauchen

  • #1
    Eva

    Ich empfehle denen, die sich vom Anblick eines sich küssenden Pärchens gestört fühlen, die Auswanderung in einen islamistischen Staat. Dort steht das Küssen in der Öffentlichkeit unter Strafe.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Eva: Auch der Vatikanstaat könnte eine entspannendes Reiseziel sein 🙂

  • #3
    Peter

    Schon Sommerloch? (sic!) Was soll diese hochgequirlte Story??? Just kiss eachother … egal welches Geschlecht Du magst. Es schadet Niemandem.

  • #4
    okay

    Herr Laurin hat leider etwas kurzatmig zitiert. Hätte er es richtig gemacht, hätte man die Intention der Autorin vielleicht verstehen können. So ist es wieder das alte Grünen-Bashing geworden.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @okay: Grünen-Bashing? Soweit ich weiß ist die Autorin nicht Mitglied der Grünen. Aber stimmt, ich habe den Überbau nicht zitiert. Ohne den versteht man ja den Text nicht. Sorry…

    Im folgenden Text wird viel von Hetero-Pärchen die Rede sein. Paar heißt in diesem Fall: zwei Menschen, die in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten mit einander austauschen. Es geht um Menschen, die in der Regel jeweils als weiblich und männlich gelesen werden und sich selbst auch so verorten, und von denen widerum vor allem um jene, die keine Sanktionen und kein Othering erfahren, wenn sie sich außerhalb des eigenen Privatbereichs als Paar zeigen. Dass diese Menschen individuelle Geschichten haben können, in denen (nicht nur gegendertes, sondern z.B auch rassifiziertes) Gelesenwerden, Passing und Selbstverortung keine unhinterfragten Selbstverständlichkeiten darstellen, bleibt bei einer solchen Einordnung schwierigerweise außen vor.

  • #6
    Peter

    @ OKAY: hatte mich auch gewundert, was in den Artikel hineininterpretiert wurde 😉 Auch wenn sie eine Journalisten-Seite betreibt, sollten wir Ihnen Fehler zugestehen. Sind ja Menschen … und noch keine Roboter der Regierung … hoffe ich doch sehr 😉

  • #7
  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Peter: Da muss ich sie enttäuschen: Die meisten von uns wurden von Heckler und Koch hergestellt, ein paar auch von Siemens. Wir sind Teil eines groen Automatisierungsprogramms und noch im Testlauf: Ab und an geht was daneben 🙂

  • #9
    okay

    Ich sehe ein, ich verkürze in meinem Kommtar auch. Konkret geht es mir um den konsturierten „Frühling der Rücksicht“, die Kippen und Kotlettes. Und den meiner Meinung nach nicht existierenden Zusammenhang mit besagtem Beitrag.

  • #10
  • #11
  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Okay: Das hat mit den „K“ un Küssen zu tun. Hätte sie was über Händchenhalten geschrieben, hätte ich Hasch und Hühnern genommen. Und klar: Der Betroffenheits- und Rücksichtskult ist ein wichtiges Thema, da aus ihm autoritäre Regeln abgeleitet werden. Wetten, dass es bald die ersten Clubs und Partys gibt, bei deren Besuch Gäste freundlich gebeten werden, öffentliches Küssen aus Rücksicht zu unterlassen? Anstatt für mehr Freiräume zu kämpfen sollen Freiräume zurückgenommen werden.

  • #13
    Thorsten Stumm

    Also wenn ich das bei Freud richtig verstanden habe, spricht aus dem Artikel der Mädchenmannschaft eine tiefe, sexuelle Frustration…. 🙂

  • #14
    Müller

    Diesen Bullshit sowie die entsprechenden Termini sind mir leider schon aus zu vielen Uni Soziologie Seminaren bekannt. Glücklicherweise interessiert sich außerhalb eines gewissen Kreises niemand für solche Aussagen.

  • #15
    Arnold Voß

    Max Raabe hat zu diesem Thema eigentlich alles gesagt oder besser gesungen:

  • #16
    KClemens

    Mit meiner Hetero- und Paarperformance nehme ich anderen Ausdrucksformen und Beziehungsweisen den Raum. Auch wenn ich das gar nicht will.
    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

    WOW! Und ich dachte, schon der Hashtag-Girlie-Femen-Shitstorm zum Obama’schen Kompliment der „bestaussehenden Generalstaatsanwältin“ und die Dramatik der fehlenden Unisexklos in Berlin-Krezuberg kann nicht mehr getoppt werden.

    Was machen wir mit schwangeren Frauen? Verstecken wir die ab dem Moment, wo das Babybäuchlein sichtbar im Haus?

    Was machen wir mit all denen, die nicht aussehen wie die Topmodels (m/w) verbannen wir die auch hinter Häusermauern, damit sich all jene, die nicht so klasse aussehen, nicht mehr „diskriminiert“ werden?

    So langsam komme ich zu der Überzeugung, daß der Moralwüterich Savanarola ein echt sympathischer Zeitgenosse war.

  • #17
    Frank

    Bemitleidenswert, was manche Töchter der „Make Love not War“ – Generation aus dem Erbe ihrer Eltern machen.

    Die Lösung für das Problem: Wer beim Anblick eines sich küssenden Paares in Depressionen oder Neid versinkt: Nicht hinsehen!

  • #18
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Frank: In ein paar Jahren wechselt die intellektuelle Mode und dann ist denen das alles sehr peinlich 🙂

  • #19
    KClemens

    @Stefan Laurin #12

    Das gibt es schon in Innsbruck.

    Hier die Links dazu:

    http://www.sueddeutsche.de/leben/kussverbot-in-innsbruck-ein-kuss-ist-keine-harmlose-sache-1.1638723

    Man beachte u.a. die deutsche Sexualexpertin Frau Ebberfeld.

    „Ein Kuss ist keine harmlose Sache“, sagt Ingelore Ebberfeld, „er steht vielmehr als Geste für das, was noch kommen kann.“
    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

    Und ein Händedruck, ist ebenfalls keine harmlose Sache, er steht vielmehr als Geste für das, was noch kommen kann.

    So langsam frage ich mich, ob alle am Durchdrehen sind. So kann das Warhol mit den 15 Minuten Berühmtheit doch wohl nicht gemeint haben.

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @KClemens: Es ist eine Zeit in der Puritanismus und autoritäres Denken individuelle Freiheit beschränken. Das, wofür Generationen gekämpft haben, wird gerade unter großem Jubel aufgegeben. All die Verbote die wir gerade erleben gab es in der Geschichte schon mehrmals – das ist alles nicht neu. Klar ist aber auch: Irgendwann kam wieder eine andere Zeit. Volkserzieher, unter welcher verlogenen Maske sie auch auftreten, werden irgendwann scheitern. Das blöde ist, das ich nicht weiß wann sie scheitern und ob ich noch etwas davon habe. Aber meinen Teil zum Scheitern werde ich gerne beitragen 🙂

  • #21
    Georg Kontekakis

    Die sind völlig behämmert. Ich knutsch – wenn ich und sie will. Und wenn die Gender-Muschi da was gegen hat, kann sie mir den Buckel runterrutschen.

  • #22
    Oxnard Montalvo

    Auch wenn ich große Probleme mit dem ganzen Genderkram habe: Dieses reflexhafte Altherren-wirdmanwohlnochsagendürfen-Gefeixe hier ist widerlich. Die Mädchenmannschaft hat im Gegensatz dazu immerhin noch aufklärerischen Anspruch an sich selbst. Auch wenn der Ansatz in diesem Fall unsympathisch und – vor allem – nicht zielführend ist. Aber, meine Herren: Etwas mehr Stil stände Ihnen ganz gut. Sähe weniger nach geiferndem Maul und Senfflecken auf Feinripp aus.

  • #23
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Oxnard:Narzissmus ist also die neu Aufklärung? Steile These…

  • #24
    Frank

    @Stefan #18
    Das hoffe ich. Vielleicht ist es ihnen auch schon peinlich, wenn sie das erste mal glücklich verliebt sind.

    @Stefan #20
    Angriff von 2 Seiten: Vom Markt strömen die Oligarchen, aus der Humbu… Humboldt-Uni die Soziologinnen. Beide mit neo-autoritären Gesinnungen zum eigenen Vorteil (bei Gender: Ein Feindbild zur Kompensation, Forschungsgelder, Jobs, eine selbstreferenzielle Szene).

    @KClemens
    Danke für den Link. Ich habe das vor 20 Jahren mit meiner damaligen Freundin mal in der Nähe eines Bauernhofes vor den Toren Wiens erlebt. Der Bauer sah uns und drohte uns vom Tor aus mit der Mistgabel. Ich hielt das damals für ländliche Rückständigkeit. Im Nachhinein muss ich ihn dann als Avantgarde betrachten.

    Die Angriffe auf Obama können wir doch unter „Neid“ ad acta legen, da wurden mal wieder Befindlichkeiten sozialisiert. Vielleicht jubeln da einige Feministinnen aber auch nur ihren verkappten Rassismus unter die Medien.

  • #25
    Arnold Voß

    Das ganze ist nichts anderes als umgekehrter Sexismus. Nachdem Sex mittlerweile überall ist, soll er in Zukunft nirgendwo mehr sein, außer im Schlafzimmer.

    Wird aber nicht klappen. Selbst bei den strengen Musliminnen ist damit auf Dauer keinen Blumentopf mehr zu ernten. Das System sprengt sich von innen. Stück für Stück. Egal was alle Moralapostel und Genderfetischisten dazu sagen. Unsere Körper lassen sich auf Dauer nicht unterdrücken.

    Deswegen hat Entkörperlichung bislang noch nie ohne Perversion und Doppelmoral funktioniert. Die Verbannung von Sex aus dem öffentlichen Raum ist dabei der erste große und systematische Einstieg in die Doppelmoral, wie man an all den Ländern studieren kann, in denen das die Regel ist.

    Es ist dabei vor allem der weibliche Körper der weggesperrt und – wenn das nicht möglich ist – in der Öffentlichkeit möglichst komplett verhüllt wird, um ihn dann privat umso besser ausbeuten zu können. Deswegen ist den Anfängen zu wehren, egal aus welcher Ecke sie kommen.

  • #26
    Nansy

    @Arnold Voß:

    Aber ja, es ist eine Zeit in der Puritanismus und autoritäres Denken wieder hochkommen (wie Stefan es schon gesagt hat). Moralapostel segeln mal wieder unter falscher Flagge durch das Gender-Meer und berufen sich auf die Propheten des neuen kleinbürgerlichen Miefs.
    Prostitution steht wieder auf der Liste der zu bekämpfenden Übel – diesmal mit an die Zeit angepassten neuen Begründungen.
    Den Strafbestand Sex mit Tieren hat man in den siebziger Jahren reformiert und straffrei gestellt – jetzt geht es mit anderen Begründungen wieder rückwärts…
    Einigen wäre es lieb, wenn das kurszfristige „Zusammensein“ der Geschlechter wie in Schweden vor dem Akt vertraglich geregelt würde..
    Die Anhänger dieser Bewegung sind durch und durch „bürgerlich“ und zum Teil auch „kleinbürgerlich“.

  • Pingback: Frühling 2013: Zur “Knutschverbot-Debatte”

  • #28
    KClemens

    @ #22 | Oxnard Montalvo

    Nicht jeder, der sich über so etwas mokiert ist ein „Altherr“.

    Es gibt auch „Altdamen“, so wie mich und „Jungdamen“, so wie meine erwachsene Tochter und deren Freundinnen, die bei so was nur das kalte Ko….
    bekommen.

    Aber schön zu sehen, daß der sexistische Balken im eigenen Auge nicht den Splitter im Auge des Gegenübers sieht.

  • #29
    KClemens

    @Stefan Laurin,

    die Frage ist, was machen wir dagegen. Denn immerhin handelt es sich ja lediglich um eine virtuelle Mehrheit der „veröffentlichten“ Meinung.

    Wann und wie holen wir uns unsere öffentliche Meinung und allgemeinen Menschenverstand, oder eleganter den Common Sense wieder zurück?

  • #30
    Olaf Mertens

    Ich hab keine Ahnung was „Othering“ ist, ich hab auch nix gegen sich öffentlich küssende Paare, aber es gibt Pärchen die ihre Intimitäten derart demonstrativ in der Öffentlichkeit austragen, dass ich daran nicht teilhaben will. Und wenn ich zB irgendwo mit denen in einer Warteschlange stehe, dann ist mir das unangenehm und ich finde das Argument (ich nehm das mal vorweg) „dann geh halt woanders hin“ zieht da nicht. Man muss sich beim Macdoof in der Schlange nicht gegenseitig ablecken. Ich meine ich würde die auch nicht bitten woanders hinzugehen, aber ich finde sowas im Prinzip einfach rücksichtslos. Ich will (ab einem gewissen „Intensitätsgrad“) nicht an deren Intimleben teilhaben. Kurz gesagt ich meine bestimmte Formen von Knutscherei gehören sich nicht in der Öffentlichkeit. Ob man das jetzt in so ein Soziologendeutsch packen muss und inwieweit von solchen Phänomenen Homosexuelle besonders betroffen sind weiß ich allerdings auch nicht 🙂

  • #31
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Olaf Mertens: Mich stört sowas nicht. Wenn man nicht gerade einen Bandscheibenvorfall hat, kann man sich wegdrehen 🙂

  • #32
    Olaf Mertens

    Ist schon richtig – ich ärger mich halt gelegentlich, wenn ich solcherart gezwungen werde mich wegzudrehen. Und ich mag diese „jetzt zeigen wir mal aller Welt wie sexy und geil wir sind“-Attitüde nicht. Da wird wildfremden was aufgedrängt, was eigentlich (für die meisten jedenfalls) sehr privat ist. Gut – meistens handelt es sich um recht junge Leute, denen sei es verziehen. Aber im Grunde genommen wäre doch ein Mensch, der aller Welt seine offenen Beine zeigt, damit jeder sieht was er für ein armes Schwein ist dann genauso von allen zu tolerieren, ich vermute aber dem schlägt weniger Verständnis entgegen.

  • #33
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Olaf: Auch das wäre mir gleich, ich würde wegschauen, wenn. Es mich stört. Ich lass die Leute machen und sie sollen mich machen lassen.

  • #34
    Peter Podewitz

    @Olaf Mertens
    Aber leider ist es heutzutage nur noch ein kleiner Schritt von „das stört mich“ zu „das muß verboten werden“.

  • #35
    Olaf Mertens

    @ Peter Podewitz
    Ich rede hier keinem Verbot das Wort, ich hoffe das ist deutlich geworden. Wenn ich die Autorin von der Mädchenmannschaft (hab mich eben mal durch den Text gewühlt) richtig verstehe, tut die das auch nicht, es scheint ihr in meinen Augen im Wesentlichen darum zu gehen, dass man seinen Mitmenschen ein angenehmer Zeitgenosse sein sollte. Klar – das hätte man auch in 3 Sätzen sagen können ohne diese ganzen Fremdwörter, aber seis drum. Wenn dem so ist, würde ich mich dem glatt anschließen 😉
    btw.: viel besser fand ich eigtl den Leserkommentar unter besagtem Artikel, dessen Verfasser um des politischen Kampfes Willen den Bus zu verpassen plant, weil der Mann im Rollstuhl dem auch nicht hinterherrennen kann – made my day 😀
    Grüße!

  • #36
    Wolfram Obermanns

    Hätte sich irgendjemand in diesem Stelzsprech gegen öffentliches Küssen von homosexuellen Paaren geäußert, würde ihm zu Recht Homophobie vorgehalten.
    Den Blogbeitrag als einen Ausbruch von Heterophobie zu lesen, wäre demnach legitim.

  • #37
    Peter Podewitz

    @Olaf Mertens
    Ich wollte auch gar nicht unterstellen, daß DU dergleichen verbieten willst, aber Du weißt ja, wie das ist: man quengelt über irgendwas, ein Grüner hört das und bastelt ein Verbot drumrum.

  • #38
    Helmut Junge

    @Peter Podewitz(37)
    Darum traue ich mich auch nicht, all die Ideen, die ich nach dem Lesen dieses Artikels bekam, aufzuschreiben. Einige würden sich zwar für die Grünen überhaupt nicht eignen, wie der Lösungsvorschlag, dass die die Frau in der Öffentlichkeit immer einige Schritte hinter dem Mann gehen sollte, aber damit wäre das Problem eigentlich behoben. Dabei wären homosexuelle Paare sogar einmal im Vorteil.
    Allerdings andere Ideen, die ich in der letzten halben Stunde entwickelt habe, könnten die Grünen durchaus interessieren und zu Verbotsideen bei ihnen führen.
    Die sage ich aber nicht, denn ich will für deren Verbotswahn nicht noch den Ideenlieferanten spielen.

  • #39
    Oxnard Montalvo

    @Stefan Laurin:

    Aufklärerisch ist es, Privilegien aufzuzeigen, die von den meisten nicht als solche begriffen werden. Bis dahin folge ich der Autorin. Der nächste Schritt muss sein, diese Privilegien als solche sichtbar zu machen, nicht sie zu verstecken. Ihr Vorschlag dient nur der Selbstvergewisserung innerhalb ihrer Subsubszene.

    Mein Kommentar bezog sich auf die Vermutung, die Autorin sei „sexuell frustriert“, den mittlerweile verschwundenen „Gender-Muschi“-Kommentar und die allgemeine wehleidige Selbstinszenierung als Opfer eines irgendwie gearteten Zeitgeistes, dem man schutzlos ausgeliefert ist. Mit Reflex und Ressentiment kann das mit der Gegenposition natürlich nichts werden.

    @KClemens:

    Das ist ein generisches Maskulinum und Schließt Sie natürlich mit ein. Ich habs ja nicht so mit gendertheoretischer Wortklauberei. Aber ich gratuliere Ihnen natürlich gern zu ihren zwei außerordentlich wohlgeratenen Altherrinnen.

  • #40
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Oxnard Montalvo: Ein aufgeklärtes Ziel wäre es zu fordern, das dieses Privileg dadurch verschwindet, das alle sich so verhalten können wenn sie wollen und nicht Verzicht zu wünschen. Das ist schlicht Puritanismus – und es ist narzisstisch, weil es nur die eigene Befindlichkeit zum Maßstab nimmt.

  • #41
    Helmut Junge

    @Frank
    „Der Bauer sah uns und drohte uns vom Tor aus mit der Mistgabel. Ich hielt das damals für ländliche Rückständigkeit. Im Nachhinein muss ich ihn dann als Avantgarde betrachten. “

    Klasse!!! Besser kann man das kulturhistorisch gar nicht einstufen.
    So schnell geht das also. Bevor der Bauer umgedacht hat, kriegt er noch Recht.

  • #42
    Arnold Voss

    @ Oxnard Montalvo

    Sich öffentlich zu küssen ist ein Recht und kein Privileg. Zumindest in einem Land in dem die Menschenrecht gelten. Es ist ein Menschenrecht sich auch öffentlich zueinander zu bekennen, sei es aus Freundschaft oder aus Liebe.

    Dazu gehört eindeutig auch die gegenseitige Berührung und zu dieser wiederum gehört auch die der Lippen. Diese gegenseitige Berührung ist sogar ein ganz besonderer Ausdruck menschlicher Zuneigung und die anderen Menschen haben sie genau deswegen zu respektieren.

    Das mag bei manchen Menschen auch ein Erdulden sein, sei es aus Prüderie, aus Frust oder weil ein solches Verhalten ihren moralischen Vorstellungen nicht entspricht, ja sie sogar anekelt. Auch behinderte Menschen ekeln manche Menschen an, aber keine käme deswegen darauf, sie aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

    Die ganz persönliche Einstellung zum Küssen in der Öffentlichkeit ist deswegen auch völlig irrelevant für diese Diskussion, denn auch hier hat der Gesetzgeber unter der Kategorie „Erregungs öffentlichen Ärgernisses“ juristische Grenzen gesetzt. In unserem Rechtsstaat gehört das öffentliche Küssen, ja auch das sogenannten Knutschen nicht dazu.

    Die Passanten sollten sich eigentlich freuen, wenn sich Menschen küssen und nicht schlagen oder sonstwie maltretieren. Wenn sie sich in den Armen halten anstatt sich aus der Distanz verbal anzugiften. Solche Menschen tun der Öffentlichkeit gut, weil sie Frieden statt Hass ausstrahlen.

    Weil sie ein gutes Vorbild für eine insgesamt immer gleichgültiger werdene soziale Welt sind. Weil sie zeigen, dass sie sich umeinander kümmern und sich gerne haben. Was wäre der öffentliche Raum für eine öder und elende Veranstaltung wenn sich in ihm Niemand mehr küssen dürfte!

  • #43
    Oxnard Montalvo

    @Arnold Voss: „Sich öffentlich zu küssen ist ein Recht und kein Privileg.“ – Ich glaube, der Dame aus dem hier besprochenen Artikel geht es darum, dass dieses Recht nicht von allen in gleicher weise genutzt werden kann und es dementsprechend ein Privileg der Mehrheit ist. Nicht, weil es gesetzlich verboten wäre, sondern weil der gesellschaftliche Druck vielerorts zu groß ist. Ansonsten stimme ich Ihnen in allen Punkten zu.

    @Stefan Laurin: „Ein aufgeklärtes Ziel wäre es zu fordern, dass die Krise in Nordkorea gelöst wird, indem ich mehr Speiseeis vezehre.“ Ziele werden doch nicht dadurch schlechter, dass der Weg absurd ist. Und den habe ich doch nun ausdrücklich kritisiert. Puritanismus ist vielleicht das falsche Wort. Es ist Selbstgeißelung zur Vergewisserung, dass man immer noch zur Avantgarde gehört, was ja traditionell ein schwerer Job ist.

  • #44
    torsten

    „Ziele werden doch nicht dadurch schlechter, dass der Weg absurd ist.“

    Honecker hat es auch nur gut gemeint. 😉

  • #45
    KClemens

    @ 35 | Olaf Mertens

    Es mag oberflächlich nicht um Verbote gehen, die eine Gruppe fordert um eine andere Gruppe entsprechend zu regulieren.

    Etwas genauer hingeschaut, geht es um Verbote, die man sich selbst auferlegen soll, damit eine andere Gruppe sich nicht benachteiligt fühlt.

    Was machen wir eigentlich in Zukunft dann mit schwangeren Frauen? Stülpen wir denen eine „topmodische Burka“ passend zu den aktuellen Sommerfarben über, oder verbannen wir sie gleich ganz ins Haus?

    Nicht, daß sich alle die, die keine Kinder bekommen können benachteiligt fühlen?

  • #46
    Olaf Mertens

    Nein, KClemens, Sie können Ihre Burka im Schrank lassen. Ich weiß auch nicht, ob es schon in die Kategorie „sich selbst Verbote auferlegen“ gehört, wenn man sich überlegt, womit man seine Mitmenschen in der Öffentlichkeit behelligt und womit nicht. Da kommt es ja auch auf den Rahmen an, oder? Ich meine, in der Disco empfinde ich das auch anders als in der Schlange an der Supermarktkasse.

  • #47
    KClemens

    Sie meinen also, mit Küssen in der Öffentlichkeit, insbesondere dann wenn Frauen und Männer sich in der Öffentlichkeit küssen, behelligt Mitmenschen in der Öffentlichkeit?

    Das ist irgendwie talibanesk und sollte nicht mit burlesk verwechselt werden.

  • #48
    Olaf Mertens

    Ich habe das schon ausgeführt, wann mich das stört, KClemens. Und ich habe gesagt dass es mich halt stört, nicht dass ich irgendwem was verbieten will. Ich habe ganz sicher nix gegen die Bekundung von Liebe und Zuneigung in der Öffentlichkeit, bin nur der Meinung, dass das sich unter Stöhnen gegenseitige Ablecken in derselben aufdringliches Verhalten ist. Das ist alles. Und die Freiheit etwas tun zu dürfen bedeutet noch lange nicht, dass das daraus resultierende Verhalten auch ein angenehmes/angemessenes ist. Sie können das meinetwegen „talibanesk“ finden, ich finde den Ausdruck in dem Zusammenhang lächerlich.

  • #49
    Helmut Junge

    @KClemens(47), @Mertens, @Laurin,
    (Stichwort: talibanesk)
    genau dahin führt die Vorstellung von @Olav Mertens, wenn sie erst einmal von der Mehrheit getragen wird. Nur, dass der es vermutlich nicht will, vielleicht sogar beleidigt ist, wenn Sie ihm das so präzise unterstellen.
    Stefan Laurin (12) hat m.E. zurecht gesagt: „Der Betroffenheits- und Rücksichtskult ist ein wichtiges Thema, da aus ihm autoritäre Regeln abgeleitet werden. …….Anstatt für mehr Freiräume zu kämpfen sollen Freiräume zurückgenommen werden.“
    Ich möchte sogar noch darüber hinausgehen und sagen, dass sich solchen „Gerechtigkeitsbefinden“ immer andere interessierte Kreise anschließen, die aus ganz anderen Erwägungungen, meist religiöser Natur, handeln, und versuchen für ihre rückständigen Ansichten Mehrheiten zu basteln.
    Im Übrigen handelt die Autorin selber nicht nach ihrer Forderung Anderen gegenüber. Sie macht das Gegenteil, indem sie durch ihre Sprache, (Soziolekt)
    nur wenigen Mitmenschen verständlich ist. Sie grenzt damit die Mehrheit der Bevölkerung aus. Das ist ihr sicher bewußt, aber sie legt offensichtlich keinen Wert darauf, sich breiteren Schichten verständlich zu machen. Das ist zwar o.k., aber es gäbe natürlich auch die Alternative , die riesige Zahl der schlechter Gebildeten an dieser Diskussion Anteil nehmen zu lassen.
    So sind sie eben, die Gutmenschen. Die Betroffenheit darf nie die eigenen Privilegien betreffen. meist geht es um Forderungen an Andere.
    Im kleinen Kreis Gleichgesinnter kann man trotzdem immer wieder punkten.

  • #50
    Harald

    Man kann übrigens auch in der öffentlichkeit Menschen ansprechen. Sollte es einem nicht gefallen, dass zwei sich in der Schlange von McDoof unter lautem Gestöhne das Gesicht ablecken. Na einfach mal auf die Schulter tippen und Fragen, ob das nun wirklich jetzt, in dieser Fettgeschwängerten Luft, Not tut. Meistens wird man da nicht sofort umgehauen.

    Redet doch wieder miteinander. Seit keine: „Ich schleich mich still und leise an der Kasse vorbei, ohne was zu sagen.“ Ein: „Darf ich mal eben durch.“ Funktioniert meistens.

    Oder mich schräg von der Seite an der Kasse angucken und nicht fragen: „Darf ich vor? Hab nur ein Teil.“ Hey Leute meistens funktioniert es.

    Und zum Artikel der Mädchenmannschaft:

    Gegen eine Norm vorgehen zu wollen, indem man sich unauffällig verhält, nichts tut, sorry ist Unfug.

    Wenn ihr gegen eine Hetero-Norm im öffentlichem Stadtbild vorgehen wollt, versammelt euch auf öffentlichen Plätzen und knutscht drauf los was das Zeug hält, damit homosexuelle und heterosexuelle Küsserei zur Normalität werden. (Mag zwar hart sein in einem Spießerstaat wie diesem, aber immer noch sinnvoller als nichts zu tun und alles nur im privaten Kämmerlein zu leben.)

    Und zum Schluss: Alle Menschen in der Öffentlichekeit nicht vor den Kopf zu stoßen ist unmöglich. Meist reicht schon ein Kleidungsstück um andere zur Weißglut zu bringen. Echt, alle zufriedenstellen, das ich nicht lache. 😉

  • #51
    Arnold Voß

    @ Helmut Junge 49#

    Die Ausschließung Anderer schon durch die Sprache trifft den Kern dieser Art von Belehrungs- und Gesinnungsdiskursen. Solche Leute haben nicht das geringste Interesse an irgendeiner Art der Aufklärung geschweige denn an einer ernst zu nehmenden Diskussion und verwechseln ihre Art der gedanklichen Abstraktion obendrein mit Intellektualität.

    Dabei hat diese Art des Wissenschaftssprech nichteinmal mehr was mit Wissenschaft zu tun, weil damit so getan wird, als sei die gelieferte Begrifflichkeit die einzig mögliche. Das aber unterschlägt, dass die Genderthesen selbst hoch u m stritten und die dazugehörige Wissenschaftscommunity in sich z e r stritten ist.

    Sprache ist hier nicht mehr Medium der Auf- sondern der Verklärung und der Gruppen- und Selbstvergewisserung. Je weniger von außen dazwischenreden, umso besser für das eigene ungestörte Selbstverständnis. Das ganze hat eine Maß an Irrealität erreicht dass einem um diese Art der Wissenschaft Angst und Bange werdern kann.

  • #52
    Helmut Junge

    @Arnold, wir sind uns wieder mal einig.
    Wenn wir die einzgen Diskursteilnehmer wären, wär alles schnell gesagt, und ich frage mich gerade, ob das langweilig würde, oder evtl. konstruktiv.

    Diese Seminarsprache, über die wir jetzt sprechen, eignet sich ausschließlich für Seminare. Dort lernt man so zu sprechen, weil das gute Noten gibt. Man zeigt, dass man dazu gehört.
    Der Nachteil ist allerdings, dass genau dies aber draußen eher negativ eingeschätzt wird. Denn wir leben in einer Welt, in der die Medien sich bemühen, einem Publikum, das kaum Fragen hat, das das Hotel, aber nicht mal das Land kennt, wohin es in den Urlaub fliegt, bestens zu gefallen.
    Die Nachrichten der Tagesschau werden in einer künstlichen „einfachen Sprache“
    berichtet, so das viele Leute das Gefühl haben, alles verstanden zu haben.
    Dieses „Draußen“ ist aber die brutale Wirklichkeit. Die ist erst recht schlimm und auch gefährlich. Das darf man nicht unterschätzen.
    Die „Geisteswissenschaften“aber, die sich in diesem elaborierten Sprachcode gefallen, haben keinen Einfluß auf solche Menschen der realen Wirklichkeit.
    Beide Gruppen nehmen sich gegenseitig gar nicht mehr wahr.
    Deshalb entstehen seit Jahrzehnten schon rein theoretische soziologische Kunstprodukte, wie die Genderthesen, die keinen Bezug zu den Erkenntnissen anderer Wissenschaftsrichtungen haben.
    Gleichzeitig beobachte ich außerhalb der Universitäten eine wissenschaftsferne Hinwendung zur Religiösität in ihren verschiedenen Erscheinungsformen.

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