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Griechenland und Standard & Poor´s: War da nicht was 2008?

Die Ratingagentur Standard & Poor´s hat das Rating Griechenlands von BBB+ auf BB+ gesenkt. Nun wird es schwierig für Griechenland Kredite zu bekommen. Aber war da nicht was mit Ratingagenturen? So vor knapp zwei Jahren?

Die Kreditwürdigkeit Griechenlands wurde abgestuft. OK, kann sein dass die Griechen ihre Kredite bald nicht mehr pünktlich zahlen können. Ich kenne die Zahlen nicht. Aber wer sind denn die Experten, die Griechenlands Kreditwürdigkeit abgestuft haben? Es ist die Ratingagentur Standard & Poor´s. Das waren die gleichen Versager, die wenige Tage vor der Lehmann Pleite die Bank noch im A-Bereich gewertet haben. Lehmann war zu diesem Zeitpunkt so blank wie ein nackter Seemann Morgens um sechs auf St. Pauli.

Mag sein das Griechenland kein Traumschuldner mehr ist. Aber eine Bewertung von Standard & Poor´s jetzt als Richterspruch einer unabhängigen Institution darzustellen ist albern.

Der Spiegel schrieb schon 2007:

„Rating-Agenturen haben eine enorme Macht: Sie lenken den Fluss von Milliardensummen. Wie ihre Bewertungen zustande kommen, ist ihr großes Geschäftsgeheimnis. Doch in der US-Immobilienkrise lagen sie schon wieder daneben – wie zuvor im Fall Enron.“

Warum sollte man Ihnen heute mehr Vertrauen schenken als damals?

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15 Kommentare zu “Griechenland und Standard & Poor´s: War da nicht was 2008?

  • #1
    Dieter Carstensen

    Rating Agenturen gehören meiner Meinung nach genauso verboten, wie Hedge Fonds und andere Auswüchse des „Raubtierkapitalismus“ (Helmut Schmidt), da diese „legalen“ Gangsterbanden nur einen Zweck haben:

    Die Bereicherung einiger Weniger auf Kosten der absoluten Mehrheit der Menschen.

    Solange die Macht der Devisenspekulanten und Banken nicht durch eine konzertierte Aktion der westlichen demokratischen Staaten gebrochen wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste, dann aber wesentlich heftigere Finazkollaps kommt.

  • #2
    Marc Schmidt

    Es muss niemand den Ratingagenturen sein Vertrauen schenken… es kann sich auch weiterhin jedermann für zweistellige Renditen als Kreditgeber Griechenlands hervortun. Aber die Begeisterung ist wohl doch relativ gering. Warum nur..

    @Dieter Carstensen

    Ein Verbot von Ratingagenturen oder Hedge Fonds hätte die Griechenland-Krise leider überhaupt nicht verhindert. Ein Verbot von teuren Wahlgeschenken wäre da deutlich nützlicher gewesen.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Marc Schmidt: Die bessere Kontrolle der ans sich notwendigen Ratingagenturen ist allerdings eine der vielen noch zu machenden Hausaufgaben der Krise. Die Nachfrage nach den eventuell vorhandenen Eigeninteressen der Ratingagenturen, die ja 2008 thematisiert wurden, macht aber auch im Zusammenhang mit Griechenland Sinn.

  • #4
    Fabian

    Ich stimme Marc Schmidt und Stefan Laurin zu. Auf Ratingagenturen kann man heute – in einem derart komplexen und globalen Finanzsystem – nicht mehr verzichten. Die Krux steckt vielmehr, neben den Eigeninteressen, in der Finanzierung der Agenturen. Das Geld stammt nämlich größtenteils von Banken, etc., dessen Produkte bewertet werden.

  • #5
    so, so

    so, so, Ratingagenturen sind „Versager“. Klar, wenn man richtig spekuliert, geht nichts schief. Allerdings richtig spekuliert man eben, falls nichts schief geht. Man muß sich ja nur die „Börsenweisheiten“ anschauen. Man kann die Zukunft immer am besten prognostizieren, falls man die zukünftige Entwicklung kennt. Darauf basieren ja auch viele schöne Formeln der Wirtschaft“wissenschaften“. Da muß man nur den Gewinn der Zukunft kennen und schon kann man die richtige Investitionsentscheidung treffen. Usw.. Würde jemand sagen, Ratingagenturen sind Scharlatane, ok. Aber Versager bedeutet ja, daß das falsche Urteil über die Kreditwürdigkeit Resultat von persönlicher Unfähigkeit ist. Nie und nimmer gehört die Krise und der „creditcrunch“ zum stinknormalen Kapitalismus, obwohl es davon in der Geschichte nur so wimmelt. Blöd ist halt nur, daß davon das Schicksal von -zig Millionen Menschen, wenn nicht noch mehr abhängig ist. Ob sie einen Lebensunterhalt haben oder nicht, hängt von den Spekulationen der Banken und der Finanzindustrie ab – wobei ich schon den normalen Bankkredit mit meine. Der wird ja auch nur gegeben, falls Banken auf eine Rückzahlung plus Zins spekulieren. Dabei wissen die Banken am besten, daß immer ein Risiko damit verbunden ist (der Zins soll sich ja glatt nach diesem geschätzten Risiko richten). Und das Risiko wäre kein Risiko, wenn man wüßte, was in Zukunft passiert. Daß also die Kalkulation nicht immer aufgeht, gehört zur Natur der Sache. Deshalb war es schon immer lächerlich, daß Ratingagenturen das verhindern könnten. Ihnen Versagen vorzuwerfen ist etwa so, wie wenn man einem Hochstapler Versagen vorwerfen würde, daß seine Versprechungen nicht wahr geworden sind.

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  • #7
  • #8
    Frank

    Mit welchem Recht nennen Bänker die vier Pleitekandidaten Europas PIGS? Das ist doch eine Projektion. Würden sie über sich selbst reflektieren, würde ihnen die Peinlichkeit auffallen.

    Stefan hat recht: S&P täuschte die Anleger über Lehman. Sie täuschte die Anleger auch über die Collateralen Obligatorischen Massenvernichtungswaffen.

    Chatzimakis fragt, wie S&P etwas wissen kann, was die EZB nicht weiß? Und auf welchen neuen Erkenntnissen die Ratings von Montag und Dienstag beruhen?

    Und in wessen Interesse schicken sie nun Europa auf Talfahrt?

    Nachdem wir wissen, dass McKinsey Berater ihre Erkenntnisse und Beratungsempfehlungen für Manager auch als Insiderwissen an Fondsmanager weiterverkauft haben, brauchen wir eigentlich niemandem mehr zu vertrauen. Sie missbrauchen ihre Freiheit, ihren Vertrauensvorschuss. Sie ahnen nicht, was sie riskieren. Sie glauben, dass wir es ihnen immer wieder durchgehen lassen werden. Dass wir sie in Ruhe lassen werden.

  • #9
    so, so

    Schon lustig, wie plötzlich Ratingagenturen in Verschiß geraten. Kommentare mit ähnlichem Inhalt konnte man ja gestern in Funk und Fernsehen ständig hören. Solange sie schön mit ihren Ratings nur irgendwelche „Entwicklungländer“ in den Ruin trieben, war alles ok. Die meisten Deutschen dürften von ihrer Existenz bis zur Finanzkrise gar nichts gewußt haben. Kaum aber wenden sich die Ratings gegen das eigene Land, sieh an, sieh an, lauter Zweifel an der Qualifikation der Ratingagenturen (gerade höre ich auch einen WDR-Kommentar mit diesem Tenor), die ja auch aus der Politik gestreut werden. Dabei wurde doch noch in den letzten Jahren die Rolle der Ratingagenturen durch die Politik gestärkt, durchaus unter Beifall der Experten (von wegen Objektivierung der Risikobewertung) und der Öffentlichkeit. International (Basel II) und national (Solvabilitätsverordnung als Umsetzung von Basel II). Damals wußte niemand, daß Ratingagenturen von ihren Kunden bezahlt werden? (LoL). Der schlechte Leumund, der sich hier aufbaut, verdankt sich wohl weniger ihrem Wirken als daß es nun für die eigene Nation im Verbund mit Europa negative Konsequenzen hat.

  • #10
    Dieter Carstensen

    Ich bleibe dabei, ich finde die Ratingagenturen gehören verboten und sind ursächlich wesentlich verantwortlich für viele ökomische Krisen der letzten Jahre.

    Ich zitiere aus Spiegel online von heute, 29.4.10, Titel:

    “Rating-Entscheidungen: Heute Gold, morgen Ramsch”

    (Auszug) “Dabei ist ihre Rolle alles andere als lupenrein. In den USA wirft ihr Verhalten zunehmend Fragen auf. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman von der “New York Times” hält das System der Agenturen für “zutiefst korrupt”. US-Senator Carl Levin rechnet sie sogar zu den Hauptschuldigen der Krise: “Ließe sich ein einziges Ereignis als unmittelbarer Auslöser der Finanzkrise identifizieren, meine Stimme gälte den massenhaften Downgrades von 2007.”

    Link zum Artikel:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,691929,00.html#ref=rss

    Mit anderen Worten, korrupte Vereinigungen entscheiden über wesentliche wirtschaftliche Ereignisse! Korrupte Organisationen gehören verboten, da kriminell!

    So sieht es aus. Keine Ratingagentur hat auch nur ansatzweise etwas seriöses, objektives, überparteiliches für mich an sich, bei den Summen, um die es finanziell geht, ist jeder käuflich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – und die sitzen bestimmt nicht in den Rating Agenturen!

  • #11
    Arnold Voß

    Das Problem des Ratings ist doch nicht das Rating selbst, denn Risikoeinschätzungen sind in einer immer komplexer und unübersichtlicher werden ökonomischen Welt notwendig. Sie können halt falsch oder richtige sein, und wenn sie wiederholt falsch sind, dann ist das normalerweise auch zum Schaden der Ratingagentur.

    Das Problem ist, dass auf diese Risikoeinschätzungen über die Derivate spekuliert/gewettet werden kann. Hiermit erst eröffnet sich für die Agenturen und für die die sie bezahlen das Feld der systematischen Beeinflussung jenseits des Marktes bis zum groß angelegten Betrug.

    Das Ratingsagenturen obendrein einer vom Auftraggeber unabhängigen Kontrolle bedürfen liegt schon länger auf der Hand. Aber auch das ist wie das Verbot der Derivate eine Aufgabe des Gesetzgebers.

  • #12
    Frank

    @Arnold Voß: Ja.

    Und noch was: Es macht einen Unterschied, wer für eine Riskoabschätzung zahlt: Der Käufer oder Verkäufer. Die Korruption entsteht, wenn der Verkäufer sich von den drei Agenturen Angebote machen lässt. Er nimmt natürlich die, die ihm das beste Zeugnis versprechen. (Das ist wie bei den Privatschulen und -hochschulen.)

    Es wäre besser, wenn das Rating vom Käufer bezahlt würde.

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