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„Ich schrieb mich verrückt“ – große Wolfgang Welt-Werkschau in Bochum

Unser Mann von der Wilhelmshöhe: Wolfgang Welt

Unser Mann von der Wilhelmshöhe: Wolfgang Welt

Der Autor und Ruhrgebiets-Literat Wolfgang Welt wird gerade mit einer großen Retrospektive in der Lutherkirche in Bochum Langendreer geehrt. Nachdem das Heinrich-Heine-Institut 2016 den Nachlass von diesem Popkultur-Kaputtnik-Hero übernommen hatte, entstand so die Idee, ausgewählte Materialien (also Briefe, Manuskripte, Fotos, Ton- und Filmaufnahmen) weiterhin zu präsentieren.

Wolfgang Welt, der am Silvestertag 1952 geboren ist und am 19. Juni 2016 gestorben ist, ist ein Unikum. Seine Romane sind schonungslos autobiografisch. Diese Literatur, die dem Ruhrpott-Schauplatz seine Würde lässt und mit hoher emotionaler Kraft ausgestattet ist, trägt einen ganz eigenen Sprachcode. Seine Geschichten leben von der Aufrichtigkeit, ihrer genauen Beobachtungsgabe und dem lässigen, dokumentarischen Format.

Einer, der sich um die Hege und Pflege des Werkes von Wolfgang Welt kümmert, ist der Düsseldorfer Literatur-Archivar Martin Willems, der auch schon im letzten Jahr eine große Welt-Retrospektive in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen organisiert hat: „Die Düsseldorfer Ausstellung (8.9.-18.11.2018) wurde, nicht zuletzt dank zahlreicher Besucher aus Bochum und dem gesamten Ruhrgebiet, ausgesprochen positiv aufgenommen“, erzählt Willems und erklärt weiter: „Vom 17. Februar bis zum 5. Mai dieses Jahres konnte sie zudem im Museum für westfälische Literatur (Oelde) gezeigt werden. Und nun, seit dem 19. Juni, in Langendreer, Wolfgang Welts Lebensmittelpunkt und Hauptschauplatz seiner Bücher.“

Zur Eröffnung kamen fast 200 Besucher, Frank Goosen las einige von Welts besten Stories, unter anderem den fast schon legendären Heinz-Rudolf Kunze-Verriss. Martin Willems sagt dazu: „Auch die Lesung von Thomas Anzenhofer am letzten Samstag war sehr gut besucht. Ich hoffe, dass es bei den weiteren Begleitveranstaltungen mit Helmut Brasse, Mike Litt, Arne Nobel, Klaus Märkert, Peter Zontkowski und Rainer Küster so weitergeht.“

Der Autor Wolfgang Welt wird drei Jahre nach seinem Tod mit einer großen Werkschau geehrt

Wolfgang Welt brachte die Popliteratur vorwärts, als es noch keinen Benjamin von Stuckrad-Barre gab – und der Deutschunterricht noch zu sehr von Heinrich Böll geprägt war. Dieser unnachahmliche Autor verdichtet sein kleines Leben und übersetzt sie in eine autobiographische Prosa. Martin Willems erklärt: „Es war eine Herausforderung, so viele Ausstellungsinhalte wie möglich auf die ungewöhnliche, doch zweifellos reizvolle Raumsituation in der Luther-Kirche zu übertragen. Die bisherigen Rückmeldungen zeigen aber, dass die Aufgabe geglückt ist. Mich persönlich freut es natürlich, dass die Ausstellung sozusagen auf Reisen gehen kann, und Leute auf Wolfgang Welt aufmerksam macht, die ihn bisher noch nicht kannten.“ Und es geht noch weiter: demnächst erscheint ein Hörbuch mit ausgewählten Welt-Texten, gelesen von Frank Goosen.

Darüber hinaus versucht Martin Willems den Sammelband „Ich schrieb mich verrückt“ (in erweiterter Form) wieder lieferbar zu machen, denn der ist seit einigen Wochen nämlich vergriffen. Wolfgang Welt vermittelt Kleinode, die sehr unvermittelt verfasst sind. Seine Visionen der Sehnsucht sind untermauert von vergeblicher Liebesmühe, Bier und Zigaretten. Sie handeln von der Begeisterung für Pop und Rock-Musik. Außerdem spielen Fußball und Mädchen hier wichtige Hauptrollen.

Der Autor hat diese großen Themen allesamt durchlitten, eingeordnet und aufgeschrieben – bis der Wahnsinn bei ihm anklopfte. Sein 1982 erschienenes Debüt „Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe“ ist 2006 wieder veröffentlicht worden – vielleicht ist dieses Buch sein Opus Magnum. Denn dem Bochumer Stadtteil Wilhelmshöhe ist Wolfgang Welt stets treu geblieben. Er hat im Haus der Eltern gewohnt und mehr als 25 Jahre lang als Nachtpförtner im Bochumer Schauspielhaus gearbeitet.

In der Bochumer Lutherkirche hängen viele persönliche Schätze von Wolfgang Welt, auch Teile seiner Plattensammlung

Die nächsten Termine in der Lutherkirche Langendreer
(Alte Bahnhofstraße 166, 44892 Bochum):

Buddy-Holly-Abend mit Helmut Brasse
Freitag, 28. Juni 2019, 19 Uhr. Eintritt frei

Mike Litts musikalischer Blick auf Wolfgang Welt
Samstag, 29. Juni 2019, 19 Uhr. Eintritt frei

Arne Nobel liest Fischsuppe
Sonntag, 7. Juli 2019, 19 Uhr. Eintritt frei

Klaus Märkert trifft Wolfgang Welt
Freitag, 12. Juli 2019, 19 Uhr. Eintritt frei

 

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