13

FZW: Offener Brief der freien Mitarbeiter des FZW an den Dortmunder Rat

Nirgendwo im Ruhrgebiet finden so viele wichtige Konzerte statt wie im FZW. Die Stadt Dortmund ist dabei das FZW zu ruinieren.  Wissen die Verantwortlichen nicht was sie tun? Ist es ihnen egal? Wahrscheinlich beides. Wenn es so weiter geht wie mit UZDO und FZW ist Dortmund bald eine tote Stadt. Wir dokumentieren einen offenen Brief der FZW Mitarbeiter an den Dortmunder Rat:

Sehr geehrte Damen und Herren,

sämtliche freien MitarbeiterInnen des FZW haben sich auf nachfolgendes Statement verständigt, das wir an die Ratsmitglieder der Stadt Dortmund, die im Rat vertretenen politischen Fraktionen und die politische Verwaltungsspitze versenden. Gleichzeitig erfolgt ein Versand an die lokal, regional und überregionalen Medienpartner aus den Bereichen Print, Funk und TV. Leider hat sich die anhaltend ungewisse Zukunft und die zermürbende Diskussion über die Betreiberstruktur des FZW zu zahlreichen existenziell bedrohlichen Zuständen innerhalb der Mitarbeiter geführt.

Mit großem Entsetzen und Erstaunen haben wir die öffentliche Debatte rund um das FZW verfolgt.  42 Jahre Clubgeschichte neigen sich einem dramatischen Ende entgegen und dies auf eine Art und Weise, die  den Mitarbeitern die Zornesröte ins Gesicht treibt.  Eine öffentliche Kampagne gefüttert mit falschen Zahlenwerk und „Halbwahrheiten“ diskreditierten die Akteure und brachten das FZW  immer wieder auf das öffentliche Pressetablett.

Die freien Mitarbeiter des FZW sind vor allem über den plötzlich formulierten Anspruch der „Wirtschaftlichkeit“ sehr verwundert. Bis vor kurzem war nie davon die Rede, dass das FZW Gewinne erzielen solle. Die langjährige Praxis hat sich eher an anderen Zielen orientiert. Und wenn schon „Wirtschaftlichkeit“ gefordert wird, so sollte es den Damen und Herren, die dies fordern, auch klar sein, dass dies eine tragfähige Unternehmensstruktur voraussetzt.

Das FZW wurde am 11.09.2009 auf „Anordnung“ des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Gerhard Langemeyer eröffnet, ohne eine rechtlich abgesicherte Betreibergesellschaft zu haben. Mit immer wieder neuen Zwischenlösungen wurde so lange herumgewerkelt, bis die Akteure diskreditiert waren, die Motivation der Mitarbeiter zerstört  war und keiner der Verantwortlichen mehr etwas von den ursprünglich formulierten Zielen wissen wollte.

Umso erstaunlicher ist es, dass trotz des verwaltungstechnischen Chaos das FZW sich bei den Musikern und Agenturen bundesweit den Ruf als bester Live-Club innerhalb eines Jahres erkämpft hat. Hierfür ist ausschließlich privates Engagement, Herzblut und der Wille etwas zu bewegen, verantwortlich.  Diese positive Steilvorlage in Sachen Akzeptanz wurde von der Politik leider bislang weder beachtet, gewürdigt oder honoriert.

Durch Untätigkeit, mangelnde Entschlossenheit und Unvermögen nahm das Chaos seinen Lauf. Hätte man für eine von Anfang an geforderte Unternehmensstruktur gesorgt, hätte das FZW rund 1,2 Millionen Euro an Nettoerlösen vereinnahmen können. Dieser Betrag dürfte den Umsätzen der Gastronomie und des Veranstaltungsgeschäftes für die ersten zwölf Monate gerecht werden.

Kaum zu glauben, dass ein Millionenprojekt wie das FZW ohne klare Vision einer Firmenstruktur eröffnet wurde! Noch peinlicher ist es, dass die Menschen, die den Betrieb ermöglicht und aufrecht erhalten haben, zum 31.12.2010 ihren Job verlieren und existenziell bedroht sind. Die vorläufige „Krönung“ bleibt, dass bis heute noch keine verantwortliche Person zu den freien Mitarbeitern gesprochen hat. Erwartet man von uns, das wir „Danke Dortmund“ sagen und uns anschließend freudig ins Grab legen?

Zur Erfolgsstory des FZW gehört sicherlich auch das den Jugendlichen gewidmete Programm. Wie nie zuvor strömen junge Menschen ins FZW. Im ersten Jahr wurden über 130.000 Zuschauer im FZW gezählt und den örtlichen Veranstaltern wurde eine Plattform gegeben, die rege genutzt wurde. Das Programmangebot wurde durch privatwirtschaftliches Engagement stark bereichert. Auch die Dortmunder Veranstalter profitierten von der Neuausrichtung einer ganzheitlichen Programmsteuerung. Nach jahrelanger Abstinenz konnten die Dortmunder Veranstalter der Visions, Continental Concerts, Nagado Entertainment, RockHard, Keuchel Events, Firestarter Promotion Jaeckel Entertainment wieder für das FZW begeistert werden. Mit Hilfe der NRW-Veranstalter wie z.B. Prime Entertainment aus Köln, Concert Team aus Düsseldort, Headline Concerts aus Bonn, Contra Promotion aus Bochum, Kingstar Promotion aus Münster, Schoneberg Konzertbüro aus Köln und Münster wurde ein erstklassiges Programm angeboten und Dortmund so wieder auf den Tourplan national und international renommierter Acts gehievt.  Das hauseigene Booking setzte zusätzliche Schwerpunkte, die in enger Abstimmung mit jugendrelevanten Kulturveranstaltungen erfolgte. Nicht zu verschweigen sind auch die Jugendkulturveranstaltungen Rockstage und Lauscher.

Nun muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, dass die von städtischer Seite kommunizierten Mehrkosten des FZW im Vergleich zum Standort am Neuen Graben per anno rund 160.000 Euro betragen. Es fällt schwer zu glauben, dass bei einem Milliardenhaushalt der Stadt Dortmund die Summe von 160.000 Euro  die in letzter Zeit schwer zu ertragenden, politischen Verrenkungen rechtfertigt.

Wenn ein  Projekt aus der öffentlichen, städtischen Fürsorge in eine privatwirtschaftliche Führung übergeben wird, dann sollte man auch von einer gewissen Ernsthaftigkeit und Notwendigkeit ausgehen. Angesichts der Historie des FZW erübrigt sich die Notwendigkeit für eine solche Umstrukturierung. Deren Ernsthaftigkeit darf ebenfalls angezweifelt werden. Was ist das für ein Geschäft, wenn ein privatwirtschaftlicher Betreiber eine Veranstaltungsstätte durch verklausuliertes Gegenrechnen zum Nulltarif erhält, die Stadt diese aber weiterhin mitfinanziert und der Etat für Jugendkulturveranstaltungen im sechsstelligen Bereich gekürzt wird?

Leider bleibt nur ein Fazit: Hochkultur von Theater, Schauspiel und Konzerthaus kann in Dortmund auch in finanzschwacher Zeit weiter bezuschusst werden – und zwar in Millionenhöhe! Pop- und Jugendkultur sowie Engagement für die freie Jugendszene werden dagegen weggespart. „42  Jahre FZW – Ade“, das tut weh und beschert sicher  keine tollen Aussichten für das junge Dortmund und den Kreativstandort, für den das Dortmunder U stehen sollte! Das FZW sollte immer integraler Bestandteil der Kreativwirtschaft rund um das Dortmunder U sein. Eine Umsetzung dieser Idee erfordert Mut, Beharrlichkeit und eine klare Vision. Leider sind dies Tugenden, die man zur Zeit vergebens bei der verantwortlichen, politischen Spitze sucht.

Wir fordern hiermit die Fraktionen des Rates der Stadt Dortmund und auch den Rat selber auf, der Wertigkeit einer solchen Institution, die das FZW darstellt, und deren Geschichte und Entwicklung endlich Rechnung zu tragen und es dem zuzuführen, was ursprünglich von der Stadt geplant gewesen ist: Ein jugendkulturelles Zentrum mit einem vielschichtigen, szenerelevanten Programm, das regionale und überregionale Wirkung hat und der Historie der Institution FZW Rechnung trägt.

Wir fordern den Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Ullrich Sierau, auf, sein Wahlversprechen einzulösen, dass er kurz vor der Wahl gegeben hat, und dass FZW nicht zu privatisieren.

Wir fordern das Jugendamt der Stadt Dortmund auf, richtige und verhältnismäßige Verantwortung für das zu übernehmen, was es 42 Jahre lang aufgebaut und installiert hat.

Wir fordern alle Kreativen und Kulturinteressierten auf, nicht wort- und tatenlos zuzusehen, wie eine solche kulturelle und kreative Institution, wie das FZW es jahrzehntelang war, binnen Wochen kaputt gemacht wird.

Die freien MitarbeiterInnen des FZW

Klar ist: Wenn es um das Konzerthaus oder den U-Turm geht, sitzt die Kohle in Dortmund locker. Geht es um Off-Kultur zeigt die Stadt ihr biederes und wahres Gesicht.  Im kommenden Jahr werden wir hier wohl noch häufiger als bislang auf Konzerte in Köln oder Düsseldorf hinweisen.

RuhrBarone-Logo

13 Kommentare zu “FZW: Offener Brief der freien Mitarbeiter des FZW an den Dortmunder Rat

  • #1
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Wahrscheinlich sind unter den Mitarbeitern des FZW zu wenige mit SPD Parteibuch. Da fällt den Genossen die Privatisierung leicht. Und die CDU kann mit dem Programm des FZW eh nichts anfangen und setzt lieber darauf der eigenen Klientel das Freizeitvergnügen durch den Steuerzahler mit Unsummen finanzieren zu lassen. Wirtschaftlichkeit und Konzerthäuser sind ein sehr schönes Thema. Aber – hups – das darf man ja nicht gegeneinander ausspielen. Das ist ja böse.
    Dortmund und Off-Kultur – da gilt: „Was der Herr getrennt hat, soll der Mensch nicht fügen.“

  • #2
    Bürokratenfeind

    „Wir hassen das Leben nach Zwergenart, jung woll wir sein und frei“. Gilt das auch für Dortmund?

  • #3
    Dortmunder

    @1:
    Ihre Kritik an SPD und CDU greift leider zu kurz, Herr Laurin.
    Die Verantwortung für die jetzige Situation trägt einzig und allein die GRÜNE Jugendezernentin, in deren Zuständigkeitsbereich das FZW fällt und die sich scheinbar in keinster Weise für die finanzielle, organisatorische, personelle und rechtliche Schieflage des Hauses interessiert hat.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dortmunder: Wenn dem so sein sollte, sollte die Dezernentin nicht wiergewählt werden. Das FZW, die Mitarbeitern und Besuchern dafür büßen zu lassen ist eine billige Lösung. Sie schadet der Stadt und dem ganzen Ruhrgebiet.

  • Pingback: zoom » Umleitung: Rente 67, Eingottglaube, FZW Dortmund, Idiotentest und Köln, Gegen den Strom in Hagen und Feuer in Brilon. «

  • Pingback: Links anne Ruhr (18.11.2010) » Pottblog

  • #7
    bodo

    @Dortmunder:
    Es ist zwar im Moment in Dortmund schick, Jahrzehnte alten Ämterfilz, Inkompetenz und Selbstüberschätzung zwei zugereisten grünen Dezernenten in die Schuhe zu schieben – richtig wird es dadurch nicht.
    Die Entscheidung, einen popkulturellen Leuchtturm neben dem U zu installieren, das Ding von einem Investor bauen zu lassen und ruinös zurückzumieten, ist eine Langemeyer-Idee.
    Ein dysfunktionales Gebäude abzunehmen, das teuer akustisch nachgerüstet werden musste, geschah mit der gleichen Naivität, mit der seitdem im FZW Ausgaben getätigt werden. Das geschieht von Anfang an unter der Regie des Jugendamtes mit Deckung der ewigen Mehrheitsfraktion und lässt sich schön an den verschiedenen Deals mit der AWO illustrieren (von Gastro bis Facility Blah), die anderswo Korruption hießen.
    Das alte, kleine FZW mit Booking durch einen engagierten Verein und einer überschaubaren Finanzierung aus dem Jugendhilfe-Etat hat so funktioniert.
    Das neue tut es nicht.
    Ich denke, das hat die Dezernentin auch irgendwann mitgeteilt bekommen. Vielleicht hat sie es auch politisch zu verantworten, wenn SPD-Führung und Jugendamtsleitung den Kopf aus der Schlinge ziehen. Angerichtet hat sie es nicht.

  • #8
    Achim

    Was mit den neuen Betreibern wohl blüht, haben diese in einem Interview bereits angekündigt: Mehr Comedy. Damit ginge das FZW den Weg so einiger Veranstaltungsorte im Ruhrgebiet (etwa dem Hundertmeister), seinen guten Ruf würde es kaum halten können.

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    Die Lehre kann eigentlich nur sein: Politiker sind im Ruhrgebiet keine Ansprechpartner. Für nichts. Und wenn man erfolgreich war und sie einen vereinnahmen wollen, sollten man ihnen sagen: Fuck You!

  • #10
    freie Mitarbeiterin

    Gerade erreichte mich die Nachricht, daß Herr Stüdemann für heute 11:00 ein Treffen mit den freien Mitarbeitern ansetzen will.
    Diesen Termin können wir aber nicht wahrnehmen.
    Auch für einen „Freien“ ist es nicht möglich, mal eben innerhalb von 2 Stunden die komplette Tagesplanung umzuwerfen, so daß nur ein sehr kleiner Teil der freien Mitarbeiter zu diesem Treffen erscheinen könnte.
    Ein solcher Termin sollte aber so angesetzt werden, daß der überwiegende Teil der Mitarbeiter dort teilnehmen kann.

    Ein Besprechungstermin ist absolut wünschenswert, aber dann bitte mit einem Vorlauf von mehr als zwei Stunden.

  • #11
    U.

    Es ist wirklich eine Farce was die Stadt da abzieht…

    Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen sich da mal aus erster Hand zu informieren, ich selbst hab mich jetzt sowohl mit Menschen aus dem FZW selbst, als auch mit Menschen aus der Politik über die Entwicklungen im FZW unterhalten und muss sagen, das ich teilweise echt schockiert war und auch immer noch bin.

    (Stichwort z.B.: In zukunft Miete zahlendes Jugendamt. Guckt mal ob Ihr da was findet. Wenn das so stimmt was da kolportiert wird grenzt das schon an Betrug.)

    Wie auch immer, sobald das Ding privatisiert ist haben se in mir nen „Stammkunden“ verloren. Auf Comedy steh ich eh nicht so…

    Tja… und mal wieder Stüdemann. Ich weiß ja nicht so recht was mit dem Typen los ist. Was da wohl fürn Gedanke hinter steckt wenn man Menschen so kurzfristig einlädt?

    LG

  • Pingback: >>> FZW soli « Initiative für das UZ Dortmund

  • #13
    erich

    Die Initiative der Mitarbeiter ist sicher richtig, kommt aber ein wenig spät. Auf Aussagen der Stadt Dortmund darf man sich eben nicht verlassen. Zur Erinnerung:“Das FZW wird nicht privatisiert“, hat Sierau noch vor seiner Wahl auf abgeordnetenwatch.de auf meine Anfrage geschrieben. Hier zum Nachlesen: http://www.abgeordnetenwatch.de/ullrich_sierau-946-39660.html#questions. AUf dem Weg in die popmusikalische Hinterprovinz ist man aber auf einem guten Weg … Ein wenig mehr auf http://jojoclub.blogsport.eu/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.