Hier könnt ihr den an der Humboldt-Uni wegen Sicherheitsbedenken gecancelten Vortrag zu biologischen Geschlechtern sehen

Screenschot aus dem Vortrag zu Evolution und Zweigeschlechtlichkeit von Marie Luise Vollbrecht Bild: Screenshot, Ruhrbarone

An der Humboldt-Universität in Berlin wurde ein für gestern geplanter Vortrag der Marie Luise Vollbrecht gecancelt. In dem Vortrag ging es um über Evolution und Zweigeschlechtlichkeit. Nachdem wissenschaftsfeindliche Aktivisten Proteste angekündigt hatten, sagte die Hochschule den Vortrag wegen Sicherheitsbedenken ab. Auf einem Aushang in der Uni tat man später dann so, als ob er krankheitsbedingt abgesagt worden sei:

So langsam bewegt sich diese Gesellschaft offenbar in Richtung Mittelalter: Ideologische Spinner stellen sich gegen die Wissenschaft und wollen alle Erkenntnisse unterdrücken, die nicht in ihr krudes Weltbild passen.  Aber zum Glück gibt es ja das Internet. Marie Luise Vollbrecht hielt den Vortrag nämlich trotzdem. Allerdings nicht in der Humboldt-Uni, sondern auf dem Youtube-Kanal von donnasdottir. Und hier ist er:

 

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28 Kommentare

  1. #1 | Wolfram Obermanns sagt am 3. Juli 2022 um 11:56 Uhr

    Mal ganz im Ernst: Warum soll man sich eine Biologiestunde, die es so in der 6. Klasse gegeben haben könnte, noch mal reinziehen?
    Für Menschen die Sex als lustige Biomechanik identifizieren und sonst nichts, und sich genau dafür als aufgeklärt feiern, könnte dieses Nachsitzen hilfreich sein. Genau die werden es aber nicht tun.
    Warum wir in Deutschland Handwerkermangel haben und gleichzeitig Leute an Universitäten, die von den elemantaren Anforderungen der Hochschule völlig überfordert sind, das wäre mal eine Debatte wert. Nichts gegen gesunden Schulschlaf, aber wenn die Wissenslücken an der Hochschule auffallen, sollte man sie schließen und nicht gegen die Zumutung des nachholenden Lernens mit Gewaltdrohung demonstrieren.

  2. #2 | Martin sagt am 3. Juli 2022 um 20:00 Uhr

    Zu den elementaren Anforderungen der Hochschule gehört es, sich mit Thesen, die der eigenen Meinung widersprechen, argumentativ auseinandersetzen zu können.

  3. #3 | yohak sagt am 3. Juli 2022 um 21:01 Uhr

    „Auf einem Aushang in der Uni tat man später dann so, als ob er krankheitsbedingt abgesagt worden sei:“

    Stimmt ja auch. Allerdings ist die Krankheit, wegen der der Vortrag abgesagt wurde, die Unsitte politisch opportunistischer Unileitungen, bei politisch „umstrittenen“ Themen die Wissenschaftsfreiheit aus dem Fenster zu werfen, und stattdessen lieber vorauseilender Gehorsam (um nicht zu sagen: Unterwürfigkeit) gegenüber dem aktuell angesagten Twitter-Mob zu üben.
    Insofern ist es absolut korrekt, von einer „krankheitsbedingten“ Absage zu reden. Krank sind jedoch nicht die Vortragenden, sondern die Unileitungen.

  4. #4 | Katrin Rönicke sagt am 3. Juli 2022 um 22:32 Uhr

    Seit wann ist denn Transfeindlichkeit wissenschaftlich?

    Hintergrund zu der Person: https://twitter.com/BasAtPolitics/status/1543362856682414080

    Hintergrund zu trans sein in der Wissenschaft: https://sitn.hms.harvard.edu/flash/2016/gender-lines-science-transgender-identity/

    Bin sehr erschrocken über eure Verkürzung hier.

    Für alle Mitlesenden: Wer wirklich an den aktuellen Forschungserkenntnissen zu trans sein interessiert ist, kann a) den Lila Podcast dazu hören (auch mit einer Biologin) https://lila-podcast.de/trans-sein-und-feminismus-hintergrund-und-diskussion-zum-selbstbestimmungsgesetz-mit-tessa-ganserer-katja-husen-hagen-loewenberg-und-leah-oswald/ oder Science vs. aus den USA: https://gimletmedia.com/shows/science-vs/j4hl23

  5. #5 | paule t. sagt am 3. Juli 2022 um 23:07 Uhr

    Ich habe mir den Vortrag tatsächlich angetan – allerdings größtenteils im Schnelldurchlauf, denn grundsätzlich Neues gab es darin für mich nicht. An den wissenschaftlichen Fakten, die Vollbrecht nennt, habe ich denn auch gar nichts auszusetzen (wie könnte ich auch, ich bin kein Biologe). Ein paar interessante Beispiele aus der Tierwelt, die mir neu waren, habe ich kennengelernt, aber das war’s dann auch schon.

    Aber damit sind wir schon bei einem Problem der Haltung Vollbrechts, die in der Einleitung zum Ausdruck kommt: Vollbrecht scheint tatsächlich zu glauben (oder sie tut zumindest so), dass sie vielen Menschen (insbesondere angeblich Sozial- und Geisteswissenschaftlern) mit diesem Vortrag über die Bedeutung des Geschlechts in der Biologie etwas Neues erzählen würde. Das ist aber purer Unsinn.

    Im Hintergrund des Streits um diesen Vortrag steht natürlich die Beteiligung Vollbrechts an dem bekannten (bei den Ruhrbaronen auch schon gepushten) antitrans-aktivistischen Dossier. Ohne diesen Hintergrund hätte es über ihren Vortrag gar keine Diskussion gegeben. Allerdings wäre sie selbst ohne diesen Hintergrund wohl auch gar nicht auf die Idee zu dem Vortrag gekommen; denn ich glaube nicht, dass solche Mittelstufen-Biologie Teil ihres eigenen Promotionsvorhabens ist, wenn ich mir die Themen anschaue, mit denen sich der Lehrstuhl beschäftigt, an dem sie promoviert.

    Nun ist es aber völlig abwegig, zu denken, dass viele Leute, die beim Thema „Trans“ anderer Meinung sind als sie, nicht völlig hinreichend über XX/XY-Chromosomen, Keimzellen, Geschlechtsorgane, den Unterschied zwischen sex und gender etc.pp. Bescheid wüssten. Sie lässt da eine geradezu kindische Haltung eines „Wer anderer Meinung ist als ich, ist bloß zu ungebildet“ erkennen.

    Die Leute ziehen aus den Fakten nur andere Schlüsse als sie. Sie meint, dass es ganz streng nur zwei Geschlechter gäbe, weil man geschlechtliche Fortpflanzung immer auf die Verschmelzung verschiedenartiger Keimzellen reduzieren könne, davon gebe es nur zwei, und fertig wäre die strenge Binarität. Nur bezweifelt den Fakt der Existenz zweier verschiedenartiger Gameten genau niemand. Die Kritik an ihrer Position (und der anderer Antitrans-Aktivisten) beruht vielmehr darauf, dass sie als unzulässiger Reduktionismus eingestuft wird. Denn bei der Geschlechtlichkeit gibt es eben noch eine Reihe anderer Merkmale (die in ihrem Vortrag ja auch vorkommen), die sich eben nicht bei jedem Individuum hübsch parallel zu den Gameten sortieren, sodass bei der Betrachtung der _verschiedenen_ relevanten Merkmale nicht mehr diese einfache Binarität ergibt, auf die sie so viel Wert legt. Und aufgrund dieses Reduktionismus verweigern sie und ihre Mitstreiter:innen dann denjenigen Menschen die Anerkennung ihrer geschlechtlichen Identität, die sich in diese reduktionistische Binarität nicht einfügen lassen (sei es als Inter- oder Transsexuelle).

    Dieser Reduktionismus und die damit verbundene gesellschaftspolitische Einstellung sind der Grund für die Kritik, nicht eine Nichtanerkennung der von ihr vorgetragenen Fakten. Deswegen ist auch der Vorwurf, die Kritik sei „unwissenschaftlich“ oder gar „wissenschaftsfeindlich“ einfach Quatsch. Der vor sich hergetragene Biologismus dient vielmehr als Schutzschild für eine Haltung, die selbst nicht wissenschaftlich, sondern gesellschaftspolitisch ist.

  6. #6 | Nachdenklicher Mensch sagt am 3. Juli 2022 um 23:56 Uhr

    Ich habe mir den Vortrag angesehen und bin erschüttert – allerdings nicht über den Inhalt des Vortrages, sondern darüber, dass man diesen als transfeindlich betrachten könnte. Absolut harmlos und in keiner Weise klassenkämpferisch vorgetragen. Hier gibt es lediglich – wie es auch an einer Uni so üblich sein sollte – mit wissenschaftlichen Fakten unterlegte Aussagen zu hören, die meiner Meinung nach in keiner Weise einen solchen Aufruhr rechtfertigen.
    Im Zusammenhang mit diesem Vortrag wird auch immer wieder ein Welt-Artikel genannt, an dem die Biologin mitgearbeitet hat und der von den „Woken“ als extrem transfeindlich betrachtet wurde. Dazu kann ich mir noch kein Urteil erlauben, da ich diesen noch nicht gelesen habe. Doch wenn ich resümiere, wie banal dieser wissenschaftliche Vortrag auf mich schon gewirkt hat, wird sich die Aufregung über diesen Artikel vermutlich auch nur als Sturm im Wasserglas entpuppen.

    Ausgerechnet die Menschen, die ständig Toleranz gegenüber anderen fordern, sind intolerant bis zum Erbrechen, wenn es Meinungen gibt, die der selbstgewählten Moral und den gesellschaftlichen Utopien entgegenstehen.

    Es macht mir wirklich Sorgen, wie sich auf diese Art und Weise eine Gesinnungsdiktatur entwickelt. Und viele Medien zündeln mit, wenn es drum geht, bestimmte Meinungen vorherrschend zu machen. Was die Säkularisierung uns an Freiheit gebracht hat, wird durch die Hintertür durch die „Glaubensgemeinschaft der Woken“ wieder einkassiert, wenn wir nicht aufpassen. Ja, so was kann eine Demokratie gefährden. Das meine ich ernst und sage es mit voller Überzeugung.

  7. #7 | FuckLgbtq sagt am 4. Juli 2022 um 07:51 Uhr

    Wenn Universitäten Wissenschaftlich belegte Fakten aus Angst vor Gender Vollidioten verschwinden lassen ist es echt zuspaet für diese Scheiss welt

  8. #8 | Humboldt-Uni: Querdenker mit guter PR | Ruhrbarone sagt am 4. Juli 2022 um 08:43 Uhr

    […] das denn überhaupt gäbe, sei nicht mehr als ein harmloser Schnupfen und den Querdenkern, die den Vortrag von Marie Luise Vollbrecht  über Evolution und Zweigeschlechtlichkeit an der Humboldt-Uni […]

  9. #9 | SvG sagt am 4. Juli 2022 um 09:43 Uhr

    @ paule t. : Und deshalb darf man diesen Vortrag unter Androhung der Gewalt verhindern?

  10. #10 | Sandie Zell sagt am 4. Juli 2022 um 11:01 Uhr

    Interessanter Vorgang.

    Zum Inhalt möchte ich mich nicht äußern. Es gilt die Freiheit der Wissenschaft. Wenn meine Ansicht abweicht, tut das nichts zur Sache. In der gebotenen Toleranz würde ich den Inhalt trotzdem stehen lassen.

    Was ich nicht toleriere ist die Gewaltbereitschaft von Aktivist*innen-Gruppen. Und in der Folge komme ich nicht damit zurecht, dass die Uni eingeknickt ist. Nicht dass ich es nicht verstünde ….. aber verstehen bedeutet gar nichts, verstehen kann man auch Rechtsbrecher, ohne ihr Handeln zu akzeptieren. Der Unterschied zwischen einem gewaltbereiten Despoten und einem gewaltbereiten Aktivisten ist nur die Wahl der zur Verfügung stehenden Mittel. Die Arroganz, unbedingt Recht zu haben, haben beide. Bei welchem Thema wäre die Uni denn bereit, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und ihre Veranstaltungen zu schützen? Oder ist die Freiheit der Lehre eines von den nicht einklagbaren Rechten?

    Wo früher die Geschlechtlichkeit auf die Fortpflanzung verkürzt wurde, ist sie jetzt komplett davon entkoppelt. Weil es geht. ich habe den Verdacht, dass dies der Sache auch nicht vollständig gerecht wird. Es bleiben Widersprüche im rechtlichen Raum, die, wenn man sie zu Ende denkt, nicht auflösen lassen. Aber das wäre ein eigenes abendfüllendes Thema.

    spaßeshalber noch ein Zitat von Wilhelm Busch…

    „Aber jene Junggesellen,
    Jungfern ohne Ehestellen,
    Die da ohne Leibeserben
    So als Blattgewächse sterben
    Pflanzen sich durch Knollen fort“

    😉

    Salu!

  11. #11 | Uli Reifschläger sagt am 4. Juli 2022 um 12:28 Uhr

    Die Toleranz wird ein solches Niveau erreichen, dass intelligenten Menschen das Denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen.

    F. M. Dostojewski (1821-1891)

  12. #12 | Berthold Grabe sagt am 4. Juli 2022 um 14:59 Uhr

    Zum Thema wird viel Unsinn publiziert, wirklich hilfreiches sucht man i.d.R. vergebens.
    Das es nur zwei Geschlechter gibt ist eine Fakt.
    Das es eine kleine vielfältige Klientel gibt, die sich sozial damit nicht zutreffend beschreiben sieht ebenso.
    Da mit zusätzlichen rechtlichen Kategorien zu kommen, die keinerlei Gemeinnutzen besitzen ist kindisch.
    Mir ist es egal, wie sich Menschen sehen, deren äußere Identität nicht ihrem Geschlecht entspricht.
    Aber mit Gendergedöns und kleinteiliger Geschlechterdefinition wird Diskriminierung eher wahrscheinlicher als das Gegenteil, als liberales Achselzucken zu erzeugen.

    Wir gefährlich ist das Wegducken vor der Konfrontation der Unileitung.
    Genau das hat in Weimar den Radikalen den Weg bereitet.

  13. #13 | paule t. sagt am 4. Juli 2022 um 19:03 Uhr

    @ #6 | Nachdenklicher Mensch, Zitat:
    „Im Zusammenhang mit diesem Vortrag wird auch immer wieder ein Welt-Artikel genannt, an dem die Biologin mitgearbeitet hat und der von den „Woken“ als extrem transfeindlich betrachtet wurde. Dazu kann ich mir noch kein Urteil erlauben, da ich diesen noch nicht gelesen habe.“

    Diesen Hintergrund zu kennen, wäre alles wichtig, um den aktuellen Vorgang zu verstehen. Sonst versteht man weder, warum Vollbrecht in der „Langen Nacht der Wissenschaften“ diesen Vortrag mit MIttelstufenbiologie, der mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit wahrscheinlich wenig zu tun hat, überhaupt halten wollte, noch, warum es dagegen Proteste gab.

    ——————————————————————————

    @ #9 | SvG, Zitat: „@ paule t. : Und deshalb darf man diesen Vortrag unter Androhung der Gewalt verhindern?“ und
    @ #10 | Sandie Zell, Zitat: „Was ich nicht toleriere ist die Gewaltbereitschaft von Aktivist*innen-Gruppen.“

    Habe ich was verpasst? Wer hat Gewalt angedroht?
    Angekündigt war eine Protestveranstaltung. Und so etwas ist übrigens genauso geschützt wie Wissenschaftsfreiheit. Wenn man die Gepflogenheiten bei studentischen Protesten kennt, hätte man vielleicht Schreierei, Bühnenbesetzung o.Ä. erwarten können, die den Vortrag stören. Die Uni hatte keinen Bock darauf, genügend Personal abzustellen, um das wiederum zu verhindern. Das ist alles.
    Leute wie Vollbrecht, die gerne in die Berichterstattung des kompletten ÖRR eingreifen würden und ihnen unbequeme Inhalte canceln wollen, sollten mit solchen Protestformen zurechtkommen können.

    ——————————————————————–

    @ #12 | Berthold Grabe,
    „Zitat: Das es nur zwei Geschlechter gibt ist eine Fakt.“

    Das ist falsch. Ein Fakt ist lediglich, dass es bei geschlechtlicher Fortpflanzung nur zwei Arten von Gameten gibt. Auf diesen einen Fakt möchten nun Antitrans-Aktivisten wie die Gruppe um Vollbrecht gerne den kompletten Begriff des Geschlechts oder zumindest des „sex“ reduzieren, um dann, mittels dieser Reduktion, behaupten zu können, es gebe nur zwei Geschlechter.

    Es gibt aber nun mal noch eine ganze Reihe von anderen Aspekten von Geschlecht, die je nach Situation oder Fragestellung eine Rolle spielen können, in denen die Gameten vielleicht gar nicht interessieren. Und dadurch, dass diese anderen Aspekte sich nicht immer in einer eineindeutigen Zuordnung zur Gametenproduktion befinden, gibt es eben nicht nur diese strenge Binarität der Geschlechter.

    Das merkt man auch in Vollbrechts Vortrag. Sie bringt ja immer wieder ganz interessante Beispiele, bei denen irgendetwas nicht so recht zur Geschlechterbinarität zu passen scheint. Und immer kommt dann eine Argumentation der Art: „Aber auch da gibt es nur zwei Arten von Gameten, also gibt es trotzdem nur zwei Geschlechter.“
    Was sie damit macht, ist: Sie blendet bestimmte Fakten als angeblich irrelevant für die Geschlechterfrage aus, reduziert die Geschlechterfrage auf diesen einen Punkt mit den Gameten, und _dann_ ergeben sich nur noch zwei Geschlechter ohne irgendwelche Zwischenformen und Uneindeutigkeiten. Aber diese Binarität ergibt sich aus der _Auswahl_ der genehmen Fakten, nicht aufgrund der Fakten selbst.

    Besonders wissenschaftlich ist daran überhaupt nix. Im Gegenteil ist die lautstark vor sich hergetragene „Wissenschaftlichkeit“ und die Abwertung der anderen Position als „wissenschaftsfeindlich“ etc.pp. pure Ideologie.

    Zitat: „Da mit zusätzlichen rechtlichen Kategorien zu kommen, die keinerlei Gemeinnutzen besitzen ist kindisch.“

    Sie verwechseln „Gemeinnutzen“ mit „Erkennbarer Nutzen auch für mich selbst“. Mit Verlaub: _Das_ ist kindisch. Nun gibt es aber erstens keine Notwendigkeit, dass jedes Gesetz einen Nutzen für jeden haben sollte, sondern es reicht zur Legitimation einer Gesetzesänderung völlig aus, wenn dadurch ein paar Leute besser ihren Bedürfnissen entsprechend leben können, solange es niemand anderem schadet; und zweitens kann man es durchaus auch für einen (indirekten) Gemeinnutzen halten, wenn dadurch eine Gesellschaft entsteht, in denen mehr Menschen ihren Bedürfnissen entsprechend leben können und es weniger Diskriminierung gibt.

    ————————————————————————————-

    Ich bringe gegenüber den Verfechtern einer radikalen Zwei-Geschlechter-Binarität immer gerne dieses Beispiel: Es gibt Menschen mit XY-Chromosomen (also männlichem Chromosomensatz), die dementsprechend auch Hoden haben (also männliche, allerdings innen liegende Keimdrüsen), die aber einen eher weiblichen Hormonstatus haben und die im Zusammenhang damit auch weibliche primäre und sekundäre äußere Geschlechtsmerkmale und die dementsprechend auchweiblich sozialisiert wurden und psychsozial ein weibliches Geschlechtsempfinden haben.

    Kurz. in einfachen Worten: Da wird ein Kind mit einer Vulva geboren, es wird von Geburt an für ein Mädchen gehalten, es sieht sein ganzes Leben äußerlich wie ein Mädchen aus und empfindet sich irgendwann auch so – bis irgendwann bei einer Untersuchung die innenliegenden Hoden entdeckt und die Eierstöcke vermisst werden.
    Bild von Leuten, bei denen das der Fall ist: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orchids01.JPG?uselang=de
    DIe Binaritätsverfechter, die sich auf die Gameten zurückziehen, müssten diesen Leuten dann sagen: „Sorry, was immer ihr bisher gedacht habt, aber ihr seind keine Frauen, ihr seid Männer.“ (Und das wurde mir inhaltlich auch schon gesagt.) Sorry, aber das ist doch bekloppt. Und das alles bloß, weil manche Leute unbedingt jedes einzelne Individuum in eine von genau zwei Schubladen stecken möchten.

  14. #14 | paule t. sagt am 4. Juli 2022 um 19:38 Uhr

    Upps, Korrektur zu #13, ziemlich am Ende:

    „empfindet sich immer auch so – bis irgendwann bei“

  15. #16 | SvG sagt am 4. Juli 2022 um 23:59 Uhr

    @ paule t.: Wen Schreierei und Bühnenbesetzung oÄ (also wahrscheinlich das werfen von Farbbeutel, Eiern oA…) für Sie zu einem normalen Verhalten an einer Universität gehört, erklärt das einiges. Ebenso, daß Sie dies nicht als gewalttätig einstufen.

  16. #17 | markus mandt sagt am 5. Juli 2022 um 00:13 Uhr

    Vielen Dank für die Aufarbeitung und Differenzierumg zwischen Geschlecht und Gender. Ich habe die Hoffnung, dass viele voreilig schimpfende Menschen, diese Differenzierung mitgehen.

  17. #18 | Arnold Voss sagt am 5. Juli 2022 um 08:18 Uhr

    @ Berthold Grabe # 12

    Alles was sie schreiben ändert nichts daran, dass die Gattung Mensch ohne Fortpflanzung nicht länger existieren könnte, was wiederum heißt, dass auch die von ihnen genannten Sonderfälle nicht existieren können würden. Von daher handelt es sich hier in keinster Weise um die wissenschaftlich uangemessene Reduktion von Geschlechtsmerkmalen sondern um die existentielle Voraussetzung für alle anderen Geschlechtsmerkmale. Und natürlich gibt es diese auch und natürlich geht es darum auch diese in Betracht zu ziehen, wenn es um das soziale und gefühlte Geschlecht und die Einordnung von speziellen Mutation geht.

  18. #19 | Helmut Junge sagt am 5. Juli 2022 um 09:56 Uhr

    @SVG (16) genau, „Wen Schreierei und Bühnenbesetzung oÄ (also wahrscheinlich das werfen von Farbbeutel, Eiern oA…“ sind absolut kein normales Verhalten an einer Universität. Und genau darum geht es eigentlich. Es geht überhaupt nicht um die Frage wieviele Geschlechter es gibt, sondern darum, wie manche Studenten auf Vorträge, die ihnen nicht passen, reagieren. Nämlich mit Androhungen von Gewalt.
    Daß dieser Vortrag dann, statt vor 20 Leutchen im Hörsaal, einer breiten Öffentlichkeit in allen Mediem angeboten wird, ist ein gutes Signal.

  19. #20 | abraxasrgb sagt am 5. Juli 2022 um 13:29 Uhr

    #18 Arnold, logisch völlig d´accord. Aber bist Du sicher, dass Du nicht PauleT (von dem ich immer mehr annehme, dass er eine islamistische Sockenpuppenspieler*IN ist) meinst?
    Biologisch pflanzen sich zwei Geschlechter fort … psychologisch gibt es eine große (numerische größere) Menge von Spielarten zu balzen, um zu kopulieren.

    @all vielleicht hilft beim Verstehen die Lektüre der Klassiker und das Verständnis, das Charles Darwin die Entstehung Arten mit natürlicher Selektion und Evolution erklärte und die menschliche Abstammung mit sexueller(sic!) Selektion und erotischer Konfusion (letzteres ist meine Interpretation)?
    Fakt ist, dass sich die beiden „natürlichen“ Geschlechter relativ einfach fortpflanzen und die Spezies erhalten. Bei den vielen Gendern ist Fortpflanzung zwar stellenweise möglich, aber bei den hier gelegentlich als widerlegenden argumentierten, faktisch aber irrelevanten, extrem seltenen Beispielen, sowohl aus Gründen der Physiologie und des erotischen Marktwertes eher unmöglich 😉
    Das Paradoxon ist doch, dass Genderisten (whatsoever sich davon angesprochen fühlt) zwar Sex haben können, er aber nix mit Fortpflanzung im funktionalen Sinn am Hut haben.
    Ob jetzt bestimmte erotische Präferenzen gesellschaftliche Anerkennung erfahren (oder eben auch nicht, das dürfen liberale Gesellschaften durchaus selbst entscheiden) und z.B. adoptieren dürfen (oder eben auch nicht), ist einzig und alleine eine politische Frage.
    Man muss ja nicht gleich jeden erotischen Fetisch politisch fetischisieren 😉

    Das schreibt jemand, der männlich, weiß und cis-hetero ist und das ist auch gut so 😉 macht nämlich sehr viel Spaß und guter Sex entspannt ungeheuer.

  20. #21 | Arnold Voss sagt am 5. Juli 2022 um 17:50 Uhr

    @ abraxasrgb # 20

    In diesem Fall beziehe mich explizit auf Berthold Grabe (# 12) der allerdings damit auch – absichtlich oder nicht – eine ausführlich Schützenhilfe für paule. t geliefert hat, die hier allerdings schon über Jahre kommentiert und dabei fast immer sachlich geblieben ist.

    Wer dem postmateriellen Denkkonzept der Porstmoderne anhängt, neigt dazu, so gattungsgeschichtlich essenszielle und existentielle Tatsachen wie die Notwendigkeit und/oder der Wunsch der Fortpflanzung aus dem Visier zu verlieren. Man achtet zwar seine Eltern, egal welchen Geschlechtes, aber man ignoriert sie als Erzeuger. Erst beim eigenen Kinderwunsch kommt dann die binäre Biologie wieder ins Spiel.

  21. #22 | Helmut Junge sagt am 5. Juli 2022 um 18:54 Uhr

    Arnold Voß, @abraxasrgb hat Recht. Du kannst nur @Paule t.gemeint haben, der den so zitiert, daß esirkt, als würde @Grabe selber kommentieren.
    Ich hatte es ursprünglich auch so gesehen wie du.
    Nach „#11 | Uli Reifschläger sagt am 4. Juli 2022 um 12:28 Uhr “
    kommt
    „#12 | Berthold Grabe sagt am 4. Juli 2022 um 14:59 Uhr „

  22. #23 | yohak sagt am 5. Juli 2022 um 18:57 Uhr

    „hätte man vielleicht Schreierei, Bühnenbesetzung o.Ä. erwarten können, die den Vortrag stören. Die Uni hatte keinen Bock darauf, genügend Personal abzustellen, um das wiederum zu verhindern“

    Das genau ist es, was man der HU vorwerfen muß: Daß sie „keinen Bock“ hatte, den nötigen Aufwand zu treiben, um Störungen von wissenschaftlichen Vorträgen zu verhindern. Den freien wissenschaftlichen Diskurs sicherzustellen, das muß für jede Unileitung ein absolutes Essential sein.

  23. #24 | paule t. sagt am 5. Juli 2022 um 21:33 Uhr

    Ein paar Nebensächlichkeiten zum Diskussionsverlauf:

    @#21 | Arnold Voss , Zitat:
    „[…] paule. t […], die hier allerdings schon über Jahre kommentiert und dabei fast immer sachlich geblieben ist.“

    Danke für die Blumen, aber ich bin immer noch cis-Mann und bevorzuge das Pronomen „er“. (Hätte ich geahnt, dass „paule“ – für mich ein Kumpel-Name für „Paul“ – solche Verwirrung stiftet …)

    @#20 | abraxasrgb, Zitat:
    „[…] PauleT (von dem ich immer mehr annehme, dass er eine islamistische Sockenpuppenspieler*IN ist) […]“

    Lustig. Sehr, sehr lustig. Ich versuche mir gerade vorzustellen, in welcher gesellschaftspolitischen Vorstellungswelt man leben muss, um eine rgumentation für Trans-Rechte als Anzeichen dafür zu sehen, dass jemand ein „islamistischer Sockenpuppenspieler“ sei.

    @ #15 | Stefanie , Zitat:
    „Die NZZ hat dazu einen hervorragenden Artikel verfasst:[…]“

    Hervorragender Artikel? Naja. Irgendwie ist es zwar eine Leistung, einen so langen Artikel zu schreiben, ohne ein einziges Wort zum Hintergrund des Vortrags und der Kritik daran zu verlieren (das bekannte „Dossier“), aber eigentlich nicht im positiven Sinne. Es sei denn, man möchte den Quotienten „Wortzahl / Recherche“ möglichst hoch haben.

  24. #25 | Helmut Junge sagt am 5. Juli 2022 um 22:25 Uhr

    Der Name Paule wird halt von der Mehrzahl der muttersprachlichen Deutschen eher als weiblich empfunden als männlich, ist aber auch sehr häufig ein Jungenname.
    https://www.vorname.com/name,Paule.html

  25. #26 | paule t. sagt am 6. Juli 2022 um 00:14 Uhr

    @ #18 | Arnold Voss
    Zitat: „Alles was sie schreiben ändert nichts daran, dass die Gattung Mensch ohne Fortpflanzung nicht länger existieren könnte, was wiederum heißt, dass auch die von ihnen genannten Sonderfälle nicht existieren können würden.“

    Das ist ja völlig richtig – aber warum schreiben sie das? Diesen Punkt bezweifelt in der Diskussion ja überhaupt niemand. Ebenso wie in der Diskussion niemand bezweifelt, dass es nur zwei Arten von Gameten gibt – was Vollbrecht et al. merkwürdigerweise nicht daran hindert, so zu tun, als müssten sie es irgendwem erklären.

    Zitat: „Von daher handelt es sich hier in keinster Weise um die wissenschaftlich uangemessene Reduktion von Geschlechtsmerkmalen sondern um die existentielle Voraussetzung für alle anderen Geschlechtsmerkmale.“

    Trotzdem gibt es aber die anderen Geschlechtsmerkmale und verschiedenste Vermischungen davon, die eigentlich gegen eine Geschlechterbinarität sprechen, der sich alle Individuen zuordnen ließen (bei verschiedenen Spezies). Vollbrecht zählt dafür allerlei Beispiele auf – nur um dann stereotyp festzustellen, dass es aber auch dann nur zwei Gameten gebe, weswegen es doch nur zwei Geschlechter gäbe. Die anderen Geschlechtsmerkmale spielen dann also auf einmal doch keine Rolle mehr.
    Natürlich ist das eine Reduktion, was denn sonst?

    Zitat: „Und natürlich gibt es diese auch und natürlich geht es darum auch diese in Betracht zu ziehen, wenn es um das soziale und gefühlte Geschlecht und die Einordnung von speziellen Mutation geht.“

    Das ist schön, dass Sie diese Meinung vertreten. Nur ist das dezidiert nicht die Position von Vollbrecht und ihren Mitstreiter:innen.
    In dem „Dossier“ über den ÖRR geht es ja nicht darum, dass in irgendwelchen Sendungen behauptet würde, dass es mehr als zwei Sorten von Gameten gäbe. So etwas behauptet, wie gesagt, niemand.
    Das Dossier greift vielmehr alle Darstellungen an, nach denen es beim Menschen mehr gebe als die eindeutige, auf den Gameten beruhende Binarität „männlich“/“weiblich“. Es gibt aber nun mal doch mehr.
    Im menschlichen Leben ist eben nicht nur das eine Geschlchtsmerkmal „Gametenproduktion“ relevant, sondern in sehr vielen Situationen sind ganz andere Merkmale ebenso oder noch stärker relevant. (Beispiele: Wenn bei der Geburt das Geschlecht bestimmt wird, schauen wir auf die sichtbaren Geschlechtsorgane und suchen nicht nach den Keimdrüsen. Wenn wir im täglichen Leben das Gegenüber als männlich oder weiblich wahrnehmen, dann meist aufgrund sekundärer Geschlechtsmerkmale, aber auch sozialer Merkmale. Die Selbstwahrnehmung wiederum kann mit den anderen Merkmalen übereinstimmen, muss es aber nicht. Usw. )

    Sie wollen diese Merkmale einbeziehen. Vollbrecht et al. wollen das nicht, sondern greifen alles als angeblich „unwissenschaftliche Falschinformation“ an, was die schlichte Tatsache feststellt, dass die klare Einsortierung in zwei Geschlechter im menschlichen Leben nicht immer funktioniert. Zur Untermauerung dieses Unsinns dient der Vortrag.

  26. #27 | Arnold Voss sagt am 6. Juli 2022 um 10:03 Uhr

    @ paule. t # 26

    Ehrlich gesagt, ist mir das Geschlecht der hier Kommentierenden piep egal. Aber ich werde sie natürlich, wie gewünscht, in Zukunft mit einem männlichen Pronomen versehen. Und was die Blumen betrifft: gern geschehen.

    Nun zu ihrer Argumentation:

    Viele hormonelle und physische Ausprägungen, d.h. auch die sogenannten äußeren Geschlechtsmerkmale, basieren auf dem binären biologischen Gechlecht. Sie sind zwar mittlerweile teilweise per operativem und chemischer Eingriff ,zu verändern, was allerding an diesem Grundzusammenhang nichts ändert. Deswegen sind solche Operation auch kein Kinderspiel, erst recht, wenn sie wieder rückgängig gemacht werden sollen. Von den psychosomatischen Belastungen ganz zu schweigen.

    Das Geschlecht ist zwar soziale intepretierbar und kann damit verschieden gelesen und von der betroffenen Person selbst auch unterschiedlich empfunden werden. Aber es ist keine Spielwiese in der nach Belieben ohne erhebliche körperliche und seelische Folgen gegen die biologischen Gesetze gehandelt werden kann.

    Ich bleibe also dabei, dass das biologische Geschlecht die Voraussetzung aller anderen Geschlechtsmerkmale ist und spätestens beim Kinderwunsch auch zur dominanten geschlechtlichen Tatsache wird, der in absehbarer Zeit durch keine wie auch immer geartete soziale Geschlechtskonstruktion zu entkommen ist. Anders ausgedrückt: Es ist die Natur selbst, die in dieser Situation die Reduktion der Geschlechtsmerkmale auf die Binarität vornimmt.

  27. #28 | Helmut Junge sagt am 6. Juli 2022 um 11:37 Uhr

    @Katrin Rönicke und @paule.t,
    Ich hab Schwierigkeiten einige Links zu finden. Und deshalb muß ich die Personen, die diese Links posten, selber fragen.
    Also, was ist in diesem Zusammenhang mit dem gecancelten Vortrag eigentlich „transfeindlich“, und zwar so sehr ,
    daß Gewalt angewendet werden darf?

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