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Google will Herne nicht

Herne will das Google Geld zahlt, um die Straßen der Stadt zur Erstellung von Street-View Bilder zu benutzen. Und städtische Gebäude soll Google sowieso nicht abbilden dürfen. Viel Lärm um Nichts: Herne gehört nicht zu den ersten 20 Städten, die Google mit Street-View abbilden will.

Bielefeld, Bochum, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Köln und Wuppertal – das sind laut Kölner Stadtanzeiger die Städte, die noch in diesem Jahr auf Google Street-View freigeschaltet werden sollen. Herne ist nicht dabei. Warum auch? Herne hat eine Kirmes und eine U-Bahn . Mit der kommt man nach Bochum. Viel mehr gibt es über Herne nicht zu sagen.

Viele Menschen wissen noch nicht einmal wo Herne liegt. Nur die wenigsten empfinden das als dringend zu schließende Wissenslücke. Ich bin oft durch Herne gefahren, wenn ich nach Recklinghausen musste. Ausgestiegen bin ich selten. Einmal mit Thomas Nückel was gegessen. War lecker. Arnold in seinem Penthouse in Wanne besucht, aber der wohnt jetzt im Wedding.

Herne hat eine Menge Probleme: Wenig Jobs, eine tote Innenstadt. Aber die größte Sorge scheint zu sein, das Google Herne fotografiert. Laut Zeit will die Stadt nicht, das Google öffentliche Gebäude in Street-View abbildet und Google soll 20 Euro Gebühr für jeden Straßenkilometer zahlen, der für Street-View abgefahren wird. Die Stadt will also die Persönlichkeitsrechte von heruntergekommenen Schulen schützen. Und sich vor allem ein wenig wichtig machen. Das Verbot der Bilder öffentlicher Gebäude ist lächerlich – es gibt die Panoramafreiheit:

§ 59 UrhG – Werke an öffentlichen Plätzen
„(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.“
„(2) Die Vervielfältigungen dürfen nicht an einem Bauwerk vorgenommen werden.“
Herne will sich wahrscheinlich nur wichtig machen und in die  Schlagzeilen kommen. Das hat geklappt. Jeder weiß jetzt, das Herne nicht will, dass man sein Rathaus fotografiert. Wollte bis jetzt auch niemand. Deswegen hat der Artikel auch kein Foto. Es gibt keine Herne-Bilder im Archiv. Nur eins von der Cranger Kirmes. Vielleicht packt Google Herne auch nicht in die nächste Welle der Street-View Städte. Und vielleicht auch nicht in die übernächste. Dann wird es in Herne vielleicht Protest dagegen geben, dass Google Herne übersieht.
RuhrBarone-Logo

33 Kommentare zu “Google will Herne nicht

  • #1
    Dieter Carstensen

    Wo ich das gerade lese:

    Herne, Herne??? War da nicht mal was?

    Nee, Herne kenn ich nicht.

    Aber jetzt fällt es mir wieder ein: Herne 3, das war mal eine Rockband die ich toll fand.

    Macht Google jetzt auch Fotos von Rockbands?

  • #2
  • #3
    Arnold Voss

    Es gibt sehr nette Ecken in Herne und man kommt von denen überall hin. Warum soll so eine ganz normale Stadt nicht mal einen PR-Coup landen? Google hat schon kleinere und noch unbedeutendere Städte ins Visier genommen. Es hätte also auch Herne sein können.

    Um wirklich weltbekannt zu werden, hätte Herne bei der Zusammenlegung mit Wanne-Eickel allerdings auch den Namen dieser Stadt übernehmen sollen.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Arnold: Auch Bochum hätte mit Herne und Wanne fusionieren müssen – natürlich unter dem Namen Wanne-Eickel!

  • #5
    Arnold Voss

    @ Stefan Laurin

    Trotz der scherzhaften Seite diese Vorschlages wäre es wirklich besser für a l l e Beteiligten gewesen, wenn Wanne-Eickel und Herne gemeinsam nach Bochum gegangen wären. Ebenso hätte sich zusätzlich zu Wattenscheid auch noch Witten und Hattingen mit Bochum zusammen tun sollen. Das zersplitterte mittlere Ruhrgebiet mit seinem Oberzentrum Bochum hätte es als eine Stadt sicher leichter im Konkurrenzkampf mit den beiden Flächen- und Einwohnerriesen Essen und Dortmund gehabt.

    Aber da höre ich sie schon alle brüllen: Lieber untergehen als Bochum heißen.

  • #6
    Höddeldipöp

    Aha! Endlich mal jemand, der die Diskussion um Google Street View vom richtigen Ende her beginnt, dem “Prinzip der Panormafreiheit”. Das ist ein gutes und bewährtes Rechtsprinzip, indem die Interessen der Hauseigentümer und die Privatsphäre von Personen denen der Fotografen und Journalisten ausgewogen gegenübergestellt werden.

    Genau dieses gute und bewährte Prinzip, welches auch im Internetzeitalter seine Berechtigung hat, wird durch die hysterische Diskussion von irgendwelchen Datenschutzbeauftragten und den Medien angegriffen.

    Der Datenschutzbeauftragte Schaar will nämlich eine Gesetzesänderung, indem Hausbesitzer aktiv ihre Zustimmung geben müssen, falls jemand ihr Haus aus öffentlicher Perspektive fotografieren will. Das ist der Grund, warum jetzt die Massen aufgewiegelt werden (was aber kaum gelingt, wenn man die Kommentare in vielen Journalen zum Thema verfolgt).

    Was soll denn dieser Unsinn? Das wäre wirklich ein großer Anschlag auf Meinungsfreiheit und künstlerische Gestaltungsfreiheit. Dann könnte kein Fotograf mehr für einen Reiseführer arbeiten, wenn er jede dritte Etage von jedem zweiten Haus verpixeln müsste.

    Was mich stört, ist die polemische Diskussion, die hier von interessierten Kreisen geführt wird und die in irgendwelche unqualifizierte juristisch unhaltbaren Widerspruchsfristen münden (Hausbesitzervereine? Verleger, die um ihren Werbemarkt fürchten wegen Konkurrent Google?). Und unsere Datenschützer lassen sich für solche Interessen instrumentalisieren. Das ist sehr bedauerlich.

    Rollt man die Diskussion dagegen vom Prinzip der Panoramafreiheit auf, dann kann man darüber reden, ob die Teleskop-Stange, die Google auf seinen Fahrzeugen verwendet, eventuell zu hoch ist, so dass die Fotos eine zu “private” Perspektive haben. Das wäre eine sachliche Diskussion. Oder wie schnell Google reagiert (nicht nur in den nächsten vier Wochen), falls jemand versehentlich beim Pinkeln fotografiert wurde.

    Aber das Rechts-Prinzip der Panorama-Freiheit aufzugeben, das geht gar nicht!

  • #7
  • #8
    Frank

    Ich stimme @Höddeldipöp zu: Datenschutzrechtlich relevant wird es erst, wenn mehrere Informationen kombiniert werden: 1. Das ist ein Haus und 2. Darin wohnt Angela Merkel.
    Gegen so ein nachträgliches Tagging könnte man einschreiten.

    Die einzelne Information ist weniger kritisch. Beim Telefonbuch haben wir das ja auch so gehalten.

    @Stefan:
    So wie Herne verhielten sich viele amerikanischen Städte, nachdem ein gewisser Herr Kodak mit der Erfindung des Rollfilms die Fotografie demokratisiert hatte. Plötzlich fotografierten Touristen Sehenswürdigkeiten und die Stadtväter meinten, da müsse man sie erst um Genehmigung fragen und eine Gebühr einzahlen. Nachzulesen bei Lawrence Lessig. Die Aufregung um Google Streetview wird sich legen.

  • #9
    hans kollekta

    ein autor der über herne, außer kirmes und u-bahn, nichts zu sagen weiß disqualifiziert sich von vornherein.
    immer wenn ich in herne bin hab ich ungewöhnlich viel freude.
    bei dem ambitionierten flottmann-musik-programm zum beispiel oder bei der mittelalterausstellung im archeologiemuseum, neulich.
    gestern war ich dann noch auf einer besonders vergnüglichen bootsfahrt übern kanal nach henrichenburg. das war so wild romantisch das ich noch immer ganz beglückt bin.
    hinterher sind wir dann noch auf crange abgestürzt – ich hoffe inständig, dabei nicht gefilmt worden zu sein.

    glückauf.

  • #10
    Dirk Gleba

    Komisch, kaum fällt das Wort Herne springen lauter Klichees aus der Kiste und Wanne-Eickel und Bochum mit dazu. Klar, der Autor hat von Herne nicht viel gesehen, aber dass läßt sich ja nachholen.

    Im Kern geht es doch eher darum ob die Aufregung der Städte gerechfertigt ist oder nicht. Einige Gedanken dazu macht sich übrigens ein Bezirksverordener aus Wanne. (http://patricklahm.de/2010/03/26/wer-hat-angst-vorm-google-mann/). Viel mehr braucht dazu nicht mehr gesagt werden.

  • #11
  • #12
    Uwe Knüpfer

    Ho-ho-ho!
    Stefan Laurin war noch nie in Herne, außer mal in Wanne! Und da kommt man noch nicht mal mit der U35 von Bochum aus hin! Also ist Herne eine gräßliche, völlig zu vernachlässigende Stadt. Klar. Denn die Welt ist ein Bauch, und ihr Nabel bin ich!
    Immerhin bestätigt sich so die schon ältere, also fast gesicherte Erkenntnis, dass jeder im Ruhrgebiet irgendwie Talentierte einen Bezug zu Herne hat, und sei es, dass er sich dran abarbeiten muss.
    Liebe Grüße aus Herne-Holthausen (wo es übrigens eine grandiose Eisdiele mit dem absolut ausreichenden Namen Il Gelato gibt, und einen Bauern, der Limousin-Charolais-Rinder züchtet).

  • #13
    Alain

    “(… und einen Bauern, der Limousin-Charolais-Rinder züchtet)”

    C’est vachement cosmopolitique !

    Les vaches aussi parlent français !

    Il faut aller a cette métropole remarquable !

  • #14
  • #15
    Fischfresse

    Eine gute Gelegenheit, diesen hier hoch zu holen. Von der siebten Sohle. 😉
    http://www.fischfresse.de/2010/05/zehn-deutsche-reaktionen-auf-google-street-view-deutschland/

  • #16
    Horst

    Richtig, viel Lärm um nichts! Fassaden unkenntlich machen, was soll denn das? Kann doch jeder im Auto vorbeifahren und viel bessere bzwl. gezieltere Fotos machen. Dass Herne nicht mit dabei ist, setzt dem Ruhrbaron natürlich die Krone auf – da würde man gerne mit machen und dann darf man nicht, weil Google einfach mal andere Städte ausgewählt hat. Ich muss vermutlich noch länger warten, ich wohne nämlich in Osnabrück 🙁

  • #17
    Karlheinz Stannies

    Street View macht nur bei Verknüpfung zu vielen anderen Daten Sinn – jedenfalls für Google. Die heißen ja auch nicht Philantroople, sondern wollen Geschäfte machen. Bin gespannt, was – nach all dem sündhaft teuren Aufwand – da später mal alles den gezeigten Straßen und Häusern zugeordnet wird.

    Übrigens, Panoramafreiheit ist ein absolut wichtiges Gut, nicht nur für Journalisten. Das gilt es zu verteidigen. Allerdings beinhaltet Panoramafreiheit nicht unbedingt das durchgehende Gucken über Hecken und Mauern aus 2,50 m Höhe, oder?

  • #18
  • #19
    Falk D.

    Die Panoramafreiheit grenzt nur die Rechte von Bauherren und Architekten ein. Das was Google macht steht hier: http://is.gd/edIjJ

  • Pingback: Links anne Ruhr (12.08.2010) » Pottblog

  • #21
  • #22
    Jens Best

    @Falk D. (19.) ups, wieder der Falk…..Sie schiessen sich auch gerade Blogosphären-weit auf Streetview ein. Kann das sein?

    Mit §201a StGB liegen sie leider sowas von falsch.

    Die Sphärentheorie des Bundesverfassungsgerichts sagt ihnen was? Nur mal so als Grundlage für die Diskussion ihres Vorschlages tatsächlich “§ 201a StGB
    Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen” gegen Google Streetview anzuwenden?
    Wow, sie müssen echt viel Argwohn in sich haben, um auf solche Ideen zu kommen.

  • #23
    Peter Erik Hillenbach

    @Jens Best (22) ups, wieder der Jens… Habe gerade Ihr Interview gelesen und denke, damit fängt die Diskussion um den Fall “Herne” erst richtig an. Sehr spannend!
    http://www.telemedicus.info/article/1807-Jens-Best-Datennutzung-im-oeffentlichen-Raum-beschuetzen.html

  • #24
    Jens König

    Menno Stefan. Alles verkehrt. Saubere Recherche sieht anders aus! Kehr.
    Tatsache ist: Google hat erst eingewilligt, Herne zu fotografieren, nachdem Herne angeboten hat, 20 Euro pro gefilmten Kilometer zu bezahlen. Nicht umgekehrt.
    In dem ersten Brief aus Herne stand noch (ich habe eine Kopie und mache davon Gebrauch):
    “Dear valued Mister Google
    we find it is a dulle idea, to make some pictures. And here is the good news: You can make them for nothing in Herne!” blabla etc.
    Sukzessive hat der Herner Stadtrat sein Angebot erhöht, und bei 20 Euro/km und der Warnung Hernes, sonst alles selber zu fotografieren (“We have already some airfotos on the RVR homepages!”) schlug Google zu.

    Ich denke mal, so wird auch Bochum bald bei Google erscheinen, auch wenn das noch teurer werden wird. Allein pro denkmalgeschützter Baulücke wird Bochum wenigstens 80 Euro zahlen müssen. Vorteil hier: Baulücken haben kein Persönlichkeitsrecht, oder?
    Und wenn ich an den Rest der Bochumer Architektur denke, wird mir übel. Das wird teuer, von dem Geld könnten wir glatt ein Konzert- UND noch ein Opernhaus bauen (sogar aus Beton mit aufgeklebten Ziegelsteinen, wie alles andere auch).

  • #25
    Aaa

    Man hätte sich über die dämlichen Politiker aufregen können, die das in die Wege geleitet haben (allen voran die Freiheitskämpfer der FDP), die Stadt in dieser Form anzupissen ist daneben; gerade Bochum und Recklinghausen sind auch nicht die schönsten Städte (gibt es die im Ruhrgebiet überhaupt?), aber politisch gesehen lebt es sich in Herne angenehmer als in allen umgebenden Städten. Wenn man sich mal den Filz in Recklinghausen ansieht.. Kulturell gibt’s hier einiges und das Kino ist billiger und besser als in RE oder bspw. das UCI in Bochum.
    Ich *hoffe* inständig, dass das Interview bei der Zeit und der Artikel beim Westen nicht die einzigen Quellen für den Artikel hier waren, glaube da aber nicht so richtig dran. Mal bei der Stadt angerufen, oder einfach drauf los gebloggt?
    Darüber hinaus ist der Titel falsch. Ob Google Herne will oder nicht, steht nicht fest. Herne zählt nicht zu den 20 größten Städten Deutschlands mit denen Google startet, das sagt ungefähr gar nichts aus.
    Darüber hinaus ist die Argumentation mit der Panoramafreiheit zwar richtig, aber gleichzeitig ein falscher Ansatz, weil keine Begründung. Allein, dass es ein Gesetz dafür oder dagegen gibt, macht eine Sache nicht richtig oder falsch; wichtiger sind die Gründe dafür. Die fehlen hier aber auch. Wenn man sich auf das Niveau “Ich hab eine passendes gesetzliche Regelung gefunden und damit basta!” begibt, muss man sich nicht wundern, bspw. bei der Vorratsdatenspeicherung ganz schnell die Argumente zu verlieren.
    Ich finde die Kritik an StreetView auch lächerlich, und die Gebühr, die der Rat der Stadt Herne gut fand, noch dümmer. Aber der Post hier toppt beides.

  • #26
  • #27
    BesorgterBürger

    Naja. Den FDP (!) – Antrag wurde zugestimmt, weil niemand wusste, was ein Internetz (oder wie das heißt) ist. Die wenigen, die das wussten, stimmten dagegen.
    Die Nichtwählerquote bei <29jährigen dürfte das wieder um 10% erhöht haben. Seis drum.

    Wo genau gibt's in Wanne denn eine Penthouse-Wohnung?
    Das finde ich spannender. Überlege umzuziehen.

  • #28
    Aaa

    Der Beschluss im Rat (bzw. die Beschlüsse, über die einzelnen Punkte wurde extra abgestimmt) war einstimmig, es gab keine Gegenstimmen, sondern nur Enthaltungen. (Auch das wäre hier für die ruhrbarone ein Ansatz gewesen, da wirklich alle Politiker aller Parteien da zumindest nicht gegen waren, aber das wurde ebenfalls verpennt)

  • #29
    Manuel

    Herne ist immerhin die Stadt mit der größten Bevölkerungsdichte im Ruhrgebiet und Deutschland weit an dritter Stelle.
    Klar hat Herne seine Probleme, aber welche Stadt hat das nicht ?
    Und gerade eine Seite die sich “ruhrbarone” nennt, sollte eigentlich nicht so über eine Ruhrgebietsstadt herziehen.

  • #30
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Manuel: Wir schreiben (auch) über das Ruhrgebiet – wir machen keine Öffentlichkeitsarbeit für die Region.

  • #31
  • #32
    Gabber-Salzmann

    Also ich als Herner, bin sehr entäuscht das meine schöne Stadt nicht gewollt wird von google….

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