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Fußball: Der FC Schalke o4 im radikalen Stimmungsumschwung

Fußball. Quelle: Wikipedia, Foto: Anton, Lizenz: cc

Wie schnelllebig das Tagesgeschäft in der Fußball-Bundesliga geworden ist, das erlebt derzeit der FC Schalke 04 auf eindrucksvolle Weise.

Vor wenigen Wochen noch als potentieller Meisterschaftskandidat und Bayernjäger Nummer Eins gefeiert, steht der Club nun, glaubt man den öffentlich geführten Diskussionen, nach vier sieglosen Ligaspielen in Serie, scheinbar vor dem Scherbenhaufen einer verfehlten Vereinspolitik.

Immer wieder erstaunlich wie schnell die Stimmung, auch die mediale, sich in die ein oder andere Richtung verändern kann, ohne das es dafür, neben den jüngsten Spielergebnissen, wirkliche Gründe zu geben scheint.

Verfolgt man die Berichterstattung der letzten Tage, dann hat der Club aus Gelsenkirchen plötzlich offenbar u.a. ein ernsthaftes Trainerproblem. Es gibt diverse Schwierigkeiten bei der Kaderplanung. Das Verhältnis zu vielen der eigenen Fans gilt als gestört. Zudem gibt es auf Schalke derzeit ein akutes Torhüterproblem. Und die Mannschaft befindet sich in einem großen Formtief, hat seit einigen Spielen, so wie auch beim gestrigen 1:1 gegen Mönchengladbach, nur noch ziemlich dürftige Leitungen auf dem Platz abgeliefert.

Also ist jetzt alles schlecht was vor einem Monat noch so gut und erfolgreich war?

Trainer Huub Stevens galt als lange totaler Glücksgriff für den Club.

Nach dem überraschenden Abgang von Ralf Rangnick formte der Holländer aus dem aufgeblähten Kader eine schlagkräftige, junge Truppe.

Er  war ‚lockerer‘, wirkte persönlich ruhiger und gereifter als noch zu früheren Zeiten, wo er allgemein als ‚Knurrer‘, Defensivfußballfan und ‚schwierig‘ eingestuft wurde.

Man lobte den zurückgekehrten Trainer allgemein für diese Veränderungen.

Nun scheint seine Zukunft im Club nach dieser Saison plötzlich zumindest zweifelhaft.

Seit einiger Zeit kursieren bereits Namen möglicher Nachfolger durch die Gazetten.

Die Laune des 59-Jährigen hat sich zuletzt deutlich spürbar verschlechtert. Bei Medienvertretern wurde schon vom Comeback des alten ‚Knurrers‘ gesprochen.

Es soll seit einiger Zeit zudem auch einige Probleme im täglichen Umgang mit der Mannschaft geben.

Erstaunlich, denn nach dem tollen Saisonstart von S04 wurde Stevens noch als kommender ‚Meistertrainer‘ gefeiert und von allen Seiten gelobt.

Lewis Holbty und Klaas Jan Huntelaar werden aktuell mit einem möglichen Vereinswechsel in Verbindung gebracht. Sportlich läuft es bei beiden auch nicht rund.

Was dafür der Grund ist, ob es nicht vielleicht auch an den anhaltenden Wechselspekulationen selber liegt, wer will das schlussendlich beurteilen?

Tatsache ist aber, dass beide Spieler derzeit kaum noch an ihre gewohnte Normalform heranreichen. Letztendlich ist natürlich auch hierfür der Trainer mitverantwortlich.

Ein möglicher Zusammenhang ist also in diesem Fall auch in den kolportierten atmosphärischen Störungen zwischen Trainer und Mannschaft zu suchen.

Merkwürdig erscheint dem Betrachter aber auch hier der schnelle Stimmungswechsel. Ich erinnere mich noch gut an die vielen zufriedenen Gesichter, als Schalke auf Platz 2 der Tabelle stand.

Und vor wenigen Wochen noch wurde der Verein genau für die angeblich inzwischen so gut ausgeprägte Harmonie in den Medien ausgiebig gelobt.

Alles plötzlich anders, nur durch vier Spiele ohne Sieg?

Die offene und heftig diskutierte Torhüterfrage ist ein weiterer Puzzlestein des derzeitigen Schalker Abwärtstrends.

Mit Lars Unnerstall, Ralf Fährmann und Timo Hildebrand hat Schalke den Luxus von gleich drei bundesligatauglichen Keepern.

Eine Konstellation die so nur wenige Teams in der Liga vorweisen können.

Doch aus dem prinzipiellen Vorteil wird in letzter Zeit eine Schwäche des Teams, denn das Trainergespann hat es bisher vermieden einem Einzigen der drei wirklich das volle Vertrauen auszusprechen.

Jeder Keeper spielte immer nur auf ‚Bewährung‘, konnte sich nie eines Stammplatzes wirklich sicher sein. Hinzu kam noch viel Verletzungspech und zuletzt Unmutsäußerungen der eigenen Fans.

Im Ergebnis hat man nun keinen einzigen der Torhüter in guter Form, mit ausreichend Selbstvertrauen, was in den nächsten Wochen noch problematisch werden könnte.

Durch Pech und Ungeschicklichkeiten ist also hier aus einer Stärke des Teams derzeit eine Schwäche geworden.

Spannend aktuell auch, dass der Verein es sich derzeit mit Teilen der eigenen Fans offenbar verscherzt hat. Strenge Regeln u.a. für das Aufhängen von Transparenten im Stadion und ähnlich ‚unnötiges‘ Streitpotential heizen die Stimmung im Umfeld der Königsblauen so zusätzlich noch mit auf.

Insgesamt somit eine reichlich verworrene Lage, in der sich der Club in den letzten Wochen gebracht hat.

Und als Außenstehender fragt man sich in diesen Tagen nur noch ‚Warum eigentlich?‘ und man ist einmal mehr erstaunt darüber wie rasch sich die Stimmung rund um ein Team von einem zum anderen Extrem innerhalb weniger Spieltage doch verändern kann.

Denn eines ist doch klar, was vor sechs Wochen noch alles scheinbar so toll war, das kann nun doch plötzlich nicht alles ganz schlecht sein.

Und was ist seit Saisonbeginn schon konkret passiert? Das Team steht derzeit auf Platz 4. Eine Platzierung die durchaus im Rahmen der vor der Saison öffentlich geäußerten Erwartungen  liegen dürfte. Die große Unruhe im Umfeld des Vereins ist also von außen nur bedingt nachzuvollziehen…

 

 

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3 Kommentare zu “Fußball: Der FC Schalke o4 im radikalen Stimmungsumschwung

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  • #2
    Henk

    @ Robin Patzwaldt: Da wundere ich mich in der Tat mit Ihnen.

    Wenn man z.B. den Sportteil der WAZ liest, bekommt man den Eindruck, der Verein stecke in einer tiefen Krise. Am Freitag oder Samstag (ich bin nicht mehr sicher, ich meine es war Samstag) und heute wurde dort sehr deutlich die Trainerfrage gestellt. Die vielen Fehler von Stevens wurden aufgelistet. Das Wort „Absturz“ fällt andauernd, was angesichts eines Tabellenabstiegs von Platz zwei auf Platz vier äußerst lächerlich wirkt. Ein sinngemäßes Zitat in der WAZ lautete: „Nur das vorzeitige Erreichen des Achtelfinals in der Champions League verhinderte die schlimmste Unruhe um den Verein“, ganz so, als sei das CL-Ergebnis zufällig und ohne Zutun von Huub Stevens erreicht worden. In der Sportschau am Samstag war die Rede davon, dass der Club es versäumt habe, mit Huntelaar rechtezitig zu verlängern – als könne Horst Heldt den Spieler zur Unterschrift zwingen.

    Für mich (Disclaimer: kein Schalker) wirkt das äußerst kampagnenhaft.

  • #3
    Walter Stach

    Als BVBer erlaube ich mir eine Anmerkung zu SO 4 und den dortigen Fans -im Sinne des Beitrages von Robin:

    Die Mannschaft von SO4 hat nach wie vor alle Chancen, auch 2o12/2o13 einen Tabellenplatz unter den ersten Drei zu erreichen. Sie ist unter den letzten 16 der Champ.liga.

    Daß man gelegentlich nach wahrgenomm schlechteren Spielern meckert -über Mannschaft,Trainer, Manager-ist selbstverständlich.Daß man dabei über Neuverpflichtungen, Weiterverpflichtungen von Spielern, über die „richtige „Mannschaftsaufstellung -sh.u.a.im Tor- diskutiert, ist genau so selbstverständlich.

    Wenn deshalb in den Medien versucht wird, Euch eine tiefe Kriese, einen Absturz usw. „aufzuquatschen“, dann ist das nicht zu ändern, da das und Ähnliches leider Alltag von Redakteuren ist, denen es nicht um den Fußball, sondern darum geht, mediale Aufmerksamkeit zu gewinnen, dokumentiert in der Höhe der Auflagen, dem Umfang der Werbung, der Quote. Und das geht offensichtlich nicht ohne das Vokabular: tiefe Krise, Absturz, krasse vereinsinterne Fehlentscheidungen usw.

    Ein Problem im Verein und für den Verein gibt es nur dann, wenn die Fans dem folgen, was ihnen“aufzuquatschen“ versucht wird.

    Es wird grundsätzlich kein Verein, auch nicht der BVB, von solchem Gequatsche verschont. (Wenn es überhaupt mediale Rücksicht bzw. medidale Vorsicht gegenüber einem Verein gibt, dann gegenüber dem FC Bayern, denn dessen Einfluß auf die „Medienmacher“ (auf die Verlage,die Chefredaktionen)scheint so gewaltig zu sein, daß die und ihre Redakteure gegenüber dem FC Bayern den „großen Rundumschlag“ scheuen.)

    Insofern sitzen wir Fans letztlich in einem gemeinsamen Boot.

    Deshalb habe ich mich gefreut, als vor ca.8 Tagen Manuel Neuer in klaren Worten auf die an „Dämlichkeit“ nicht zu überbietenden Fragen eines Fernsehreporters reagiert hat. Das wiederum hat jedoch, wie nicht anders zu erwarten, die Solidarität anderer (Fußball-) Fernsehredakteure mit ihrem Kollegen herausgefordert, also haben sie M.Neuer Dünnheutigkeit bescheinigt.
    Nee, nee, Neuer war nicht dünnheutig. Neuer war ehrlich, indem er in seinen Antworten den Blödsinn in den Fragen des Reporters als solchen deutlich gemacht hat. Und so sollten wir Fans öfter reagieren!

    Wir Fans sollten uns zudem nicht freuen, wenn Fußballredakteure, um für sich oder für das jeweilige Medium um jeden Preis Aufmerksamkeit zu schaffen , die Konkurrenz -hier für mich SO4- „nieder zu machen“ oder „runter zu schreibern“ versuchen. Die Fan- Reaktion muß eine solidarische sein -morgen können wir -z.B.beim BVB-‚ „dran sein“.Und das wäre ja längst der Fall, wenn der BVB beispielsweise das Weiterkommen in der Cham.liga verpaßt hätte;ob „knapp“ oder „mit Pech“ hätte dann niemanden in der um Aufmerksamkeit um jeden Preis kämpfenden medialen Welt interessiert.

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