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Fußballfans: ‚Wir wollen über Mitbestimmung in den Vereinen reden‘

Fußball. Quelle: Wikipedia, Foto: Anton, Lizenz: cc

Fußball. Quelle: Wikipedia, Foto: Anton, Lizenz: cc

Es geht aktuell, gelinde gesagt, arg kontrovers zu, in den Diskussionen über und mit Fußballfans. Die Negativschlagzeilen der letzten Wochen haben, nicht nur in Dortmund und Schalke, viel Porzellan zerschlagen, so scheint es.

Die jüngste Anhäufung von Spielunterbrechungen Aufgrund des Einsatzes von Pyrotechnik in diversen Stadien hat die Fußballfans im Lande in ein negatives Licht gestellt. Einigen hundert Randalierern ist es zudem gelungen hunderttausende Stadionbesucher zu verunsichern.

Zahlreiche Fanvertreter sehen Fußballfans im Lande vielfach jedoch völlig zu Unrecht kritisiert, allzu häufig lediglich einer üblen Medienkampagne ausgesetzt.

Die Organisationen ‚ ProFans‘ und ‚Unsere Kurve‘ laden nun am 18. und 19. Januar 2014 zu einem Fankongress nach Berlin ein. Dort soll die aktuelle Lage dann ausführlich diskutiert werden.

Besonders der angekündigte Punkt ‚Wie Fans den Fußball wollen‘ dürfte in Anbetracht der neu aufgeflammten Debatte um Pyrotechnik von einigem Interesse sein. Und ob der Wunsch nach mehr Mitbestimmung in den Vereinen nach den jüngsten Geschehnissen wirklich realistisch sind, das darf zumindest angezweifelt werden. Die Spielunterbrechungen der letzten Tage dürften die Kluft zwischen vielen Teams und ihren Fans wohl eher wieder vergrößert haben, wie z.B. das Choreo-Verbot in Dortmund vom Wochenende zeigt.

Die Veranstaltung, welche ursprünglich bereits Mitte Oktober erstmalig angekündigt wurde, aber z.B. durch die BVB- Fan- und Förderabteilung am heutigen Tage noch einmal eine größere Verbreitung erfahren hat, bekommt durch die Ereignisse der letzten Tage plötzlich scheinbar eine ganz neue Brisanz.

Man darf als Beobachter wirklich gespannt sein, wie sich die Organisatoren des Treffens im Januar dahingehend dann präsentieren.

Hier die Ankündigung der Veranstalter von Mitte Oktober:

„ … Die Bundesliga? Eine der besten Ligen der Welt. Eine WM ohne Deutschland? Undenkbar! Stehplätze, tausende Auswärtsfans, halbwegs bezahlbare Eintrittspreise? Ein Traum für viele Fußballfans der ganzen Welt.

Wer nur flüchtig aus dem Ausland auf die Situation in Deutschland schaut, könnte denken, die Situation für Fußballfans hierzulande ist ein kleines Paradies. Aber, stimmt das wirklich?

Wer etwas genauer hinschaut, sieht noch einen gegenläufigen Strang. Auf der anderen Seite stehen die Medienberichte über Fußballfans in den vergangenen 16 Monaten, die ein bizarres Bild zeichnen. Als Nicht-Stadionbesucher könnte man glatt denken, es sei nicht mehr sicher, ins Stadion zu gehen.

Mit einer von populistischen Polizeigewerkschaften und medialen Scharfmachern angeheizten Debatte im Rücken, dazu getrieben vom Einfluss sachunkundiger Politiker, sahen sich die Verbände und Vereine gezwungen zu reagieren. Völlig überstürzt schufen sie in blindem Aktionismus ein Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“. Ohne empirisch zu analysieren wie die Situation in den Stadien tatsächlich aussieht. Ohne diejenigen zu fragen, die an jedem Wochenende die Stadien und vor allem stimmungsreichen Kurven füllen, die keinen Blick auf die Szene werfen, sondern die Szene selbst sind: Die Fans.

Dass es keine besorgniserregende Verschlechterung der Sicherheitslage in deutschen Stadien gibt, ist sogar durch die Zahlen der Polizei belegt. Besorgniserregend ist viel mehr die Bedrohung unserer Fankultur durch die Debatten und Beschlüsse, die dieser Sicherheitsaufruhr ausgelöst hat. Es besteht also nicht die Frage, wie die Stadien (noch) sicherer gemacht werden können, sondern die Frage lautet: Wie kann ein „Fanfreundliches Stadionerlebnis“ in der Gegenwart und Zukunft ermöglicht und bewahrt werden? Im Unterschied zur Debatte um das sogenannte „Sicherheitspapier“, wollen wir es besser machen und laden im Zeichen eines aufrichtigen Dialogs erneut zu einem bundesweiten Fankongress am 18. und 19. Januar nach Berlin ein. Das Motto lautet entsprechend: „Ein Fanfreundliches Stadionerlebnis: wie Fans den Fußball wollen!“

Wir wollen über Mitbestimmung in den Vereinen reden, über Heim- und Auswärtskurven, über Möglichkeiten der Selbstregulierung bei diskriminierenden Vorfällen, über Fan- und Sozialarbeit in den Kurven, über Grundlagen bei der ehrenamtlichen Medienarbeit, über Existenz-Probleme der kleineren Vereine, über das Verhältnis zwischen Fußballfans und der Polizei und über vieles mehr. …“

Wie man beim Lesen dieser Zeilen rasch bemerkt, haben die Ereignisse und Diskussionen der letzten Tage der geplanten Veranstaltung wohl noch einmal wesentlich mehr Brisanz verliehen, als die Veranstalter das vor wenigen Tagen noch hätten erahnen können.

Man darf also wirklich gespannt sein, ob es den organisierten Fans gelingen kann bzw. wird die frisch aufgerissenen Gräben zwischen ihnen und den Vereinen in absehbarer Zeit wieder zu schließen, oder ob z.B. die frisch hochgekochten Pyrotechnikdebatten der letzten Wochen doch einen bleibenden Schaden im Verhältnis zu den Clubvertretern verursacht haben.

Der angekündigte Fankongress im Januar in Berlin bietet dazu eine prima Gelegenheit.

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14 Kommentare zu “Fußballfans: ‚Wir wollen über Mitbestimmung in den Vereinen reden‘

  • #1
  • #2
    Klaus Lohmann

    Früher hätte man den Verfassern dieser „Einladung“ empfohlen: „Schreibt doch mal ’n Buch, so mit ScienceFiction oder so, da ist alles erlaubt, da könnt ihr euch ’n ganzes Universum selber malen…“

  • #3
  • #4
    Tolleranz

    Hier liegt ein Missverständnis vor. Es geht nicht um „die Kluft zwischen vielen Teams und ihren Fans“, wie im Artikel beschrieben. In den meisten Fällen dürften Team (die Leute auf dem Rasen, ne) und Fans eher nebeneinanderher existieren oder sich sogar gut verstehen. Siehe Spieler, die nach dem Spiel in die Kurve kommen. Entweder, weil sie es als ihre Pflicht ansehen oder weil sie es gerne tun.
    Aber davon ausgehend, daß sie auf eine „Kluft“ zwischen Fans und den Vereinen aufmerksam machen wollen, muß ich auch hier wiedersprechen.
    In Deutschland (anders, als in großen Teilen der Welt) bestehen die Vereine zu einem Großteil aus den Fans. Deswegen gibt es auch Mitgliederversammlungen und nicht einen Ölmulti, der die Marschroute vorgibt.

    Es existiert allerdings tatsächlich eine Kluft. Sogar mehrere. Zum Beispiel zwischen Fans und Vereinsbossen (oft). Zwischen Fans und Liga-/Sportbundvertretern. Zwischen Fans und Polizei. Innerhalb der Fans zwischen Ultras, Hools, Normalofans, VIP-Fans, zwischen linken und rechten Fans, etc.

    Genauso herbeigeschrieben ist wohl die „Verunsicherung“ der Mehrheit der Stadionbesucher. Im Gegenteil, die meisten Stadionbesucher fühlen sich sicher, behaupte ich.
    Wie müssen sich sonst die Leute in den Neunzigern oder noch früher gefühlt haben? Als der Betzenberg brannte und so weiter? Hat man da nach den Spielen nur hysterische Stadiongänger antreffen können? Ich will diese Zeit nicht wieder haben, aber vielleicht sollte man angesichts der Zustände heute etwas die Kirche im Dorf lassen.

    @2 schon wieder Sie. Und schon wieder ein schwacher Kommentar.
    Stillhalten und konsumieren, aber bloß nicht aufmuggen, oder wie?

  • #5
    Ulf

    @4 Dass sich die „meisten Stadionbesucher sicher“ fühlen, ist keine Behauptung, sondern lässt sich leicht belegen. Wenn sie sich nicht sicher fühlten, wären die Stadien nicht so gut besucht. Und wenn ich mich auf der Dortmunder Südtribüne umsehe, finde ich heute eine ganz andere Szenerie als in den 80er-Jahren vor. Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder in die Blöcke am Rand der Süd mit. Das sind bestimmt keine Rabeneltern, die Ihrem Nachwuchs Böses wollen. Schade ist allerdings, dass die Aktion „Ich fühl mich sicher!“, mit der Fans und ihre Vertreter den Kampagnen von Scharfmachern wie Jäger, Wendt oder Teilen der Presse entgegenwirken wollten, durch einige Egoisten und geistig Minderbemittelte „erfolgreich“ torpediert wurde. Schön, dass es immer noch Fans gibt, die sich nicht entmutigen lassen, und Ihre Anliegen öffentlich zur Diskussion stellen. Ist bestimmt sinnnvoller, als Science-Fictionbücher zu schreiben (oder dumme Blogbeiträge).

  • #6
    Tolleranz

    Lassen wir lieber die Science-Fictionbücher außen vor. Sonst muß ich die auch noch verteidigen 😉

  • #7
    Klaus Lohmann

    Schön, dass solche Kommentare wie #4 und #5 meine Mutmaßung mit dem fremden Universum bestätigen. Ich behaupte dann mal, dass es 99,9999999% der Fans völlig piep ist, was so einige junge Idealisten in ihrem Gestaltungswahn für pseudopolitische Forderungen inkl. illegaler Pyrowünsche verbreiten.

    Die Trennung von klassischer Vereinsmeierei und einem geschäftsführenden Bereich in privatwirtschaftlicher Ausrichtung ist bei einigen Vereinen, z.B. dem BVB, schon vollzogen und wird für den Rest das Geschäftsmodell der Zukunft bleiben. Wer glaubt, er könne da mit dumpfen „Volksdemokratie“-Träumereien Dinge verändern, hat das Eventbusiness Profifußball immer noch nicht kapiert. Und lässt sich dann ala Dortmunder Fanabteilung vom Management immer wieder vorführen.

  • #8
    Ulf

    @6 Nicht nötig, ich habe verstanden und hoffe, Isaac Asimov und Stanisław Lem werden mir den Ausrutscher verzeihen …

  • #9
  • Pingback: Pottblog

  • #11
    b

    #7
    Was sind denn bitte illegale Wünsche? Wird ihre hier des öfteren ebenso konstruierte Vorstellung einer unfehlbaren Ordnungsgewalt nun auch noch über das Richtig oder Falsch von Gedanken entscheiden dürfen bzw. können? Auch dazu gibt es genug Fiktion, diese wird meist als Dystopie betitelt.

  • #12
  • #13
    Tolleranz

    Kenne die Fanszene in Dortmund nicht gut genug um beurteilen zu können, wen das überhaupt betrifft. Könnte mir nämlich vorstellen, daß diese Maßnahme nicht die (öffentlich kommunizierte) gewünschte Wirkung haben wird.
    Stattdessen bestraft man symbolträchtig die Ultragruppierungen.
    Meine Haltung dürfte aus den anderen Kommentaren ersichtlich sein, bei der Beurteilung der heutigen Entscheidung muss allerdings berücksichtigt werden, daß der Verein sicherlich unter Zugzwang steht. Schuldige müssen präsentiert und bestraft werden. Da man der „Täter“ nicht habhaft wird, wird kollektiv zumindest ein Teil derer bestraft, die die „Täter“ decken.
    Damit muss man als organisierter Fan rechnen.

  • #14
    Ulf

    Den Druck, der bisher vorwiegend auf den Fans lastete, bekommen zunehmend die Vereine zu spüren. Diesmal sind es die Dortmunder, gestern waren es die Dresdener und vorgestern waren es die Kölner. Immer sind es nur wenige ihrer Fans, aber das beeinflusst die öffentliche Meinung kaum. Welchen Spielraum haben die Vereine? Der BVB wäre klug gewesen, erst nach Abschluss der Ermittlungen und eventuellen Verurteilungen zu reagieren. Aber bis dahin wäre viel Zeit verflossen, und der Verein hätte sich ständig wegen seiner Passivität rechtfertigen müssen. Da ist es doch einfacher, schnell und vermeintlich hart zu reagieren. Ob das gerecht oder ungerecht ist, spielt zurzeit überhaupt keine Rolle.

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