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Grünes Schmierentheater um’s Geißbockheim

Das "Geißbockheim" war bei seiner Eröffnung eins der modernsten Trainingszentren der Bundesliga. Foto: Florian K.

Das „Geißbockheim“ war bei seiner Eröffnung eins der modernsten Trainingszentren der Bundesliga. Quelle: Wikipedia, Foto: Florian K., Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der 1. FC Köln möchte sein Vereinsheim, das Geißbockheim, ausbauen. Drei öffentlich nutzbare Trainingsplätze sowie ein Leistungszentrum für den Nachwuchs sollen entstehen. Soweit, so unspektakulär. Wenn da nicht eine ominöse Bürgerinitiative wäre, die seit vier Jahren versucht, den Ausbau des Geißbockheims zu verhindern, da dieser angeblich das Stadtklima gefährde.

Zwar hat der Regionalrat bereits grünes Licht für die Pläne gegeben, doch damit ist das Thema noch lange nicht abgehakt. Aktuell können Bürger bis zum 30. August Stellungnahmen für oder gegen den Ausbau an die Stadt Köln schicken. Selbst, wenn der FC am Ende des Verfahrens die Baugenehmigung erhalten würde, ist damit zu rechnen, dass sich die vermeintlichen Umweltschützer durch alle Instanzen klagen und so für eine weitere Verzögerung der für den Verein dringend notwendigen Baumaßnahmen sorgen.

Das Geißbockheim ist längst zu einem Wettbewerbsnachteil für den FC geworden. Als es gebaut wurde, war es noch eins der modernsten Trainingszentren der Bundesliga. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Man kann nur neidisch zum Derbygegner aus Gladbach schauen, wo kürzlich ein Gebäudekomplex inklusive Hotel, Vereinsmuseum, Fanshop, Arztpraxen sowie einem Reha- und Fitnesszentrum gebaut wurde. Der FC kann mit den infrastrukturellen Rahmenbedingungen der Konkurrenzklubs nicht mithalten.

Aus diesem Grund wollen die Klub-Bosse unbedingt den Ausbau realisieren, andernfalls kämen nur ein vollständiger Wegzug aus Widdersdorf oder die räumliche Trennung von Jugend- und Profispielern bei einem Neubau des Nachwuchsleistungszentrums an anderer Stelle in Frage.

Das ganze Thema hat in den letzten Tagen wieder ordentlich Fahrt aufgenommen, da Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker plötzlich sagte, der FC solle über alternative Standorte nachdenken. 2015 hatte sie dem FC noch ihre Unterstützung für den Ausbau zugesichert.

Nun fühlt sich Reker an ihre damaligen Aussagen offenbar nicht mehr gebunden. Als Grund für ihr plötzliches Umdenken gibt sie den kürzlich verhängten Klimanotstand an. Dabei ist offensichtlich, dass es in Wahrheit vielmehr darum geht, dass Frau Reker sich angesichts der im nächsten Jahr anstehenden OB-Wahl die weitere Unterstützung der Grünen sichern will. Reker war bisher sowohl von den Grünen als auch von der CDU und der FDP unterstützt worden.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann freute sich natürlich über die jüngsten Äußerungen der Kölner Oberbürgermeisterin. Lehmann hatte zuletzt fälschlicherweise behauptet, dass der FC den Ausbau seines Clubheims mit Hilfe von privaten Investoren finanzieren würde. Auch die Initiative „Grüngürtel für alle!“ nutzt offenbar bewusst falsche Behauptungen, um Bürger von ihrem Anliegen zu überzeugen.

Das funktioniert auch in Zeiten von „Fridays for Future“. In der Debatte geht es längst nicht mehr um Fakten oder sachliche Argumente, sondern um Idealismus. Dass sämtliche Behauptungen der Ausbaugegner widerlegt werden konnten, hält sie nicht davon ab, sie immer wieder zu wiederholen.

Natürlich sind auf beiden Seiten Emotionen im Spiel, immerhin geht es hier um Fußball und um Klimaschutz – zwei Themen, die immer schon die Geister spalten: Entweder man hält sie für enorm wichtig, oder man ist genervt davon, dass andere Menschen sie so wichtig finden. Dazwischen gibt es nicht viel. So hält sich dann auch das gegenseitige Verständnis von Fußballfans und Klimaschützern in Grenzen. Dabei sind sicherlich viele FC-Fans auch der Ansicht, dass härtere Maßnahmen gegen den Klimawandel getroffen werden müssten. Den Bau von Trainingsplätzen zu stoppen, dürfte jedoch nicht so viel bringen.

Auch ich bin bei dieser Debatte emotional involviert, da mich mein Vater bereits als kleiner Junge mit zum Geißbockheim nahm, um den FC-Profis beim Training zuzusehen. Anschließend gab es Autogramme. Die Spieler hießen damals noch nicht Jonas Hector oder Timo Horn, sondern Dirk Lottner oder Matthias Scherz.

Ich weiß noch, dass der Besuch am Geißbockheim ebenso wie der erste Stadionbesuch ein Schlüsselmoment war, der dazu führte, dass ich mich mit diesem Verein identifizieren konnte – obwohl ich nicht in Köln geboren oder aufgewachsen bin und der FC auch damals nur in der zweiten Liga spielte. Maßgeblich war hier neben dem fußballverrückten Umfeld des Klubs die besondere Nähe zu den Profis, die in Köln auch heute noch gelebt wird.

Doch nicht nur nostalgische oder traditionalistischen Gründe sprechen dafür, dass der FC an seinem alten Standort bleiben sollte. Es gibt schlichtweg keinen besseren Standort in Köln. Die Grünen fordern zum Beispiel, dass der FC doch nach Marsdorf ziehen möge. Die dortige Fläche ist allerdings für den Neubau des Kölner Großmarkts vorgesehen, weshalb sich Großmarkt-Händler bereits über die Alternativ-Pläne beschwerten.

Man muss kein Fußballfan sein, um einzugestehen, dass der FC ein wichtiger Bestandteil der kölschen Identität ist, zumal der Verein auch hohe Steuern zahlt. Die Stadionmiete, die an die Stadt Köln gezahlt werden muss, ist mit 7,9 Millionen Euro übrigens die zweithöchste in der Bundesliga. Spielt der FC zweitklassig, muss er nur 2,1 Millionen Euro zahlen. Die Stadt Köln und ihre Bürger, ob FC-Fans oder nicht, haben also ein Interesse daran, dass der FC sich langfristig in der Bundesliga etablieren kann. Damit das funktionieren kann, sind infrastrukturelle Maßnahmen ebenso wichtig wie eine sinnvolle Kaderplanung.

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13 Kommentare zu “Grünes Schmierentheater um’s Geißbockheim

  • #1
    thomas weigle

    Wenn die Miete für das Dramenfeld, auf dem der FC immer wieder so schön und herzzerreißend dilettiert, in der zweiten Liga so viel billiger ist, dann gibt es doch nur eine Lösung: "Zweite Liga wir kommen wieder um zu bleiben!!" Doppelkicher!! Dann braucht`s auch kein neues Geißbockheim.

  • #2
    ke

    Schmierentheater?
    Köln hat mit großer Mehrheit den Klimanotstand verkündet und direkt danach die Kölner Lichter mit 6stelligen Besucherzahlen und den entsprechenden Klimaschäden veranstaltet

    Jetzt sollen noch weitere Flächen im Grüngürtel versiegelt werden. Das ist bei einem Notstand nicht zu akzeptieren. Insbesondere, wenn es sich noch um Kunststoffplätze handelt mit ihren schädlichen auswirkungen.

    Ein Schmierentheater? Nein. Es ist ein konsequentes Handeln so wie es die Gremien in Köln mit großer Mehrheit beschlossen hatten. Ebenso zeigen die Wähler wie wichtig ihnen den Notstands-Quatsch, der nahezu nichts bringt, ist.

    Wer einen Notstand ausruft muss auch demnach handeln.

  • #3
  • #4
    ke

    @3 J Schmitz
    Es gab mit dem Klimanotstand eine Grundgesetzänderung im Rheinland.
    "Et hätt noch emmer joot jejange." gilt nicht mehr. Jetzt will die Bürgermeisterin handeln.

  • #5
    Jupp Schmitz

    Ich meinte das auch in keiner Weise positiv oder flapsig. Aber bekanntlich werden in Köln gerne die Krokodilstränen vergossen, wenn das Stadtarchiv erst endlich untergegangen ist… Oder der Effzeh weggezogen? Das die Stadt Köln ernsthaft wegen des Klimas handelt, halte ich für abwegig.

  • #6
    abraxasrgb

    Jau, so stelle ich mir städtisches Marketing vor: Der lokale Fußballclub steigt auf und muss dafür mehr Miete zahlen … ist ähnlich motivierend, wie die Steuerprogression;-)
    Nudging @its best, Yeah!
    Wobei mir Fußball ebenso egal ist, wie der Klimanotstand …

  • #7
    thomas weigle

    @ abraxasgrb Nun sind die Erlöse in der DFL 1 um vieles höher als in der DFL 2. Vielleicht hat ja der Autor oder @ Robin dazu Zahlen zur Hand. Von daher ist die Erhöhung der Stadionmiete durchaus begründet.
    Was die Erlöse in Liga 2 angeht, so hat der andere 1.FCK. bereits vor Jahren mitgeteilt dass er zurück in Liga 1 muss, da die wirtschaftliche Situation im Unterhaus auf Dauer nicht darstellbar sei und zwangsläufig in die Insolvenz und/oder in untere Ligen führen würde. Als Drittligist sind sie ja heuer nur knapp einem Lizenzentzug/Insolvenz entgangen.

  • #8
    abraxasrgb

    T. Weigle … Du hast das mit der Ablehnung einer Steuer- bzw. Abgabenprogression nicht verstanden, hmmm?

  • #9
    Helmut Junge

    Ich denke, daß jemand der mehr Steuern zahlen muß, weil er mehr verdient, ein Glückspilz ist. Andere brauchen gar keine Steuern zahlen, weil sie zu wenig verdienen. Wenn das für die Glückspilze nicht Anreiz für noch mehr Leistung ist, verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich selber habe in den kurzen Phasen meines Lebens, in denen ich gut verdient hatte, richtig reingekloppt. Steuerprogression und höhere Sozialabgaben einkalkulierend. Witzigerweise jammern heutzutage aber meist die Besserverdienenden, während die Schlechterverdienenden oft die Klappe halten, weil sie sich zusätzlich noch schämen, wenn sie als einkommensschwach gewertet werden.

  • #10
    marcio

    der klimanotstand und der ausbau des GBH hängen nicht zusammen. Es würden 0,4% des Grüngürtels bebaut. das ist gar nichts! die drei sportplätze wären für die öffentlichkeit nutzbar zusätzlich wird es aufforstung an anderer stelle geben und weitere 2 sportplätze nur für die öffentlichkeit. alles ohne geld der stadt, die hat für nichts davon geld!
    das klima in köln wird sich wegen den paar sportplätzen nicht verändern, weder positiv noch negativ.

    der fc zahlt tatsächlich eine sehr hohe miete in liga eins, dafür aber auch eine sehr reduzierte in liga zwo. dadurch erreichte die stadt damals das man keinen verlust macht bei auf und abstiegen des fc.

  • #11
    Steffan Sauerbier

    Ich finde es nicht ok, dass der 1.FC von Köln immer und immer wieder gegen das Wohl aller agiert. Klar wollen sie expandieren (muss schließlich jedes Unternehmen). Jedoch gibt es dafür Gewerbegebiete. Der FC hat schon genug wut auf sich gezogen durch Anwohnerbelästigungen an Spieltagen. Der Rubikon ist almälich auch mal überschritten. Ich will mich nicht gegen denn Fussball stellen, aber ein blick nach Mg und Do zeigen, dass es auch sozialverträglicher geht. Naja müssen ja die kölner wissen, ob sie den letzden flecken Grüngürtel noch bebauen wollen.

  • #12
    Benjamin Rosental

    Der FC Köln ist doch zum scheitern verdammt. Da ist doch immer was los. Dem FC hätten ein Par Spielzeiten in der 2.BL gut getan! Sie hätten sich sammeln können und den Abgang von Stöger verkraften! Immer hin hat der FC keine Faschofans!
    Forza FC und alaaf im Fasteloovend!

  • #13
    Ke

    #10 marcio
    Der Hambi ist klein, Deutschlands Anteil am CO2 der Atmosphäre ist klein. Kölns Anteil ist extrem klein …

    Dennoch macht Köln mit viel Tamtam auf Klimanotstand. Dann bitte auch richtig und auch ohne Karneval.

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